Mit freundlicher
Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
Miller´s Photographics History of the Civil War • Library
of Congress • Kentucky Historical Society
New York Historical Society • Culver Pictures, Inc. • Neikrug
Photographica, Ltd.
U.S. Army Military History Institute, Carlisle Barracks, Pa. •
American Image Gallery Gettysburg, Pa.
Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C. • Valentine
Museum, Richmond
Veröffentlichungen der Smithsonian Institution sowie Staatlicher
Museen des Bürgerkriegs
Am Ende des Krieges

Wieder
Landsleute:
Symbolisch
reichen sich auf einer Bühne ein Unionsoffizier (links)
und ein konföderierter Offizier (rechts, mit leerer Säbelscheide)
die Hand.
Die
USA und ihre Staaten verkörpernde allegorische Figuren runden das
lebende Bild ab.
Photo
aus dem Jahre 1865
»Der Krieg
ist aus, die Rebellen sind wieder unsere Landsleute«, sagte General
Grant nach der Kapitulation Lees am 9. April 1865 und ließ die
Freudenkundgebungen seiner Männer einstellen.
Als drei Tage später die Armee von Nordvirginia in aller Form die
Waffen niederlegte, befahl der in Vertretung Grants die siegreichen
Unionstruppen kommandierende General Chamberlain spontan, die Gewehre
zu präsentieren:
»Vor uns - stolz in ihrer Demütigung - stand die verkörperte
Tapferkeit: Männer, die keine Anstrengung und kein Leid, nicht
die Erwartung des Todes noch Unglück oder Hoffnungslosigkeit gebeugt
hatte. Sie standen abgezehrt, ausgehungert und abgerissen, aber aufrecht
vor uns, und ihre Augen blickten gerade in die unseren und weckten Erinnerungen,
die uns mehr verbanden, als jedes andere Band es hätte tun können
- waren es solche Männer nicht wert, wieder in die Union aufgenommen
zu werden? Ich gab meine Kommandos, und als die Spitze der ersten Division
unsere Abteilung erreichte, blies unser Hornist das Signal, und sogleich
präsentierte die ganze Linie, von rechts nach links, ein Regiment
nach dem anderen, das Gewehr.
Gordon [General John B. Gordon führte in Vertretung Lees das
Kommando bei den Konföderierten], der gesenkten Hauptes an
der Spitze seiner Kolonne ritt, hörte das Knallen der Griffe, verstand
den Sinn, parierte sein Pferd durch und senkte mit stolzem Gruß
seinen Degen auf die Stiefelspitze. Dann wandte er sich zu seinen Soldaten
um und gab das Kommando, gleichfalls das Gewehr zu präsentieren
- Ehre gegen Ehre.
Auf unserer Seite kein Hornsignal, kein Trommelwirbel mehr, kein Hochruf,
kein Wort, keine Bewegung -
eine feierliche Stille, alles hielt den Atem an, als zöge ein Trauerzug
vorbei.«
Wohl
selten ging ein Bürgerkrieg mit einer solch ritterlichen Note zu
Ende wie das vierjährige mörderische Ringen zwischen den Nord-
und den Südstaaten der USA.
Und der Staatslenker der siegreichen Union hatte derselben Stimmung
Ausdruck verliehen, als er bei seiner zweiten Amtseinführung am
4. März 1865 verkündete, man müsse sich »mit Groll
gegen niemanden, mit Milde gegen alle« an das große Werk
des Wiederaufbaus und der Versöhnung machen.
Aber nicht alle dachten so. Wenige Wochen nach dieser Rede, am 14. April
1865, wurde Abraham Lincoln von der Kugel eines Fanatikers gefällt.
Der Tod des »Märtyrerpräsidenten« erschütterte
die durch Kampf und Sieg erregte Nation zutiefst. Zugleich wurde durch
die Ermordung Lincolns die Bahn frei für Politiker, die dem geschlagenen
Süden durchaus nicht so wohlwollend gegenüberstanden, wie
der tote Präsident es getan hatte.
Lincoln gehörte zu den letzten Opfern eines Krieges, der weit über
600 000 Soldaten und ungezählten Zivilisten das Leben gekostet
hatte. 1865 gab es nur mehr wenige Familien, die nicht Trauer trugen.
Körperliche und seelische Verkrüppelung, vernichtete Hoffnungen,
finanzieller Ruin hatten das Leben von Millionen zerbrochen, riesige
Flächen in den Südstaaten lagen öd und verwüstet.
Amerika trug die Spuren des »ersten modernen Krieges der Geschichte«.

»Alles
in Ordnung«: Lincoln schreibt auf einer Trommel die Siegesmeldung
an seine Nation nieder.
Die
Karikatur von Thomas Nast erschien in «Harpers's Weekly«
am 14. April 1865,
dem Tag, an dem der Präsident von seinem Mörder niedergeschossen
werden sollte.

Tod
eines Präsidenten:
In einem gewaltigen Trauerzug wurde der Leichnam Lincolns von Washington
ins heimatliche Springfield, Illinois, überführt.
Diese Photos zeigen die schwarz dekorierte und mit der Aufschrift
»Die Nation trauert« versehene Stadthalle von New York
und
die Trauerprozession in Chicago.



Tod einer Nation:
Jefferson Davis, der Präsident der zerfallenden Konföderation
des Südens, wollte den Kampf auch nach dem Verlust der Hauptstadt
Richmond fortsetzen.
Er floh von Virginia immer weiter nach Süden, um den Volkskrieg
zu organisieren, doch wurde er am 10. Mai 1865 bei Irwinville in Georgia
von Unionskavallerie festgenommen.
Man
hielt ihn zwei Jahre lang in Fort Monroe, Virginia, gefangen, in der
Absicht, ihm und anderen konföderierten Anführern den Prozeß
zu machen.
Als sich die juristische Unhaltbarkeit der vorgesehenen Anklagepunkte
erwies, wurde der erste und letzte Präsident der ehemaligen Konföderation
ohne Verfahren auf freien Fuß gesetzt.
Die Photos
zeigen Davis im Reiseanzug, kurz nach seiner Gefangennahme, und den
Abtransport des Präsidenten in einer von Unionskavallerie eskortierten
Ambulanz. Ersten Gerüchten zufolge soll Davis als Frau verkleidet
gefangen worden sein.
Darauf bezieht sich das Titelblatt eines Spottliedes auf »Jeff
Davis in Petticoats«.


Eine Hauptstadt in Ruinen: Beim Abzug der konföderierten Armee
am
12. April 1865 brannte Richmond, die Hauptstadt der konföderierten
Südstaaten, zum großen Teil nieder.
Über den Trümmern erhebt sich unzerstört das von Thomas
Jefferson entworfene Kapitol von Virginia, das nun vier Jahre lang als
Kapitol der Konföderation gedient hatte.
Alteisen: Überreste erbeuteter konföderierter Lafetten und
Munitionswagen, die im Waterlivet Arsenal in Troy, New York, verbrannt
wurden.


Eine
Hauptstadt im Siegestaumel:
Am
23. und 24. Mai 1865 paradierten die Armeen Grants und Shermans durch
Washington.
Im
Hintergrund, am Ende der Pennsylvania Avenue, ragt die Kuppel des Kapitols
in den Himmel, die während des Krieges fertiggestellt worden war.

Auf
diesem Bild präsentieren sich im Mai 1865 stolz Soldaten mit erbeuteten
konföderierten Fahnen, nachdem sie die Trophäen nach Washington
gebracht haben.
Zerfetzte
Fahnen:
Der Weg des 24. Massachusetts-Regiments durch das blutige Chaos des
Krieges ist an den Schlachtennamen abzulesen, die seine Fahne schmücken.


Das Schlachtfeld
als Hölle:
Tausende
von Männern zusammengepfercht in einem engen Graben, unfähig,
ihn zu verlassen oder sich auch nur zu erheben, sich zu strecken oder
zu stehen ohne Gefahr für Leben und Gesundheit;
unfähig, sich hinzulegen oder zu schlafen, weil es an Platz fehlt
und überall Gefahr lauert;
Nachtalarme, Tagesangriffe, Hunger, Durst, unsägliche Müdigkeit,
Schmutz, Ungeziefer, Kot, ekelerregende Gerüche überall;
auf die ermüdende Nacht folgt ein noch ermüdenderer Tag;
der erste Blick über den Grabenrand bei Morgengrauen läßt
die Kugel des Scharfschützen an deinem Ohr vorbeipfeifen, oder
sie schmettert dir durch den Schädel, oft wird das Leben eines
Mannes gefordert als Preis für einen Becher Wasser aus der Quelle.
So schildert ein Veteran des Stellungskrieges im Sommer 1864 den Alltag
im Schützengraben. Das Photo zeigt Stellungen vor Petersburg, Virginia,
im Frühjahr 1865.
Das Schlachtfeld als touristische Attraktion:
Zwei Jahre
nach Kriegsende schwärmen Neugierige über die zernarbte Landschaft
um Petersburg.


Die
ersten Denkmäler:
1865
errichten Veteranen auf dem Schlachtfeld von Bull Run ein Monument für
die vier Jahre zuvor in der ersten Schlacht des Krieges Gefallenen.
Vierzig
Jahre nach der Schlacht, als dieses Photo entstand, war Gettysburg das
am dichtesten mit Denkmälern übersäte Schlachtfeld der
Welt.
Aber auch auf den anderen Kampfplätzen des Bürgerkrieges wuchsen
die Monumente aus dem Boden und wurden die alten Geschütze wieder
in Stellung gebracht.
Heute
sind alle großen Schlachtfelder in den USA Nationalparks und werden
alljährlich von Millionen Menschen besucht.

Denkmäler,
Denkmäler, Denkmäler:
Das
19. Jahrhundert war eine denkmalbegeisterte Zeit, und das nirgendwo
mehr als in den USA nach dem Bürgerkrieg.
Kaum ein Städtchen blieb ohne sein Monument für die Gefallenen
und Kriegsteilnehmer, kaum ein Armeekommandeur ohne wenigstens ein Reiterdenkmal,
gleichgültig, ob er gesiegt hatte oder besiegt worden war.
Selbst
Joe Hooker, der bei Chancellorsville 1863 so schrecklich geprügelte
Befehlshaber der Potomac-Armee, erhielt in Boston sein imposantes Reiterstandbild.

Ein
lebendes Denkmal:
Kein
anderer General des Bürgerkrieges genoß und genießt
eine solche fast religiöse Verehrung wie Robert E. Lee.
»Groß
im Sieg, groß in der Niederlage, in beiden Fällen nur sich
selbst gleich«,
sagte ein Nordstaatler von ihm.
Als
Verlierer war er von den hohen Ehren ausgeschlossen, die auf seine siegreichen
Gegenspieler warteten, aber sein Ruhm übertraf den aller anderen,
und er wurde zum Symbol eines Traumes, der »verlorenen Sache«
des Südens.
Die
Aufnahme von Matthew Brady entstand kurz nach der Kapitulation von Appomattox
im April 1865 vor Lees Haus in Richmond.
Links
vom General steht sein ältester Sohn, George Washington Custis
Lee, rechts, mit schwarzem Hut, sein Stabschef Col. Walter Taylor.

Ein
halbes Jahrhundert nach Appomattox:
Konföderierte
Veteranen in einem Heim in Kentucky. Bis in die späten 1870er Jahre
verdrängte Amerika die Erinnerung an seinen großen Krieg.
Veteranen fanden wenig Anerkennung, und auch die ehemaligen Soldaten
selbst hatten wenig Bedürfnis, sich zusammenzuschließen oder
sonstwie hervorzutreten.
Dann
aber blühten die Veteranenorganisationen mächtig auf, und
je mehr die Zahl der Überlebenden zusammenschmolz, desto größer
wurde der Respekt, der ihnen zuteil wurde, jeder von ihnen auch ein
lebendes Denkmal.
Die Pensionszahlungen verdoppelten schließlich beinahe die Kosten
des Krieges.
Der
letzte Veteran, ein Südstaatler, starb 1959 im Alter von 117 Jahren.

Unbekannt:
Tausende
von Gefallenen ruhten bei Kriegsende noch unbestattet auf den Schlachtfeldern.
Fast
die Hälfte aller Soldatengräber der Union trug die Aufschrift
»Unknown« - Unbekannt -, über 40000 blieben ohne jede
Bestattung.
Auf
konföderierter Seite waren die Verhältnisse noch trostloser
für die Angehörigen.

Heldenfriedhöfe
Nord und Süd:
Während
und kurz nach dem Krieg lassen selbst die letzten Ruhestätten der
Soldaten nur zu deutlich erkennen, wer der Sieger war und wer der Besiegte.
Auf
Richmonds Hollywood Cemetery sind im April 1865 die Gräber der
konföderierten Toten durch simple Bretter gekennzeichnet.....
.....während
die Leichen der bei City Point, Virginia, im Sommer 1864
bestatteten Nordstaatler bereits unter Grabsteinen liegen.

Totenkult:
Nach
dem Krieg holte man an Pietät nach, was während der Kämpfe
versäumt worden war. Der Bürgerkrieg war der erste Krieg der
Geschichte, dessen Tote nicht spurlos in Massengräbern verschwanden,
sondern auf weihevollen Heldenfriedhöfen gemeinsam bestattet wurden.

Die
abgebildeten Beispiele zeigen die Friedhöfe in Alexandria, Virginia
und Arlington, Virginia.

12 000 der 15 000 Bürgerkriegstoten, die auf letztgenanntem Friedhof
liegen
(er wurde auf dem Gelände von General Lees enteignetem Anwesen
angelegt),
sind unbekannt.

Verwundete
Generale:
Die
blutigen Verluste in der Generalität waren verhältnismäßig
um 50 % höher als die der Mannschaften.
Der
Unionsgeneral Henry A. Barnum war auf eine
seiner drei Wunden besonders stolz, einen Bauchdurchschuß, durch
den er für den Photographen eine Schnur zog.
Der
konföderierte General Adam R. Johnson
wurde durch einen versehentlichen Schuß seiner eigenen Leute fast
völlig geblendet.

Wiederbegegnung
auf dem Schlachtfeld:
Ein
Konföderations- und ein Unionsveteran stehen sich in den Wäldern
bei Fair Oaks gegenüber, wo jeder von ihnen viele Jahre zuvor,
am 31. Mai 1862,
einen Arm verloren hat.

Heimkehr der Sieger:
Schwarze
Unionssoldaten werden in Little Rock, Arkansas, entlassen.
Die gewaltige Unionsarmee wurde innerhalb weniger Monate vollständig
demobilisiert.
Von
der Million Soldaten, die der Norden Anfang 1865 unter Waffen hatte,
befanden sich im Sommer 1867 keine 60 000 Mann mehr bei der Armee, und
in den folgenden Jahren sank die Stärke fast auf den kümmerlichen
Bestand der Vorkriegszeit, ein deutliches Zeichen für die Kriegs-
und Militärmüdigkeit, die im Lande herrschten.
Zeichnung von Alfred Waud, April 1866.
Heimkehr
der Besiegten:
Konföderierte
Soldaten schwören nach der Kapitulation in Richmond den Treueeid
auf die Union und können dann nach Hause gehen.
Zeichnung von Alfred Waud, April 1865.

»Spuren
der Unionsarmeen«:
So
hat der prosüdstaatlerische Karikaturist Adalbert Volck seine Graphik
bezeichnet, die einen heimkehrenden Konföderierten zeigt, der nur
noch rauchende Trümmer vorfindet.

Den
Sturm geerntet:
South
Carolina, der radikalste der Südstaaten und Ausgangspunkt der Sezession,
war von den Truppen Shermans in den letzten Kriegsmonaten mit besonderer
Gründlichkeit verwüstet worden.
Das Photo von George Barnard zeigt die Ruinen von Columbia,
der Hauptstadt des Staates, niedergebrannt am 17. Februar 1865.
»Die
Hölle war leer, und all ihre Teufel waren in dieser Stadt, um bei
den Yankeeteufeln in die Schule zu gehen. Es war eine perfekte Herrschaft
des Terrors«, schrieb ein Einwohner über den Brand von Columbia.

Ende
einer Welt:
Zwei
Frauen in Trauer zwischen den Ruinen von Richmond, ein Bild,
das die Lage des Südens am Ende des Krieges geradezu symbolisch
festhält.
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