Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Michael Solka, Serientitel: NORD & SÜD
1992, ANTIETAM 1862
© Leah Ireland-Kunze •Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865•
© William C. Davis •SOLDATEN•GENERÄLE•SCHLACHTEN•


ANTIETAM (SHARPSBURG)
17. September 1862

 

 

 

 

Sharpsburg war ein kleines verschlafenes Dorf

 

 

 

Von allen Kämpfen an einem einzigen Tag, die amerikanische Soldaten ausgetragen haben, war der 17. September 1862 am verlustreichsten.
Die Schlacht, die an diesem Tag geschlagen wurde, fand am Antietam vor dem Städtchen Sharpsburg im westlichen Maryland statt.
Die Kämpfe wurden mit einer solchen Intensität geführt, daß ein New Yorker Soldat einen Augenblick lang glaubte, »die ganze Landschaft in einem roten Licht« zu sehen. Die Verluste waren viermal so hoch wie die, welche die amerikanischen Streitkräfte bei der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 erlitten.
Mehr als doppelt so viele Amerikaner fielen in der Schlacht am Antietam als im Krieg von 1812, im Mexikanischen Krieg und im Krieg gegen Spanien 1898 zusammen. Im September 1862 hatte der Amerikanische Bürgerkrieg eine unerwartete Wende genommen.
Die Union befand sich auf einmal in höchster Gefahr, Robert E. Lee hatte den Krieg von Richmond nach Washington getragen und führte nun seine Armee nach Maryland. Der Süden war dabei, seine Unabhängigkeit zu gewinnen, die Zukunft der Union stand auf dem Spiel.
NORD & SÜD
1992, ANTIETAM 1862, Michael Solka

 

 

Der blutigste Tag des Krieges: Antietam

 


Die Schlacht am Antietam, 17. Sept. 1862
1.
Angriff der Unionstruppen bei Tagesanbruch

General  McClellan

 

General McClellan

Trotz der Befürchtungen des Unionsgenerals McClellan war ein Frontalangriff der Konföderierten auf Washington unmöglich. Wegen ihrer schwachen Wirtschaftsstruktur konnten die CSA keine große Belagerungstechnik herstellen, geschweige denn sie nach Washington transportieren.
General Lee stand also vor der Alternative: entweder McClellan aus Washington herauszulocken und zum Kampf zu stellen oder in Virginia in der Defensive zu verharren. Für den aktiven Lee war die zweite Möglichkeit nicht akzeptabel.
Mit Zustimmung des CSA-Präsidenten entschloß er sich zum Überfall auf das Gebiet der Union. Unmittelbar nach der zweiten Schlacht am Bull Run wurde die Armee von Nordvirginia auf eine Stärke von 55.000 Mann gebracht.

 

 

Sie bestand weiterhin aus 2 Korps unter Longstreet und Jackson sowie aus 1 Kavalleriebrigade unter Stuart;
allerdings wurden die Divisionen reorganisiert.

 

 

                      

 

                         


 

 

 

General Lee

............und mit seinen Offizieren

 

 

 

 

 


 

Die Schlacht am Antietam, 17. Sept. 1862
2. Neue Angriffe um 10.00 Uhr

 

Robert E. Lees Strategie war darauf gerichtet, die Potomac-Armee in Südwestpennsylvania in eine unvorteilhafte Lage zu manövrieren und ihr auf einem von ihm selbst gewählten Schlachtfeld einen demoralisierenden Schlag zu versetzen.
Der Plan war, mit anderen Worten, durchaus «napoleonisch». Die Vorteile für die CSA-Seite lagen in ihrer Beweglichkeit und Geschwindigkeit sowie in des Gegners gewohnter Trägheit. Die kommende Schlacht sollte durch Operationen in Maryland und Pennsylvania vorbereitet werden, um die von Washington westwärts führenden Eisenbahnstrecken zu unterbrechen und das Gebiet von Unionsmilizen zu «säubern».
Lee, der McClellans vorherige Feldzüge gründlich analysiert hatte, verließ sich auf die Eigenschaft des Unionsgenerals, die eigenen Kräfte nicht wirksam zu massieren und während der Schlacht falsch einzusetzen.

Anfangs schien alles so glatt zu laufen, wie geplant:
Während Stuarts Kavallerie zwischen Arlington und Centreville Täuschungsmanöver ausführte, überquerte der Hauptteil der konföderierten Armee vom 4. bis 6. September 1862 den Potomac River südöstlich von Harper's Ferry und marschierte nordwärts durch Maryland in Richtung Pennsylvania.
Wie erwartet, wurden diese Bewegungen in Washington registriert und, wie ebenfalls erwartet, reagierte McClellan in seinem gewohnten Schneckentempo.

 

 

 

 





 

Die Schlacht am Antietam, 17. Sept. 1862
3. Burnsides Angriff am Nachmittag und das Eintreffen der konföderierten Division A. P. Hill um 16.30 Uhr






Bald aber machten sich die Folgen einer riesigen Fehlkalkulation des konföderierten Generals bemerkbar:

Er hatte die Frage der Versorgung seiner Truppen völlig außer acht gelassen. Dies ist zum Teil dem Erkenntnisstand der US-amerikanischen Militärwissenschaft vor dem Bürgerkrieg zuzuschreiben.

Die Generale waren es gewöhnt, sich völlig auf die militärische Strategie und Taktik zu konzentrieren.
Es gab noch keine «Logistik», wie man in den USA die personelle, materielle und transportmäßige Infrastruktur der Streitkräfte sowie den operativ-taktischen Einsatz dieser Infrastruktur bezeichnet (vergleichbar mit den rückwärtigen Diensten einschließlich ihrer Einsatztaktik).

Erst im späteren Verlauf des Bürgerkrieges begriff man die Notwendigkeit solcher Berechnungen.

 

 

 

 

 


US-Signalstation am Antietam

Trotzdem hätte Lee die nachteiligen Bedingungen im eigenen Lager erkennen müssen. Die zunehmende Effektivität der Küstenblockade hatte die Einfuhr britischer Enfield-Gewehre und anderer europäischer Waffen gedrosselt. Das CSA-Arsenal in Richmond litt unter Arbeitskräftemangel sowie an Rohstoff- und Maschinenknappheit, von denen die industriell schwach entwickelte Konföderation von Anfang an geplagt war. Besonders mangelte es an Schuhwerk, Hufeisen und Proviant. Die harten Schotterstraßen des Nordens strapazierten nicht nur die Füße und Schuhe der CSA-Soldaten, sondern auch die Hufe der Pferde.

Die Soldaten aßen unreifen Mais von den Feldern und bekamen davon Durchfallerkrankungen. Die Versorgungsprobleme zwangen General Lee dazu, das wichtige Arsenal und Versorgungsdepot der Union in Harper's Ferry überfallen und plündern zu lassen - und für diese Operation bedurfte es einer riskanten Teilung der Armee.
Während das Korps Longstreet in der Region zwischen Hagerstown (Maryland) und Chambersburg (Pennsylvania) operierte - bei ziemlicher Zerstreuung der einzelnen Divisionen -, bereitete Jacksons Korps einen Angriff auf Harper's Ferry vor. Seinen strategischen Gesamtplan für die Operationen im Norden stellte Lee seinen Generalen während eines Aufenthalts bei Frederick (Maryland) am 9. September schriftlich im «Sonderbefehl Nr. 191» vor. Erst am 13. September, nach langen Verzögerungen, erreichte die Vorhut der Unionsarmee die Kleinstadt Frederick, die von den CSA-Truppen 2 Tage zuvor geräumt worden war.


 

 

Als eine Unionseinheit dort ihre Zelte aufschlug, wo einige Tage vorher D. H. Hills CSA-Division gelagert hatte, entdeckte ein Unionssoldat im Gras einen Umschlag, der 2 Zigarren und eine Kopie des «Sonderbefehls Nr. 191» enthielt. Das Dokument wurde sofort an McClellan weitergeleitet.
Der Unionsgeneral ließ sich jedoch 16 Stunden Zeit, um den Befehl zu studieren. Dann diskutierte er das Dokument nicht nur mit seinen Generalen, sondern in Anwesenheit von ihm unbekannten «prominenten» Personen aus Frederick. Einer von diesen war CSA-Sympathisant. Er entwich in der Nacht und erreichte am Vormittag des 14. September Lees Hauptquartier, wo er diesen warnte und McClellans Pläne verriet.




 

Bajonettangriff von Hawkins's Zuaves unter Colonel Kimball auf eine konföderierte Batterie in der Schlacht von Antietam am 17. September 1862.

(Ausschnitt aus einem Gemälde)

 

 

 

 

 

 

 

McClellan hatte 2 Korps zum Paß Turner's Gap und 1 Korps zum Crampton Gap - beide in der Bergkette South Mountain - geschickt, um Longstreets zerstreute Truppen auf der Westseite des South Mountain zu überfallen und damit Lees Armee endgültig zu spalten.

Lee schickte sofort D. H. Hills Division zum Turner's Gap und 2 Brigaden sowie die Division McLaws zum Crampton Gap. Damit hoffte er, den Vormarsch der Unionstruppen verzögern zu können, während Longstreet seine zerstreuten Divisionen sammelte und auf die andere Seite des South Mountain führte. Noch am 14. September entbrannten an den beiden Pässen kurze, harte Gefechte. Trotz der enormen zahlenmäßigen Überlegenheit der Unionsseite konnten die konföderierten Divisionen die gegnerischen Befehlshaber über die Stärke der CSA Truppen täuschen und die Unionskorps vorläufig aufhalten. Im Kampf um den Turner's Gap fiel der Unionskorpskommandeur Reno.

Das Unionskorps unter General Franklin am Crampton Gap hatte den Befehl, weiter nach Harper's Ferry zu marschieren und die dort belagerte Garnison zu entsetzen. Der alte, langsam reagierende Franklin überschätzte jedoch die Stärke des Gegners, ließ sein Korps am Paß übernachten - und es war noch dort, als die Garnison von Harper's Ferry am nächsten Morgen kapitulierte.

General Lee mußte jetzt seine noch getrennte Armee so schnell wie möglich wieder vereinigen. Die Falle, die er der Unionsarmee bereiten wollte, war ihm selbst zum Verhängnis geworden: Wollte er weiter auf Unionsterritorium kämpfen, so mußte er das nächstgelegene Schlachtfeld akzeptieren. Er war nicht der Mann für einen taktischen Rückzug, also ließ er Jacksons Korps über den Potomac River verlegen und bestimmte als möglichen Sammelpunkt der Armee auf der Maryland-Seite des Flusses die Gegend um das Dorf Sharpsburg.

Eine andere Möglichkeit gab es nicht, denn die CSA-Armee hatte sämtliche Brücken über den Potomac an diesem Abschnitt zerstört und die einzige Furt - Boteler's Ford - lag auf der Südseite von Sharpsburg.

 

 

Der Antietam Creek konnte nur an wenigen Stellen überquert werden, wie etwa hier, an der Burnside's Bridge.

 

 

Die Rohrbach- (später Burnside-) Brücke.
An der Brücke über den Antietam halten 400 Georgier unter Ex-Außenminister  Robert A. Tommbs
Burnsides großes IX. Korps 5 Stunden lang fest.



Teilansicht eines Gemäldes

 

 

Bis zum Morgengrauen des 17. September waren fast alle Divisionen beider CSA-Korps, mit Ausnahme der Division A. P. Hill (die sich noch auf dem Marsch von Harper's Ferry befand), in Sharpsburg eingetroffen. Das Wetter war denkbar unfreundlich, ein Nieselregen schränkte die Sicht ein. Die Flur von Sharpsburg lag um eine Biegung des Potomac westlich und südlich davon. Östlich der CSA-Stellungen verlief der Antietam Creek von Norden nach Süden durch die Maisfelder und einen kleinen Wald.

Das Gelände war hügelig und dünn besiedelt. Nur eine einsame Anabaptistenkirche erhob sich aus den Feldern auf der Westseite des Antietam. Vom South Mountain nach Sharpsburg verlief eine Landstraße, auf der die Unionstruppen anrückten. Jacksons Korps bezog auf der Nordhälfte des Geländes bis zur Landstraße Stellung. Longstreets Korps lag auf der Südseite der Landstraße. Die Truppen verschanzten sich und warteten ab.

 

 


 

Als erstes traf Hookers I. Unionskorps ein
und ging Jacksons Linien gegenüber in Stellung. Bald kam auch Mansfields XII. Unionskorps an und bezog links von Hooker Stellung. Hooker entdeckte eine Anhöhe, von der seine Artilleristen trotz des Wetters einigermaßen klare Sicht auf die CSA-Infanterie im Maisfeld vor der Kirche hatten.

Hooker wartete nicht die anderen Unionskorps ab, sondern eröffnete die Schlacht mit Artilleriefeuer, das die CSA-Truppen aus dem Maisfeld vertrieb; anschließend griffen Hookers Infanteristen die CSA-Divisionen Hood und Lawton an.








 

 

Die Ernte des Todes:
Gefallene Konföderierte am Rande des Miller-Maisfeldes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

General HOOD

 

Hood hatte jedoch hinter der Kirche eine starke Reserve zurückgehalten, die er jetzt in den Kampf warf. Mit schnellem, gut koordiniertem Feuer wurden die Unionsdivisionen zum Stehen gebracht und schließlich bis hinter das Maisfeld zurückgeworfen.
Die Verluste beider Seiten im Maisfeld waren derart hoch, daß nicht nur der Boden, sondern auch die hölzerne Umzäunung von Leichen übersät war. Jacksons Linien waren nur geringfügig zurückgeworfen worden, hatten sich jedoch bis 9.00 Uhr nur wenig weiter südwestlich von ihren Ausgangsstellungen stabilisiert.



 

 

 

 


 

»Bloody Lane«

 

Hier hielten sie stand. Unionsgeneral Hooker war leicht verwundet worden, sein Korps mußte sich zurückziehen und neu formieren.
Inzwischen waren die übrigen Unionskorps eingetroffen. Bald wurde offensichtlich, daß Unionsbefehlshaber McClellan überhaupt keinen Plan für diesen Kampf ausgearbeitet hatte.
Er ließ seine Korps einzeln angreifen - und sie wurden eins nach dem anderen zurückgeworfen.

Die Verluste auf beiden Seiten waren extrem hoch. Während eines ansonsten schlecht koordinierten Angriffs des II. Unionskorps wurde die konföderierte Division D. H. Hill in einen Hohlweg gedrängt, den die Truppen «Bloody Lane» (Blutgasse) tauften, denn sie gerieten unter Artilleriefeuer vom V. Unionskorps.
Die Senke füllte sich mit Leichen und bot ein grausames Bild, das nach der Schlacht der erste Kriegsbildberichterstatter der Welt, Mathew Brady, in Fotografien festhielt.


 

 

 

 

General PORTER

 

Jenes V. Korps wurde in der Schlacht am Antietam Creek noch von Fritz John Porter - links - kommandiert, der hier aufs neue sein Talent zur klugen Aufstellung und zum geschickten Einsatz seiner Artillerie bewies.  Er massierte sie in kompakter Linie an der Ostseite des Antietam auf beiden Seiten der Landstraße und ließ sie von dort den gesamten Mittelabschnitt der CSA-Linien unter Feuer nehmen. 

Gleich vor Mittag entstand an D. H. Hills Abschnitt eine breite Lücke in den CSA-Linien. In diese führte Porter sofort die ihm zugeteilte Kavallerie unter General Pleasonton ein. Der erfolgversprechende Angriff wurde jedoch von General McClellan gestoppt, der zudem befahl, die Truppen zurückzubeordern !!!

Während die Unionskavallerie zur Untätigkeit verurteilt war, schwenkten Truppen von Longstreets Korps nach links, um die Bresche zu schließen. Wie gefährlich die Lücke wirklich war, beschrieb Longstreet später: «Hier stand ganz allein Cookes Infanterieregiment ..., das außerdem keine Munition mehr hatte.

 

Als ich mit meinem Stab die Linke abritt, bemerkte ich zwei Geschütze ... Aber es waren nicht genug Leute da, um sie zu bedienen ... Ich stellte meine Stabsoffiziere an die Kanone, während ich ihre Pferde hielt. Man kann sich leicht ausrechnen, daß unsere Armee in zwei Teile auseinandergebrochen wäre, wenn die Unionstruppen hier in unsere Linien eingebrochen wären ... »



 

 

 



Konföderierte Artilleriebatterie mit Parrott-Kanonen am Antietam

Unionsgeneral McClellan hielt an diesem Tag nicht nur Pleasontons Kavallerie zurück. Auch als Franklins Korps das Feld erreichte, verweigerte McClellan die Genehmigung, die offensichtlichen schwachen Stellen in den CSA-Linien anzugreifen.  Insgesamt ließ McClellan 20.000 Mann, also ein Viertel seiner Armee, während der Schlacht von Antietam tatenlos herumstehen.
Ausdrücklich billigte er als letzten Angriff des Tages den Plan des Generals Burnside, der den Oberbefehl über 2 Unionskorps hatte. Diese wurden gegen Longstreets geschwächte vordere Linien geworfen, aber mit geringerem Erfolg als erwartet, weil Burnside die CSA-Stellungen nicht hatte präzise aufklären lassen.

 

 

 

Bis seine Truppen am frühen Nachmittag die Lage präzisiert hatten, war es zu spät: Die CSA-Division A. P. Hill erreichte nach forciertem Marsch von Harper's Ferry endlich das Schlachtfeld und eilte Longstreets erschöpften Truppen zu Hilfe. Am Abend wurden die Kämpfe eingestellt. Der 17. September 1862 war mit insgesamt 25.950 außer Gefecht Gesetzten der blutigste Tag des ganzen Bürgerkrieges in den USA.



 

Gefallene Konföderierte auf der Hagerstown Pike Road bei Antietam

Diese Armee hatte zwar immer noch eine sehr hohe Kampfmoral, sie verließ jedoch das Schlachtfeld am Antietam Creek in einem bedenklichen Zustand.
Ihre Verluste betrugen 13.700 Mann gegenüber 12.250 auf der Unionsseite. Prozentual gesehen waren sie jedoch viel gravierender, denn die konföderierte Seite hatte 27 Prozent ihres Personals (gegenüber 14 Prozent bei der Unionsarmee) verloren.
Sie hatte also keine Reserven, um den Feldzug im Norden weiterzuführen. Noch schwerer wogen der Mangel an Ausrüstungen und die Schwierigkeiten bei der Versorgung.

Hätte McClellan sich zur Verfolgung durchringen können, dann hätte die Vernichtung der Armee von Nordvirginia im Bereich des Möglichen gelegen.
In der Schlacht von Antietam selbst hatte sie standgehalten, in Wirklichkeit aber war sie angeschlagen und früher oder später zum Rückzug gezwungen.

 

 

Die Schlacht von Antietam, die die Veröffentlichung der Befreiungsproklamation ermöglichte, nahm der CSA-Armee zwar nicht die Fähigkeit, einen neuen Feldzug nach Norden zu wagen, kann jedoch als politischer Wendepunkt im Bürgerkrieg gelten.




Die Folgen von Antietam
Die Befreiungsproklamation




In den Vereinigten Staaten besteht seit vielen Jahrzehnten die Tendenz, den Ausgang der Schlacht von Antietam als «unentschieden» zu betrachten. Die Zeitgenossen des Bürgerkrieges neigten jedoch bis Kriegsende dazu, diese als Entscheidungsschlacht zu charakterisieren. Erst später wurde erkannt, daß der eigentliche Wendepunkt noch nicht erreicht worden war, zumindest nicht vom militärischen Standpunkt. Objektiv betrachtet, war Antietam weder eine Schlacht mit unentschiedenem Ausgang noch das, was eine in Amerika beliebte Formel ausdrücken soll: «ein taktischer Sieg für den Süden und ein strategischer Sieg für die Union».

Wollen wir Antietam auswerten, so müssen wir erst von den Ereignissen unmittelbar nach der Schlacht sprechen. Wahrscheinlich in der Hoffnung, daß McClellan seiner Armee den Rückzug befehlen würde, blieb Lee mit seinen Truppen in der Nacht zum 18. September sowie den ganzen folgenden Tag auf dem Schlachtfeld. Die Unionsseite unternahm nichts, McClellan ließ nicht angreifen. Auch die nächste Nacht verbrachten beide Seiten in den Schützengräben. Nun war aber die CSA-Armee hinsichtlich ihrer Versorgung in einer prekären Lage und hatte nur den einen Ausweg, sich aus der Sharpsburger Flußbiegung über den Potomac auf eigenes Gebiet zurückzuziehen. Am 19. September verließ die CSA-Armee das Feld über Boteler's Ford. Auch jetzt nahm McClellan nicht die Verfolgung auf.

Für Präsident Lincoln in Washington war Lees Rückzug der eindeutige Beweis, daß die Union einen wichtigen Sieg errungen hatte, den ersten im psychologisch so wichtigen Gebiet an der Ostküste nahe den beiden Hauptstädten. Auf diesen Sieg hatte Lincoln den ganzen Sommer gewartet, denn erst jetzt, nach einer gewonnenen Schlacht, fühlte er sich stark genug, das Dokument, das er seit Monaten insgeheim ausgearbeitet hatte, bekanntzugeben. Nur seine engsten Mitarbeitet im Kabinett wußten von der Existenz dieser Erklärung.

Am 22. September berief Lincoln sein Kabinett zur Sitzung ein und legte ihm die Proklamation zur Befreiung der Negersklaven vor. Später wurde die Proklamation der Bevölkerung bekanntgegeben. Am 1. Januar 1863 sollte sie in Kraft treten, obwohl es mit ihrer endgültigen Durchsetzung bis Kriegsende dauern sollte. Die Befreiungsproklamation gab den befreiten Sklaven auch das Recht, in der Armee und der Kriegsmarine der Union zu dienen. Die Wirkung in den nächsten Monaten war zumindest für die Unionsstreitkräfte und die Regierung in Washington enorm. Jetzt wußte jeder Unionssoldat, wofür er kämpfte. Mit der klaren Zielstellung, die Sklaverei auf dem nordamerikanischen Kontinent zu beseitigen, wurde das Fundament für die entscheidenden Schlachten, für den endgültigen militärischen Sieg errichtet. Nicht, daß von diesem Moment an Lincolns Generale samt und sonders einen Volkskrieg auf revolutionäre Weise führten, aber der Übergang von der «konstitutionellen» zur «revolutionären» Kriegführung, war jetzt eingeleitet.



Präsident Abraham Lincoln und General McClellan, stehen sich kurz nach dem Gefecht am Antietam gegenüber;
ganz rechts am Bildrand Capt. George Armstrong Custer der zum Stab McClellan`s gehörte.

 

 


Präsident Abraham Lincoln und General McClellan im Generals-Zelt.
Links am unteren Bildrand eine erbeutete Fahne der Konföderierten.

 

 

 

Aller Anfang ist schwer, wie Lincoln wohl wußte.
Obwohl er am 6. Oktober Oberbefehlshaber Halleck an McClellan den Befehl telegrafieren ließ, «den Potomac zu überqueren und den Feind zu bekämpfen oder ihn nach Süden zu treiben», reagierte McClellan überhaupt nicht.
Auch als Stuarts CSA-Kavallerie abermals mit einem Streifzug die Potomac-Armee umritt, Chambersburg überfiel und eine große Menge Proviant und Pferde erbeutete, brachte der Unionsgeneral keine Aktivitäten auf. Erst Ende Oktober setzte er seine Armee in Bewegung, überquerte den Potomac und marschierte bis Warrenton unweit von Manassas.
Nun riß Lincolns Geduldsfaden endgültig, und am 7. November entließ er McClellan.
Mit diesem verschwand aus Washington auch Allen Pinkerton samt seinen Trugbildern von einer »riesenhaften« CSA-Armee.

 



 

 

Allan Pinkerton, Präsident Abraham Lincoln und Maj.Gen. John A. McClernand

 

 

 

 

Das Grab eines Yankees

 

 

 

 

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