Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
War Department •REGULATIONS FOR THE UNIFORM AND DRESS OF THE ARMY OF THE UNITED STATES• 1861
United States Army. Ordnance Department •THE ORDNANCE MANUAL FOR THE USE OF OFFICERS OF THE UNITED STATES ARMY• 1850
André Jouineau/Jean-Marie Mongin •OFFICERS and SOLDIERS of the AMERICAN CIVIL WAR • VOLUME 2 •CAVALRY • ARTILLERY• Paris
Veröffentlichungen der Smithsonian Institution sowie Staatlicher Museen des Bürgerkriegs

Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

 

BLANKWAFFEN IM BÜRGERKRIEG

 

Zu den Blankwaffen im amerikanischen Bürgerkrieg zählen die Säbel, Degen, Kurzschwerter, Lanzen und Piken, Bajonette und sonstige Seitenwaffen.
Während die Degen neben ihres Zwecks als Waffe hauptsächlich als Statussymbole für einige Dienstgrade dienten, wurden die anderen häufig auch im Gefecht eingesetzt. Über deren Wirksamkeit gibt es allerdings unterschiedliche Meinungen. William F. Fox gibt in seinem Standardwerk (Regimental Losses In the American Civil War 1861-1865, Albany 1889) über die Verluste des Bürgerkrieges an, daß von den schätzungsweise 250.000 Verwundeten, die während des Bürgerkrieges in den Lazaretten behandelt wurden, nur 922 durch Blankwaffen verletzt worden waren.
Gegner dieser Statistik führen an, daß kraftvolle Säbelhiebe und gut geführte Bajonettattacken zu meist tödlichen Wunden unmittelbar auf dem Schlachtfeld führten, so daß diese Verluste gar nicht in der Statistik des Medical Corps auftauchten. Wie dem auch sei, diese Waffen wurden mehr oder weniger häufig benutzt.
Der amerikanische Bürgerkrieg wurde in der Masse nicht von gut ausgebildeten Berufssoldaten, sondern von Freiwilligen geführt, die mit viel Begeisterung aber wenig Können für ihre Ideale kämpften.
So waren die Säbel der Kavalleristen in den Händen von gut ausgebildeten Reitern eine gefährliche Waffe für den Gegner. In den Freiwilligenregimentern hatten aber so manche Kavalleristen Schwierigkeiten mit der Handhabung dieser Waffe. So konnte man zu Beginn des Krieges zahlreiche Kavalleriepferde mit „gekürzten“ Ohren sehen. Daneben führte der schwere Säbel zu vielen Brüchen des Handgelenks.

Kavallerieattacke auf eine Geschützbatterie
(Lithographie aus der Wochenzeitschrift Harper’s Weekly, 5. Juli 1862)

Was den konzentrierten, größeren Einsatz der Bajonette betrifft, so gibt es nur zwei herausragende Beispiele, nämlich den Angriff des 17. Wisconsin Regiments bei Corinth, Missouri, am 3. Oktober 1862 und den Nachtangriff des 6. Maine und 5. Wisconsin Regiments bei der Brücke von Rappahannock und Kelly’s Ford am 7. November 1863.
Die Soldaten merkten aber bald, daß man das Bajonett manchmal nur schwer aus dem Gegner herausziehen konnte und man dadurch für einige, lebensbedrohliche Augenblicke wehrlos war. Sie zogen es deshalb häufig vor, ihr Gewehr einfach umzudrehen und mit dem Gewehrkolben auf den Gegner zu schlagen. So dienten die Bajonette auch als Zeltheringe und Kerzenhalter.

Blitzender Stahl – ein Bajonettangriff
(Lithographie aus der Wochenzeitschrift Harper’s Weekly, 12. Juli 1862)

 

Als General McClellan als Beobachter des Krim-Krieges (1853 – 1856) den schneidigen Einsatz der gut ausgebildeten europäischen Ulanen (Lanzenreiter) sah, war er davon begeistert und regte bei Ausbruch des Krieges, nicht zuletzt wegen des Mangels an anderen Waffen, die Aufstellung von Ulanenregimentern an. Auch im Süden herrschte Mangel an Handfeuerwaffen, so daß auch General Lee die Aufstellung solcher Truppen befürwortete.
So wurde am 10. April 1862 vom konföderierten Kongreß ein Gesetz beschlossen, das in jedem Regiment zwei Kompanien mit Lanzen vorsah. Erste Erfahrung zeigten aber, daß die nur ungenügend und schnell ausgebildeten amerikanischen Soldaten mit dieser Waffe nicht zurechtkamen, so daß sie bis Mitte 1863 wieder abgeschafft und durch Handfeuerwaffen ersetzt wurde.
Auf beiden Seiten wurden in der Regel Waffen eingesetzt, die sich vom Aussehen sehr ähnlich waren. Während die einen die Buchstaben „US“ zeigten, hatten die anderen „CS“ oder „CSA“ und etwas andere Ornamente zur Unterscheidung.
Die Blankwaffen wurden nicht nur in den USA, sondern in ganz Europa hergestellt, so daß es eine Vielzahl von unterschiedlichen Ausführungen eines Modells gibt. Darunter waren auch sehr viele Waffen, die in den Waffenschmieden von Solingen gefertigt wurden, z.B. von der bekannten Firma Schnitzler & Kirschbaum.
Die nachfolgenden Beschreibungen dieser Waffen sollen deshalb nur einen kleinen Überblick über die am meisten verwendeten Blankwaffen geben.
Spezialisten und Sammlern werden die zahlreiche deutsch- und englischsprachige Literatur sowie Auktionskataloge empfohlen.


Degen für Generale

In den Dienstvorschriften ist das genaue Aussehen dieser Degen nicht beschrieben, sie sollten aber eine gerade Klinge und eine Scheide aus Messing oder Stahl haben.

So gab es eine Vielzahl von unterschiedlichen Waffen, wobei häufig sogenannte Ehrendegen (presentation swords) getragen wurden, die dem Träger aufgrund seiner Verdienste vom Kongreß, von den Regierungen der einzelnen Staaten oder von den Bürgern ihrer Heimatstädte verliehen wurden.
Beliebte Vorgesetzte erhielten auch von ihren Untergebenen bei Versetzungen als Andenken an ihre Dienstzeit bei einem bestimmten Truppenteil ein besonders schönes Exemplar mit entsprechender Widmung überreicht.




Die Beispiele zeigen:

a   Degen von Generalmajor John A. Dix
b   Degen von Brigadegeneral Thomas W. Sweeny
c   Griff, Korb und Scheide von Ehrendegen

 

Während des täglichen Dienstes und in der Schlacht trugen die Generale aber normalerweise den Degen für Stabsoffiziere.

 

 

 

Degen für Stabsoffiziere Modell 1850 (Field and Staff Officer’s Sword M1850)



Dieses Modell war am 9. April 1850 für alle Offiziere im Stabsdienst und für die Stabsoffiziere (Major bis Oberst) der Infanterie,
Artillerie und Jäger (riflemen) eingeführt worden und blieb die Standardwaffe bis 1872. Als Vorbild diente ein französisches Modell.
Damit er nicht am Boden schleifen konnte, gab es je nach Körpergröße des Offiziers Degen mit unterschiedlichen Längen.
Die einschneidige Klinge mit einem breiten und einem schmalen Hohlschliff ist leicht gekrümmt und mit Blumenranken und militärischen Trophäen (Fahnen, usw.) verziert.
Auf der Vorderseite befinden sich außerdem das amerikanische Wappen und das Motto „E PLURIBUS UNUM“,
auf der Rückseite die Buchstaben „US“.
Der mit schwarzem Leder bezogene Holzgriff besitzt eine Drahtumwicklung aus Messing.
Der verzierte Korb mit den Buchstaben „US“ oder „CS“, der Bügel sowie der Knauf sind ebenfalls aus Messing.
Die Scheide ist schwarz mit Mundstück, Ringbändern und Schlepper aus Messing.

Gesamtlänge: ca. 97 cm
Länge der Klinge: ca. 81 cm
Gewicht: ca. 1 kg

 

 

Degen für Stabsoffiziere Modell 1860 (Field and Staff Officer’s Sword M1860)




Dieser wesentlich zierlichere und leichtere Degen kam ab 1860 in einigen Exemplaren in die Truppe,
wurde aber erst 1872 offiziell eingeführt und ersetzte das Modell 1850.
Als Vorbild diente ebenfalls ein zeitgenössisches französisches Modell.
Die zweischneidige Klinge ist gerade und mit einem Fahnenmotiv verziert.
Auf der Vorderseite befinden sich außerdem das amerikanische Wappen, auf der Rückseite die Buchstaben „US“.
Der mit schwarzem Leder bezogene Holzgriff besitzt eine Drahtumwicklung aus Messing.
Der als Muschel geformte Korb ist ebenso wie der Knauf mit einem Wappen verziert und bei einigen Waffen beweglich.
Die Scheide ist schwarz oder metallfarben, Mundstück, Ringbänder und Schlepper sind aus Messing.

 

Gesamtlänge: ca. 85 cm
Länge der Klinge: ca. 71 cm

Gewicht: unbekannt

 

Degen für Subalternoffiziere Modell 1850 (Foot Officer's Sword M1850)



Dieser Degen war am 9. April 1850 für die Kompanieoffiziere (Hauptleute und Leutnante) der Infanterie, Artillerie und Jäger (riflemen) eingeführt worden und blieb deren Standardwaffe bis 1872. Danach wurde sie durch den Degen für Stabsoffiziere Modell 1860 ersetzt.
Die einschneidige Klinge mit Hohlschliff ist leicht gekrümmt und mit Blumenranken und militärischen Motiven verziert.
Auf der Vorderseite befinden sich die Buchstaben „US“.
Der mit schwarzem Leder bezogene Holzgriff besitzt eine Drahtumwicklung. Der verzierte Korb mit den Buchstaben „US“,
der Bügel sowie der einem phrygischen Helm nachgestaltete Knauf sind aus Messing.
Die Scheide ist schwarz, Mundstück, Ringbänder und Schlepper sind aus Messing.

Gesamtlänge: ca. 96,5 cm
Länge der Klinge: ca. 81 cm
Gewicht: ca. 1 kg

 

Säbel der Kavallerie Modell 1840 (Cavalry Saber M1840)


 

Gesamtlänge: ca. 109, 8 cm
Länge der Klinge: ca. 91,4 cm
Gewicht: ca. 2,2 kg


Dieser ab 1840 eingeführte Säbel ersetzte das Modell M1833 der Dragoner. Die Waffe war allerdings bei der Truppe nicht sehr beliebt. Durch die Wucht des Säbelhiebes und dem großen Gewicht dieses Säbels kam es bei Attacken häufig zu Brüchen des Handgelenks, so daß sie in der Truppe den Spottnamen „wrist breaker“ erhielt.

Der Säbel wurde von Offizieren, Unteroffizieren, Musikern und Mannschaften der Kavallerie getragen.
Die Ausführung für Offiziere unterscheidet sich von der der Mannschaften nur durch einige Messingbeschläge an der Scheide und Verzierungen am Knauf und Griffbügel.
Die einschneidige Klinge mit Hohlschliff ist gekrümmt und in der Regel ohne Verzierungen.

Der mit schwarzem Leder bezogene Holzgriff besitzt eine Drahtumwicklung. Der asymmetrische Korb mit zwei Nebenbügeln, der Griffbügel und der verzierte Knauf sind aus Messing. Die Scheide aus Stahl ist poliert, Mundstück, Ringbänder und Schlepper sind bei der Offizierausführung aus Messing.

 

Säbel der Kavallerie Modell 1860 (Cavalry Saber M1860)



Gesamtlänge: ca. 104,1 cm
Länge der Klinge: ca. 88,9 cm
Gewicht: ca. 1,7 kg

Dieser sogenannte “leichte” Kavalleriesäbel wurde ab 1860 eingeführt, doch es dauerte relativ lange, bis er in die Truppe kam. Er ähnelte dem Modell 1840, hatte aber eine kürzere und etwas geradere Klinge.
Der Säbel wurde von Offizieren, Unteroffizieren, Musikern und Mannschaften der Kavallerie getragen.
Die Ausführung für Offiziere unterscheidet sich von der der Mannschaften nur durch einige Messingbeschläge an der Scheide und Verzierungen am Knauf.

Die einschneidige Klinge mit Hohlschliff ist gekrümmt und in der Regel ohne Verzierungen.
Der mit schwarzem Leder bezogene Holzgriff besitzt eine Drahtumwicklung.
Der dreibügelige Korb, der Griffbügel und der mit Blättern und Beeren verzierte Knauf sind aus Messing.


Die Scheide aus Stahl ist poliert, Mundstück, Ringbänder und Schlepper sind bei der Offizierausführung aus Messing.

 

Säbel der berittenen Artillerie Modell 1840 (Artillery Saber M1840)




Gesamtlänge: ca. 103,5 cm
Länge der Klinge: ca. 88,9 cm
Gewicht: ca. 1,9 kg

Dieser Säbel wurde 1840 eingeführt und ersetzte das Modell M1829. Vorbild dafür war ebenfalls ein französischen Modell.
Er wurde von Offizieren, Unteroffizieren, Musikern und Mannschaften der berittenen Artillerie getragen.
Der Säbel der Offiziere gleicht bis auf zahlreiche Verzierungen dem Modell für Mannschaften.
Er wurde von den Offizieren nur bis 1851 offiziell getragen, danach erhielten diese den Degen für Stabsoffiziere Modell 1850. Viele Offiziere behielten aber auch danach noch ihr „gutes, altes Stück“.

Die einschneidige Klinge mit Hohlschliff ist stark gekrümmt und bei der Offizierausführung mit Verzierungen geschmückt.
Der mit schwarzem Leder bezogene Holzgriff besitzt eine Drahtumwicklung aus Messing.


Die Parierstange, der Griff und der Knauf sind aus Messing und bei der Offizierausführung mit Blattornamenten verziert.
Die Scheide aus Stahl ist poliert, Mundstück, Ringbänder und Schlepper sind bei der Offizierausführung aus Messing.

 

Degen für Sanitätsoffiziere Modell 1840 (Medical Sword M1840)


Dieser sehr schmuckvolle, zierliche Degen wurde 1840 für die Sanitätsoffiziere und Offiziere des Besoldungsamtes (Pay Department) eingeführt.
Die gerade, zweischneidige Klinge ist mit Blattornamenten goldverziert und hat auf der Vorderseite einen Adler und die Buchstaben „US“ in der Mitte
sowie den Schriftzug „E PLURIBUS UNUM“, auf der Rückseite befinden sich die Buchstaben „MS“ oder „MD“ bzw. „PD“, manchmal auch in Worten ausgeschrieben.


Gesamtlänge: ca. 93,8 cm
Länge der Klinge: ca.
Gewicht: ca. 1,2 kg

 

Auf dem verzierten Parierbügel aus Messing befindet sich in der Mitte eine schildförmige, verzierte Platte mit den Buchstaben „MS“ bzw. „PD“ in altenglischer Schrift. Der Griff ist aus Messing und reich verziert. Die Scheide ist vernickelt und hat ebenfalls zahlreiche messingfarbene, verzierte Beschläge.

 

Degen für Unteroffiziere Modell 1840 (Noncommissioned Officer Sword M1840)



Im August 1840 schloß das Army Ordnance Department mit der Firma Schnitzler & Kirschbaum in Solingen einen Vertrag zur Herstellung und Lieferung von 1000 Degen, die ab 1844 auch von der amerikanischen Firma Ames hergestellt wurden.
Diese Waffe blieb bis etwa 1898 in Gebrauch.
Dieser Degen wurde von Unteroffizieren der Infanterie, der Feldzeugtruppe und der Pioniertruppe sowie Medical Cadets
und Hospital Stewards nur bei Paraden getragen. Berittene Unteroffiziere trugen die Säbel der Kavallerie und Artillerie.
Die einschneidige Klinge mit einem breiten Hohlschliff ist gerade. Der Griff und der nierenförmige Korb sind aus Messing gegossen.
Zu dieser Waffe gehörte kein Gehänge, sie wurde mit einem Haken am Mundstück der Scheide in einem Degenhalter am Koppel oder mit einem Schulterriemen (baldric) getragen.

Gesamtlänge: ca. 95,3 cm
Länge der Klinge: ca. 80,6 cm
Gewicht: unbekannt

 

Kurzschwert für Unteroffiziere der Fußartillerie (Foot Artillery Sword M1832)




Gesamtlänge: ca. 65,5 cm
Länge der Klinge: ca. 48,9 cm
Gewicht: ca. 1,4 kg


Das Army Ordnance Department beauftragte am 5. Juni 1832 die Firma Ames mit der Herstellung eines sogenannten Kurzschwerts (short sword) für die regulären Artillerieregimenter. Es wurde nach einem französischen Vorbild gestaltet und ähnelt einem Gladius der römischen Legionäre.
Obwohl als Abwehrwaffe gedacht, erwies diese Waffe als unhandlich und taktisch wertlos – sie wurde deshalb meist als Faschinenmesser beim Bau von Artilleriestellungen benutzt – blieb aber bis 1870 in Gebrauch. Da es ab 1833 in die Truppe kam, ist es auch unter der Bezeichnung M1833 bekannt. Unsicher ist, ob auch Mannschaftsdienstgrade damit ausgerüstet wurden.

Die zweischneidige Klinge hat zwei kurze Hohlschliffe im oberen und einen längeren im unteren Bereich. Der massive Messinggriff hat schuppenförmige Verzierungen, die das Federkleid eines Adlers nachahmen sollen. Auf beiden Seiten des Knaufs befindet sich das Staatswappen (Adler mit Schild) oder die Buchstaben „CS“.
Das Mundstück und die Spitze der schwarzen Lederscheide sind aus Messing.

 

Degen für Regimentsmusiker (Musician's Sword M1840)



Gesamtlänge: ca. 82,5 cm
Länge der Klinge: ca. 67,3 cm

Der Degen gleicht dem Degen der Unteroffiziere der Infanterie, ist aber etwas kürzer und hat keinen Korb. Er wurde von Regimentsmusikern (außer bei berittenen Truppen) getragen.
Die einschneidige Klinge mit einem breiten Hohlschliff ist gerade. Die Parierstange, der Griff und der Knauf sind aus Messing gegossen.

Zu dieser Waffe gehörte kein Gehänge, sie wurde mit einem Haken am Mundstück der Scheide in einem Degenhalter am Koppel
oder mit einem Schulterriemen (baldric) getragen.

 

Degen der Marine-Offiziere Modell 1858 (Naval Officer’s Sword M1852)



Gesamtlänge: ca. 96,5 cm
Länge der Klinge: ca. 81 cm
Gewicht: ca. 1 kg

Dieser ab 1852 eingeführte Degen ähnelt sehr stark dem Degen für Subalternoffiziere des Heeres Modell 1850. Hauptunterscheidungsmerkmale sind der weißgraue Griff aus Hai- oder Rochenhaut, einige Marineornamente und vor allem der als Delphin gestaltete Parierbügel am Korb.
Die einschneidige Klinge mit einem breiten und einem schmalen Hohlschliff ist leicht gekrümmt und mit Blumenranken und Marinemotiven verziert.


Der weiß überzogene Holzgriff besitzt eine Drahtumwicklung aus Messing. Der verzierte Korb, der Bügel sowie der Knauf sind ebenfalls aus Messing.
Die Scheide ist schwarz mit Mundstück, Ringbändern und Schlepper aus Messing.

 

Kurzschwert der Marine Modell 1860 (Navy Cutlass 1860)


 

Gesamtlänge: ca. 80.6 cm
Länge der Klinge: ca. 66 cm
Gewicht: ca. 1.13 kg


Dieses Kurzschwert, auch als Entermesser bezeichnet, wurde ab 1860 in die amerikanische Marine für den Kampf Schiff gegen Schiff eingeführt und ersetzte das Modell 1841. Die Firma Ames stellte ungefähr 22.000 dieser Waffen her.
Sie wurden von Maaten (Unteroffizieren) und Mannschaften getragen. Offizieren und Deckoffizieren (Feldwebeln) war das Tragen dieser Waffe an Bord gestatten, sie mußten sie sich aber auf eigene Kosten selbst beschaffen.
Die einschneidige Klinge mit einem breiten Hohlschliff ist unverziert, nur auf der Fehlschärfe befinden sich ein Anker und die Herstellermarkierung.

Der Korb ist asymmetrisch und besitzt an der Außenseite ein aufgebogenes Stichblatt aus Messing, das die ganze Außenseite der Faust deckt. Bei der Ausführung für Offiziere sind die Buchstaben „USN“ oder „CSN“ eingestanzt.
Dazu gab es unterschiedliche schwarze, lederne Scheiden. Zu dieser Waffe gehörte kein Gehänge, sie wurde mit einem Niet an der Scheide in einem Halter getragen.

 

Lanzen und Piken

Diese Stangenwaffen wurden zu Beginn des Krieges auf beiden Seiten eingesetzt, doch die relativ unausgebildeten amerikanischen Soldaten kamen mit ihnen nicht zurecht, so daß sie bis 1863 abgeschafft und durch Handfeuerwaffen ersetzt wurden. Da sie in zahlreichen Werkstätten hergestellt wurden, gibt es sehr viele unterschiedliche Versionen. Die Lanzen waren etwa 2,13 m lang und hatten unterschiedliche Spitzen.

Beispiele:

Bajonette
Nach Einführung der Musketen waren die Soldaten ohne die Hilfe der Pikeniere den Kavallerieattacken hilflos ausgeliefert. Erst mit der Entwicklung des Bajonetts, das zunächst in den Lauf des Gewehrs gesteckt wurde, entstand eine Stoßwaffe, die als Pike oder Lanze gebraucht werden konnte.
Außerdem diente sie dem Angriff oder der Verteidigung, wenn es keine Zeit mehr zum Nachladen gab oder die Munition verschossen war.

Die ersten, sogenannten Spund-Bajonette kamen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Frankreich auf.
Der Name kommt vermutlich von der Stadt Bayonne in Frankreich, wo die ersten Waffen dieser Art hergestellt wurden.
Nach einer anderen Deutung soll der Begriff von dem französischen Wort „ bayoner“ (= einen Zapfen ins Faß stecken) abgeleitet sein.
Da das Gewehr mit diesem Bajonett nicht mehr als Schußwaffe eingesetzt werden konnte, entwickelte man im Lauf der Zeit das sogenannte Tüllen-Bajonett
(auch Dillen-Bajonett). Es wurde mit einer Tülle auf den Lauf gesteckt und ermöglichte es dem Soldaten, trotz des aufgepflanzten Bajonetts die Waffe zu laden
und damit zu schießen. Im amerikanischen Bürgerkrieg wurden dreikantige Stichbajonette und Säbelbajonette verwendet.

Beispiele:


Sonstige Blankwaffen


Neben Degen, Säbel und Bajonett gab es noch eine Vielzahl von Kurzwaffen.
Die Abbildung zeigt links ein Messer (M1849) für Jäger (riflemen)
der Unionstruppen (Gesamtlänge ca. 48,3 cm)
und rechts ein Bowie-Messer der Konföderierten
(Gesamtlänge ca. 58,4 cm).

 

 

Zubehör
Zu den Blankwaffen gehörte auch zahlreiches Zubehör, um die Waffe richtig tragen und schnell einsetzen zu können. Die Abbildung zeigt einige Beispiele.




a   Lederkoppel für Mannschaften mit Bajonett und Tasche für      die Zündhütchen

b   Lederkoppel für Offiziere mit Gehänge für Degen und Säbel

 

c   Lederkoppel mit Halter für das Kurzschwert für           Unteroffiziere der Fußartillerie 

d   Schulterriemen (baldric) für den Degen der Unteroffiziere      und der Musiker mit Brustplatte

e   Säbeltasche (frog) für das Kurzschwert (Cutlass) der Marine

 

f   Faustriemen (Portepee) der Offiziere für den Degen für    Stabsoffiziere Modell 1860

g   Faustriemen (Portepee) der Offiziere für den Degen und Säbel

h   Faustriemen der Mannschaften für den Kavalleriesäbel
(wie bei Bild g befestigt)

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