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freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes:
©
Wilhelm Kaufmann 1911, Die Deutschen im amerikanischen
Bürgerkrieg
Biographie
Carl
Schurz
Der Originalton Wilhelm Kaufmanns
wurde beibehalten

* 02. März 1829 bei Köln - 14. Mai 1906 in New York
Generalmajor
Als
Schurz verschieden war, machten die meisten deutsch-amerikanischen Zeitungen
vor dem General Schurz nur eine kurze Verbeugung, während sie dem Staatsmanne
Schurz durchaus gerecht zu werden versuchten. Teilweise ist das auf
ungenügende Vertrautheit mit der Kriegsgeschichte zurückzuführen, anderseits
liegt darin wohl noch eine späte Nachwirkung der von den deutschen Zeitgenossen
des Krieges gehegten Anschauungen über Schurzens Kriegstätigkeit. Aber
jene Zeitgenossen haben Schurz überhaupt nicht gebührend gewürdigt.
Bei sehr vielen seiner Landsleute kam Schurz erst dann zur Geltung,
nachdem die Angloamerikaner, und zwar die geistvollsten und hochsinnigsten
unter ihnen, Schurzens Bedeutung längst anerkannt hatten.
Der
bei seiner Landung in Amerika erst 23 jährige Schurz hatte vor den übrigen
deutschen Revolutionären manches voraus, nicht zum wenigsten seine Jugend.
Er schleppte weniger deutschländischen Ballast mit nach Amerika als
die meisten seiner Freunde. Er hatte in London und Paris seinen Gesichtskreis
erweitert, brachte auch schon eine tüchtige Kenntnis des Englischen
mit. Er hatte, im Gegensatz zu den übrigen Flüchtlingen, mit Deutschland
völlig abgeschlossen in bezug auf politische Dinge. Er warf sich auf
das Studium der englischen Sprache sowie der Geschichte und der Verfassung
der Union, und wendete sich dann sofort der amerikanischen Politik zu.
Von der Deutschtümelei seiner Genossen und von deren unfruchtbaren Reformversuchen
hielt er sich fern und deshalb betrachteten ihn viele Achtundvierziger
als einen Streber, manche sogar als einen Abtrünnigen.
Es befanden sich zu viele »Löwen« unter den Achtundvierzigern, zu viele
starre Prinzipienreiter mit einem unbezwingbaren Hange zur Streitsucht
und zur Nörgelei. Und auch der Neid über die großen Erfolge des »Jungen
Mannes« bei den Angloamerikanern spielte eine Rolle. Erst später, als
die Antisklavereibewegung mit der Gründung der republikanischen Partei
einen festen Untergrund erhielt verstand es der Befreier Kinkels, seinen
alten Revolutionsgenossen aus Deutschland zu imponieren. Aber innig
ist das Verhältnis zwischen Schurz und den übrigen Achtundvierzigern
eigentlich niemals wieder geworden. Das deutsche Flüchtlingselement
behandelte den »amerikanischen Politiker Schurz« stets mit einer gewissen
Kälte, ja fast mit Mißtrauen. Schurz wollte bei Ausbruch des Krieges
ein Reiterregiment bilden, wurde aber, ohne sein Zutun, als Gesandter
nach Spanien geschickt. Von dieser ihn niemals befriedigenden Mission
kehrte er im Frühling 1862 zurück und erhielt auf sein Ersuchen von
Lincoln das Patent eines Brigadegenerals.
Er betrat also die Bahnen, welche amerikanische Politiker (Banks, Butler
usw.) zur Förderung ihrer militärischen Laufbahn begangen hatten. Das
war allerdings dem deutschen Empfinden entgegen. Hätte Schurz zunächst
ein Regiment gebildet, was er in einer Woche bewerkstelligen konnte,
so wäre innerhalb eines Monats doch die Beförderung des 0bersten Schurz
zum General erfolgt, denn jedenfalls konnte ein Mann von Schurzens damaligem
Ansehen nicht lange Oberst bleiben. Aber weil Schurz jenen Umweg vermied,
wurde er in der deutschen Presse heftig geschmäht. Die Achtundvierziger
waren damals nur für Sigel begeistert und nur für diesen setzten sie
sich ein. Schurz erschien ihnen als ein Rivale Sigels. Wie wenig erfreulich
sind die Darstellungen der deutschamerikanischen Presse bei Schurzens
erstem Auftreten im Felde. Er wird konsequent »der Zivilist« Schurz
genannt, man spricht ihm die militärische Begabung ab und behandelt
ihn als einen Eindringling, welcher deutschen Berufsoffizieren einen
Platz an der Sonne wegnehmen will.
Wie wenig diese Unterstellungen berechtigt waren, beweist der Kriegsrekord
von Karl Schurz. Auch der Schild des Soldaten Schurz ist so blank wie
derjenige des Bürgers und des Staatsmannes Schurz. Verwiesen sei da
nur auf die Kapitel, welche von Bull Run II, Chancellorsville, Gettysburg
und Missionary Ridge handeln.Schurz hat von Frühling 1862 bis zum Februar
1864 in der Front gestanden. Er wurde mit dem II. Korps im Herbst 1863
nach dem Westen geschickt, aber seine Truppen traten nur bei dem Gefechte
von Wauhatchie in Aktion. Während der großen Schlacht von Missionary
Ridge wurde die Division dem Shermanschen Korps attachiert und stand
bei dem Hauptkampfe in Reserve. An Shermans Marsche durch Georgia konnte
Schurz nicht teilnehmen, weil er nach Nashville zur Rekrutenausbildung
abkommandiert worden war. Er legte dann seinen Degen nieder, im Einverständnis
und auf den Wunsch Lincolns, der sich Schurzens politische Dienste für
die zweite Präsidentschaftskampagne sichern wollte.
Schurz hatte sich für die militärische Laufbahn gründlich vorbereitet
und wenn ihn die deutschen Achtundvierziger, aber auch nur diese, gern
den »Zivilisten« Schurz nannten, so sei darauf hingewiesen, daß Osterhaus
in bezug auf militärische Vorbildungnur den einjährigen Militärdienst
in Preußen vor Schurz voraus hatte. Jedenfalls hatten die deutschen
Berufsoffiziere, welche unter Schurz dienten, großen Respekt vor ihm,
nachdem sie gesehen hatten, wie glänzend dieser in den schrecklichen
acht Stunden am Morgen des 29. August (Bull Run II) seine Truppen führte.
Damals war der »Rekrut und Zivilist« Schurz genau drei Monate Soldat
und Befehlshaber! Tatsächlich hat sich Schurz (unter Sigel) mehrere
Stunden ganz allein mit dem ganzen Jacksonschen Korps herumgeschlagen,
und Schurzens Truppen sind bis über den vielumstrittenen Bahndamm vorgedrungen,
bis zur Farm Cushing, haben sich dort, trotz ihrer völligen Erschöpfung,
bis zu der so lange vergebens erwarteten Ablösung behauptet, und diese
geringe Macht, schwerlich über 3.000 Mann, hat Vorteile errungen, welche
einige Stunden später die große Armee Popes nicht erzielen konnte. Mit
Buschbeck teilt sich Karl Schurz in die Ehren des ersten großen Schlachttages
von Chancellorsviffille.
Schurz war es, der sich nie der Verblendung seiner Westpointer Kameraden
hingab, der stets den Angriff Jacksons voraussah und alle Gegenmaßregeln
traf, welche ihm sein Korpsführer Howard gestattete. Auch Schurzens
Haltung in den drei Schlachttagen von Gettysburg verdient das höchste
Lob. Was Schurzens »Strebertum« anbetrifft, so kann man eigentlich nur
bedauern, daß er nicht mehr davon entwickelt hat. Weshalb strebte er
nicht energisch nach dem Kommando über das II. Korps, nachdem Sigel
resigniert und Schurz den rangältesten Divisionär als seinen Nachfolger
empfohlen hatte? Schurz mag gemeint haben, Sigels Fürsprache würde genügen.
In seinen Memoiren sagt er freilich, daß für ein solches Amt nur ein
Berufsoffizier ausersehen werden sollte. So scheint es fast, daß der
deutschländische Begriff vom »Befähigungsnachweise« auch Schurz noch
beträchtlich im Blute gesteckt haben muß.
Schurz hätte Lincoln gegenüber nur ein Wort zu äußern brauchen und ihm
wäre die Nachfolge Sigels zugefallen. Schurz hatte damals, wie zu allen
Zeiten, in welchen er sich in Washington oder in der Nähe befand, das
Ohr des Präsidenten. Er brauchte nur zu fordern, um erhört zu werden.
Wer weiß, wie tief die ewigen Beleidigungen seiner alten deutschen Revolutionskameraden,
die ihn beständig der Streberei beschuldigten, Schurz gekränkt haben
mögen. Wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, findet in Schurzens
Erinnerungen doch noch Anspielungen darauf, soviel Reserve er sich auch
auferlegt hat. Und wie sehr hat er es später beklagt, daß er im Frühling
1863 allzu bescheiden auftrat. Man fühlt durch, wie es in Schurz tobt,
wenn er schildert, wie er nach Howards Ernennung zum Führer des II.
Korps, seine Versetzung beantragen will, aber den Entschluß dazu wieder
aufgibt, weil er fürchtet der deutschen Sache zu schaden. Denn nicht
allein Sigel war abgegangen, auch General Stahel hatte das Korps verlassen.
Nur deshalb entschloß sich Schurz, in seiner Stellung eines Divisionärs
unter einem Howard auszuhalten.
Wenn man gerade Schurz an jenem verhängnisvollen 2. Mai 1863 beobachtet,
wenn man sieht, wie er seinen Vorgesetzten Howard beständig anbettelt
die Vorsichtsmaßregeln gegen einen Überfall zu treffen, wie er den besten
Plan zur Bekämpfung Jacksons - die Aufstellung des ganzen II. Korps
auf dem freien, für die Mitwirkung der Artillerie geeigneten Felde der
Hawkins Farm vorschlägt und sich dann doch nur damit begnügen muß, drei
seiner Regimenter aus der falschen in die für die Abwehr des Feindes
richtige Stellung zu bringen, dann erst kann man den Soldaten Schurz
richtig bewerten, und man wird es um so mehr bedauern, daß Schurz zu
bescheiden war, um die Stellung auch zu fordern, welche ihm gebührte.
Daß Schurz niemals ein Streber war, ersieht man aus dem schönen Briefe
an Lincoln, in welchem er auf seine geplante Beförderung zum Generalmajor
verzichtet, wenn nicht gleichzeitig seinem verdienstvollen Kameraden
Stahel diese Ehrung zuteil werden könne. Auch auf seinen GENERAL Schurz
kann das amerikanische Deutschtum stolz sein. Auch als militärischer
Führer hat der geniale Mann seinem Adoptivvaterlande glänzende
Dienste geleistet.
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