Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Leah Ireland-Kunze, Der Bürgerkrieg in den USA 1861-1865
© William C. Davis, •SOLDATEN•GENERÄLE•SCHLACHTEN

 


CHANCELLORSVILLE
01. - 04. Mai 1863

 

 

 

 

Fredericksburg
Fredericksburg

 



Es war vor allen Dingen eine Schlacht der Feldherrn, also von General Robert E. Lee und General Joseph Hooker.
Selten war ein Armeeführer so stark dem anderen überlegen.


 

 

 

 

CSA-General Robert E. Lee

Einer der bedeutendsten Generäle der Konföderierten, ja Amerikas überhaupt:
auf seinem Pferd »Traveler«

 

 

 

 

 


General Joseph Hooker


 

 

 

US-General Joseph Hooker

 

 

 

 

 

 

Diese Schlacht bildete vor allem den Triumph und zugleich auch das Ende eines der bedeutendsten Generäle der Konföderierten, ja Amerikas überhaupt:




«Stonewall» Jackson


 

General »Stonewall« Jackson
Sein berühmter «Flankenmarsch» war entscheidend für den Schlachtverlauf und ging wegen seines Erfolgs in die Militärgeschichte ein.

 

 

 

 

 

 

POTOMAC-ARMEE

Oberbefehlshaber:
US-General Joseph Hooker





US-General O.O. Howard
US-General John F. ReynoldsUS-General Georg Stonemann

von links:

US-General
O.O. Howard,

US-General
John F. Reynolds,

US-Kavallerie-General
Georg Stonemann,

 

 

 

 

 

NORDVIRGINIA-ARMEE

Oberbefehlshaber:

CSA-General Robert E. Lee


Robert E. Lee






CSA-General James Longstreet
General »Jeb« StuartGeneral Ambrose Powell Hill

von links:

CSA-General James Longstreet,

CSA-Kavallerie-General
»Jeb« Stuart,

CSA-General Ambrose Powell Hill

 

 

 

 

 

 

Der Krieg im Osten - Chancellorsville -

 

Als General Joseph Hooker von Burnside die Führung der Potomac-Armee übernahm, befand sich die Armee auf einem moralischen und materiellen Tiefpunkt. Nach der Niederlage bei Fredericksburg und dem «Schlamm-Marsch» war sie in ihre Basis bei Aquia Landing zurückgekehrt. Hier brach die Organisation zusammen, Desertionen waren an der Tagesordnung. Zur Überraschung aller erwies sich Hooker, der sich auf diesem Gebiet noch nie sonderlich fähig gezeigt hatte, als ausgezeichneter Organisator. In kurzer Zeit hatte er die Disziplin wiederhergestellt, die Versorgung verbessert und die Armee reorganisiert. Burnsides «Grand Divisions» löste er auf.

 

 

Die Schlacht von Chancellorsville,
T.J. Jacksons Umfassungsmanöver am 2. Mai 1863




Die Schlacht von Chancellorsville,
die Niederlage des VI. Unionskorps am 4. Mai 1863


 

Die Armee bestand jetzt aus 7 Infanterie- und 1 Kavalleriekorps:
I . Korps General J. F. Reynolds; II. Korps General D. N. Couch; III. Korps General D. E. Sickles; V. Korps General G. G. Meade; Vl. Korps General J. Sedgwick; XI. Korps General O. O. Howard; XII. Korps General H. W. Slocum; Kavallerie General George Stoneman. Zusammen mit der Kavallerie zählte die Armee etwa 134.000 Mann. Auch die Washingtoner Garnison, jetzt auf eine Iststärke von rund 30.000 Mann reduziert, stand ihr als Reserve zur Verfügung. Ein zweites Reservekorps unter General Franz Sigel löste sich allmählich infolge von Krankheiten und Desertionen auf, bis Sigel seinen Rücktritt einreichte. In den Wintermonaten unternahm Hooker keine Kampfhandlungen gegen die immer noch in Fredericksburg liegende CSA-Armee.

Diese hatte große Probleme, denn nicht nur die schlechte Versorgung, sondern auch die organisatorischen Probleme der überdehnten Dispositionen reduzierten ihre Kampfstärke. Im Februar wurde ein Befehlshaber für das CSA-Militärdepartement Südvirginia/North Carolina gesucht. Zu diesem Zweck wurde General Longstreet zusammen mit den Divisionen Hood und Pickett von Lees Armee nach Suffolk (Virginia) verlegt. Dort blieb Longstreet bis Ende Mai, offenbarte einen auffälligen Mangel an Talent für ein unabhängiges Kommando und unternahm gegen die Unionsbasen an der Küste so gut wie nichts. Das einzige Interessante an seiner Inaktivität außer deren Wirkung auf Lees Lage vor der Schlacht von Chancellorsville ist die Tatsache, daß sich viele Militärhistoriker in den USA entweder nicht für deren Grund interessieren oder die verschiedensten unhaltbaren Versionen aufstellen.

 

 

Maine-Infanterie
Teil einer Kompanie der Maine-Infanterie

Die konföderierte Armee von Nordvirginia zählte im Frühjahr 1863 knapp über 60.000 Mann. Nach Longstreets Abmarsch bestand sie aus dem Korps Jackson, mehreren Verbänden aus Longstreets Korps und Stuarts Kavalleriedivision mit 6.500 Reitern. Die Verbindungslinie der CSA-Armee nach Richmond wäre bei gutem Wetter von einem talentierten Unionskavalleriekommandeur mit genügend Reitern leicht anzugreifen gewesen, denn sie verlief hauptsächlich über die Richmond-Fredericksburg-Eisenbahn.

In diesem Frühling erkannte Unionspräsident Lincoln ein wichtiges Prinzip der Kriegführung: Will man einen Gegner besiegen, so muß man zuallererst seine Armee vernichten und nicht unbedingt seine Hauptstadt zerstören. Einen entsprechenden Befehl erteilte er Hooker, der am 4. April einen neuen Plan für die Operationen der Potomac-Armee im Frühjahr aufstellte. Der Plan sah vernünftig aus. Als Vorbereitung sollte das Kavalleriekorps Stoneman einen Streifzug in breitem Bogen nach Westen und dann nach Süden unternehmen, um die Verbindungslinie der CSA-Armee zu unterbrechen. Danach, am Monatsende, sollten das I. und VI. Unionskorps nach Fredericksburg marschieren, südlich der Stadt den Fluß überqueren und sich am Ufer verschanzen, um die Höhen scheinbar zu bedrohen.

Während dieses Ablenkungsmanövers beabsichtigte Hooker, mit dem Hauptteil seiner Armee in die Gegend westlich von Aquia zu marschieren, den Rapidan und den Rappahannock zu überqueren und die konföderierte Armee aus dem Rücken anzugreifen. Die Konföderierten würden sich dann in einer Zange zwischen 2 Teilen einer ihnen an Zahl doppelt überlegenen Armee befinden. Lincoln billtigte den Plan, ermahnte Hooker jedoch, alle seine Truppen einzusetzen und sich möglichst schnell zu bewegen. Stonemans Streifzug wurde durch schlechtes Wetter verhindert und endete schließlich mit einem Mißerfolg, obwohl so manches Versorgungsfahrzeug der Konföderierten erbeutet werden konnte. Die Störung der CSA-Versorgung war jedoch nicht General Hookers Hauptproblem. Seine Armee setzte sich am 27. April in Bewegung.

Am 28. April erreichten die beiden Unionskorps unter Sedgwick und Reynolds - absichtlich mit soviel Lärm wie möglich - den Rappahannock bei Fredericksburg, überquerten den Fluß und signalisierten so dem Oberbefehlshaber der Konföderierten, daß er aus dieser Richtung einen Angriff zu gewärtigen hatte. Es war jedoch nicht so leicht, Robert E. Lee zu täuschen. Der demonstrative Aufmarsch am Rappahannock kam ihm nicht geheuer vor, und so beauftragte er Stuarts Kavallerie mit der Aufklärung der Gegend hinter Fredericksburg. Stuart stellte binnen kurzem fest, daß Stonemans Unionskavallerie in seinem Hinterland operierte, während Hooker mit den meisten seiner Korps auf der Nordseite des Rappahannock River marschierte.

 


Rappahannock


Ponton-Brücken über den Rappahannock

Laut Befehl sollten die Unionskorps auf 3 verschiedenen Wegen vorrücken und sich bei einer Straßenkreuzung inmitten eines Waldgebiets treffen, das «Wilderness» (Wildnis) genannt wurde. Diese Gegend auf der Südseite des Rappahannock und des Rapidan sollte den Bewegungen der Unionsarmee Deckung bieten. Das III. Unionskorps marschierte von den Stafford Heights gegenüber von Fredericksburg westwärtsbis zur United States Ford, das I., XI. und XII. Korps rückten auf einem sehr weiten Umweg über Kelley's Ford an. Hooker marschierte mit dem II. Korps vorneweg über die United States Ford. Am 29. April erreichte er die Straßenkreuzung mitten in der Wildnis und hielt an, um die anderen Korps abzuwarten.

An dieser Kreuzung stand ein einsames, recht großes Haus aus rotem Backstein mit breiter Veranda. Es gehörte einem Grundbesitzer namens Chancellor, der die Kreuzung in der Hoffnung auf die Entstehung einer Siedlung an diesem Ort Chancellorsville nannte. Aus der Siedlung wurde nichts, denn das Gelände um Chancellorsville war eine Wildnis im wahrsten Sinne des Wortes.


 

 


Das Verlegen einer Telegrafenleitung

Zahlreiche kleine, sumpfige Bäche durchquerten das Gelände, das dicht mit niedrigen Tannen und Eichen bestanden war. Unter den Bäumen wuchs derart viel Gebüsch und Gestrüpp, daß es ein einzelner Mensch kaum zu durchdringen vermochte, geschweigen denn Truppenmassen. Wenige Sandwege und unbefestigte Straßen führten durch den Wald. Nur eine einzige Erhebung in der unmittelbaren Nähe von Chancellorsville namens Fairview Hill erlaubte einen begrenzten Überblick. Weder Kavallerie noch Artillerie konnten in dieser Gegend konzentriert und effektiv eingesetzt werden. Als Schlachtfeld war Chancellorsville so ungeeignet wie kein anderes. Aus diesem Grund erwartete hier Unionsgeneral Hooker keinen Angriff und hielt an, um seine Armee zu sammeln. Bis zum Abend des 30. April hatten alle Korps außer Sickles' III. die Wildnis erreicht. Das letzte Korps, das noch am 30. April eintraf, war das XII. Unionskorps.

 

Es war ihm verborgen geblieben, daß sein Marsch auf dem Umweg bis Kelley's Ford von Jeb Stuarts Kavallerie beschattet worden war. Spät am 30. April erreichte Stuart Lees Hauptquartier in Fredericksburg und erstattete Bericht über die Bewegungen der Unionsarmee. Mit Jackson beriet Lee die sehr schlechte Lage der konföderierten Armee. Ein Rückzug aus der Zange war möglich, doch in diesem Falle hätte man die Wahl des Schlachtfeldes Hooker überlassen. Die Stellungen auf den Marye's Heights waren so gut, daß eine einzige starke Division dem Angriff der am Flußufer verschanzten Unionskorps zumindest eine Zeitlang widerstehen konnte, falls es überhaupt zu diesem Angriff käme. In dieser Hinsicht hatten die CSA-Generale ihre berechtigten Zweifel. Sie faßten den Entschluß, die Division Early allein auf den Marye's Heights zurückzulassen und mit Jacksons Korps und Stuarts Kavallerie gegen Hooker zu marschieren. Das Risiko war gewaltig, aber Lee rechnete mit der gewohnten Trägheit des Unionsoberbefehlshabers und hoffte, Hooker überraschen zu können. Er schickte bereits am 30. April die Division Anderson als Vorhut nach Chancellorsville. Anderson hatte Berührung mit der Unionskavallerie, ermittelte die Stärke der Linien des V. Unionskorps vor Chancellorsville und kehrte um. Er zog sich auf eine Linie quer zur Landstraße von Fredericksburg zurück, wo sich seine Truppen verschanzten.

Beobachtungsballons der Union registrierten Lees Bewegungen sowie die Schwäche der überdehnten CSA-Division auf den Marye's Heights. Nun hätte Unionsgeneral Hooker eine ausgezeichnete Gelegenheit gehabt, Lee schon auf der Landstraße von Fredericksburg zu schlagen, während die beiden bei Fredericksburg stehenden Unionskorps die dünnen Linien von Earlys Division durchbrachen. Nach kurzem Zögern setzte Hooker schließlich am 1. Mai, 11.00 Uhr seine Truppen in Bewegung, erteilte aber Sedgwick und Reynolds keinen Befehl, gleichzeitig anzugreifen.


 

Chancellor-House


Chancellor-House

Schon zu diesem Zeitpunkt hatte sich Jacksons Korps mit Andersons Division vereinigt und an der Landstraße starke Stellungen bezogen. Mit einer geschickten doppelten Umfassung durch das XI. und XII. Korps am rechten und das V. Korps am linken Flügel der Unionstruppen hätten die konföderierten Truppen rasch geworfen werden können. Dazu kam es nicht: Beim ersten Zusammenstoß verlor Hooker entweder die Nerven oder den Überblick (vielleicht beides) und befahl trotz heftiger Proteste seiner Korpskommandeure den Rückzug auf die Ausgangsstellungen im schwierigen Gelände von Chancellorsville. Der Rückzug kam den konföderierten Generalen derart verdächtig vor, daß sie dem Gegner nur vorsichtig und langsam folgten.
Bis zur Abenddämmerung des 1. Mai hatten die Unionstruppen Bäume gefällt und auf einer gebogenen Linie um Chancellorsville und den Fairview Hill starke Brustwehren errichtet. Das II. und XII. Korps verschanzten sich an dieser Linie, das III. Korps wurde hinter den anderen konzentriert. Am linken Flügel baute das V. Korps eine Linie bis zum Fluß aus. Aber das XI. Korps unter General 0. 0. Howard lag am rechten Unionsflügel nahe dem Gasthof Dowdall's Tavern ziemlich isoliert.



Die CSA-Generale Jackson und Lee waren sich darin einig, daß ein Angriff auf das Zentrum und den linken Flügel der Unionsarmee Selbstmord bedeuten würde. Während ihrer Beratung ging von der Kavallerie ein Bericht über die gefährlich exponierten Stellungen des XI. Unionskorps ein. «Stonewall» Jackson hielt einen Angriff auf diesen Flügel für möglich, wenn er mit den schnellsten Einheiten seiner «Fußkavallerie» von Catherine Furnace zum Gasthof Wilderness Tavern marschierte.
Es war ein äußerst waghalsiges Unternehmen: Lee mußte seine Armee ein weiteres Mal teilen, sich mit nur 17.000 Mann den Hauptlinien der Union bei Chancellorsville gegenüber behaupten und 21.000 Mann unter Jackson unter Deckung von Kavallerie auf einen 22 Kilometer weiten Marsch schicken. Wegen des schwierigen Geländes kam ein Nachtmarsch nicht in Frage. Das Manöver mußte am hellichten Tag vor den Frontlinien der Unionsarmee ausgeführt werden. Wenn Hooker sich entschließen sollte, einen Teil der konföderierten Armee anzugreifen, war Hilfe vom nicht angegriffenen Teil nicht zu erwarten.



Chancellor-House


Die Ruinen des Chancellor-Hauses

Der CSA-Oberbefehlshaber rechnete aber immer noch mit Hookers Unentschlossenheit und mangelnder Erfahrung in der Führung einer großen Armee. Das Gelände, in dem sich die konföderierten Soldaten viel besser als Hookers Truppen auskannten, würde die Artillerie der Union stark behindern. So rückten am 2. Mai, 6.00 Uhr die im Bergland gestählten Infanteristen Jacksons ab. Soldaten des XII. Unionskorps entdeckten Jacksons Bewegungen und benachrichtigten ihren Kommandeur, der seine Linien weiter südwärts nach Catherine Furnace zog und General Hooker um die Erlaubnis bat, die marschierenden CSA-Kolonnen anzugreifen. General Sickles warnte auch General Howard vor der drohenden Gefahr. Weder Hooker noch Howard wollten ihm Glauben schenken. Hooker befahl Sickles, die Aktionen seines Korps auf Aufklärung zu beschränken, solange es nicht angegriffen wurde. Sickles gab sich damit nicht zufrieden und baute seine «Aufklärungsoperation» zu einem Angriff aus, der jedoch vom Terrain behindert und von Stuarts CSA-Kavallerie gestoppt wurde.

 

Die Stunden vergingen, und Jacksons Korps marschierte unverdrossen. General Howard blieb bei seiner Meinung, Jackson könne an diesem Tag gar nicht angreifen. Er und seine Truppen wurden also völlig überrascht, als um 18.00 Uhr Jacksons Kolonnen auf der Straße nach Wilderness Tavern auftauchten und zum Sturmangriff antraten. Das XI. Unionskorps wurde zum Rückzug gezwungen. Sobald Lee den Kampflärm von Westen vernahm, befahl er an seinem Abschnitt die Feuereröffnung und band damit das Unionszentrum. Sickles' III. Unionskorps wurde bis zum Fairview Hill zurückgeworfen. Sickles ließ den Hügel sofort besetzen. Das II. und XII. Unionskorps bezogen die starken Befestigungen im Zentrum, während Howards zurückgehendes XI. Korps die ehemaligen Stellungen des V. Korps am linken Flügel übernahm und das V. Korps mit dem Ausbau einer zweiten Verteidigungslinie hinter Chancellorsville beauftragt wurde. Erst bei Anbruch der Dunkelheit stellten beide Seiten die Kämpfe ein.

 


 

»Stonewall« Jackson ist schwer verwundet

 

»Stonewall« Jackson rechnete mit einer Verstärkung der Unionsarmee durch die beiden Korps aus Fredericksburg und entschloß sich, ohne sich mit irgendjemandem darüber zu beraten, das Gebiet nördlich des Schlachtfeldes aufzuklären, um die Verstärkung von dieser Seite zu vereiteln oder der Unionsarmee den möglichen Rückzugsweg zu verlegen. In seiner üblichen Art, die Pläne geheimzuhalten, ritt Jackson allein vom Lager zum Rapidan River, der westlich der United States Ford in den Rappahannock mündet. In seiner Abwesenheit zog ein Gewitter auf, und bei der Rückkehr ins Lager, so heißt es in manchen Versionen der Geschichte, ging das von ihm genannte Kennwort im Sturmgetöse unter.

Aus welchen Gründen auch immer, Jackson wurde von den Feldposten nicht erkannt und beschossen. Ein Minie-Geschoß zerschmetterte seinen Arm, und er fiel vom Pferd. Erst jetzt erkannten ihn die herbeieilenden Soldaten und trugen ihn zum Chirurgen, der den Arm amputieren mußte. So war Jackson zumindest für die nächste Zeit außer Gefecht gesetzt.

 

 

 

Am Morgen des 3. Mai sah die Lage der CSA-Armee recht bedenklich aus: Das Unionskorps Sickles kontrollierte nach Besetzung des Fairview Hill die Straße von Dowdall's Tavern bis Catherine Furnace - den einzigen Weg, über den sich die beiden Teile der CSA-Armee wieder vereinigen konnten. Hooker ließ das 1. Korps während der Nacht von Fredericksburg nach Chancellorsville marschieren, wie Jackson vorausgesehen hatte. Die Verwundung des letzteren hatte jedoch verhindert, daß sich jemand über das Eintreffen der Unionstruppen von Fredericksburg Gedanken machte. Das I. Unionskorps konnte problemlos nach Chancellorsville gelangen und von Sickles' rechter Flanke nordwärtsbis zum Rapidan-Ufer eine Verteidigungslinie ausbauen. Von dieser Stellung aus konnte das Unionskorps dem CSA-Korps Jackson- jetzt von Stuart befehligt, da auch Jacksons Stellvertreter A. P. Hill leicht verwundet worden war - in die linke Flanke stoßen und es zerschlagen. Lees Truppen lagen vor den stark verteidigten Brustwehren südlich von Chancellorsville. Ihr rechter Flügel war ziemlich exponiert und bot sich dem XI. Unionskorps zum Gegenangriff an. Ein Unionsangriff im Zentrum hätte einen Keil zwischen die beide Hälften der CSA-Armee treiben können.

Hooker ignorierte all diese Faktoren und machte sich Sorgen über die Enge des Bogens um Chancellorsville. Frühmorgens suchte er Sickles' Korps auf dem Fairview Hill auf, hielt die Stellung für zu exponiert und befahl Sickles, sich zur Straße vor Chancellorsville zurückzuziehen. Das war ein fataler Irrtum, denn nun war der Weg zur Wiedervereinigung der CSA-Armee unbewacht. CSA-General Stuart nahm die Gelegenheit sofort wahr. Kaum hatte sich das Korps Sickles vom Fairview Hill zurückgezogen, als Stuart den Hügel besetzen und 31 Kanonen dorthin bringen ließ. Die CSA-Artilleristen eröffneten das Feuer auf Sickles' und Slocums Korps, während Lee im Zentrum einen erneuten Angriff eröffnete. Der Hauptteil von Stuarts Korps konnte sich im Laufe des Tages mit den Truppen in Lees Abschnitt vereinigen.

Unionsgeneral Hooker warf keines der 3 Korps hinter Chancellorsville nach vorn, sondern ließ sie weiter die neuen Verteidigungslinien ausbauen. Er nahm kaum aktiven Anteil am Kampf, sondern hielt sich als passiver Beobachter auf der Veranda des Chancellor House auf. Gelegentlich lehnte er sich an eine der Säulen - bis ein Geschoß aus einer der auf dem Fairview Hill postierten konföderierten Kanonen diese Säule traf. Hooker fiel in Ohnmacht. Als er zu sich kam, war er verwirrt und auf einer Seite gelähmt. Obwohl er deutliche Symptome von Gehirnerschütterung aufwies, weigerte er sich, den Oberbefehl abzugeben. Der behandelnde Arzt wollte ihn nicht gegen seinen Willen für dienstuntauglich erklären. Hooker bezog seine eigene Situation auf die ganze Armee und befahl den Rückzug auf Linien hinter Chancellorsville, der bis Mittag vonstatten ging.


Chancellorsville

 

Der Blick auf Chancellorsville

Schon in der Nacht vom 2. zum 3. Mai hatte Hooker einen Befehl an General Sedgwick bei Fredericksburg geschickt, bei Tagesanbruch Earlys CSA-Division auf den Marye's Heights anzugreifen. Dies tat Sedgwick und zwang Early bis zum Vormittag des 3. Mai zum Rückzug. Bis 16.00 Uhr hatte Early seine Division südwestlich von Fredericksburg wieder gesammelt und Lee von seiner Lage verständigt.

 

 

In der Überzeugung, Hooker würde nicht mehr angreifen, ließ Lee Stuart mit 25.000 Mann an den Unionslinien zurück, nahm die Divisionen McLaws und Anderson und eilte in Richtung Fredericksburg. Early marschierte nordwärts, um sich mit Lees Truppen zu vereinigen. Bei der Salem-Kirche auf dem Plateau westlich von Fredericksburg stießen die CSA-Brigade Wilcox und die Division McLaws auf das Unionskorps Sedgwick und banden es hier.

In der Nacht zum 4. Mai verlegte General Lee die Division Anderson auf eine Stellung rechts von McLaws und südlich von Sedgwicks Linien, während Early wieder die Marye's Heights bezog, aber seine Truppen nach Westen ausrichtete. Unionsgeneral Sedgwicks Aufklärer bemerkten diese Bewegungen, und Sedgwick ließ seine Truppen die Verteidigungslinien verstärken. Lees Angriff am 4. Mai verzögerte sich bis 17.30 Uhr, was Sedgwick Zeit gab, Hooker Nachricht über seine Lage zu geben. Hooker schickte ihm jedoch keine Hilfe. Sedgwicks Linien hielten, bis die Dunkelheit anbrach. In der Nacht konnte Sedgwick sein Korps geschickt über den Rappahannock zurückziehen.

Der fast unglaubliche Erfolg seiner Armee trotz eines negativen Kräfteverhältnisses von 1 : 2 stieg General Lee zu Kopf. Er bildete sich ein, die Potomac-Armee vernichten zu können. Bis zum 6. Mai, 5.00 Uhr hatte er das Haus an der Chancellorsville-Kreuzung (inzwischen in Trümmer gelegt) besetzt und alle verfügbaren Truppen auf diese Linie zurückgebracht. Aber als er den Angriffsbefehl geben wollte, entdeckte er zu seinem großen Erstaunen, daß sich die Unionsarmee zurückgezogen hatte.

 


Lee & Jackson

Lee & Jackson

Chancellorsville wird oft als Lees größter Sieg und als «klassischste» Schlacht des Bürgerkrieges bezeichnet. Als solche wird diese Schlacht an den US-amerikanischen Militärhochschulen gelehrt. Es ist eine Tatsache. daß die CSA-Generale die Fehler und die Kurzsichtigkeit des Gegners geschickt ausnutzten, die Aufklärung brillant durchführten und den Gegner richtig beurteilten. Ebenso wahr ist aber auch, daß Hooker an der Niederlage die Alleinschuld trug, denn seine Korpskommandeure sowie seine Truppen waren kampfbereit und zeigten (mit Ausnahme Howards) während der Schlacht Mut und Entschlossenheit.
Es soll auch nicht vergessen werden, daß Lee vor Chancellorsville in einer äußerst gefährlichen Lage ausharrte - zu einem Zeitpunkt, als er 1 Korpskommandeur und 2 Divisionen verlor. Warum blieb er in Fredericksburg?

Warum hatte er nichts gegen die Unionsarmee unternommen, als diese gleich nach dem «Schlamm-Marsch» demoralisiert in ihre Basis nördlich von Fredericksburg zurückkehrte? Die konföderierte Armee war materiell nicht in der Lage, die Potomac-Armee nach dem Schlamm-Marsch zu schlagen. Fredericksburg war der strategisch wichtigste Punkt auf dem direkten Weg von Washington nach Richmond. Er mußte solange verteidigt werden, wie die herrschende Strategie der Union die konföderierte Hauptstadt als Hauptziel und -objekt anvisierte. Daß Lincoln diese Strategie schon aufgegeben hatte, konnte Lee nicht wissen.

Obwohl die Schlacht von Chancellorsville damals auf beiden Seiten als eindeutiger Sieg der CSA angesehen wurde, sollte man sich heute auch andere Aspekte dieser Schlacht genauer betrachten: Die Unionsarmee zog sich zwar vorläufig über den Rappahannock zurück, ohne objektiv dazu gezwungen zu sein, verließ aber nicht den Raum zwischen Fredericksburg und Washington. Weiterhin waren die Verluste der Konföderierten höher als die der Union. Der taktische Sieg brachte ihnen nicht den geringsten strategischen Vorteil ein, und beide Armeen bezogen wieder ihre Ausgangslage. Chancellorsville brachte Lee schließlich die wertvolle Erkenntnis, daß jetzt nicht mehr Richmond das Ziel der Operationen seines Gegners war, sondern seine Armee. Wenn er von Fredericksburg abzog, würde die Unionsarmee ihm wahrscheinlich folgen.


 

Es dauerte Tage die Toten zu beerdigen

Chancellorsville kostete Lee viel, und der größte Verlust war »Stonewall« Jackson. Dessen Verwundung war zwar als ernst, aber nicht unbedingt als tödlich anzusehen. Doch der nicht nur in religiösen Belangen, sondern auch in Fragen der Ernährung fanatische General Jackson bestand auf einer kargen Kost und lutschte ständig an Zitronen, was ihm eine «Dyspepsie» (wie er es selbst diagnostizierte) einbrachte. In Wirklichkeit wird es sich wohl um ein Magengeschwür gehandelt haben. Er behandelte die vermeintliche Dyspepsie allnächtlich mit kalten Umschlägen. Auch nach der Amputation seines Armes bestand er auf den kalten Umschlägen, die in seinem geschwächten Zustand eine Lungenentzündung auslösten.

 

 

Am 10. Mai 1863 starb General Thomas Jonathan »Stonewall« Jackson, zweifellos einer der begabtesten Militärs des 19. Jahrhunderts.


 

 

 

In diesem Haus kämpfte »Stonewall« Jackson seinen letzten Kampf

Der Schock traf Robert E. Lee schwer.
Jacksons kühne, aber realistische und kühl berechnende Taktik war der Schlüssel zu den Erfolgen der Konföderierten an der Ostküste gewesen. Jackson hatte aber auch auf Lee beschwichtigend gewirkt, denn Lee war häufig von einer aggressiven Sturheit besessen, die ihn zu undurchdachten Handlungen trieb und nur von Jackson gezügelt werden konnte.

Nun war Jackson tot, und Lee, dessen Erfolg in Chancellorsville in der Südstaatengesellschaft übersteigerte Erwartungen und Illusionen auslöste, ließ sich von der Stimmung in der Konföderation beeinflussen und entschloß sich zu einem langen Marsch nach Norden, wo seine Armee ein Desaster erwartete.

 

 

 

 

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