
Quellennachweis
der Texte und Abbildungen:
Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate
Armies, 1891 – 1895
Veröffentlichungen und Originalfotos des Center of Military History
der U.S. Army,
der Kongreßbibliothek (LOC), des US Nationalarchivs (NARA) und
des Army Quartermaster Museum
sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der U.S. Army
Die Hornsignale wurden von Charles Moll auf einem Originalhorn des Bürgerkriegs
geblasen
und werden mit freundlicher Genehmigung der Frederick Military Academy,
Portsmouth, Virginia, veröffentlicht.
Bearbeitet
von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching
Das Leben
in einem Feldlager

Das
Camp
Wenn
sich ein Regiment nicht in der Schlacht oder auf dem Marsch befand,
hielten sich die Soldaten in einem Feldlager (Field Camp) auf.
Der
Ort für dieses Lager war vorher von einem Erkundungstrupp nach
taktischen (z.B. passendes Gelände) und praktischen (z.B. Wasser)
Gesichtspunkten ausgesucht worden. Die Dienstvorschrift von 1861 sah
für die Infanterie- und Kavallerieregimenter unterschiedliche Lagerformen
vor.
Die
nachfolgende Skizze stellt einen Abschnitt eines Camps der Infanterie
dar.

1 Vorgeschobene Wache
2 Zelt für Kriegsgefangene
3 Latrinen für die Mannschaften
4
Flaggenplatz
5 Waffenplatz mit Gewehrpyramiden
6 Zeltreihen der Mannschaften
7
Küchen- und Speisezelte
8 Zelte für Feldwebel des Regimentsstabs
9 Zelte und Waffenplatz der Feldgendarmen,
10 Zelt des Marketenders
11 Zelte der Offiziere der einzelnen Kompanien
12 Zelt des Assistenzarztes,
13 Zelt eines Majors im Stab
14 Zelt des Quartiermeisters des Regiments
15 Zelt des Stellv. Regimentskommandeurs (Oberstleutnant)
16 Zelt des Regimentskommandeurs
17 Zelt des Regimentsadjutanten,
18 Zelt des Regimentsarztes
19 Wagenpark des Regiments und Koppel für die
Pferde der Offiziere
20 Zelt(e) der Fahrer
21 Latrinen für Offiziere
Dieses
starre Schema konnte aber nur selten eingehalten werden, denn das Camp
mußte sehr oft dem Gelände angepaßt werden.
So herrschten häufig chaotische Zustände in den einzelnen
Feldlagern, denn die Soldaten kümmerten sich wenig um Sauberkeit
und Hygiene.
(Zu
dieser Problematik siehe auch: Der Sanitätsdienst
unter Waffengattungen.)

Ein
Camp konnte so aussehen ................................
...................
oder auch so

Sibley-Zelt
Zu Beginn
des Krieges waren die Mannschaften in sogenannten Sibley-Zelten untergebracht.
Henry H. Sibley, ein kriegserfahrener Offizier, hatte sich diese Zeltform,
die den indianischen Tipis nachempfunden war, 1858 patentieren lassen
und mit dem Kriegsministerium einen Vertrag geschlossen. Er sollte für
jedes der über 40.000 beschafften Zelte $ 5 bekommen.
Als der Krieg ausbrach, schloß sich Sibley als Südstaatler
den Konföderieren an und erhielt deshalb keinen Cent. Er wurde
zum Brigadegeneral befördert, zeichnete sich aber im Verlauf des
Krieges nicht weiter aus. Danach diente er noch als General in der ägyptischen
Armee.
Das
Zelt hatte einen Durchmesser von 6 Metern und eine Höhe von 3 Metern.
Als Belegung waren 12 Mann vorgesehen, doch manchmal waren bis zu 20
Soldaten darin untergebracht. Bei einer Normalbelegung empfanden die
Soldaten dieses Zelt als sehr gemütlich, besonders deshalb, weil
darin auch ein Heizofen untergebracht werden konnte. War es aber überbelegt
und konnte man die Lüftungsklappe wegen schlechten Wetters nicht
öffnen, dann wurde es im Zelt recht stickig, denn die Soldaten
badeten ja nicht jeden Tag. Da sich die langen Stangen und das große
Gewicht beim Transportieren als unpraktisch erwiesen, wurde diese Zeltform
nach 1862 nur noch in Winterlagern oder in permanenten Lagern verwendet.

Dreieckzelt
Dafür
erhielten die Soldaten jetzt Dreieckzelte (wedge tents, wegen ihrer
Form auch „A tents“ genannt). Diese Zelte waren etwa drei
Meter lang und zwei Meter hoch. Ursprünglich für 4 Mann vorgesehen,
brachte man darin aber bis zu 6 Soldaten unter. Diese, auf beiden Seiten
weitverbreiteten Zelte, nahmen aber ebenfalls beim Transport auf den
Wagen sehr viel Platz ein, so daß sie nach etwa zwei Jahren wieder
abgeschafft wurden.....

Zweimann-Zelt („Dackel-Hotel“)
Man
griff jetzt auf einfache Zeltbahnen zurück. Jeder Soldat erhielt
eine Zeltbahn und konnte so mit einem zweiten Soldaten ein sehr primitives
Zweimann-Zelt (shelter tent) zusammenbauen, das bei schlechtem Wetter
aber kaum Schutz bot, da es vorne und hinten offen war. So mußten
zusätzlich Decken und Ponchos verwendet werden. Waren keine Zeltbahnen
vorhanden, so konnte man auch drei Ponchos zusammenknöpfen und
so einen Unterschlupf für drei Soldaten schaffen.

Das
einigermaßen gemütlich eingerichtete Zelt eines Offiziers

Die Offiziere hatten es wesentlich bequemer, denn sie erhielten Hauszelte
(wall tents) mit Vordächern, die man sehr gut und bequem einrichten
konnte.
So
standen einem General drei dieser Zelte zu, Stabsoffiziere hatten zwei,
alle anderen Offiziere im Stabsdienst ein Zelt.
Die
Offiziere in den Kompanien mußten sich zu zweit ein solches Zelt
teilen. Die ungefähren Maße waren 4 x 3 Meter mit einer Höhe
von etwa 1,90 m. Es gab diese Hauszelte in unterschiedlichen Größen,
so daß man sie auch als Küchenzelte und Krankenzelte verwenden
konnte. Sie konnten miteinander verbunden und somit vergrößert
werden.

Ein Winterlager

In einem Lager der Union im Shenandoah-Tal werden konföderierte
Gefangene bewacht.
Die Vielzahl der unterschiedlichen Zeltformen ist bemerkenswert.
Die
Tage im Lager
„Drill,
Drill und wieder Drill“, so schilderte ein Soldat in einem Brief
seinen Dienst im Lager. Und so war es auch. War man nicht zu speziellen
Sonderdiensten,
wie Vorposten, Wache, Küchendienst, usw. eingeteilt, dann sah der
Tagesdienst eines Soldaten folgendermaßen aus:
Neben
dem Symbol
xxxx
anklicken, dann ist das Hornsignal
als Tondokument zu hören.
Der
Dienst begann gewöhnlich im Sommer um 4.50 Uhr, im Winter um 5.50
Uhr, wenn die Trompeter das Wecksignal
First Call
bliesen.
Nachdem sich die Soldaten hastig angezogen hatten, ertönte um 5
Uhr das Signal zum Morgenappell
Reveille
Die Soldaten traten nun neben den Flaggenmasten an, und die Flaggenparade
Hissen
der Fahne
fand mit einem festgelegten Zeremoniell statt.
Danach rief der Kompaniefeldwebel jeden Soldaten namentlich auf ( Roll
Call).
Der Soldat trat vor, nannte seinen Namen und kehrte dann in die Formation
zurück.
War der Appell beendet, hatten die Soldaten kurz Zeit, sich frisch zu
machen.
In
den Kavallerieeinheiten ertönte dann um 6.15 Uhr das Signal zur
Fütterung der Pferde
Stable Call
Um 6.30 Uhr bliesen die Trompeter in den Einheiten zum Frühstück
Breakfast
Call
Dazu blieb nicht allzuviel Zeit, denn schon um 7 Uhr mußten sich
die Kranken – und davon gab es viele - nach dem Krankenappell
Sick
Call
melden und das Krankenrevier zur ärztlichen Untersuchung aufsuchen.
Um 7.30 Uhr ertönte das Signal für das Revierreinigen
Fatigue Call.
Einige Soldaten säuberten nun das Außenrevier (Lager), andere
räumten in den Zelten auf.
Die zu Sonderarbeiten eingeteilten Soldaten meldeten sich bei den entsprechenden
Vorgesetzen.
Zu den Sonderarbeiten gehörten z.B. das Holzholen, das Herbeischaffen
von Futter für die Pferde,
das Anlegen neuer Latrinen und Lagerwege sowie der Bau von Palisaden
und Annäherungshindernissen.
Wer nicht lesen und schreiben konnte, wurde mit dem Schulruf
School Call
zum Unterricht gerufen, den ein Offizier, der Militärpfarrer oder
ein von der Regierung bezahlter Lehrer hielt.
Um 9.15 Uhr ertönte dann das Signal für die Wasserholer. Sie
mußten die Wasservorräte des Lagers ergänzen.
In den Kavallerieeinheiten erhielten um diese Zeit die Pferde ihre Wasserration
Water
Call.

Fertig
zur Marschausbildung
Der
morgendliche Drill wurde um 9.55 Uhr mit einem speziellen Signal
Drill, First Call
angekündigt, dem das Ausbildungssignal (Drill, Assembly ) um 10
Uhr folgte.
Nun begann auf den einzelnen Stationen die eigentliche militärische
Ausbildung.
Dabei wurde der Umgang mit den Waffen (Gewehr und Bajonett) und Marschformationen
geübt,
die sich nach den entsprechenden Ausbildungsvorschriften der Infanterie,
Kavallerie und Artillerie richteten.
Nach dem Beendigungsignal
Recall from Drill
hatten die Soldaten etwas Zeit, sich von den Anstrengungen zu erholen
und ihre Bekleidung zu säubern.
An
Sonntagen wurde um 10 Uhr mit dem Kirchensignal
Church Call
zum Besuch des Gottesdienstes aufgerufen.
Mit
dem Signal zum Mittagessen
Dinner Call
um 12 Uhr fanden sich die Soldaten bei den Küchenzelten ein, um
ihr Mittagessen in Empfang zu nehmen.
Oft mußten sie es sich aber auch selbst zubereiten.
Um 13 Uhr begannen mit dem entsprechenden Signal wieder die Ausbildung
oder der Einsatz zu Sonderarbeiten,
die erst um 15.30 Uhr mit dem Beendigungssignal endeten.
Für
die Kavallerie ertönte um 16.30 Uhr das Signal zum Wasser- und
Stalldienst
(Water and Stable Call), bei dem die Pferde ihr Futter und Wasser erhielten
und gepflegt wurden.
Um 17 Uhr ertönte das Signal zum Abendessen
Supper Call
.
Gegen 17.30 Uhr (je nach Jahreszeit) wurde zum Abendappell
Assembly
geblasen.
Die Kompaniechefs führten nun ihre Einheiten mit musikalischer
Begleitung der Regimentsmusik zum Appellplatz in der Nähe der Flaggen.
Nach der Meldung an den Regimentskommandeur oder dem
Dienstältesten begann die abendliche Flaggenparade
Retreat
,
die nach einem festgelegten Zeremoniell bei Sonnenuntergang
stattfand.
Danach war Dienstschluß und die Soldaten konnten sich in ihre
Quartiere zurückziehen.
Doch nun begannen die Probleme, denn die meisten Soldaten konnten mit
ihrer Freizeit wenig oder nichts anfangen.
Um 21 Uhr wurde zum letzten Abendappell
Tattoo geblasen
und noch einmal die Anwesenheit überprüft.
Um 21.15 ertönte dann das letzte Signal des Tages,
„Lichter aus“ (To Extinguish Lights).
Nach dem letzten Ton mußten alle Soldaten in ihren Betten liegen
und alle Lichter in den Zelten gelöscht sein.
Nach 1862 wurde für dieses Signal der Zapfenstreich
Taps eingeführt,
der auch heute noch bei Trauerfeiern gespielt wird.
Wer den Spielfilm „Verdammt in alle Ewigkeit“
gesehen hat, wird sich bestimmt an diese Melodie erinnern.
Für
die Wachen und die Musiker gab es für ihre speziellen Dienste zusätzliche
Signale, die hier aber nicht aufgeführt sind.
Die
Freizeit
Viele
verbrachten ihre Freizeit mit dem Lesen von Briefen ihrer Angehörigen
und entsprechendenden Antwortschreiben, doch dies war nicht alles. Was
tun? Die Wettleidenschaft war groß, und so blieb es nicht aus,
daß neben Box- und Baseballwettkämpfen auch Wetten auf Läuserennen
und Hahnenkämpfe abgeschlossen wurden. Daneben waren Würfel-
und Kartenspiele ein beliebter Zeitvertreib.
Eine
weitere Freizeitbeschäftigung waren die Musik und das Singen. Viele
Soldaten hatten ihre Instrumente wie Gitarren, Banjos, Mundharmonikas,
Geigen und Flöten mitgebracht oder machten sich primitive Instrumente
aus vorhandenen Materialien. Ab und zu spielte auch das Musikkorps des
Regiments, speziell dann, wenn sich die feindlichen Truppen in unmittelbarer
Nähe (z.B. am anderen Ufer eines Flusses) befanden, um sie mit
den entsprechenden Melodien ärgern zu können. In der Union
waren "The Battle Cry Of Freedom", "Battle Hymn of the
Republic" und "Tenting on the Old Campground" die Lieblingsmelodien,
während bei den Konföderierten "Lorena", “Maryland
My Maryland” und "The Bonnie Blue Flag" oft gespielt
wurden.
Obwohl
verboten, hielten sich viele Soldaten die unterschiedlichsten Tiere,
wie Hunde, Katzen, Eichhörnchen, Waschbären und andere Wildtiere
als persönliches Lieblingstier oder auch als Maskottchen des Regiments,
das von den Soldaten gehegt und gepflegt wurde. Besonders bekannt geworden
sind der Adler „Old Abe“ des 8. Wisconsin Freiwilligenregiments
sowie Sallie, der Hund des 11. Pennsylvania Regiments, der in Gettysburg
sogar auf einem Denkmal dargestellt ist,
und der Hund des 1. Maryland Regiments, der nach dem Gefecht von Culp’s
Hill neben den gefallenen Soldaten ein militärisches Begräbnis
erhielt. Von General Lee wird erzählt, daß er sich eine Henne
hielt, die ihm jeden Morgen ein Frühstücksei legte.
Das
größte Problem war aber der Alkohol. Obwohl es den Mannschaften
verboten war, Alkohol zu kaufen und zu trinken, gelang es vielen Soldaten,
dieses Verbot zu umgehen. Die Marketender wollten ja schließlich
auch ihr – oft ungesetzliches – Geschäft machen. War
ein Kauf nicht möglich, so hatten die Soldaten ihre eigenen „Rezepte“
zur Herstellung. In der Union war folgendes Rezept weit verbreitet:
„Baumrindensaft, Teerwasser, Terpentin, brauner Zucker und Alkohol“.
Anmerkung
des Übersetzers:
Bitte nicht selbst ausprobieren, denn die Wirkung und die gesundheitlichen
Folgen sind nicht bekannt.
Der
konföderierte General Braxton Bragg beklagte sich einmal: „Wir
verloren mehr Leute durch Whiskeyverkäufer als durch feindliche
Kugeln.“ So waren,
besonders nach den Zahltagen, die Feldgendarmen (provost guard) ständig
im Lager unterwegs, um durchzugreifen, wenn die Disziplin und Lage es
erforderte.
Es
gab aber auch Ausnahmen vom Alkoholverbot. Nach einem anstrengenden
Marsch und großen Anstrengungen konnte der Kompaniechef die Ausgabe
von
0,12 Litern Whiskey pro Soldat und Tag genehmigen. Auch Verwundete erhielten
eine gewisse Menge zur Schmerzstillung.
Neben
Trinken, Wetten und Spielen gab es noch eine weitere „Freizeitbeschäftigung“,
die von den Soldaten „horizontale Erfrischung“ genannt wurde.
Im Gefolge eines Lagers befanden sich nämlich auch zahlreiche Prostituierte.
So gab es z.B. in Washington D.C., in dessen Umgebung zur Verteidigung
sehr viele Camps lagen, etwa 450 Bordelle mit mindestens 7500 Prostituierten.
Auch in Richmond, dem Zentrum der Konföderierten, kommt man auf
eine gleiche Anzahl.
Dies führte dazu, daß etwa 8 Prozent der Soldaten an Geschlechtskrankheiten
litten, die zur damaligen Zeit nicht geheilt werden konnten.
Die
Verpflegung
Zu
Beginn des Krieges erhielten die Soldaten auf beiden Seite eine ausreichende
Verpflegung.
So bestand die tägliche Verpflegung eines Soldaten der Union 1861
aus 560 Gramm Frisch- bzw. gesalzenem Rindfleisch oder 340 Gramm gesalzenem
Schweinefleisch, mehr als ein Pfund Mehl sowie Gemüse, meistens
Bohnen. Auch Kaffee, Salz, Essig und Zucker wurden ausgegeben.
In einem Feldlager sorgten die Kompanieköche für eine angemessene
Verpflegung.

Ein
Hilfskoch bei der Arbeit in einem Camp
Doch
je weiter und schneller die Truppen vorstießen, desto spärlicher
wurde die bereitgestellte Verpflegung, denn die Eisenbahnzüge mit
den entsprechenden Gütern konnten dem schnellen Vormarsch der Truppen
nicht folgen.
So
mußte die Verpflegung auf dem Land eingekauft oder manchmal auch
„requiriert“ (= gestohlen) werden.
Im
Train wurde dann die Lebendverpflegung (Rinder, Schweine und Geflügel)
mitgeführt.

Ein Verpflegungsdepot der Union
Auf
dem Marsch gab es meist nur getrocknete Bohnen, Maisbrot und Hartkekse,
die auf Grund der falschen und langen Lagerzeit oft Maden oder Getreidekäfer
als „Fleischbeilage“ hatten. Die Hartkekse wurden von den
Soldaten „Zahnabstumpfer“ (tooth-dullers) oder „Wurmburgen“
(worm castles) genannt.
Die
Mannschaften erhielten weder Eßgeschirr noch Eßbesteck.
Sie mußten sich dieses selbst mitbringen oder vom Marketender
kaufen.
Es bestand meist aus einer Kaffeekanne, einem Becher und Teller sowie
aus einem Feldeßbesteck, das es in unterschiedlicher Ausstattung
gab.
Zur
Essenzubereitung schlossen sich häufig mehrere Soldaten zu einer
„Kochgemeinschaft“ zusammen, die dann am Lagerfeuer ihre
Mahlzeiten zubereiteten.
Auf dem Marsch gab es gewöhnlich eine Dreitagesration, die möglichst
schnell zubereitet wurde, um sie auch essen zu können, wenn es
keine Kochmöglichkeit gab.

Ein Küchenzelt
mit Kochstelle
Der Mangel an frischem Obst und Gemüse führte häufig
zu Skorbut. Unter dieser Krankheit litten auch viele Matrosen auf den
Schiffen beider Marinen. Als dies erkannt wurde, erhielten die Soldaten
zusätzlich Zwiebeln und Kartoffeln als Beilagen.
Kaffee war auf beiden Seiten ein „Muß“ bei den Soldaten.
Obwohl der Kaffee sehr teuer war, erhielten die Soldaten der Union ihre
zustehende Ration. Sie bestand gewöhnlich aus ungerösteten
Kaffeebohnen, da diese länger haltbar waren.
Jeder Kompaniekoch hatte einen Kaffeeröster, den die Soldaten benutzen
konnten. Zur Zerkleinerung der gelieferten Bohnen wurden alle harten
Gegenstände benutzt, und es gab sogar gegen Ende des Krieges einige
Karabiner (Sharps), die im Schaft (Schulterstück) eine Kaffeemühle
hatten........ Während die Soldaten der Union reichlich mit Kaffee
versorgt wurden, mangelte es den Konföderierten häufig daran,
und sie mußten sich „Ersatzkaffee“ aus Erdnüssen,
Kartoffeln, Mais, Erbsen oder Zichorie brauen. Über den Geschmack
ist leider wenig überliefert.

Das
Zelt eines Marketenders
In
dieses Versorgungslücken stießen nun die Marketender (sutler)
in den Camps der Union. Hier konnte man alles kaufen, was das Herz begehrte:
Zigaretten, Zigarren, Kuchen, Süßigkeiten, Büchsenfleisch,
Milch, Zeitschriften (vor allem die beliebte „Harper’s Weekly“
mit den neuesten Kriegsnachrichten), ja, und zusätzlich auch recht
zweifelhafte Arzneimittel und – verbotenerweise – auch Alkohol.
Doch diese Händler hatten häufig sehr „gepfefferte“
Preise, die sich die Soldaten oft nicht leisten konnten, denn die Soldzahlungen
waren sehr unregelmäßig.
Bei den Konföderierten gab es nur am Anfang des Krieges Marketender.
Danach waren die Soldaten von ihren Familienangehörigen abhängig
oder auf Farmer und Geschäftsleute in der Nähe ihrer Lager
angewiesen.
So hofften viele Soldaten auf ein Päckchen aus der Heimat, das
sie oft mit dem Nötigsten versorgte. Schon damals galt das noch
heute bei Soldaten bekannte Motto:
„Wollt Ihr Euren Sohn noch retten, schickt ihm Geld und Zigaretten!“
Es gab aber auch Soldaten, die einen Teil ihres Soldes an die Ehefrauen
schickten. So war Briefeschreiben eine beliebte Freizeitbeschäftigung,
denn die Soldaten litten doch auch sehr unter Heimweh. Urlaub gab es
ja nur in den seltensten Fällen.
Die
Besoldung
Wenn
man sich vor der Musterung als Freiwilliger meldete und dann genommen
wurde, erhielt man als Soldat zu Beginn des Krieges $ 100 als Verpflichtungsprämie
(bounty). Dazu kam häufig noch ein Handgeld des Staates oder des
Landkreises. Im Verlauf des Krieges wurden diese Prämien sogar
bis auf $ 500 erhöht, ein Betrag, der etwa dem Jahreslohn eines
Arbeiters entsprach. So blieb es nicht aus, daß es Soldaten gab,
die nur deshalb desertierten, um sich ein weiteres Mal zu verpflichten
und die Prämie zu kassieren.
Ein Kanadier, der sich in der Unionsarmee verpflichtet hatte, schrieb
an seine Frau:
„Mit dem Geld, das ich hier bekommen habe, können wir uns
eine kleine Farm kaufen.“
Die
monatliche Besoldung der Unteroffiziere und Mannschaften sowie das Gehalt
der Offiziere richtete sich nicht nur nach dem Dienstgrad, sondern in
bestimmten Fällen auch nach der Waffengattung, der Dienststellung
und dem Dienstalter.
In
der nachfolgenden Übersicht aus der Dienstvorschrift von 1861 ist
die Besoldung für Soldaten der Infanterie der Union zu Beginn des
Krieges angeführt:
Private |
$
13,00 |
Sergeant |
$
17,00 |
First
Sergeant |
$
20,00 |
| Sergeant
Major |
$
21,00 |
|
|
Leutnant
|
$
103,50 |
Oberleutnant
|
$
108,50 |
Captain |
$
118,50 |
|
|
Major
|
$
151,00 |
Lieutenant-Colonel |
$
170,00 |
Colonel |
$
194,00 |
|
|
Brigadier-General |
$
299,50 |
Major-General |
$
445,00 |
Lieutenant-General |
$
720,00 |
Im
Juni 1864 wurde die Besoldung etwas angehoben, so daß z.B. die
Mannschaften jetzt $ 16 erhielten.
Das
Besoldungssystem der Konföderierten sah ähnlich aus. Aufgrund
der Inflation des Südstaatengeldes verringerte sich natürlich
die Kaufkraft der Gehälter, dies wurde aber häufig damit ausgeglichen,
daß vor allem die Offiziere schneller befördert wurden als
ihre Kameraden im Norden. Zum Ausgleich gab es aber dann im Juni 1864
ebenfalls eine allgemeine Besoldungserhöhung.

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mit Angaben zur Verpflichtungsprämie
Unteroffiziere
und Mannschaften der Union sollten ihre Besoldung alle zwei Monate ausbezahlt
bekommen, doch konnten sie froh sein, wenn sie nach vier Monaten ihr
Geld in Händen hatten. Manchmal dauerte es aber auch 6 –
8 Monate.
Bei
den Konföderierten erfolgte die Auszahlung teilweise noch unregelmäßiger.
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