Quellennachweis
der Texte und Abbildungen: Bearbeitet von E.
Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching
Das Leben in einem Feldlager
Das Camp Wenn sich ein Regiment nicht in der Schlacht oder auf dem Marsch befand, hielten sich die Soldaten in einem Feldlager (Field Camp) auf. Der Ort für dieses Lager war vorher von einem Erkundungstrupp nach taktischen (z.B. passendes Gelände) und praktischen (z.B. Wasser) Gesichtspunkten ausgesucht worden. Die Dienstvorschrift von 1861 sah für die Infanterie- und Kavallerieregimenter unterschiedliche Lagerformen vor. Die nachfolgende Skizze stellt einen Abschnitt eines Camps der Infanterie dar.
2 Zelt für Kriegsgefangene
4 Flaggenplatz
7 Küchen- und Speisezelte
Dieses starre
Schema konnte aber nur selten eingehalten werden, denn das Camp mußte
sehr oft dem Gelände angepaßt werden. (Zu dieser Problematik siehe auch: Der Sanitätsdienst unter Waffengattungen.)
Ein Camp konnte so aussehen ................................
................... oder auch so
Zu
Beginn des Krieges waren die Mannschaften in sogenannten Sibley-Zelten
untergebracht. Henry H. Sibley, ein kriegserfahrener Offizier, hatte
sich diese Zeltform, die den indianischen Tipis nachempfunden war, 1858
patentieren lassen und mit dem Kriegsministerium einen Vertrag geschlossen.
Er sollte für jedes der über 40.000 beschafften Zelte $ 5
bekommen.
Dafür
erhielten die Soldaten jetzt Dreieckzelte (wedge tents, wegen
ihrer Form auch „A tents“ genannt). Diese Zelte
waren etwa drei Meter lang und zwei Meter hoch. Ursprünglich für
4 Mann vorgesehen, brachte man darin aber bis zu 6 Soldaten unter.
Man
griff jetzt auf einfache Zeltbahnen zurück. Jeder Soldat erhielt
eine Zeltbahn und konnte so mit einem zweiten Soldaten ein sehr primitives
Zweimann-Zelt (shelter tent) zusammenbauen, das bei schlechtem
Wetter aber kaum Schutz bot, da es vorne und hinten offen war. So mußten
zusätzlich Decken und Ponchos verwendet werden.
Das einigermaßen gemütlich eingerichtete Zelt eines Offiziers
So standen einem General drei dieser Zelte zu, Stabsoffiziere hatten zwei, alle anderen Offiziere im Stabsdienst ein Zelt.
Die
Offiziere in den Kompanien mußten sich zu zweit ein solches Zelt
teilen. Die ungefähren Maße waren 4 x 3 Meter mit einer Höhe
von etwa 1,90 m.
Die Tage im Lager „Drill,
Drill und wieder Drill“, so schilderte ein Soldat in einem Brief
seinen Dienst im Lager. Und so war es auch. War man nicht zu speziellen
Sonderdiensten, (Neben
dem Symbol Der
Dienst begann gewöhnlich im Sommer um 4.50 Uhr, im Winter um 5.50
Uhr, wenn die Trompeter das Wecksignal ( In
den Kavallerieeinheiten ertönte dann um 6.15 Uhr das Signal zur
Fütterung der Pferde (
Fertig zur Marschausbildung Der
morgendliche Drill wurde um 9.55 Uhr mit einem speziellen Signal ( An
Sonntagen wurde um 10 Uhr mit dem Kirchensignal ( Für
die Kavallerie ertönte um 16.30 Uhr das Signal zum Wasser- und
Stalldienst
Für
die Wachen und die Musiker gab es für ihre speziellen Dienste zusätzliche
Signale, die hier aber nicht aufgeführt sind. Die Freizeit Viele verbrachten ihre Freizeit mit dem Lesen von Briefen ihrer Angehörigen und entsprechendenden Antwortschreiben, doch dies war nicht alles. Was tun? Die Wettleidenschaft war groß, und so blieb es nicht aus, daß neben Box- und Baseballwettkämpfen auch Wetten auf Läuserennen und Hahnenkämpfe abgeschlossen wurden. Daneben waren Würfel- und Kartenspiele ein beliebter Zeitvertreib. Eine
weitere Freizeitbeschäftigung waren die Musik und das Singen. Viele
Soldaten hatten ihre Instrumente wie Gitarren, Banjos, Mundharmonikas,
Geigen und Flöten mitgebracht oder machten sich primitive Instrumente
aus vorhandenen Materialien. Ab und zu spielte auch das Musikkorps des
Regiments, speziell dann, wenn sich die feindlichen Truppen in unmittelbarer
Nähe (z.B. am anderen Ufer eines Flusses) befanden, um sie mit
den entsprechenden Melodien ärgern zu können. In der Union
waren "The Battle Cry Of Freedom", "Battle Hymn of
the Republic" und "Tenting on the Old Campground"
die Lieblingsmelodien,
Das
größte Problem war aber der Alkohol. Obwohl es den Mannschaften
verboten war, Alkohol zu kaufen und zu trinken, gelang es vielen Soldaten,
dieses Verbot zu umgehen. Die Marketender wollten ja schließlich
auch ihr – oft ungesetzliches – Geschäft machen. War
ein Kauf nicht möglich, so hatten die Soldaten ihre eigenen „Rezepte“
zur Herstellung. (Anmerkung des Übersetzers: Bitte nicht selbst ausprobieren, denn die Wirkung und die gesundheitlichen Folgen sind nicht bekannt.) Der
konföderierte General Braxton Bragg beklagte sich einmal: „Wir
verloren mehr Leute durch Whiskeyverkäufer als durch feindliche
Kugeln.“ So waren, Es
gab aber auch Ausnahmen vom Alkoholverbot. Nach einem anstrengenden
Marsch und großen Anstrengungen konnte der Kompaniechef die Ausgabe
von Neben
Trinken, Wetten und Spielen gab es noch eine weitere „Freizeitbeschäftigung“,
die von den Soldaten „horizontale Erfrischung“
genannt wurde. Die Verpflegung Zu
Beginn des Krieges erhielten die Soldaten auf beiden Seite eine ausreichende
Verpflegung.
Ein Hilfskoch bei der Arbeit in einem Camp
Doch je weiter und schneller die Truppen vorstießen, desto spärlicher wurde die bereitgestellte Verpflegung, denn die Eisenbahnzüge mit den entsprechenden Gütern konnten dem schnellen Vormarsch der Truppen nicht folgen. So mußte die Verpflegung auf dem Land eingekauft oder manchmal auch „requiriert“ (= gestohlen) werden. Im Train wurde dann die Lebendverpflegung (Rinder, Schweine und Geflügel) mitgeführt.
Auf
dem Marsch gab es meist nur getrocknete Bohnen, Maisbrot und Hartkekse,
die auf Grund der falschen und langen Lagerzeit oft Maden oder Getreidekäfer
Die
Mannschaften erhielten weder Eßgeschirr noch Eßbesteck.
Sie mußten sich dieses selbst mitbringen oder vom Marketender
kaufen. Zur
Essenzubereitung schlossen sich häufig mehrere Soldaten zu einer
„Kochgemeinschaft“ zusammen, die dann am Lagerfeuer ihre
Mahlzeiten zubereiteten.
Der Mangel an frischem Obst und Gemüse führte häufig zu Skorbut. Unter dieser Krankheit litten auch viele Matrosen auf den Schiffen beider Marinen. Als dies erkannt wurde, erhielten die Soldaten zusätzlich Zwiebeln und Kartoffeln als Beilagen. Kaffee war auf beiden Seiten ein „Muß“ bei den Soldaten. Obwohl der Kaffee sehr teuer war, erhielten die Soldaten der Union ihre zustehende Ration. Sie
bestand gewöhnlich aus ungerösteten Kaffeebohnen, da diese
länger haltbar waren. Jeder Kompaniekoch hatte einen Kaffeeröster,
den die Soldaten benutzen konnten. Zur Zerkleinerung der gelieferten
Bohnen wurden alle harten Gegenstände benutzt, und es gab sogar
gegen Ende des Krieges einige Karabiner (Sharps), die im Schaft
(Schulterstück) eine Kaffeemühle hatten........ Während die Soldaten der Union reichlich mit Kaffee versorgt wurden, mangelte es den Konföderierten häufig daran, und sie mußten sich „Ersatzkaffee“ aus Erdnüssen, Kartoffeln, Mais, Erbsen oder Zichorie brauen. Über den Geschmack ist leider wenig überliefert.
In
dieses Versorgungslücken stießen nun die Marketender (sutler)
in den Camps der Union. Hier konnte man alles kaufen, was das Herz begehrte:
Zigaretten, Zigarren, Kuchen, Süßigkeiten, Büchsenfleisch,
Milch, Zeitschriften (vor allem die beliebte „Harper’s Weekly“
mit den neuesten Kriegsnachrichten), ja, und zusätzlich auch recht
zweifelhafte Arzneimittel und – verbotenerweise – auch Alkohol.
Wenn
man sich vor der Musterung als Freiwilliger meldete und dann genommen
wurde, erhielt man als Soldat zu Beginn des Krieges $ 100 als Verpflichtungsprämie
(bounty). Dazu kam häufig noch ein Handgeld des Staates
oder des Landkreises. Im Verlauf des Krieges wurden diese Prämien
sogar bis auf $ 500 erhöht, ein Betrag, der etwa dem Jahreslohn
eines Arbeiters entsprach. So blieb es nicht aus, daß es Soldaten
gab, die nur deshalb desertierten, um sich ein weiteres Mal zu verpflichten
und die Prämie zu kassieren. Die monatliche Besoldung der Unteroffiziere und Mannschaften sowie das Gehalt der Offiziere richtete sich nicht nur nach dem Dienstgrad, sondern in bestimmten Fällen auch nach der Waffengattung, der Dienststellung und dem Dienstalter. In der nachfolgenden Übersicht aus der Dienstvorschrift von 1861 ist die Besoldung für Soldaten der Infanterie der Union zu Beginn des Krieges angeführt:
Im Juni 1864 wurde die Besoldung etwas angehoben, so daß z.B. die Mannschaften jetzt $ 16 erhielten. Das Besoldungssystem der Konföderierten sah ähnlich aus. Aufgrund der Inflation des Südstaatengeldes verringerte sich natürlich die Kaufkraft der Gehälter, dies wurde aber häufig damit ausgeglichen, daß vor allem die Offiziere schneller befördert wurden als ihre Kameraden im Norden. Zum Ausgleich gab es aber dann im Juni 1864 ebenfalls eine allgemeine Besoldungserhöhung.
Werbeplakat mit Angaben zur Verpflichtungsprämie
Unteroffiziere und Mannschaften der Union sollten ihre Besoldung alle zwei Monate ausbezahlt bekommen, doch konnten sie froh sein, wenn sie nach vier Monaten ihr Geld in Händen hatten. Manchmal dauerte es aber auch 6 – 8 Monate. Bei den Konföderierten erfolgte die Auszahlung teilweise noch unregelmäßiger.
|