
Mit freundlicher
Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK D. KUEGLER, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© NORD & SÜD, Rainer Delfs, Der Atlanta-Feldzug
Veröffentlichungen des Center of Military History der U. S. Army,
des US Nationalarchivs,
sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der U. S. Army
DER
ATLANTA-FELDZUG
Seite
-2-

ATLANTA

Sherman
vor Atlanta
Shermans
Armee war nun bereits in Sichtweite von Atlanta gerückt, nur acht
Meilen lagen dazwischen. Atlanta war der Knotenpunkt sämtlicher
Eisenbahnlinien Georgias, von denen drei als Verbindungslinien dienen
konnten.
Die nach Norden, nach Chattanooga führende Strecke wurde auf ihrer
gesamten Länge von Sherman kontrolliert. Nach Osten, durch Decatur,
führte eine weitere Strecke über Augusta nach Charleston.
Die nach Süden führende Strecke gabelte sich bei East Point,
sechs Meilen von Atlanta entfernt; einer der beiden Abzweige führte
in südöstlicher Richtung durch Macon nach Savannah, der andere
nach Südwesten durch West Point und Opelika nach Montgomery. Um
diese West Point Railroad zu zerstören, wurde ein Feldzug vorbereitet,
den General Lovell H. Rousseau führen sollte.
Am 10. Juli, nachdem feststand, daß Johnston den Fluß überquert
hatte, rückte Rousseau mit 2.500 Kavalleristen und zwei Artilleriegeschützen
aus Decatur, Alabama, ab. Man hätte für den Feldzug keinen
günstigeren Zeitpunkt wählen können: Andrew J. Smith
bekämpfte Nathan B. Forrests Kavallerie in Mississippi; gegen Vicksburg
und Baton Rouge wurden Feldzüge geführt, die die Feindkräfte
banden, und Canby bedrohte Mobile.
Rousseaus
Einheit umfaßte folgende Kavallerieregimenter: das 5th Indiana-,
das 5th lowa-, das 2nd Kentucky-, das 4th Tennessee und das 9th Ohio-Regiment,
bewaffnet mit insgesamt 1.000 Spencer-Repetiergewehren. Bei der Überquerung
des Coosa River am 13. Juli wurde eine Fähre gekapert, doch als
ein Teil der Armee übergesetzt und sich auf denn Südufer festgesetzt
hatte, wurde diese Einheit durch zwei Regimenter der Alabama-Kavallerie
unter General James H. Clanton attackiert, der aber nach einigen Stunden
Gefecht durch einen Angriff in seine Flanke zurückgeschlagen wurde.
Rousseau rückte bis Talleda an der Eisenbahnlinie nach Selma vor.
Hier wurde ein Lager für ungefähr 700 Soldaten errichtet.
Bei Chehaw Station an der West Point Railroad erfolgte ein neuerlicher
Angriff Clantons, der aber wiederum abgewehrt wurde, wobei bei den Konföderierten
40 Mann fielen und eine beträchtliche Zahl verwundet wurden. In
Opelika wurden eine große Zahl von Vorratslagern erobert, und
die Eisenbahnstrecke wurde zerstört.
An diesem Punkt (am 19. Juli) begann Rousseau sich wieder nach Marietta
zurückzuziehen, wo er über Carrolton und Villa Rica am 22.
Juli anlangte. Er hatte insgesamt 30 Meilen der Schienenstrecke nach
Montgomery zerstört, drei Meilen derjenigen nach Columbus und zwei
Meilen derjenigen nach West Point. Seine Verluste betrugen 12 Gefallene
und 30 Verwundete. Er erbeutete 400 Mulis und 300 Pferde.
Als
die Versorgung der Truppe durch die reichlichen Vorräte in den
Lagerhäusern von Allatoona, Marietta und Vining's Station gesichert
und die Bewachung der Bahnlinien sowie der rückwärtigen Garnisonen
verstärkt worden war, überquerte General Sherman am 17. Juli
den Chattahoochee - ein schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, daß
er sich dabei einer 50.000 Mann starken feindlichen Armee gegenübersah.
Schofield lag bereits in einer uneinnehmbaren Stellung am anderen Ufer
und wurde nach New Cross Keys befohlen. Thomas überquerte den Fluß
bei Power's und Paice's Ferries und wurde über Buckhead in Marsch
gesetzt, und McPherson erhielt den Befehl, seine Truppen von Roswell
an einen Punkt östlich von Decatur an der Augusta Railroad zu verlegen.
Garrards Kavallerie zog mit McPherson, während die Kavallerieeinheiten
von Stoneman und McCook die Straßen jenseits der Eisenbahnlinien
sowie den Fluß unter Beobachtung hielten.

CS-General Joseph E. Johnston
An
diesem kritischsten Punkt des Feldzuges wurde General Johnston seines
Kommandos enthoben. Um 22 Uhr am 17. Juli erhielt er ein Telegramm von
Minister Seddon, dessen Inhalt besagte, daß er, Johnston, es nicht
geschafft habe, den Vormarsch der Union in die nähere Umgebung
von Atlanta aufzuhalten. In dem Telegramm wurde ferner zum Ausdruck
gebracht, daß man ihm nicht zutraue, General Sherman zu schlagen
oder wenigstens zurückzuschlagen.
CS-General
John Bell Hood
Er
solle den Befehl über die Armee unverzüglich General Hood
übertragen.
Johnston erteilte auf Hoods Bitte hin bis zum Nachmittag des 18. Juli
weiterhin seine Befehle und brachte seine Truppen an bereits zuvor ausgewählten
Positionen in der Nähe von Peach-tree Creek in Stellung. Er erklärte
Hood zudem seinen Plan, wie die Verteidigung von Atlanta vonstatten
gehen sollte. Vor allem war es seine Absicht, Sherman bei der Überquerung
des Peach-tree Creek anzugreifen, weil dann die Erfolgsaussichten am
höchsten waren, denn zu diesem Zeitpunkt waren sowohl der Peach-tree
Creek als auch der Chattahoochee River einem schnellen Rückzug
der Unionstruppen im Wege.
Sollte dieser Angriff fehlschlagen, sollte der Vormarsch des Feindes
durch eine Kette von Verschanzungen zwischen Marietta und Decatur Roads
so lange gestoppt werden, bis die Truppen eintrafen, deren Erscheinen
von Gouverneur Brown für Ende Juli zugesagt worden war. Die Verschanzungen
sollten mit Milizeinheiten besetzt werden, über die er, Johnston,
bereits verfügen konnte. Seine Hauptstreitmacht sollte Sherman
dann gegebenenfalls während dessen Vormarsch auf Atlanta in die
Flanke fallen.
Die
konföderierte Armee war nun auf höher gelegenem Gelände
am Westufer des Peach-tree Creek zwischen Turner's Ferry und Augusta
Road postiert.
McPherson erreichte am 18. Juli einen Punkt sieben Meilen östlich
von Decatur (Ga.) und drang mit Unterstützung durch Garrards Kavallerie
vier Meilen weiter vor. Schofield erreichte am selben Tag Decatur; McPherson
am 19. Juli. Sie rückten auf einer Straße voran, die direkt
in Richtung Atlanta führte, während Thomas über zahlreiche
Brücken vor den Augen des Feindes den Peach-tree Creek überquerte.
Hood hatte seine Truppen zu Benjamin F. Cheathams Corps (vor seiner
Beförderung war es Hoods eigenes gewesen) auf die rechte Seite
überstellt, um Thomas von Schofield und McPherson abzuschneiden.
Hardee hielt das Zentrum, und Stewart (der jetzt das Corps des gefallenen
Polk kommandierte) die linke Seite.
Hardee und Stewart erhielten um 13 Uhr am 20. Juli den Befehl, Thomas
anzugreifen, bevor dieser die Gelegenheit hatte, sich zu verschanzen.
Aber bei ihrem Vormarsch drohte die Unionsarmee Hoods rechte Flanke
zu umgehen, so daß Cheathams Corps in dieser Richtung vorrücken
mußte. Dies brachte die Abstimmung der Truppenbewegungen Hardees
und Stewarts durcheinander, so daß neue Manöver durchgeführt
werden mußten, die soviel Zeit kosteten, daß der Angriff
erst gegen 16 Uhr unternommen werden konnte. Hoods linkes Corps, unter
Stewarts Befehl, rückte nach Buckhead vor und traf an einem Punkt
auf die Unionsarmee, wo eine Lücke zwischen den Einheiten von Thomas
und Schofield klaffte, die Sherman gerade füllen wollte.
Der
Angriff der Konföderierten erfolgte gegen John Newtons Division,
Joseph Hookers Corps und Richard W. Johnsons Division aus John M. Palmers
Corps. Johnson hatte seine Einheiten hinter starken Befestigungen postiert,
Newton hatte eilig eine Linie von Brustwehren errichten lassen, aber
Hookers Corps war völlig ungedeckt und kämpfte auf ziemlich
freiem Gelände.
Der Angriff war anfangs teilweise erfolgreich. Aber Newtons Division,
obwohl relativ ungedeckt auf der linken Seite, schlug jeden feindlichen
Angriff zurück. Die Schlacht verlagerte sich dann auf die rechte
Seite der Unionstruppen gegen Hookers und Johnsons Einheiten, die aber
keinen Fuß zurückwichen, und nach einer schweren Schlacht,
die bis Sonnenuntergang andauerte, wurde der Feind in seine Stellungen
zurückgetrieben. Thomas' Verluste waren groß: 1.600 Gefallene
und Verwundete - die größten Verluste in Hookers Corps. Aber
die Verluste auf seiten der Konföderierten waren noch größer.
500 Tote blieben auf dem Schlachtfeld zurück, 1.000 Mann waren
schwer verwundet, und 360 Gefangene wurden gemacht.
General Hood sah sich nun einer Aufgabe gegenüber, der er nicht
gewachsen war - eine Aufgabe allerdings, die auch den brillantesten
Offizier entmutigt hätte.
Johnston hatte die Problematik erkannt und war ihr in der einzig vertretbaren
Weise begegnet, die die militärische Wissenschaft und Erfahrung
gebietet. Daß er seines Kommandos enthoben wurde, war eine Anprangerung
seiner Strategie während dieses Feldzuges.
Hood,
der zwar ein tapferer Soldat, aber kein Stratege war, wählte eine
genau entgegengesetzte Methode und folgte seinem allgemein bekannten
Motto: strategische Erwägungen ignorieren und zur Schlacht stellen,
wann immer möglich. Aus diesem Grunde war er auch an Johnstons
Stelle gesetzt worden. Hätte Sherman sich einen Gegner wählen
können - niemand wäre seinen Plänen und seiner eigenen
Art der Kriegsführung mehr entgegengekommen als Hood. Hood war
nun der Befehlshaber, und Hoods Art der Kriegsführung gab Sherman
nun endlich die Gelegenheit, auf die er gewartet und die Johnstons Strategie
ihm so lange verwehrt hatte.
Nachdem sein erster Plan gescheitert war, machte sich Hood daran, den
zweiten durchzuführen, der einen Angriff auf McPherson vorsah.
Denn falls McPherson Hoods rechte Seite angreifen sollte und dieser
Angriff nicht aufgehalten werden konnte, mußte Atlanta evakuiert
werden.
Somit fand Sherman am Morgen des 22. Juli zu seiner Überraschung
die Stellungen der Konföderierten am Peach-tree Creek verlassen
vor. Sofort ließ er seine Linien enger um Atlanta ziehen. Hood
ließ in der Zwischenzeit neue Befestigungen errichten. Er beorderte
Cheatham und Stewart zur Verteidigung Atlantas in die Stadt, während
er Hardee befahl, sein Corps in der Nacht des 21. Juli nach Süden
an die McDonough Road zu verlegen. Damit sollte McPhersons Flanke umgangen
werden. Wheelers Kavallerie wurde an Hardees rechte Seite verlegt. Hardee
sollte bei Tagesanbruch angreifen; dann sollte Cheatham mit seinen Einheiten
Thomas attackieren. Und schließlich, wenn die Kampfhandlungen
in vollem Gange waren, sollte das Zentrum vorrücken.
Diese
Kombinationen führten zur Schlacht vom 22. Juli. McPherson hatte
in der Nacht zuvor nach schweren Gefechten die Augusta Railroad zwei
Meilen westlich von Decatur überquert; Blair war auf der linken
Seite der Eisenbahnlinie vorgestoßen und hatte eine strategisch
günstige Anhöhe in nur zwei Meilen Entfernung von Atlanta
eingenommen. Dodges 16th Corps, auf Logans rechter Seite, war beim nun
erfolgenden allgemeinen Vorrücken der Union auf Blairs linke Seite
verlegt worden, um die in der vergangenen Nacht eroberte strategisch
so günstige Anhöhe zu sichern.
Sherman hatte am Morgen angenommen, daß Atlanta bereits evakuiert
sei, aber noch vormittags stellten Thomas und Schofield fest, daß
der Feind noch immer gut verschanzt vor der Stadt lag.
Auf der linken Seite erklang gegen 11 Uhr plötzlich Gewehr und
Artilleriefeuer - Hoods Absichten wurden zwar sofort erkannt, doch es
war zu spät, um die Bedrohung gänzlich abzuwenden, der sich
McPherson nun ausgesetzt sah. Sherman befand sich zu diesem Zeitpunkt
in Howard House, auf Thomas' linker Seite. Hier war er mit McPherson
und Schofield zusammengetroffen. Sherman hatte die Absicht gehabt, die
rechte Seite zu stärken, sah sich aber nun gezwungen, auf der linken,
bei McPherson, Entlastung zu schaffen. McPherson verließ Howard
House, um zu seiner Einheit zurückzukehren.
Ungefähr
eine halbe Stunde später erschien sein Adjutant, Lieutenant Colonel
Clarke, mit der bestürzenden Nachricht, daß sein Kommandeur
entweder gefallen oder gefangengenommen worden sei; daß McPherson,
nachdem er seine Offiziere eingewiesen habe, sich auf den Weg zu Dodge
gemacht habe und dabei in einem schmalen Pfad eingeritten sei. Wenige
Minuten später sei aus dieser Richtung eine scharfe Salve erklungen,
und McPhersons Pferd sei mit zwei Schußwunden reiterlos zurückgekehrt.
Die
prominentesten Gefallenen des Atlanta-Feldzuges
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Major-General
James B. McPherson |
Brigade-General
Dan McCook |
Brigade-General
Charles G. Harker |
CS-Lieut.-General
Leonidas Polk |
gefallen am 22. Juli
1864
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Schwer
verwundet am 27. Juni 1864 |
gefallen
am 27. Juni 1864 |
gefallen
am 14. Juni 1864 |
in
der Schlacht von Atlanta |
am
Kenesaw Mountain. |
am
Kenesaw Mountain |
am
Pine Mountain |
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Er
erlag seinen Verwundungen |
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zu
Hause in Ohio |
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Zwei
Tage nach diesem Vorfall wurde die Sachlage von General Sherman wie
folgt an Adjutant-General Thomas übermittelt:
Es
ist meine traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, daß Major-General
James B. McPherson von der Armee der Vereinigten Staaten, Kommandeur
der Armee von Tennessee, gestern Nachmittag durch einen Schuß
aus dem Hinterhalt getötet wurde. Er hatte mich erst wenige Minuten
zuvor verlassen und wollte meine Befehle persönlich ausführen.
Als die tödlichen Schüsse fielen, unternahm der Feind gerade
einen Ausfall aus seinen Befestigungen um Atlanta ... so daß General
McPherson in der Schlacht fiel, gestiefelt und gespornt, so, wie es
sich ein Soldat und Gentleman nur wünschen kann. Sein Tod ist ein
Verlust für die gesamte Nation, und seine Armee wird seinen Tod
bedauern und seine Erinnerung bewahren; die Erinnerung an einen Mann,
der, obwohl noch vergleichsweise jung, durch seine Verdienste und seine
Fähigkeiten an die Spitze einer der besten Armeen dieser Nation
gestellt worden war ... sein Leichnam wird von seinem persönlichen
Stab - Major Willard, Captain Steele und Captain Giles - nach Norden
geleitet.
General
Logan, Befehlshaber des 15th Corps, wurde neuer Kommandeur der Tennessee-Armee.
Er wurde von Sherman instruiert, daß es nicht darauf ankomme,
auf der linken Seiten Boden zu gewinnen, daß aber die Augusta
Railroad unter allen Umständen gehalten werden müsse.
Hardee war umgeschwenkt und hatte die linke Flanke von Shermans Armee
angegriffen; Sein Vorrücken wurde durch dicht bewaldetes Gelände
gedeckt. Er kesselte Blairs Division ein, und der Angriff wurde bis
zu Dodges Corps ausgeweitet, das nur eine halbe Meile von Blairs Einheit
entfernt lag.
Der letzte Befehl, den McPherson gegeben hatte, war an Colonel Wangelin
und dessen Brigade (aus Logans Corps) ergangen: Er sollte die Eisenbahnlinie
überqueren und die Lücke zwischen Blair und Dodge schließen.
Dieser Befehl wurde befolgt, der Feind zurückgeschlagen.
Wheelers Kavallerie war inzwischen in Decatur eingefallen und hatte
die dort stationierten Unionstruppen in Richtung Chattahoochee getrieben.
Hardees Vormarsch war aufgehalten worden, aber Stewarts Corps, auf der
linken Seite, griff weiter an und fegte über einen Teil des von
Blair besetzten Höhenzuges hinweg, den Blair gerade befestigen
ließ. Stewart nahm einen Teil der sich verschanzenden Unionssoldaten
gefangen, stieß hinunter auf G.A. Smiths Division und trieb sie
zurück bis zu derjenigen von Leggett, die sich hartnäckig
auf dem Hügelkamm hielt.
Smiths Linien wurden dadurch weit auseinandergezogen, wurden dennoch
aber vier Stunden lang gehalten, trotz der Angriffe des Feindes. Auf
der äußersten linken Seite eroberte Hardee sechs Geschützstellungen,
und Smith hatte zwei weitere aufgeben müssen.

Hood
versuchte weiterhin, Shermans linke Flanke zu umgehen.
Die
unterbrochene Linie auf der linken Seite der Skizze zeigt, wie McCooks
Division nach der Niederlage bei Newton zersprengt wurde und den Rückzug
völlig unkontrolliert antreten mußte.
Die
unterbrochenen Linien rechts zeigen den Rückzug der beiden Brigaden,
die George Stoneman ziehen ließ, bevor er sich dem Feind zum Kampf
stellte.
Während
Colonel Caprons Brigade von den Konföderierten gestellt und aufgerieben
wurde, gelang es Colonel Adams, Decatur fast ohne Verluste zu erreichen.
Gegen
16 Uhr kam es zu einer Atempause, während sich die Konföderierten
bis zur Eisenbahnlinie vortasteten und bei einem schnellen Vorstoß
zwei weitere Geschütze eroberten.
Zudem wurden bei diesem Feindvorstoß Woods und Harrows Divisionen
(aus Logans Corps) voneinander getrennt. Es war von höchster Wichtigkeit,
diese Positionen zurückzuerobern.
Aus
Schofields Gefechtslinie wurden zwei Geschützmannschaften in eine
strategisch günstige Stellung verlegt, von der aus man den Feind
unter Flankenfeuer nehmen konnte, und während der Beschuß
vonstatten ging, stießen Logan und ein Teil von Schofields Kräften
vor und trieben die Konföderierten zurück, wobei zwei Geschützstellungen
zurückerobert werden konnten.
Damit
endete die Schlacht vom 22. Juli. Sherman gab als Verluste an: 3.722
Mann gefallen, verwundet oder gefangengenommen. Die Verluste des Feindes
schätzte er auf 8.000 Mann. In dieser Schlacht fiel der Konföderierten-General
W.H.T. Walker.
An diesem Tage endeten Shermans Operationen östlich von Atlanta.
Kenner Garrards Kavallerie, deren Abwesenheit Hood am 22. bei seinem
Angriff zugute gekommen war, hatte die Augusta Railroad 42 Meilen östlich
von Atlanta zerstört.
Dieses
Unternehmen - zusammen mit Rousseaus Operationen in West Point - ließ
dem Feind nur noch eine einzige intakte Verbindungslinie: die Macon
Railroad.
Um auch diese verbleibende Strecke erreichen zu können, entschloß
sich Sherman, seine Armee in den Westen von Atlanta zu verlegen. Rousseau
erhielt den Befehl, George Stoneman am Chattahoochee abzulösen.
Dem
Kavalleriedivisionskommandeur Stoneman wurde auch Garrards Division
unterstellt, so daß insgesamt 5.000 Kavalleristen unter Stonemans
Kommando standen. General E.M. McCook befehligte (einschließlich
Rousseaus Kavallerie) 4.000 Kavalleristen. Stoneman und McCook erhielten
den Befehl, mit diesen Kräften einen aufeinander abgestimmten Angriff
auf die Macon Railroad zu führen, während Sherman seine Armee
auf der rechten Seite bis East Point vorrücken ließ.
Der
Feind konnte, so nahm man an, diesen gewaltigen Kavallerieeinheiten
nichts entgegensetzen. Stoneman umging Atlanta auf der linken Seite
und rückte bis McDonough vor, McCook vollzog das gleiche Manöver
auf der rechten Seite und erreichte Fayetteville.
Am 28. Juli sollten die beiden Einheiten in der Nähe von Lovejoy's
an der Macon Railroad zusammentreffen, weit südlich von Atlanta,
und die Bahnlinie wirkungsvoll zerstören. Doch kurz vor dem Aufbruch
bat Stoneman um Erlaubnis - nachdem er die bis dahin erteilten Befehle
befolgt hatte -, nach Erfüllung des Auftrages, die Macon Railroad
zu zerstören, mit seiner eigenen Einheit nach Macon und Andersonville
vorzurücken, um die dort in Gefangenschaft befindlichen Unionssoldaten
zu befreien. >Diese Idee war irgendwie höchst faszinierend<,
berichtet Sherman, >und der Erfolg erschien mir im Bereich der Möglichkeiten.<
Er erklärte sich daher mit Stonemans Plan einverstanden.
Der Feldzug erwies sich als Fehlschlag. Stoneman schien nie die Absicht
gehabt zu haben, sich bei Lovejoy's mit Kenner Garrard und Edward McCook
zu treffen. Garrard kehrte schon bald wieder zurück. McCook zog
am Westufer des Chattahoochee entlang bis zu einem Punkt in der Nähe
von Rivertown, wo er den Fluß überquerte und nach Palmetto
Station weiterzog, wobei er einen Teil der West Point Railroad zerstörte.
Dann rückte er weiter bis Fayetteville vor, wo er 500 Waggons zerstörte,
die dem Feind gehörten. Bei Lovejoy's schließlich ließ
er das Eisenbahndepot niederbrennen und einen Teil der Strecke zerstören.
Unterdessen
zogen die Konföderierten um ihn herum ihre Truppen zusammen. Weil
er keine Nachricht von Stoneman erhielt, rückte McCook gegen Newman
an der West Point Road vor, wo er auf eine feindliche Infanterieeinheit
stieß, die vom Mississippi herauf unterwegs zu Hood war. McCook
wurde eingekreist und konnte sich nur unter großen Mühen
aus diesem Kessel durchschlagen, wobei er 500 Mann verlor.
Major-General
George Stonemann
Stoneman,
unter Nichtbeachtung aller erhaltenen Befehle, schien niemals auch nur
in die Nähe von Lovejoy's gekommen zu sein. Er hielt sich östlich
des Ocmulgee und rückte in Richtung Clinton vor, wobei er kleinere
Einheiten nach Osten schickte, die Teile der Eisenbahnstrecke und die
Brücken über den Walnut Creek und den Oconee zerstörten.
Mit seiner Hauptstreitmacht erschien er vor den Toren Macons. Er versuchte
jedoch weder die Stadt einzunehmen noch gegen Andersonville vorzurücken.
Statt dessen unternahm er den Versuch, auf demselben Weg, den er gekommen
war, wieder abzuziehen. Jetzt aber hatte er verschiedene Einheiten der
konföderierten Kavallerie unter General Iverson dicht auf den Fersen.
Bald schon wurde Stoneman vom Feind eingeschlossen. Zwei Drittel seiner
Armee gab er die Erlaubnis zur Flucht; mit dem verbleibenden Drittel
stellte er sich dem Feind.
Eine
Brigade unter Colonel Adams kehrte fast ohne Verluste zu Sherman zurück;
eine andere, unter Colonel Capron, wurde auf dem Heimweg vom Feind überrascht
und aufgerieben, wobei viele der Männer getötet wurden oder
in Gefangenschaft gerieten.
Stoneman selbst ergab sich mit dem kleinen Rest seiner Einheit, der
ihm geblieben war. Sehr viel wurde auf diesem Feldzug geopfert und nur
sehr wenig gewonnen, zumal die Beschädigungen an der Macon Railroad
nicht so schwer waren, als daß sie nicht hätten behoben werden
können.

Major-General
Lovell Harrison Rosseau
Am
27. Juli, eine Woche nach der Schlacht am Peach-tree Creek, wurde die
Tennessee-Armee aus ihren derzeitigen Stellungen nach links verlegt,
noch hinter Schofield und Thomas, auf die Westseite des Proctor's Creek,
wodurch die Linien der Union auf den Hügeln nordwestlich von Atlanta
nach Süden verlängert wurden. Dabei nahm man genau die gleiche
Stellung ein, wie sie vor der Schlacht vom 22. Juli gebildet worden
war, diesmal allerdings auf der gegenüberliegenden Seite Atlantas.
Auf Befehl des Präsidenten (nach Shermans Vorschlägen) wurde
General O.O. Howard am 27. Juli das Kommando über die Tennessee-Armee
übertragen; den Befehl über das 4th Corps übernahm als
Nachfolger Howards General Stanley. Diese Umstrukturierung führte
dazu, daß General Hookers Armee aus Shermans Befehlsbereich herausfiel.
Howard war im Vergleich zu Hooker ein junger Offizier. Hooker war über
die Einsetzung Howards als Befehlshaber der Tennessee-Armee höchst
verstimmt, weil normalerweise er, Hooker, den Vorzug vor Howard hätte
erhalten müssen. Hooker legte daher seinen Befehl über das
20th Corps nieder; sein Nachfolger wurde General H.W. Slocum.
General Sherman hatte sehr genau erkannt, daß ein guter Militärbereichskommandeuer
gebraucht wurde, und für diesen Posten zog er Howard sowohl Hooker
als auch Logan vor - die er beide jedoch nicht als Corpskommandeure
verlieren, sondern aufgrund ihrer hervorragenden Fähigkeiten in
ihren alten Positionen behalten wollte.
Dodge
bezog am Abend des 27. Juli mit dem 16th Corps eine Stellung westlich
von Proctor's Creek. Am folgenden Morgen verlängerte Blair mit
dem 17th Corps diese Linie in südlicher Richtung und nach Westen
bis Ezra Church an der Bell's Ferry oder Lickskillet Road; Logan nahm
die rechte Seite Blairs ein.
Am 28. Juli um 10 Uhr vormittags hatte Howards Armee die endgültigen
Positionen bezogen und verschanzte sich schnellstmöglich. Sofort
wurde die Uniontruppe bis gegen Mittag aus den Stellungen der konföderierten
Artillerie unter schweren Beschuß genommen. Offenbar wollte Hood
die Taktik vom 22. Juli wiederholen.
General S.D. Lee, der am 25. Juli General Cheatham in der Führung
von Hoods früherem Corps abgelöst hatte, wurde der Befehl
erteilt, vorzurücken, Howards Rechte anzugreifen und die Lickskillet
Road zu decken. Der Angriff - um die Mittagszeit - konzentrierte sich
auf Logans Corps, der die sich daraus entwickelnde Schlacht allein ausfocht.
Bis 16 Uhr führte Lee mehrere Angriffe durch, aber alle wurden
unter großen Verlusten für die Angreifer zurückgeschlagen.
Logans Verluste betrugen weniger als 700 Mann. Als General Lee das Feld
schließlich räumte, hinterließ er 642 Gefallene.
Sherman schätzt die Verluste der Konföderierten in dieser
Schlacht vom 28. auf >mindestens 5.000 Mann<. Er hatte diesen
Angriff vorausgesehen und Dispositionen getroffen, die General S. D.
Lees Rückzug in eine vernichtende Niederlage verwandelt hatte.
Bis zu diesem Punkt hatte Hood zwar so gehandelt, wie es dem ursprünglichen
Plan Johnstons entsprach, aber es ist sehr zu bezweifeln, ob Johnston
den Plan auf diese Art und Weise durchzusetzen versucht hätte.
Sicherlich hätte Johnston am 28. Juli nicht Howards Armee angegriffen,
wenn er - wie Hood - gewußt hätte, daß dessen Truppen
sich verschanzt hatten. Ein halbes Dutzend solcher Schlachten, und Hood
hätte ohne Armee dagestanden. Jedenfalls wurde von Hood kein weiterer
Versuch unternommen, Shermans sich nach Süden ausdehnende Flanken
zu attackieren.

Konföderierte
erobern DeGress's Batterie in der Schlacht von Atlanta am 22. Juli 1864
Als
die Unionstruppen schließlich East Point erreicht hatten, lag
ihnen der Feind, ohne nochmals angegriffen zu haben, in seinen Verschwanzungen
genau gegenüber.
Am 1. August waren das 15th und 16th Corps so weit vorgedrungen, daß
sie sich jenseits der Lickskillet Road befanden. An diesem Tage wurde
Schofields Armee auf Howards rechte Seite verlegt, gefolgt von Palmers
Corps aus der Cumberland-Armee. Palmer bezog unterhalb des Utoy Creek
Stellung, und Schofield baute seine Linien bis East Point aus. Dabei
kam es zu Rangstreitigkeiten zwischen Schofield und Palmer, denn Schofield
war von Sherman befugt worden, Palmer Befehle zu erteilen. Die Streitigkeiten
endeten mit Palmers Rücktritt am 6. August. Palmers Nachfolger
als Kommandeur des 14th Corps wurde General Jefferson C. Davis.
Durch
die gewaltige Ausdehnung seiner Front nach Süden zwang Sherman
Hood, seine Verteidigungslinien ebenfalls zu strecken; und während
Schofield versuchte, die Konföderierten auf der linken Seite zu
umgehen und die Macon Road zu erreichen, führten Thomas und Howard
heftige Angriffe auf Hoods Mittelabschnitt und rechte Seite. Aber obwohl
die feindliche Verteidigungslinie 15 Meilen lang war und sich von Decatur
bis unterhalb East Point erstreckte, konnte sie dank der Miliztruppe
gehalten werden. Außerdem war sie durch die Beschaffenheit des
Geländes so schwer kenntlich, daß es Sherman unmöglich
war, die schwachen Punkte für einen eventuellen Durchbruch zu entdecken.
Allmählich wurde Sherman klar, daß er, wenn er die Macon
Road erreichen wollte, seine gesamte Armee im Süden und Osten von
Atlanta in Stellung bringen mußte. Doch zuerst wurde versucht,
die Stadt mittels vierer 41/2-Inch-Kanonen mit gezogenem Rohr zu zerstören,
die am 10. August aus Chattanooga eingetroffen waren.
Die
Geschütze erfüllten gute Dienste, aber Hood war nicht gewillt,
die Stadt aufzugeben, solange er die Befestigungsanlagen noch halten
konnte, und selbst, wenn Sherman jedes Gebäude von Atlanta in Trümmer
gelegt hätte, hätte er an diesem Entschluß festgehalten.
In der Zwischenzeit hatte Hood Wheeler mit einer Kavalleriestreitmacht
von 4.500 Mann in Marsch gesetzt, um die Eisenbahnlinien in Shermans
Rückraum zu zerstören. Die Abwesenheit Wheelers und seiner
Kavallerie verbesserte die Möglichkeiten für offensive Operationen
Shermans erheblich, weil er nicht dringend auf Nachschub angewiesen
war.
Nun schien es möglich, daß nicht die gesamte Armee verlegt
werden mußte, um die Macon Road zu zerstören, sondern dies
durch einen Sturmangriff Kilpatricks zu erreichen. Kilpatrick rückte
aus und zerstörte die Macon Road bis West Point, zog dann weiter
nach Jonesborough, ebenfalls an der Macon Road, wo er auf eine konföderierte
Kavallerie-Einheit unter Ross traf und diese schlug. Er hielt die Straße
fünf Stunden lang und richtete dabei so große Zerstörungen
an, daß der Feind zehn Tage brauchte, um die Schäden zu beseitigen.
Eine Brigade konföderierter Infanterie, gemeinsam mit Jacksons
Kavallerie, schob ihm schließlich einen Riegel vor.
Kilpatrick zog ostwärts, wo er bei Lovejoy's wieder auf feindliche
Einheiten traf, und nachdem er diese geschlagen und dabei vier Kanonen
erbeutet sowie eine große Zahl von Gefangenen gemacht hatte, kehrte
er über Decatur zu Shermans Armee zurück.
Sherman war mit dem bei diesem Sturmangriff Erreichten jedoch nicht
zufrieden, daher hob er in der Nacht des 25. August die Belagerung Atlantas
auf. General A.S. Williams (Williams befehligte das 20th Army Corps,
bis Slocum aus Vicksburg eintraf) wurde mit seinem 20th Corps zurückbeordert,
um die befestigte Stellung an der Brücke über den Chattahoochee
zu halten; der Rest der Armee - mit Verpflegung für 15 Tage - wurde
in Richtung einer Stellung an der Macon Road nahe Jonesborough in Marsch
gesetzt.
In der ersten Nacht dieser Umverlegung scherte Stanley mit dem 4th Corps
von der äußersten linken Seite aus und bezog westlich von
Proctor's Creek Stellung; Williams zog sich, wie befohlen, mit seiner
Einheit zum Chathoochee zurück.

Ezra Church
Beide
Manöver konnten ohne Verluste vollzogen werden. In der darauffolgenden
Nacht zog die Tennessee-Armee nach Süden Richtung Sandtown. Die
Cumberland-Armee bezog südlich des Utoy Creek Stellung. Schofield
behielt seine alte Postion bei. Bei dieser zweiten Phase der Umverlegung
war nur ein Gefallener zu beklagen.
In der dritten Phase, am 27. August, wurde Howards Kommando zur West
Point Road oberhalb Fairburn verlegt, Thomas' Armee nach Red Oak, während
Schofield gleichzeitig an der linken Seite aufschloß. Am 28. August
wurde die West Point Road auf einer Länge von mehr als 12 Meilen
zerstört.
Die
Eisenbahnstrecke von Atlanta nach Macon folgte der Hügelkette,
die den Flint River vom Ocmulgee River trennt, und machte zwischen East
Point und Jonesborough einen weiten Bogen nach Osten. Gegen diese Hügelkette
rückte die Unionsarmee am 29. August vor - Howard auf der rechten
Seite in Richtung Jonesborough, Thomas in der Mitte Richtung Fayetteville
Road, und Schofield auf der linken Seite.
Als Hood von diesem Manöver Shermans erfuhr, das - sofern erfolgreich
- die Evakuierung Atlantas erzwingen würde, schickte er am 30.
August S.D. Lees und Hardees Corps' nach Jonesborough. Hardee wurde
die Befehlsgewalt übertragen. Hood verblieb mit Stewarts Corps
in Atlanta. Er hatte die Absicht, im Falle eines Erfolges Hardees einen
Flankenangriff auf den Gegner zu führen.
Hood scheint sich über das riesige Ausmaß der Operationen,
die Sherman führte, nicht im klaren gewesen zu sein; daher ging
er davon aus, daß Hardee bei Jonesborough auf Unionstruppen treffen
würde, die nicht so stark waren wie die, mit denen er selbst glaubte
rechnen zu müssen.
Die
Schlacht von Jonesborough wurde am 31. August geschlagen. Sherman traf
Vorbereitungen, Schofields und Davis' Corps nach Rough and Ready, zwischen
Atlanta und Jonesborough gelegen, in Marsch zu setzen,
als Hardee genau von dort aus Howards Einheiten in ihren Verschanzungen
angriff. Hardee war die Bedeutung dieser Schlacht bewußt, und
seine Männer kämpften mit verzweifelter Verbissenheit zwei
Stunden lang.
Doch als Hardee sich, völlig geschlagen, zurückziehen mußte,
waren nach Hoods Bericht 1.400 seiner Männer gefallen oder verwundet.
(Sherman schätzte Hardees Verluste auf 2.500 Mann.)
Während die Schlacht noch im Gange war, hatten Stanleys und Schofields
Corps' die Eisenbahnlinie an mehreren Punkten zerstört und fuhren
mit diesem Zerstörungswerk fort. Nachdem Hardee zurückgeschlagen
worden war,
bot sich nun eine hervorragende Gelegenheit, die Sherman erkannte: Er
befahl den drei Corps', sich gegen Jonesborough zu wenden.
Howard rückte gegen Hardees Einheiten vor, und Thomas und Schofield
zogen von Norden heran und zerstörten auf ihrem Marsch die Eisenbahnstrecke.
Dies geschah am 1. September.
Um
2 Uhr früh am 2. September wurden aus Richtung Atlanta, 20 Meilen
entfernt, schwere Explosionsgeräusche vernommen, die vermuten ließen,
daß General Hood die Stadt aufgab. Ohne diese Anzeichen zu beachten,
ließ Sherman am nächsten Morgen Hardee weiter verfolgen,
mußte aber feststellen, daß es unmöglich war, ihm den
Rückzugsweg abzuschneiden. Am 2. September drang Slocum in Atlanta
ein, am 7. folgte ihm seine gesamte Armee nach. Bei den letzten Manövern
hatte Sherman 3.000 Gefangene gemacht und 16 Geschütze erobert.
Seine eigenen Verluste betrugen 1.500 Mann.
Atlanta
gehört uns!
>
Atlanta gehört uns<, telegrafierte Sherman am 3. September nach
Washington.
Der Verlust dieser Stadt fügte den Konföderierten einen nicht
wiedergutzumachenden Schaden zu. Der Wall, der bis dahin die Baumwollstaaten
geschützt hatte, war nun niedergerissen worden.
Der Sieg begeisterte die Nation; er wurde als Vollendung der Triumphe
von Vicksburg und Chattanooga betrachtet. Am 12. Septemer erhielt General
Sherman vom Präsidenten die Beförderungsurkunde zum (Full
Rank) Major-General.
Shermans Zukunftsaussichten waren nach diesem Sieg hervorragend. Obwohl
er in den zahlreichen Gefechten dieses Feldzuges mehr als 30.000 Mann
verloren hatte, war seine Armee nun wieder so groß wie damals,
als er vier Monate zuvor zum Atlanta-Feldzug aufgebrochen war.
Die Verluste der Konföderierten müssen annähernd so groß
wie diejenigen Shermans gewesen sein.
G.A. Smiths Miliztruppe war nach Griffin geschickt worden, und Hood
stand Sherman jetzt mit einer Armee gegenüber, der 40.000 Mann
aller Waffengattungen angehörten. Das nächste Angriffsziel
- sofern Hood versuchte, Georgia noch zu halten - war Macon, 103 Meilen
östlich von Atlanta. Aber Sherman entschied, seiner Armee eine
kurze Erholungspause zu gönnen, bevor weiter vorgerückt wurde.
Die Cumberland-Armee schlug um Atlanta ihr Lager auf, die Tennessee-Armee
um East Point, und die Ohio-Armee in Decatur, wo auch Garrards Kavalleriedivision
sta-
tioniert wurde, während die von Kilpatrick bei Sandtown die westliche
Flanke bewachte.

Unionskavallerie zerstört die Eisenbahnlinie
bei Jonesborough
Um
die Eisenbahnlinie im rückwärtigen Gebiet zu sichern, wurden
zwei Divisionen - Newtons vom 4th und Morgans vom 14th Corps - nach
Chattanooga in Marsch gesetzt; Corses Division vom 15th Corps nach Rome.
Außerdem wurde ein neues und kompakteres System von Befestigungsanlagen
um Atlanta herum errichtet. Sherman wollte aus Atlanta nämlich
einen reinen Militärposten machen.
Um
diese Absicht zu verwirklichen, wurde die Stadt - außer den Kirchen
und Wohnhäusern - niedergebrannt. Am 4. September ließ Sherman
den Einwohnern den Befehl geben, die Stadt unverzüglich zu verlassen.
Für die Bürger der Stadt kam dieser Befehl überraschend,
und zweifellos brachte er sie in sehr große Not. Aber Sherman
hatte die schützenden Mauern der Konföderation durchbrochen
und war entschlossen, die Bewohner der Baumwollstaaten jetzt die harte
Hand des Krieges spüren zu lassen.
Der
Verrat der Union sollte bestraft werden. Die Bürgerschaftsvertreter
und General Hood protestierten gegen den Befehl, Atlanta räumen
zu lassen - er sei unnötig und grausam. Aber Shermans Antwort ließ
sie verstummen, denn er legte ihnen klar, daß sie nun dem Dämon
des Krieges ausgeliefert seien, den sie selbst heraufbeschworen hätten.
Als
die Vorbereitungen zur Evakuierung abgeschlossen waren, schrieb General
Sherman an General Hood, teilte ihm seine Befehle bezüglich der
Bewohner Atlantas mit und schlug eine Waffenpause sowie den gegenseitigen
Austausch von Kriegsgefangenen in einem Zeitraum von zehn Tagen, beginnend
mit dem 12. September, vor. In seiner unmittelbar eintreffenden Antwort
vom 9. September stimmte Hood der Waffenpause und dem Gefangenenaustausch
zu, protestierte aber gegen Shermans Anordnungen.

Er
schloß mit den Worten
> Erlauben Sie mir anzumerken, daß die beispiellose Maßnahme,
die Sie ergreifen wollen, alle Grausamkeiten übertrifft, die mir
im Verlaufe der dunklen Geschichte dieses Krieges zu Ohren gekommen
sind. Ich protestiere im Namen Gottes und der Menschlichkeit dagegen
... <
Eine Einstellung der Feindseligkeiten wurde zwischen Sherman und Hood
für einen Zeitraum von zehn Tagen (ab dem 12. September) vereinbart.
In diesem Zeitraum mußten 446 Familien Atlanta in südlicher
Richtung verlassen; insgesamt 1.644 Personen, darunter 860 Kinder und
79 Bedienstete.
Während
dieser Kampfpause wurden von Hood und Sherman zudem Vorbereitungen für
den gegenseitigen Austausch von 2.000 Kriegsgefangenen getroffen.
Konföderierte
Kriegsgefangene werden von Jonesborough nach Atlanta überführt
Atemholen
für den Marsch zum Meer

Bevor
Hood Atlanta aufgab, sprengte er einen Munitionszug mit 81 Wagen. Die
Explosion am 2. September 1864 war so stark, daß ein an den Gleisanlagen
gelegenes Walzwerk dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Während
Shermans Armeen sich in Atlanta verschanzten, um Atem zu holen, erschien
Hood an der Eisenbahnlinie in Shermans Rücken und begann, diese
zu zerstören, um die Unionstruppen in Atlanta von jeglichem Nachschub
abzuschneiden.
Obwohl Hoods Armee dadurch geschwächt worden war, daß Gouverneur
Brown ihm Truppen des Staates Georgia entzogen hatte, um die Ernte für
die Versorung der Zivilbevölkerung und der Armee einzubringen,
wurde Sherman bald klar, daß er nicht lange in Atlanta bleiben
konnte. Es war ihm mit der ihm zur Verfügung stehenden Armee nicht
möglich, das gesamte Gebiet zwischen Atlanta und Chattanooga zu
behaupten und gleichzeitig an eine weitere Offensive zu denken. Dazu
hätte es großer Verstärkungen bedurft.
Für
Shermans Armee sollte sich die Maßnahme Gouverneur Browns, die
Soldaten für die Ernten einzusetzen, später als äußerst
vorteilhaft herausstellen; fand sie doch auf ihrem Marsch zum Meer ihren
Bedarf an Lebensmitteln und Futter für die Tiere in ausreichendem
Maße vor.
Sherman schlug Grant vor, von Atlanta aus gegen Savannah vorzustoßen,
wenn Grant es möglich machen könne, nach Augusta zu marschieren,
um sicherzustellen, daß Sherman dort Proviant und Munition vorfinden
würde.
General Grant hatte inzwischen seinen eigentlichen Plan, Shermans Armee
nach Mobile marschieren zu lassen, aufgegeben. Am 2. November 1864 billigte
er Shermans Pläne. Am 15. November brach Sherman in Richtung Savannah
auf, zu einem Feldzug, der unter dem Namen >Marsch zum Meer< später
eine berüchtigte Berühmtheit erlangen sollte.
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