Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Keith Wheeler 1973 "Der Bau der Eisenbahnen"
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (LOC) und des US Nationalarchiv (NARA) der USA


 


Der Bau der Eisenbahnen

 

Seite - 10 -

 

 

 

 

Einzug in die amerikanische Kultur


Im Verlauf seiner schillernden Geschichte brachte der Wilde Westen Helden hervor, deren extravagantes Auftreten bald zur Legende wurde.
Doch mit der Fertigstellung der transkontinentalen Eisenbahn nahm eine neue Art von Helden die Aufmerksamkeit der Nation gefangen.
Die Lokomotive, die auf Schienen den Abenteuern des Westens entgegendonnerte, inspirierte Autoren von Theaterstücken, Groschenheften und Balladen.
Und neben der Lokomotive standen die tapferen Männer, die sie durch die Gefahren der High Plains gesteuert hatten, im Mittelpunkt.

Dieses Genre des Eisenbahndramas erreichte seinen Höhepunkt in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts.
Im Jahre 1892 kam ein halbes Dutzend solcher Stücke auf die Bühne. Der Handlungsablauf war fast immer der gleiche:
Die meisten zeigten in den Hauptrollen wagemutige junge Bahnbeamte, die sich mit Bösewichten herumschlugen,   um die Ehre der Heldin zu retten
oder einen Goldtransport zu schützen. Und immer gab es eine Lokomotivattrappe, die dicke Rauchwolken ausstieg.
Dank einer Lokomotive, die donnernd aus der Seitenkulisse gerollt kam und, einen auf eine Schiene des Hauptgleises gebundenen Schauspieler nur knapp verfehlend, auf ein Nebengleis einschwenkte, wurde 1867 Under the Gaslight der erste große Kassenschlager. Und The Fast Mail bot 1899 eine Verfolgungsjagd zweier Züge.

Eisenbahnfans konnten sich auch an Romanen begeistern, in denen die tollkühnen Abenteuer Railroad Robs oder Fred Fearnots geschildert wurden.
Und außerdem gab es Eisenbahnballaden, schwermütige Klagelieder über Eisenbahnarbeiter („Poor Paddy Works an the Railway")
oder Eisenbahnkatastrophen („The Wreck of the Old 97").

 

 



Auf diesem Plakat, daß eine Nummer un Buffalo Bill Codys Zeltschau ankündigt, bringt eine Bande einen Expresszug zum Anhalten.
Auf dem dramatischen Höhepunkt galoppierten Codys "Banditenjäger der Union Pacific" in die Arena und nahmen die Bösewichte gefangen.

 


Nachdem sie den Schurken (links) dingfest gemacht haben,
der die Gleise gelockert hat,
retten Fred und sein Mädchen einen herannahenden Zug.

 



"Der tapfere Lokomotivführer" inspirierte Dutzende der verschiedenen Autoren.
Dieser Marsch war der Bruderschaft der Lokomotivführer gewidmet.

 



Von 1870 bis 1900 spielte Oliver Byron den Helden dieses Schauspiels, einen Bahnhofsvorstand. Die Handlung führte von possenhaften Szenen in den Slums
des Ostens zur Demaskierung eines Bösewichts und schließlich zu einem Westernfinale:   Der Held rettet seinen Bahnhof vor einem feindlichen Angriff.

 



In diesem Stück aus dem Jahr 1896 rollte ein Wagen auf die Bühne, Dynamit explodierte, und die Seitenwände des Wagens zersplitterten.
Ein beeindruckter Theaterbesucher, der Erfinder Thomas Edison, verfilmte das Stück.
Dies war der erste Western und wurde zu einem der berühmtesten Filme aller Zeiten.

 

 

DIE GROSSEN EISENBAHNSYSTEME DES WESTENS

 

 

 


Am 6. Januar 1893, als der letzte Schwellennagel der Great Northern Railway eingeschlagen wurde,
war das ausgedehnte Netz der transkontinentalen Eisenbahnlinien im wesentlichen komplett.
Fünf lange Schienenbänder zogen sich durch den Westen; im großen und ganzen folgten sie den bei den ersten Landvermessungen festgelegten Trassen.
Die fünf großen Bahnsysteme (kleiner Kasten) wurden durch ein dichtes Netz von anderen Haupt-, Neben- und Zubringerlinien (hellblau) ergänzt.
Die alte Central Pacific war 1885 in der Southern Pacific aufgegangen, die den Eisenbahnverkehr in Kalifornien beherrschte
und nun auch eine transkontinentale Linie in östlicher Richtung nach New Orleans besaß.

Insgesamt nahm die Gleislänge der westlichen Eisenbahnen allein in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts um etwa 65´000 Kilometer zu.

Nun war das große Baufieber vorbei, und das Heulen dahinbrausender Lokomotiven drang in die fernsten Winkel des Westens.


 

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