Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Keith Wheeler 1973 "Der Bau der Eisenbahnen"
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (LOC) und des US Nationalarchiv (NARA) der USA


 


Der Bau der Eisenbahnen

 

Seite - 7 -

 

 

 

 

Ein weltweiter Werbefeldzug

 


Um Siedler zu bewegen, sich auf dem Land niederzulassen, das an ihre Strecken grenzte, druckten die Eisenbahnen des Westens eine Flut von Plakaten, Broschüren und Büchern, in welchen sie die Vorzüge der Prärie priesen. Unzufriedene Farmer im Osten waren ihre bevorzugte Zielgruppe. Aber auch die landhungrigen Bauern Europas wurden in die Werbung einbezogen. In mehr als zehn Sprachen verkündeten die Marktschreier ihre Botschaft. C. B. Schmidt von der Santa Fe holte persönlich so viele Mennoniten aus Rußland, daß er sich vor den zaristischen Behörden verstecken mußte, die über den Verlust dieser ausgezeichneten Bauern erbost waren.
Aus allen Appellen der Eisenbahnen klang derselbe Sirenengesang: Die Plains des Westens waren nicht etwa eine schreckenerregende „Große Amerikanische Wüste", sondern sie waren ein fruchtbarer Garten Eden, der vier Pfund schwere Kartoffeln und 20 Pfund schwere Rettiche hervorbrachte. Und das gesunde Klima heilte alle Leiden.
Die Winter in Kansas, so schwärmte eine Broschüre, dauerten nur zwei Monate; sollte das Holz ausgehen, gab es unzählige Kohlenlager, und außerdem würden die Wälder schnell nachwachsen, sobald die Indianer vertrieben wären und die Präriebrände aufgehört hätten.

Den Einwanderern wurden verbilligte Schiffs- und Bahnreisen angeboten. Manche Eisenbahnen verkauften Land schon für vier Dollar pro Hektar: zehn Prozent in bar, den Rest in bequemen Raten über sechs Jahre und noch länger.
Die Eisenbahnen des Westens gaben enorme Summen aus, um Siedler anzulocken. Jeder neue Bewohner, ob er sich auf den 470´000 Quadratkilometern Land der Eisenbahnen ankaufte oder auf bundeseigenem Land niederließ, brachte den Eisenbahnen Nutzen, indem er den Güterverkehr weiter ankurbelte.
Die Ergebnisse waren überwältigend. Zwischen 1870 und 1900 wurde im Westen mehr Land besiedelt als in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderten. Dürreperioden, wirtschaftliche Flauten und Naturkatastrophen trieben Tausende neuer Siedler in den milderen Osten zurück, aber noch mehr kamen und blieben.




Dieses farbenfrohe Plakat ist typisch für die von den Einwanderungsbehörden
betriebene Werbung, um steuerzahlende Siedler anzulocken

In den siebziger Jahren überschwemmte die Northern Pacific Railroad
Deutschland mit Plakaten, die Weizenland in Minnesota anpriesen.

 

 

Mit der Schnelligkeit einer Zeitung, die eine Eytraausgabe herausbringt,
überflutete die Union Pacific das Land mit diesem Plakat, um zu verkünden,
daß die Eisenbahnfahrt über den Kontinent jetzt Wirklichkeit geworden war.
Mit der Überschwenglichkeit eines Zirkusplakats gibt eine Werbung der Kansas Pacific Railroad in den späten siebziger Jahren eine romantische Darstellung
von Seen, Felsengebirgen und Flüssen Colorados, um Touristen anzulocken.

 

 



Die Northern Pacific rühmte sich, daß ihre Strecke ein Wunderland durchquerte, das dem von Lewis Carrolls Alice in nichts nachstand -
und in einem 1885 erschienenen Prospekt ließ ein Werbetexter "Alice" eine solche Reise beschreiben.

 

 



Die Rock Island verkehrte auf der nur 795 Kilometer langen Strecke zwischen Chicago und Omaha, verkaufte aber 1871 -
zwei Jahre vor dem Erscheinen von J. Vernes Reise um die Erde in achtzig Tagen -
Fahrkarten für eine Weltreise in 90 Tagen.

 



Bei den ersten Eisenbahnen des Westens hatten die Züge oft nur zehn Minuten Aufenthalt, in denen Reisende Erfrischungen zu sich nehmen konnten.
Wie diese Anzeige der A & P zeigt, war es bei solch wilder Hast recht schwer, zu einer zweiten Tasse Kaffee zu kommen.
Bestellungen mußten gleich bezahlt werden; einige Pächter bestachen die Zugführer, die Aufenthalte abzukürzen, um so nicht verzehrte
- aber bereits bezahlte - Imbisse sparen zu können.

 

 


 

 

Ein Plakat der Santa Fe überdeckt die Wüste, Berge und kahle Plains mit einer Vision subtropischer Üppigkeit.

 

 

 

 

 

Dir Northern Pacific pries billiges Land an, ohne aber die bitterkalten Winter auf den Plains zu erwähnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Great Northern zeigt den kurzen Weg zum Wohlstand:
Laß deine Hennen für dich sorgen, bis das Obst reif ist.

 

 

 

 

„ Wir schenkten (den Eisenbahnen) ein Reich aus unfruchtbarer, für Menschen unbewohnbarer Wüste",
gestand der Kongreßabgeordnete Charles E. Hooker mit erstaunlicher Offenheit.
Aber die Eisenbahnen hatten dafür die Nation „mit einem Imperium ausdauernder und fleißiger Bürger" belohnt.

 

 

 

 

 

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