Mit freundlicher
Unterstützung
Film
und Fernsehen haben im 20. Jahrhundert für die populäre Überlieferung
der Bürgerkriegsepoche noch mehr geleistet als die Literatur (wobei
berücksichtigt werden muß, daß die allermeisten Filme
mehr oder weniger frei nach literarischen Vorlagen gedreht worden sind).
Griffiths
bahnbrechendes Meisterwerk entstand unter abenteuerlichen Umständen.
Niemand hielt den Plan des Regisseurs, einen mehrstündigen, schließlich
zwölf Rollen umfassenden, mit gewaltigem Aufwand gedrehten Film
auf den Markt zu bringen, für realistisch. Am
8. Februar 1915 wurde das Werk in Los Angeles uraufgeführt, einen
Monat später folgte die Premiere in New York. Mit »The Birth of a Nation« erreichte der Film seine Anerkennung als seriöse Kunstgattung.
Die
Heimkehr des »kleinen Colonel« :
Die Ermordung Lincolns: Raoul Walsh stellte in dieser Szene von »The Birth of a Nation«, den Attentäter Booth dar, Joseph E. Henabery den »Märtyrerpräsidenten«.
Abenteuer eines Lokomotivführers: Buster Keaton als Johnnie Gray und seine Yankee-Gegenspieler kämpfen im Stummfilmklassiker »The General« von 1926 gleichermaßen mit der Tücke des Objekts.
Hollywoods »Alter Süden«: Nichts
dürfte das Klischee von der Plantagenherrlichkeit des Südens
so nachhaltig geprägt haben wie die Eingangssequenzen von Selznicks
Ein
schwarzes Mädchen fächelt den ruhenden Gästen während
der Siesta auf
Die treu-autoritäre schwarze Mammy (Hetty McDaniel) versucht Scarlett daran zu hindern, ein Kleid mit allzu gewagtem Dekollete anzuziehen.
Das Traumpaar: Vivien Leigh als lustige Kriegswitwe Scarlett O'Hara und Clark Gable als Blokkadebrecher Rhett Butler eröffnen auf dem Basar von Atlanta den Tanz.
Vor dem Kampf: Audie
Murphy, der höchstdekorierte amerikanische Soldat des Zweiten Weltkriegs,
spielte 1951 in John Hustons »The Red Badge of Courage«
John Brown unter dem Galgen: Raymond
Massey, der wiederholt auch als Abraham Lincoln eingesetzt wurde,
Willkürjustiz: Der
Prozeß gegen die Lincoln Attentäter in John Fords
Harmonie einer Kleinstadt: Der
Bürgerkrieg ist in John Fords »The Sun Shines Bright«
(1953) Beim
Ball der Kadetten spielen die schwarzen Musikanten auf,
Gewissenskonflikte in einer Quäkerfamilie: Anthony
Perkins in der Rolle des Josh Birdwell nimmt in William Wylers
Desillusionierte Generäle: John
Wayne als Sherman und Henry Morgan als Grant nach dem ersten Tag der
Schlacht von Shiloh. Eine Szene aus der von John Ford verfilmten Episode
Kameraden wider Willen: Ein ehrgeiziger Unionsoffizier (Charlton Heston) und ein gefangener Offizier der Konföderierten (Richard Harris) bekämpfen in Sam Peckinpahs »Major Dundee« (1965) (deutscher Filmtitel »Sierra Charriba«) gemeinsam die Apachen.
Ritual am Grabe: Ein
ehemaliger konföderierter General, der als einfacher Soldat in
die US-Kavallerie eingetreten ist und gegen die Indianer den Tod gefunden
hat, Captain
Brittles (John Wayne) zieht den Hut in dieser Szene aus John Fords
Der Mythos der US-Kavallerie: drei
Szenen aus John Fords »She Wore a Yellow Ribbon« (1949)
Captain
York (John Wayne) erklärt ihn vor Journalisten wider besseres Wissen
zum vorbildlichen Helden. Szenen aus John Fords »Fort Apache«
(1948)
Zwei Auffassungen von Custers Ende: Richard
Mulligan als verrückter Custer in »Little Big Man«,
Errol
Flynn als heroischer Custer in
Ein schwarzer Western-Held: In
»Sergeant Rutledge« (1960)
»Du hast noch nie einen Neger über den Berg kommen sehen wie John Wayne«, sagte Woody Strode später, »ich hatte den größten Glory-Hallelujah-Ritt über den Pecos River... Ich trug die ganze schwarze Rasse über den Fluß.«
Schwarze Freiwillige: Jihmi
Kennedy, Andre Braugher, Denzel Washington und Morgan Freeman
Im Schmuck der Waffen: Ausmarsch
der 54. Massachusetts-Infanterie in »Glory.«
Vor dem Angriff: Colonel Shaw (Matthew Broderick) bei seinen 54. Massachusetts.
Opfergang
der 54. Massachusetts-Infanterie: »Glory« ist ein Film über das aus Farbigen zusammengesetzte 54. Massachusetts-Infanterieregiment und seinen weißen Colonel Robert Gould Shaw. Die Handlung basiert weitgehend auf Fakten; Shaws Tagebuch dient als Leitfaden für die Kommentierung. Der Film setzt im Herbst 1862 ein. Shaw, der bei Antietam leicht verwundet wird, erhält das Kommando über eines der ersten Farbigenregimenter der USA, eine Aufgabe, die der aus einer Abolitionistenfamilie stammende Idealist mit voller Hingabe übernimmt. Ausführlich werden die Schwierigkeiten des von seinem Auftrag eigentlich überforderten jungen Offiziers geschildert, unter widrigsten Umständen sein Regiment aufzubauen und auszubilden und es gegen die vielfältigen Diskriminierungen in Schutz zu nehmen, denen es von seiten der Verwaltung und der weißen Soldaten ausgesetzt ist. Zu Shaws großem Ziel wird es, seinen Männern die Anerkennung als vollwertige Kombattanten zu verschaffen, und so drängt er sich vor, als es darum geht, am 18. Juli 1863 die Spitze im Angriff auf Fort Wagner bei Charleston zu übernehmen, eine Aufgabe, die ihm und vielen seiner Männer das Leben kostet. In der Werbung und Rezeption von »Glory« wurden manche unzutreffenden Behauptungen aufgestellt, die im Film selbst nicht oder nur andeutungsweise zu finden sind. Weder ist es wahr, daß die Beteiligung schwarzer Soldaten am Bürgerkrieg bisher totgeschwiegen worden sei, noch kann man sagen, die weißen Generäle hätten die Farbigen einfach als Kanonenfutter betrachtet - aus Angst vor der erbitterten Reaktion der Südstaatler und der kritischen Aufmerksamkeit der abolitionistischen Presse herrschte eher eine Abneigung, schwarze Soldaten für gefährliche Einsätze heranzuziehen, wie der Umstand zeigt, daß von den 180 000 Negersoldaten nur 1,6% im Kampf getötet oder tödlich verwundet wurden, gegenüber fast 7% der weißen Unionssoldaten. Man
wird auch schwerlich in der Mobilisierung schwarzer Truppen den entscheidenden
Faktor für den Ausgang des Bürgerkriegs erblicken dürfen,
womit auch die Behauptung fällt, die Farbigen hätten ihre
Befreiung nicht den Nordstaatlern, sondern eigener Anstrengung zu verdanken.
In der Tat gerät der Film in seinen Schlußsequenzen in gefährliche
Nähe zu kitschigem Pathos, nicht zuletzt eine Frage der ziemlich
aufdringlichen akustischen Untermalung durch einen schwarzen Knabenchor.
Das kann aber nur mehr wenig den bewegenden Eindruck mindern, den der
mit geradezu religiöser Feierlichkeit zelebrierte Aufmarsch hinterläßt,
mit dem das Regiment zu seinem Opfergang antritt. In dem kurzen Augenblick,
als die schwarzen Soldaten unter dem Beifall ihrer weißen Kameraden
an die Front rücken und sich zum Angriff formieren, hat das Anliegen
des Films seinen stärksten Ausdruck gefunden. |