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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© NORD & SÜD, Rainer Delfs, Der Marsch durch Georgia
Veröffentlichungen des Center of Military History der U.S. Army,

des US Nationalarchivs, sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der U.S. Army

 

Der Marsch durch Georgia

 

 


Shermans Armee bricht auf zum Marsch durch Georgia

 

 

 

Sherman und Grant


General William Tecumseh Sherman war die zentrale und entscheidende Persönlichkeit in der Auseinandersetzung um Georgia. Von ihm allein hing es ab, ob der riskante Feldzug ein Erfolg oder ein Desaster größten Ausmaßes werden würde. Sein angeborenes Temperament und die Summe seiner Erfahrungen machten ihn zu einem geborenen Führer, der genau wußte, wie er mit einer Armee vorzugehen, sie zu ernähren und einzusetzen hatte.

Swinton, einer der besten Biographen Shermans, überlieferte uns folgendes Porträt von Sherman, das nach der Einnahme von Atlanta entstand:

Vor allen anderen Kommandeuren der Nord-Armeen hatte Sherman das geographische Auge<. Das Gelände seines Aufmarsches lag immer wie eine ausgebreitete Landkarte vor ihm, in dem er sich jedes Detail vergegenwärtigen konnte: Anhöhen, Vertiefungen, Flußläufe, Verlauf der Straßen und Eisenbahnstrecken. Vor seinem geistigen Auge entstand sogleich ein Bild, wie er das Gelände militärisch nutzen konnte.
Bergzüge wurden zu natürlichen Schutzwällen, Hügel zu Bastionen, Pässe zu leicht zu verteidigenden Stellungen.
Von Sherman wird berichtet, daß er sich schon während des Feldzuges am Mississippi Jahre zuvor intensiv mit dem Land Georgia, in dem er seine größten Triumphe feiern sollte, beschäftigt hatte. Ja, es heißt sogar, daß er bereits kurz nach Ausbruch des Krieges vom Volkszählungs-Büro in Washington eine Aufstellung über die Baumwollstaaten mit sämtlichen Einzelheiten über Bevölkerung, Land- und Viehwirtschaft hatte erstellen lassen. So war Sherman schon beim Einmarsch in Georgia mit allen Begebenheiten des Landes, die ihn erwarteten, vertraut.
Sherman war ein fanatischer Verfechter militärisch er Gehorsams, von Disziplin und Drill. Dennoch hielt er sich bei seinen Feldzügen niemals an althergebrachte Strategien, sondern überraschte immer wieder mit ungewöhnlichen Entscheidungen.
US-General William Tecumseh Sherman

US-General William Tecumseh Sherman

Sherman war nicht immer gerecht in der Beurteilung seiner Untergebenen, aber er hatte dabei das Ganze im Auge und sah weiter voraus als andere. Als er statt Logan, der bei der Tennessee-Armee von der Schlacht bei Belrnont bis zur Einnahme von Atlanta gedient und erfolgreich alle Rangstufen durchlaufen hatte, General 0.0. Howard das Kommando über die Tennessee-Armee übertrug, verstand selbst General Grant diese Entscheidung nicht und schrieb darüber in seinen Memoiren:

»Logan war sehr gekränkt über die Bevorzugung Howards. Er war der Ansicht, daß er mehr als jeder andere seine Pflicht in der Tennessee-Armee getan habe. Ich kann ihm aus eigener Anschauung bezeugen, daß er sich allen untergeordneten Stellungen, die er als Offizier eingenommen hat, völlig gewachsen zeigte. Es steht mir nicht zu, die Beweggründe zu erörtern, die Sherman veranlaßt haben, einen Offizier von einer anderen Armee (dem zur West-Armee gehörenden Teil der Potomac-Armee) zu berufen und im Range über General Logan zu stellen. Ich zweifle nicht im geringsten, daß er diese Wahl getroffen hat, weil er sie als die beste für den Dienst betrachtete, was weit wichtiger war, als die persönlichen Gefühle des einzelnen nicht zu kränken, obgleich ich ebenfalls bezweifle, daß er einen anderen Offizier unter sich hatte, der den Platz so gut ausgefüllt hätte, wie Logan es getan haben würde.« Sherman war ein ausgezeichneter Organisator und Logistiker.
Seine Fähigkeit, eine auf sich alleingestellte Armee mit allem Nötigen zu versorgen, war unvergleichlich. Auch bereitete es ihm keine Mühe,
die Ordnung in eroberten Städten wie Memphis, Atlanta oder Savannah aufrechtzuerhalten. Bemerkenswert vor allem war Shermans unbändige Energie,
mit der er seine Pläne in die Tat umsetzte. Er gönnte sich keine Ruhepause, ob nun während der Feldzüge oder dazwischen.
Er kümmerte sich um alles, so daß er über Details oft besser Bescheid wußte als seine untergeordneten Offiziere.
Bei allem, was Sherman tat, erfüllte ihn eine unerschütterliche Zuversicht, daß er das gesetzte Ziel auch erreichte.

Es gibt zwei Arten von Kommandeuren: Von der einen sagt man, sie würden nie eine Schlacht gewinnen, auch wenn sie den Sieg davontragen, und auch keine verlieren, selbst wenn sie verloren geht; immer war es irgendein Corps-, ein Divisions- oder ein Brigade-Kommandeur, der im entscheidenden Augenblick einen unerwarteten Ausfall wagte oder mit einer nicht befohlenen Attacke das Kriegsglück wendete; oder der Feind beging taktische Fehler, die ihn den Sieg kostete.
Sherman jedoch gehört zur zweiten Art: Welche Siege er auch immer errungen hat, sie gehören ihm allein. Kein Adjutant erstellte Feldzugspläne für ihn, kein untergeordneter Offizier fand für ihn die Schwachstellen der gegnerischen Linien, für alles trug er allein die Verantwortung, weil er allein die Entscheidungen traf. Seine Marschbefehle waren außerordentlich ausführlich, von den Straßen, über die marschiert werden sollte, bis zu den Abmarsch- und Ankunftszeiten und den einzelnen Manövern, die unterwegs erfolgen sollten. Damit erhob er sich weit über andere Kommandeure, die mit allgemeinen Befehlen ihren Offizieren viel Spielraum ließen und dadurch Fehlverhalten auslösten.
Sherman hat selbst immer wieder dieselbe Disziplin und Genauigkeit in der Befolgung von Befehlen demonstriert, die er auch von seinen Offizieren erwartete. Als Beispiel mag hier der Befehl angeführt werden, den Grant Sherman vor Vicksburg erteilte. Sherman sollte alle Vorbereitungen treffen, gegen Johnston zu marschieren, wenn Vicksburg gefallen war, was am 6. Juli geschehen sollte. Vicksburg fiel am 4. Juli, und noch am selben Tag konnte Sherman seine Armee in Marsch setzen, weil er längst alle Vorbereitungen abgeschlossen hattLieutenant-General U.S. Grant.

 

Der erste Full General (4 Sterne) der US-Armee seit Georg Washington war Ulysses Simpson Grant

Die Kameradschaft, die seit langem zwischen Grant und Sherman bestand, zeugte von der hohen Moral in der Führung der Unions-Armeen. Sherman sagte, daß sie >wie Brüder< wären, beide zu Soldaten erzogen und >auf dem Amboß des Krieges< zusammengeschweißt, beide mit großen Siegen in den Feldzügen im Westen, jeder mit hoher Achtung vor dem anderen und bereit, bei der Planung der letzten großen Feldzüge auf die Fähigkeiten und Voraussicht des anderen zu vertrauen.

 

 

 

Die Lage der Konföderation nach der Einnahme von Atlanta


Sherman hatte Atlanta zu einer Festung ausgebaut. Die Einwohner hatten die Stadt verlassen müssen. General Hood und der Bürgermeister von Atlanta hatten mit eindringlichen Appellen dagegen protestiert, aber Sherman war hart geblieben. Während eines zehntägigen Waffenstillstandes wurde der Exodus vollzogen. Die Einwohner hatten die Wahl, nach Norden oder Süden zu gehen. Diejenigen, die den Süden gewählt hatten, wurden von den Unionstruppen bis Rough and Ready eskortiert. Dort wurden sie von Hoods Truppen in Empfang genommen und über die Eisenbahntrasse bis Lovejoy Station geleitet, wo sie die Linien der Konföderierten passierten.
Nach dem Waffenstillstand umging Hood mit seinen Truppen Atlanta, um Shermans Nachschubwege im Norden zu unterbrechen. Dadurch wollte er Sherman zwingen, Atlanta zu verlassen und sich nach Norden zurückzuziehen. Er hoffte, Sherman irgendwo im Norden Georgias stellen und eine vernichtende Niederlage beibringen zu können.
Als Hoods Truppen am 18. September 1864 Palmetto erreichten, eine Station der West Point Railroad südwestlich von Atlanta, traf Präsident Jefferson Davis ein, inspizierte die Truppen und sprach zu den Soldaten. Er versprach ihnen, daß sich das Kriegsglück bald wenden würde. Shermans Armee würde sich, abgeschnitten von jeglichem Nachschub, nicht lange in Atlanta halten können. Sein Rückzug nach Tennessee würde genauso katastrophal enden wie derjenige Napoleons von Moskau.
Von Georgia reiste Präsident Davis weiter nach Montgomery, Alabama. Hier traf er seinen Schwager und Freund, Lieutenant-General Richard Taylor, dem das Kommando des Departments Alabama und Mississippi übertragen worden war, nachdem Stephen Lee als Corps-Kommandeur zu Hoods Armee gegangen war.
Taylor gehörte zu den Männern, die weitsichtig genug waren, zu erkennen, daß es für den Süden kaum noch Hoffnung gab, den Krieg für sich zu entscheiden. Taylor, der gerade aus den Gebieten jenseits des Mississippi zurückgekehrt war, dämpfte die Hoffnungen des Präsidenten, dort neue Truppen rekrutieren und die Armee im Osten verstärken zu können. Es war unmöglich, den durch die Unionstruppen kontrollierten Mississippi mit einer größeren Armee zu überqueren. Außerdem bilde sich jenseits des Flusses eine Opposition. Einige führende Männer dort forderten die Abspaltung der westlichen Staaten und die Bildung einer eigenen Förderation unter dem Schutz von Maximilian von Mexiko.

Taylor schlug dem Präsidenten vor, Beauregard zum neuen Kommandeur der Army of Tennessee zu machen - noch lieber wäre ihm Joe Johnston gewesen, doch er wußte genau, daß der Präsident dem nie zugestimmt hätte - und zu den Blue Mountains in Alabama zu marschieren, um von dort aus Shermans Nachschublinien zu zerstören. Dann berichtete er, daß er Forrest mit 4.500 Mann Kavallerie nach Mittel-Tennessee beordert hatte, um gegen die Eisenbahnlinie Chattanooga-Nashville zu operieren. Forrest hatte den Tennessee River am 21. September überquert und die Eisenbahnlinie Stevenson-Decatur zerstört. Am 27. September wich er Rousseaus Truppen bei Pulaski aus und stieß zur direkten Eisenbahnverbindung Chattanooga-Nashville vor. In derselben Nacht sandte Forrest eine Depesche an Taylor, in der er berichtete, daß der Norden Truppen zusammenziehe, um ihn und seine Kavallerie aus Tennessee zu verjagen.
Forrest konnte nicht wissen, daß 30.000 Mann von Shermans Truppen in Atlanta auf dem Weg nach Norden waren, um Forrest zu jagen. Shermans bester Mann, George H. Thomas, führte diese Truppen an. Zwei Infanterie-Divisionen unter Newton und Morgan kamen von Georgia; von Chattanooga aus wurde Steedmans Division in Marsch gesetzt; zwei Brigaden kamen von Memphis, um Forrest in die Flanke zu fallen. Cox, Rousseau und Gordon Granger zogen Truppen in Nord-Alabama und Mittel-Tennessee zusammen, und Washburn kam von Cairo aus den Ohio und den Tennessee River herauf mit einer Transport-Division. Mr. Stanton, der Kriegsminister der Union, wies die Gouverneure der Mittelwest-Staaten an, jeden entbehrlichen Mann nach Nashville zu schicken, um Shermans Nachschubwege zu sichern.
Der Allatoona Pass

Der Allatoona Pass

Vor seiner Rückkehr nach Richmond schaffte Präsident Davis ein neues Kommando für Beauregard - über ein riesiges Department, das sich von Carolina über Georgia bis zum Mississippi erstreckte. Damit hatte Beauregard sein Department - aber keine Truppen. Die einzige noch intakte Armee - die Army of Tennessee - stand immer noch unter dem Kommando von Hood. Beauregard hatte nur ein nicht genau definiertes Oberkommando. Er konnte Hood keine Befehle geben.
Hood war schon zum Angriff übergegangen, noch bevor Beauregard sein Kommando übernahm, denn er mußte etwas gegen Sherman unternehmen, der sich in Atlanta eingeigelt hatte. Anfang Oktober begann er seine Angriffe auf Shermans Nachschubwege. Am 2. Oktober erreichte er die Eisenbahnlinie zwischen Atlanta und dem Etowah River, am 3. eroberte er Big Shanty und Acworth, am 5. begann Frenchs Division mit dem Angriff auf den befestigten Posten am Allatoona Pass.

 

Sherman, der von Hoods Aktionen nicht überrascht war, ließ Slocum mit seiner Divison im zu einem Fort ausgebauten Atlanta zurück und setzte sich mit dem Rest seiner Armee nach Norden in Marsch. Von der Spitze des Kenesaw Mountain aus signalisierte er General John M. Corse, der den Allatoona Pass heldenhaft verteidigte, den Posten um jeden Preis zu halten - eine Botschaft, die P.P. Bliss später in seiner Hymne >Hold The Fort, for 1 am Coming< verherrlichte.
Corse hielt den Posten. Shermans Armee hieb ihn heraus. Hood schwenkte in einem großen Bogen westwärts, überquerte den Coosa River unterhalb von Rome und begann wieder damit, die Eisenbahnverbindung zu unterbrechen, diesmal von Resaca nach Dalton, eroberte Dalton und seine Garnison am 13. Oktober und marschierte am nächsten Morgen durch die Snake Creek Gap, um 9 Meilen südwärts von Lafayette zu campieren. Hood war wieder dort, wo die Armee vor einem Jahr vor der Niederlage von Chickamauga gewesen war. Drei Tage blieb Hood dort, in der Hoffnung, Sherman zur Schlacht stellen zu können. Doch er gab den Plan auf, nachdem Wheelers Kavallerie ihm von der Stärke der Armee Shermans berichtete und seine Corps-Kommandeure die schlechte Verfassung der eigenen Armee bemängelten. In der Nacht zum 17. Oktober brach Hood nach Norden auf. Er hatte sich entschlossen, den Krieg nach Tennessee hineinzutragen. Am Morgen marschierte seine Armee auf Gadsden, Alabama, am Coosa River zu, nicht weit vom Endpunkt der Blue Mountain Railroad entfernt, wo er sich mit Nachschub versorgen konnte. 

Dort traf Hood Beauregard und unterrichtete ihn über sein Vorhaben, nach Tennessee einzumarschieren, um Sherman zu zwingen, Georgia wieder zu verlassen. Wheelers Kavallerie sollte in Georgia zurückbleiben, um Shermans Truppen zu beobachten oder die einzelnen Marschsäulen anzugreifen, falls Sherman entschied, statt nach Norden auf Mobile zu nach Süden zu marschieren. Eine zuversichtliche Armee setzte sich am Morgen des 22. Oktober von Gadsden aus nach Norden in Bewegung. Sie ließ die Hügel der Sand Mountains hinter sich und erreichte Guntersville am Tennessee River. Dort erfuhr Hood vom ersten Mißgeschick dieses von Mißgeschicken geprägten Feldzuges. Forrest, der zu einem neuen waghalsigen Raid nach West-Tennessee aufgebrochen war, noch bevor Hood sich zum Tennessee-Feldzug entschlossen hatte, war mehr als 300 Meilen entfernt und konnte bei Guntersville nicht mit Hood zusammentreffen.
Auf diesem letzten Raid von Forrests Kavallerie eroberten seine Männer ein Kanonenboot und einige Transportschiffe. Forrest bemannte sie mit Freiwilligen, verlor sie wieder in einem mörderischen Kampf mit dem Rest der Kanonenboot-Flotte der Union und ritt dann am Ufer des Tennessee River entlang, den er wegen Hochwassers nicht überqueren konnte. Nur mit Artilleriefeuer versenkte er 19 Schiffe und vernichtete das riesige Nachschublager in Johnsonville, von wo aus Shermans Nachschub mit der Eisenbahn nach Süden gebracht wurde.
Die Operation war brillant, aber sie kam Hood unwissentlich teuer zu stehen, denn dieser hatte sich in Johnsonville versorgen wollen. Hood änderte seine Pläne und marschierte am Tennessee River entlang bis Florence, wo er mit Forrest zusammentreffen wollte. Diese Änderung der Pläne kostete Hood drei Wochen, so daß seine Armee erst am 16. November den Tennessee River überquerte und den Marsch nach Nashville beginnen konnte.
Schlacht am Allatoona Pass am 5. Oktober 1864

Schlacht am Allatoona Pass am 5. Oktober 1864

Während der beiden Monate, die seit dem Waffenstillstand bei Atlanta vergingen, wurde sowohl im Norden als auch im Süden darüber spekuliert, was Sherman tun würde. Einige Zeitungen des Südens verglichen Shermans Lage mit der Napoleons in Moskau. Sie übernahmen die Worte des Zaren, daß >General Winter< ihr bester Verbündeter sein würde. Aber der Vergleich hinkte, denn das Winterklima in Georgia ist nicht mit dem in Mittelrußland zu vergleichen. Außerdem war Sherman nicht allein auf das angewiesen, was seine Armee mit sich führte. Sherman konnte sich aus dem Land versorgen, das vor ihm lag: Die Ernte war eingebracht, die Schweine und Rinder fett, und es gab genügend Futter für die Tiere.
Am 9. Oktober, als Sherman sich klar wurde, daß er seine Nachschubwege nach Norden gegen Forrests, Wheelers und nun auch Hoods Angriffe nicht verteidigen konnte, depeschierte er an Grant, daß er sich entschlossen hatte, mit seiner Armee nach Savannah zu marschieren.

Grant stimmte zu. Thomas erhielt zu seiner großen Enttäuschung den Befehl, in Tennessee zu bleiben. Die Corps von Schofield und Stanley wurden zu ihm beordert. Vier Infanterie-Corps und Kilpatricks Kavallerie blieben bei Sherman, insgesamt eine Armee von etwa 60.000 Mann. Am 12. November wurde der Telegraph nach Norden zerstört, die Eisenbahnlinie erneut unterbrochen. Sherman bereitete sich auf den Marsch zur See vor. In der Nacht vom 15. zum 16. November 1864 brannte Altanta. Sherman hatte befohlen, alle öffentliche Gebäude und Lager zu zerstören. Unvorsichtigkeit, Funkenflug und vielleicht auch Mutwilligkeit führten dazu, daß nahezu die ganze Stadt in Flammen aufging.
Am Morgen des 16. November, als Hood seinen Marsch nach Nashville begann, verließ Shermans Armee Atlanta. Die Straßen nach Osten und Süden hallten wider vom Gesang der Soldaten, die das Lied >John Brown's Soul goes marsching on< anstimmten.

Das zerstörte Eisenbahndepot in Atlanta

Das zerstörte Eisenbahndepot in Atlanta

Sherman verfolgte den Aufbruch von einer Anhöhe bei Decatur aus.
»Hinter uns«, schrieb er in seinen Memoiren,
»lag Atlanta in rauchenden Trümmern.
Der schwarze Qualm hüllte die Ruinen ein.«

Shermans mutige Entscheidung, mit seiner Armee quer durch Georgia zum Meer zu marschieren, statt den Rückzug nach Tennessee anzutreten, ließ so manchen im Norden den Atem anhalten. General Thomas, vor dem Atlanta-Feldzug Kommandeur des Department of the Cumberland, sprach sich dagegen aus. Lincoln war unsicher, er fürchtete ein Debakel. Grant plädierte dafür, erst Hoods Tennessee-Armee zu zerschlagen, bevor Sherman weiter nach Süden vordringt. Aber Sherman war der Ansicht, daß es unmöglich war, Hoods Armee zu besiegen - nicht mit einer einzigen Armee. Und er war entschlossen, sich nicht aus Georgia hinausmanövrieren zu lassen.

Sherman hatte viele Dinge zu beachten. Auf seinem Marsch durch Georgia war seine Armee von jeglichem Nachschub abgeschnitten, sie mußte von dem leben, was das Land, durch das sie marschierte, hergab. Am Meer würde er einen neuen Stützpunkt schaffen, über den die Navy des Nordens ihn versorgen konnte. Dazu kam, daß er er beim Durchqueren des Landes die gesamte Ernte requirieren konnte, so daß Hoods Tennessee-Armee bis zur nächsten Ernte unter Nahrungsmangel leiden würde. Sherman war sicher, daß er es Thomas überlassen konnte, Hood aufzuhalten. Mit klugen Rückzügen konnte Thomas Hood in Tennessee aufhalten, bis Sherman seine Armee stark genug glaubte, Hood endgültig besiegen zu können.


 

Stärke und Ausrüstung von Shermans Armee


Am 14. November 1864 waren alle Truppen wieder in Atlanta eingetroffen. Sherman teilte seine Armee in zwei Flügel auf, die er unter die Kommandos von Major-General O.O. Howard und Major-General H.W. Slocum stellte.
Der rechte Flügel wurde aus dem 15. Army Corps unter dem Kommando von Major-General P.J. Osterhaus und dem 17. Corps unter Major-General Frank P. Blair jr. gebildet.
Den linken Flügel bildeten das 14. Corps (Major-General Jefferson C. Davis) und das 20. Corps (Brigadier-General A.S. Williams).
Das 15. Corps hatte vier Divisionen, deren Kommandeure die Brigadier-Generals Charles R. Woods, W.B. Hazen, John E. Smith und John M. Corse waren.
Das 17. Corps bestand aus drei Divisionen (Major-General J.A. Mower und die Brigadier-Generals M.D. Leggett und Giles A. Smith).
Die drei Divisionen des 14. Corps wurden kommandiert von den Brigadier-Generals W.P. Carlin, James D. Morgan und A. Baird.
Ebenfalls drei Divisionen hatte das 20. Corps, deren Kommandeure die Brigadier-Generals N.J. Jackson, John W. Geary und W.T. Ward waren.
Die Kavallerie-Division stand unter dem direkten Befehl Shermans. Sie wurde kommandiert von Brigadier-General Judson Kilpatrick und bestand aus zwei Brigaden unter Colonel Eli H. Murray aus Kentucky und Colonel Smith D. Atkins aus Illinois.
Die offizielle Stärke der Armee betrug 55.329 Mann Infanterie, 5.063 Kavallerie und 812 Artillerie - alles in allem 62.204 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften.

 


 

Von großer Wichtigkeit war, daß Sherman seine Armee von allen Männern, die nicht vollkommen gesund waren und einen langen Marsch nicht durchstehen würden, als auch allen Nichtkämpfern befreite. Denn die Armee würde auf dem Marsch nirgends sicher sein. Die Wagen wurden für Munition, Verpflegung und Futter benötigt, und es würde unmöglich sein, kranke Männer den langen Marsch mitzuschleppen.

Sherman gab zwei General Orders für diesen Marsch aus, die an Klarheit und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen.

Special Field Orders, No. 119
Headquarters Military Division of the Mississippi, in the field, Kingston, Georgia, 8. November 1864.

Der Kommandierende General erachtet es für notwendig, die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des 14., 15., 17. und 20. Corps zu diesem Zeitpunkt darüber zu informieren,
daß er die Corps zu einer Armee organisiert hat, die ihrem speziellen Vorhaben gerecht wird. Das Kriegsministerium und General Grant sind bereits informiert.
Es genügt für Sie zu wissen, daß es um die Aufgabe unseres jetzigen Stützpunkts und um einen schwierigen Marsch zu einem anderen geht. Alle Chancen und Gefahren sind sorgfältig abgewogen worden.
Alles, was der General von Ihnen erwartet, ist, die gleiche Disziplin, Geduld und den gleichen Mut aufzubringen, den Sie in den vergangenen Kriegstagen gezeigt haben;
und er hofft, mit Ihrer Hilfe eine Bresche in die feindlichen Linien zu schlagen, die uns dem Ziel, das wir anstreben, entscheidend weiterbringt: der bedingungslosen Kapitulation des Feindes.
Das Wichtigste von allen Dingen ist, daß jeder Mann während des Marsches den ihm zugewiesenen Platz einbehält und nicht allein herumstreift und sich der Gefahr aussetzt,
von der feindlichen Bevölkerung ergriffen zu werden. Es ist ebenfalls von außerordentlicher Bedeutung, daß unsere Wagen mit nichts anderem als Munition und Proviant beladen werden.
Alle überflüssigen Dienstboten, nicht zur kämpfenden Truppe gehörenden Personen und Flüchtlinge werden zurückbleiben, damit nichts und niemand uns auf dem beschwerlichen Marsch behindert.
In nicht allzu ferner Zukunft werden wir dann in der Lage sein, allen bedauernswerten Weißen und Schwarzen, die vor der Sklaverei auf der Flucht sind, zu helfen.
Mit diesen einfachen Vorsichtsmaßnahmen hofft der General, Sie zu Leistungen zu motivieren, die denen der Vergangenheit in nichts nachstehen.

Im  Auftrag von Major-General W.T. Sherman, L.M. Dayton, Adjutant

 

Special Field Orders, No. 120
Headquarters Military Division of the Mississippi, in the field, Kingston, Georgia, 9. November 1864.

1. Zum Zweck von militärischen Operationen wird diese Armee in zwei Flügel aufgeteilt und zwar wie folgt: Der rechte Flügel unter dem Kommando von Major-General 0.0. Howard setzt sich aus dem 15. und 17. Corps zusammen; der linke Flügel unter dem Kommando von Major-General H. W. Slocum aus dem 14. und 20. Corps.

2. Die Corps werden, wenn immer es möglich ist, in vier Kolonnen parallel und so nah wie möglich marschieren und an bestimmten Punkten, die in den weiteren Befehlen festgelegt sind, wieder zueinanderstoßen.
Die Kavallerie unter Brigadier-General Kilpatrick wird gesonderte Befehle vom Kommandierenden General erhalten.

3. Es wird keinen eigenständigen Wagentroß geben. Jedes Corps wird seine eigenen Munitions- Verpflegungswagen mit sich führen, und zwar wie folgt aufgeteilt: Hinter jedem Regiment sollen ein Wagen und eine Ambulanz folgen, hinter jeder Brigade eine angemessene Anzahl von Munitions-, Verpflegungs- und Ambulanzwagen. Bei eintretender Gefahr sind die Corps-Kornmandanten angehalten, ihre Marschbefehle den Umständen entsprechend zu ändern. Dabei muß darauf geachtet werden, daß sowohl die Vor- als auch die Nachhut nicht von Fahrzeugen behindert werden. Die einzelnen Marschsäulen werden jeweils um 7 Uhr morgens aufbrechen und etwa 15 Meilen am Tag zurücklegen, es sei denn, daß andere Befehle erfolgen.

4. Die Armee wird sich während des Marsches aus dem Land versorgen. Zu diesem Zweck sind die Brigade-Kommandeure angehalten, Versorgungstrupps unter dem Kommando von einem oder mehreren besonnenen Offizieren zusammenzustellen, die in der Nähe der Marschroute an Sammelstellen Viehfutter-, Getreide, Fleisch, Gemüse, Mehl oder alle anderen Dinge, die benötigt werden, anhäufen. Es muß jederzeit sichergestellt sein, daß sich immer für mindestens zehn Tage Verpflegung auf den Wagen befindet und für drei Tage Tierfutter. Die Soldaten sind angehalten, die Häuser der Einwohner nicht zu betreten und nicht mutwillig Besitzstörungen zu begehen. Bei einem Halt oder während des Campierens jedoch ist es erlaubt, sich mit Rüben, Kartoffeln und Gemüse zu versorgen und in Sicht des Camps zu deponieren. Die regulär eingesetzten Versorgungstrupps sind berechtigt, in jedweder Entfernung von der Marschlinie Proviant und Futter zu requirieren.

5. Den Corps-Kommandeuren allein ist es gestattet, den Befehl zur Zerstörung von Mühlen, Häusern, Baumwolldepots usw. zu geben; für diesen Fall gilt ein allgemein gültiges Prinzip: In Landstrichen und Ortschaften, in denen die Armee unbehelligt bleibt, ist eine Zerstörung oben genannter Gebäude verboten; aber sollten Guerillas oder Heckenschützen die Armee während des Marsches stören, oder sollten Einwohner Brücken verbrennen, Straßen zerstören oder uns ähnliche Feindseligkeiten entgegenbringen, dann sind die Corps-Kommandeure angehalten, den Befehl zu einer mehr oder weniger schonungslosen Verwüstung - je nach Ausmaß der Feindseligkeiten - zu geben.

6. Pferde, Maultiere, Wagen usw. der Einwohner können von der Kavallerie und der Artillerie ohne Beschränkung requiriert werden; dabei sollte zwischen den Wohlhabenden, die gewöhnlich feindselig eingestellt sind, und der armen, arbeitsamen Bevölkerung, die meist neutral oder freundlich ist, unterschieden werden. Versorgungstrupps können ebenfalls Pferde oder Maultiere requirieren, um sie gegen erschöpfte Tiere auszuwechseln oder als Packtiere für die Regimenter oder Brigaden zu verwenden. Gleich bei welcher Art Einsatz der Versorgungstrupps sind die Soldaten angehalten, keine Schimpf- oder Schmähworte zu verwenden und von Drohrungen abzusehen. Wenn der kommandierende Offizier es für richtig erachtet, können den Geschädigten Aufstellungen der requirierten Dinge ausgehändigt werden, jedoch keine Quittungen. Der Bevölkerung soll genügend Proviant zurückgelassen werden, der ihre eigene Versorgung garantiert.

7. Arbeitsfähigen Schwarzen, die sich bei den einzelnen Marschverbänden nützlich machen können, ist es erlaubt, mit der Armee zu marschieren, aber jeder einzelne Kommandeur hat zu bedenken, daß die Verpflegung und Versorgung der kämpfenden Truppe absoluten Vorrang hat.

8. Zugleich sollte daran gedacht werden, daß jedes Army-Corps über ein einsatzfähiges Pionierbataillon verfügt, das - wenn irgend möglich - aus Schwarzen zusammengestellt werden sollte. Dieses Bataillon sollte der Vorhut folgen, zerstörte Straßen reparieren oder eventuell ausbauen, so daß die Armee auf ihrem Marsch nicht aufgehalten wird. Ebenso sollten die kommandierenden Offiziere darauf achten, daß die Straßen für die Wagen und die Artillerie frei bleiben, und die Truppen anhalten, neben der Straße zu marschieren und helfend einzuspringen, wenn Wagen an Steigungen oder Flußübergängen in Schwierigkeiten geraten.

9. Chefingenieur Captain O.M. Poe wird beiden Flügeln der Armee je eine voll ausgerüstete und gut ausgebildete Brückenkolonne zuteilen, und die Corps-Kommandeure haben dafür Sorge zu tragen, daß diese zu jeder Zeit ihrem besonderen Schutz unterstehen.

Im Auftrag von Major-General W.T. Sherman, L.M. Dayton, Adjutant

60 Meilen breit war Shermans Pfad der Verwüstung

60 Meilen breit war Shermans Pfad der Verwüstung


Die größte Aufmerksamkeit galt der Artillerie und der Wagenkolonne. Die Anzahl der Kanonen hatte Sherman auf 65 reduziert; das bedeutete eine Kanone auf 1.000 Mann. Jeweils vier Kanonen bildeten eine Batterie.
Zu jedem Geschütz, jedem Munitionswagen und jeder Schmiede gehörten vier Gespanne. Shermans Armee führte insgesamt 2.500 Wagen mit, die von jeweils sechs Maultieren gezogen wurden, sowie 600 Ambulanzwagen mit jeweils zwei Pferden im Gespann. Die Beladung war verhältnismäßig gering, etwa 250 Pfund. Dazu kamen noch der Proviant und die Ausrüstung des Wagenteams. Jeder Soldat trug 40 Schuß Munition mit sich, auf den Wagen waren für jeden Soldaten nochmals 200 Schuß und weitere 200 Patronen verschiedenen Kalibers für jede Waffe.
Die Wagenkolonne war gleichmäßig zwischen den vier Corps aufgeteilt, so daß jedes Corps etwa 800 Wagen mit sich führte, die während des Marsches ungefähr fünf Meilen Straßenlänge für sich in Anspruch nahmen. Jeder Corps-Kommandeur war für seine Wagenkolonne verantwortlich.



 

Der Marsch zum Meer

 


Am Morgen des 16. November 1864, 7 Uhr, begann Sherman seinen Marsch zum Meer. Seine Soldaten wußten nicht, daß Savannah das Ziel ihres Kommandierenden Generals war. Die meisten glaubten, daß sie auf Richmond zumarschieren würden, um dort mit Grant und seiner Potomac-Armee zusammenzutreffen.
Mit dem brennenden Atlanta hinter sich setzte sich der rechte Flügel der Tennessee-Armee unter General O.O. Howard zusammen mit Hudson Kilpatricks Kavallerie auf Jonesborough zu in Marsch. Howard hatte den Befehl, über McDonough vorzurücken, den Ocmulgee River bei Planter's Factory zu überqueren, einen Scheinangriff auf Macon durchzuführen und sich schließlich bei Gordon Station zu sammeln.

General Slocum marschierte mit dem 14. Corps des linken Flügels an Decatur vorbei. Er hatte den Befehl erhalten, die Eisenbahnlinie von Social Circle nach Madison und die Eisenbahnbrücke östlich von Madison über den Oconee River zu zerstören. Dann sollte er nach Süden marschieren und am selben Tag, wenn Howard in Gordon eintraf, vor Milledgeville erscheinen.
Der erste Tag des Marsches war eine gelungene Generalprobe. Shermans Armee ließ eine breite Spur von verwüsteten Straßen, Eisenbahnlinien, Depots, Mühlen, Baumwollagern, öffentlichen Gebäuden und Fabriken hinter sich zurück. Es gab keinerlei Zerstörungen ohne Befehl der kommandierenden Offiziere, keine Morde und Vergewaltigungen, keine Plünderungen und Gewalt. Die Versorgungstrupps hielten sich streng an General Shermans Field Order.

Der Tag des Aufbruchs der Tennessee-Armee von Atlanta stürzte die Konföderation in große Verwirrung und löste in der politischen und militärischen Führung Bestürzung aus. General Cobb, der Department-Kommandeur von Georgia, sandte eine eindringliche Bitte um Hilfe nach Richmond:
» Wir haben Shermans Armee nichts entgegenzusetzen«, schrieb er, »und müssen uns hinter Macon zurückziehen, wo wir auf Verstärkungen hoffen.« General Beauregard telegraphierte aus Tuscumbria, daß alle verfügbaren Truppen aus den Carolinas Cobb zu Hilfe eilen sollten. General Taylor erhielt in Selma den Befehl, alle Milizen von Mississippi und Alabama zu sammeln und zur Verfügung zu halten, bis der Marschbefehl eintraf. Wheeler sollte mit seinen 13 Kavallerie-Brigaden Shermans Armee folgen und jede Gelegenheit nützen, sie in ihrem Vormarsch aufzuhalten.
Der zweite Tag des Marsches war noch erfolgreicher als der erste. Diszipliniert und geschlossen rückte die große Armee unaufhörlich vor. Mit wehenden Fahnen, Musik und Gesang lockten sie die Bevölkerung aus ihren Häusern. Schweigend blickten die Weißen auf die verhaßten »Stars and Stripes« , während die Schwarzen den Soldaten zujubelten.

Bei Covington teilte Sherman den linken Flügel. Sherman blieb beim 14. Corps, das direkt auf Milledgeville vorrückte, während Slocum mit dem 20. Corps auf Madison zumarschierte, östlich der Stadt den Oconee River erreichte und die Eisenbahnbrücke von Gearys Division zerstören ließ. Für den Feind mußte es aussehen, als plane Slocum einen Angriff auf Augusta. Doch das 20. Corps schwenkte bald darauf nach Süden ab, um sich vor Milledgeville wieder mit dem 14. Corps zu vereinen.
Alles entwickelte sich genau, wie Sherman es vorausgesehen hatte. Die Versorgungstrupps fanden im Land reichlich Mehl, Fleisch, Kartoffeln, Vieh, Pferde und Maultiere. Die Ernte war gut gewesen, die Lagerwaren gefüllt. Shermans strenge Befehle wurden fast ausnahmslos eingehalten. Vielleicht gab es hier und dort einmal Soldaten, die ihre Kompetenzen und Befehle überschritten, doch im großen und ganzen wurde die Zivilbevölkerung von Übergriffen verschont.
Am 23. November marschierte Sherman mit dem 14. Corps in Milledgeville ein. Slocum war mit dem 20. Corps schon vor ihm eingetroffen. Der linke Flügel hatte sein erstes Marschziel in der vorgesehenen Zeit erreicht und sein Lager in und um der Hauptstadt Georgias aufgeschlagen.

Sherman erhielt einen Report von General Howard, daß er Gordon Station, nur etwa 12 Meilen südlich von Milledgeville, erreicht habe, wo die Eisenbahnlinie von der Hauptstrecke Macon - Savannah nach Milledgeville abzweigt.

Er hatte seinen Scheinangriff auf Macon ausgeführt, indem er mit seinen beiden Corps direkt auf den Ocmulgee River zumarschiert war und ihn über eine Pontonbrücke überquert hatte. Dann hatte er mit dem 17. Corps die Richtung nach Osten auf Gordon Station zu eingeschlagen, während Kilpatricks Kavallerie den Scheinangriff auf Macon fortsetzte.

Kilpatrick trieb den Feind bis hinter die Befestigungen von Macon zurück. Er nahm die ersten Brustwehren ein, konnte sie jedoch nicht halten und schwenkte zurück zu Howards Infanterie. Bei Griswold Station stieß er wieder zu P.J. Osterhaus' 15. Corps, das jetzt entlang der Eisenbahnlinie auf Gordon Station vorrückte und hinter sich verbrannte Eisenbahnschwellen und verbogene Gleise zurückließ.

Am 22. November wurde die Nachhut, die aus C.R. Woods Division zusammengestellt worden war, von Macon aus schwer bedrängt, konnte den Angriff aber abschlagen.
Die beiden Flügel von Shermans Armee waren praktisch wieder vereint, der linke in Milledgeville, der rechte bei Gordon Station, das nur 12 Meilen entfernt lag.
Die erste Station des riskanten Marsches hatte Sherman erfolgreich hinter sich gebracht. Während die Bevölkerung von Milledgeville keine Gelegenheit gehabt hatte, vor den Yankees zu fliehen, hatten sich Gouverneur Brown und seine Regierung abgesetzt. Sherman mokierte sich in seinen Memoiren, daß Brown zwar die Vorräte aus seinem Haus mitgenommen, das Archiv der Stadtverwaltung jedoch zurückgelassen hatte.

General Grant schreibt dazu in seinen Memoiren:

Der Gouverneur, der früher Herrn Davis (dem Präsidenten der-Südstaaten) beinahe Trotz geboten hätte, ergriff nun schleunigst die Flucht, ebenso wie die Legislatur und alle Staatsbeamten. Der Gouverneur trug jedoch, wie Sherman erzählte, Sorge, daß er die Gemüseaus seinem Garten mitnahm, während er die Staatsarchive zurückließ, so daß dieselben in unsere Hände fielen. Die einzige Militärmacht, die dem Vormarsch Shermans Widerstand leistete, waren die Miliz des Staates Georgia, eine Divison unter dein Befehl des Generals G. W. Smith und ein Bataillon unter dem Kommando von Harry Wayne. Jedoch war weder die Qualität der Truppen noch ihre Zahl ausreichend, um das Vorrücken der Armee Shermans auch nur zu verzögern.

Die Führung des Südens war über die erfolgreiche Invasion des Staates Georgia so erschrocken, daß sie jetzt die Kadetten aus der Militärschule nahm und in die Miliz einreihte. Sie setzte sogar die Staatsverbrecher gegen das Versprechen, in der Armee Dienst zu nehmen, in Freiheit. Ich bezweifle nicht im geringsten, daß die größten Übeltaten, die Shermans Armee zugeschrieben wurden, von diesen Verbrechern und anderen Leuten des Südens begangen worden sind - Leuten, wie man sie in jeder Gemeinde des Nordens und Südens findet, die sich hätten im Zuchthaus befinden sollen und die günstige Gelegenheit der Invasion ihres Vaterlandes zur Begehung von Verbrechen benutzten. Sie liefen nur wenig Gefahr, entdeckt oder - selbst wenn sie entdeckt wurden - bestraft zu werden.

Die Zeitungen des Südens schilderten bei Erörterung der Bewegungen Shermans dessen Lage als höchst traurig und behaupteten, seine Leute wären dem Verhungern nahe, befänden sich in demoralisiertem Zustande, wanderten fast ohne Sinn umher und suchten nur die Meeresküste zu erreichen, um sich unter den Schutz unserer Flotte zu stellen. Diese Schilderungen kamen auch nach dem Norden, übten dort mehr oder weniger Wirkung aus auf die Stimmung der Bevölkerung und riefen bei allen loyalen Leuten und namentlich denen, die Gatten, Söhne oder Brüder in Shermans Armee hatten, große Trauer hervor.
Als Präsident Lincoln diese Berichte las, ließ er schriftlich bei mir anfragen, ob ich ihm nichts mitzuteilen vermöge, was er der getreuen Bevölkerung zum Trostsagen könne. Ich erwiderte ihm, es sei nicht der leiseste Grund zur Besorgnis vorhanden; mit 60.000 Mann solcher Truppen, wie Sherman sie bei sich hätte, könne ein Befehlshaber wie er in dem offenen Lande nicht abgeschnitten werden. Vielleicht könnte man ihn daran hindern, gerade den Punkt der Küste, den er erreichen wollte, zu erreichen, jedenfalls würde er durchkommen und schließlich auch an den vorgesehenen Bestimmungsort gelangen; im allerschlimmsten Fall könnte er nach dem Norden zurückkehren. Später erfuhr ich, daß Lincoln zu denen, die sich bei ihm erkundigen wollten, wie er über die Sicherheit von Shermans Armee denke, gesagt habe, Sherman sei ganz sicher: »Grant behauptet, die Truppen seien unter einem solchen General in Sicherheit und könnten, wenn sie das anvisierte Ziel nicht erreichten, immer noch durch das Loch zurückschlüpfen, durch das sie hineingekommen sind.«
Shermans Artillerie auf dem Marsch zum Meer

Shermans Artillerie auf dem Marsch zum Meer

Die führenden Generäle des Südens schienen den Kopf zu verlieren. Der Scheinangriff auf Augusta versetzte sie in Panik. Dringende Hilferufe wurden an den Präsidenten jefferson Davis gesandt. Am 19. November traf General Hardee ein, und Shermans Scheinangriff auf Augusta war so perfekt inszeniert, daß sowohl Hardee als auch Cobb sicher waren, daß Shermans Ziel nur Augusta sein konnte. Sie setzten sofort alle verfügbaren Truppen von Macon aus nach Augusta in Marsch, um doch nur ein paar Tage später zu erkennen, daß Sherman sie getäuscht hatte und auf Milledgeville vorstieß.
Während immer wieder Hilferufe nach Richmond gesandt wurden, versuchten die Politiker und Generäle, die Bevölkerung mit Appellen zum Widerstand gegen Sherman aufzurufen.

 

Generals Beauregards Proklamation:

Volk von Georgia! Erhebt Euch zur Verteidigung Eurer heimatlichen Erde! Sammelt Euch um Euren patriotischen Gouverneur und Eure tapferen Soldaten! Zerstört alle Straßen vor Shermans Armee, an ihren Flanken und hinter ihr, und diese Armee wird inmitten unseres Landes zugrunde gehen! Bleibt standhaft! Vertraut der göttlichen Vorsehung, und Eure Bemühungen werden von Erfolg gekrönt sein. Ich bin auf dem Wege zu Euch, um euch bei der Verteidigung Eures Heimes zu unterstützen!

Senator Hills Appell:

Volk von Georgia! Nie wieder werdet Ihr eine solche Gelegenheit erhalten, den Feind zu vernichten! Stellt alles, was Ihr besitzt, Euren Generälen zur Verfügung. Schafft jeglichen Proviant aus der Marschrichtung unseres Feindes fort und zerstört alles auf seinem Weg. Jeder einzelne Bürger mit seiner Waffe und jeder Neger mit seinem Spaten oder seiner Axt kann die Aufgabe eines Soldaten erledigen. Ihr könnt den Gegner vernichten, indem ihr seinen Vormarsch verzögert. Leute von Georgia, seid standhaft! Handelt umgehend und habt keine Furcht!
Sherman und seine Männer ließen sich durch solche Aufrufe nicht beeindrucken. Nachdem das Arsenal und andere Gebäude in Milledgeville, die für die Konföderierte Armee von Wichtigkeit sein konnten, zerstört worden waren, setzte Sherman seinen Weg fort und nahm den zweiten Teil seiner Invasion in Angriff.

Das Ziel war jetzt Millen. In Millen zweigte die Eisenbahnlinie nach Augusta von der Strecke Macon - Savannah ab. Der rechte Flügel unter General Howard hatte den Befehl, dem Schienenstrang der Georgia Central zu folgen, während Slocum mit dem linken Flügel über Sandersville, Davisborough und Louisville auf Millen vorstoßen sollte.

Kilpatrick sollte mit seiner Armee einen Bogen nach Norden schlagen und Millen stürmen, um die dort festgehaltenen Kriegsgefangenen zu befreien.
Aber die Situation hatte sich seit der Einnahme von Milledgeville geändert. Wheelers konföderierte Kavallerie hatte Shermans Marschsäulen passiert und tauchte vor ihnen auf. Hardee war auf dem Schlachtfeld erschienen und versuchte, Sherman eine schlagkräftige Infanterie entgegenzustellen. Hardee berichtete, daß er 10.000 Mann zusammengezogen hätte, die den vordringenden Feind am Weitermarsch hindern sollte.

Am 24. November nahm Sherman die nördliche Route mit dem 20. und 14. Corps, die Sandersville gemeinsam am 26. November erreichten. Eine Brigade der konföderierten Kavallerie kreuzte hier ihren Weg, wurde jedoch schnell von Scharfschützen vertrieben.

Auf dem weiteren Marsch mußte Sherman feststellen, daß die Bevölkerung ihre Vorräte an Proviant und Futter vernichtete, um sie nicht in die Hände der Invasoren fallen zu lassen. Sherman ließ die Bevölkerung wissen, daß er seine Order, die Menschen auf seinem Marsch möglichst zu verschonen, zurückziehen und eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen würde, wenn die Vernichtung der Vorräte weiterginge. Seine Warnung wurde gehört und beachtet, und mit sehr wenigen Ausnahmen überließ man Sherman auf dem weiteren Marsch, was er ihnen abnahm. Es war besser, als alles zu verlieren.

Kilpatrick rückte rasch auf Waynesborough zu, einem Ort etwa auf halbem Weg von Millen nach Augusta an der Eisenbahnstrecke Millen - Augusta. Auf diesem Raid stieß er ein paarmal auf Wheelers Kavallerie. Es gab einige Scharmützel, aber Wheeler ließ es nicht auf eine größere Auseinandersetzung ankommen.

Kilpatrick erfuhr, daß die Unions-Gefangenen von Millen nach Augusta gebracht worden waren, und er kehrte nach Louisville zurück. Sherman befahl ein weiteres Vorrücken auf Waynesborough. Er gab Kilpatrick eine Infanteriedivision mit, um einen Angriff auf Augusta vorzutäuschen.
Kilpatrick vertrieb Wheeler aus Waynesborough und jagte ihn durch den Brier Creek. Dann fuhr er mit der Eisenbahn Richtung Süden zurück und befreite Sherman von der Befürchtung, daß Wheeler dem linken Flügel in die Flanke fallen könnte.
Am 3. Dezember befand sich das 14. Corps bei Lumpkin's Station, 14 Meilen nördlich von Millen. Am selben Tag marschierte Sherman mit dem 17. Corps in Millen ein und legte eine Rast ein, um auf Nachricht von seinen anderen Corps' zu warten. Slocum folgte mit dem 20. Corps von Buckhead Church aus, das 4 Meilen nördlich von Millen lag, während Howard mit seinem 15. Corps sich schon östlich von Millen gegenüber des Ortes Scarboro am Ufer des Ogeechee befand.

Sherman hatte seine Armee ein zweitesmal rund um einen wichtigen strategischen Punkt versammelt. Seine Soldaten waren durch die gute Versorgung in exzellenter Verfassung. Er hatte zwei Drittel seines Marsches zur See hinter sich gebracht, ohne auf bedeutenden Widerstand gestoßen zu sein. Aber Sherman war sich klar darüber, daß er bald in Gebiete kam, in denen die Versorgung seiner Armee nicht so problemlos war und sie mehr und mehr auf die Vorräte angewiesen sein würden, die sie in ihren Wagen mit sich führten.

Auf diesem zweiten Abschnitt seines Marsches erreichte die Bestürzung des Feindes ihren Höhepunkt. Am 22. November mußte General Cobb in Augusta eingestehen, daß er nicht mehr als 4.000 Mann unter Waffen hatte und die Bevölkerung es an Willen mangeln lasse, sich dem Feind entgegenzustemmen.

Am 23. November mußte Hardee den Rückzug Wheelers von Clinton und den Colonel Cross' von Griswold melden und zugeben, daß er fast keine Informationen über den Feind besitze.

Braxton Bragg, der nach Augusta beordert worden war, konnte nur noch konstatieren, daß Shermans Armee sich zwischen die Garnisonen von Macon und Augusta geschoben hatte und ihm nur die Miliz der östlichen Armee zur Verfügung stand, die unbedeutend an Zahl, schwach in Organisation und Disziplin und sehr schlecht ausgerüstet war. Eine Offensive mit diesen Truppen war unmöglich.

Das Gerücht, daß Shermans Ziel Charleston sei, alarmierte die Carolina-Staaten. Dieselben Hilferufe wie vordem aus Georgia erreichten Richmond. Beauregard rief immer lauter nach Verstärkung. Wade Hampton wurde nach Augusta geschickt, um eine neue Kavallerie-Einheit aus dem Boden zu stampfen.

Neben den Verwüstungen, die Sherman dem Land zufügte, preßten nun auch die Südstaatentruppen alles aus dem Land heraus, um eine wirksame Verteidigung organisieren zu können. Damit hatte Sherman ein zweites Ziel erreicht: Das Herz des Südens, Georgia, die Speisekammer der Konföderation, war vollkommen ausgeblutet.

Für Sherman bedeutete das, daß er seinen Marsch so schnell wie möglich hinter sich bringen mußte, um das Meer zu erreichen, wo er von der Unionsflotte versorgt werden konnte.

Sherman stieß von Millen aus geradewegs auf Savannah zu. Seine Armee marschierte auf vier parallelen Straßen. Er trieb eine konföderierte Division von 10.000 Mann starken irregulären Truppen vor sich her, die nicht in der Lage waren, ihm Widerstand zu leisten. Die vier Corps machten mit Leichtigkeit ihre 15 Meilen pro Tag, das Wetter und die Straßen waren gut. Das einzige, was an Krieg erinnerte, waren Kilpatricks Kanonen, die im Norden in einzelnen Scharmützeln eingesetzt wurden.

Das 17. Corps zerstörte den Schienenstrang bis zu den Ufern des Ogeechee River, wo die Konföderierten sich verschanzt hatten. Als sie jedoch sahen, daß Shermans Truppen sie in die Zange zu nehmen drohten, zogen sie sich hastig zurück. Bis Savannah waren es nur noch 50 Meilen. Die zurückweichenden Konföderierten legten Minen auf den Straßen, und einer von Shermans Offizieren wurden schwer verwundet. Sherman bezeichnete diese Art von Kriegsführung als Mord, und er stellte einen Trupp von gefangengenommenen Südstaatlern zusammen, der die Minen aufspüren und entfernen sollte. Am 8. Dezember erreichte Shermans Vorhut Pooler's Station, das nur 8 Meilen von Savannah entfernt lag. Er mußte erkennen, daß das Gelände bis zur Stadt mit Schützengräben durchzogen war, so daß seine Armee sich auf die Belagerung einstellen mußte. Am 9. und 10. Dezember brachte er seine Armee in Stellung. Das 14. Corps beorderte er auf die linke Seite ans Ufer des Savannah River.

Daneben das 20. Corps, anschließend das 17. und auf die rechte Seite das 15. Corps. Savannah liegt etwa 20 Meilen von der Küste entfernt. In einer Entfernung von 12 bis 15 Meilen südöstlich mündet der Ogeechee River in den Atlantik. An seinem Ufer liegt Fort McAllister, das den Fluß und den Ossabaw Sound kontrolliert.
Das gesamte Gebiet um Savannah ist flach und sumpfig. Die Straßen zur Stadt führen über fünf erhöhte Trassen, auf denen auch die Eisenbahnlinien verliefen. Sie lagen im Schußfeld der konföderierten Artillerie und waren mit umgestürzten Baumstämmen unpassierbar gemacht worden. General Hardee war in der Stadt und hatte die Organisation der Verteidigung übernommen. Sherman war sich bewußt, daß ein unbedachter Angriff seinen ganzen Feldzug zum Scheitern bringen konnte. Doch er mußte unbedingt die Verbindung zur Flotte herstellen, die er irgendwo draußen im Sound vor Savannah vermutete.Deshalb befahl er am 13. Dezember Slocum, Savannah anzugreifen, während Howard mit einer Division zum Ogeechee River vorrücken und die Brücke wieder errichten sollte, was ohne Schwierigkeiten bewerkstelligt wurden. Hazens Division überquerte den Fluß und marschierte auf Fort McAllister zu, um es anzugreifen.
Soldaten der 21. Michigan Infanterie

Soldaten der 21. Michigan Infanterie

Kilpatrick umrundete das Fort, um zu versuchen, mit der im Ossabaw Sound vermuteten Flotte Kontakt aufzunehmen. Die Flotte befand sich tatsächlich im Sound. Sherman brauchte jetzt nur noch einen überhöhten Punkt, von dem aus er über Signale mit der Flotte in Verbindung treten konnte. Sie fanden eine alte Reismühle, auf der sie eine Plattform errichteten. Sherman war von diesem Moment an in Signalverbindung mit allen seinen Landtruppen und konnte auch die Schornsteine der Schiffe jenseits von Fort McAllister im Sound sehen.

Captain Duncan, einer von General Howards besten Scouts, fuhr mit einem Boot an Fort McAllister vorbei den Ogeechee River hinab und erreichte die Flotte Admiral Dahlgrens, die vor den Tybee, Warsaw und Ossabaw Sounds auf Reede lag. Duncan informierte den Admiral über Shermans derzeitige Lage. Sherman wußte, daß er Fort McAllister nehmen mußte, um die Verbindung seiner Armee zur Flotte Dahlgrens sicherzustellen.Die Kanonen von Fort McAllister beherrschen den Ossabaw Sound

Die Kanonen von Fort McAllister beherrschen den Ossabaw Sound


Fort McAllister wurde von Major Anderson kommandiert. Die Besatzung betrug etwa 200 Mann. Es war bewaffnet mit 23 Kanonen und einem Mörser. Die feststehenden Kanonen waren für eine Verteidigung nicht geeignet, und so gelang es General Hazens Division, die Wälle des Forts zu stürmen und mit nur 90 Mann Verlusten Fort McAllister einzunehmen.
Noch in derselben Nacht nahm Sherman persönlich Verbindung mit Admiral Dahlgrens Flotte auf. Er fuhr mit General Howard in einem Ruderboot gegen die auflaufende Flut bis zum Fort, wo sie mit Hazen zusammentrafen und dinierten. Danach ruderten sie weiter, bis sie von einem Tender des Kanonenbootes >Flag< aufgenommen wurden. Sherman erfuhr, daß die Flotte schon einige Tage auf ihn wartete, daß Admiral Dahlgren das Kommando Süd-Atlantik übertragen worden war, Foster das Kommando über das Department Süd mit dem Hauptquartier in Port Royal übernommen hatte, daß in Port Royal die Schiffe mit Nachschub für Shermans Armee zum Auslaufen bereit waren und daß General Grant immer noch Petersburg belagerte.

In dieser denkwürdigen Nacht des 13. Dezember 1864 wurde Sherman klar, daß er seinen >Marsch zum Meer< erfolgreich zu Ende geführt hatte. Es wurde nach Washington zum Kriegsminister telegraphiert. Es war eine einzige Erfolgsmeldung: Die Tennessee-Armee war in ausgezeichneter Verfassung; die Verbindung zur Flotte war durch die Einnahme Fort McAllisters hergestellt; sämtliche Eisenbahnverbindungen waren während des Marsches zerstört worden; nicht ein Wagen war verlorengegangen; zwei Kanonenboote waren bereits auf dem Savannah River gekapert worden; Hardee hielt Savannah noch mit 15.000 Mann, aber Sherman war sicher, daß es nach einer Woche fallen würde.
Am 15. Dezember kehrte Sherman zu seinen Linien zurück. Ein Monat war vergangen, seit sie Atlanta verlassen hatten. In diesem Monat hatte er die Verbindung zwischen den konföderierten Armeen östlich und westlich von Georgia unterbrochen, indem er 200 Meilen Eisenbahnlinien zerstörte. Seine 60.000 Soldaten und 35.000 Tiere hatten sich praktisch aus dem Lande ernährt und sich außer mit Brot, Kaffee und Zucker reichlich versorgt.
Shermans Verluste während des Marsches betrugen nur 103 Tote, 428 Verwundete und 278 Vermißte.
Mit Shermans Durchbruch zur Küste fiel der Sieg von Nashville zusammen. Eine Zeitlang hatte es ausgesehen, als ob Hood noch einmal das Blatt wenden und einen Sieg für den Süden erringen könnte, doch nun war die Entscheidung zugunsten des Nordens gefallen. Shermans Entschluß, die Bekämpfung Hoods allein General Thomas zu überlassen, erwies sich im nachhinein als richtig.
Savannah mit Blick nach Osten auf Fort Jackson

Savannah mit Blick nach Osten auf Fort Jackson


Am 16. Dezember fuhren die Kanonenboote der Union ungehindert den Ogeechee River hinauf und versorgten Shermans Soldaten mit Nachschub. Savannah war jetzt vollkommen eingeschlossen; und am 17. Dezember fordete Sherman Hardee auf, die Stadt zu übergeben. Er schrieb Hardee, daß er sämtliche Straßen besetzt halte, über die Savannah versorgt werden könnte.

Er versprach Hardee, die Stadt vor Zerstörung zu bewahren, drohte jedoch, mit aller Härte vorzugehen, wenn Hardee sich auf Widerstand einrichtete. Dann könne er nicht garantieren, daß Savannah nicht von seinen Soldaten in Schutt und Asche gelegt würde, wenn man die Bevölkerung ausgehungert hätte. Schließlich gehöre Savannah zu den großen Städten des Südens, die sich vehement für die Teilung der Union eingesetzt und das Land in den unseligen Bürgerkrieg gedrängt hätten.

Sherman fügte dieser Nachricht folgendes hinzu: »Ich füge eine Kopie von General Hoods Bedingungen bei, die er bei der Übergabe der Stadt Resaca an mich stellte, damit Sie erkennen, was meine Zusicherungen wert sind.«

Hardee weigerte sich, Savannah aufzugeben. Noch beherrschten seine Soldaten sämtliche Verteidigungslinien, und es bestand noch Verbindung zu seinem vorgesetzten Offizier. Um auch diese Verbindung zu unterbrechen, mußte Sherman seinen linken Flügel auf das nördliche Ufer des Savannah verlegen. Das brachte Probleme mit sich, denn die andere Seite des Flusses war immer noch vom Feind besetzt und wurde mit Kanonenbooten kontrolliert. Die Gefahr bestand, daß eine Pontonbrücke sofort unter Beschuß der feindlichen Artillerie geriet und die übergesetzten Truppen abschnitt. Am 20. Dezember brach Sherman mit einem Boot nach Port Royal auf, wo er mit Foster und Dahlgren konferieren wollte. Er schlug vor, gegen die feindlichen Einheiten den Broad River hinauf vorzugehen, so daß die Eisenbahnlinie nach Norden zerstört werden konnte. Dann konnte man die einzelnen Verteidigungslinien Hardees stürmen.
General Hardees Konföderierte Truppen verlassen  die Stadt

Doch bevor Shermans Pläne in die Tat umgesetzt werden konnten,
ließ Hardee Savannah evakuieren. Seine Truppen zogen sich in Richtung Charleston zurück.

 

General Hardees Konföderierte Truppen verlassen  die Stadt

 

General Hardees Konföderierte Truppen verlassen über eine Pontonbrücke
über den Savannah River die Stadt


 

Am 21. Dezember nahmen Shermans Truppen die Verteidigungslinien ein. Am nächsten Morgen ritt der von Port Royal zurückgekehrte Sherman in die Stadt ein.
Sofort sandte er eine Depesche an Präsident Lincoln, in der er den Vollzug seines Feldzuges mitteilte:
»Ich erlaube mir, Ihnen die Stadt Savannah mit 150 schweren Geschützen und einer großen Menge Munition sowie 25.000 Ballen Baumwolle als Weihnachtsgeschenk zu überreichen.«


Die Auswirkungen von Shermans Marsch durch Georgia

 


Nach Shermans Durchbruch zum Meer und Thomas' Sieg bei Nashville über Hood hatte die konföderierte Armee keine Bedeutung mehr für den Fortgang des Krieges. Für Voraussehende und Realisten zeichnete sich die Niederlage des Südens am Horizont ab. Von nun an mußten sich die Führer des Südens darüber im klaren sein, daß der weitere Kampf nur noch eine sinnlose Opferung von Menschenleben war.
Der Krieg verlagerte sich voll in den Osten. Mit Ausnahme des Kampfes um die Besetzung Mobiles am Golf von Mexiko fanden nach der Einnahme Savannahs und der Schlacht von Nashville im Westen keine größeren militärischen Operationen mehr statt. Alles konzentrierte sich von nun an auf die entscheidenden Vorstöße der Potomac-Armee unter Grant und der Tennessee-Armee Shermans, der sich auf seinen Marsch durch die Carolinas vorbereitete.
Shermans Marsch mitten durchs Herz des Feindeslandes hatte große Verbitterung bei der Bevölkerung des Südens ausgelöst. Shermans Name wurde für viele der Inbegriff für den grausamen, barbarischen Yankee, während andere objektiver urteilten und der eigenen Propaganda nicht vorbehaltlos vertrauten. Als Shermans Marsch zum Meer erfolgreich beendet war, glaubten viele, daß die Yankees die Taten von Shermans >Bummers< als Notwendigkeit fürs eigene Leben zu rechtfertigen versuchten. Aus der Geschichte wissen wir, daß es auf beiden Seiten irreguläre Methoden der Kriegsführung gegeben hatte. Der Krieg dauerte zu diesem Zeitpunkt schon dreieinhalb Jahre und war ständig eskaliert. Die gegnerischen Seiten hatten sich so sehr ineinander verbissen, daß es keine Möglichkeit mehr gab, den Krieg auf dem Verhandlungsweg durch irgendeinen Kompromiß zu beenden. Jede Seite wollte den Gegner schlagen - vernichtend schlagen. Und so ging die kriegerische Auseinandersetzung von Gemetzel zu Gemetzel weiter, bis eine Seite vollkommen ausgeblutet war. Bis zum letzten Blutstropfen zu sterben schien die einzig ehrenvolle Haltung - ein Einlenken, solange es eine noch so geringe Hoffnung gab, war unehrenhaft. Zu tief war die Schmach, die Sherman dem Süden zugefügt hatte.

Über Shermans Marsch zum Meer gibt es unzählige Berichte von Greueltaten, die seine >Bummers< begangen haben sollten. Natürlich hat es Ausschreitungen der Soldaten gegeben, doch das ist bei einer Armee von 60.000 Mann niemals ganz zu vermeiden. Auch Sherman gab später zu, daß einige seiner Soldaten >Dinge getan hatten, die sie nicht hätten tun dürfen<. Dennoch muß objektiv festgestellt werden, daß weder eine europäische noch eine andere amerikanische Armee diesen Marsch mit weniger Gewalttaten hinter sich gebracht hätte. Es stimmt einfach nicht, wenn behauptet wird, daß die Ausschreitungen der Versorgungstrupps auf eine mangelnde Disziplin von Shermans Soldaten zurückzuführen war. Sherman hatte vor dem Marsch strenge Befehle gegeben. Den Soldaten war es verboten, die Häuser der Bevölkerung zu betreten. Wenn Sherman hätte überall sein können, wäre kein einziges Verbrechen verübt worden.

Shermans Armee zieht in Savannah ein
Shermans Armee zieht in Savannah ein

 

Man darf nicht vergessen, daß die Zerstörung von Lagern und Fabriken auf dem Marsch von großer strategischer Bedeutung gewesen war. Shermans Ziel war es schließlich, die Versorgung der konföderierten Truppen zu schwächen, um den Krieg zu verkürzen.
Es gab böswillige Plünderungen. Die reichen Pflanzer flohen vor Shermans Truppen. Viele von ihnen vergruben ihr Gold, Silber und Schmuck. Oftmals verrieten Sklaven die Verstecke, und es war kein Wunder, daß die Soldaten so lange danach suchten, bis sie es gefunden hatten. Solche Vorfälle waren natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die nur allzugern von den Greueltaten der Yankees berichteten, um die Bevölkerung des Südens noch fester im Widerstand einzubinden. Ohne die Übergriffe zu rechtfertigen, muß man General Sherman jedoch von jeder Schuld freisprechen. Die Disziplin seiner Armee war unumstritten, das bewies sich beim Einmarsch nach Savannah.
Sherman sagte dazu:
»Das Verhalten unserer Truppen in Savannah war so ruhig, selbstbewußt und diszipliniert, wie ich es selten erlebt habe. Niemals verlief die Besetzung einer großen Stadt durch eine so große Armee mit mehr Disziplin und Ordnung als in Savannah, das überfüllt war mit Frauen und Kindern. Niemals war ich stolzer auf meine Leute als in diesem Moment.«

Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn Shermans Offiziere die große Armee nicht voll unter Kontrolle gehabt hätten.


   

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