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Mit freundlicher Unterstützung
Der Marsch durch Georgia
Sherman und Grant
Swinton, einer der besten Biographen Shermans, überlieferte uns folgendes Porträt von Sherman, das nach der Einnahme von Atlanta entstand: Vor allen
anderen Kommandeuren der Nord-Armeen hatte Sherman das geographische
Auge<. Das Gelände seines Aufmarsches lag immer wie eine ausgebreitete
Landkarte vor ihm, in dem er sich jedes Detail vergegenwärtigen
konnte: Anhöhen, Vertiefungen, Flußläufe, Verlauf der
Straßen und Eisenbahnstrecken. Vor seinem geistigen Auge entstand
sogleich ein Bild, wie er das Gelände militärisch nutzen konnte.
US-General William Tecumseh Sherman Sherman war nicht immer gerecht in der Beurteilung seiner Untergebenen, aber er hatte dabei das Ganze im Auge und sah weiter voraus als andere. Als er statt Logan, der bei der Tennessee-Armee von der Schlacht bei Belrnont bis zur Einnahme von Atlanta gedient und erfolgreich alle Rangstufen durchlaufen hatte, General 0.0. Howard das Kommando über die Tennessee-Armee übertrug, verstand selbst General Grant diese Entscheidung nicht und schrieb darüber in seinen Memoiren: »Logan
war sehr gekränkt über die Bevorzugung Howards. Er war der
Ansicht, daß er mehr als jeder andere seine Pflicht in der Tennessee-Armee
getan habe. Ich kann ihm aus eigener Anschauung bezeugen, daß
er sich allen untergeordneten Stellungen, die er als Offizier eingenommen
hat, völlig gewachsen zeigte. Es steht mir nicht zu, die Beweggründe
zu erörtern, die Sherman veranlaßt haben, einen Offizier
von einer anderen Armee (dem zur West-Armee gehörenden Teil der
Potomac-Armee) zu berufen und im Range über General Logan zu stellen.
Ich zweifle nicht im geringsten, daß er diese Wahl getroffen hat,
weil er sie als die beste für den Dienst betrachtete, was weit
wichtiger war, als die persönlichen Gefühle des einzelnen
nicht zu kränken, obgleich ich ebenfalls bezweifle, daß er
einen anderen Offizier unter sich hatte, der den Platz so gut ausgefüllt
hätte, wie Logan es getan haben würde.« Sherman war
ein ausgezeichneter Organisator und Logistiker. Es gibt zwei
Arten von Kommandeuren: Von der einen sagt man, sie würden nie
eine Schlacht gewinnen, auch wenn sie den Sieg davontragen, und auch
keine verlieren, selbst wenn sie verloren geht; immer war es irgendein
Corps-, ein Divisions- oder ein Brigade-Kommandeur, der im entscheidenden
Augenblick einen unerwarteten Ausfall wagte oder mit einer nicht befohlenen
Attacke das Kriegsglück wendete; oder der Feind beging taktische
Fehler, die ihn den Sieg kostete.
Der erste Full General (4 Sterne) der US-Armee seit Georg Washington war Ulysses Simpson Grant Die Kameradschaft, die seit langem zwischen Grant und Sherman bestand, zeugte von der hohen Moral in der Führung der Unions-Armeen. Sherman sagte, daß sie >wie Brüder< wären, beide zu Soldaten erzogen und >auf dem Amboß des Krieges< zusammengeschweißt, beide mit großen Siegen in den Feldzügen im Westen, jeder mit hoher Achtung vor dem anderen und bereit, bei der Planung der letzten großen Feldzüge auf die Fähigkeiten und Voraussicht des anderen zu vertrauen.
Die Lage der Konföderation nach der Einnahme von Atlanta
Taylor schlug
dem Präsidenten vor, Beauregard zum neuen Kommandeur der Army of
Tennessee zu machen - noch lieber wäre ihm Joe Johnston gewesen,
doch er wußte genau, daß der Präsident dem nie zugestimmt
hätte - und zu den Blue Mountains in Alabama zu marschieren, um
von dort aus Shermans Nachschublinien zu zerstören. Dann berichtete
er, daß er Forrest mit 4.500 Mann Kavallerie nach Mittel-Tennessee
beordert hatte, um gegen die Eisenbahnlinie Chattanooga-Nashville zu
operieren. Forrest hatte den Tennessee River am 21. September überquert
und die Eisenbahnlinie Stevenson-Decatur zerstört. Am 27. September
wich er Rousseaus Truppen bei Pulaski aus und stieß zur direkten
Eisenbahnverbindung Chattanooga-Nashville vor. In derselben Nacht sandte
Forrest eine Depesche an Taylor, in der er berichtete, daß der
Norden Truppen zusammenziehe, um ihn und seine Kavallerie aus Tennessee
zu verjagen. Der Allatoona Pass Vor seiner Rückkehr
nach Richmond schaffte Präsident Davis ein neues Kommando für
Beauregard - über ein riesiges Department, das sich von Carolina
über Georgia bis zum Mississippi erstreckte. Damit hatte Beauregard
sein Department - aber keine Truppen. Die einzige noch intakte Armee
- die Army of Tennessee - stand immer noch unter dem Kommando von Hood.
Beauregard hatte nur ein nicht genau definiertes Oberkommando. Er konnte
Hood keine Befehle geben.
Sherman, der
von Hoods Aktionen nicht überrascht war, ließ Slocum mit
seiner Divison im zu einem Fort ausgebauten Atlanta zurück und
setzte sich mit dem Rest seiner Armee nach Norden in Marsch. Von der
Spitze des Kenesaw Mountain aus signalisierte er General John M. Corse,
der den Allatoona Pass heldenhaft verteidigte, den Posten um jeden Preis
zu halten - eine Botschaft, die P.P. Bliss später in seiner Hymne
>Hold The Fort, for 1 am Coming< verherrlichte. Dort traf Hood
Beauregard und unterrichtete ihn über sein Vorhaben, nach Tennessee
einzumarschieren, um Sherman zu zwingen, Georgia wieder zu verlassen.
Wheelers Kavallerie sollte in Georgia zurückbleiben, um Shermans
Truppen zu beobachten oder die einzelnen Marschsäulen anzugreifen,
falls Sherman entschied, statt nach Norden auf Mobile zu nach Süden
zu marschieren. Eine zuversichtliche Armee setzte sich am Morgen des
22. Oktober von Gadsden aus nach Norden in Bewegung. Sie ließ
die Hügel der Sand Mountains hinter sich und erreichte Guntersville
am Tennessee River. Dort erfuhr Hood vom ersten Mißgeschick dieses
von Mißgeschicken geprägten Feldzuges. Forrest, der zu einem
neuen waghalsigen Raid nach West-Tennessee aufgebrochen war, noch bevor
Hood sich zum Tennessee-Feldzug entschlossen hatte, war mehr als 300
Meilen entfernt und konnte bei Guntersville nicht mit Hood zusammentreffen. Schlacht am Allatoona Pass am 5. Oktober 1864 Während
der beiden Monate, die seit dem Waffenstillstand bei Atlanta vergingen,
wurde sowohl im Norden als auch im Süden darüber spekuliert,
was Sherman tun würde. Einige Zeitungen des Südens verglichen
Shermans Lage mit der Napoleons in Moskau. Sie übernahmen die Worte
des Zaren, daß >General Winter< ihr bester Verbündeter
sein würde. Aber der Vergleich hinkte, denn das Winterklima in
Georgia ist nicht mit dem in Mittelrußland zu vergleichen. Außerdem
war Sherman nicht allein auf das angewiesen, was seine Armee mit sich
führte. Sherman konnte sich aus dem Land versorgen, das vor ihm
lag: Die Ernte war eingebracht, die Schweine und Rinder fett, und es
gab genügend Futter für die Tiere. Grant stimmte
zu. Thomas erhielt zu seiner großen Enttäuschung den Befehl,
in Tennessee zu bleiben. Die Corps von Schofield und Stanley wurden
zu ihm beordert. Vier Infanterie-Corps und Kilpatricks Kavallerie blieben
bei Sherman, insgesamt eine Armee von etwa 60.000 Mann. Am 12. November
wurde der Telegraph nach Norden zerstört, die Eisenbahnlinie erneut
unterbrochen. Sherman bereitete sich auf den Marsch zur See vor. In
der Nacht vom 15. zum 16. November 1864 brannte Altanta. Sherman hatte
befohlen, alle öffentliche Gebäude und Lager zu zerstören.
Unvorsichtigkeit, Funkenflug und vielleicht auch Mutwilligkeit führten
dazu, daß nahezu die ganze Stadt in Flammen aufging. Das zerstörte Eisenbahndepot in Atlanta Sherman verfolgte
den Aufbruch von einer Anhöhe bei Decatur aus. Shermans mutige Entscheidung, mit seiner Armee quer durch Georgia zum Meer zu marschieren, statt den Rückzug nach Tennessee anzutreten, ließ so manchen im Norden den Atem anhalten. General Thomas, vor dem Atlanta-Feldzug Kommandeur des Department of the Cumberland, sprach sich dagegen aus. Lincoln war unsicher, er fürchtete ein Debakel. Grant plädierte dafür, erst Hoods Tennessee-Armee zu zerschlagen, bevor Sherman weiter nach Süden vordringt. Aber Sherman war der Ansicht, daß es unmöglich war, Hoods Armee zu besiegen - nicht mit einer einzigen Armee. Und er war entschlossen, sich nicht aus Georgia hinausmanövrieren zu lassen. Sherman hatte viele Dinge zu beachten. Auf seinem Marsch durch Georgia war seine Armee von jeglichem Nachschub abgeschnitten, sie mußte von dem leben, was das Land, durch das sie marschierte, hergab. Am Meer würde er einen neuen Stützpunkt schaffen, über den die Navy des Nordens ihn versorgen konnte. Dazu kam, daß er er beim Durchqueren des Landes die gesamte Ernte requirieren konnte, so daß Hoods Tennessee-Armee bis zur nächsten Ernte unter Nahrungsmangel leiden würde. Sherman war sicher, daß er es Thomas überlassen konnte, Hood aufzuhalten. Mit klugen Rückzügen konnte Thomas Hood in Tennessee aufhalten, bis Sherman seine Armee stark genug glaubte, Hood endgültig besiegen zu können.
Stärke und Ausrüstung von Shermans Armee
Von großer Wichtigkeit war, daß Sherman seine Armee von allen Männern, die nicht vollkommen gesund waren und einen langen Marsch nicht durchstehen würden, als auch allen Nichtkämpfern befreite. Denn die Armee würde auf dem Marsch nirgends sicher sein. Die Wagen wurden für Munition, Verpflegung und Futter benötigt, und es würde unmöglich sein, kranke Männer den langen Marsch mitzuschleppen. Sherman gab zwei General Orders für diesen Marsch aus, die an Klarheit und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Special Field
Orders, No. 119 Der Kommandierende
General erachtet es für notwendig, die Offiziere, Unteroffiziere
und Mannschaften des 14., 15., 17. und 20. Corps zu diesem Zeitpunkt
darüber zu informieren,
Special Field
Orders, No. 120 1. Zum Zweck
von militärischen Operationen wird diese Armee in zwei Flügel
aufgeteilt und zwar wie folgt: Der rechte Flügel unter dem Kommando
von Major-General 0.0. Howard setzt sich aus dem 15. und 17. Corps zusammen;
der linke Flügel unter dem Kommando von Major-General H. W. Slocum
aus dem 14. und 20. Corps. 3. Es wird keinen eigenständigen Wagentroß geben. Jedes Corps wird seine eigenen Munitions- Verpflegungswagen mit sich führen, und zwar wie folgt aufgeteilt: Hinter jedem Regiment sollen ein Wagen und eine Ambulanz folgen, hinter jeder Brigade eine angemessene Anzahl von Munitions-, Verpflegungs- und Ambulanzwagen. Bei eintretender Gefahr sind die Corps-Kornmandanten angehalten, ihre Marschbefehle den Umständen entsprechend zu ändern. Dabei muß darauf geachtet werden, daß sowohl die Vor- als auch die Nachhut nicht von Fahrzeugen behindert werden. Die einzelnen Marschsäulen werden jeweils um 7 Uhr morgens aufbrechen und etwa 15 Meilen am Tag zurücklegen, es sei denn, daß andere Befehle erfolgen. 4. Die Armee wird sich während des Marsches aus dem Land versorgen. Zu diesem Zweck sind die Brigade-Kommandeure angehalten, Versorgungstrupps unter dem Kommando von einem oder mehreren besonnenen Offizieren zusammenzustellen, die in der Nähe der Marschroute an Sammelstellen Viehfutter-, Getreide, Fleisch, Gemüse, Mehl oder alle anderen Dinge, die benötigt werden, anhäufen. Es muß jederzeit sichergestellt sein, daß sich immer für mindestens zehn Tage Verpflegung auf den Wagen befindet und für drei Tage Tierfutter. Die Soldaten sind angehalten, die Häuser der Einwohner nicht zu betreten und nicht mutwillig Besitzstörungen zu begehen. Bei einem Halt oder während des Campierens jedoch ist es erlaubt, sich mit Rüben, Kartoffeln und Gemüse zu versorgen und in Sicht des Camps zu deponieren. Die regulär eingesetzten Versorgungstrupps sind berechtigt, in jedweder Entfernung von der Marschlinie Proviant und Futter zu requirieren. 5. Den Corps-Kommandeuren allein ist es gestattet, den Befehl zur Zerstörung von Mühlen, Häusern, Baumwolldepots usw. zu geben; für diesen Fall gilt ein allgemein gültiges Prinzip: In Landstrichen und Ortschaften, in denen die Armee unbehelligt bleibt, ist eine Zerstörung oben genannter Gebäude verboten; aber sollten Guerillas oder Heckenschützen die Armee während des Marsches stören, oder sollten Einwohner Brücken verbrennen, Straßen zerstören oder uns ähnliche Feindseligkeiten entgegenbringen, dann sind die Corps-Kommandeure angehalten, den Befehl zu einer mehr oder weniger schonungslosen Verwüstung - je nach Ausmaß der Feindseligkeiten - zu geben. 6. Pferde, Maultiere, Wagen usw. der Einwohner können von der Kavallerie und der Artillerie ohne Beschränkung requiriert werden; dabei sollte zwischen den Wohlhabenden, die gewöhnlich feindselig eingestellt sind, und der armen, arbeitsamen Bevölkerung, die meist neutral oder freundlich ist, unterschieden werden. Versorgungstrupps können ebenfalls Pferde oder Maultiere requirieren, um sie gegen erschöpfte Tiere auszuwechseln oder als Packtiere für die Regimenter oder Brigaden zu verwenden. Gleich bei welcher Art Einsatz der Versorgungstrupps sind die Soldaten angehalten, keine Schimpf- oder Schmähworte zu verwenden und von Drohrungen abzusehen. Wenn der kommandierende Offizier es für richtig erachtet, können den Geschädigten Aufstellungen der requirierten Dinge ausgehändigt werden, jedoch keine Quittungen. Der Bevölkerung soll genügend Proviant zurückgelassen werden, der ihre eigene Versorgung garantiert. 7. Arbeitsfähigen Schwarzen, die sich bei den einzelnen Marschverbänden nützlich machen können, ist es erlaubt, mit der Armee zu marschieren, aber jeder einzelne Kommandeur hat zu bedenken, daß die Verpflegung und Versorgung der kämpfenden Truppe absoluten Vorrang hat. 8. Zugleich sollte daran gedacht werden, daß jedes Army-Corps über ein einsatzfähiges Pionierbataillon verfügt, das - wenn irgend möglich - aus Schwarzen zusammengestellt werden sollte. Dieses Bataillon sollte der Vorhut folgen, zerstörte Straßen reparieren oder eventuell ausbauen, so daß die Armee auf ihrem Marsch nicht aufgehalten wird. Ebenso sollten die kommandierenden Offiziere darauf achten, daß die Straßen für die Wagen und die Artillerie frei bleiben, und die Truppen anhalten, neben der Straße zu marschieren und helfend einzuspringen, wenn Wagen an Steigungen oder Flußübergängen in Schwierigkeiten geraten. 9. Chefingenieur Captain O.M. Poe wird beiden Flügeln der Armee je eine voll ausgerüstete und gut ausgebildete Brückenkolonne zuteilen, und die Corps-Kommandeure haben dafür Sorge zu tragen, daß diese zu jeder Zeit ihrem besonderen Schutz unterstehen. Im Auftrag von Major-General W.T. Sherman, L.M. Dayton, Adjutant
60 Meilen breit war Shermans Pfad der Verwüstung
Der Marsch zum Meer
Am
Morgen des 16. November 1864, 7 Uhr, begann Sherman seinen Marsch zum
Meer. Seine Soldaten wußten nicht, daß Savannah das Ziel
ihres Kommandierenden Generals war. Die meisten glaubten, daß
sie auf Richmond zumarschieren würden, um dort mit Grant und seiner
Potomac-Armee zusammenzutreffen. General
Slocum marschierte mit dem 14. Corps des linken Flügels
an Decatur vorbei. Er hatte den Befehl erhalten, die Eisenbahnlinie
von Social Circle nach Madison und die Eisenbahnbrücke östlich
von Madison über den Oconee River zu zerstören. Dann sollte
er nach Süden marschieren und am selben Tag, wenn Howard in
Gordon eintraf, vor Milledgeville erscheinen. Der Tag des Aufbruchs
der Tennessee-Armee von Atlanta stürzte die Konföderation
in große Verwirrung und löste in der politischen und militärischen
Führung Bestürzung aus. General Cobb, der Department-Kommandeur
von Georgia, sandte eine eindringliche Bitte um Hilfe nach Richmond: Bei Covington
teilte Sherman den linken Flügel. Sherman blieb beim 14. Corps,
das direkt auf Milledgeville vorrückte, während Slocum mit
dem 20. Corps auf Madison zumarschierte, östlich der Stadt den
Oconee River erreichte und die Eisenbahnbrücke von Gearys Division
zerstören ließ. Für den Feind mußte es aussehen,
als plane Slocum einen Angriff auf Augusta. Doch das 20. Corps schwenkte
bald darauf nach Süden ab, um sich vor Milledgeville wieder mit
dem 14. Corps zu vereinen. Sherman erhielt einen Report von General Howard, daß er Gordon Station, nur etwa 12 Meilen südlich von Milledgeville, erreicht habe, wo die Eisenbahnlinie von der Hauptstrecke Macon - Savannah nach Milledgeville abzweigt. Er hatte seinen Scheinangriff auf Macon ausgeführt, indem er mit seinen beiden Corps direkt auf den Ocmulgee River zumarschiert war und ihn über eine Pontonbrücke überquert hatte. Dann hatte er mit dem 17. Corps die Richtung nach Osten auf Gordon Station zu eingeschlagen, während Kilpatricks Kavallerie den Scheinangriff auf Macon fortsetzte. Kilpatrick trieb den Feind bis hinter die Befestigungen von Macon zurück. Er nahm die ersten Brustwehren ein, konnte sie jedoch nicht halten und schwenkte zurück zu Howards Infanterie. Bei Griswold Station stieß er wieder zu P.J. Osterhaus' 15. Corps, das jetzt entlang der Eisenbahnlinie auf Gordon Station vorrückte und hinter sich verbrannte Eisenbahnschwellen und verbogene Gleise zurückließ. Am
22. November wurde die Nachhut, die aus C.R. Woods Division zusammengestellt
worden war, von Macon aus schwer bedrängt, konnte den Angriff
aber abschlagen. General Grant schreibt dazu in seinen Memoiren: Der Gouverneur, der früher Herrn Davis (dem Präsidenten der-Südstaaten) beinahe Trotz geboten hätte, ergriff nun schleunigst die Flucht, ebenso wie die Legislatur und alle Staatsbeamten. Der Gouverneur trug jedoch, wie Sherman erzählte, Sorge, daß er die Gemüseaus seinem Garten mitnahm, während er die Staatsarchive zurückließ, so daß dieselben in unsere Hände fielen. Die einzige Militärmacht, die dem Vormarsch Shermans Widerstand leistete, waren die Miliz des Staates Georgia, eine Divison unter dein Befehl des Generals G. W. Smith und ein Bataillon unter dem Kommando von Harry Wayne. Jedoch war weder die Qualität der Truppen noch ihre Zahl ausreichend, um das Vorrücken der Armee Shermans auch nur zu verzögern. Die Führung des Südens war über die erfolgreiche Invasion des Staates Georgia so erschrocken, daß sie jetzt die Kadetten aus der Militärschule nahm und in die Miliz einreihte. Sie setzte sogar die Staatsverbrecher gegen das Versprechen, in der Armee Dienst zu nehmen, in Freiheit. Ich bezweifle nicht im geringsten, daß die größten Übeltaten, die Shermans Armee zugeschrieben wurden, von diesen Verbrechern und anderen Leuten des Südens begangen worden sind - Leuten, wie man sie in jeder Gemeinde des Nordens und Südens findet, die sich hätten im Zuchthaus befinden sollen und die günstige Gelegenheit der Invasion ihres Vaterlandes zur Begehung von Verbrechen benutzten. Sie liefen nur wenig Gefahr, entdeckt oder - selbst wenn sie entdeckt wurden - bestraft zu werden. Die Zeitungen
des Südens schilderten bei Erörterung der Bewegungen Shermans
dessen Lage als höchst traurig und behaupteten, seine Leute wären
dem Verhungern nahe, befänden sich in demoralisiertem Zustande,
wanderten fast ohne Sinn umher und suchten nur die Meeresküste
zu erreichen, um sich unter den Schutz unserer Flotte zu stellen. Diese
Schilderungen kamen auch nach dem Norden, übten dort mehr oder
weniger Wirkung aus auf die Stimmung der Bevölkerung und riefen
bei allen loyalen Leuten und namentlich denen, die Gatten, Söhne
oder Brüder in Shermans Armee hatten, große Trauer hervor. Shermans Artillerie auf dem Marsch zum Meer Die führenden
Generäle des Südens schienen den Kopf zu verlieren. Der Scheinangriff
auf Augusta versetzte sie in Panik. Dringende Hilferufe wurden an den
Präsidenten jefferson Davis gesandt. Am 19. November traf General
Hardee ein, und Shermans Scheinangriff auf Augusta war so perfekt inszeniert,
daß sowohl Hardee als auch Cobb sicher waren, daß Shermans
Ziel nur Augusta sein konnte. Sie setzten sofort alle verfügbaren
Truppen von Macon aus nach Augusta in Marsch, um doch nur ein paar Tage
später zu erkennen, daß Sherman sie getäuscht hatte
und auf Milledgeville vorstieß.
Generals Beauregards Proklamation: Volk von Georgia! Erhebt Euch zur Verteidigung Eurer heimatlichen Erde! Sammelt Euch um Euren patriotischen Gouverneur und Eure tapferen Soldaten! Zerstört alle Straßen vor Shermans Armee, an ihren Flanken und hinter ihr, und diese Armee wird inmitten unseres Landes zugrunde gehen! Bleibt standhaft! Vertraut der göttlichen Vorsehung, und Eure Bemühungen werden von Erfolg gekrönt sein. Ich bin auf dem Wege zu Euch, um euch bei der Verteidigung Eures Heimes zu unterstützen! Senator Hills Appell: Volk von
Georgia! Nie wieder werdet Ihr eine solche Gelegenheit erhalten, den
Feind zu vernichten! Stellt alles, was Ihr besitzt, Euren Generälen
zur Verfügung. Schafft jeglichen Proviant aus der Marschrichtung
unseres Feindes fort und zerstört alles auf seinem Weg. Jeder einzelne
Bürger mit seiner Waffe und jeder Neger mit seinem Spaten oder
seiner Axt kann die Aufgabe eines Soldaten erledigen. Ihr könnt
den Gegner vernichten, indem ihr seinen Vormarsch verzögert. Leute
von Georgia, seid standhaft! Handelt umgehend und habt keine Furcht! Das Ziel war jetzt Millen. In Millen zweigte die Eisenbahnlinie nach Augusta von der Strecke Macon - Savannah ab. Der rechte Flügel unter General Howard hatte den Befehl, dem Schienenstrang der Georgia Central zu folgen, während Slocum mit dem linken Flügel über Sandersville, Davisborough und Louisville auf Millen vorstoßen sollte. Kilpatrick sollte
mit seiner Armee einen Bogen nach Norden schlagen und Millen stürmen,
um die dort festgehaltenen Kriegsgefangenen zu befreien. Am 24. November nahm Sherman die nördliche Route mit dem 20. und 14. Corps, die Sandersville gemeinsam am 26. November erreichten. Eine Brigade der konföderierten Kavallerie kreuzte hier ihren Weg, wurde jedoch schnell von Scharfschützen vertrieben. Auf dem weiteren Marsch mußte Sherman feststellen, daß die Bevölkerung ihre Vorräte an Proviant und Futter vernichtete, um sie nicht in die Hände der Invasoren fallen zu lassen. Sherman ließ die Bevölkerung wissen, daß er seine Order, die Menschen auf seinem Marsch möglichst zu verschonen, zurückziehen und eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen würde, wenn die Vernichtung der Vorräte weiterginge. Seine Warnung wurde gehört und beachtet, und mit sehr wenigen Ausnahmen überließ man Sherman auf dem weiteren Marsch, was er ihnen abnahm. Es war besser, als alles zu verlieren. Kilpatrick rückte rasch auf Waynesborough zu, einem Ort etwa auf halbem Weg von Millen nach Augusta an der Eisenbahnstrecke Millen - Augusta. Auf diesem Raid stieß er ein paarmal auf Wheelers Kavallerie. Es gab einige Scharmützel, aber Wheeler ließ es nicht auf eine größere Auseinandersetzung ankommen. Kilpatrick erfuhr,
daß die Unions-Gefangenen von Millen nach Augusta gebracht worden
waren, und er kehrte nach Louisville zurück. Sherman befahl ein
weiteres Vorrücken auf Waynesborough. Er gab Kilpatrick eine Infanteriedivision
mit, um einen Angriff auf Augusta vorzutäuschen. Sherman hatte seine Armee ein zweitesmal rund um einen wichtigen strategischen Punkt versammelt. Seine Soldaten waren durch die gute Versorgung in exzellenter Verfassung. Er hatte zwei Drittel seines Marsches zur See hinter sich gebracht, ohne auf bedeutenden Widerstand gestoßen zu sein. Aber Sherman war sich klar darüber, daß er bald in Gebiete kam, in denen die Versorgung seiner Armee nicht so problemlos war und sie mehr und mehr auf die Vorräte angewiesen sein würden, die sie in ihren Wagen mit sich führten. Auf diesem zweiten Abschnitt seines Marsches erreichte die Bestürzung des Feindes ihren Höhepunkt. Am 22. November mußte General Cobb in Augusta eingestehen, daß er nicht mehr als 4.000 Mann unter Waffen hatte und die Bevölkerung es an Willen mangeln lasse, sich dem Feind entgegenzustemmen. Am 23. November mußte Hardee den Rückzug Wheelers von Clinton und den Colonel Cross' von Griswold melden und zugeben, daß er fast keine Informationen über den Feind besitze. Braxton Bragg, der nach Augusta beordert worden war, konnte nur noch konstatieren, daß Shermans Armee sich zwischen die Garnisonen von Macon und Augusta geschoben hatte und ihm nur die Miliz der östlichen Armee zur Verfügung stand, die unbedeutend an Zahl, schwach in Organisation und Disziplin und sehr schlecht ausgerüstet war. Eine Offensive mit diesen Truppen war unmöglich. Das Gerücht, daß Shermans Ziel Charleston sei, alarmierte die Carolina-Staaten. Dieselben Hilferufe wie vordem aus Georgia erreichten Richmond. Beauregard rief immer lauter nach Verstärkung. Wade Hampton wurde nach Augusta geschickt, um eine neue Kavallerie-Einheit aus dem Boden zu stampfen. Neben den Verwüstungen, die Sherman dem Land zufügte, preßten nun auch die Südstaatentruppen alles aus dem Land heraus, um eine wirksame Verteidigung organisieren zu können. Damit hatte Sherman ein zweites Ziel erreicht: Das Herz des Südens, Georgia, die Speisekammer der Konföderation, war vollkommen ausgeblutet. Für Sherman bedeutete das, daß er seinen Marsch so schnell wie möglich hinter sich bringen mußte, um das Meer zu erreichen, wo er von der Unionsflotte versorgt werden konnte. Sherman stieß von Millen aus geradewegs auf Savannah zu. Seine Armee marschierte auf vier parallelen Straßen. Er trieb eine konföderierte Division von 10.000 Mann starken irregulären Truppen vor sich her, die nicht in der Lage waren, ihm Widerstand zu leisten. Die vier Corps machten mit Leichtigkeit ihre 15 Meilen pro Tag, das Wetter und die Straßen waren gut. Das einzige, was an Krieg erinnerte, waren Kilpatricks Kanonen, die im Norden in einzelnen Scharmützeln eingesetzt wurden. Das 17. Corps zerstörte den Schienenstrang bis zu den Ufern des Ogeechee River, wo die Konföderierten sich verschanzt hatten. Als sie jedoch sahen, daß Shermans Truppen sie in die Zange zu nehmen drohten, zogen sie sich hastig zurück. Bis Savannah waren es nur noch 50 Meilen. Die zurückweichenden Konföderierten legten Minen auf den Straßen, und einer von Shermans Offizieren wurden schwer verwundet. Sherman bezeichnete diese Art von Kriegsführung als Mord, und er stellte einen Trupp von gefangengenommenen Südstaatlern zusammen, der die Minen aufspüren und entfernen sollte. Am 8. Dezember erreichte Shermans Vorhut Pooler's Station, das nur 8 Meilen von Savannah entfernt lag. Er mußte erkennen, daß das Gelände bis zur Stadt mit Schützengräben durchzogen war, so daß seine Armee sich auf die Belagerung einstellen mußte. Am 9. und 10. Dezember brachte er seine Armee in Stellung. Das 14. Corps beorderte er auf die linke Seite ans Ufer des Savannah River. Daneben das 20.
Corps, anschließend das 17. und auf die rechte Seite das 15. Corps.
Savannah liegt etwa 20 Meilen von der Küste entfernt. In einer
Entfernung von 12 bis 15 Meilen südöstlich mündet der
Ogeechee River in den Atlantik. An seinem Ufer liegt Fort McAllister,
das den Fluß und den Ossabaw Sound kontrolliert. Soldaten der 21. Michigan Infanterie Kilpatrick umrundete das Fort, um zu versuchen, mit der im Ossabaw Sound vermuteten Flotte Kontakt aufzunehmen. Die Flotte befand sich tatsächlich im Sound. Sherman brauchte jetzt nur noch einen überhöhten Punkt, von dem aus er über Signale mit der Flotte in Verbindung treten konnte. Sie fanden eine alte Reismühle, auf der sie eine Plattform errichteten. Sherman war von diesem Moment an in Signalverbindung mit allen seinen Landtruppen und konnte auch die Schornsteine der Schiffe jenseits von Fort McAllister im Sound sehen. Captain Duncan,
einer von General Howards besten Scouts, fuhr mit einem Boot an Fort
McAllister vorbei den Ogeechee River hinab und erreichte die Flotte
Admiral Dahlgrens, die vor den Tybee, Warsaw und Ossabaw Sounds auf
Reede lag. Duncan informierte den Admiral über Shermans derzeitige
Lage. Sherman wußte, daß er Fort McAllister nehmen mußte,
um die Verbindung seiner Armee zur Flotte Dahlgrens sicherzustellen. Die Kanonen von Fort McAllister beherrschen den Ossabaw Sound
In dieser denkwürdigen
Nacht des 13. Dezember 1864 wurde Sherman klar, daß er seinen
>Marsch zum Meer< erfolgreich zu Ende geführt hatte. Es wurde
nach Washington zum Kriegsminister telegraphiert. Es war eine einzige
Erfolgsmeldung: Die Tennessee-Armee war in ausgezeichneter Verfassung;
die Verbindung zur Flotte war durch die Einnahme Fort McAllisters hergestellt;
sämtliche Eisenbahnverbindungen waren während des Marsches
zerstört worden; nicht ein Wagen war verlorengegangen; zwei Kanonenboote
waren bereits auf dem Savannah River gekapert worden; Hardee hielt Savannah
noch mit 15.000 Mann, aber Sherman war sicher, daß es nach einer
Woche fallen würde. Savannah mit Blick nach Osten auf Fort Jackson
Er versprach Hardee, die Stadt vor Zerstörung zu bewahren, drohte jedoch, mit aller Härte vorzugehen, wenn Hardee sich auf Widerstand einrichtete. Dann könne er nicht garantieren, daß Savannah nicht von seinen Soldaten in Schutt und Asche gelegt würde, wenn man die Bevölkerung ausgehungert hätte. Schließlich gehöre Savannah zu den großen Städten des Südens, die sich vehement für die Teilung der Union eingesetzt und das Land in den unseligen Bürgerkrieg gedrängt hätten. Sherman fügte dieser Nachricht folgendes hinzu: »Ich füge eine Kopie von General Hoods Bedingungen bei, die er bei der Übergabe der Stadt Resaca an mich stellte, damit Sie erkennen, was meine Zusicherungen wert sind.« Hardee weigerte
sich, Savannah aufzugeben. Noch beherrschten seine Soldaten sämtliche
Verteidigungslinien, und es bestand noch Verbindung zu seinem vorgesetzten
Offizier. Um auch diese Verbindung zu unterbrechen, mußte Sherman
seinen linken Flügel auf das nördliche Ufer des Savannah verlegen.
Das brachte Probleme mit sich, denn die andere Seite des Flusses war
immer noch vom Feind besetzt und wurde mit Kanonenbooten kontrolliert.
Die Gefahr bestand, daß eine Pontonbrücke sofort unter Beschuß
der feindlichen Artillerie geriet und die übergesetzten Truppen
abschnitt. Am 20. Dezember brach Sherman mit einem Boot nach Port Royal
auf, wo er mit Foster und Dahlgren konferieren wollte. Er schlug vor,
gegen die feindlichen Einheiten den Broad River hinauf vorzugehen, so
daß die Eisenbahnlinie nach Norden zerstört werden konnte.
Dann konnte man die einzelnen Verteidigungslinien Hardees stürmen. Doch bevor
Shermans Pläne in die Tat umgesetzt werden konnten,
General Hardees
Konföderierte Truppen verlassen über eine Pontonbrücke
Am 21. Dezember
nahmen Shermans Truppen die Verteidigungslinien ein. Am nächsten
Morgen ritt der von Port Royal zurückgekehrte Sherman in die Stadt
ein.
Die Auswirkungen von Shermans Marsch durch Georgia
Über Shermans Marsch zum Meer gibt es unzählige Berichte von Greueltaten, die seine >Bummers< begangen haben sollten. Natürlich hat es Ausschreitungen der Soldaten gegeben, doch das ist bei einer Armee von 60.000 Mann niemals ganz zu vermeiden. Auch Sherman gab später zu, daß einige seiner Soldaten >Dinge getan hatten, die sie nicht hätten tun dürfen<. Dennoch muß objektiv festgestellt werden, daß weder eine europäische noch eine andere amerikanische Armee diesen Marsch mit weniger Gewalttaten hinter sich gebracht hätte. Es stimmt einfach nicht, wenn behauptet wird, daß die Ausschreitungen der Versorgungstrupps auf eine mangelnde Disziplin von Shermans Soldaten zurückzuführen war. Sherman hatte vor dem Marsch strenge Befehle gegeben. Den Soldaten war es verboten, die Häuser der Bevölkerung zu betreten. Wenn Sherman hätte überall sein können, wäre kein einziges Verbrechen verübt worden.
Man darf nicht
vergessen, daß die Zerstörung von Lagern und Fabriken auf
dem Marsch von großer strategischer Bedeutung gewesen war. Shermans
Ziel war es schließlich, die Versorgung der konföderierten
Truppen zu schwächen, um den Krieg zu verkürzen. Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn Shermans Offiziere die große Armee nicht voll unter Kontrolle gehabt hätten.
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