Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© James Walker 1976 "Der Spanische Westen"
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA (LOC) und des US Nationalarchiv (NARA)

 


 Der Patron

 


Der Spanische Westen

 

 

Als Cabeza de Vaca, ein verschollener spanischer Entdecker, 1536 nach achtjährigem Herumstreifen in Teilen des riesigen Gebiets, das später der amerikanische Westen werden sollte, aus der Wildnis auftauchte, berichtete er:
„ Es ist zweifellos das beste aller Länder Indiens. Tatsächlich braucht es nichts weiter, um gesegnet zu sein."
Spätere Generationen von Bewohnern des amerikanischen Westens konnten das Land als doppelt gesegnet betrachten - zum einen durch die Früchte der spanischen Kultur und Arbeit und zum anderen durch die natürlichen Gegebenheiten, die es in hervorragendem Maße auszeichneten.
Dreihundert Jahre lang war das Territorium nördlich von Mexiko Teil des riesigen spanischen Reiches. Die ersten Abenteurer, die in die Region eindrangen, kamen auf der Suche nach Gold und Silber dorthin.
Später zogen Missionare, Viehzüchter und Bauern in die Wildnis und brachten ihre Sitten und Gesetze, ihre Kunst und Architektur sowie ihre Tiere und ihren Ackerbau mit. Und als ihre angelsächsischen Gegenspieler schließlich den Schauplatz betraten, stellten sie häufig fest, daß, wie ein Beobachter es ausgedrückt hat,
„ ihnen die zermürbende Pionierarbeit bereits abgenommen worden war".

 

Die Eroberungen des Hernán Cortés

 

Es war ein Beweis für den spanischen Mut - oder die spanische Arroganz -, daß die Konquistadoren sich mit nur ganz geringem Menschenpotential auf die riesigsten Unternehmungen einließen. Niemand setzte sich über ganz offensichtlich schlechte Chancen wagemutiger hinweg als Hernän Cortes.
1519 segelte Cortes mit 508 Soldaten von Kuba aus zum mexikanischen Festland mit der Absicht, das Aztekenreich zu erobern - eine hochzivilisierte Nation von elf Millionen Indianern, die über ein Gebiet herrschte, das größer war als ganz Spanien. Indem er dies vollbrachte, erwies sich Cortes als kühler und furchtloser Kämpfer, als brillanter Taktiker und Meister der Diplomatie. Doch er war auch in erstaunlichem Maß vom Glück begünstigt.
Villa Rica de Vera Cruz (Reiche Stadt vom wahren Kreuz)                                                                                                                                    
Spanier und Totonac erbauen in gemeinsamer Arbeit den ersten europäischen Außenposten in Mexiko. Cortes nannte ihn Villa Rica de Vera Cruz (Reiche Stadt vom wahren Kreuz) und gab ein Beispiel, indem er wie die Indianer manuelle Arbeiten verrichtete. Es war eine für Spanien typische befestigte Stadt mit einem Platz, einem Arsenal und einer Kirche - die rechts halb vollendet zu sehen ist. Dieses Gemälde und die folgenden wurden 1698 von Miguel Gonzalez in Öl auf Perlmutt gemalt.

Das Jahr 1519 war zufällig der Zeitpunkt, für den aztekische Priester die Rückkehr ihres großen weißen Gottes, Quetzalcoatl, prophezeit hatten. Der Legende nach war dieser Gott fünf Jahrhunderte zuvor davongegangen und hatte geschworen, eines Tages aus den Wassern im Osten wiederaufzutauchen. Die Ankunft der geharnischten, hellhäutigen Männer auf vierbeinigen Tieren schien das übernatürliche Ereignis anzukünden und erregte große Unruhe.Durch einen weiteren Glücksfall erwarb sich Cortes eine wertvolle indianische Verbündete. Malinche war die Tochter eines Aztekenhäuptlings, der von den Maya auf der Halbinsel Yucatan, wo Cortes zuerst gelandet war, als Sklave gehalten wurde. Die Maya boten sie Cortes als Friedensgeschenk an. Da Dona Marina - wie er sie nannte - eine Frau aus edlem Geblüt war, kannte sie sich in der aztekischen Machtstruktur aus. Als Cortes' ergebene Geliebte verhalf sie ihm zu seinen Triumphen, indem sie Gespräche übersetzte und Pläne zur Niederwerfung ihres eigenen Volkes schmiedete.
Cortes' erster Schritt zur Eroberung bestand darin, den befestigten Seehafen von Veracruz zu bauen. Dann startete er eine subtile Kampagne zur Unterminierung der Azteken. Durch Marina hatte er erfahren, daß er es nicht mit einer einheitlichen Nation zu tun hatte, sondern mit einer Sammlung von verärgerten Vasallenstaaten, die jedes Jahr gezwungen waren, den aztekischen Göttern Hunderte von jungen Kriegern zu opfern.
Von Veracruz aus agierend, gewann Cortes die unterworfenen Totonac und Tlaxcala für seine Sache und bezwang dann einen dritten Stamm, die Cholula. Verblüfft über die Erfolge der Spanier, schickte der Aztekenherrscher Moctezuma Gold und Juwelen. Dann lud er Cortes ein, in Frieden als Ehrengast in die aztekische Hauptstadt Tenochtitlän zu kommen.

Befriedung mittels Schwert und KreuzDie Spanier benutzten beim Umgang mit den Indianern Mexikos sowohl das Schwert als auch das Kreuz. Auf diesem Gemälde tauft ein Priester rechts Bekehrte, während links ein Soldat einem indianischen Spion die Hände abhackt. Vorn rechts brät eine hungrige Gruppe von Konquistadoren einen Hund. Die Hintergrundszenen zeigen militärische Bewegungen und ein Scharmützel mit den Tlaxcala. Im Mittelgrund links besiegeln die Indianer Ihr Bündnis mit den Europäern auf einem Bankett.
Als die Spanier sich der - auf Inseln in einem See erbauten - Hauptstadt näherten, waren sie von ihrer Pracht wie gelähmt. Die geräumigen Paläste, duftenden Gärten und monumentalen Tempel veranlaßten Cortes zu dem Ausspruch, er sähe „die schönste Stadt in der Welt" vor sich.
Moctezuma empfing seine Gäste sehr freundlich und brachte sie in einem großartigen Palast neben seinem eigenen unter. Cortes akzeptierte eine Woche lang die üppige Gastfreundschaft. Dann erzwang er sich in Begleitung einiger vertrauenswürdiger Männer und der ihm ergebenen Marina den Zugang zu Moctezumas Palast, nahm den Herrscher gefangen und ließ sich von ihm Schätze im Wert von mehreren Millionen Dukaten aushändigen.

Plötzlich tauchten Schwierigkeiten auf. Von der Küste kam die Nachricht, daß soeben mehr als 800 Spanier in Veracruz gelandet waren. Cortes nahm an, daß sie vom Gouverneur von Kuba, der seit langem sein Feind war, geschickt waren, und zwar einzig und allein zu dem Zweck, ihn abzusetzen und ihm seine Beute zu stehlen. Cortes ließ eine kleine Streitmacht in Tenochtitlän zurück, eilte hinunter nach Veracruz, schlug seine Landsleute und überredete sie dazu, sich ihm anzuschließen. Zu diesem Zeitpunkt standen etwa 1100 Spanier unter der Fahne des Konquistadors. Doch als er sie zurück nach Tenochtitlän führte, erschütterte eine Revolution die Stadt. Cortes befahl Moctezuma, die Leute zu beruhigen. Der unglückselige Herrscher versuchte der Aufforderung nachzukommen, wurde jedoch zu Tode gesteinigt.

Cortes und seinen Männern blieb keine andere Wahl, als zu fliehen. Bei dem chaotischen Rückzug versuchten viele der Spanier, über die Kanäle der Stadt zu schwimmen, und wurden vom Gewicht der Gold- und Silberketten, die sie um ihre Hüften geschlungen hatten, hinabgezogen; insgesamt starben etwa 700 Soldaten. Cortes überlebte jedoch und verbrachte das nächste Jahr damit, eine neue Armee von indianischen Verbündeten aufzubauen. Tlaxcala und Totonac blieben den Spaniern gegenüber loyal, und andere Vasallenstaaten, darunter das bevölkerungsreiche Texcoco, schlossen sich den Europäern an. Der endgültige Krieg um die Herrschaft dauerte fast vier Monate und kostete auf beiden Seiten das Leben von ungefähr 150´000 Indianern; die spanischen Verluste dagegen waren gering. Cortes eroberte Tenochtitlän durch eine kluge Strategie erneut. Er baute in Tlaxcala 13 Schiffe, nahm sie auseinander und ließ die Teile zu dem See tragen, der Tenochtitlän umgab. Von dort aus startete er einen Angriff zu Wasser. Am 13. August 1521 wurden die letzten der aztekischen Verteidiger getötet - und der rachsüchtige Konquistador vollendete die Zerstörung von Tenochtitlän, indem er es dem Erdboden gleichmachte.

Cortes baute die Stadt als spanische Metropole wieder auf. Kaiser Karl V. bestätigte seine Herrschaft, indem er ihn zum Statthalter von ganz Neuspanien ernannte. Und als Cortes 1529 mit einem Gefolge von 40 indianischen Adligen heimsegelte, belohnte ihn der Kaiser mit einem Besitz von 65´000 Quadratkilometern und vielen Tausenden von Untertanen in Mexiko. Seine politischen Machtbefugnisse wurden von Karl V. jedoch eingeschränkt, und Cortes widmete sich in dem neugeschaffenen Vizekönigreich Neuspanien der Bewirtschaftung seiner Güter und veranlaßte neue Expeditionen.
Im Jahre 1540 kehrte der große Konquistador in sein Heimatland zurück, wo er sieben Jahre später als Zweiundsechzigjähriger starb.
Einreiten von  Cortes und seinen Männern in Tenochtitlän

Während Herolde Trompete blasen, reiten Cortes und seine Männer in Tenochtitlän, der Hauptstadt des Aztekenreichs, ein. Im Hintergrund schwenken indianische Adelige auf Barken grüne Federn und schlagen zur Begrüßung die Trommel. Cortes befürchtete einen Hinterhalt, begegnete aber nur Frieden und Freund schaft.

Die Stadt selbst war so schön, daß einer der Spanier erklärte:
„ Diese großen Gebäude, die sich dort aus dem Wasser erhoben, kamen mir wie märchenhafte Phantasiegebilde vor."

Herrscher der Azteken

 

 

 

 

Auf den Schultern mehrerer Vasallen wird Moctezuma, der Herrscher der Azteken, herbeigetragen, um Cortes zu begrüßen.

Bei dem Treffen schenkte er dem Spanier ein Paar goldene Halsbänder, von denen goldene Krabben hingen - die Insignien des seit langem verschwundenen Gottes Quetzalcoatl.

Dann neigte der indianische Herrscher vor dem Konquistador den Kopf und verkündete:

„Du bist in deine Stadt gekommen. Du bist hierhergekommen, um auf deinem Thron zu sitzen."

 

 

 

 

 

gefangener Aztekenherrscher

 

 

 

 

 

Der gefangene Aztekenherrscher versucht seine rebellierenden Untertanen zu beruhigen, wird jedoch von einem Hagel von Steinen empfangen.

Der Aufstand, der sechs Monate nach der Ankunft der Spanier in Tenochtitlän ausbrach, wurde durch die Brutalität eines Offiziers, Pedro de Alvarado. ausgelöst, der 200 Adelige und Priester ermordete, die er einer Verschwörung verdächtigte.

Während des Rückzugs aus der Hauptstadt verlor Cortes seinen gesamten Schatz sowie den größten Teil seiner Armee.

 

 

 

Rückkehr von Cortes

 

 

 

 

 

 

Ein gutes Jahr nach seiner Vertreibung aus Tenochtitlän eroberte der mit einem roten Federbusch geschmückte Cortes die Stadt mit Hilfe von Schiffen zurück.

Daraufhin stürzten die siegreichen Spanier die Götterbilder der Azteken (rechts, Vordergrund).

Der letzte Aztekenherrscher, der vor Cortes gebracht wurde, erklärte: „Ich habe bei der Verteidigung meiner Stadt meine Pflicht getan. Nehmt diesen Dolch und tötet mich."

Statt dessen ließ Cortes ihn grausam foltern und schließlich hängen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Sir Francis Drake

 

Der Engländer, den die Spanier El Dragón nannten

 

Spaniens Expansion in der Neuen Welt wurde paradoxerweise von seinem Erzfeind, dem englischen Patrioten und Piraten Francis Drake, vorangetrieben. Drake war der Sohn eines Bauern und fuhr schon in jungen Jahren zur See. Er begann seine Laufbahn, indem er Sklaven von Afrika in Spaniens karibische Kolonien verschiffte.

Als sich dann Englands Beziehungen zu Spanien verschlechterten, wandte er sich gegen seine ehemaligen Kunden. Von Florida bis Panama kaperte er Schiffe oder hielt ganze Städte bis zur Zahlung eines Lösegelds besetzt und verdiente sich dabei den Namen EI Dragón, „der Drache".

Im Jahre 1577 segelte Drake mit dem geheimen Einverständnis von Königin Elizabeth I. durch die Magellanstrage in den Pazifischen Ozean, den Spanien als sein Privatmeer betrachtete, und plünderte sich seinen Weg die südamerikanische und die mexikanische Küste hinauf.

Nachdem er seine "Golden Hind" mit spanischen Reichtümern gefüllt hatte, segelte Drake auf der Suche nach einem sicheren Hafen weiter nach Norden. Am 17. Juni 1579 ging er in einem kleinen Hafen nördlich der Bucht von San Francisco vor Anker, nahm das Land für Königin Elizabeth I. in Besitz und nannte es Nova Albion (Neues England).

Drake kehrte über den Pazifischen Ozean nach Hause zurück und umsegelte damit als zweiter die Welt. Die Königin kam persönlich an Bord der
"Golden Hind", um ihren Anteil entgegenzunehmen.

 

 

Als Spanien 1588 seine Armada aus 132 Schiffen gegen England schickte, trug Sir Francis als Vizeadmiral und Kommandant von 30 Kriegsschiffen zu ihrer Vernichtung bei. Danach fuhr er bis zu seinem Tod im Jahr 1596 fort, Spaniens Besitztümer in der Karibik zu überfallen. Seinetwegen konnten die Spanier ihre Vorherrschaft in der Neuen Welt nicht mehr für gesichert halten. Sie verstärkten ihre Befestigungen und bauten schnellere Schiffe. Vor allem schien es ratsam, nach Norden zu eilen, um auch ihre fernsten Regionen zu besiedeln und damit Englands Anspruch auf die Westküste von Nordamerika auszulöschen.

Ein Konquistador trug eine glänzende Rüstung und an der Seite Rapier und Dolch aus Toledo.

Ein Fußsoldat kämpfte mit einer nach jedem Schuß neu zu ladenden Luntenschloßmuskete und einer Hellebarde mit Staglspitze, mit der der Feind erstochen oder auch umgerissen werden konnte.

 

Von Waffen singe ich und dem Helden,
Des endlose, nie ermüdende Geduld
Sich hinzieht über einen Ozean von Plagen.
Der den Fängen vergifteten Neides trotzt
Und immer tapfre Heldentaten vollbringt

 

Mit diesem hochtrabenden Gedicht feierte ein spanischer Soldat des frühen 17. Jahrhunderts den furchtlosen Abenteurer, der von Mexiko auszog, um die Eroberungen der ersten Konquistadoren zu festigen.

Während der nächsten 200 Jahre konkurrierte Spanien mit den aufstrebenden Großmächten Frankreich und England darum, „die ganze noch verborgene Welt zu entdecken" - wie es der Soldatendichter formulierte - und das Evangelium unter den Eingeborenen zu verbreiten.

Zuerst schienen die Spanier große Fortschritte in ihrer gottgefälligen Arbeit zu machen. Indianergruppen wurden entweder durch Uberredung oder mit Gewalt dazu gebracht, mitzuhelfen beim Bau von Missionen entlang einer Frontier, die sich schließlich vom heutigen Kalifornien bis nach Osttexas erstreckte.

Doch die Gier der Spanier und die Fehler, die sie machten, bewirkten, daß die Indianer sich von ihren weißen Mentoren abwandten. Statt als Retter betrachtet zu werden, die Dankbarkeit und Ehrerbietung verdienten, kamen die Spanier in den Ruf von überaus gefährlichen Eindringlingen.

 

 

 

Ein Handbuch aus dem 18. Jahrhundert zeigt, wie ein spanisches Pferd mittels Flaschenzügen auf ein Schiff befördert wird (oben).

An Bord wurden die Tiere oft an Gurten befestigt (oben links), um zu verhindern, daß sie bei rauher See ins Meer fielen; dennoch kam die Hälfte jeder Schiffsladung auf der Reise um.

In Amerika beförderten die Spanier ihre Pferde oft auf behelfsmäßigen
Fahrzeugen, wie den links abgebildeten Kanus, über Binnengewässer.

 

 

 

 

 

 

 

Die kultivierte Pueblo-Gesellschaft

 

Die Spanier nannten die über das heutige Arizona und New Mexico verstreuten Indianersiedlungen „Pueblos" - das heißt „Städte" oder „Dörfer" -, und sie betrachteten ihre 40´000 Bewohner als geeignete Objekte für die Bekehrung zum Christentum. Und das taten sie vielleicht mit Recht. Seit Generationen waren die Bewohner dieser kompakten, dauerhaften Siedlungen wahre Pioniere der Zivilisation im Norden gewesen. Obwohl ihr Reichtum nicht im entferntesten an den der mächtigen Azteken von Zentralmexiko heranreichte, waren die Pueblo-Bewohner dennoch im Vergleich zu den primitiven Nomadenstämmen, von denen sie umgeben waren und von denen sie immer wieder überfallen wurden, ein kultiviertes Volk.
Als die Spanier im 16. Jahrhundert ankamen, trafen sie auf Dutzende solcher Pueblo-Gruppen, von denen sich jede als selbständige Einheit betrachtete. Die zersplitterte Bevölkerung gehörte jedoch vier grundlegenden Sprachgruppen an, die auch mit bestimmten Gebieten identisch waren. Die Tano und Keresan hatten sich im heutigen New Mexico am Rio Grande und seinen zahlreichen Nebenflüssen angesiedelt; die Hopi lebten in Arizona nördlich des Little Colorado, und die Zuni hatten sich bevorzugt am Upper Zuni am Westrand von New Mexico niedergelassen.Diego de Vargas

 

Einer der zähesten Soldaten Neuspaniens, Diego de Vargas,
überredete 1692 rebellierende Pueblo-Indianer dazu, sich friedlich zu ergeben.
Als sie im nächsten Jahr ihre Meinung änderten, besiegte er sie und ließ 70 Häuptlinge in Santa Fe erschießen.

 

Alles in allem entdeckten die Spanier im Südwesten nicht weniger als 70 bewohnte Pueblos; in einigen wohnten mehr als 1´000 Personen, in den meisten jedoch nur rund 400.
Je nach dem in der Umgebung vorhandenen Material waren die Wohnungskomplexe aus luftgetrockneten Lehmziegeln (Adobe), Sandstein oder vulkanischem Kalktuff gebaut. Viele besaßen mehrere Stockwerke, von denen die oberen immer weiter zurückgezogen waren, so daßTerrassen entstanden. Zum Schutz vor Überfällen hatten die unteren Stockwerke oft weder Türen noch Fenster; die Bewohner stiegen daher mit einziehbaren Leitern durch Luken im Dach ein.

Als geschickte Weber, Töpfer und Ackerbauern waren die Pueblo-Indianer fleißig und besonders vorsorgend. Die Vorratskammern am hinteren Ende ihrer Wohnungen waren angefüllt mit getrocknetem Mais, Bohnen und Kürbissen - oft mehr, als für ein Jahr benötigt wurde. Den gleichen Eifer legten sie in religiösen Dingen an den Tag. Ihre Wohnungen hatten sie oft im Rechteck um einen offenen Platz herum angelegt, auf dem die Dorfbewohner sich häufig trafen, um Gebete an die übernatürlichen Kräfte zu richten, von denen die Indianer annahmen, daß sie das Universum kontrollierten.

Zeremonien wurden abgehalten, um erfolgreiche Ernten zu erzielen, Frieden und Eintracht zu wahren, Feinde und Krankheiten abzuwehren und Glück zu bringen bei der Jagd auf Antilopen, Bären und anderes Wild. Bei einem ihrer Riten zum Beispiel trugen die Teilnehmer furchtbare Masken, um ungehorsame Kinder zu erschrecken und auf diese Weise möglichst zu bessern; zu anderen Zeiten erschienen die Teilnehmer von Zeremonien in prächtig bestickten, bunten Baumwollroben, weißen Mokassins oder Stiefeln und behängt mit Schmuck aus Muscheln und Türkisen.

Solche unchristlichen Riten wurden natürlich von den spanischen Missionaren strengstens mißbilligt. Doch obwohl sich die Pueblo-Stämme allem äußeren Anschein nach der ihnen von ihren Eroberern aufgezwungenen römisch-katholischen Religion unterwarfen, gaben sie in den Jahren spanischer Herrschaft niemals ihre alten Götter auf, um echte Christen zu werden.

 

 

Eine verhängnisvolle Expedition gegen „ketzerische Hugenotten"

 

Im frühen 18. Jahrhundert betrachteten die Spanier, neben den feindlichen Indianern, die Franzosen als ihre schlimmsten Feinde in der Neuen Welt, und jeder Verdacht auf eine gemeinsame Kampagne von beiden löste bei den spanischen Behörden mit Sicherheit Wellen von Furcht und Zorn aus. Ende 1719 erreichte die Stadt Mexiko die Nachricht von einer anscheinend tödlichen Bedrohung: Von Franzosen bewaffnete und angeführte Krieger hatten angeblich friedliche indianische Verbündete nordöstlich von Santa Fe angegriffen. Spanien und Frankreich führten zu jener Zeit Krieg gegeneinander; jetzt hatte es den Anschein, als ob die Franzosen in das überseeische Reich Spaniens eindringen würden.
An Don Antonio Valverde, den Gouverneur von Neumexiko, erging der Befehl, von der Provinzhauptstadt Santa Fe aus einen Erkundungstrupp zu entsenden. Valverde wollte den Trupp nicht selbst führen, sondern bestimmte als Kommandeur Pedro de Villasur, seinen militärisch unerfahrenen Stellvertreter. Für den Auftrag sammelte Villasur 42 Soldaten - fast die Hälfte der Garnison von Santa Fe - zusammen mit 60 PuebloIndianern, drei Zivilisten, einem Geistlichen (Fray Junipero Serra) und einem französischen Überläufer, der als Dolmetscher dienen sollte.

Die Expedition verließ Santa Fe im Juni und hatte im August das Gebiet bis zum heutigen östlichen Nebraska erkundet. Am 9. August berichteten Villasurs Kundschafter von einer etwa 40 Kilometer entfernten größeren Gruppe von Pawnee. In der Oberzeugung, daß er auf die französischindianische Streitmacht gestoßen war, marschierte Villasur weiter, bis er das Pawnee-Lager auf einer Insel im Platte River erspähte.
An diesem Punkt ließ er haltmachen und verbrachte mehrere Tage mit dem Versuch, Kontakt mit den vermeintlichen französischen Führern der Pawnee aufzunehmen. Er wollte wissen, welche Absichten sie hätten. Als keine Antwort kam - und das Verhalten der Pawnee immer bedrohlicher wurde -, ließ sich Villasur von seinen Soldaten dazu überreden, sich fast 45 Kilometer weit in eine Stellung jenseits eines anderen Flusses zurückzuziehen. Während der Nacht berichteten Wachposten, daß sie gehört hätten, wie Männer über den Fluß setzten, aber es wurde niemand entdeckt.

Priester Fray Junipero Serra

Auf einem nach seinem Tod gemalten Bild erhält Fray Junipero Serra (rechts, Mitte)
die letzte Kommunion, während bekehrte Indianer dem feierlichen Ritual zuschauen.

In Serras Missionen wurden während seines Lebens mehr als 6'000 Indianer getauft.

 

Die Pawnee griffen in der Morgendämmerung an, als die Spanier gerade ihr Lager abbrachen.
Die Indianer jagten die Pferde in die Flucht, umzingelten die Spanier und ihre Verbündeten und feuerten mörderische Musketensalven ab.
Villasur gehörte zu den ersten, die fielen; bevor der Kampf zu Ende war, waren 34 von seinen Soldaten und Zivilisten tot.
Der Priester war auch unter den Toten.
Nur 14 Spanier entkamen dem Blutbad.

Waren Franzosen an dem Massaker beteiligt? Die Pawnee hatten ihre Waffen zweifellos von französischen Händlern erhalten. Aber es gab keinen Beweis dafür, daß tatsächlich Franzosen die Angreifer begleitet hatten.

Doch Don Antonio Valverde, der für das Debakel verantwortlich war, bestand darauf, daß Franzosen dabeigewesen wären.

Wenn auch wohl nicht von denen, die Gouverneur Valverde vor dem Vizekönig beschuldigte:
" Die ketzerischen Hugenotten verschonten nicht einmal den unschuldigen Priester ".

 

 

Bunte Bilder vom Missionsleben in Baja California

 

„ Fast überall fanden wir fruchtbares Land zum Säen, viele Flüsse, zauberhafte Täler und Ebenen, Lagunen mit frischem Wasser, riesige Bäume, Kakteenfrüchte, viele Rehe und Hasen."
So beschrieb Pater Eusebio Kino Baja California im Jahre 1683. Der Jesuitenpriester, der später Missionen in Mexiko und im heutigen Arizona gründete, war mit hundert Männern in der Nähe der Spitze der Halbinsel gelandet. Seine Sicht war getrübt durch seinen Eifer, eine bleibende Kolonie zu errichten und nach Möglichkeit viele indianische Seelen zu retten.
In Wirklichkeit war Baja California ein abschreckendes Land, das von primitiven, oft feindseligen Stämmen bevölkert war. Die Mission, die Kino errichtete, konnte sich keine zwei Jahre halten, bevor Dürre und Krankheit zu ihrer Aufgabe zwangen. Doch wenig mehr als ein Jahrzehnt später landeten andere Jesuiten auf der Halbinsel und erbauten im Laufe der Zeit eine Kette von 17 Außenposten Gottes und Spaniens.
1768 kehrte Pater Ignacio Tirsch, ein Missionar, der fünf Jahre lang in Baja California gearbeitet hatte, mit einer Mappe voller Zeichnungen nach Spanien zurück. Pater Tirsch war ein begabter Amateurkünstler, und er lieferte einen anschaulichen Bericht sowohl über das Leben als auch über die Flora und Fauna in einer rauhen Ecke des spanischen Reiches.

verschiedene Vögel

 

 

 

Ein Vogel, den Pater Ignacio Tirsch catalinta nennt (möglicherweise handelt es sich um einen Sperber), sitzt links auf einem Zweig der granadilla de China (Passionsfrucht von China).

Das Vogelpaar, das rechts auf der aprikosenähnlichen mamey-Frucht hockt, konnte nicht identifiziert werden, es scheint sich offenbar aber um zwei Angehörige der weitverbreiteten Drossel-Familie zu handeln.

 

 

 

 

 

 

Ein wildes Schaf und ein Berglöwe

 



Ein wildes Schaf (links) frißt gelbe Blüten von einer tacote - einer blühenden Tabakpflanze-, während ein Berglöwe, den Tirsch phantasievoll als Leoparden bezeichnete, an einem dornigen octillo vorbeispringt.

Diese Wüstenpflanze ist vor allem in Mexiko und im amerikanischen Südwesten anzutreffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeichnungen von Pflanzen

 

 

 

 

 

 

Zeichnungen von Pflanzen umfassen (oben, von links nach rechts) einen wilden Pfefferbaum, Oregano, einen roten Brasilbaum und eine Mimose- „ein Bäumlein ", bemerkte Tirsch, „das, so man es anrührt, die Ästlein zusammenzieht, als wollt es springen".

Die untere Reihe zeigt eine Anzahl Wüstensträucher und -bäume.

 

 

 

 

 

 

 

 

Pioniere in fernen Grenzgebieten

 

Die Spanier, die in Texas lebten, waren und blieben ein Frontiervolk. Sie waren in der östlichen Hälfte der weitläufigen Provinz konzentriert und damit über 1500 Kilometer von der Stadt Mexiko entfernt, und sie wußten, daß sie sich ohne viel Hilfe von außerhalb selbst erhalten mußten, auch nachdem Mexiko 1821 unabhängig geworden war.

Viele von ihnen bewohnten primitive Blockhütten und mußten von Gesetzes wegen bewaffnet sein, wenn sie das Haus verließen. Kein von den Kindern Spaniens besiedelter Platz konnte jedoch ganz ohne Annehmlichkeiten bleiben. In jeder Gemeinde wurden Tänze, Pferderennen und Hahnenkämpfe abgehalten.

Als um 1840 der französische Künstler Theodore Gentilz ankam, um die Ansichten von Texas zu malen, war die angelsächsische Kultur im Vorrücken begriffen. Doch der Einfluß der Spanier war so stark, daß viel von dem, was Gentilz vor Augen kam, noch so aussah wie einst. Vornehme Caballeros

 

 

 

 

Mit brennenden Kerzen und Geige und Gitarre spielend, reiten neun vornehme Caballeros an einem Haus in San Antonio vor, um ein Mädchen zum festlichen Tanz aufzufordern.

Mit ihren calzoneras - engen Hosen, die unten aufklappten, wenn sie aufgeknöpft waren - konnten sie sowohl reiten als auch tanzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Gruppe von Ranchern

 

 

 

Auf einer von Hügeln gesäumten Ebene nahe der Westgrenze von Texas  hält eine Gruppe von Ranchern an, um eine kaum sichtbare Spur im Sand eingehend zu überprüfen.

Spanische Siedler ritten nicht selten mehr als 150 Kilometer weit, um Wild oder Pferde zu suchen oder um plündernde Indianer zu verfolgen.

 

 

 

 

 

 

 

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