Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© James Walker 1976 "Der Spanische Westen"
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA (LOC) und des US Nationalarchiv (NARA)

 


 Der Patron

 


Der Spanische Westen

 

Seite - 4 -

 

 

Die Provinz Neumexiko, die unbehelligt blieb von den Ausländern, welche unaufhörlich in Texas eindrangen, machte in den Jahrzehnten um die Wende des 19. Jahrhunderts langsame, aber stetige Fortschritte. Doch die Städte, die in dieser Zeit entstanden, verdankten ihre Anlage und ihre Existenz einem anderen Übel: den Uberfällen von Apache und Comanche.
So leicht konnten diese Krieger die isolierten neumexikanischen Siedler überfallen, daß Gouverneur Pedro Fermin de Mendinueta 1772 seine Kolonisten drängte, die friedlichen Pueblolndianer nachzuahmen und Gemeinschaften an festen Plätzen zu bilden, „so daß ein paar Männer sich selbst verteidigen konnten".

Mendinueta beklagte in einem offiziellen Bericht, daß „diese ungehobelten Siedler einzeln leben, da Väter und Söhne nichts miteinander zu tun haben wollen". Er verstand nie, daß die Neumexikaner wie alle Pioniere ihre Freiheit hoch genug schätzten, um dafür große Wagnisse einzugehen.
Dennoch, als mehr Kolonisten ins Land kamen, bauten sie sichere Siedlungen entlang des Rio Grande, des Pecos und des Santa Cruz River. Diese frühen neumexikanischen Städte boten mehr als nur Schutz vor den Indianern. Sie wurden zu Zentren von Handel und Kultur, die Neumexiko zur stabilsten und bevölkerungsreichsten Provinz des spanischen Westens machten.

 

 

„Eine Zierde für unser geliebtes Kalifornien"

Als Mariano Vallejo, ein junger Armeeoffizier und Parlamentarier, 1832 Francisca Benicia Carrillo heiratete, schien er bereits abzusehen, daß er einmal zu den Großen Kaliforniens gehören würde. Ein Hochzeitsgast, Gouverneur Jose Echeandia, brachte einen passenden Trinkspruch aus:
„ Möge Ihre Nachkommenschaft zahlreich und Ihrer würdig sein und eine Zierde für unser geliebtes Kalifornien."
Wie prophetisch die Worte des Gouverneurs gewesen waren, zeigte sich 50 Jahre später. Von 16 Vallejo-Kindern waren neun von den zehn, die überlebt hatten, emsig damit beschäftigt, eigene Familien großzuziehen. Zwei von Vallejos Söhnen hatten eine erfolgreiche musikalische und künstlerische Laufbahn eingeschlagen; ein dritter war ein bekannter Chirurg.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Mariano Vallejo und seine Frau längst nach Lachryma Montis (Träne des Berges) zurückgezogen, einem Haus, das sie 1851 in der Nähe von Sonoma gebaut hatten. Dieses Haus im Neuengland-Stil paßte zu seinem Besitzer. Obwohl Vallejo durch und durch Spanier war, sah er schon als junger Mann voraus, daß die Zukunft Kaliforniens bei den Vereinigten Staaten und nicht bei Mexiko lag. Er äußerte nie Bedauern über die Annexion, obwohl Rechtsstreitigkeiten und Squatter seine einstmals riesigen Besitzungen im Lauf der Jahre auf nicht viel mehr als 100 Hektar reduzierten. Wie viele andere Californios bemühte sich Vallejo darum, seinem neuen Vaterland zu dienen, indem er bei der Aufstellung einer Verfassung im Jahre 1849 mitwirkte und später Senator des Staates Kalifornien wurde.Drei junge Frauen des Vallejo-Haushalts

 

 

 

 

 

 

Mariano Vallejo

 

 

 

 

 

Mariano Vallejo genießt die Gesellschaft seiner Töchter Maria (oben links) und Luisa
(unten rechts) und dreier Enkelinnen.

 

 

 

 

 

 

Mariano Vallejos Bruder Salvador

 

 

 

 

 

 

 

Auf einem Portrait aus der Jahrhundertmitte sitzt Mariano Vallejos Bruder Salvador - später ein Major der Unionsarmee - zwischen Senator Pablo de la Guerra (links) und Andrés Pico, dem Bruder des mexikanischen Gouverneurs.

 

 

 

 

 

 

Mariano (Mitte) und seine Berater diskutieren

 

 

Mariano (Mitte) und seine Berater diskutieren seine History of California.

Es sind von links nach rechts:
General Henry Cerruti, der seine eigenen Aufzeichnungen beisteuerte; der ehemalige kalifornische Schatzmeister Don José Abrego; Rosana Leese, Marianos Nichte und wissenschaftliche Mitarbeiterin und der Gelehrte Don Vicente Gomez.

Obwohl Vallejos Arbeit nie veröffentlicht wurde, erntete sie weithin Ruhm als wertvolle historische Quelle.

 

 

 

 

Mariano Vallejos

 

 

 

 

 

Das stolze Wesen und der edle Charakter Mariano Vallejos spiegeln sich in dieser Reihe von Porträts aus vielen Jahren, in denen er vom gutaussehenden Californio zum weißhaarigen Mann heranreifte...........

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.........der in Muße vor seinem Haus bei Sonoma sitzt.

 

 

 

 

Zu Vallejos Verdiensten um Kalifornien gehörten gute Weine - Weißwein, Rotwein und Sekt - aus seinen Weingärten;
seine beilspielhafte Kellerei bildete die Grundlage für eine Industrie, die heute bei Sonoma und im nahen Napa Valley blüht.

 

Von Mexikanern zu Mexiko-Amerikanern

 


Der Mut der Mexikaner wurde auf eine schwere Probe gestellt, als der spanische Westen zu einem Territorium der Vereinigten Staaten wurde. Viele Mexikaner begannen ihr Leben als amerikanische Bürger, indem sie ihre Heimstätten an Squatter verloren oder fruchtlose Prozesse über die Gültigkeit ihrer alten Landzuweisungen führten. Don Vicente Lugo, das Oberhaupt einer einflußreichen kalifornischen Familie beklagte sich über Urteile, die ihn fast um seinen ganzen Grundbesitz von 12´000 Hektar brachten.




Die Witwe Vicente Lugos sitzt im Kreise ihrer Familie vor ihrer einstmals großen Ranch in Kos Angeles,
die im Jahre 1870 nur noch 160 Hektar Land umfaßte.

 

 

 



Der weißbärtige Jose Policarpo Rodriguez steht mit Angehörigen seiner Familie vor ihrer stattlichen Ranch bei Privilege Creek in Bandera County, Texys.
Der in Mexiko geborene Rodriguez war als Kind nach San Antonio gekommen; nach dem Anschluß diente er der Armee der Vereinigten Staaten oft als Führer.

 

Allmählich lernten die mexikanischen Gemeinschaften, die amerikanische Demokratie zum Beseitigen von Ubelständen zu benutzen. Mexiko-Amerikaner um San Antonio wurden eine wichtige politische Kraft. Reginaldo del Valle und andere junge Kalifornier studierten Jura, organisierten die „spanische Wahl" und dienten ihrem Volk als Kongreßabgeordnete. Um die Jahrhundertwende wußten die Mexiko-Amerikaner, daß ihr spanisches Erbe keineswegs im umfassenden Prozeß der Amerikanisierung verlorengegangen war.

 

 

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