In
den 11 aus der Union ausgetretenen Südstaaten zählte 1860 die Bevölkerung 5 449
462 Weiße. Hinzu kamen 3 953 696 schwarze Sklaven, die sich im Besitz von
weniger als 400´000 Pflanzern befanden. Von diesen wiederum gehörten nicht
viel mehr als 10´000 Familien zu den wirklich großen Plantagenbesitzern.
Dieser weißen Bevölkerung von weit weniger als 6 Millionen Menschen standen
in den Nordstaaten 18 810 123 Weiße gegenüber. Zwischen beiden Landesteilen
lagen zudem die sogenannten „Border-States" Delaware, District
of Columbia, Kentucky, Maryland, Missouri und das New Mexico-Territorium mit
noch einmal fast 3 Millionen Menschen weißer Hautfarbe.
Damit waren die Potentiale festgelegt, aus denen die gegnerischen Armeen
schöpfen konnten.
Eingeengt auf die männliche Bevölkerung zwischen 18 und 45 Jahren ergab sich
für den Süden eine Zahl von 1 064 193 gegenüber 4 559 872 kriegsdienstfähigen
Männern im Norden, wozu später noch die schwarze Bevölkerung gezählt werden mußte, als auch Farbigen das Recht verliehen wurde, in
die Armee einzutreten.
Die Vorkriegsarmee der USA war klein und schlecht organisiert gewesen. Man
hatte seit den Tagen des Unabhängigkeitskrieges stets auf
Freiwilligeneinheiten und Staatsmilizen gebaut.

General Robert E. Lee
Nach
dem Fall von Fort Sumter erließ Präsident Lincoln am 15. April 1861 einen
Truppenaufruf für 75´000 Mann. Dies war nicht nur eine Verteidigungsmaßnahme,
sondern auch ein Test, um festzustellen, welche Staaten im Grenzbereich zum
Süden noch treu zur Fahne der Union standen.
Die Südstaaten riefen 100´000 Mann zu den Waffen, was aber zunächst einmal
nur Papier blieb. Der Riß, der durch das Land ging,
trennte auch die kleine reguläre Armee, in erster
Linie das Offizierskorps. Gleichwohl besaß der Norden die wichtigsten Basen,
während der Süden vor einem totalen Neuaufbau stand. Dabei bildete das
Milizsystem der Einzelstaaten die Grundlage. Illoyalität war nicht zu
befürchten, da die Bürger des Südens in ihrem politischen Empfinden der Union
stets fern gestanden und sich immer in erster Linie an ihren Heimatstaat
gebunden gefühlt hatten.
Die
allgemeine Wehrpflicht, im Frühjahr 1862 eingeführt - in der Bevölkerung wenig populär
-, und der Verlauf des Krieges führten zu einem Zusammenrücken der
unterschiedlichen Staatstruppen.
Tatkräftige Männer mit politischem oder wirtschaftlichem Einfluß organisierten
auf beiden Seiten, teilweise auf eigene Kosten, Truppenteile. Schon bald aber
schälten sich die zahlenmäßigen Unterschiede immer deutlicher
heraus: Die Südarmee war den Unionstruppen stets in einem Verhältnis von 1
zu 3 unterlegen.
Zwischen 1861 und 1865 dienten nach Angaben von E. B. Long insgesamt ungefähr
750´000 Mann in der Konföderierten Armee, aber knapp 2 Millionen in den
Unionsstreitkräften (4-5 % der Konföderierten Soldaten waren fremdgeboren, überwiegend Iren und Deutsche).
Diese
zahlenmäßige Differenz bedeutete zunächst wenig.
In den ersten Schlachten kämpften die Südstaatler mit ungleich größerer
Entschlossenheit und wirkungsvollerem soldatischem Einsatz.
Der
preußische
Kriegsbeobachter Major Justus Scheibert schrieb:
"Die
Energie des Wiederstandes der Conföderierten, der sich in Richmond repräsentierte,
imponierte mir fast ebenso sehr als später die großen Anstrengungen der Armee,
das Feld gegen einen übermächtigen Gegner zu behaupten."
Die
offizielle Geschichtsschreibung hat sich unverständlicherweise fast
ausschließlich mit
dem am Ende siegreichen Norden beschäftigt und damit einer sehr einseitigen
militärhistorischen Sicht Vorschub geleistet. Als Erklärung mag gelten, daß die Unionsarmee für den in die Zukunft blickenden
Militärhistoriker interessanter war, weil sie mit einiger Berechtigung
als wegweisend für die Entwicklung im Militärwesen allgemein angesehen
werden kann. Unbestritten wurden im Norden charakteristische Erscheinungen
der
Kriege des 20. Jahrhunderts vorweggenommen. Gerade deshalb aber verdient
die Armee der Südstaaten Interesse. Denn der zu dieser Zeit ungemein
„modernen" Armee des Nordens stellte der Süden eine Streitmacht
gegenüber, die nach wie vor dem traditionellen Militärverständnis des 19.
Jahrhunderts entsprach - von einigen Eigenheiten der speziellen
amerikanischen Situation abgesehen.
"Es
war ein Faktum, daß der Bürgerkrieg
ein moderner Krieg und ein allumfassender Krieg war, wie diese Generation
ihn verstand, in dem alles,
was eine Nation hat und tut in die Waagschale
geworfen werden muß, mit Soll und Haben.
Militärische Macht in einem solchen Krieg ist im Endeffekt gestützt,
wird bedingt und begrenzt durch die physischen Möglichkeiten und durch
die Vitalität der ökonomischen Basis.
Nur Mut und Hingebung kann nie genug sein, um zu siegen, wenn der Krieg
sich erst einmal in ein bestimmtes Stadium entwickelt hat. Für so
einen Krieg war der Norden vorbereitet, der Süden nicht. Vorbereitet
nicht in dem Sinn, daß er für den Krieg als solchen bereit war
- keine Seite war überhaupt darauf vorbereitet -,
aber was die zur
Verfügung wehenden Ressourcen anging. Der Norden konnte einen modernen
Krieg gewinnen, der Süden nicht.
Sich festklammernd an einer Gesellschaftsform, die auf einer so vollständig
archaischen Institution wie der Sklaverei basierte, hatte der Süden
für eine ganze Generation den mutigen Versuch unternommen, die industrielle
Revolution zu verdrängen, und dieser Versuch war letztendlich in einen
Krieg eingemündet,
in dem die industrielle Revolution der entscheidende
Faktor wurde."
Bruce Catton, PICTURE HISTORY OF THE CIVIL WAR, 1960

General Ambrose Powell HILL
Der
Südstaatensoldat verkörperte im altertümlichen Sinn den „Krieger",
ein soldatisches Individuum - soweit es das überhaupt geben kann. In
den Nordstaaten dagegen entwickelte sich das kollektivistische Soldatentum
des beginnenden Industriezeitalters, in dem der Einzelne mit seinem
Mut, seiner Furcht, seinen Emotionen in einer Massenorganisation unterging.
Von diesem Soldatenbild bis zum heutigen militärischen Techniker
ist es nur ein kurzer Schritt.
Um so erstaunlicher war, daß die
Südstaatenarmee jahrelang mit beträchtlichem Erfolg einem Gegner
widerstand, der zahlenmäßig, waffentechnisch, industriell und
materiell in jeder Hinsicht so enorm überlegen war, daß er
für
einen Blitzsieg wie geschaffen schien.
Am
Anfang des Bürgerkrieges standen militärische Fehleinschätzungen auch bei den
unbeteiligten Mächten: In Europa mit seiner alten Militärtradition wurde der
sich anbahnende Konflikt in der Neuen Welt zunächst eher spöttisch beurteilt.
General von Moltke bemerkte, er sehe keinen Sinn darin, sich näher mit den
Scharmützeln eines bewaffneten Mobs zu beschäftigen. Im Laufe des Krieges
waren aber gerade Beobachter deutscher Militärakademien in Amerika
anzutreffen.
Dennoch
stimmte der erste Eindruck: Schlecht vorbereitet traten die gegnerischen
Parteien an. Vor allem
im Mannschaftsbereich fehlten häufig die primitivsten militärischen
Kenntnisse. Größtes Problem der Truppenführer war, daß die
Milizen im Frieden niemals in größerer Formation als in Kompaniestärke
aufgetreten waren. Bereits bei der Zusammenfassung zu Regimentern hatten
diese Einheiten die größten Schwierigkeiten, sich einzufügen. Bei den
Offizieren war die Beurteilung grundsätzlich anders, aber auch für sie waren
die Truppenmassen, die sich im Amerikanischen Bürgerkrieg gegenübertraten,
eine völlig neue Erfahrung.
Selbst die erfahrensten amerikanischen Offiziere
hatten selten Truppenkörper von 10´000 Mann Stärke und mehr auch nur gesehen,
geschweige denn kommandiert.
Gewaltige
Militärmassen,
wie das 19. Jahrhundert sie nie vorher auf Schlachtfeldern gesehen hatte,
traten im Verlauf des Krieges auf, geführt von Offizieren, die in ihrer
Mehrheit - jedenfalls im Norden - allenfalls durchschnittliche Qualitäten
aufwiesen und ihre begrenzten strategischen Fähigkeiten mit dem Einsatz von
scheinbar unerschöpflicher Verstärkung und immer neuer Verstärkung, von
Materialeinsatz und immer weiterem Materialeinsatz wettmachten.
Fest steht - dies gilt für beide Seiten -, daß die
erste Schlacht am Bull Run (21. Juni 1861) militärisch ein Fiasko war: Für
den Norden, der blamabel verlor, und für den Süden, der nicht in der Lage
war, seinen Sieg auszunutzen.
Gleichwohl war diese erste Schlacht entscheidend: Den Nordstaaten wurde
schlagartig klar, daß sie ihren Gegner ernst zu
nehmen hatten. Die Südstaaten gaben sich leichtsinniger Siegesgewißheit auch
für die Zukunft hin.
Die Offiziere hatten mit erschreckender Deutlichkeit erfahren, welche Mängel
ihre unausgebildeten Truppen hatten, die im Kampf kaum zusammengehalten und
zu geschlossenem Vorgehen veranlaßt werden konnten,
die zu einem geordneten Rückzug überhaupt nicht in der Lage waren und die nur
mit größter Mühe in Formation bewegt werden konnten. Insofern brachte der
erste Zusammenstoß wichtige Erkenntnisse für die künftige Ausbildung und
Organisation. Es traten auch bereits Offiziere auf, die auf Anhieb mit der
neuen Situation fertig wurden und im Verlauf des Krieges an Bedeutung
gewannen, wie der legendäre „Stonewall" Jackson.
Bei
der Formung der Armeen bildete sich im Süden nicht nur ein individuelles Verantwortungsbewußtsein des
einzelnen Soldaten heraus - bis in die untersten Mannschaftsdienstgrade
-, sondern auch ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Soldaten und
Offizieren, was in den Nordstaaten nur selten anzutreffen war.
Gestützt auf dieses Vertrauen, entwickelten die konföderierten Offiziere eine
erstaunliche Feldherrnkunst, die bis zuletzt die Schlachten des
Amerikanischen Bürgerkrieges prägte.
"Hatte die Union
in vornehmer Geringschätzung ihres Gegners zu
Anfang des Krieges nur einen Teil ihrer militärischen Streitkräfte
aufgeboten, so zersplitterte dieselbe, nachdem sie die Mißerfolge dieses
taktischen Fehlers eingesehen, späterhin ihre Kräfte durch einen
wenig durchdachten, weit angelegten, jeder Einheitlichkeit entbehrenden Kriegsplan,
indem sie
zwecklos die Grenze an verschiedenen Stellen überschritt und es zu keinem
unternehmenden Schlage brachte. Dagegen hatten die Konföderierten, von
Anfang an im Besitz hervorragend geschulter Feldherren und Offiziere, ihre
militärischen Streitkräfte weise konzentriert und ihre Truppen
zweckmäßig verteilt. Sie hatten auf diese Weise in den ersten
Jahren des Krieges über den mächtigen Gegner eine Reihe kühner
und glänzender Siege erfochten, welche ihnen in der alten wie in der
neuen Welt die beg rtste Anerkennung und lauteste Bewunderung namentlich
der militärischen Kreise eintrug."
Heros von Borcke,
EIN REIS VON ALTEM STAMM, 1895
Zur
Organisationsbasis der Konföderierten Armee ist ein Aspekt besonders
hervorzuheben, der in der Regel wenig beachtet wird:
Die Gründer der Konföderierten Staaten von Amerika sahen in ihrer
militärischen Planung zwei separate Armeeteile vor.
Beabsichtigt war die Schaffung einer „Friedensarmee", die als
stehendes Heer, gebildet aus Berufssoldaten, geplant war.
Diese sollte die Bezeichnung „Armee der Konföderierten Staaten (C. S.
A.) erhalten. Zusätzlich sollte eine Freiwilligen-Truppe organisiert werden,
die den Namen „Provisorische Armee der Konföderierten Staaten" (P.
A. C. S.) tragen sollte. Letztere bildete die „Kriegsarmee".

General Joseph E. Johnston
Es
ist ein weitverbreiteter Irrtum, wenn im historischen Schrifttum
die Konföderierte Armee als „C. S. A." abgekürzt erscheint - auch
wenn entsprechende Stempelungen und Prägungen von Uniformteilen,
Gürtelschnallen, etc. dies zu belegen scheinen. Diese Initialen stehen für „Confederates States of
America", nicht für „Confederates States Army".
Militärhistorisch korrekt für die
Beschreibung der Konföderierten Armee ist
die Abkürzung P. A. C. S.
Eine reguläre Konföderierte Armee (C. S. A.) hat es nur in
der Planung gegeben. Lediglich 6 aller konföderierten Generäle, die im Planungsstadium
als Generäle der regulären Armee vorgesehen waren, wurden vor
Organisierung der Provisorischen Konföderierten Armee ernannt und vom
konföderierten Senat bestätigt. Es waren dies die Generäle:
Samuel
Cooper, A. S. Johnston, Robert E. Lee, Joseph E. Johnston, P. G. T. Beauregard, und Braxton
Bragg.
Wenn
in der Literatur hinter ihrem Rang die Abkürzung „C. S. A." genannt
wird, ist dies korrekt, aber nur bei ihnen.
Die anderen höchsten Generalsränge,
die E. K. Smith
oder J. B. Hood, erreichten,
wurden für die
Provisorische Armee verliehen.
Generell blieben Ernennungen für die reguläre Armee theoretischer Natur, da
während des Krieges keine „regulären" Regimenter in Dienst
genommen wurden -
dies war für die Zeit nach dem Krieg vorgesehen, gelangte aber nie zur
Ausführung.
Der Sold des konföderierten Soldaten war niedrig. Ein Gemeiner der Infanterie
oder Artillerie erhielt monatlich $ 11 , der Kavallerie
$ 12.
Ein Sergeant Major
kam auf $ 21, ein First Sergeant auf $
20, ein Corporal
auf $ 13. Die Dienstränge der Ingenieurtruppen wurden
etwas höher
besoldet.
Am 9. Juni 1864 genehmigte Präsident Davis eine generelle Erhöhung des Soldes
um $ 7 für
jeden Mann. Zu diesem Zeitpunkt aber hatte die Inflation in den Südstaaten
schwindelnde Höhen erreicht, und das konföderierte Geld hatte kaum noch den
Wert des Papiers, auf dem es gedruckt war. Aber selbst dieses Geld war
inzwischen selten: Manche Truppenteile erhielten in den letzten zwei
Kriegsjahren monatelang überhaupt keine Zahlung mehr.
Die
Offiziere
„Es ist ein allgemeines Mißverständnis,
daß der Krieg größtenteils von bewaffneten Mobs
ausgefochten wurde, und von Advokaten, Politikern und Händlern,
die zu Offizieren gemacht worden waren, obwohl ihnen die elementarsten
militärischen Kenntnisse fehlten. Die Tatsachen widersprechen
einer solchen Theorie. Der größte Teil der Offiziere in
den höheren Rängen war professionell." Ezra J. Warner, GENERALS IN GRAY, 1959
Im
Offizierskorps, das zu Beginn des Krieges die blaue Uniform der US-Armee
trug, zeigte sich die
Spaltung des Landes, die bis tief durch viele Familien ging, besonders
deutlich. (Zahlreiche bekannte konföderierte Offiziere hatten Verwandte im
Offiziersrang in blauer Uniform, und US-Offiziere standen Brüdern, Schwagern und anderen Angehörigen in Grau auf dem
Schlachtfeld gegenüber.)
Zugleich gilt es auch hier, eine Legende zu beseitigen, die da besagt, daß die überwiegende Zahl der Offiziere der Vorkriegs-US-Armee in den Süden ging.
Eine Statistik vom 30. Juni 1860 wies insgesamt 1098 Offiziere der US-Armee
aus, vom 2nd Lieutenant an aufwärts. Werden die
Offiziere des medizinischen Bereichs ausgeklammert, ergibt sich, daß von dem vorhandenen Offizierskorps 555 aus „freien Staaten",
395 aus sklavenhaltenden
Staaten kamen.
Beurteilt man das Zahlenverhältnis nach Waffengattungen, zeigt sich, daß die Südstaaten lediglich im Bereich der
Kavallerieoffiziere ein Übergewicht besaßen,
nämlich 104 Reiteroffiziere aus dem Süden gegenüber 72 aus dem Norden. Bei
Artillerie und Infanterie stammte die weitaus überwiegende Zahl der Offiziere
aus den Nordstaaten. 286 Offiziere reichten den Abschied ein und stellten
sich der neugebildeten Südstaatenkonföderation zur
Verfügung.

General P. G. T. Beauregard
In
der Tat waren unter diesen viele der besten Absolventen der Militärakademie
West Point (187). Zwei waren sogar zeitweise Direktoren der Akademie
gewesen: Robert E. Lee und
P. G. T. Beauregard - letzterer allerdings nur für
wenige Tage.
Lee hatte inzwischen das Angebot Präsident Abraham Lincolns,
Oberkommandierender der Nordarmee zu werden - auf Empfehlung des greisen
höchsten Offiziers der US-Armee, General Winfield Scott.
Lee schien den Gedanken zunächst für nicht unmöglich zu halten. Erst
als sein Heimatstaat Virginia aus der Union ausschied, schlug Lee das Angebot
Lincolns aus und entschied sich für den Süden.
(Andere Offiziere, die in den Südstaaten geboren worden waren, blieben zunächst
durchaus loyal. Der spätere konföderierte General Edmund Kirby Smith verweigerte in Texas die Übergabe des Forts
Colorado an die Texas-Miliz, folgte aber schließlich ebenfalls seinem
Heimatstaat Florida, als dieser sich der Konföderation anschloß.)
Man muß sich vor Augen halten, daß für diese Männer
an dem Tag, da sie sich entscheiden mußten,
ob sie sich mehr den Vereinigten Staaten zugehörig fühlen oder sich dem Staat
ihrer Geburt anschließen sollten, eine Lebensperspektive zerbrach:
Sie waren Berufsoffiziere, hatten West Point besucht und waren in die
US-Armee eingetreten, um in der blauen Uniform, im Dienst der Vereinigten
Staaten Karriere zu machen. Die Wahl, vor die sie sich gestellt sahen, war
schwierig und wurde keineswegs leichten Herzens getroffen. Dies galt für die
älteren Offiziere besonders, die bereits wichtige Positionen in der US-Armee
innehatten - P. G. T. Beauregard etwa verzichtete
schließlich auf den Posten des Superintendenten von West Point, Joseph E.
Johnston war General-Quartiermeister der US-Armee -, dies betraf aber auch
viele jüngere, für die die Konföderation ein ungewisses Abenteuer darstellte.
Es galt zwischen rationalen und ideellen Gründen abzuwägen.

Wie sich eine solche
Entscheidung und ein solcher Übertritt vollzog, hat der spätere konföderierte
Generalleutnant James Longstreet in
seinem Buch „FROM MANASSAS TO APPOMATTOX" 1896
beschrieben:
„Ich war in Albuqerque, New Mexico, als Zahlmeister der
US-Armee stationiert, als die Wolken des Krieges im Osten aufzogen. Offiziere
aus den nördlichen und südlichen Staaten hofften, daß der
Sturm vorbeiziehen oder sich legen würde, und bei vielen Gelegenheiten
wurde uns von jenen, die behaupteten, in die Zukunft sehen zu können,
versichert, daß die Staatsmänner die Situation meistern und das
Vertrauen des Volkes wiederherstellen würden ...
Die Situation verdüsterte sich zunehmend, und zuletzt erreichte uns
die Nachricht vom Angriff auf Fort Sumter durch konföderierte Truppen.
Das beendete die Spekulationen und zog die lange befürchtete Trennungslinie.
Eine Anzahl von Offizieren kam, um mich zu überreden, im Dienst der
Union zu bleiben. Captain Gibbs von den Mounted Rifles war der Hauptredner,
und nach einer langen aber freundlichen Diskussion fragte ich ihn, wie er
sich verhalten würde, wenn sein Staat sich der Sezession anschließen
und ihn zur Verteidigung rufen würde. Er gab zu, daß er diesem
Ruf ebenfalls folgen würde.
Es war ein trauriger Tag, als wir von unseren langjährigen Kameraden
Abschied nahmen und nach 20 Jahren unseren Dienst aufgaben. Weder die Unionsoffiziere
noch ihre Familien gaben sich Mühe, ihre Gefühle und ihr tiefes
Bedauern zu verbergen. Als wir aus dem Fort ritten, gaben uns mehrere Offiziere
das Geleit, was den letzten Abschied nur noch schwerer machte.
Als wir Fort Craig passierten, schlugen wir unser Camp für die Nacht
auf der anderen Seite des Rio Grande auf. Ein Sergeant der Mounted Rifles
kam herüber, um mir zu sagen, daß er aus Virginia sei und hoffe,
mit uns in seinen Heimatstaat ziehen zu können. Gleichzeitig erbat
er die Erlaubnis für mehrere andere Soldaten, die in ihre Staaten
zurückzukehren wünschten, als meine Eskorte mitgehen zu dürfen.
Ich erklärte ihm, daß Mannschaftsdienstgrade nicht ohne Erlaubnis
des Kriegsministeriums gehen dürften, im Unterschied zu den Offizieren,
die ihren Abschied nehmen konnten und von militärischer Autorität
befreit waren, wenn dieser Abschied akzeptiert wurde. Er und seine Kameraden
aber hatten sich für einen bestimmten Zeitraum verpflichtet und waren
durch ihren Eid für diese Zeit gebunden ...
Wir überquerten die Grenze von Texas. Entgegen düsteren Vorhersagen
alter Freunde hatten wir in El Paso den Eindruck, in eine andere Welt zu
kommen. Überall war Begeisterung und Erregung, und Lieder über „Dixie" und
den Süden erfüllten die Luft ... Auf jeder Bahnstation versammelten
sich alte Männer, Frauen und Kinder, klatschten Beifall und winkten
mit Taschentüchern, um die Passagiere nach Richmond zu grüßen.
Beim Überqueren der Virginia-Grenze schienen die Gefühle geradezu überzuschäumen.
Die Fenster und Türen jedes Farmhauses und jedes Dorfes waren besetzt,
und die Menschen riefen herzliche Grüße, um uns auf unserem
Weg nach Richmond zu ermutigen.Am 29. Juni 1861 meldete ich mich im Kriegsministerium
von Richmond ...
Am 1. Juli erhielt ich meine Ernennung zum Brigadegeneral
mit dem Befehl,
mich in Manassas Junction bei General Beauregard zu melden . . . "
Es war keineswegs so, daß alle Offiziere, die in den Südstaaten geboren worden
waren, sich nach Trennung des Landes dem Süden anschlossen.
Tatsächlich blieben sogar sehr viele geborene Südstaatler nach Beginn des
Krieges als Offiziere in der US-Armee.
Einige der bekanntesten waren Lieutenant General Winfield Scott, Admiral David Farragut,
Major General George H. Thomas (der „Fels von Chickamauga")
und Major General John Gibbon, der zwei Brüder als Offiziere in der
Konföderierten Armee hatte.
Dafür gingen aber auch einige Offiziere aus den Nordstaaten in den Süden, um
gegen die Union zu kämpfen.
Diese Männer bildeten den Grundstock, wobei die schnelle Heranbildung eines
schlagkräftigen Offizierskorps im Süden zweifellos durch das herrschende
Gesellschaftssystem begünstigt wurde. Die Plantagenbesitzer, die großen
Pflanzer und auch ihre Verwalter waren für Offiziersstellen, zur Führung von
Menschen und zur Organisation besonders befähigt.
Es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß sie
ihren Mannschaften näher waren als die Unions-Offiziere, die sich häufig mehr
darauf konzentrierten, in der heimatlichen Presse als Kriegsheld zu
erscheinen und eine mögliche politische Karriere nach dem Krieg
vorzubereiten, als ihre Kräfte für die Führung der ihnen anvertrauten Truppen
einzusetzen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Mannschaften und Offizieren
war im Süden festgefügt und hielt bis zum Schluß unerschütterlich stand. Die meisten der Soldaten
kannten ihre Führer aus dem heimatlichen Bezirk, hatten vor dem Krieg
vielleicht sogar für sie gearbeitet.

Konföderierter
Infanterist
Obwohl
ihre Führung nie in Zweifel gezogen wurde,
gab es keinen künstlichen
autoritären Abstand. Ohne zu murren, teilten konföderierte Offiziere
das oft erbärmliche Leben ihrer schlecht ausgerüsteten und schlecht
versorgten Truppen und verlangten keinen Einsatz, ohne sich nicht selbst
einzusetzen. Opferbereitschaft wurde nicht nur erwartet, sondern vorgeführt:
Von insgesamt 425 konföderierten Generalen fielen über 25 % dem
Krieg zum Opfer: 126. In den niedrigeren Rängen waren die Verluste noch
größer.
Einige der bekanntesten Opfer unter den Offizieren waren Generalleutnant „Stonewall” Jackson, Generalleutnant A.
P. Hill, General Albert
S. Johnston, Generalleutnant
Leonidas Polk und Generalmajor J.
E. B. Stuart.
Die Offiziere des Südens waren in ihrer überwiegenden Mehrheit
militärisch geschult. Von den 425 Südstaaten-Generälen hatten
146 eine abgeschlossene West-Point-Ausbildung vorzuweisen. Mindestens 10
weitere waren als Kadett in West Point gewesen. 19 hatten schon als Offiziere
in der Vorkriegsarmee der USA gedient, 51 waren Veteranen aus dem Krieg gegen
Mexiko.
Mehr
als 20 Generäle hatten ihre Ausbildung in anderen Militärakademien
absolviert, wie dem Virginia Military Institute oder der South Carolina
Military Academy. Einige andere hatten militärische Erfahrungen
in den Indianerkriegen oder dem texanischen Unabhängigkeitskrieg
gesammelt. Auch Absolventen europäischer Militärschulen waren
unter ihnen zu finden. Eine Untersuchung des Historikers Ezra J. Warner
weist aus, daß fast 2/3 aller konföderierten
Generäle solide militärische Fachleute waren. Aber auch andere,
die als ihren Beruf Rechtsanwälte,
Politiker, Geschäftsleute oder Farmer angaben, waren nicht einfach
als Zivilisten anzusehen, denen kurzerhand militärische Ränge
verliehen worden waren: Fast alle hatten irgendwann einmal eine militärische
Ausbildung genossen oder in den Milizen ihrer Heimatstaaten militärische
Erfahrung gesammelt.
Am
Offizierskorps der Südstaaten dokumentierte
sich besonders - wie ein Historiker schrieb -, daß es „ein
Krieg der jungen Männer" war.
Viele der im Norden ausgebildeten Offiziere, die 1861 die graue Uniform
anzogen, waren noch sehr jung und wurden rasch mit hohen Kommandostellen
betraut.
So erreichte John B. Hood bereits mit 33 Jahren den höchsten Generalsrang
- er war als Oberleutnant der US-Kavallerie, 29 Jahre alt, in den Süden
gegangen.
Der Reiterführer
J. E. B. Stuart wurde mit 28 Jahren Brigadegeneral und mit 29 Generalmajor;
er war 31 Jahre alt, als er fiel.
Mit
Idealismus und erstaunlicher Anpassungsbereitschaft an die neuen Gegebenheiten
der Kriegsführung, entwickelten sie über
Jahre hinweg eine strategische Überlegenheit,
die ein frühzeitiges Scheitern der Konföderation verhinderte:
Als General Lee im Zusammenwirken mit „Stonewall" Jackson
mit nur etwa 60´000 Mann die 134´000 Mann starke Unionsarmee unter
General Hooker bei
Chancellorsville vernichtend schlug, war dies ein Meilenstein auf dem
Weg der Südstaatenarmee.
Sämtliche Hoffnungen der Bevölkerung des Südens konzentrierten
sich im letzten Kriegsjahr denn auch auf die Führung der Armee. Nicht
mehr die Hauptstadt Richmond, nicht mehr das Parlament und die politische
Führung unter Jefferson Davis waren am Ende das Herz der Konföderation,
sondern die Hauptarmee der Südstaaten, die Armee von Nord-Virginia
unter General Robert
E. Lee.
Auch für den Kommandeur der Unionsarmee, General U.
S. Grant, wurde die Einnahme der südlichen
Hauptstadt zweitrangig: Die konföderierte Regierung war längst
geflüchtet, als Lee
noch immer seine täglich kleiner werdende, halb verhungerte Armee
gegen den Norden führte, in der Hoffnung, bessere Kapitulationsbedingungen
zu erkämpfen. Die Unterwerfung dieser Armee war schließlich
der eigentliche Sieg des Nordens über den Süden.