Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
Dietmar KÜGLER •Die Armee der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865•
und •Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate Armies• 1891-1895
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (LOC) und des National Park Service


Die Streitkräfte der Südstaaten
im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865

Seite 1

 

Die Armee

„Die südliche Konföderation wurde für vier lange Jahre von den Bajonetten ihrer Armee getragen. Dies ist eine allgemein bekannte Betrachtung,
gleichwohl eine schlichte Wahrheit.
Obwohl die Bemühungen des Südens zur Erlangung der Unabhängigkeit den Charakter einer Revolution hatten - und als solche heute und damals anerkannt wurden-, hatte die Konföderation weder Verwalter noch Staatsmänner, die mit jenen im früheren Unabhängigkeitskrieg gegen England zu vergleichen waren.
Der Süden brachte keine Jeffersons, keine Franklins, keine Patrick Henrys oder Richard Henry Lees, noch Robert Morrises oder Silas Deanes hervor.
Mit wenigen Ausnahmen waren seine Repräsentanten mittelmäßig, und in vielfacher Hinsicht wurde der Präsident selbst von den gigantischen Problemen,
mit denen er konfrontiert wurde, überwältigt.
Somit ist die Geschichte dieser lange untergegangenen Nation-und es war ganz zweifellos eine Nation - in hohem Maße die Geschichte seiner militärischen Führer, nicht des Präsidenten, des Kabinetts, des Kongresses, auch nicht der Staatsgouverneure und der Staatsparlamente.
Der Süden war im Krieg - und die Blüte seiner Männer eilte zu den Waffen ...
" Ezra J. Warner, GENERALS IN GRAY, 1959

In den 11 aus der Union ausgetretenen Südstaaten zählte 1860 die Bevölkerung 5 449 462 Weiße. Hinzu kamen 3 953 696 schwarze Sklaven, die sich im Besitz von weniger als 400´000 Pflanzern befanden. Von diesen wiederum gehörten nicht viel mehr als 10´000 Familien zu den wirklich großen Plantagenbesitzern.
Dieser weißen Bevölkerung von weit weniger als 6 Millionen Menschen standen in den Nordstaaten 18 810 123 Weiße gegenüber. Zwischen beiden Landesteilen lagen zudem die sogenanntenBorder-States" Delaware, District of Columbia, Kentucky, Maryland, Missouri und das New Mexico-Territorium mit noch einmal fast 3 Millionen Menschen weißer Hautfarbe.
Damit waren die Potentiale festgelegt, aus denen die gegnerischen Armeen schöpfen konnten.
Eingeengt auf die männliche Bevölkerung zwischen 18 und 45 Jahren ergab sich für den Süden eine Zahl von 1 064 193 gegenüber 4 559 872 kriegsdienstfähigen Männern im Norden, wozu später noch die schwarze Bevölkerung gezählt werden mußte, als auch Farbigen das Recht verliehen wurde, in die Armee einzutreten.
Die Vorkriegsarmee der USA war klein und schlecht organisiert gewesen. Man hatte seit den Tagen des Unabhängigkeitskrieges stets auf Freiwilligeneinheiten und Staatsmilizen gebaut.


General Robert E. Lee

Nach dem Fall von Fort Sumter erließ Präsident Lincoln am 15. April 1861 einen Truppenaufruf für 75´000 Mann. Dies war nicht nur eine Verteidigungsmaßnahme, sondern auch ein Test, um festzustellen, welche Staaten im Grenzbereich zum Süden noch treu zur Fahne der Union standen.
Die Südstaaten riefen 100´000 Mann zu den Waffen, was aber zunächst einmal nur Papier blieb. Der Riß, der durch das Land ging, trennte auch die kleine reguläre Armee, in erster Linie das Offizierskorps. Gleichwohl besaß der Norden die wichtigsten Basen, während der Süden vor einem totalen Neuaufbau stand. Dabei bildete das Milizsystem der Einzelstaaten die Grundlage. Illoyalität war nicht zu befürchten, da die Bürger des Südens in ihrem politischen Empfinden der Union stets fern gestanden und sich immer in erster Linie an ihren Heimatstaat gebunden gefühlt hatten.

Die allgemeine Wehrpflicht, im Frühjahr 1862 eingeführt - in der Bevölkerung wenig populär -, und der Verlauf des Krieges führten zu einem Zusammenrücken der unterschiedlichen Staatstruppen.
Tatkräftige Männer mit politischem oder wirtschaftlichem Einfluß organisierten auf beiden Seiten, teilweise auf eigene Kosten, Truppenteile. Schon bald aber schälten sich die zahlenmäßigen Unterschiede immer deutlicher heraus: Die Südarmee war den Unionstruppen stets in einem Verhältnis von 1 zu 3 unterlegen.
Zwischen 1861 und 1865 dienten nach Angaben von E. B. Long insgesamt ungefähr 750´000 Mann in der Konföderierten Armee, aber knapp 2 Millionen in den Unionsstreitkräften (4-5 % der Konföderierten Soldaten waren fremdgeboren, überwiegend Iren und Deutsche).

Diese zahlenmäßige Differenz bedeutete zunächst wenig.
In den ersten Schlachten kämpften die Südstaatler mit ungleich größerer Entschlossenheit und wirkungsvollerem soldatischem Einsatz.

Der preußische Kriegsbeobachter Major Justus Scheibert schrieb:

"Die Energie des Wiederstandes der Conföderierten, der sich in Richmond repräsentierte, imponierte mir fast ebenso sehr als später die großen Anstrengungen der Armee, das Feld gegen einen übermächtigen Gegner zu behaupten."

Die offizielle Geschichtsschreibung hat sich unverständlicherweise fast ausschließlich mit dem am Ende siegreichen Norden beschäftigt und damit einer sehr einseitigen militärhistorischen Sicht Vorschub geleistet. Als Erklärung mag gelten, daß die Unionsarmee für den in die Zukunft blickenden Militärhistoriker interessanter war, weil sie mit einiger Berechtigung als wegweisend für die Entwicklung im Militärwesen allgemein angesehen werden kann. Unbestritten wurden im Norden charakteristische Erscheinungen der Kriege des 20. Jahrhunderts vorweggenommen. Gerade deshalb aber verdient die Armee der Südstaaten Interesse. Denn der zu dieser Zeit ungemein „modernen" Armee des Nordens stellte der Süden eine Streitmacht gegenüber, die nach wie vor dem traditionellen Militärverständnis des 19. Jahrhunderts entsprach - von einigen Eigenheiten der speziellen amerikanischen Situation abgesehen.

"Es war ein Faktum, daß der Bürgerkrieg ein moderner Krieg und ein allumfassender Krieg war, wie diese Generation ihn verstand, in dem alles,
was eine Nation hat und tut in die Waagschale geworfen werden muß, mit Soll und Haben.
Militärische Macht in einem solchen Krieg ist im Endeffekt gestützt, wird bedingt und begrenzt durch die physischen Möglichkeiten und durch die Vitalität der ökonomischen Basis.
Nur Mut und Hingebung kann nie genug sein, um zu siegen, wenn der Krieg sich erst einmal in ein bestimmtes Stadium entwickelt hat. Für so einen Krieg war der Norden vorbereitet, der Süden nicht. Vorbereitet nicht in dem Sinn, daß er für den Krieg als solchen bereit war - keine Seite war überhaupt darauf vorbereitet -,
aber was die zur Verfügung wehenden Ressourcen anging. Der Norden konnte einen modernen Krieg gewinnen, der Süden nicht.
Sich festklammernd an einer Gesellschaftsform, die auf einer so vollständig archaischen Institution wie der Sklaverei basierte, hatte der Süden für eine ganze Generation den mutigen Versuch unternommen, die industrielle Revolution zu verdrängen, und dieser Versuch war letztendlich in einen Krieg eingemündet,
in dem die industrielle Revolution der entscheidende Faktor wurde."

Bruce Catton, PICTURE HISTORY OF THE CIVIL WAR, 1960

 

General Ambrose Powell HILL

Der Südstaatensoldat verkörperte im altertümlichen Sinn den „Krieger", ein soldatisches Individuum - soweit es das überhaupt geben kann. In den Nordstaaten dagegen entwickelte sich das kollektivistische Soldatentum des beginnenden Industriezeitalters, in dem der Einzelne mit seinem Mut, seiner Furcht, seinen Emotionen in einer Massenorganisation unterging. Von diesem Soldatenbild bis zum heutigen militärischen Techniker ist es nur ein kurzer Schritt.
Um so erstaunlicher war, daß die Südstaatenarmee jahrelang mit beträchtlichem Erfolg einem Gegner widerstand, der zahlenmäßig, waffentechnisch, industriell und materiell in jeder Hinsicht so enorm überlegen war, daß er für einen Blitzsieg wie geschaffen schien.

Am Anfang des Bürgerkrieges standen militärische Fehleinschätzungen auch bei den unbeteiligten Mächten: In Europa mit seiner alten Militärtradition wurde der sich anbahnende Konflikt in der Neuen Welt zunächst eher spöttisch beurteilt. General von Moltke bemerkte, er sehe keinen Sinn darin, sich näher mit den Scharmützeln eines bewaffneten Mobs zu beschäftigen. Im Laufe des Krieges waren aber gerade Beobachter deutscher Militärakademien in Amerika anzutreffen.

Dennoch stimmte der erste Eindruck: Schlecht vorbereitet traten die gegnerischen Parteien an. Vor allem im Mannschaftsbereich fehlten häufig die primitivsten militärischen Kenntnisse. Größtes Problem der Truppenführer war, daß die Milizen im Frieden niemals in größerer Formation als in Kompaniestärke aufgetreten waren. Bereits bei der Zusammenfassung zu Regimentern hatten diese Einheiten die größten Schwierigkeiten, sich einzufügen. Bei den Offizieren war die Beurteilung grundsätzlich anders, aber auch für sie waren die Truppenmassen, die sich im Amerikanischen Bürgerkrieg gegenübertraten, eine völlig neue Erfahrung.
Selbst die erfahrensten amerikanischen Offiziere hatten selten Truppenkörper von 10´000 Mann Stärke und mehr auch nur gesehen, geschweige denn kommandiert.

Gewaltige Militärmassen, wie das 19. Jahrhundert sie nie vorher auf Schlachtfeldern gesehen hatte, traten im Verlauf des Krieges auf, geführt von Offizieren, die in ihrer Mehrheit - jedenfalls im Norden - allenfalls durchschnittliche Qualitäten aufwiesen und ihre begrenzten strategischen Fähigkeiten mit dem Einsatz von scheinbar unerschöpflicher Verstärkung und immer neuer Verstärkung, von Materialeinsatz und immer weiterem Materialeinsatz wettmachten.
Fest steht - dies gilt für beide Seiten -, daß die erste Schlacht am Bull Run (21. Juni 1861) militärisch ein Fiasko war: Für den Norden, der blamabel verlor, und für den Süden, der nicht in der Lage war, seinen Sieg auszunutzen.

Gleichwohl war diese erste Schlacht entscheidend: Den Nordstaaten wurde schlagartig klar, daß sie ihren Gegner ernst zu nehmen hatten. Die Südstaaten gaben sich leichtsinniger Siegesgewißheit auch für die Zukunft hin.
Die Offiziere hatten mit erschreckender Deutlichkeit erfahren, welche Mängel ihre unausgebildeten Truppen hatten, die im Kampf kaum zusammengehalten und zu geschlossenem Vorgehen veranlaßt werden konnten, die zu einem geordneten Rückzug überhaupt nicht in der Lage waren und die nur mit größter Mühe in Formation bewegt werden konnten. Insofern brachte der erste Zusammenstoß wichtige Erkenntnisse für die künftige Ausbildung und Organisation. Es traten auch bereits Offiziere auf, die auf Anhieb mit der neuen Situation fertig wurden und im Verlauf des Krieges an Bedeutung gewannen, wie der legendäre „Stonewall" Jackson.

Bei der Formung der Armeen bildete sich im Süden nicht nur ein individuelles Verantwortungsbewußtsein des einzelnen Soldaten heraus - bis in die untersten Mannschaftsdienstgrade -, sondern auch ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Soldaten und Offizieren, was in den Nordstaaten nur selten anzutreffen war.
Gestützt auf dieses Vertrauen, entwickelten die konföderierten Offiziere eine erstaunliche Feldherrnkunst, die bis zuletzt die Schlachten des Amerikanischen Bürgerkrieges prägte.

"Hatte die Union in vornehmer Geringschätzung ihres Gegners zu Anfang des Krieges nur einen Teil ihrer militärischen Streitkräfte aufgeboten, so zersplitterte dieselbe, nachdem sie die Mißerfolge dieses taktischen Fehlers eingesehen, späterhin ihre Kräfte durch einen wenig durchdachten, weit angelegten, jeder Einheitlichkeit entbehrenden Kriegsplan, indem sie zwecklos die Grenze an verschiedenen Stellen überschritt und es zu keinem unternehmenden Schlage brachte. Dagegen hatten die Konföderierten, von Anfang an im Besitz hervorragend geschulter Feldherren und Offiziere, ihre militärischen Streitkräfte weise konzentriert und ihre Truppen zweckmäßig verteilt. Sie hatten auf diese Weise in den ersten Jahren des Krieges über den mächtigen Gegner eine Reihe kühner und glänzender Siege erfochten, welche ihnen in der alten wie in der neuen Welt die beg rtste Anerkennung und lauteste Bewunderung namentlich der militärischen Kreise eintrug."
Heros von Borcke, EIN REIS VON ALTEM STAMM, 1895

Zur Organisationsbasis der Konföderierten Armee ist ein Aspekt besonders hervorzuheben, der in der Regel wenig beachtet wird:
Die Gründer der Konföderierten Staaten von Amerika sahen in ihrer militärischen Planung zwei separate Armeeteile vor.
Beabsichtigt war die Schaffung einer „Friedensarmee", die als stehendes Heer, gebildet aus Berufssoldaten, geplant war.
Diese sollte die Bezeichnung „Armee der Konföderierten Staaten (C. S. A.) erhalten. Zusätzlich sollte eine Freiwilligen-Truppe organisiert werden,
die den Namen „Provisorische Armee der Konföderierten Staaten" (P. A. C. S.) tragen sollte. Letztere bildete die „Kriegsarmee".



General Joseph E. Johnston

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, wenn im historischen Schrifttum die Konföderierte Armee als „C. S. A." abgekürzt erscheint - auch wenn entsprechende Stempelungen und Prägungen von Uniformteilen, Gürtelschnallen, etc. dies zu belegen scheinen. Diese Initialen stehen für „Confederates States of America", nicht für „Confederates States Army".
Militärhistorisch korrekt für die Beschreibung der Konföderierten Armee
ist die Abkürzung P. A. C. S.

Eine reguläre Konföderierte Armee (C. S. A.) hat es nur in der Planung gegeben. Lediglich 6 aller konföderierten Generäle, die im Planungsstadium als Generäle der regulären Armee vorgesehen waren, wurden vor Organisierung der Provisorischen Konföderierten Armee ernannt und vom konföderierten Senat bestätigt. Es waren dies die Generäle:
Samuel Cooper, A. S. Johnston, Robert E. Lee, Joseph E. Johnston, P. G. T. Beauregard, und Braxton Bragg.

Wenn in der Literatur hinter ihrem Rang die Abkürzung „C. S. A." genannt wird, ist dies korrekt, aber nur bei ihnen.


Die anderen höchsten Generalsränge, die E. K. Smith oder J. B. Hood, erreichten, wurden für die Provisorische Armee verliehen.
Generell blieben Ernennungen für die reguläre Armee theoretischer Natur, da während des Krieges keine „regulären" Regimenter in Dienst genommen wurden -
dies war für die Zeit nach dem Krieg vorgesehen, gelangte aber nie zur Ausführung.
Der Sold des konföderierten Soldaten war niedrig. Ein Gemeiner der Infanterie oder Artillerie erhielt monatlich $ 11
, der Kavallerie $ 12.
Ein Sergeant Major kam auf
$ 21,
ein First Sergeant auf $ 20, ein Corporal auf $ 13. Die Dienstränge der Ingenieurtruppen wurden etwas höher besoldet.
Am 9. Juni 1864 genehmigte Präsident Davis eine generelle Erhöhung des Soldes um $ 7
für jeden Mann. Zu diesem Zeitpunkt aber hatte die Inflation in den Südstaaten schwindelnde Höhen erreicht, und das konföderierte Geld hatte kaum noch den Wert des Papiers, auf dem es gedruckt war. Aber selbst dieses Geld war inzwischen selten: Manche Truppenteile erhielten in den letzten zwei Kriegsjahren monatelang überhaupt keine Zahlung mehr.

Die Offiziere

„Es ist ein allgemeines Mißverständnis, daß der Krieg größtenteils von bewaffneten Mobs ausgefochten wurde, und von Advokaten, Politikern und Händlern, die zu Offizieren gemacht worden waren, obwohl ihnen die elementarsten militärischen Kenntnisse fehlten. Die Tatsachen widersprechen einer solchen Theorie. Der größte Teil der Offiziere in den höheren Rängen war professionell." Ezra J. Warner, GENERALS IN GRAY, 1959

Im Offizierskorps, das zu Beginn des Krieges die blaue Uniform der US-Armee trug, zeigte sich die Spaltung des Landes, die bis tief durch viele Familien ging, besonders deutlich. (Zahlreiche bekannte konföderierte Offiziere hatten Verwandte im Offiziersrang in blauer Uniform, und US-Offiziere standen Brüdern, Schwagern und anderen Angehörigen in Grau auf dem Schlachtfeld gegenüber.)
Zugleich gilt es auch hier, eine Legende zu beseitigen, die da besagt, daß die überwiegende Zahl der Offiziere der Vorkriegs-US-Armee in den Süden ging.
Eine Statistik vom 30. Juni 1860 wies insgesamt 1098 Offiziere der US-Armee aus, vom 2nd Lieutenant an aufwärts. Werden die Offiziere des medizinischen Bereichs ausgeklammert, ergibt sich, daß von dem vorhandenen Offizierskorps 555 aus „freien Staaten", 395 aus sklavenhaltenden Staaten kamen.
Beurteilt man das Zahlenverhältnis nach Waffengattungen, zeigt sich, daß die Südstaaten lediglich im Bereich der Kavallerieoffiziere ein Übergewicht besaßen,
nämlich 104 Reiteroffiziere aus dem Süden gegenüber 72 aus dem Norden. Bei Artillerie und Infanterie stammte die weitaus überwiegende Zahl der Offiziere
aus den Nordstaaten. 286 Offiziere reichten den Abschied ein und stellten sich der neugebildeten Südstaatenkonföderation zur Verfügung.


General P. G. T. Beauregard

In der Tat waren unter diesen viele der besten Absolventen der Militärakademie West Point (187). Zwei waren sogar zeitweise Direktoren der Akademie gewesen: Robert E. Lee und P. G. T. Beauregard - letzterer allerdings nur für wenige Tage.
Lee hatte inzwischen das Angebot Präsident Abraham Lincolns, Oberkommandierender der Nordarmee zu werden - auf Empfehlung des greisen höchsten Offiziers der US-Armee, General Winfield Scott. Lee schien den Gedanken zunächst für nicht unmöglich zu halten. Erst als sein Heimatstaat Virginia aus der Union ausschied, schlug Lee das Angebot Lincolns aus und entschied sich für den Süden.
(Andere Offiziere, die in den Südstaaten geboren worden waren, blieben zunächst durchaus loyal. Der spätere konföderierte General Edmund Kirby Smith verweigerte in Texas die Übergabe des Forts Colorado an die Texas-Miliz, folgte aber schließlich ebenfalls seinem Heimatstaat Florida, als dieser sich der Konföderation anschloß.)
Man muß sich vor Augen halten, daß für diese Männer an dem Tag, da sie sich entscheiden mußten, ob sie sich mehr den Vereinigten Staaten zugehörig fühlen oder sich dem Staat ihrer Geburt anschließen sollten, eine Lebensperspektive zerbrach:

Sie waren Berufsoffiziere, hatten West Point besucht und waren in die US-Armee eingetreten, um in der blauen Uniform, im Dienst der Vereinigten Staaten Karriere zu machen. Die Wahl, vor die sie sich gestellt sahen, war schwierig und wurde keineswegs leichten Herzens getroffen. Dies galt für die älteren Offiziere besonders, die bereits wichtige Positionen in der US-Armee innehatten - P. G. T. Beauregard etwa verzichtete schließlich auf den Posten des Superintendenten von West Point, Joseph E. Johnston war General-Quartiermeister der US-Armee -, dies betraf aber auch viele jüngere, für die die Konföderation ein ungewisses Abenteuer darstellte. Es galt zwischen rationalen und ideellen Gründen abzuwägen.


Wie sich eine solche Entscheidung und ein solcher Übertritt vollzog, hat der spätere konföderierte
Generalleutnant James Longstreet
in seinem Buch „FROM MANASSAS TO APPOMATTOX" 1896 beschrieben:

„Ich war in Albuqerque, New Mexico, als Zahlmeister der US-Armee stationiert, als die Wolken des Krieges im Osten aufzogen. Offiziere aus den nördlichen und südlichen Staaten hofften, daß der Sturm vorbeiziehen oder sich legen würde, und bei vielen Gelegenheiten wurde uns von jenen, die behaupteten, in die Zukunft sehen zu können, versichert, daß die Staatsmänner die Situation meistern und das Vertrauen des Volkes wiederherstellen würden ...
Die Situation verdüsterte sich zunehmend, und zuletzt erreichte uns die Nachricht vom Angriff auf Fort Sumter durch konföderierte Truppen. Das beendete die Spekulationen und zog die lange befürchtete Trennungslinie.
Eine Anzahl von Offizieren kam, um mich zu überreden, im Dienst der Union zu bleiben. Captain Gibbs von den Mounted Rifles war der Hauptredner, und nach einer langen aber freundlichen Diskussion fragte ich ihn, wie er sich verhalten würde, wenn sein Staat sich der Sezession anschließen und ihn zur Verteidigung rufen würde. Er gab zu, daß er diesem Ruf ebenfalls folgen würde.
Es war ein trauriger Tag, als wir von unseren langjährigen Kameraden Abschied nahmen und nach 20 Jahren unseren Dienst aufgaben. Weder die Unionsoffiziere noch ihre Familien gaben sich Mühe, ihre Gefühle und ihr tiefes Bedauern zu verbergen. Als wir aus dem Fort ritten, gaben uns mehrere Offiziere das Geleit, was den letzten Abschied nur noch schwerer machte.
Als wir Fort Craig passierten, schlugen wir unser Camp für die Nacht auf der anderen Seite des Rio Grande auf. Ein Sergeant der Mounted Rifles kam herüber, um mir zu sagen, daß er aus Virginia sei und hoffe, mit uns in seinen Heimatstaat ziehen zu können. Gleichzeitig erbat er die Erlaubnis für mehrere andere Soldaten, die in ihre Staaten zurückzukehren wünschten, als meine Eskorte mitgehen zu dürfen.
Ich erklärte ihm, daß Mannschaftsdienstgrade nicht ohne Erlaubnis des Kriegsministeriums gehen dürften, im Unterschied zu den Offizieren, die ihren Abschied nehmen konnten und von militärischer Autorität befreit waren, wenn dieser Abschied akzeptiert wurde. Er und seine Kameraden aber hatten sich für einen bestimmten Zeitraum verpflichtet und waren durch ihren Eid für diese Zeit gebunden ...
Wir überquerten die Grenze von Texas. Entgegen düsteren Vorhersagen alter Freunde hatten wir in El Paso den Eindruck, in eine andere Welt zu kommen. Überall war Begeisterung und Erregung, und Lieder über „Dixie" und den Süden erfüllten die Luft ... Auf jeder Bahnstation versammelten sich alte Männer, Frauen und Kinder, klatschten Beifall und winkten mit Taschentüchern, um die Passagiere nach Richmond zu grüßen. Beim Überqueren der Virginia-Grenze schienen die Gefühle geradezu überzuschäumen. Die Fenster und Türen jedes Farmhauses und jedes Dorfes waren besetzt, und die Menschen riefen herzliche Grüße, um uns auf unserem Weg nach Richmond zu ermutigen.Am 29. Juni 1861 meldete ich mich im Kriegsministerium von Richmond ...
Am 1. Juli erhielt ich meine Ernennung zum Brigadegeneral mit dem Befehl, mich in Manassas Junction bei General Beauregard zu melden . . . "

Es war keineswegs so, daß alle Offiziere, die in den Südstaaten geboren worden waren, sich nach Trennung des Landes dem Süden anschlossen.
Tatsächlich blieben sogar sehr viele geborene Südstaatler nach Beginn des Krieges als Offiziere in der US-Armee.
Einige der bekanntesten waren Lieutenant General Winfield Scott, Admiral David Farragut, Major General George H. Thomas (der „Fels von Chickamauga")
und Major General John Gibbon, der zwei Brüder als Offiziere in der Konföderierten Armee hatte.
Dafür gingen aber auch einige Offiziere aus den Nordstaaten in den Süden, um gegen die Union zu kämpfen.
Diese Männer bildeten den Grundstock, wobei die schnelle Heranbildung eines schlagkräftigen Offizierskorps im Süden zweifellos durch das herrschende Gesellschaftssystem begünstigt wurde. Die Plantagenbesitzer, die großen Pflanzer und auch ihre Verwalter waren für Offiziersstellen, zur Führung von Menschen und zur Organisation besonders befähigt.
Es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß sie ihren Mannschaften näher waren als die Unions-Offiziere, die sich häufig mehr darauf konzentrierten, in der heimatlichen Presse als Kriegsheld zu erscheinen und eine mögliche politische Karriere nach dem Krieg vorzubereiten, als ihre Kräfte für die Führung der ihnen anvertrauten Truppen einzusetzen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Mannschaften und Offizieren war im Süden festgefügt und hielt bis zum Schluß unerschütterlich stand. Die meisten der Soldaten kannten ihre Führer aus dem heimatlichen Bezirk, hatten vor dem Krieg vielleicht sogar für sie gearbeitet.

 

Konföderierter Infanterist

Obwohl ihre Führung nie in Zweifel gezogen wurde, gab es keinen künstlichen autoritären Abstand. Ohne zu murren, teilten konföderierte Offiziere das oft erbärmliche Leben ihrer schlecht ausgerüsteten und schlecht versorgten Truppen und verlangten keinen Einsatz, ohne sich nicht selbst einzusetzen. Opferbereitschaft wurde nicht nur erwartet, sondern vorgeführt: Von insgesamt 425 konföderierten Generalen fielen über 25 % dem Krieg zum Opfer: 126. In den niedrigeren Rängen waren die Verluste noch größer.
Einige der bekanntesten Opfer unter den Offizieren waren Generalleutnant „Stonewall” Jackson, Generalleutnant A. P. Hill, General Albert S. Johnston, Generalleutnant Leonidas Polk und Generalmajor J. E. B. Stuart.
Die Offiziere des Südens waren in ihrer überwiegenden Mehrheit militärisch geschult. Von den 425 Südstaaten-Generälen hatten 146 eine abgeschlossene West-Point-Ausbildung vorzuweisen. Mindestens 10 weitere waren als Kadett in West Point gewesen. 19 hatten schon als Offiziere in der Vorkriegsarmee der USA gedient, 51 waren Veteranen aus dem Krieg gegen Mexiko.

Mehr als 20 Generäle hatten ihre Ausbildung in anderen Militärakademien absolviert, wie dem Virginia Military Institute oder der South Carolina Military Academy. Einige andere hatten militärische Erfahrungen in den Indianerkriegen oder dem texanischen Unabhängigkeitskrieg gesammelt. Auch Absolventen europäischer Militärschulen waren unter ihnen zu finden. Eine Untersuchung des Historikers Ezra J. Warner weist aus, daß fast 2/3 aller konföderierten Generäle solide militärische Fachleute waren. Aber auch andere, die als ihren Beruf Rechtsanwälte, Politiker, Geschäftsleute oder Farmer angaben, waren nicht einfach als Zivilisten anzusehen, denen kurzerhand militärische Ränge verliehen worden waren: Fast alle hatten irgendwann einmal eine militärische Ausbildung genossen oder in den Milizen ihrer Heimatstaaten militärische Erfahrung gesammelt.

Am Offizierskorps der Südstaaten dokumentierte sich besonders - wie ein Historiker schrieb -, daß es „ein Krieg der jungen Männer" war. Viele der im Norden ausgebildeten Offiziere, die 1861 die graue Uniform anzogen, waren noch sehr jung und wurden rasch mit hohen Kommandostellen betraut. So erreichte John B. Hood bereits mit 33 Jahren den höchsten Generalsrang - er war als Oberleutnant der US-Kavallerie, 29 Jahre alt, in den Süden gegangen.
Der Reiterführer J. E. B. Stuart wurde mit 28 Jahren Brigadegeneral und mit 29 Generalmajor; er war 31 Jahre alt, als er fiel.

Mit Idealismus und erstaunlicher Anpassungsbereitschaft an die neuen Gegebenheiten der Kriegsführung, entwickelten sie über Jahre hinweg eine strategische Überlegenheit, die ein frühzeitiges Scheitern der Konföderation verhinderte: Als General Lee im Zusammenwirken mit „Stonewall" Jackson mit nur etwa 60´000 Mann die 134´000 Mann starke Unionsarmee unter General Hooker bei Chancellorsville vernichtend schlug, war dies ein Meilenstein auf dem Weg der Südstaatenarmee.
Sämtliche Hoffnungen der Bevölkerung des Südens konzentrierten sich im letzten Kriegsjahr denn auch auf die Führung der Armee. Nicht mehr die Hauptstadt Richmond, nicht mehr das Parlament und die politische Führung unter Jefferson Davis waren am Ende das Herz der Konföderation, sondern die Hauptarmee der Südstaaten, die Armee von Nord-Virginia unter General Robert E. Lee.
Auch für den Kommandeur der Unionsarmee, General U. S. Grant, wurde die Einnahme der südlichen Hauptstadt zweitrangig: Die konföderierte Regierung war längst geflüchtet, als Lee noch immer seine täglich kleiner werdende, halb verhungerte Armee gegen den Norden führte, in der Hoffnung, bessere Kapitulationsbedingungen zu erkämpfen. Die Unterwerfung dieser Armee war schließlich der eigentliche Sieg des Nordens über den Süden.

 

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