Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
Dietmar KÜGLER •Die Armee der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865•
und •Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate Armies• 1891-1895
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (LOC) und des National Park Service




Die Streitkräfte der Südstaaten
im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865

Seite 2

 

Die Infanterie

Die Südstaaten verfügten im Laufe des Krieges über insgesamt 642 Infanterieregimenter. Hinzu kam eine nicht genau bestimmbare Zahl von selbständig operierenden Legionen und Bataillonen. Zwischen den Truppen, die unter der konföderierten Staats- oder Kriegsfahne zusammengefaßt waren und den Milizen, die aus den verschiedenen Mitgliedsstaaten der Konföderation ins Feld zogen, ihre Bezeichnung von ihrem Herkunftsstaat ableiteten und meist auch die Staatsfahne oder das Staatsemblem trugen, gab es organisatorische Unterschiede, die jedoch nicht als gravierend angesehen werden können.
Die größten Unterschiede zwischen diesen Einheiten bestanden vorwiegend in Ausrüstung und Uniformierung.

Ein konföderiertes Infanterieregiment setzte sich wie folgt zusammen: Sollstärke 1´000 Mann, unterteilt in 10 Kompanien von je 100 Mann,
sowie der Regimentsstab von 35 Offizieren, Ärzten und Musikern.

                                        General
Offizier Mannschaften

Die Verluste der Südstaateninfanterie waren, gemessen an den Gesamtzahlen, extrem hoch. Aber auch wenn einzelne Regimenter besonders hart betroffen waren, wurden sie deshalb nicht unbedingt aufgelöst. So marschierte das 26. North-Carolina-Regiment mit ca. 880 Mann in die Schlacht von Gettysburg.
Nur 170 Mann kehrten zurück, ohne daß das Regiment zu bestehen aufhörte. Das 4. North-Carolina-Regiment und die 6. Alabama-Infanterie verloren in der Schlacht von Seven Pines mehr als die Hälfte ihrer Angehörigen, blieben aber unter ihrer Regimentsbezeichnung weiter im Feld. Die 2. Schlacht von Bull Run sah die 21. Georgia-Infanterie mit nur 242 Mann an die Front ziehen. Das Regiment verlor 75 % seiner Mannschaft, ohne aufgelöst zu werden.


Ein gefallener konföderierter Soldat in einem Schützengraben

Die Offiziere wurden auf Kompanieebene weitgehend von der Mannschaft gewählt, seltener auch auf Regimentsebene. Das Wahlsystem der Offiziere wurde oft kritisiert; es gab aber für die konföderierte Führung keine andere Möglichkeit, da der Aufbau einer großen Armee, faktisch über Nacht, einen ungeheuren Bedarf an Unteroffizieren und Kompanieführern mit sich brachte, der gar nicht anders hätte befriedigt werden können. Höhere Offiziersränge wurden ohnehin meist mit Berufsoffizieren besetzt, wobei die Ernennung durch den Präsidenten erfolgte und vom Parlament bestätigt wurde. Der Aufstieg von Männern, die keine militärische Vorbildung hatten, in südstaatliche Generalsränge war die Ausnahme.
Der Aufmarsch der konföderierten Infanterie erfolgte in einem Tempo von 80-90 Schritten in der Minute. Dies galt sowohl beim Bilden der Linienformation wie beim Frontmarsch und dem Marsch in geöffneter Kolonne. Im Angriff verfielen die Einheiten in Laufschritt (140 Schritte in der Minute).
Die berühmte Infanterie des besten Infanterieführers des Bürgerkrieges, „Stonewall' Jackson, hatte ein Marschtempo von 90 bis 96 Schritten pro Minute, was dem Tempo der Armee Friedrichs des Großen beim Vorrücken entsprach. (In der preußischen Armee war eine Schrittlänge von 72 cm festgelegt.)

Von einem regelrechten taktischen Auftreten der konföderierten Infanterie konnte erst ab 1862 die Rede sein. Im ersten Kriegsjahr waren die Kommandeure schon froh, wenn es ihnen gelang, ihre Truppen halbwegs geschlossen zum Schlachtfeld zu führen. Europäische Kriegsbeobachter sprachen daher 1861 meist noch von „Heerhaufen" und ließen sich erst später dazu herab, von „Truppen" zu schreiben.
Ab 1862 entwickelte sich eine Art Lineartaktik, wobei sich die Überlegenheit des südstaatlichen Offizierskorps deutlich zeigte und schnellere Ergebnisse erzielt wurden als im Norden. General „Stonewall' Jackson erwies sich als besonders erfolgreich bei der Ausbildung seines Armeekorps zu einer Truppe, die zu taktischen Bewegungen und geordneter Gefechtsformation fähig war, was sich bereits bei seinem Feldzug durch das Shenandoah-Tal in Virginia im Frühjahr 1862 zeigte. Hier zeigte sich nicht nur seine strategische Überlegenheit gegenüber den Unionsoffizieren, die ihm entgegengeschickt wurden, sondern auch die taktische Einsatzfähigkeit seiner Armee, der die blauen Truppen nicht gewachsen waren.

Die Gefechtsformation in Kolonnen erwies sich, wie der preußische Kriegsbeobachter Major Justus Scheibert schrieb, wegen der Stärke der Artillerie als unbrauchbar.
Die Formierung unmittelbar auf dem Schlachtfeld war auch nach mehreren Kriegsjahren fast unmöglich, hier lag die Schwäche der amerikanischen Truppen im Norden wie im Süden. Die Führer ließen daher die Gefechtsordnung schon vor Erreichen des Schlachtfeldes einnehmen, so daß die Formation ohne Feindstörung vonstatten ging.


Aufstellung zur Schlacht

 

Die Aufstellung der Infanterielinien beschrieb Major Justus Scheibert in seinem Buch:
„DER BÜRGERKRIEG IN DEN NORDAMERIKANISCHEN STAATEN", 1874:

„ Etwa 120-150 Schritte vor der ersten Schlachtlinie befand sich eine ziemlich dichte Schützenkette, deren Stärke so groß war, daß etwa auf 4 Mann der vordersten Linie 1 Schütze kam. Hinter der 1sten Linie folgte, etwa in der Entfernung von 150 Schritt, eine 2te Linie und hinter derselben das sogenannte 3teTreffen in Colonnen mit 250 Schritt Distanz ...
Gewöhnlich standen 2 Regimenter einer Brigade (die gewöhnlich 3-4 Regimenter zählte) nebeneinander, und war dann im Gefecht die Brigade die taktische Einheit, d. h. die entwickelten Linien hielten, man möchte fast sagen über Berg und Thal, innerhalb der Brigade Richtung und Fühlung. Mit dieser an die Fredericianische Zeit stark erinnernden Entwicklung avancierte auf ein Commando, welches merkwürdigerweise nicht überlaut gegeben, sondern dieReihen entlang von Captain zu Captain gemurmelt wurde, dies ganze System, einer Division entsprechend, vorwärts.
Je näher man an den Feind kam, desto unregelmäßiger wurden die Linien, desto mehr löste sich die erste Linie (erstes Treffen) auf und verschmolz mit der Schützenlinie, welche die Attaque durch ihr Feuer vorbereitet hatte, zu einem Schwarme, und endlich drängte diese schlangenartig sich bewegende vorderste Masse nach dem Angriffspunkte vor; bei hartnäckigen Gefechten trat auch die 3te Linie mit hinein in diese Menge; die gewöhnlich schwacheReserve suchte sich an den Flügeln nützlich zu machen oder stützte wankend gewordene Stellen oder füllte Lücken aus; genug endlich glich die ganze ursprünglich geordnete Divisionsmasse einem dichten Schützenschwarme, in welchem die Truppenkörper nur noch dunkel zusammenhingen."

Die konföderierten Offiziere waren fast immer gezwungen - aufgrund der numerischen Unterlegenheit gegenüber den Unionstruppen - ihre vollständigen Mannschaften ins Gefecht zu führen, so daß nur in seltenen Fällen eine Reserve hinter der Front zurückblieb, die beim Erfolg der Schlacht zur Verfolgung des Feindes eingesetzt werden konnte.
Regelrechte Verfolgungen fanden daher trotz siegreicher Schlachten für den Süden fast nie statt, so daß die Nordstaatentruppen stets Gelegenheit fanden, sich ohne größere Bedrängnis zurückzuziehen und erneut zu sammeln. Von einer vollen Ausnutzung von Offensivbewegungen konnte daher für die Südarmee nicht die Rede sein.


Szene aus dem Gefecht von Kennesaw Mountain

Erst nach der Schlacht von Gettysburg endete die erfolgreiche Offensivtaktik der konföderierten Truppen. Erschreckend machten sich schon hier die Schwächen der Südarmee durch das Fehlen von Material- und Menschenreserven bemerkbar. Auch das Fehlen einiger wichtiger Führer, die das strategische und taktische Konzept des Südens geprägt hatten und die nach ihrem Tod - wie etwa Jacksons - nicht angemessen hatten ersetzt werden können, wurde deutlich.

Nach Gettysburg setzte sich im Süden mehr und mehr eine hinhaltende Defensivtaktik durch. Die Linien wurden zwangsläufig beweglicher. Es wurde größerer Wert auf die rasche Anlage von Schützengräben und leichten Verschanzungen gelegt. Es war keine passive Verteidigung, die Robert E. Lee entwickelte, sondern eine sehr aktive, die jeweiligen Positionen so lange wie möglich haltende Taktik. Es war eine Taktik, mit der es Lee gelang, seinen Mannschaftsbestand so weit wie möglich zu schonen und seine klein gewordene Armee dennoch effektiv einzusetzen. Die große Wirksamkeit dieser Methode, bei der die Unionstruppen gegen drei bis vier Schanzlinien anzustürmen hatten, zeigte sich in den Schlachten in der Wilderness, als es General Grant trotz höchstem Materialeinsatz nicht gelang, die Linien Lees zu durchbrechen und er gezwungen wurde, ständig Ausweichmanöver zu unternehmen, um seinen Marsch fortsetzen zu können.


Verschanzungen in der Wilderness

Das letzte Kriegsjahr sah daher zähe Belagerungsschlachten, die die Union viel Kraft kosteten, letztendlich aber auch die südlichen Truppen aufrieben.

Es war als taktische Einheit das Regiment, das den Amerikanischen Bürgerkrieg prägte. Ursache dafür war sowohl das Gelände, das die Führung größerer Einheiten stets mit besonderen Schwierigkeiten verband, so daß die Korpskommandeure in hohem Maß bereit und fähig sein mußten, Verantwortung zu delegieren. Entscheidend war, daß die Regimenter in der Regel in bestimmten eng begrenzten Gebieten zusammengestellt wurden und die Soldaten und Offiziere sich alle aus dem Zivilleben kannten, so daß innerhalb der Regimenter ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl entstand. Ein Chronist schrieb: „Das Regiment ist die zweite Heimat der Soldaten." Dies drückte sich in den Regimentsbezeichnungen aus, in denen besonders die Herkunft hervorgehoben wurde.

Weiterführende Seiten sind unter: Infanterie Gliederung Taktik Ausbildung   zu finden.


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