
Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Dietmar KÜGLER •Die Armee der Südstaaten im Amerikanischen
Bürgerkrieg 1861-1865•
•Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate
Armies• 1891-1895
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (LOC) und
des National Park Service

Die Armee
der Südstaaten
Seite
3
Die
Artillerie
Insgesamt
verfügten die Südstaaten über 16 Artillerieregimenter
und 227 selbständige Batterien.
Jedes Artillerieregiment bestand aus 6 Batterien. Kommandant war 1 Colonel.
Zum Regimentsstab gehörten ferner 1 Lieutenant Colonel und 1 Major.
Die Batterien wurden von Captains befehligt.

links:
Offizier rechts: Corporal
Eine
Batterie bestand aus 6 Geschützen. Die Sollstärke der Mannschaft:
145 Soldaten und 72 Pferde.
Jede Batterie wurde von 2 Munitionswagen versorgt.
Eingesetzt
wurden sowohl Geschütze mit glatten als auch mit gezogenen Rohren.
Die Fabrik von Parrot in Gold Spring, New York, stellte sehr gute gezogene
Geschützrohre her,
und zwar sowohl für die Feld- als auch für die Festungsartillerie.
Allerdings genossen im Süden Glattrohr-Kanonen Priorität.
Die
Feldartillerie bevorzugte 12-Pfünder „Napoleon-Kanonen"
aus Bronze, mit denen Vollkugeln, Granaten und Kartätschen verschossen
wurden, 12- und 24-Pfünder-Haubitzen, sowie 10- und 20-Pfünder
mit gezogenen Rohren.
Speziell im Süden führten die Truppen zudem englische Whitworth-Geschütze,
und zwar 15-Pfünder-Hinterlader
und 6-Pfünder-Vorderlader. Diese
wurden besonders von der reitenden Artillerie bevorzugt, weil sie leicht
manövrierbar waren.
Gußeiserne Geschütze fanden ebenso Verwendung wie solche
aus Bronze oder Stahl.
Gelegentlich wurden auch noch 1-pfündige Böller angetroffen.
Besonders beliebt waren auch Mörser.

Ein Unionssoldat bewacht
ein in Richmond erbeutetes Whitworth-Geschütz
Im Dezember 1861
lagerte die »Surry Light Artillery« aus Virginia
in der Nähe des James-Flusses. Sie hatte die Feuertaufe immer noch
vor sich. Der Kommandeur, Colonel Roger A. Pryor,
hätte die Einheit lieber bei der Infanterie gesehen. So hatte er
bisher erfolgreich verhindert,
daß die Einheit brauchbare Kanonen erhielt oder mit den vorhandenen
alten Geschützen regelmäßig exerzierte. In der ersten
Dezemberwoche beschloß er jedoch, seine Einheit »im Laden
und Feuern richtig üben zu lassen«, wie Private Benjamin
Jones berichtete.
»Der Colonel
wollte sehen, ob unsere Kanoniere die Breitseite eines Hauses treffen
konnten« schrieb Jones. Auf ein Bauernhaus in etwa einer
halben Meile Entfernung deutend, forderte der Oberst die Batterie auf,
dieses unter Feuer zu nehmen, »er wäre sicher, daß
sie allesamt eine Fahrkarte schießen würden«.
Doch kurz darauf konnte man vier saubere Löcher in der Hauswand
beobachten. Freilich hatte sich niemand die Mühe gemacht, überhaupt
herauszufinden, ob das Haus bewohnt war. Dies war der unrühmliche
Anfang einer der bekanntesten Artillerieeinheiten des Südens.

Eine Kavallerieeinheit der
Union greift eine Geschützstellung der Konföderierten an
In der Tat konnten nur wenige
Artillerieeinheiten beider Seiten den Krieg mit irgendwelchen Glanztaten
beginnen.
Die Artillerie war schlicht die »vergessene« Waffengattung.
In der ersten Kriegsbegeisterung meldeten sich die Freiwilligen hauptsächlich
zur Infanterie,
der sogenannten Krone aller Waffen. Der Infanterist mit seinem glänzenden
Bajonett, der in Reih und Glied in den Krieg zog, galt als Sinnbild
des Kriegen schlechthin.
Und die Kavallerie lockte mit klirrendem Pferdegeschirr, blitzenden
Säbeln und schmucken Federnhüten sowie dem Anspruch, etwas
besonderes zu sein.
Dagegen übte die Artillerie keinerlei Anziehungskraft auf die Freiwilligen
aus. Genau dies war auch der Grund, weshalb Colonel Pryor die »Surry
Light« lieber bei der Infanterie sehen wollte.
Die Südstaaten
waren gezwungen, ihr Geschützmaterial überwiegend zu importieren,
was durch die Knappheit der Mittel und die stärker werdende Seeblockade
im Verlauf des Krieges immer schwieriger wurde.
Es wurden Geschützgießereien in Richmond (Tredegar Iron Works)
und Atlanta angelegt, die aber nie ausreichend produzieren konnten,
zumal ihnen die materielle Grundlage fehlte. Dies galt ähnlich
auch für die Pulverfabriken in Augusta und Columbia,
deren Salpeterbedarf in den ersten Jahren aus Tennessee befriedigt wurde.
Trotzdem gab das Zeugamt in den 4 Kriegsjahren
341 Belagerungs- und 1306 Feldgeschütze aus, sowie das notwendige
Zubehör. Viele davon waren Beutestücke.

Teilansicht der Tredegar-Werke
mit zerstörten Geschützen nach der Einnahme von Richmond durch
die Union
Die Organisation
der Artillerie sah vor, daß jeder Division mindestens 4 Geschützbatterien
zugeordnet wurden, wobei theoretisch jeweils auf 1.000 Soldaten
1 Artilleriebatterie kommen sollte. Jede Batterie verfügte über
eine Flagge, die der ihres jeweiligen Hauptquartiers entsprach.
Hatte der Süden auch materielle Schwierigkeiten mit der Ausstattung
seiner Artillerie, so war die Handhabung jedoch verzüglich.
Beobachter hoben die ausgezeichneten Manövrierfähigkeiten
hervor.
Weiterführende Seiten sind unter Artillerie
zu finden.
Die
Kavallerie
Bei Ausbruch des Amerikanischen
Bürgerkrieges waren berittene Truppen nach Ansicht bedeutender
europäischer Militärs nur noch zu Hilfsdiensten einsetzbar.
Kavalleristen sollten Kurierdienste leisten und in der Aufklärung
eingesetzt werden. Im übrigen sollte das Pferd nur noch dazu dienen,
Soldaten schnell von einem Ort zum anderen zu transportieren. Es herrschte
Einigkeit darüber, daß Kavallerie in einem Gelände wie
den amerikanischen Südstaaten nicht wirksam eingesetzt werden konnte.
Da von Anfang an ohnehin nur eine geringe Zahl von Kavallerieoffizieren
vorhanden war,
verzichteten die Nordstaaten zu Beginn des Krieges auf eine effektive
Aufrüstung und Ausstattung ihrer Reitertruppen.

Die Praxis setzte
alle Gegner der Kavallerie ins Unrecht. Der beste Reiterführer
des Bürgerkrieges,
der junge Südstaatengeneral J. E. B. Stuart, bewies,
was Kavallerie auch im Zeitalter einer immer wirksamer werdenden Artillerie
und einer mit immer besseren Gewehren bewaffneten Infanterie zu leisten
vermochte. Tatsächlich erwies sich der Choc, der überfallartige
Reiterangriff,
nach wie vor als demoralisierendes Element erfolgreich. Im strategischen
Konzept der Südstaaten wurde die Kavallerie von Beginn an zu einer
dominierenden Waffengattung, die als Unterstützung anderer Truppenteile,
aber auch selbständig operierend,
mit großer Effizienz eingesetzt wurde.
Die großen
Erfolge der Südstaaten in den ersten Schlachten waren hauptsächlich
dem entschlossenen Reitereinsatz im Gefecht,
aber auch den hervorragenden Leistungen der Kavallerie als Aufklärungstruppe
und als Speerspitze im Hinterland des Feindes zuzuschreiben.
Die konföderierten Staaten setzten im Verlauf des Krieges insgesamt
137 Kavallerieregimenter ein, sowie einige selbständig operierende
Legionen, wie etwa die Truppe von John Singleton Mosby.
Die Organisationsstruktur:
1 Kavallerieregiment der Konföderierten bestand aus 4-10 Kompanien.
Die Stärke einer Kompanie lag zwischen 60 und 100 Mann. Regimentskommandeur
war der Colonel, die Kompanien wurden von Captains geführt.
Obligatorische Bewaffnung waren Säbel und Karabiner, Pistole oder
Revolver. In Wirklichkeit aber waren die Ausrüstungsmängel
für jeden offensichtlich.
Die Ausstattung mit Säbeln gelang in den Kriegsjahren. Jeder Regimentskommandeur
schätzte sich jedoch glücklich,
wenn er wenigstens 2 Kompanien seines Regiments mit Karabinern ausrüsten
konnte.
|
|
Soldat
im Mantel |
Sergeant |
Offizier |
Einheitlichkeit
war dabei nur selten möglich. Ebenso wie die verschiedensten Säbelmodelle
im Gebrauch waren, waren auch alle Arten von Feuerwaffen zu sehen, europäische
Gewehre ebenso wie Beutestücke aus dem Norden. Im Säbeleinsatz
lag die Schwäche der Südstaatenkavallerie. Die Truppen ritten
glänzende Attacken,
aber ihr Umgang mit der blanken Waffe war ungelenk. Es war nicht ungewöhnlich,
daß konföderierte Kavalleristen im „Mele", dem
dichten Reiterkampf,
oder auch bei der Verfolgung ihre Säbel wegsteckten und die Gegner
mit der bloßen Faust aus dem Sattel schlugen. Der Revolver wurde
dem Säbel vorgezogen.
Die Kavallerie der Südstaaten rekrutierte sich im wesentlichen
aus Pflanzern und Pflanzersöhnen, die von Kindesbeinen an gewöhnt
waren, zu reiten.
Sie gingen mit eigenen Pferden zur Armee. Auch das Pferdematerial war
im Süden besser als im Norden, da es hier eine lange Tradition
in der Pferdezucht gab.
Die Kavallerieeinsätze
von Turner Ashby mit der Armee „Stonewall”
Jacksons im Shenandoah-Tal zeigten zuerst die Überlegenheit
der südlichen Reiterei und ihre Einsatzmöglichkeiten. J.
E. B. Stuart aber war es, der den berittenen Truppen ein eigenes
Einsatzfeld schuf, das über die Rolle der Reiterei als Unterstützung
anderer Waffengattungen weit hinausging: Mit seinen sogenannten „Raids",
blitzschnellen Vorstößen von 1´000 bis 3´000
Reitern durch die feindlichen Linien, die den Nachschub im Hinterland
des Feindes zerstörten, unterminierte Stuart nicht nur die Moral
des Nordens, er erbeutete auch wertvolles Kriegsmaterial für den
Süden und leistete exzessive Aufklärungsarbeit. Die Reitleistungen
waren dabei enorm: Stuarts Truppe legte einmal in 27 Stunden 80 Meilen
zurück.
Im Regelfall war die Brigade die größte taktische Einheit.
Die Brigade wurde aus 2 bis 6 Regimentern gebildet. 2 bis 6 Brigaden
bildeten eine Division, 2 bis 3 Divisionen schließlich das Korps.

Zeitgenössische
Darstellung einer Szene des Reitergefechts von Brandy Station
Die größte
geschlossen agierende Kavallerietruppe der Südstaaten war das Kavalleriekorps
von Nord-Virginia unter General J. E. B. Stuart, das bis zu
12´000 Reiter erreichte und von berittener Artillerie unterstützt
wurde. Dies war eine absolute Ausnahmeerscheinung: Nur Stuart gelang
es, in der von Wäldern und Gräben durchzogenen Landschaft
eine so große Reitertruppe überzeugend zu führen.
Ihren Höhepunkt
erlebte die Südstaatenkavallerie in dem großen Reitergefecht
bei Brandy Station am 20. August 1862. Ansonsten erfolgte der Reitereinsatz
im Zusammenwirken mit anderen Truppenteilen, wobei die Bewegungen der
Armeen im Süden von Kavallerie vorbereitet wurden.
Major Justus Scheibert beschrieb den taktischen Einsatz der südlichen
Reiterei wie folgt:
„Man leitete
das Gefecht ein, indem man sich möglichst unbemerkt dem Feinde
zu nähern suchte. War keine vollständige Überraschung
angänglich,
so eröffnete gewöhnlich die Artillerie das Gefecht, um einesteils
den Feind zur Entwicklung zu zwingen, und andererseits, um den Regimentern
Zeit zu verschaffen,
zur Attaque aufzumarschieren ... Hatte die Cavallerie gedeckte Infanterie
gegen sich stehen, oder war man über die Stellung des Feindes nicht
genau orientiert,
so saßen einige Scharfschützeneskadrons ab und suchten den
Feind durch geschicktes Manövrieren zum Entfalten seiner Kräfte
zubewegen,
wobei natürlich die Artillerie Hilfe leistete.
Ein eigentliches Fechten als Infanterie, wie viele dies glauben, lag,
wie schon gesagt, der südlichen Cavallerie gänzlich fern ......
Die Entscheidung wurde durch die Attaquen herbeigeführt, welche
..... in 2 Gliedern ausgeführt wurden, wobei das ..... 2te Glied
eine Pferdelänge abblieb.
Die Chocs wurden sehr schneidig, aber nicht übermäßig
geschlossen geritten und im Moment des Einhauens ein markdurchdringendes
hohes Gellen ausgestoßen,
welches auch die Infanterie beim Bayonettangriff erschallen ließ."
Im Zusammenwirken
mit der Infanterie brachten die Angriffe der Reiterei auf die Flanken
des Gegners bei Offensivstößen meist den Erfolg.
Hier, wie auch bei den selbständigen Unternehmungen, die Stuarts
Korps hinter den feindlichen Linien ausführte, erwies sich,
daß im Süden die Möglichkeiten der Kavallerie, nämlich
die Schnelligkeit, die Beweglichkeit, weitaus konsequenter und phantasievoller
genutzt wurden als im Norden.
Daß es auch hier im Verlauf der Kriegshandlungen zu Änderungen
kam, zeigte sich, als Stuarts Raid im Vorfeld der Schlacht von Gettysburg
keine bedeutende Wirkung hatte, während General Lee ohne ausreichende
Informationen über die Feindbewegungen auf Gettysburg marschierte
und seine Kavallerie dringend für Aufklärungszwecke benötigt
hätte. Der Raid wurde in diesem späten Stadium des Krieges
überflüssig, sogar unnütz.
Mit dem Tod von J. E. B. Stuart verlor die südliche Reiterei
nicht nur ihre dominierende Führergestalt, sondern auch ihre hervorragende
Stellung.
Im Norden war es gelungen, den Rückstand der Kavallerie wettzumachen.
Ehrgeizige, schneidige Reiteroffiziere wie General Sheridan
profilierten sich
und kopierten Stuarts Taktiken. Ganz allgemein aber ging die Bedeutung
der Kavallerie zurück, je mehr geballter Materialeinsatz den Kriegsverlauf
bestimmte
und je stärker der Süden in die Defensive gedrängt wurde.

Bei Yellow
Tavern trafen am 11. Mai 1864
Nord- und Südstaatenreiterei zu dem letzten großen Kavalleriegefecht
zusammen.
Im Zuge dieses Kampfes
wurde der Mitte 1862 zum Major General beförderte J. E. B.
Stuart durch eine .44er Revolverkugel tödlich verwundet, abgefeuert
aus einem Colt-Revolver des Unionsreiters John A. Huff, eines ehemaligen
Berdan-Scharfschützen.
Der 48jährige Veteran hatte sich nach zwei Jahren in Berdans Korps
bei der 5. Michigan Kavallerie eingeschrieben,
in dessen Kompanie E er diente. 17 Tage nach seinem Schuß auf
Stuart wurde er selbst tödlich verwundet.
Die
Zerstörung von Eisenbahnlinien, Telegraphenleitungen und Materialtransporten
konnte den Vormarsch des Nordens nicht einmal kurzfristig aufhalten.
Gegen Ende des Krieges schlug die Nordstaaten-Reiterei mit gleichen
Mitteln zurück und vernichtete die letzten Reserven des Südens,
wobei nur noch selten etwas vom Geist der Ritterlichkeit,
wie er bei Stuarts Aktionen noch immer sichtbar gewesen war, anzutreffen
war,
sieht man das Vorgehen von General Shermans Kavallerie unter
Judson Kilpatrick (bezeichnenderweise mit dem Spitznamen „Kill
Cavalry” bedacht)
beim großen Marsch durch Georgia als Beispiel an.
Weiterführende
Seiten sind unter:
Kavallerie
zu
finden.
Das
Sanitätswesen
Die Militärmedizin
erhielt während des Amerikanischen Bürgerkrieges in erheblichem
Ausmaß evolutionäre Impulse.
Armeen in vorher nicht gekannter Mannschaftsstärke mußten
versorgt werden. Die umbruchartigen Entwicklungen im Militärwesen,
die sich in fast allen Abschnitten des amerikanischen Krieges zeigten,
wurden im medizinischen Bereich besonders deutlich.
Die Mediziner standen
während des Sezessionskrieges vor besonderen Problemen.
Sie waren beim Ausbruch der Kampfhandlungen ebensowenig auf einen Konflikt
dieser Dimension vorbereitet gewesen wie die Truppen beider Seiten.
Gleichwohl verlief auch auf diesem Gebiet die Entwicklung rasch voran.
Europäische Kriegsbeobachter,
die dem amerikanischen Militär generell mit Skepsis begegneten,
gelangten übereinstimmend zu dem Schluß,
daß die Organisation der medizinischen Versorgung in den gegnerischen
Armeen für ihre Zeit vorbildlich war.
Europäische Armeen zogen in späteren Jahren aus den amerikanischen
Erfahrungen Nutzen.
Die Südstaaten ernannten nach Gründung ihrer Armee einen Generalarzt
im Rang eines Brigadegenerals der Kavallerie.
Im Verlauf des Krieges wurden neben freiwillig dienenden Ärzten
weitere Mediziner und Hilfskräfte dienstverpflichtet.
Insgesamt trugen zwischen 1861 und 1865 ungefähr 1.000 Ärzte
im Rang eines Majors und ungefähr 2.000 Ärzte im Rang eines
Captains die graue Uniform.
Zivile Vertragsärzte, die kurzfristig zu Dienstleistungen in den
Truppen herangezogen wurden, erhielten den Rang von Second Lieutenants.
Die Organisationsstruktur
sah vor:

Stabsarzt
Jedes Regiment erhielt
einen Stabsarzt (Surgeon) im Rang eines Majors.
Für jeweils
200-250 Mann wurde ein weiterer Arzt (Assistant Surgeon) mit
je 1 Sanitäter eingeteilt.
Die Sanitäter wurden in der Regel als Unteroffiziere eingestuft.
Es handelte sich meist um Medizinstudenten.
Jeweils 100 Mann
wurden 2 Träger mit einer Bahre zugeteilt, die zusätzlich
mit Notverbandszeug ausgestattet waren,
um während der Bergung von Verletzten vom Schlachtfeld die erste
Versorgung vornehmen zu können.
Die Soldaten erhielten
ein breites, rotes Mützenband mit der Aufschrift „AMBULANCE
CORPS“.
Gegen Ende des Krieges
brach aber das ganze Transportsystem der Konföderierten aus Mangel
an Ausrüstung und wegen der Nachschubprobleme zusammen.
Zum Offiziersstab
einer Brigade gehörte ebenfalls 1 Arzt. Dieser koordinierte den
Einsatz des Sanitätspersonals der Regimenter,
aus denen die Brigade zusammengesetzt war. Ihm unterstanden die Ambulanzwagen,
besonders gefederte Planwagen, die von Maultieren gezogen wurden.
Für jeweils 100-200 Mann wurde 1 Ambulanzfahrzeug vorgesehen. Diese
Wagen konnten jeweils 2 Schwerverletzte liegend, oder 4-5 Leichtverletzte
sitzend befördern.
Die Chefärzte
der Brigaden organisierten im Vorwege einer Schlacht die Anlage von
Verbandsplätzen unweit der Kampflinien für die erste Versorgung
der Verwundeten
und leiteten die Einrichtung von Feldlazaretten hinter der Front an
strategisch günstigen Punkten. Sie brachten auch die Ambulanzträger
in Stellung.
Die Tätigkeit der Träger war exponiert und besonders gefährlich.
Sie rückten unmittelbar hinter der kämpfenden Truppe vor und
bargen die Verletzten
noch während der Schlacht. Sie trugen die Verwundeten aus dem Artilleriehagel,
versorgten die Verletzten mitten im Kampfgetümmel notdürftig
und brachten sie aus dem Feuerbereich. Auf den vorgeschobenen Verbandsplätzen
warteten die Ärzte, die leichte Verletzungen sofort behandelten
und über einen erneuten Einsatz oder den Abtransport der Soldaten
entschieden. Hier übernahmen die Ambulanzfahrzeuge die Schwerverletzten
und brachten sie zu den Feldlazaretten, wo Operationen, Amputationen,
etc. vorgenommen wurden. Danach erfolgte der Weitertransport ins Hinterland,
wo die Rekonvaleszenten in Krankenhäusern untergebracht wurden.
In starkem Maße
nutzte die Konföderierte Armee Privathäuser und Farmen zur
Unterbringung ihrer Verwundeten und Kranken.
Allerdings entstanden auch Hospitäler. In Richmond wurde das „Chimborazo
Hospital" eingerichtet,
dem mehrere andere Hospitäler verwaltungsmäßig zugeordnet
wurden. Dies war das größte Kriegshospital der Südstaaten,
das bis zu 5.000 Patienten auf einmal aufnehmen konnte. Im Kriegsverlauf
wurden hier insgesamt über 76.000 Soldaten des Südens behandelt.
Doch dies war der Endpunkt einer Entwicklung, die mit großer Verzweiflung
begonnen hatte: Erst die Rückkehr der ersten,
teilweise grausam verstümmelten Soldaten von der Front führte
der Zivilbevölkerung im Hinterland den Ernst des Krieges vor Augen.
In großer Hast wurde begonnen, provisorische Pflegestellen einzurichten,
bevor reguläre Hospitäler entstanden.
Der Bedarf konnte niemals vollständig gedeckt werden. Das galt
auch für den Personalbestand, sowie natürlich für Medikamente,
Essen und Kleidung.
Nachdem die größten Anstrengungen zur Versorgung der kämpfenden
Truppen unternommen worden waren, sank die medizinische Versorgung der
Zivilbevölkerung
auf einen immer niedrigeren Stand und wurde zudem - bedingt auch durch
die Inflation der Südstaatenwährung - unbezahlbar teuer.

Das Medical Department
der Konföderierten begann am 4. Mai 1861 mit drei Sanitätsoffizieren
seinen Dienstbetrieb. Als Sanitätsinspekteur fungierte zunächst
Surgeon Daniel De Leon, nach einigen Wochen folgte ihm ein anderer Sanitätsoffizier,
bis schließlich Surgeon Samuel Preston Moore am 1. Juli 1861 diesen
Posten mit dem Rang eines Oberst bis zum Ende des Krieges erhielt.
Samuel
P. Moore Surgeon General 1861 - 1885
Die
medizinische Versorgung der Südstaatenarmee stand und fiel mit
freiwilligen Hilfsleistungen. Dabei taten sich besonders die Frauen
der konföderierten Staaten hervor, die im Verlauf des Krieges hinter
der Front zu einem bedeutenden Hilfsfaktor der Armee wurden.
„Zu den Tausenden von Verwundeten kamen Tausende von Kranken.
Die konföderierten Truppen waren weder für die Versorgung
der einen noch der anderen ausgerüstet.
Die primitive medizinische Verwaltung bestand aus wenigen Ärzten
... Die medizinische Versorgung lag in den Händen von Männern
im Beschaffungsbüro,
deren ganze Qualifikation in dem Bestreben bestand, Uniform zu tragen
und nicht als Zivilisten gebrandmarkt zu werden, die aber die Gefahr
des Krieges scheuten.
Hotels, Privathäuser oder irgendwelche Bauten mit einem intakten
Dach wurden zu Hospitälern.
Wie im Osten, wurden die Pflegedienste von freiwilligen Frauen geleistet,
die meist aus der Nachbarschaft der Hospitäler kamen.
Einige aber zogen auch vom unteren Mississippi oder aus Alabama heran.
Aus Mobile erschien eine Gruppe von 30 Ladies,
die sich selbst als „Florence-Nightingale-Brigade" bezeichneten.
Sie prüften die Situation eines Hotels (in Corinth),
das in ein Hospital umgewandelt worden war, wo sogar die Korridore mit
leidenden Männern angefüllt waren.
Danach hielten sie eine Versammlung ab und verdammten das Mißmanagement,
das sie im Tishomingo-Hotel-Hospital angetroffen hatten, in einer Resolution.
Eine Woche später
waren nur noch 2 oder 3 der Frauen geblieben. Darunter befand sich Miß
Kate Cumming,
die eine hervorragende Leiterin des Hospitals wurde, permanent im Hospital-Service
der Konföderierten blieb
und aufschlußreiche Berichte über ihre Erfahrungen hinterließ.
Ella Newsome, Tochter eines Baptistenpfarrers aus Brandon, Mississippi,
wurde aufgrund ihrer Arbeit für den Hospital-Service so berühmt,
daß man sie die „Florence Nightingale des Südens"
nannte. Die ganze Treue von Mrs. Newsome gehörte der Armee.
Generäle schrieben ihr persönliche Briefe aufgrund ihrer Tätigkeit.
Ihr Wirken war typisch für die Situation des freiwilligen Pflegedienstes,
wo Hunderte sich berufen fühlten, aber nur wenige auserwählt
waren."
Clifford Dowdey, THE LAND THEY FOUGHT FOR, 1955
Ella King Newsome,
die sich im Memphis City Hospital hatte ausbilden lassen, leitete konföderierte
Hospitäler in Nashville, Chattanooga und Atlanta und bewies neben
pflegerischer Begabung und menschlicher Größe beachtliche
administrative Talente.
Besondere Bewunderung erntete auch Phoebe Yates Pember, eine junge Witwe
aus einer führenden jüdischen Familie von Savannah. Sie leitete
von Dezember 1862 bis zum Kriegsende das „Hospital No. 2",
eine der 5 Dependenzen des „Chimborazo Hospital". Entschiedenheit
und Charme, Intelligenz, Vernunft und Takt waren ihre hervorstechendsten
Merkmale. Trotz enormer Belastung in einem Kriegshospital gewannen die
Verwundeten, die ihrer Obhut anvertraut wurden, das Gefühl, daß
sie für jeden einzelnen persönlich Zeit hatte.
Organisatorisch
war der konföderierte Sanitätsdienst nicht schlechter als
jener der Unionsstreitkräfte, aber er litt am Ende - wie alle anderen
Armeeteile auch - an eklatanter Material- und Personalnot, woran auch
die aktiven Frauenvereine, die bis zuletzt Geldmittel und Material für
die Hospitäler sammelten, nichts zu ändern vermochten.
Weiterführende
Seiten sind unter
Sanitätsdienst
1861-1865
zu
finden.
Zurück
›
Startseite ›
Weiter