Mit
freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
Dietmar KÜGLER •Die Armee der Südstaaten im Amerikanischen
Bürgerkrieg 1861-1865•
und •Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate
Armies• 1891-1895
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (LOC) und des
National Park Service
sowie Veröffentlichungen
des Naval Historical Center (NHC)
Die Streitkräfte
der Südstaaten
im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865
Seite
4
Die
Marine
Zu
den am wenigsten beachteten Aspekten des Amerikanischen Bürgerkrieges
gehört die Geschichte der konföderierten Marine. Erstaunlicherweise
wird zumeist angenommen, daß es sich hier um eine Abteilung der
Konföderierten Armee gehandelt hat, die keinerlei Aufmerksamkeit
verdient, da sie nur eine sekundäre Rolle spielte.
Wie die meisten Pauschalurteile über den Bürgerkrieg, ist
auch dieses falsch und gründet sich wohl im wesentlichen auf dem
Spott, den die Öffentlichkeit der Nordstaaten über die konföderierten
Seestreitkräfte ausschüttete, wie an zahllosen Karikaturen
der Zeit, in denen von „Jeff Davis-Nußschalen-Flotte" die
Rede war, deutlich wurde.
Tatsächlich bereitete der Aufbau der konföderierten Marine
die vielleicht größten Schwierigkeiten, größere
als die Organisation der Landstreitkräfte. Mehr als auf anderen
Gebieten machte sich die industrielle Unterlegenheit der Konföderierten
Staaten bemerkbar. Aber auch die finanziellen Mittel, die die Südstaaten
für den Aufbau der Marine aufwendeten, nahmen sich bescheiden aus:
Aus den Haushaltsmitteln der konföderierten Regierung zwischen Februar
1861 bis August 1862 von annähernd 350 Millionen Dollar, wurden
weniger als 15 Millionen für die Marine bereitgestellt.
CSS Atlanta
„Das Holz für die Schiffe stand noch in den Wäldern und war,
wenn es geschlagen und geschnitten war, grün und weich. Das benötigte
Eisen befand sich in den Minen. Es gab weder Schmelzöfen noch
Werkstätten.
Der benötigte Hanf für die Seile mußte erst ausgesät
werden, wachsen und geerntet werden - aber dann gab es keine Reeperbahnen
(Seilereien).
Die südlichen Staaten hatten niemals genügend Eisen für
den Bedarf ihres Volkes in Friedenszeiten produziert, und nun, da
der Krieg den Bedarf dieses unverzichtbaren Metalls vervielfacht hatte,
stieg
der Preis von 25 $ auf 1300 $ die
Tonne. Trotzdem konnten weder mit Geld noch mit Fleiß die Forderungen,
die die Navy und die Armee erhoben, sowie die Notwendigkeiten des
Eisenbahnbaus in einem großen Krieg
erfüllt werden.
Weder eine Eisenpresse, die Eisenplatten von 2,5 Inch Stärke herstellen
konnte, noch eine Werkstatt, die imstande war, Schiffsmaschinen anzufertigen
und den Bau, die Ausrüstung und Instandhaltung von Kriegsschiffen
zu gewährleisten, waren vorhanden.
Als die konföderierte Regierung im Februar 1861 gebildet wurde,
war Virginia noch nicht aus der Union ausgetreten. Die „Tredegar
Iron Works" und die „Belona Foundry” (Schmelzerei)
in Richmond waren nicht verfügbar. Der Pensacola Marine-Hafen
mit seinen Docks war nicht für den Schiffsbau eingerichtet, lediglich
für
Reparaturen und als Schutzhafen." J. Thomas
Sharf, HISTORY OF THE CONFEDERATE STATES NAVY, 1977
Bei
Bildung der konföderierten Regierung war auch ein Marineministerium
eingerichtet worden, das von Stephen Mallory übernommen wurde, einem
ehemaligen Senator von Florida, der in seiner Parlamentszeit den Senatsausschuß für
Marine-Angelegenheiten geleitet hatte. Er erwies sich als einer der fähigsten
Politiker des Südens.
Die Probleme, vor denen er stand, sind kaum zu beschreiben. Mit viel Energie
und Improvisationstalent leistete er binnen kurzer Zeit Erstaunliches.
Es galt, nicht nur neue Schiffe zu beschaffen, was mit der Verschärfung
des Kriegszustandes immer schwieriger wurde, da britische und französische
Werften sich im Rahmen der Neutralitätsverpflichtungen weigerten,
Schiffe für die konföderierten Staaten zu bauen, bzw. fertiggestellte überhaupt
auslaufen zu lassen. Vorhandener Schiffsraum - meist kleinere und größere
Handelsschiffe, Schalupen, sogar Flachboote an der Küste und auf den
Flüssen - mußte beschlagnahmt, und die Schiffe mußten
kriegsmäßig ausgerüstet, Material beschafft und Personal
rekrutiert und ausgebildet werden.
Nur
ca. 20 % der Offiziere der US-Navy, die in den Südstaaten beheimatet
waren, nahmen 1861 ihren Abschied, um sich der Konföderation zur Verfügung
zu stellen. Ein Zahlenbeispiel: Von 93 US-Kapitänen im Jahre 1861
stammten 38 aus den Südstaaten, aber nur 16 von ihnen traten tatsächlich
in die Dienste ihrer Heimatstaaten. Bei den Mannschaften war das Verhältnis
noch weitaus schlechter, so daß ein neuer Mannschaftsstamm erst aufgebaut
werden mußte.
Der Aufbau einer leistungsfähigen Marine wurde immer drängender,
nachdem Abraham Lincoln am 27. April 1861 eine Blockade zunächst über
die Häfen von Virginia und North Carolina verhängt hatte. Als
Antwort darauf bevollmächtigte der konföderierte Kongreß am
6. Mai Präsident Jefferson Davis, für Schiffe der Südstaaten
Kaperbriefe auszufertigen und Prisengelder für das Aufbringen von
Handelsschiffen der USA zu zahlen. Doch dazu kam es nicht, denn die Kaperschiffe
wurden offiziell in den Dienst der C.S. Navy gestellt. Die Blockade sollte
die Versorgung der Südstaaten lahmlegen.
Ihr Erfolg war anfangs zweifelhaft, zeitigte aber mit dem Fortschreiten
des Krieges mehr und mehr Wirkung.
CSS Tennessee
Trotz
aller Schwierigkeiten verfügte
die konföderierte Marine
im November 1861 über folgende Schiffe:
Die „Sumter",
die „Dixie",
die „Jefferson
Davis",
die „Gordon",
die „Merrimac",
die „Petrel",
die „Everglade",
die „Savannah",
die „Webb",
die „McClelland",
die „McRae",
die „Yorktown",
die „Patrick
Henry", die „Resolute",
die „Sallie",
die „Bonita",
die „James
Grey", die „Calhoun",
die „Ivy",
die „Dodge",
die „Lady
Davis",
die „Lewis
Cass", die „Washington",
die „Nina",
die „Jackson",
die „Tuscarora",
die „Pickens",
die „Bradford",
die „Nelms",
die „Coffee",
die „Nashville",
die „Manassas",
die „George
Page", die „Judith",
und einige mehr.
Die
konföderierte Marine wies an Offizieren zu diesem
Zeitpunkt auf: 9 Kapitäne zur See, 25 Fregattenkapitäne, 24
Kapitänleutnante, 6 Oberfähnriche, 7 Ärzte,
8 Zahlmeister,
1 Chef-Ingenieur, 1 Ingenieur, 2 Marine-Agenten, 1 Oberst, 1 Oberstleutnant,
1 Major, 2 Hauptleute und 3 Leutnante der Marine-Infanterie.
Trotz
der finanziellen Probleme und schwerer militärischer Rückschläge,
die das Terrain der Südstaaten einengten, operierte die konföderierte
Marine kontinuierlich, und das Marineministerium bewerkstelligte
sogar den Bau eigener kleiner kriegstüchtiger Schiffe im eigenen
Land: Im Mai 1863 waren 23 Kanonenboote im Bau, davon 20 aus Eisen.
In Richmond
wurden gepanzerte Dampfschiffe gebaut und ausgerüstet, sowie
Blockadebrecher und Torpedoboote produziert.
Die Panzerung der meist hölzernen Schiffe zu Beginn des Krieges erwies
sich als unausweichlich, vor allem dann, wenn die konföderierte Marine
selbst angreifen und nicht nur verteidigen wollte. Ein Beispiel für
die hier zu treffenden Maßnahmen zeigte der Report des Marineministers
am 18. Juli 1861 an das konföderierte Parlament über ein besonders
bekanntes Kriegsschiff der Südstaaten:
„Die
Fregatte Merrimac wurde auf Dock gelegt .....
Es wurde beschlossen, sie so schnell wie möglich komplett
mit 3-Inch-Eisenplatten zu panzern, daß sie vor Kanonenkugeln
sicher ist. Ferner ist sie mit den schwersten Kanonen zu bestücken,
damit sie gegen die feindliche Flotte geschickt werden kann. Wir
glauben, daß diese Maßnahmen
sie in den Stand versetzen, sich mit Erfolg gegen die schwersten Schiffe
des Feindes
zu
behaupten und diese von den Häfen Virginias zu vertreiben. Die
Kosten dieser Arbeiten werden vom Konstrukteur und dem Ingenieur auf 172523
$ geschätzt. Da die Zeit das Wichtigste in dieser Sache
ist, habe ich nicht gezögert, die Arbeiten beginnen zu lassen
und bitte den Kongreß um
die notwendigen Genehmigungen."
CSS Albemarle
Andererseits
erwies sich gerade an den eisernen Riesen zu Wasser, die zu Beginn
des Krieges
eine große, scheinbar entscheidende Rolle spielten,
daß der Bürgerkrieg auch hier Veränderungen auslöste:
Das Gefecht der „Merrimac" mit
dem leichten, wendigen „Monitor",
einer Schiffsart, die noch im 1. Weltkrieg zum Einsatz gelangte, zeigte,
daß der finanzielle Aufwand für die Panzerschiffe häufig
nicht gerechtfertigt war.
Die Blockadebrecher der Südstaaten waren in den ersten Kriegsjahren
außerordentlich erfolgreich. Eine Statistik belegt, daß 1861
nur 1 von 10 Blockadebrechern der Nordstaatenmarine ins Netz ging.
1862 waren es bereits 1 von 8. 1 Blockadebrecher von 4 scheiterte 1863
am Gürtel
der Nordstaaten-Navy, 1 von 3 im Jahr 1864, und im letzten Kriegsjahr
1865 wurde von 2 Blockadebrechern jeweils 1 abgefangen. Insgesamt kam
es zu
etwa 8200 Gefechten vor den Küsten der Südstaaten.
Die
Stärke
der Südstaaten-Marine erwies sich weniger in direkten
Seegefechten als vielmehr in Angriffen auf Handelsschiffe des Nordens.
Im Verlauf des Krieges fuhren insgesamt ungefähr 500 Wasserfahrzeuge
aller Größen unter konföderierter Flagge. Auf diesen
Schiffen dienten im Kriegsverlauf knapp 4´000 Mann, eingeschlossen
die Offiziere
und die Marine-Infanterie. Um die Größenverhältnisse
zu veranschaulichen soll die Stärke der Nordstaaten-Navy gegenübergestellt
werden: über 130´000 Mann.
Innerhalb der Navy gab es mehrere Spezialabteilungen, deren Einsatz
durchaus effektiv war und Beachtung verdient.
Weiterführende
Seiten sind unter Marine
im amerikanischen Bürgerkrieg Die
Kaperpolitik der Konföderation
Die
Marine-Akademie
Zu
den Verdiensten des Marineministers Mallory gehörte die Einrichtung
einer Ausbildungsstätte für konföderierte Seeoffiziere.
Am 16. März 1861 genehmigte der Kongreß die Gründung
einer Akademie in Richmond. Die Realisierung konnte allerdings erst
1863 in Angriff genommen werden. Ein Parlamentsbeschluß vom 21.
April 1862 begrenzte die Zahl der angehenden Fähnriche auf 106.
Am 23. März 1863 wurde eine Offizierskommission ernannt, die für
den Lehrplan und die Examinierung der Kadetten zuständig war.
Folgende Fächer wurden unterrichtet: Seemannschaft, Waffenkunde,
Mathematik, Maschinenwesen, Navigation, Englisch, Französisch,
Zeichnen und Konstruktion. Das Dampfschiff „Patrick
Henry" aus der James-River-Flotte wurde als Schulschiff
bestimmt. Kommandant der Akademie wurde Lieutenant (Kapitänleutnant) William
Harwar Parker, ein hervorragender Seemann, der in der
US-Navy gedient hatte.

Patrick
Henry
Im Herbst 1863 waren die Lehrer der Akademie ernannt. Die Schule
nahm ihren Betrieb auf. Die Kadetten wurden durch Kongreßmitglieder aus ihren jeweiligen
Wahlkreisen ausgewählt und empfohlen. Sie kamen aus den angesehensten
Familien der Südstaaten. Zunächst traten 50 Schüler in die Akademie
ein, nicht unter 14 Jahre und nicht über 18 Jahre alt. Kaum
ein Jahr später wurden die ersten Prüfungen durchgeführt.
Die Kadetten mußten in den Einsatz, denn der US-General Butler
war in Bermuda Hundreds gelandet. Der Schulbetrieb mußte immer
wieder unterbrochen werden: Im Sommer 1864 waren die Kadetten immer
wieder gezwungen, zu kämpfen statt zu studieren. Der Ring der
Nordstaaten um Richmond wurde enger.
Die Besatung des Schulschiffes bestand zu dieser Zeit aus 60 Mann und
10 Offizieren, als im März 1865 ein Lagerhaus Ecke Franklin- und 24th
Street in Richmond gemietet wurde, um den Unterricht weiterzuführen. Aber
am 1. und 2. April mußte
die Stadt evakuiert werden, und die Kadetten wurden eingesetzt, um Regierungsakten
und den Staatsschatz in Sicherheit zu bringen. In Abbeville, South Carolina, übergaben
sie ihre wertvolle Fracht an den amtierenden Schatzminister der Konföderation.
Auf Anordnung des Marineministers wurde die Truppe sodann am 2. Mai 1865 aufgelöst.
Sie hatte nicht kapituliert und sich niemandem ergeben.
Jeder Kadett erhielt aus dem geretteten Staatsschatz 40 $ in
Gold und wurde nach Hause entlassen.
Die
Marines
Am
16. März 1861 beschloß der konföderierte
Kongreß die
Gründung eines Korps Marineinfanterie. Das Gesetz wurde durch einen
Beschluß vom 20. Mai ergänzt.
Die Organisation sah vor:
1 Oberst, 1 Oberstleutnant, 1 Major, 1 Quartiermeister im Rang eines
Majors, 1 Major als Adjutant, 1 Oberstabsfeldwebel, 1 Quartiermeister-Feldwebel,
10 Hauptleute, 10 Oberleutnante, 20 Leutnante, 40 Feldwebel, 40 Unteroffiziere,
10 Trommler, 10 Pfeifer, 2 weitere Musiker und 840 einfache Soldaten.
Die Dienstverpflichtung erfolgte entweder auf 3 Jahre oder für
die gesamte Kriegszeit. Jeder Freiwillige erhielt ein Kopfgeld von 50
$ für
die erste Verpflichtung und bei einer Verlängerung seines Dienstes
noch einmal 40
$. Im September 1862 wurde eine Verstärkung der Unteroffiziersdienstgrade
beschlossen.
Im Mai 1861 waren über 100 ehemalige Marineinfanteristen der US-Navy,
die aus den Südstaaten stammten, in Richmond eingetroffen und
hatten sich der Konföderation zur Verfügung gestellt. Sie
bildeten die Grundlage des Marine-Korps der CSA-Armee.
Die Organisation der Truppe begann in Montgomery und wurde in Richmond
abgeschlossen.
Erster Kommandeur war Colonel Lloyd J. Beall, ein ehemaliger
Offizier der US-Armee.
Bis
zum Sommer 1862 war das sich bildende Korps praktisch vollständig
in und um Richmond stationiert.
Am 15. Mai 1862 war es bei Drewry's
Bluff eingesetzt und unterstützte konföderierte Artillerie
gegen einen Angriff der Unions-Panzerschiffe „Monitor", „Naugatuck"
und „Galena".
Ein Teil der Marines wurde der Besatzung des konföderierten
Schiffes „Virginia" zugeteilt.
Ein Bericht von Colonel Beall vom 30. Oktober 1864 besagte, daß die
ursprünglich vorgesehene Kopfstärke der Truppe nicht erreicht
worden war.
Zu diesem Zeitpunkt standen 539 Mann in den Listen der
CSA-Marines, davon waren 2 Hauptleute, 3 Leutnante und 62 Soldaten
inzwischen in Gefangenschaft
geraten. In der Naval-Station von Charleston warteten zusätzlich
32 Rekruten auf ihren Einsatz.
Konföderierte Marineinfanterie
diente auf den Dampfschiffen „Tallahassee" und „Chickamauga".
Sie war an der Verteidigung von Fort Fisher am 24. und 25. Dezember
1864 und am 5. Januar 1865 beteiligt.
Der
Army Torpedo Service und der Naval Submarine Battery Service
Die zahlreichen
Einsätze von „Torpedos“ markierten
einen neuen Abschnitt der Kriegsführung. Im Amerikanischen Bürgerkrieg
wurden darunter allerdings keine lenkbaren, mit eigenem Antriebssystem
versehene Unterwassersprengkörper verstanden, sondern nur schwimmende
oder verankerte Minen sowie Landminen.
Die Erfindung war nicht neu, denn schon im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
erhielt David Bushnell von General George Washington die Genehmigung,
kleine, mit Pulver gefüllte Fässer in den Delaware River oberhalb
von Philadelphia einzusetzen. Durch treibende Eisschollen behindert,
erreichten diese erst 10 Tage später als geplant die britische Flotte.
Ein Faß explodierte, als man es aus dem Wasser holen wollte, die
anderen wurden durch die Schiffsgeschütze zerstört.
Die Entwicklung dieser ebenso
heimtückischen wie wirkungsvollen
Waffen erlebte während des Bürgerkrieges enormen Auftrieb.
Der erste bekannte Einsatz von Minen der konföderierten Navy fand
am 7. Juli 1861 statt, als die Südstaaten-Marine zylinderförmige
Seeminen an der Mündung des Aquia Creek in den Potomac-Fluß versenkte.
Die Aktion wurde beobachtet, die Minen konnten entschärft werden.

Die USS Resolute birgt
die zwei noch sehr einfache Treibminen (Kontaktminen) im Potomac-Fluß
Am
7. Februar 1862 hatte Brigadegeneral Ulysses S. Grant sehr viel Glück.
Er befand sich zusammen mit Flaggoffizier Foote auf der USS Cincinnati
im Tennessee River, als losgerissene Minen am
Schiff vorbeitrieben.
Foote ließ einige davon herausfischen und
zusammen mit Grant beobachtete
er die Entschärfung an Bord. Im Oktober 1862 genehmigte
der Kongreß der Südstaaten die
Aufstellung des „C.S. Army Torpedo Bureau“ in Richmond unter
Leitung des
Brigadegenerals Gabriel J. Rains. Rains, ein Absolvent der Militärakademie in West
Point, hatte sich seit seiner Teilnahme am Seminolen-Krieg für Sprengstoffe
und deren Einsatz im Krieg beschäftigt und experimentierte mit Landminen,
wobei er 1863 den Zeigefinger und den Daumen der rechten Hand verlor.
Als sich am 4. Mai 1862 ein
Kavallerieregiment der Union auf der Straße
der Stadt Richmond näherte, knallte es plötzlich unter den
Hufen der Pferde.
Es gab mehrere Tote und Verletzte, die Pferde waren
nicht mehr zu halten und stoben in alle Richtungen davon, Panik brach
aus.
Die Reiter waren auf Minen gestoßen, die in der Straße
vergraben waren, um sie aufzuhalten.
So endete der erste größere
Einsatz von Landminen ziemlich erfolgreich für die Konföderierten.
Anmerkung: In
Deutschland lautete damals die militärische
Bezeichnung für diese Minen „Landtorpedos mit Trittzünder“.

Die noch sehr einfache Landmine von Rains
Die Minen
waren von General Rains nach einem Entwurf von Samuel Colt gebaut worden.
Als auch noch in Gehöften, bei Telegrafenmasten und
in Brunnen vereinzelt Minen (Sprengfallen) explodierten, löste dies
im Norden wie im Süden erregte Diskussionen über diese grausame
Waffe aus.
General Rains wurde
ins Kriegsministerium befohlen, wo er die Einsatzmöglichkeiten
dieser neuen Waffe erläuterte. Kriegsminister George Randolph entschied
nun, daß „es erlaubt ist, Minen vor den Wällen von Befestigungen
zu verlegen, um Angriffe abzuwehren, und sie auf Straßen zu verlegen,
um eine Verfolgung durch den Feind zu verlangsamen. Nicht erlaubt ist
der Einsatz, wenn damit nur einzelne Soldaten getötet werden sollen.“
Als Leiter (Superintendent) des „Torpedo Bureau“ hatte General
Rains zunächst nur 20´000 $ zum Kauf von Minen zur Verfügung.
Dies änderte sich aber bald, und so konnte er sogar mit dem Aufbau
von Waffenfabriken in Richmond, Wilmington, Mobile, Charleston, and Savannah
beginnen, die Land- und Seeminen produzierten. Passend dazu bekam sein
jüngerer Bruder George die Stelle eines Leiters des „Niter
and Mining Bureau“ (Salpeter- und Bergwerksamt“ im Waffenamt
(Ordnance Department) und war damit mit für die Beschaffung und
Herstellung von Schießpulver zuständig.
Da blieb es nicht
aus, daß man beide scherzhaft die „Bombenbrüder“ nannte.

Landmine mit elektrischem Zünder
Im Jahre
1864 waren die Zufahrtsstraßen von Richmond durch 1300
Minen geschützt, von denen viele mit Drähten ferngezündet
werden konnten.
Um eigene Verluste zu vermeiden, hatte man die Minen
mit kleinen Fähnchen gekennzeichnet, die erst bei der Annäherung
des Feindes entfernt werden sollten.
Als man 1960 fünf Landminen aus dem Bürgerkrieg fand, wurden
sie fast 100 Jahre nach ihrer Verlegung als „immer noch sehr gefährlich“ eingestuft.
Da man den Feind nicht nur
aufhalten, sondern auch auf seinem Staatsgebiet schädigen wollte, baute Rains zu Beginn des Jahres 1864 eine Art „Geheimdienst“ mit
Agenten auf, die mit Land- und Seeminen Sabotageakte in den Nordstaaten
verüben sollten. Heute würde man sie als Kommandoeinheit bezeichnen.
Diese Confederate Army Secret Service Company unter Hauptmann Zere
McDaniel fügte der Union beträchtlichen Schaden zu.
Hier nur einige Beispiele:
Am 6. Mai 1864 lief das Kanonenboot USS Commodore
Jones im James River
auf eine elektrisch gezündete Mine, die 1000 Pfund Schwarzpulver
enthielt,
und flog in die Luft. Am 9. August 1864 schmuggelte John Maxwell, Angehöriger
der Secret Service Company, mit Hilfe des ortskundigen R.K. Dillard
als Hafenarbeiter
verkleidet ein Holzkistchen mit der Aufschrift „Kerzen“ an
Bord eines Lastkahns im Hafen von City Point, Virginia, einem wichtigen
Umschlagplatz der Union.
In dem Kästchen waren aber 12 Pfund Pulver
und ein Zeitzünder (Uhrwerk). Eine Stunde später gab es eine
gewaltige Explosion,
etwa 20´000 – 30´000 Artilleriegranaten und
75´000 Schuß Gewehrmunition flogen auf dem Munitionsschiff in die
Luft und zerstörten und beschädigten zusätzlich noch zahlreiche
Lagerhallen und Frachtschiffe im Hafen. Die Explosion tötete etwa
43 Personen und führte zu einem Schaden von schätzungsweise
2 Millionen Dollar.
Dies war einer der größten Erfolge des
Torpedo Service.
Eine ähnliche Aktion war in Mound City, Illinois,
erfolgreich, als konföderierte Saboteure einen Nachschubtransport
für den Nordstaaten-Admiral
Porter zerstörten.
Am 27. November 1864 gelang es Saboteuren dieser Einheit, einige Minen
auf die USS Greyhound zu schmuggeln, die General Benjamin F. Butler
als schwimmendes Hauptquartier diente. Die von Captain Thomas E. Courtenay
entwickelten Minen hatten das Aussehen von Kohlestücken und wurden
unter die Kohlen gemischt.
Es dauerte nicht lange, dann explodierte eine
davon im Heizkessel, Feuer brach aus und das Schiff sank innerhalb von
fünf Minuten.
Aber nicht nur Schiffe und Häfen waren das Ziel von solchen Anschlägen.
Nach dem Krieg berichtete McDaniel auch von Einsätzen gegen Brücken,
Eisenbahnzügen und Gleisanlagen. Die letzten Aktionen des konföderierten
Torpedo Service fanden 1865 statt:
Der US-Monitor „Milwaukee" lief
im Blakely River bei Mobile auf eine Südstaaten-Mine. Am 6. Juni
sank das US-Kanonenboot „Jonquil" auf
dem Ashley River
bei Charleston, South Carolina. Insgesamt versenkte
der konföderierte Torpedo Service 40 Schiffe
und Boote der Nordstaaten.
Gleichzeitig
mit der Aufstellung des „Torpedo
Bureau“ des Heeres wurde auf Betreiben von Commander (Fregattenkapitän)
Matthew F. Maury in der konföderierten Marine der „Naval
Submarine Battery Service" aufgestellt, dessen Leitung er aber nur kurze Zeit übernahm,
denn er wurde bald darauf nach Europa abkommandiert. Sein Nachfolger
wurde Lieutenant (Kapitänleutnant) Hunter Davidson.
Mit diesen Dienststellen
bei Heer und Marine sollten der Einsatz und die Entwicklung von See-
und
Landminen zusammengefaßt und verbessert
werden.
Der konföderierte Kongreß erließ außerdem
ein Gesetz, daß demjenigen, der mit einer Mine ein Feindschiff
zerstörte, eine Prämie verhieß.

Ein Minenleger bei seiner nächtlichen Arbeit im Hafen von
Charleston
So wurden von der Marine sogenannte Torpedo-Stationen in Richmond, Wilmington,
Charleston, Savannah und Mobile eingerichtet, sowie mehrere Unterabteilungen
an anderen strategisch wichtigen Punkten. Die Besatzungen der Torpedo-Stationen
wurden zur absoluten Geheimhaltung verpflichtet. Sie genossen allerdings
auch erhebliche Privilegien im Vergleich mit anderen Angehörigen
der Marine; denn das Minenlegen waren extrem gefährlich, und häufig
sprengten die Einsatzkommandos sich aufgrund kleiner Fehler selbst in
die Luft.
Bald schon zeigten sich erste
Erfolge des Mineneinsatzes. Das erste Schiff, das durch eine Seemine
versenkt wurde, war das 512-Tonnen-Panzerschiff
USS Cairo. Während eines Einsatzes auf dem Yazoo River im Staat
Mississippi, bei dem sie Minenräumboote unterstützen sollte,
lief sie selbst am 12. Dezember 1862 auf eine Mine, die vom Ufer aus
durch einen konföderierten Kommandotrupp ferngezündet worden
war und versank nach eine heftige Explosion innerhalb von 12 Minuten.

Das Ende der USS Cairo.
Im Vordergrund ist eines der Minenräumboote zu sehen.
Um dieses
einfache „Herausfischen“ zu erschweren, brachte man später eine zusätzliche,
kleinere Mine mit Drahtzündung an der ursprünglichen Mine an.
1863 und 1864 häuften sich die Schläge gegen Nordstaaten-Schiffe.
Vom Sommer 1863 an verstärkte der Norden die Bemühungen, Techniken
zu entwickeln, um Unterwasserminen aufzuspüren und zu entschärfen
- ein sehr teures und aufwendiges Unterfangen, zumal die Unterwassersprengkörper
zunehmend perfekter wurden.

Minen
mit mehreren Zündköpfen wurden bald
durch solche ersetzt, die weit ausgreifende Rahmen hatten, ein Metallgestänge,
dessen Berührung die Sprengung auslöste. Es wurden Minen eingesetzt,
deren Auslöser aus mehreren Drähten bestanden, die mit harmlos
wirkendem Treibgut auf der Wasseroberfläche verbunden waren, daß selbst
Flachboote nicht mehr vor Zerstörung sicher waren. Zu
den bemerkenswertesten Erscheinungen des konföderierten Torpedo
Service gehörte die Entwicklung von Unterseebooten oder sogenannten „Unterwasser-Torpedobooten".
Hier zeigte sich vielleicht besonders, mit welch bedingungslosem Einsatzwillen
Südstaatler in diesen Bruderkrieg zogen, wie verzweifelt sie zu
kämpfen bereit waren, um gegen den übermächtigen Feind
zu bestehen; denn gemessen an dem, was die Unterwasserfahrzeuge des Südens
erreichten, waren die Opfer, die dabei gebracht wurden, immens.
Zu
den halbwegs erfolgreichen Versuchen auf diesem Gebiet zählte
die „David", ein dampfgetriebenes
sogenanntes Torpedoboot aus Holz.
Es hatte die Form einer beidseitig
spitz zulaufenden Zigarre,
war ungefähr 40 bis 60 Fuß lang und hatte in der Mitte bis
zu 7 Fuß Durchmesser. Im Bug war der Kessel angebracht, die Maschine
lag im Heck. Dazwischen befand sich ein winziger Raum, in dem sich der
Kapitän,
der Maschinist und eventuell ein Steuermann oder weitere
Besatzungsmitglieder in drangvoller Enge aufhielten.
Darüber lag
die Einstiegsluke. An der Bugspitze befand sich eine von der Kabine aus
zu bewegende lange Stange, die aufwärts und abwärts dirigiert
werden konnte. Diese Stange trug den ’Torpedo’, eine Kupferhülse,
die mit 50 bis 70 Pfund Pulver gefüllt und einem mechanischen Zünder
versehen war.
Diese
Konstruktion nannte man Stangen- oder Spierentorpedo.
Eine
zweiblättrige Schraube trieb die „David" an,
die mit dem Rumpf unter die Wasserlinie tauchen konnte, so daß nur
noch der Schornstein der Dampfmaschine aus dem Wasser ragte. Typisch
für die Südstaaten war, daß Konstruktion und Bau
der ersten „David", der gegen die „Goliath" des
Nordens eingesetzt werden sollte, von einem Privatmann, Theodore
Stoney aus Charleston,
finanziert worden war. Das erste Modell wurde von Lieutenant (Kapitänleutnant)
W. T. Glassel kommandiert. Einsatzziel war es, unter Wasser bis
an die feindlichen Schiffe heranzufahren und sie mit der Torpedostange
zu rammen
und zu versenken. 
Die David im Hafen von Charleston
Bei Morris
Island, South Carolina, fuhr die erste „David" gegen
die „New Ironside". Der ’Torpedo’ explodierte
planmäßig - allerdings viel zu hoch, um das Nordstaatenschiff
zu versenken - und erzeugte eine derartige Druckwelle, daß die „David" selbst
vollständig unter Wasser gedrückt wurde, so daß der Schornstein
unter die Wasseroberfläche geriet und das Feuer im Kessel gelöscht
wurde. Lieutenant Glassel ließ die Luke aufstoßen und stieg
mit seiner Besatzung aus. Nur der Steuermann blieb verletzt zurück.
Schwimmend versuchten die anderen, sich zu retten. Glassel geriet in
Gefangenschaft. Der Maschinist aber schaffte es, auf tollkühne Weise
zurückzuschwimmen, die „David" wieder zu besteigen, den
Lotsen zu retten, das Feuer in der Maschine wieder anzufachen und das
Boot nach Charleston zurückzuschaffen.
Ungefähr 60 Offiziere und Mannschaften der konföderierten Marine
waren auf Unterwasserfahrzeugen im Einsatz. Angesichts der Waghalsigkeit
dieser Technik, war der Mut dieser Männer schon selbstmörderisch.
Das zeigte sich besonders anhand des Beispiels der „Hunley",
einem 1863 von den Ingenieuren Hunley und McClintock in Mobile entwickelten
und gebauten Fahrzeug, das mit Fug und Recht als U-Boot, auch nach dem
heutigen Verständnis, bezeichnet werden kann.
Es handelte sich um
eine große Metallkonstruktion in Form eines Fisches, was durch
flossenförmige Lenkruder unterstrichen wurde.
In der stickigen Metallröhre
fand eine Besatzung von 9 oder mehr Männern Platz. Davon wurden
allein 8 gebraucht, um von Hand die Antriebsschraube zu bedienen. Das
Boot erreichte eine Geschwindigkeit von ca. 4 Meilen in der Stunde und
konnte, da es dampfunabhängig war, ohne Schornstein gebaut werden
und somit vollständig untertauchen.

Schnittzeichnungen der HUNLEY

Es
verfügte über Tanks, die mit Wasser gefüllt wurden,
wenn das Boot untertauchen, die freigepumpt wurden, wenn es wieder
auftauchen
sollte. Es hatte aber keine Lufttanks und sollte immer nur für kurze
Zeit unter Wasser bleiben, um sich an feindliche Schiffe anzupirschen
und unter diesen hindurchzutauchen. Dabei schleppte die „Hunley" an
einer Leine eine Mine hinter sich her, die gegen den Kiel des Feindschiffes
schlagen und explodieren sollte. Das Boot sank bereits während einer
Testfahrt bei Mobile, die ganze Besatzung kam um.
Auf einer Einsatzfahrt
Anfang Februar 1864 wurde es von einem passierenden Dampfschiff in den
Morast gedrückt.
Nur der Kommandant konnte sich retten. Die „Hunley" sank
abermals in der Nähe von Fort Sumter,
6 Tote. Sie wurde erneut geborgen und repariert und blieb während
einer Probefahrt im Schlamm des Stono River stecken, so daß alle
Männer in der Metallröhre erstickten.
Trotzdem wurde die „Hunley" wieder
in den Einsatz geschickt: Bei dem Versuch, das Nordstaatenschiff „Indian
Chief" im Hafen von Charleston zu versenken, rammte
sie ein Kabel und sank, wobei wieder kein Mann gerettet werden konnte.
Am 17. Februar
1864 schließlich wurde das Boot gegen die „Housatonic" im
Hafen von Charleston eingesetzt, mit der Auflage,
nicht zu tauchen. Tatsächlich
gelang es der „Hunley", die „Housatonic" zu versenken.
Bei der Druckwelle der Torpedoexplosion jedoch wurde sie unter Wasser gedrückt
und tauchte nicht mehr auf. Totalverlust.
Insgesamt wurden bei den Einsätzen
dieses Bootes fast 40 Tote verzeichnet.
Nach
dem Krieg wurde die „Hunley" aus
dem Hafenbecken von Charleston geborgen.
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