
Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Dietmar KÜGLER •Die Armee der Südstaaten im Amerikanischen
Bürgerkrieg 1861-1865•
•Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate
Armies• 1891-1895
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (LOC) und
des National Park Service

Die Armee
der Südstaaten
Seite
5
Die
Kriegsschiffe
Von den Schiffen
unter konföderierter Flagge sollen beispielgebend 2 der bekanntesten
näher dargestellt werden. Die Liste ihrer Einsätze ist zu
lang, um im Detail wiedergegeben zu werden. Ihre Fahrten waren außerordentlich
erfolgreich, und sie fügten den gewaltigen Schlachten des Bürgerkrieges
eine neue Dimension hinzu:
Sie trugen den amerikanischen Krieg nahezu rund um die Welt. Konföderierte
Kriegsschiffe waren im Indischen Ozean ebenso im Einsatz wie vor Afrika
und Europa.
Das erfolgreichste
Schiff war die „Alabama", die 68 Feindschiffe aufbrachte,
teilweise zerstörte, versenkte oder schwer beschädigte. Die
„Alabama" war als dampfgetriebene Kriegsschalupe
auf einer Werft in Birkenhead bei Liverpool, England, gebaut worden.
Die Kosten beliefen sich auf 47.500 Pfund Sterling. Nur wenige Stunden,
bevor das britische Außenministerium die Ausfahrt von Schiffen
für die Südstaatenkonföderation verbot,
ging die „Alabama" am 29. Juli 1862 zu Wasser und
lief auf dem Mersey-Fluß aus. 7 Tage später ankerte sie bei
den Azoren und wurde ausgerüstet und bewaffnet.
Die Offiziere und Mannschaften, die ebenfalls in England gewartet hatten,
waren gefolgt. Am 24. August konnte das Schiff offiziell in Dienst gestellt
werden.
Die „Alabama" maß 220 Fuß in der Länge
und 32 Fuß in der größten Breite. Sie hatte 1040 Tonnen.
Ihre Antriebsschraube konnte aus dem Wasser gehoben werden,
so daß sie auch ausschließlich unter Segeln fahren konnte.
Als Segler erreichte sie eine Geschwindigkeit von 10 Knoten in der Stunde.
An der Breitseite war sie mit 6 32-Pfünder-Kanonen ausgerüstet.
Im Vorschiff stand ein 100-Pfünder-Geschütz.
Vor dem Hauptmast war zusätzlich ein glattläufiges 8-Inch-Geschütz
postiert.
Bereits am 14. September
1862 brachte sie 1 Dutzend US-Walfänger auf und fuhr danach in
Richtung Neufundland.

Kapitän
des Schiffes war Captain Raphael Semmes.
Er hatte den Auftrag,
vorwiegend Prisen zu erbeuten und Material- und Nachschubschiffe der
Vereinigten Staaten anzugreifen.
Zwischen dem 3. und dem 21. Oktober brachte er 16 Schiffe der USA auf
und ging am 18. November in Port de France auf Martinique vor Anker.
Hier gab es die einzige Meuterei an Bord von Matrosen, die Alkohol geschmuggelt
hatten. Semmes schlug den Angriff nieder,
indem er die Meuterer mit einem Schwall eiskalten Wassers empfing.
Die „Alabama" ging sodann auf Kreuzfahrt zwischen
San Domingo und Haiti und lief in den Golf von Mexico ein,
um eine Landung von US-Truppen unter General Banks in Texas zu verhindern.
Banks änderte seine Pläne und ging über New Orleans,
aber die „Alabama" unterbrach die Bombardierung
von Galveston durch ein US-Geschwader.
Am 11. Januar 1863 versenkte die „Alabama" das US-Kanonenboot
„Hatteras" in einem 13 Minuten dauernden Seegefecht
und nahm danach Kurs auf die Küste Brasiliens, umrundete das Kap
der Guten Hoffnung, fuhr in den Atlantik und erreichte den südlichsten
Punkt Afrikas.
Die Zahl der Kaperungen wuchs und wuchs. Am 27. April 1864 wurde das
US-Schiff „Tycoon" aufgebracht. Das war der letzte
Erfolg der „Alabama".
Sie lief danach
Cherbourg in Frankreich an, wo am 14. Juni die US-Korvette „Kearsarge"
aufkreuzte, die in Southampton vor Anker gelegen hatte.

„Kearsarge"
links „Alabama" rechts
Am Sonntag, dem
19. Juni 1864, kam es zwischen den beiden Schiffen im englischen Kanal
zu einem schweren Seegefecht, das von Tausenden von Zuschauern verfolgt
wurde, die sich auf den südlichen Hügeln Englands versammelt
hatten.
Die „Kearsarge" verfügte über 7 schwere
Kanonen an der Breitseite,
mit denen furchtbare Schläge gegen die „Alabama"
geführt wurden.
Captain Semmes war schließlich gezwungen, die konföderierte
Flagge einzuholen und sich zu ergeben.
Von seinen 149 Mann Besatzung waren 9 während des Gefechts getötet
und 21 verwundet worden.
Später stellte sich heraus, daß weitere 10 Mann ertrunken
waren.
Die „Alabama"
wurde nach Southampton geschleppt. Ihre Kanonen hatten während
des Gefechts 370 Schüsse abgegeben,
aber nur 14 hatten die „Kearsarge" getroffen. Das
Schiff wurde in England an die Kette gelegt. Für die „Alabama"
war der Krieg vorbei.
Zu den legendärsten
Kriegsschiffen der Konföderation gehörte die „Shenandoah".
Neben der „Alabama" fügte sie der Handels-
und Walfangflotte der USA die größten Schäden zu und
war der letzte Südstaaten-Kreuzer, der die Flagge strich.
Die „Shenandoah" war ursprünglich ein britisches Handelsschiff
mit Namen „Sea King" gewesen.
Sie verfügte sowohl über eine dampfgetriebene Maschine als
auch über Segel. Die Schraube konnte aus dem Wasser gehoben werden.
Ob unter Segeln oder unter Dampf, war die „Shenandoah"
vielleicht eines der schnellsten konföderierten Kriegsschiffe.
Der Kreuzer war im Herbst 1864 für 45.000 Pfund Sterling über
einen Mittelsmann gekauft worden.
Zu diesem Zeitpunkt waren die englischen Häfen für die Südstaaten
bereits geschlossen.
Der Kauf mußte geheim bleiben. Am 8. Oktober 1864 lief die „Sea
King" von London aus.
Am selben Tag fuhr von Liverpool der Blockadebrecher „Laurel"
ab, die komplette Ausrüstung und die Mannschaft für die
„Sea King" an Bord.
Offiziell war die „Sea King" für Indien bestimmt,
die „Laurel" für die Bahamas. Am 18. Oktober
trafen beide Schiffe bei Funchal, Madeira, zusammen.
Auf der unbewohnten Insel Las Desertas wurde die „Sea King"
zur „Shenandoah".
Sie wurde ausgerüstet, und die konföderierte Flagge wurde
aufgezogen. Das Kommando übernahm Captain James Iredell Waddell.
Die Ausrüstung
bestand aus 4 glattläufigen 8-Inch-Kanonen, 2 Whiteworth-32-Pfünder-Geschützen
mit gezogenen Läufen und 2 Whitworth-12-Pfünder-Geschützen.
Die Besatzung stellte zunächst ein Problem dar. Die Mission war
so geheim gehalten worden, daß die vorgesehenen 80 Seeleute erst
auf der „Laurel" erfahren hatten,
daß sie nicht auf einem konföderierten Handelsschiff, sondern
auf einem Kriegsschiff dienen sollten. Die meisten weigerten sich,
auf die „Shenandoah" überzuwechseln, so daß
die erste Besatzung aus lediglich 23 Matrosen und 19 Offizieren bestand.
Die notwendige Stärke der Mannschaft wurde schließlich erreicht,
da sich Besatzungsmitglieder von gekaperten Schiffen freiwillig zum
Dienst meldeten.
Die „Shenandoah" nahm Kurs auf Australien. Bereits
auf dem Weg nach Melbourne brachte sie die US-Schiffe „Alina",
„Godfrey", „Edward" und „Delphine"
auf,
dazu die Schoner „Charter Oak" und „Lizzie
M. Stacey" und die Brigg „Susan". Sie
wurden alle verbrannt. Der Dampfer „Kate Prince",
der vor die Kanonen der „Shenandoah" lief, mußte
eine hohe Prämie entrichten, um weiterfahren zu dürfen. Er
nahm die Gefangenen der zerstörten Schiffe mit.

Die CSS Shenandoah
(rechts) bei der Zerstörung von gekaperten Walfangschiffen im Bering-Meer
Nachdem in Melbourne
notwendige Reparaturen durchgeführt worden waren, brach die „Shenandoah"
am 8. Februar 1865 wieder auf und griff US-Walfänger in der Okhotsk-See,
der Bering-See und im Arktischen Ozean an.
Zwischen dem 22. und dem 28. Juni brachte sie allein 24 Schiffe auf,
die entweder zerstört oder zur Zahlung von Lösegeld gezwungen
wurden.
Die Kaperung erfolgte gruppenweise. Captain Waddell wußte
bald nicht mehr,
wohin mit den vielen Gefangenen, die er schließlich gegen Ehrenwort
und Zahlung eines Kopfgeldes auf andere US-Schiffe freiließ.
In einem Fall kaperte
er 8 US-Schiffe auf einmal:
Sie hatten sich um die beschädigte „Brunswick"
geschart und waren in Gefahr,
von der „Shenandoah" in Brand gesetzt zu werden.
Diese tollkühne Aktion fand am 28. Juni nahe der Behring-Straße
statt und war die letzte große Kriegshandlung der „Shenandoah"
- denn der Bürgerkrieg war ja bereits seit April vorbei. Die „Shenandoah"
hatte in ihrer kurzen Karriere 38 Schiffe der USA aufgebracht, davon
34 zerstört. Für die Vereinigten Staaten war ein Gesamtschaden
von 1.361.983 $ entstanden. Fast die ganze amerikanische Walfangflotte
dieser Region war vernichtet worden. Die Folgen des Einsatzes der „Shenandoah"
zeigten sich für die USA erst nach dem Krieg.
Der US-Marineminister
klagte Waddell der Piraterie an, da die „Shenandoah"
weit über das Kriegsende hinaus im Einsatz gewesen war.
Allerdings hatte Waddell erst am 23. Juni 1865 bei der Kaperung eines
US-Schiffes von der Kapitulation der Konföderierten Armee bei Appomattox
Courthouse
am 9. April erfahren, sowie von der Tatsache, daß die konföderierte
Regierung von Richmond nach Danville geflüchtet war.
Zugleich aber war Waddell ein Durchhalteappell von Präsident Davis
in die Hände gefallen, in dem dieser zur energischen Fortsetzung
des Kampfes aufforderte.
Erst als Waddell am 2. August 1865 einem britischen Schiff begegnete
und vom Zusammenbruch der Konföderation hörte, wußte
er,
daß der Krieg endgültig verloren war. Sofort danach ließ
er die Geschütze abmontieren und die Luken schließen.
Die „Shenandoah" verwandelte sich äußerlich
in ein normales Handelsschiff.
Am 6. November erreichte Waddell Liverpool und übergab die „Shenandoah"
an die Engländer.
Der amerikanische Botschafter brachte energisch Beschuldigungen gegen
Waddell vor, um ihn der Piraterie anklagen zu lassen.
Dubiose Zeugen tauchten auf und behaupteten, daß ein Großteil
der Mannschaft aus Engländern bestünde,
was Waddell mit Sicherheit vor ein englisches Gericht gebracht hätte.
Am 8. November fand
eine Überprüfung der Mannschaft statt. Es war kein Brite dabei.
Die Besatzung durfte abmustern.
Alle Vorwürfe gegen Waddell wurden fallengelassen. Die „Shenandoah"
wurde an die Vereinigten Staaten übergeben,
die das Schiff an den Sultan von Sansibar verkauften. Es sank 1879 im
Indischen Ozean. Captain Waddell,
in der US-Navy ausgebildet und vor dem Krieg Professor für Navigation
an der Seeakademie von Annapolis, Maryland,
kommandierte später Postschiffe - und zwischen 1883 und 1886 die
Maryland-State-Flotte zum Schutz der Austern-Bänke. Er starb am
15. März 1886 in Annapolis.
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