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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis: Text und Fotografien:
• Dietmar KÜGLER - Die Deutschen in Amerika - 1983 •
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA


Die Deutschen in Nord-Amerika

 


»Der dem Menschen angeborene Trieb zum Vorwärtsschreiten, zur Verbesserung seiner Lage, die Not, abhängige Stellung, der Druck von allen Seiten, oft bei dem besten Willen der am höchsten Stehenden, die lockenden Schilderungen der glücklichen Verhältnisse vieler Ausgewanderter besonders in Briefen, welche begierig von den Verwandten und Freunden des Schreibenden gelesen und verbreitet werden, ist die Ursache, daß Tausende ihr Vaterland verlassen, eine neue Heimat zu suchen, Tausende sich zur Nachfolge rüsten, und Hunderttausende betrübten Blickes den Auswandernden nachsehen, denen sie, wegen Mangels an Mitteln, unvermögend sind nachzufolgen, obgleich sie sich ebenso innig wie jene nach einer Änderung, einer Besserung ihrer Lage sehnen. Wöchentlich verlassen ganze Schiffsladungen deutscher Auswanderer die deutschen und holländischen Häfen oder ziehen über Frankreich und England der westlichen Welt zu, und noch immer achtet man nur zu wenig auf die Ursache, welche diese, einer Völkerwanderung ähnliche Erscheinung hervorgebracht.«
Traugott Bromme, Hand- und Reisebuch für Auswanderer und Reisende nach Nord-, Mittel- und Süd-Amerika, 1853

Die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika wird immer zu einem bedeutenden Teil die Geschichte der europäischen Auswanderung sein. Erst die Emigranten aus allen Teilen der Alten Welt ermöglichten die vehemente Entwicklung der USA zur gegenwärtigen Macht. Der amerikanische Historiker Marcus Lee Hansen schrieb schon 1948: »Die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten war ein Abschnitt einer Weltbewegung.«

Zwischen 1815 und 1914 verließen 50 Millionen Europäer ihre Heimat. Davon wandten sich 35 Millionen den USA zu. Allein aus den deutschen Staaten zogen zwischen 1820 und 1900 weit über 5 Millionen Menschen in die Neue Welt. Sie waren aber nicht die ersten Deutschen, die Nordamerika betraten.

Als der britische Hauptmann John Smith im Jahre 1607 in Amerika eintraf, um die Kolonie Jamestown zu gründen, waren unter seinen 105 Begleitern auch 3 deutsche Handwerker. Der Offizier gewann bald den Eindruck, daß seine englischen Landsleute als Kolonisten untauglich waren. Daher schrieb er nach England, man möge ihm noch mehr von den »verdammten Deutschen« schicken.

Diese Bezeichnung für die unerschrockenen, hartköpfigen und arbeitsamen Männer war anerkennend gemeint. Nur hundert Jahre später brauchte niemand mehr deutsche Männer und Frauen zu bitten, nach Amerika auszuwandern. Seit 1683 die erste deutsche Auswanderergruppe bei Philadelphia die Stadt Germantown gegründet hatte, kamen die »verdammten Deutschen« von allein, und sie kamen in immer größerer Zahl.

Im 19. Jahrhundert erreichte diese Bewegung einen Höhepunkt. In den deutschen Staaten gab es zeitweise ein regelrechtes »Amerika-Fieber«. Das Interesse an dem »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« war zu dieser Zeit größer als heute, da die Bundesrepublik Deutschland die engsten wirtschaftlichen, politischen und militärischen Beziehungen mit den USA unterhält, die je zwischen Deutschen und Amerikanern bestanden haben.

Abenteurer und Reiseschriftsteller wie Friedrich Gerstäcker, Balduin Möllhausen und andere bemühten sich, mit ihren Schriften ein genaues Amerika-Bild zu verbreiten. Auswandererhandbücher erlebten hohe Auflagen. Die Auswanderung wurde zu einer regelrechten Industrie, von der besonders die Hansestädte Hamburg und Bremen sowie zahllose Auswandereragenturen profitierten. Auswanderervereine wurden gegründet. Enthusiasten, die zwar naiv aber durchaus einflußreich waren, träumten von einem Deutsch-Amerika oder wenigstens von amerikanischen Gebieten als deutsche Kolonien. Der von deutschen Adeligen gegründete »Texas-Verein« transportierte zu diesem Zweck in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts Tausende deutscher Familien nach Texas.

Dabei war das Amerika-Bild der Deutschen immer von sehr gegensätzlichen Vorstellungen geprägt. Die gesellschaftliche Oberschicht hatte ein gespaltenes, in ihrer Mehrheit negatives Bild von diesem fernen Land, dessen legendäre Schätze und dessen unbeschreibliche natürliche Reichtümer zwar ihre Phantasie anregten, dessen republikanische Staatsform und dessen weitreichende bürgerliche Freiheiten bei ihr aber Furcht und Abneigung erzeugten. Für die intellektuelle Elite der Deutschen waren die Vereinigten Staaten Gegenstand schwärmerischer Verklärung, wie Johann Wolfgang von Goethes Ausruf »Amerika, du hast es besser!« bewies. Die unteren Klassen sahen Amerika als Heimstatt für alle Bedrängten, mochten sie nun religiöse, wirtschaftliche oder politische Gründe haben, das Land ihrer Geburt zu verlassen. So hieß es in einem Volkslied um 1848:

»Sie ziehn's dahin auf blauen Meereswogen. Warum verlassen sie ihr Heimatland? Man hat sie um ihr Leben schwer betrogen, die Armut trieb sie aus dem Vaterland.«

Aber auch kleine Geschäftsleute und Handwerker, die in der angestammten Heimat an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen waren, Freigeister, die in der Alten Welt als Phantasten abgetan wurden, politische Idealisten und Wissenschaftler, deren Kreativität im Aktenstaub europäischer Amtsstuben erstickt wurde, brachen zu neuen Ufern auf und versuchten in den Vereinigten Staaten ihr Glück. Meist mit Erfolg.

Für die meisten ging der amerikanische Traum von der Freiheit des Menschen, von seinem Recht auf Individualität und Glück, auf freie Entfaltung aller schöpferischen und geistigen Fähigkeiten in Erfüllung, der zu diesem Zeitpunkt längst ein »deutsch-amerikanischer Traum« geworden war.
Jedoch hatten nicht nur die Deutschen unterschiedliche Auffassungen über Amerika - in der Neuen Welt stand man den Deutschen zeitweise ebenfalls mit zwiespältigen Gefühlen gegenüber.
Die britische Kolonialverwaltung hatte in der Zeit ihrer Herrschaft bereits Befürchtungen geäußert, die Deutschen könnten ein zu starkes Element werden und ihnen sei, auch wenn sie einen Eid auf die britische Krone abgelegt hatten, nicht zu trauen.

Auf dem Weg ins Glück? Deutsche Auswanderer verlassen ihre alte Heimat

Daß diese Sorgen zu recht bestanden, erwies sich spätestens 1775, als deutsche Siedler sich nach Ausbruch der amerikanischen Revolution als erste zur Unabhängigkeitsarmee der Amerikaner meldeten. Zu diesem Zeitpunkt lebten bereits weit über 225´000 Deutsche in den verschiedenen Provinzen. Sie waren tragendes Element des Kampfes gegen England.

Der Preuße Friedrich Wilhelm von Steuben schuf als Generalinspekteur von Washingtons Kontinentalarmee die militärischen Grundlagen für den Erfolg des jungen Staatenbundes. Deutschstämmige Offiziere wie Peter Mühlenberg, Nikolaus Herckheimer, Johann von Kalb, Heinrich Lutterloh, Bartholomäus van Heer und andere gehörten zu den bedeutendsten Führern des amerikanischen Heeres. Aber obwohl neben dem angelsächsischen Bevölkerungsteil keine Volksgruppe in Nordamerika mehr zur Erlangung der Unabhängigkeit und zur Gründung der Vereinigten Staaten beigetragen hatte als die Deutschen, war das Verhältnis zwischen ihnen und ihren übrigen amerikanischen Mitbürgern nicht immer nur von Harmonie bestimmt. Das Wort von den »verdammten Deutschen« machte noch öfter die Runde.
Doch wenn auch Eigenwilligkeit und Dickköpfigkeit der Deutschen, ihr hartnäckiger Widerstand gegen puritanische Tyrannei, gegen Sklavenhaltung und kolonisatorische Maßlosigkeit manchmal Anlaß für Streitigkeiten waren, überwogen die positiven Elemente bei weitem. Die Deutschen bewiesen nicht nur immer wieder ihre sprichwörtliche Tüchtigkeit, sie integrierten sich im allgemeinen auch erstaunlich schnell in die amerikanische Gesellschaft und gaben ihr in fast allen Bereichen vielfältige Impulse.

Tatsächlich gibt es im Zusammenhang mit der Auswanderung von Deutschen in die USA nur ein wirkliches Ärgernis, nämlich die Tatsache, daß Geschichte und Leistung der Deutsch-Amerikaner in Amerika weitgehend verdrängt und in Deutschland nahezu völlig vergessen sind.

Daher ist noch heute uneingeschränkt einer Beurteilung zuzustimmen, die bereits 1909 von Rudolf Cronau, einem der bedeutendsten deutsch-amerikanischen Chronisten, getroffen wurde, als er schrieb:

»Fragte man die in der Heimat Zurückgebliebenen, was aus ihren nach Millionen zählenden ausgewanderten Landsleuten in der Fremde geworden, so vermöchten gewiß nur sehr wenige eine befriedigende Auskunft zu geben. Man verhielt sich in Deutschland gegenüber dem Schicksal seiner ausgewanderten Söhne bisher recht gleichgültig. Man betrachtete sie als Faktoren, mit welchen man nicht länger rechnen dürfe. Man weiß nicht, was sie da draußen erlebten und verrichteten, ob sie im Elend verkamen oder es verstanden, eine achtunggebietende Stellung zu erringen. Und die Ausgewanderten selbst? - Obwohl sie die Erfolge vieler ihrer Brüder vor Augen sehen, so sind auch sie über das, was die Gesamtmasse der Deutschen in Amerika leistete, doch nur oberflächlich unterrichtet. Weder sie, noch die neben ihnen wirkenden Amerikaner anderer Abstammung wissen, wie ungeheuer viel die großartig entwickelten Vereinigten Staaten von Amerika der rastlosen Arbeit, dem unermüdlichen Fleiß und der Intelligenz der Deutschen verdanken.«

Ein „Sechserzug“ mit einem Conestoga-Planwagen

Die Deutschen behielten ihre alte Heimat im Herzen und wurden gleichzeitig Amerikaner - und zwar die besten, die man sich vorstellen kann.
Sowie sie amerikanischen Boden betraten, erwiesen sie sich als nahezu ideale Neubürger. Sie bewahrten zwar ihre Traditionen und kulturellen Wurzeln, nahmen aber gleichzeitig die Einflüsse der neuen Heimat willig auf.Ihre Loyalität - vor allem in Krisenzeiten - war immer vorbildlich. Unauffällig aber nachdrücklich brachten sie markante Elemente ihres Volkscharakters in die sich bildende amerikanische Gesellschaft, diesen oft beschworenen und auch überbewerteten »Schmelztiegel« ein, lange bevor in Europa abfällig und mit intellektuellem Hochmut vor »amerikanisierenden Einflüssen« gewarnt wurde.

Die Deutschen spielten in der nationalen Vielfältigkeit Amerikas eine Rolle, die ihnen eine weitgefächerte Entfaltung ihres nationalen Charakters gestattete:

Bienenfleißig, voller Energie, zäh, manchmal starrköpfig und sentimental. In öffentlichen Angelegenheiten dagegen waren sie relativ zurückhaltend und bescheiden, aber immer bereit, ihre Pflicht zu tun. Seit den Tagen des Unabhängigkeitskrieges standen Deutsch-Amerikaner in jedem Konflikt treu zur Fahne ihrer neuen Heimat. Sie bewiesen in einer Zeit, die teilweise von hemmungslosem Egoismus geprägt wurde, Gemeingefühl, Verantwortung und Augenmaß.

Zwischen 1861 und 1865 kämpften fast 200000 Deutsche im amerikanischen Bürgerkrieg unter dem Sternenbanner. Generäle wie Blenker, Steinwehr, Bohlen, Sigel, oder auf seiten der Südstaaten der Kavallerieoffizier Heros von Borcke, waren bedeutende militärische Führer.
Nach dem Bürgerkrieg trugen deutschstämmige Siedler, Handwerker, Unternehmer und Wissenschaftler maßgeblich dazu bei, daß die USA einen stürmischen Aufschwung erlebten. Deutsche Wagenbauer des Conestoga-Tals entwickelten den berühmten Planwagen, mit dem Hunderttausende den amerikanischen Westen eroberten. Deutsche bauten Eisenbahnen, gründeten Industrieunternehmen und Städte. Ihre Theater-, Gesangs- und Turnvereine bereicherten das gesellschaftliche und kulturelle Leben. Die Führer der gescheiterten Revolution von 1848, die in Amerika Zuflucht fanden, gaben der politischen und geistigen Diskussion wichtige Impulse.

 

1877 stieg der bedeutendste Führer der Deutsch-Amerikaner, Carl Schurz, zum Innenminister der USA auf.

Vieles davon ist vergessen. Dies ist besonders unverständlich, da die Bundesrepublik sich seit Ende des 2. Weltkrieges in einer engen Partnerschaft mit den USA befindet. Unkenntnis der Traditionen und geschichtlichen Entwicklungen hat - hüben und drüben - zu Mißverständnissen und Vorurteilen geführt, die zu verschiedenen Zeiten immer wieder Ursache von Anti-Gefühlen gewesen sind. Dabei sind die Gemeinsamkeiten größer als gemeinhin angenommen.

Insgesamt 5 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen (ein Jahr 1. Weltkrieg und vier Jahre 2. Weltkrieg) stehen weit über 300 Jahre fruchtbarer, guter Beziehungen und gemeinsamer Geschichte gegenüber.

Als vor einigen Jahren das Schlagwort umging, die Deutschen seien dabei, ihre Geschichte neu zu entdecken, wurden - wie schon so oft
- die Deutschen außerhalb der Landesgrenzen wieder vergessen. Dabei kann es keinen Zweifel geben: Die deutschen Auswanderer sind ein zwar selbständiger aber nicht zu trennender Teil der deutschen Geschichte, deren Entdeckung noch aussteht. Ihre Geschichte stellt zudem ein Bindeglied zwischen der alten und der neuen Welt dar, das bisher weitgehend ungenutzt geblieben ist.

Es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme der deutschen Auswanderung.


Die Deutschen in der Kolonialzeit

 

 

 

»In frühester Zeit schon mögen sich Deutsche auf den englischen und französischen Ansiedlungen in Nordamerika zerstreut und Gewerbefleiß und bessere Sitten dort belebt haben. Eigene Gemeinden gründeten sie aber erst unter der Anführung der Holländer. Seitdem es sich von Spanien Iosgekämpft hatte, war Holland der Sammelplatz aller Bedrängten, mochte politisches oder religiöses Meinen und Handeln, was damals ineinander spielte, ihnen ihre Heimat verleiden. Besonders die Westfalen und die übrigen Niedersachsen hatten einen lebhaften Verkehr nach den Niederlanden hin, welche damals noch dieselbe Sprache mit ihnen hatten und zum Reiche gehörten wie sie... Wenn nun schon Haufen von Deutschen mit den Holländern nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung, nach Westindien und Südamerika zogen, so gingen noch mehr nach den holländischen Ansiedlungen in Nordamerika, wo ihnen Luft und Land am zuträglichsten war. Die Deutschen saßen namentlich auf Long Island und in den unteren Landen am Hudson. Mehrere der älteren, jetzt schon lange englisch gewordenen lutherischen Gemeinden mögen schon in jenen frühesten Zeiten der holländischen Herrschaft sich gesammelt haben. Wo immer eine lutherische Gemeinde ist, da ist sie von deutscher Herkunft.«
Franz Löber. Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika, 1847

Die ersten Deutschen, die amerikanischen Boden betraten, standen meist im Dienst fremder Herren. Als der Wikinger Leif Ericson im Jahre 1000 mit seinen Drachenbooten die Neue Welt erreichte und das sagenhafte Vinland fand, begleitete ihn ein Deutscher mit Namen Tyrker. 600 Jahre später gehörten deutsche Handwerker zu den Ansiedlern, die der britische Captain John Smith in die Neue Welt brachte, um die Kolonie Jamestown zu gründen.

Peter Minnewit aus Wesel, Gouverneur von New Holland und Gründer der Kolonie New Sweden. Die Darstellung zeigt ihn bei den Kaufverhandlungen mit Indianern, die zum Erwerb der Insel Manhattan führten.

Im Mai 1626 übernahm der Rheinländer Peter Minnewit, 1590 in Wesel geboren, im Dienste der Holländer als Gouverneur die Regierung von New Holland mit Sitz in Neu-Amsterdam, dem späteren New York. Seine Tätigkeit war von großem Erfolg begleitet. Für lediglich 60 holländische Gulden gelang es ihm, den Indianern die Insel Manhattan - ein Gebiet von 22`000 Morgen - abzukaufen; eines der besten Landgeschäfte der Geschichte.
Er errichtete ein Fort und siedelte in dessen Umkreis weitere Kolonisten an, die sehr bald einen lebhaften Pelzhandel mit den benachbarten Indianern begannen. Im Jahre 1628 hatte die Kolonie 270 Bewohner, und 1631 führte sie bereits Pelze im Wert von mehr als 130`000 Gulden aus, während die Holländisch-Westindische Kompanie Vieh, Werkzeuge und Saatgut lieferte und ständig neue Ansiedler über den Atlantik brachte.
Obwohl unter Minnewits Führung die kleine holländische Niederlassung aufblühte, wurde er im August 1631 von der Holländisch-Westindischen Kompanie entlassen. Er kehrte nach Europa zurück, wurde Leiter der schwedischen Südkompanie und trat Ende 1637 mit 50 schwedischen Siedlern erneut die Fahrt in die Neue Welt an. Im April 1638 ging er in der Delaware-Bucht an Land und nahm für Schweden ein Gebiet in Besitz, das Teile der heutigen Staaten Delaware, Pennsylvania, New Jersey und Maryland umfaßte. Er errichtete ein Befestigungswerk, das er nach der schwedischen Königin Fort Christine nannte und begann einen äußerst erfolgreichen Pelzhandel mit den hier lebenden Indianerstämmen.
1641 starb Peter Minnewit. Sein Nachfolger als Gouverneur von Neu-Schweden war ebenfalls ein Deutscher, Johann Printz aus Pommern, der unter König Gustav Adolf gedient hatte und mit schwedischen, holländischen und deutschen Kolonistenfamilien die Neue Welt erreichte. Erst 1655 verlor die schwedische Kolonie ihre Unabhängigkeit und fiel dem Einflußbereich Hollands zu.

Einer der ersten, der sich gegen die kolonialistischen Anmaßungen Großbritanniens mehrte, war der Kaufmann Jacob Leisler aus Frankfurt am Main, zeitweilig Gouverneur von New York. Unter der Anklage des Hochverrats wurde er von den Briten hingerichtet. Die Abbildung zeigt das Gebäude, in dem der Leisler-Prozeß stattfand. Jahre später wurde der erste Märtyrer der amerikanischen Freiheitsbewegung völlig rehabilitiert.

Im Jahre 1660 traf der ehemalige Soldat im Dienste Hollands Jacob Leisler aus Frankfurt am Main in New York ein. Er ließ sich in Fort Oranien, dem späteren Albany, nieder, begann Handel mit den Indianern zu treiben und war dabei so erfolgreich, daß er bald zu den reichsten Männern der Kolonie und den führenden Persönlichkeiten gehörte. Er siedelte nach New York über, das Holland inzwischen an England abgetreten hatte. 1683 wurde er zum Mitglied des Admiralitätsgerichts ernannt.
Mit seiner Menschenfreundlichkeit, seiner vielfach bewiesenen Selbstlosigkeit und seiner persönlichen Lauterkeit genoß er das Vertrauen vor allem der kleinen Kolonisten, die sich zu jener Zeit auch in der Neuen Welt noch in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu den privilegierten Großgrundbesitzern befanden.

Als die latenten Feindseligkeiten zwischen Holländern und Briten 1689 offen aufbrachen und die englische Verwaltung in New York gestürzt wurde, wurde Jacob Leisler am 8. Juni 1689 zum Gouverneur von New York gewählt. Am 20. März 1691 ergriff der englische Colonel Henry Sloughter als neuer Gouverneur wieder Besitz von New York, ließ Leisler in den Kerker werfen und am 16. Mai 1691 gemeinsam mit seinem Schwiegersohn öffentlich hinrichten. Nur ein Jahr später gelang es Leislers Sohn, den beschlagnahmten Besitz der Familie zurückzuerhalten. 1698 hob das britische Parlament den Schuldspruch gegen Leisler auf und erklärte, daß sein Vorgehen als zeitweiliger Gouverneur von New York gerechtfertigt gewesen war.
Der gebürtige Deutsche war damit der erste Märtyrer der nach Unabhängigkeit von England strebenden Kolonisten.
Weitere Deutsche im Dienste der Holländer, Franzosen oder Briten waren der Arzt Dr. Hans Kierstede aus Magdeburg, der sich 1638 in Amerika niederließ und der erste Chirurg der Kolonie Neu-Niederland war.

Neu-Amsterdam, das spätere New York, im Jahre 1650. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es zahlreiche deutschstämmige Kolonisten in der Neuen Welt.

Der Naturwissenschaftler und Kartograph Johann Lederer aus Hamburg führte im Auftrag des Gouverneurs von Virginia in den Jahren 1669 und 16711 drei Expeditionen durch. Er bereiste das noch unbesiedelte Gebiet des heutigen Nord- und Süd-Carolina und fertigte Kartenwerke und genaue Beschreibungen über Flora und Fauna an. Das nächste Mal, das Deutsche in fremdem Dienst Amerika betraten, war 1776. Es handelte sich um Söldner aus deutschen Kleinstaaten, die in britischem Sold standen und versuchten, die aufständischen Amerikaner zu unterwerfen. Ihnen gegenüber standen in diesen Kämpfen nur zu oft ebenfalls Männer deutscher Herkunft, die erbittert für die Freiheit ihrer neuen Heimat fochten; denn in den zurückliegenden Jahrzehnten hatten sehr viele Deutsche den Versuch unternommen, unabhängig von fremden Herren Amerika zu erreichen und sich hier anzusiedeln. Sie hatten Erfolg dabei gehabt.

»Ungleich besser als den Deutschen im Staate New York ging es denen, die nach Pennsylvanien zogen, dem Staate, der von Anfang an eine seltene Freistätte religiöser Duldung gewesen und dessen Leitung meist in den Händen von Männern gelegen, die ein warmes Herz für die Einwanderer hatten. Pennsylvanien wurde deswegen in hervorragendem Maße das Ziel der wegen ihrer religiösen Ansichten Verfolgten.«
Georg von Bosse, Das deutsche Element in den Vereinigten Staaten, 1909

William Penn, der Gründer Pennsylvanias. Er holte deutsche Mennoniten als Kolonisten in die Neue Welt.
Unter Führung von Franz Daniel Pastorius gründeten sie die erste deutsche Stadt in Amerika.


Im Jahre 1677 betrat William Penn deutschen Boden. Es war seine zweite Reise auf das europäische Festland. Der Sohn eines englischen Admirals war einer der überzeugtesten und prominentesten Anhänger der Kirche der Quäker und hatte sich trotz mehrerer Kerkerstrafen nicht von seinen religiösen Überzeugungen abbringen lassen. Mit seinem väterlichen Erbe beabsichtigte er, in der Neuen Welt eine Kolonie zu gründen, in der fortan ohne Drangsalierungen und Verfolgungen all jene eine Heimat finden sollten, die in Europa aufgrund ihres Glaubens unter ständiger Bedrohung lebten.
Er fand unter den Mennonitengemeinden am Rhein Interesse und gastfreundliche Aufnahme, da die Überzeugungen der Quäker starke Ähnlichkeiten mit denen der Pietisten und Mennoniten aufwiesen. Besonderen Erfolg hatte er in Frankfurt am Main.

Am 4. März 1681 erhielt Penn die Besitzurkunde für das waldreiche Gebiet am Delaware, das er Pennsylvania nannte. Die Frankfurter Pietisten, vor denen Penn gepredigt und bei denen er einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte, gründeten daraufhin eine Gesellschaft mit dem Ziel, ein großes Siedlungsgebiet in Pennsylvania zu erwerben und mit Gleichgesinnten in dieses Land der religiösen Toleranz und der Menschenfreundlichkeit auszuwandern.
Tatsächlich erreichte keiner der Gründer jemals die Neue Welt. Aber sie beauftragten 1682 den Theologen und Juristen Franz Daniel Pastorius. als Agent der Gesellschaft nach Amerika zu reisen und die Ansiedlung deutscher Pietisten, Mennoniten und Quäker vorzubereiten. Pastorius, ein umfassend gebildeter Mann, war am 26. September 1651 in Sommerhausen in Franken geboren worden. Er hatte in Straßburg, Basel und Jena studiert und einen großen Teil Europas bereist. Mehrere Sprachen fließend sprechend und bewandert in den Naturwissenschaften, kam er im November 1682 nach Frankfurt und trat dort in Kontakt mit der Pietistengemeinde und der Frankfurter Gesellschaft, die inzwischen mit Penns Agenten Verbindung aufgenommen und sich Land in Pennsylvania gesichert hatte.

Im Auftrag der Frankfurter Gesellschaft begab sich Pastorius, nach eigenen Worten »begierig in die Neue Welt zu segeln und dort ein still und christlich Leben zu führen«, zunächst nach Kriegsheim bei Worms, wo eine kleine Quäkergemeinde ein trauriges Dasein fristete und seit William Penns erster Deutschlandreise im Jahre 1671 auf Hilfe hoffte. Mit den Vorstehern der Gemeinde, Peter Schuhmacher und Gerhard Hendricks, traf Pastorius Vorbereitungen für die Auswanderung der Quäker. Von Kriegsheim aus fuhr er den Rhein abwärts und suchte im April 1683 die Mennonitengemeinde in Krefeld auf. Auch hier war die Bereitschaft, die große Reise über den Ozean zu wagen, um der ständigen Bedrückung durch die Obrigkeit und die großen Amtskirchen zu entgehen und fortan in Frieden leben zu können, groß.

Pastorius machte sich unverzüglich auf den Weg nach Pennsylvania. Am 20. August 1683 landete er mit dem Schiff »America«, begleitet von einigen wenigen deutschen Siedlern, in Philadelphia, das zu diesem Zeitpunkt lediglich aus einigen Blockhütten und morastigen, noch nicht befestigten Straßen bestand. Viele Kolonisten hausten in Erdhöhlen, und die windschiefen Holzhäuser hatten statt Glasfüllungen Pergamentpapier in den Fensteröffnungen. Unmittelbar hinter der primitiven Ansiedlung begann dichtes Waldland. Am 6. Oktober 1683 erreichte ein Schiff mit Namen »Concord« die Küste der Neuen Welt. Von Bord gingen 13 mennonitische Familien aus Krefeld, insgesamt 33 Personen. Sie wurden von Pastorius und William Penn in Empfang genommen.

Ihr Eintreffen datiert den Beginn der deutschen Gruppenauswanderung nach Amerika, einer Bewegung, die von da an nie mehr abriß. Durch die Erwerbungen der Frankfurter Gesellschaft und zusätzliche Landkäufe der Mennoniten aus Krefeld besaßen die Deutschen Ansprüche auf mehr als 40000 Acres Land (1 Acre = 4.047 qm). Unverzüglich ging Pastorius mit den Neuankömmlingen daran, ein geeignetes Stück Land auszuwählen. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Landstrichs am Schuylkill-Fluß, sechs Meilen entfernt von Philadelphia. Eine verheißungsvolle, aber undurchdringlich erscheinende Wildnis, in der die Deutschen zunächst darangehen mußten, sich Unterkünfte zu schaffen.
Schon im folgenden Jahr folgten weitere Deutsche nach. Waren die ersten Ansiedler noch vorwiegend Leineweber gewesen, kamen nun Schneider, Schuster, Schmiede, Tischler und Bauern. Die Rodung des Urwaldes begann, Flachsfelder wurden angelegt; bald gab es eine Flachsspinnerei, und in der neuen Stadt entstanden die ersten Webwaren. Als Agent der Frankfurter Gesellschaft eröffnete Pastorius in Philadelphia ein Geschäft und begann im November 1684 mit dem Verkauf der ersten eigenen Erzeugnisse der deutschen Siedlung.1685 folgten die Quäker aus Kriegsheim, und am 12. August 1689 erhielt Germantown die Stadtrechte.
Franz Daniel Pastorius wurde erster Bürgermeister und Friedensrichter und entwarf ein Stadt- und Gerichtssiegel, auf dem ein Kleeblatt, ein Weinstock, eine Flachsblüte und ein Weberschiffchen zu sehen waren. Diese Darstellungen symbolisierten die Fundamente, auf denen der rasch wachsende Wohlstand der jungen Gemeinde ruhte: Flachsanbau und die Herstellung von Webwaren. Weiterhin war der wilde Wein, den die ersten Siedler angetroffen hatten, kultiviert worden. Viele Siedler besaßen Bienenstöcke. Es gab Getreidemühlen, Werkstätten, Geschäfte und - im Gegensatz zu den englischen Siedlungen - Obst- und Gemüseplantagen. Der unablässig flutende Einwandererstrom aus Deutschland führte unweit von Germantown zur Gründung weiterer Siedlungen, die die Namen Krefeld, Sommerhausen und Kriegsheim erhielten.

Das Leben in der Neuen Welt entsprach ganz und gar den Vorstellungen, die die Deutschen sich in der alten Heimat gemacht hatten. Sie lebten in Frieden und Toleranz, und Ordnungswidrigkeiten, die vom städtischen Gericht geahndet werden mußten, kamen fast nie vor. Sie hatten ein neues Arkadien - Arkadien galt im antiken Griechenland als Land der guten Sitten und des Friedens - gefunden.
Ein Ärgernis bereitete Pastorius lediglich die Zurückhaltung seiner deutschen Kolonisten bei der Wahrnehmung öffentlicher Ämter. Als er sich über diese Tatsache bei William Penn beschwerte, charakterisierte er, ohne es zu wissen, einen Zustand, der typisch für die Deutsch-Amerikaner auch im 18. und 19. Jahrhundert werden sollte. Die Abneigung der Deutschen, sich öffentlich hervorzutun, Parlamentssitze oder Regierungsämter anzustreben, ist eine der wenigen negativen Eigenschaften der deutschen Siedler. Sie ist rückblickend als fatal anzusehen, weil durch diese Zurückhaltung die deutsche Leistung beim Aufbau Amerikas aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt wurde.

In diesem bescheidenen Haus in Germantown tagte der Stadtrat, dem Pastorius zeitweise als Bürgermeister vorstand. Hier wurde am 18. Februar 1688 der erste schriftliche Protest gegen die Sklaverei in Amerika verfaßt.

Pastorius selbst wurde 1692, 1696 und 1697 als Bürgermeister wiedergewählt. In den dazwischenliegenden Jahren amtierte er als Stadtschreiber, nachdem er 1687 und 1691 Abgeordneter des Parlaments von Pennsylvania gewesen war.

In seine Verantwortung fällt eines der wichtigsten Dokumente der Deutsch-Amerikaner in der Kolonialzeit, der erste schriftliche Protest gegen Sklavenhaltung und Sklavenhandel in der Neuen Welt überhaupt.
Am 18. Februar 1688 wurde vom Gemeinderat von Germantown, der sich einmal im Monat zu treffen pflegte, ein flammender Appell verfaßt, den Handel mit schwarzen Menschen in den Kolonien zu unterbinden.
Erst 1715 begannen die Quäker, sich gegen die Einfuhr von Sklaven zu wenden, was zu einem Streit mit der britischen Regierung führte. Dennoch wurde 1730 der Sklavenhandel in den Quäkergemeinden ausdrücklich mißbilligt.

Seit der Resolution der Deutschen waren 42 Jahre vergangen.
Im Jahre 1700 gab Pastorius das Amt des Agenten der Frankfurter Gesellschaft ab, widmete sich seinen wissenschaftlichen Interessen, stand den Gemeindemitgliedern als Notar zur Verfügung und konzentrierte sich auf den Aufbau einer Schule in Germantown, deren Vorsteher er wurde.
Für die Erwachsenen richtete er eine Abendschule ein. Der Begründer von Germantown starb im Jahre 1719, ein Mann, über den der Gründer und Gouverneur Pennsylvanias, William Penn, gesagt hatte:

»Nüchtern, rechtschaffen, weise und fromm, ein Mann von allgemein geachtetem und unbescholtenem Namen.«
Auch nach seinem Tod ging es mit Germantown weiter aufwärts.

»Wer die Geschichte der ersten deutschen Masseneinwanderung nach den Vereinigten Staaten liest, dem erscheint alles, was spätere Einwanderer erlitten, als Kinderspiel. Die Pfälzer, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu Tausenden, ja, zu Zehntausenden ihre Heimat verließen, taten dies nicht mehr um ihres Gottes willen, wie die Mennoniten und sonstigen Sektierer, die in Pennsylvanien eine zweite Heimat gefunden hatten.   Man kann auch nicht sagen, daß sie um des Geldes willen auswanderten. Für das eine wie das andere waren sie viel zu elend und ärmlich. Es war die nackte Not, die sie forttrieb, der Hunger und die Verzweiflung.
Der Dreißigjährige Krieg war als furchtbare Katastrophe über Deutschland hingezogen. Ein verhungertes und verelendetes Volk war zurückgeblieben.
Da brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die vertierte Soldateska des vierzehnten Ludwig fiel mordend, sengend und plündernd in die Pfalz ein...
Dazu kam ein erbarmungslos kalter Winter, der »den Wein in den Fässern gefrieren und die Vögel tot von den Bäumen fallen« ließ...
Von diesem Hintergrund aus muß man die Schicksale und Leiden der deutschen Auswanderer jener Zeit in Amerika betrachten...
Was sie drüben an Mühsal, Entbehrungen und auch Ungerechtigkeit erdulden mochten, es war verhältnismäßig leicht zu tragen.«                       Colin Ross, Unser Amerika, 1937

Im Jahre 1708 erreichte eine Gruppe von 53 Männern, Frauen und Kindern, abgerissen und ausgehungert, mit kaum mehr Besitz als dem, was sie auf dem Leibe trugen, den Hafen von London. Es handelte sich um protestantische Rheinpfälzer, die vor dem Elend geflüchtet waren, das der Spanische Erbfolgekrieg in ihrer Heimat angerichtet hatte. Sie wurden geführt von Josuah von Kocherthal, einem Prediger und vielseitig gebildeten Mann.
Während die ersten Pfälzer in Amerika die Siedlung Neuburg - das spätere Newburgh - gründeten, landeten in England weitere Emigranten aus der Rheinpfalz und aus Württemberg, alle ebenso arm und heruntergekommen wie die erste Gruppe.
Kocherthal kehrte 1710 nach England zurück und brach im selben Jahr mit weiteren 3000 Pfälzern in die Neue Welt auf. Kocherthal gründete beiderseits des Hudson deutsche Kolonien und bemühte sich, die schlechten Bedingungen, unter denen die Neuankömmlinge lebten, zu verbessern. Es entstanden die Siedlungen Hunterstown, Kingsbury, Annsbury, Haysbury, Rheinbeck, Esopus und andere, die ausschließlich von Pfälzern bewohnt wurden.

Unter den Siedlern, die 1710 Amerika erreichten, befand sich auch Johann Konrad Weiser mit seiner Familie aus Astädt, Amtsbezirk Herrenberg in Württemberg. Neben Kocherthal gehörte Johann Konrad Weiser zu den entschiedensten Sachwaltern der verarmten Pfälzer, die von der Kolonialverwaltung in New York wie rechtlose Sklaven behandelt wurden.
Die Kolonialverwaltung trennte sofort nach der Ankunft der Pfälzer 75 Jungen und Mädchen zwischen zehn und fünfzehn Jahren von der Gruppe und gab sie zu britischen Kolonistenfamilien in Pflege. Überwiegend handelte es sich um Waisen oder Halbwaisen. Aber auch Kinder, deren Eltern noch lebten, wurden gewaltsam von ihren Familien getrennt. Auch Johann Konrad Weiser wurden zwei seiner Söhne genommen; er sah sie nie mehr wieder. Ein zähes, beharrliches Ringen begann, bis die unzufriedenen Pfälzer offen zu rebellieren drohten, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, und der Gouverneur von New York Truppen aufziehen ließ, um einen möglichen Aufstand zu unterdrücken.
1712 führten die Weisers unter dem Bruch der Anweisungen des Gouverneurs die ersten 50 Familien zum Shoharie-Fluß, nahmen Kontakt mit den Mohawks auf und ließen sich trotz massiver Drohungen von seiten der britischen Verwaltung in New York hier nieder. Im Jahr darauf folgten weitere Pfälzer Familien. Die Ansiedlung blühte rasch auf, aber die Auseinandersetzungen mit dem Gouverneur, der sich weigerte, Besitztitel auf das Land der Pfälzer auszustellen, hielt jahrelang an.
1722, nach einer erfolglosen Englandreise, riet Johann Konrad Weiser seinen Landsleuten, nach Pennsylvania überzusiedeln, um die zermürbenden Konflikte mit den Behörden zu beenden.

Einige zogen zum Mohawk-Fluß, wo sich die deutschen Ansiedlungen bald ausweiteten und als »German Flats« bekannt wurden. 33 andere Familien folgten Weisers Rat und siedelten 1723 ins Berks Countie, Pennsylvania, über, wo sie anstandslos Besitztitel auf unbesiedelte Ländereien erhielten. Ihnen folgten weitere 50 Familien.
1729 führte Konrad Weiser, der Sohn Johann Konrads, abermals Familien nach Pennsylvania und ließ sich selbst mit seinem Vater hier nieder. Noch im selben Jahr erreichten neue Auswanderer aus der Pfalz Pennsylvania und siedelten sich in den Counties Berks und Lebanon an. Konrad Weiser - der Sohn - wurde Friedensrichter, Oberstleutnant der Miliz und - aufgrund seiner guten Beziehungen zu den Indianern und seiner Kenntnisse ihrer Sprachen - amtlich bestellter Dolmetscher.

Sein Vater Johann Konrad starb im Jahre 1746. Konrad Weiser folgte ihm am 17. Juli 1760.
Auch in anderen Teilen Pennsylvanias hatten sich nach der Gründung von Germantown Deutsche angesiedelt. Vor allem waren es Angehörige verschiedener Sekten, die in dieses Land der Glaubensfreiheit zogen. So ließen sich die Ammeniten (Amish), ein konservativerer Zweig der Mennoniten, in Pennsylvania nieder. 1719 erreichten die ersten Tunker, eine 1708 von Alexander Mack in Schwarzenau, Westfalen, gegründete Sekte, das gelobte Land am Delaware. Von ihnen spalteten sich nur wenige Jahre später die Sabbatherianer ab, die sich weitgehend von der Welt zurückzogen und das Kloster Ephrata bauten.
1733/34 folgten die Schwenkfelder, eine im 16. Jahrhundert in Schlesien entstandene Sekte, und ließen sich vornehmlich im Montgomery County nieder. Es kamen die Mährischen Brüder, die Deutschreformierten und die Lutheraner. Obwohl die Lutheraner bald zahlenmäßig die stärkste religiöse Gruppierung bildeten, fehlte ihnen der organisatorische Zusammenhalt.

Dies änderte sich erst, als der Pastor Heinrich Melchior Mühlenberg aus Eimbeck bei Hannover, der jahrelang Waisenhäusern in Halle und der Oberlausitz vorgestanden hatte, 1741 in Amerika eintraf. Es hatte schon vor ihm protestantische Pastoren in einigen deutschen Gemeinden gegeben. Mühlenberg aber wurde sehr schnell zum energischen, charismatischen und allgemein anerkannten Führer der deutschen Protestanten.

Heinrich Melchior Mühlenberg aus Einbeck bei Hannover
kam 1741 nach Amerika und wurde der unumstrittene Sprecher der deutschen lutherischen Gemeinden.
Er war eine der wichtigsten deutschen Persönlichkeiten in der Kolonialzeit Amerikas.

 

Im Spätherbst des Jahres 1726 rumpelte ein schwerbeladenes Fuhrwerk auf Germantown zu. Es brachte die Familie Saur aus Laasphe (Wittgenstein) in Westfalen, die seit zwei Jahren in Amerika ansässig war, und war vollbeladen mit Stoffballen, Werkzeugen, Büchern, botanischen Sammlungen, Medikamenten, Kräutern und Saatgut.
Auf dem Bock saß der 1693 geborene Schneider Christoph Saur, ein Universaltalent, über den ein Zeitgenosse sagte:
»Er ist ein sehr ingenieuser Mann, ein Separist, der auf die 30 Handwerke ohne Lehrmeister erlernet. Denn als ein Schneider ist er dahin nach Amerika gereiset und nun ein Buchdrucker, Apotheker, Chirurgus, Botanicus, groß und klein Uhrmacher, Schreiner, Buchbinder, Concipient der Zeitungen, der sich alle seine Buchdruckerwerkzeuge selbst verfertigt; ziehet auch Bley und Drat, ist ein Papiermüller, usw.«

 

Saurs Eintreffen in Germantown sollte den Deutschen in der Neuen Welt neue Horizonte weisen. Saur eröffnete zunächst eine Schneiderwerkstatt, entwickelte jedoch bald weiterreichende vielfältige geschäftliche Aktivitäten und richtete 1738 eine Druckerei ein.
Am 20. August 1739 ließ Christoph Saur seine deutsche Zeitung folgen, die man als den Beginn der Geschichte der deutschsprachigen Presse in Amerika ansehen kann. Der umständliche Titel lautete:
»Der Hoch-Deutsch-Pennsylvanische Geschichtschreiber oder Sammlung wichtiger Nachrichten aus dem Natur- und Kirchenreich.«


»Dieser Erstling der deutsch-amerikanischen Zeitungspresse sollte dem ursprünglichen Plan des Herausgebers zufolge viermal im Jahr erscheinen. Die Zeitung schlug aber gleich mit ihrer ersten Nummer so gut ein, daß Saur sich entschloß, sie jeden Monat erscheinen zu lassen. Im Jahre 1748 konnte sie bereits halbmonatlich erscheinen. Drei Jahre später belief sich die Auflage bereits auf 4000 Exemplare, die über das ganze östliche Pennsylvanien Verbreitung fanden... Für die Uneigennützigkeit Saurs im Verkehr mit seinen Abnehmern zeugt die Tatsache, daß er, obwohl dieselben statt der ursprünglich angekündigten vier Nummern jährlich zwölf erhielten, den Subskriptionspreis von 3 Schillingen (40 Cents) unverändert beibehielt. Daran wurde auch nicht gerüttelt, als später das Blatt halbmonatlich und endlich als »Germantowner Zeitung« wöchentlich herauskam. Als Grund hierfür gab Saur die Erklärung, daß den größeren Auslagen für Zusammenstellen, Druck und Papier auch größere Einnahmen aus den Anzeigen gegenüberständen und daß ein ehrlicher Mann sich nicht doppelt bezahlt machen dürfe.«
Rudolf Cronau, Drei Jahrhunderte deutschen Lebens in Amerika, 1909

Christoph Saurs Haus in Germantown.
Hier entstand die erste deutschsprachige Zeitung von Gewicht und Ansehen in Nordamerika.

Im Sommer 1743 erschien in Saurs Druckerei die erste deutschsprachige Bibel Amerikas. Es war die erste Bibel in einer europäischen Sprache, die überhaupt in Amerika gedruckt wurde. Erst um 1780 wurde eine englische Bibel in der Neuen Welt verlegt. Christoph Saur starb am 25. September 1758.
Sein gleichnamiger Sohn übernahm das Geschäft und führte es mit großem Erfolg weiter. Er gehörte 1761 auch zu den Mitbegründern der »Germantown Academy«, auf der Schüler die Hochschulreife erlangen konnten. Das erfolgreiche Wirken der Familie Saur fand erst im Unabhängigkeitskrieg ein Ende, als die Kriegswirren auch auf Germantown übergriffen.
Die Saurs gehörten zu den wenigen Deutschen, die die Revolution ablehnten und mit den Briten zusammenarbeiteten. Christoph Saur wurde zeitweise inhaftiert und enteignet. Er starb am 26. August 1784 in Armut und Vergessenheit.



Die Pionierrolle, die Saurs Zeitung für das Pressewesen in Nordamerika gespielt hat, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Saurs Zeitung war nicht nur die erste deutschsprachige Publikation, die sich jahrelang halten konnte, es war auch erst die sechste Zeitung in der Neuen Welt überhaupt.
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits weitere deutschstämmige Drucker in den Kolonien niedergelassen. 1743 gründete Joseph Crellius in Philadelphia eine deutsche Zeitung. 1751 brachte Johann Böhm ein deutschsprachiges Blatt mit dem Namen »Fama« heraus. Nur wenige Jahre später, 1755, verlegte Anton Armbrüster in Gemeinschaft mit Benjamin Franklin die »Deutsche Zeitung« in Philadelphia. In der Druckerei von Miller und Holland im Lancaster County erschien seit 1751 eine »Lancastersche Zeitung«.
Besondere Bedeutung erlangte Heinrich Miller (ursprünglich Müller), der seit 1760 in Philadelphia eine Druckerei betrieb und im Jahre 1762 den »Philadelphia-Staatsboten« herausbrachte. Diese Zeitung erschien zunächst wöchentlich, später zweimal in der Woche. Miller wurde beim Ausbruch der Revolution amtlicher Drucker des Kontinentalkongresses. Ebenfalls in Philadelphia brachten die deutschen Drucker Steiner & Cist 1776 die Schrift »Crisis« heraus, die von Thomas Paines verfaßt worden war, der mit seinem Pamphlet »Common Sense« zu einem der führenden Köpfe der Unabhängigkeitsbewegung geworden war. Cist verlegte noch im selben Jahr das »Columbian Magazine«, eine englische Zeitschrift, während Steiner die deutsche Presse Amerikas durch seine »Philadelphia-Correspondenz« ergänzte.

Im Jahre 1826 reiste Prinz Bernhard von Weimar durch die Vereinigten Staaten und machte dabei auch in Lancaster, Pennsylvania, Station. Er schrieb später: »Lancaster steht in dem Rufe, daß hier die besten Rifles - Kugelbüchsen - in den Vereinigten Staaten gemacht werden. Ich kaufte mir eine für elf Dollars, um sie als Kuriosität mit nach Hause zu nehmen.«
Wenn auch Respekt in dieser Beschreibung mitschwingt - eine Kuriosität waren die Lancaster Rifles, die später als »Kentucky Rifles« bekannt wurden, gewiß nicht. Sie gehörten vielmehr zu den besten Waffen des 18. und 19. Jahrhunderts, und - was beinahe noch wichtiger ist - sie waren die ersten eigenständig entwickelten amerikanischen Waffen; denn in der Kolonialzeit beherrschten europäische Gewehre und Pistolen den amerikanischen Waffenmarkt.
Die Kentucky Rifles, die bei den amerikanischen Jägern, vor allem bei solchen, die die zivilisierten, besiedelten Gegenden verließen und ins westliche Indianerland zogen, bald einen legendären Ruf genossen, waren von deutschen Büchsenmachern entwickelt worden.

Was das bedeutet, kann nur der erfassen, der weiß, welche Rolle Waffen in der amerikanischen Geschichte gespielt haben. Die Bedeutung der Waffentechnik für die amerikanische Zivilisation ist bis heute nicht zur Gänze untersucht. Im 18. Jahrhundert war allein die Tatsache des Rechts auf Waffenbesitz für jedermann eine Revolution; denn in Europa war das Recht auf den Besitz von Waffen auf die Aristokratie beschränkt. Der Besitz einer Waffe charakterisierte daher in Amerika den freien Mann. Diese Tatsache nahm im Verlauf der Besiedelung der westlichen Gebiete des Kontinents beinahe ideologische Züge an.
Daneben war der Waffenbesitz für jeden Pionier, der in die Wildnis vordrang, eine schlichte Notwendigkeit, um überleben zu können.
Die im 18. Jahrhundert in Europa üblichen Jagdwaffen hatten sich als untauglich für die Bedingungen der Neuen Welt erwiesen. Sie waren zu schwer, zu unhandlich und nicht weitreichend und genau genug. Die Jäger, die in die Wildnis jenseits des Susquehanna-Flusses oder des Rappahannock vordrangen, die gar das unerschlossene Waldland von Ohio und Tennessee erreichten oder die nördlichen Indianergebiete durchstreiften, führten eine umfangreiche Ausrüstung, sowie Tauschwaren für den Pelzhandel mit sich und waren bestrebt, das Gewicht ihres Gepäcks möglichst zu begrenzen, ohne lebensnotwendige Dinge zurücklassen zu müssen.


 

Den Gewehren kam dabei eine Sonderstellung zu:
Sie mußten leistungsstark, weitreichend und zielsicher sein und trotz ihrer extrem langen Läufe ein relativ geringes Gewicht haben.

Es entstand die typische Kentucky Rifle.

Ein Gewehr von durchschnittlich 1,50 m Länge, sehr schlank, mit gezogenem Lauf und englischem Pistolenschloß.

 

 

Sie wurde zunächst in dem Verwaltungsdistrikt Lancaster gefertigt, in dem sich viele deutsche Büchsenmacher niedergelassen hatten.
Als der erste Büchsenmacher, der sogenannte Kentucky Rifles herstellte, ist Matthias Roisser registriert. Er war 1708 in Deutschland geboren worden, wanderte 1736 in Amerika ein und ließ sich 1740 im Lancaster County nieder, um eine eigene Werkstatt zu eröffnen. Er starb 1771.
Ebenfalls 1740 begann Heinrich Moll, der seinen Namen später anglisierte und sich Henry Mull nannte, mit der Fertigung von schlanken Kentucky-Büchsen.
Weitere Büchsenmacher, die an der Entwicklung des typischen »Grenzer-Gewehrs« jener frühen Tage, das so legendären Ruhm erlangte,
daß es noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein hergestellt wurde, waren laut einem Register des Lancaster Countys
Jakob Dickert, Joshua Baker (Bäcker), Christopher Breidenhardt und Peter Gonter.

Energie, Zielstrebigkeit und Einfallsreichtum bei der Zivilisierung, Weiterentwicklung und Vermehrung des Wohlstandes der Kolonien zeigten auch die zahlreichen industriellen Gründungen deutscher Siedler in der Kolonialzeit.
Sie errichteten Brauereien und Papierfabriken, Webereien, Sägemühlen und Verhüttungsbetriebe. Die Herrnhuter, die sich am Menockish-Fluß niedergelassen hatten, erbauten ein Wasserwerk, das als Vorbild für die Wasserwerke von Philadelphia und New York diente.
Kaspar Wistar aus Hilspack bei Heidelberg errichtete bei Salem in New Jersey die erste Glasfabrik. Thomas Rutter erbaute 1716 die erste Eisenhütte Pennsylvanias.
1750 entstand hei Brinkersville im Lancaster County ein Hochofen, den der Erbauer, Johann Huber, nach seiner Tochter »Elisabeth-Hochofen« nannte.
1757 traf Baron Friedrich Wilhelm von Stiegel aus Mannheim mit einem beträchtlichen Vermögen in Amerika ein. Er erwarb Ländereien, heiratete die Tochter Johann Hubers und kaufte ihm den »Elisabeth-Hochofen« ab. Stiegel eröffnete die erste Glasmanufaktur Pennsylvanias und errichtete in Shaefferstown im Lebanon County ein Eisenwerk, in dem gußeiserne Öfen produziert wurden, die bald in allen britischen Kolonien verbreitet waren.

Peter Hasenclever, der 1716 in Remscheid geboren worden war, erreichte 1765 die Neue Welt. Mit Hilfe englischer Teilhaber erwarb er auf dem Nordufer des Mohawk-Flusses, unweit der German Flats, Ländereien, die für den Abbau von Eisenerzen vielversprechende Bedingungen boten. Er ließ 550 Bergleute und Schmiede in Deutschland anwerben, ließ 200 Hütten für sie bauen, errichtete Holzkohlenbrennereien, ein Stampfwerk, Schmelzöfen, Schmieden und Potaschesiedereien, baute Brücken und Transportwege und war bereits ein halbes Jahr nach Beginn der Arbeiten in der Lage, Eisen nach England zu liefern.
Deutsche Kaufleute galten - obwohl es schon zu jener Zeit bisweilen zu Ausfällen von Einheimischen gegen Einwanderer kam - als besonders korrekt, kulant und zuverlässig. Die Erzeugnisse deutscher Farmer, deutscher Fleischer und Bäcker galten als derart hochwertig, daß sie in allen Kolonien gerühmt wurden, und die Wochenmärkte der Deutschen, besonders in Philadelphia, hatten einen legendären Ruf.

Deutsche Handwerker waren außerordentlich geachtet, und die Schulen, die in den meisten deutschen Ansiedlungen sehr bald ins Leben gerufen wurden, besaßen hohes Ansehen. Die Kolonialzeit sah den deutschen Ansiedler in der Neuen Welt als anpassungsfähigen, energischen, unermüdlichen, soliden Kolonisator, der die wirtschaftlichen und geistigen Chancen und Freiheiten, die ihm die Auswanderung aus der alten Heimat gebracht hatte, bewußt wahrnahm und verteidigte. An der Grenze zur Wildnis angesiedelt, waren es häufig Deutsche, die für die verfehlte Indianerpolitik der britischen Verwaltung oder für die Auseinandersetzungen zwischen Briten und Franzosen, in denen nicht selten Indianerstämme zur Kriegführung mißbraucht wurden, den Blutzoll zu zahlen hatten. Die in London verfolgte Absicht, die deutschen Kolonisten als Puffer zwischen der britischen Bevölkerung und den Indianerstämmen einzusetzen, war - zum Leidwesen der Deutschen - nur zu oft ein »voller Erfolg«. Es nimmt nicht Wunder, daß die Deutschen die britischen Absichten bald durchschauten und ihre Sympathien für die englische Verwaltung äußerst gering waren.

Verbittert schrieb Reverend F. J. E. Schantz in Band 10 der Proceedings of the German Historical Society of Pennsylvania:

Es war die traditionelle Politik der Regierung, die Deutschen an die Grenzen zu schicken, an die Stellen der Gefahr. Laßt der Wahrheit ihr Recht, so wie die Geschichtsschreiber rühmten, das Verfahren der Quäker den Indianern gegenüber sei so mild und edel gewesen, daß infolgedessen nie ein Tropfen Quäkerblut von Indianern vergossen worden sei. Soll ich sagen warum? Weil der Gürtel der Quäkerniederlassungen in einem Halbkreis von 50 Meilen von Philadelphia lag.
Jenseits dieses Halbkreises lagen die Niederlassungen der wackeren Deutschen, der Reformierten, Lutheraner, Tunker, Mennoniten und Herrnhuter, welche es nachdrücklich verhinderten, daß die Wilden Quäkerblut vergießen konnten.
Anstatt dessen färbten sich die indianischen Kriegsbeile und Skalpiermesser mit dem Blut der Pfälzer. Laßt die geopferten Leben von mehr als 300 Männern, Frauen und Kindern aus dem Rheinland, welche während der Jahre 1754 und 1763 in den blauen Bergen abgeschlachtet wurden, die wahre Antwort auf die Prahlerei der Quäker geben. Vor 1750 gab es in Ost-Pennsylvanien viele Niederlassungen, in denen keine andere als die deutsche Sprache gehört wurde.«

 

Die Deutschen, die in der alten Heimat rechtlose und nur zu oft verelendete Untertanen gewesen waren, die der religiösen Bedrückung und der dauernden wirtschaftlichen Not entflohen waren, wurden in der Neuen Welt zu selbstbewußten Bürgern, deren Fleiß und Eifer Früchte trug. In den kritischen Jahren des Beginns der scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Kolonien und dem Mutterland, die schließlich in den erbitterten Krieg um die Unabhängigkeit Amerikas einmündeten, erwiesen sie sich als ein zuverlässiges, tragendes Element der sich bildenden amerikanischen Gesellschaft.

 

 

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