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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis: Text und Fotografien:
©• Dietmar KÜGLER - Die Deutschen in Amerika - 1983 •
©• Kurt von Borcke - Deutsche unter fremden Fahnen - 1938 •

 

Die Deutschen während der
Nordamerikanischen Revolution

 

 

 

 

 

 

General George Washington

Am 15. Juni 1775 wurde der Plantagenbesitzer und ehemalige Oberst der Virginia-Miliz George Washington
zum Oberbefehlshaber der zu bildenden Kontinentalarmee gewählt.

 

Als der Unabhängigkeitskrieg ausbrach, lebten Schätzungen zufolge zwischen 225`000 und 250`000 Deutsche in den Kolonien. Sie stellten demnach einen Anteil von erheblich über 10% der weißen Bevölkerung.
In einzelnen Provinzen, wie in Pennsylvania, machten sie sogar mehr als ein Drittel der Bewohner aus.

 

 

 

 

 

 

Am oberen Mohawk, in den »German Flats«, wurde Nikolaus Herkimer, (vorn)
der Sohn des Pfälzers Johann Heinrich Herckheimer, zum Vorsitzenden des Sicherheitsausschusses gewählt.
In dieser Funktion organisierte er 4 Bataillone mit insgesamt 800 Mann. Eines kommandierte er selbst im Rang eines Colonels, ein weiteres wurde von seinem Bruder, Hanjos Herkimer, befehligt, die beiden anderen Einheiten standen unter dem Kommando von Colonel Jakob Klock und Colonel Friedrich Visscher.

Am 5. September 1776 wurde Herkimer vom Parlament von New York zum Brigadegeneral befördert. In der Schlacht von Oriskany am 6. August 1777 wurde er schwer verwundet, leitete den Kampf dennoch weiter und verhinderte den Einfall von britischen Truppen und von den mit ihnen verbündeten Indianern in das fruchtbare Land am Mohawk. Er erlag wenige Tage später seinen Verletzungen.

 

 

 

 

Auch in anderen Einheiten des Staates New York standen zahlreiche deutsche Offiziere und Mannschaften. In Virginia hatte bereits im Jahre 1774 der junge Pastor der deutsch-lutherischen Gemeinde in Woodstock, Peter Mühlenberg, einer Protestversammlung gegen England vorgestanden.
Im Januar 1776 zog er während einer Predigt in der Kirche von Woodstock den Talar aus. Darunter trug er die Uniform eines Milizobersten von Virginia. Er rief von der Kanzel aus seine Gemeinde zum Kampf gegen England auf und schloß sich mit über 300 deutschstämmigen Siedlern des Shenandoah-Tales der Kontinentalarmee an.
Peter Mühlenberg, ein Sohn von Heinrich Melchior Mühlenberg, der zu den Begründern der lutherischen Kirche in Amerika zählt, war am 1. Oktober 1746 geboren worden und hatte in Deutschland Theologie studiert. Er besaß ein mitreißendes Rednertalent und wurde als Pastor genauso geschätzt wie sein Vater.

 


General Peter Mühlenberg

Der temperamentvolle junge Mann fühlte sich jedoch durch sein Amt eingeengt. Der Unabhängigkeitskrieg sollte ihm Gelegenheit geben, zu zeigen, welche verborgenen Talente in ihm steckten. Als Colonel kommandierte er das 8. Virginia-Regiment, das als »German-Regiment« bekannt wurde. 1777 wurde Peter Mühlenberg zum Brigadegeneral, später zum Generalmajor befördert und erhielt damit das Kommando über das 1., 5., 9. und 13. Virginia-Regiment.

Am 22. Mai 1776 beschloß der amerikanische Kongreß, ein deutsches Regiment für die Kontinentalarmee auszuheben. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits in fast allen Provinz-Milizen Einheiten, die vollständig oder teilweise aus deutschen Kolonisten bestanden und von deutschen Offizieren kommandiert wurden.
Für das deutsche Regiment wurden 4 Kompanien in Pennsylvania und 4 Kompanien in Maryland ausgehoben. Durch einen ergänzenden Beschluß des Kongresses vom 9. Juli 1777 wurde in Pennsylvania noch eine 9. Kompanie rekrutiert. Erster Regimentskommandeur wurde Colonel Nikolaus Haußegger, dem später Colonel Ludwig Weltner im Kommando folgte.



George Washington schrieb daraufhin an den Präsidenten des Kongresses:
»Das deutsche Bataillon, das der Kongreß ausheben läßt, wird als Truppe vorzügliche Dienste leisten, und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß man solche Leute zu Offizieren ernennen wird, die die Einberufung nach Möglichkeit beschleunigen.«
Besonders bemerkenswert unter den Deutschen aus Pennsylvania, die es zu Offiziersrängen in der Kontinentalarmee brachten, waren die Brüder Hiester (ursprünglich Heister). Daniel Hiester wurde Colonel, Johann und Gabriel Hiester wurden Majore, und Wilhelm Hiester brachte es zum Captain. Ihr Neffe Joseph Hiester stieg zum Brigadegeneral auf. In Charleston, Süd-Carolina, bildete sich eine Einheit deutsche Füsiliere (German Fusiliers),
die von Lieutenant Michael Kalteisen, einem Kaufmann aus Machtolsheim in Württemberg, kommandiert wurde. Er wurde später Generalwagenmeister von Süd-Carolina und Kommandant von Fort Johnson.

In Virginia errang neben General Peter Mühlenberg besonders Gerhard von Wieden, ein geborener Hannoveraner, der in Amerika den Namen George Weedon annahm, Bedeutung. Er trat 1775 als Oberstleutnant in die Miliz ein, wurde bald Colonel des 1. Virginia-Regiments und beendete seine Laufbahn als Brigadegeneral der Kontinentalarmee. In besonderem Maße waren Deutsche in den zahlreichen Freikorps vertreten, die auf seiten der Amerikaner gebildet wurden und - bedingt durch die militärischen Gegebenheiten in der Neuen Welt - im sogenannten »kleinen Krieg« eine bedeutende Rolle spielten.
Zu den berühmt gewordenen Scharfschützen General Morgans gehörten zahlreiche Deutsche aus Virginia und Pennsylvania.
Bekannt wurde auch das Dragoner-Freikorps des ehemaligen preußischen Oberleutnants Paul Schott, der 1776 Captain der Kontinentalarmee wurde und am 31. Juli 1777 die Genehmigung erhielt, in Pennsylvania ein Reiterkorps zu rekrutieren, wobei ihm gestattet wurde, deutsche Kommandosprache zu führen.

Besonders einsatzfreudig zeigte sich auch das Freikorps des Baron von Ottendorf.
Er stammte aus Sachsen und hatte als Offizier am Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) teilgenommen. Am 5. Dezember 1776 erteilte ihm der Kongreß die Genehmigung, ein 150 Mann starkes Korps leichte Infanterie aufzustellen. Ottendorf warb diese Mannschaft zusammen mit seinen deutschstämmigen Hauptleuten Anton Seelin, Jost Driesbach und Jakob Bauer vor allem in Pennsylvania. Da es in der Kontinentalarmee an berittenen Truppen fehlte, wurde das Korps in eine Reitereinheit umgewandelt. In der Schlacht vor Savannah erlitt es schwere Verluste und ging danach - genau wie Schotts Freikorps - in der Legion des Franzosen Armand de la Rouerie, die zu einem großen Teil aus Deutsch-Amerikanern bestand, auf. Ottendorf erhielt in der Legion Armand den Rang eines Majors.


Soldaten aus George Washingtons Leibgarde

Eine außergewöhnliche Rolle spielte der ehemalige preußische Major Bartholomäus van Heer. Er kommandierte seit dem Frühjahr 1778 die unabhängige berittene Truppe (Independent Troop of Horse) und Leibwache George Washingtons, des Oberbefehlshabers der amerikanischen Armee. Diese Mannschaft bestand zum größten Teil aus Deutschen aus den Counties Berks und Lancaster in Pennsylvania. Major van Heer hatte sie, zusammen mit seinem Captain Meytinger, selbst angeworben. Zur Aufstellung dieser Truppe war es gekommen, nachdem in der ersten Leibwache Washingtons Anhänger des britischen Königshauses entdeckt worden waren. Dagegen stand die absolute Loyalität der deutschstämmigen Amerikaner zur Sache der jungen Vereinigten Staaten nie in Zweifel.

Im Mai 1777 wurde Christoph Ludwig zum Proviantmeister der Unabhängigkeitsarmee ernannt. Ludwig war 1720 in Gießen, Hessen, geboren worden und hatte das Bäckerhandwerk erlernt. Danach war er auf die Wanderschaft gegangen und nach einem abenteuerlichen Leben 1754 nach Philadelphia gekommen, wo er eine Bäckerei eröffnet hatte. Zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges besaß er ein nicht unbeträchtliches Vermögen, das er ohne zu zögern für die Sache der Amerikaner aufs Spiel setzte. Er war zunächst Mitglied des Sicherheitsausschusses und der Pulverkommission von Philadelphia, verlor während des Krieges fast seinen ganzen Besitz und arbeitete nach seiner Ernennung zum Proviantmeister der Kontinentalarmee im Gegensatz zu vielen anderen Offizieren, Politikern und Armeelieferanten uneigennützig und mit großem persönlichem Einsatz, so daß Washington ihn einen »ehrlichen Freund« nannte.

Eine weitere Spitzenposition in der amerikanischen Armee wurde mit dem ehemaligen braunschweigischen Gardemajor Heinrich Emanuel Lutterloh besetzt, der auf Vermittlung von Benjamin Franklin 1777 nach Amerika gelangt war. Er diente zunächst als Unterquartiermeister und wurde im Mai 1780 zum Generalquartiermeister ernannt.


General Baron de Kalb

Auch Johann von Kalb erreichte 1777 Amerika. Er war 1727 als Sohn eines armen Bauern in Hüttendorf in der Marktgrafschaft Bayreuth geboren worden. Dem hochbegabten und lernbegierigen jungen Mann wurde seine Heimat, in der ihm ein Ausbruch aus den zementierten gesellschaftlichen Strukturen unmöglich war, bald zu eng.
Er suchte Befriedigung für seinen Ehrgeiz und ein Betätigungsfeld für seinen universellen Geist.

Kalb wanderte nach Frankreich aus, trat in eines der deutschen Soldregimenter ein, die unter Ludwig XV. dienten und nannte sich fortan Jean de Kalb. Niemand zweifelte an der Identität des belesenen und gebildeten jungen Mannes, der sich mit unermüdlichem Fleiß autodidaktisch weitergebildet hatte. Im Siebenjährigen Krieg wurde er Offizier und Ritter des königlichen Verdienstordens.

In Paris heiratete er in eine reiche Familie ein. Durch den Kauf eines Edelsitzes legalisierte er seinen Adelstitel.
Ein unglaublicher gesellschaftlicher Aufstieg hatte sich vollzogen.

Bald nahm Baron de Kalb eine hohe gesellschaftliche Stellung bei Hofe ein. Dies und die Tatsache, daß er neben seiner Muttersprache und dem Französischen fließend Englisch sprach, war der Grund, daß er 1767 als der geeignete Mann angesehen wurde, in geheimer diplomatischer Mission nach Amerika zu reisen und dort die Möglichkeiten zu erkunden, eine Rebellion gegen Großbritannien zu unterstützen. Kalb führte diesen Auftrag mit Diskretion, Geschick und Scharfblick aus. Er gelangte in seinem Bericht zu dem Schluß, daß Frankreich sich zurückhalten und die Entwicklung abwarten solle. Der Konflikt zwischen England und seinen Kolonien war absehbar. Kalb befürchtete, daß eine frühzeitige Einmischung Frankreichs in den Kolonien zu Mißverständnissen führen und den Trennungsprozeß eher hemmen würde.

Als der Unabhängigkeitskrieg begann, erwies sich Kalbs Rat als richtig. Ohne Mißtrauen zu erregen, konnte Frankreich den aufständischen Kolonisten seine Hilfe anbieten, als sie materiell und militärisch in Bedrängnis gerieten. Am 20. April 1777 reiste Kalb abermals nach Amerika. Ihm war der Rang eines Brigadegenerals der französischen Armee verliehen worden. Begleitet wurde er von weiteren Adeligen, die sich für die Sache Amerikas schlagen wollten, darunter auch der junge aber einflußreiche Marquis de Lafayette. Nach längeren Verhandlungen wurden Kalb und Lafayette in Amerika zu Generalmajoren ernannt. Kalb diente in New Jersey und Pennsylvania und wurde 1780 mit einer schlecht ausgebildeten Division auf den südlichen Kriegsschauplatz geschickt, wo England einen scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch nach Norden begonnen hatte. Der harte Kern von Kalbs Truppen bestand aus deutschstämmigen Kontingenten aus Maryland und Delaware.
Mit diesen Truppen stand Kalb am 16. August 1780 den britischen Einheiten unter Lord Cornwallis bei Camden, Süd-Carolina, gegenüber. Während der amerikanische Oberkommandierende dieser Region, General Horatio Gates, zusammen mit seinen Truppen unter dem Ansturm der Briten die Flucht ergriff, behauptete Kalb mit seinen Soldaten aus Maryland das Schlachtfeld. Seine Truppen hielten solange stand, bis Johann von Kalb, der in vorderster Front gestanden hatte, von englischen Bajonetten durchbohrt niedersank. Am 19. August erlag Kalb im Lager der Briten seinen schweren Verletzungen. Wie viele andere, so war auch Kalb im Dienste Frankreichs nach Amerika gekommen.


Verherrlichendes Gemälde von Maria Ludwig, einer deutschstämmigen Marketenderin die unter dem Namen "Molly Pitcher" zu einem nationalen Symbol wurde. Sie begleitete ihren Mann auf die Schlachtfelder des Unabhängigkeitskrieges und übernahm die Bedienung seiner Kanone, als er verletzt wurde.


Auch das französische Hilfskorps, das unter Rochambeau in die Neue Welt gelangte und die Kontinentalarmee verstärkte, bestand zu etwa 25% aus Deutschen. Dies ist nicht verwunderlich: Frankreich unterhielt zu diesem Zeitpunkt zahlreiche fremdländische Söldnerregimenter, darunter allein 8 deutsche. Hervorzuheben bei den Truppen Rochambeaus ist das »Royal Allemand de Deux-Ponts«, das auch als »Regiment Zweibrücken« bekannt wurde. Es stand unter dem Kommando von Oberst Prinz Christian von Zweibrücken-Birkenfeld.
Beim Regiment Saintonge innerhalb des französischen Hilfskorps befand sich außerdem das aus deutschen Söldnern gebildete Kurtrierer GrenadierbatailIon.

 

Friedrich Wilhelm von Steuben - Der Vater der Armee

 

»Am 20. Mai 1779 revidierte und inspizierte der Baron Steuben unsere Brigade. Die Truppen paradierten mit geschultertem Gewehr in einer einzigen Linie an ihm vorbei, während jeder Offizier seinen bestimmten Platz einnahm. Der Baron revidierte die Linie zuerst in dieser Position, indem er mit prüfendem Auge an der Front hinabging. Hierauf nahm er die Muskete und die übrigen Armaturstücke eines jeden Soldaten in seine Hand, prüfte sie mit Genauigkeit und Schärfe und lobte oder tadelte, je nachdem es verdient war.
Er verlangte, daß Muskete und Bajonett aufs blankeste geputzt seien, und seinem scharfen Auge entging weder das kleinste Rostfleckchen noch sonst ein anderer Mangel. Auch erkundigte er sich nach dem Betragen der Offiziere gegen ihre Leute, wobei er ebenfalls Tadel und Lob nach Gebühr austeilte. Hierauf forderte er von mir als dem Wundarzt eine Liste der Kranken nebst genauer Angabe ihrer Behandlung und Verpflegung,
und hernach besuchte er sogar einige Kranke in ihren Hütten.
Der Baron wird allgemein geachtet und als eine wertvolle Errungenschaft für unser Land betrachtet. Er ist ausgezeichnet durch tiefe taktische Kenntnis sowie durch seine Geschicklichkeit, die Armee zu reformieren und zu disziplinieren, ferner durch seine liebevolle Zuneigung zu den guten und pflichttreuen Soldaten sowie durch seine äußerste Abneigung gegen jede Insubordination und Pflichtvernachlässigung.
Unter seiner Inspektion und Revision hat sich die kontinentale Armee in kurzer Zeit bedeutend verbessert.«     Dr. Thacher, A Military Journal, 1823



General Friedrich Wilhelm von Steuben
Generalinspekteur der amerikanischen Freiheitsarmee.

 

Der Preuße war der bedeutendste Offizier neben Georg Washington im amerikanischen Heer.

 

Die bedeutendste Rolle innerhalb der amerikanischen Armee spielte neben George Washington zweifellos der preußische Baron Friedrich Wilhelm von Steuben, über den es nach dem Krieg in einem Bericht hieß:
»Keinem von den fremden Offizieren verdanken wir soviel als ihm.«

 

 

Friedrich Wilhelm von Steuben wurde am 15. November 1730 in Magdeburg als Sohn des Ingenieur-Hauptmanns Wilhelm August von Steuben und dessen Gemahlin Maria Dorothea von Jagow geboren. Man findet die Familie von Steuben 1457 und 1466 als Ratsherren in Halle an der Saale;
Philipp und Hans von Steuben waren 1478 Besitzer verschiedener Güter im Kreis Halle.
Der Vater des Organisators der nordamerikanischen Armee ging beim Ausbruch des polnischen Erbfolgekrieges 1733 nach Petersburg, um Kronstadt zu befestigen. Die Zarin Anna von Rußland hatte um preußische Ingenieuroffiziere gebeten und König Friedrich Wilhelm I. war dieser Bitte nachgekommen. Der junge Steuben wurde, ein Kind noch, von seinem Vater mit nach Rußland genommen, war mit ihm auf der Krim und dann in Kronstadt, gerade zu der Zeit, als Rußland den Türkenkrieg unter dem General von Münnich führte.
Als Vater Steuben 1740 nach Preußen zurückkehrte, genoß der Knabe Schulunterricht in den Garnisonstädten Neiße und Breslau; er interessierte sich besonders für Geschichte und Mathematik. Mit vierzehn Jahren schon begleitete er 1744 seinen Vater als Freiwilliger in den Zweiten Schlesischen Krieg und nahm an der Belagerung von Prag teil.

Von den großen Erfolgen Friedrichs II. begeistert, trat Steuben 1747 in das Regiment von Lestwitz ein und wurde 1753 Lieutenant.
Unter dem Feldmarschall Graf Schwerin wurde er am 6. Mai 1757 bei Prag verwundet. Bei Roßbach war er bereits wieder bei seinem Regiment.
1758 trat er in das Frei-Bataillon des Generals von Mayr über. Der König gebrauchte diese leicht beweglichen Bataillone als Deckungstruppen gegen die feindlichen Panduren, zu Unternehmungen gegen die feindlichen Etappen und Verbindungen, um seine eigentlichen Kampftruppen zu schonen. Außerdem wurden diese  Frei-Bataillone auch zu Aufklärung und Nachrichtenverbindung verwendet. Sicher war Steuben der Dienst gerade in dieser Truppengattung für seine spätere Tätigkeit im Amerika von großem Nutzen.

Nach dem Tod des Generals von Mayr kehrte Steuben wieder zur aktiven Truppe zurück. Er nahm an der Schlacht von Kunersdorf teil, in welchem Truppenteil ist jedoch unbekannt. Man findet ihn erst wieder als Adjutanten des Generals von Knobloch im Korps Platen, der zu einem Unternehmen nach Polen angesetzt worden war.
Bei der Einnahme von Kolberg, das General von Knobloch verteidigte und aus Mangel an Proviant und Munition den Russen übergeben mußte, war Steuben mit den Kapitulationsverhandlungen betraut worden.

Als Kriegsgefangener kam Steuben mit anderen Offizieren nach Petersburg, wo am 8. Januar 1762 die Zarin Elisabeth gestorben war und Peter III. die Regentschaft übernahm. Peter schloß mit Friedrich den bekannten Friedensvertrag. Der Zar bemühte sich vergeblich, Steuben zu bewegen, in russische Dienste zu treten; Steuben lehnte ab. General von Knobloch, Steuben und die übrigen Gefangenen wurden im April 1762 nach Preußen zurückgeschickt.
Steuben wurde dann zum Kapitän (Hauptmann) und Flügeladjutanten des Königs ernannt. In dieser Stellung nahm er an der Belagerung von Schweidnitz teil.

Unmittelbar nach dem Siebenjährigen Krieg verließ Steuben als Rittmeister (Major) die preußische Armee;
ob aus Ärger über die zu langsame Beförderung oder gelangweilt durch den Garnisondienst, bleibt unklar.
Im Mai 1764 erholte er sich in Wildbad im württembergischen Schwarzwald und lernte hier den Fürsten von Hohenzollern-Hechingen kennen, in dessen Dienste er als Hofmarschall eintrat.
Es ist erstaunlich, daß ein elastischer, tatkräftiger Mann wie Steuben 12 Jahre in einer solchen Stellung aushalten konnte, die seinem unruhigen Geist, der stets nach Tätigkeit strebte, doch nicht zu genügen vermochte.
1775 zog es ihn wiederum zu seinem eigentlichen Beruf zurück, er wurde Oberst in badischen Diensten.


Im Jahre 1777 kam für Steuben die große Wendung; er lernte in Paris den französischen Minister Graf von St. Germain kennen. Dieser überzeugte ihn von den Aussichten, die der beginnende amerikanische Freiheitskrieg für Männer wie ihn in sich barg. Bei dieser Unterredung war der französische Minister über eine große Karte gebeugt. Als Steuben ihn fragte, was es mit dieser Karte für eine Bewandnis habe, antwortete er:
"Dies ist Ihr künftiges Schlachtfeld, Herr Baron".
St. Gerrrmain gab ihm daraufhin den Rat, nach Amerika auszuwandern:
"Dort ist eine Republik, der Sie dienen sollten; sie bedarf Ihrer. Und werden Ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt, so ist Ihr Glück gemacht; Sie werden mehr Ehre und Ruhm ernten, als Sie in Europa je erwarten können." Er versicherte ihm, daß Frankreich und Spanien das junge Staatswesen unterstützen würden und daß der amerikanischen Armee nur die feste Organisation fehle. Steuben wurde bei Franklin eingeführt, der ihm eine bedeutende Landschenkung in Aussicht stellte. Seine letzten Bedenken zerstreute der ihm befreundete Prinz Ludwig von Baden, der ihn aufforderte, schleunigst abzureisen. Der Kriegsminister Graf St. Germain hatte Steubens Eignung zum Organisator einer Milizarmee damals wahrscheinlich besser erkannt als Steuben selbst.

Für St. Germain kam es darauf an, den Amerikanern einen Mann zu senden, der in der europäischen Kriegsführung bewandert und die amerikanischen Milizen zur Schwächung Englands einzusetzen imstande war. Frankreich war zu dieser Zeit noch nicht kriegsbereit genug. Erst ein Jahr später trat Frankreich als Verbündeter der Nordamerikanischen Staaten auf und entsandte seine Hilfstruppen.

Am 1. Dezember 1777 ging Steuben in New Hampshire an Land und setzte sich sofort mit dem Kongreß und George Washington in Verbindung, der sich mit dem jämmerlichen Rest seiner Kontinentalarmee, die sich im Zustand des Zerfalls befand, in Valley Forge im Winterlager aufhielt. Im Februar 1778 erreichte Steuben Valley Forge, sah das offen zutage liegende Elend der amerikanischen Truppen und begann nach den ersten Gesprächen mit Washington sofort mit der mühseligen Aufgabe - noch ohne Anstellung und Rang -, die Milizen moralisch wieder aufzurüsten, ihnen Disziplin beizubringen und sie zu einer echten Armee zu formen.
Wochenlang stand er bei Regen, Schnee und eisiger Kälte von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf dem morastigen Exerzierplatz, demonstrierte den ungeschlachten Horden, aus denen sich die Kontinentalarmee zusammensetzte, den Umgang mit dem Gewehr und führte sie in die Grundbegriffe der Massentaktik ein.
Nur einen Monat später konnte Steuben mit den amerikanischen Truppen ein ordentliches Manöver durchführen.
Am 5. Mai 1778 wurde er zum Generalmajor und Generalinspekteur der Kontinentalarmee ernannt.

Er wurde Washingtons wichtigster Offizier. Durch unermüdliche, systematische Arbeit, geschickte Menschenführung und organisatorische Meisterleistungen gelang es Steuben, die Rebellenarmee in eine Militärmaschinerie zu verwandeln, die es mit ihrem gut disziplinierten britischen Gegner aufnehmen konnte.
Neben dieser Arbeit schrieb Steuben das »Reglement für den Dienst und die Disziplin der Truppen der Vereinigten Staaten«, das berühmte »Blaue Buch«, das 1779 erschien und zur Pflichtlektüre für alle amerikanischen Offiziere wurde.
Mit diesem Werk offenbarte sich auch sein tiefes Einfühlungsvermögen in die Mentalität der obrigkeitsfeindlichen Amerikaner. Der Preuße, der in der Tradition einer auf äußerste Zucht und Ordnung aufgebauten Armee großgeworden war, bewies mehr Verständnis für die Bedürfnisse und Belange und den persönlichen Stolz der amerikanischen Milizsoldaten als deren eigene Offiziere. Er drillte die Truppen nicht nur, er überzeugte sie.

Steuben richtete die erste wirklich funktionstüchtige Heeresverwaltung ein, die mit der Materialverschwendung Schluß machte. Mit seinem Kampf gegen die Korruption schuf er sich Feinde aber auch Freunde.

Er entwarf ein neues organisatorisches Konzept für die amerikanischen Truppen, wobei er die Truppenkörper straffte und überschaubarer machte und mit der Schaffung der leichten Infanterie einen besonders wichtigen Beitrag für den kleinen Krieg in den Wäldern und im unübersichtlichen Gelände des amerikanischen Kriegsschauplatzes leistete.     

Mit Recht nannten ihn die Milizen den »Vater der Armee«.

Einen Höhepunkt in seiner Laufbahn erlebte er, als er vor Yorktown, der letzten wichtigen Schlacht des Krieges, die Kapitulation der Briten entgegennehmen und als erster Offizier mit seinen Truppen in die befreite Stadt einmarschieren konnte. Eine weitere Krönung seiner erfolgreichen Tätigkeit war ihm nicht vergönnt: Die Bestrebungen weiter Kreise, Steuben nach dem Krieg im Jahre 1784 zum Kriegsminister der Vereinigten Staaten zu machen, scheiterten daran, daß er von vielen Amerikanern als ”Ausländer” betrachtet wurde. Steuben überwand seine Verbitterung jedoch schnell. Im Gegensatz zu vielen anderen - vornehmlich französischen - ausländischen Offizieren, blieb er in Amerika, erwarb die amerikanische Staatsbürgerschaft und ließ sich auf Ländereien nieder, die ihm in Verbindung mit Ehrenbürgerrechten von einigen Staaten verliehen worden waren. Auf eine finanzielle Entschädigung mußte er dagegen bis zum Jahre 1790 warten. In der Zwischenzeit lebte er von der Verpachtung von Parzellen an Kolonisten, die er auf seinem Land ansiedelte.

1784 wurde er Präsident der »Deutschen Gesellschaft von New York«, und das Staatsparlament wählte ihn in den Rat der Staatsuniversität. In seinen umfangreichen Korrespondenzen befaßte er sich weiterhin mit militärischen Fragen.
In einem Memorandum arbeitete er klare und eindeutige Vorschläge für die Einrichtung einer Militärakademie aus.
Als 1802 die Akademie West Point eröffnet wurde, waren Steubens Ideen in Erfüllung gegangen. Er selbst erlebte es nicht mehr:
Am 25. November 1794 hatte er einen Schlaganfall erlitten und war wenige Tage später gestorben. Zahlreiche Gedenktafeln und Denkmäler erinnern an sein Wirken.

Steuben war der bedeutendste Deutsch-Amerikaner der Revolutionsjahre, eine der bedeutendsten Personen dieser Zeit überhaupt. Sein Wirken steht besonders hervorgehoben für die Leistung und den Einsatz aller Deutsch-Amerikaner für die Freiheit der Vereinigten Staaten, auch und gerade für die Namenlosen, die in fast allen Regimentern der Kontinentalarmee und der Miliz dienten und für ihre neue Heimat ihr Leben opferten.

 

 

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