
Quellennachweis der Texte und
Abbildungen:
US Department of Defense (DOD), Center of Military History (CMH) der
U.S. Army,
Office of Medical History der U.S. Army, The Institute of Heraldry
der U.S. Army (TIOH),
Naval Historical Center (NHC), Kongreßbibliothek (LOC), US Nationalarchiv
(NARA)
und Arlington National Cemetary
Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching
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U.S.
Navy 1861 |
U.S.
Army 1862 |
DIE
EHRENMEDAILLE DES KONGRESSES
(Congressional Medal
of Honor)
Präsident
Abraham Lincoln genehmigte mit Kongreßbeschluß am 21. Dezember
1861 die Einführung einer Tapferkeitsmedaille, die an Unteroffiziere
und Mannschaften der Marine (U.S. Navy) und der Marineinfanterie (U.S.
Marine Corps) verliehen werden konnte. Sie erhielt die Bezeichnung "Medal
of Honor" (Ehrenmedaille).
Das Heer forderte
nun ebenfalls eine Auszeichnung. Und so wurde am 12. Juli 1862 die "Medal
of Honor" auch für Unteroffiziere und Mannschaften des Heeres
genehmigt. Die Verleihung sollte im Namen des Kongresses erfolgen. Seit
dem 3. März 1863 konnte die Medaille dann auch Offizieren des Heeres
verliehen werden. Marineoffiziere erhielten dieses Recht erst am 3.
März 1915.
Die
Medaille war für Heer und Marine gleich, nur die Aufhängung
und Spange waren unterschiedlich. Im Medaillon befindet sich eine allegorische
Darstellung des Krieges. Columbia, in Gestalt der Göttin Minerva
(Symbol für die Union), wehrt mit einem Schild die mit Schlangen
"bewaffnete" Discordia (Zwietracht) (Symbol für die CSA)
ab. Die Rückseite war glatt. Hier wurde normalerweise der Name
eingraviert.
Die hier dargestellte
Rückseite einer Medaille der Marine trägt die Beschriftung:
„ Personal Valor / THOMAS GEHEGAN / Boatswain’s Mate
/ U.S.S. Pinola / New Orleans April 24th & 25th / 1862“.
Dem Träger wurde die Medaille aber später wegen schlechter
Führung wieder aberkannt und befindet sich im Marineministerium.
Die ersten
Verleihungen im Heer erfolgten am 25. März 1863, als der Kriegsminister
Edwin Stanton die Medaillen an sechs Überlebende eines Kommandounternehmens
übergab, das von James J. Andrews geführt worden war. Dabei
entführte man im Feindesland auf der Strecke von Atlanta nach Chattanooga
einen Eisenbahnzug der Konföderierten. Während der Fahrt sollten
möglichst viele Schienen und Brücken zerstört werden.
Da der Zug von einer anderen Lok verfolgt wurde, ging dieses Unternehmen
auch als die „große Lokomotiv-Verfolgungsjagd“ in
die Geschichte ein. Alle Teilnehmer wurden schließlich gefaßt,
einige davon als Spione gehängt, die anderen gerieten in Kriegsgefangenschaft.
Die sechs Ausgezeichneten waren im Rahmen eines Gefangenenaustausches
freigekommen.
In der Navy wurden
die ersten Medaillen am 3. April 1863 an 41 Seeleute ausgehändigt,
von denen 17 für Verdienste bei den Angriffen auf die Forts Jackson
und St. Philip an der Mündung des Mississippi vom 24. April 1862
ausgezeichnet wurden.
Während des
gescheiterten und äußerst verlustreichen Frontalangriffs
auf die Befestigungsanlagen von Vicksburg am 22. Mai 1863 verhielten
sich 96 Soldaten so tapfer, daß sie die Ehrenmedaille erhielten.
In der Schlacht von Gettysburg (1. - 3. Juli 1863) verdienten sich 58
Soldaten diese Auszeichnung. Die höchste Zahl an Medaillen wurde
in der Marine für den Einsatz in der Schlacht von Mobile Bay am
5. August 1864 verliehen.
Dabei erhielten 90 Seeleute und 8 Marineinfanteristen diese Auszeichnung.
 
1st Lt. Arthur MacArthur
im Bürgerkrieg
Arthur MacArthur
erhielt die Medaille für seine Tapferkeit im Bürgerkrieg.
Sein Sohn, General Douglas MacArthur, erhielt ebenfalls die Ehrenmedaille.
Sie wurde ihm 1942 wegen seiner Verdienste im 2. Weltkrieg auf den Philippinen
verliehen.
In der Geschichte
der Ehrenmedaille gab es nur zwei dieser „Vater-und-Sohn“-Verleihungen.
Die zweiten Inhaber waren Vater Theodore Roosevelt
(für Verdienste im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898), der Präsident
der USA wurde,
und sein Sohn Theodore Roosevelt, Jr. (für Verdienste im 2. Weltkrieg).
Lieutenant-General
Arthur MacArthur mit der Ehrenmedaille
Während
des Krieges und noch Jahrzehnte danach wurden für Soldaten und
Veteranen des Bürgerkriegs insgesamt 2432 Ehrenmedaillen als Tapferkeitsmedaillen
verliehen.
Am 27. April
1916 beschloß der Kongreß, allen Inhabern der Ehrenmedaille,
die älter als 65 Jahre waren, eine monatliche Pension von $10 zu
zahlen, wenn sie die Medaille für ihre Tapferkeit vor dem Feind
und unter Lebensgefahr erhalten hatten. Dazu wurde eine „Ehrenliste“
(Roll of Honor) erstellt, wobei man feststellen mußte, daß
zahlreiche Verleihungen nicht richtig dokumentiert worden waren. Dies
führte dazu, daß 1916 eine Kommission eingesetzt wurde, um
alle mit der Ehrenmedaille ausgezeichneten Soldaten zu überprüfen.
Dabei wurde festgestellt, daß es zu unverdienten Verleihungen
gekommen war.
Hier einige Beispiele:
Als für die Schlacht von Gettysburg alle verfügbaren Truppen
zusammengezogen wurden, verblieben zum Schutz der Hauptstadt Washington
nur das 25. und 27. Maine Infanterieregiment. Doch diese Regimenter
waren nur für neun Monate verpflichtet und sollten ab 26. Juni
1863 ausgemustert werden, da ihre Verpflichtungszeit am 30. Juni endete.
Da man konföderierte Angriffe auf Washington befürchtete,
bat man die Soldaten der beiden Regimenter, noch bis zum Monatsende
(4 Tage!) zu bleiben. Das 25. Maine lehnte geschlossen ab, und von den
864 Soldaten des 27. Maine Regiments erklärten sich schließlich
309 bereit, freiwillig zu bleiben, aber nur, wenn sie die Ehrenmedaille
erhielten. Kriegsminister Stanton mußte notgedrungen zustimmen.
Da in der Hektik keine exakten Namenslisten geführt wurden, blieb
Stanton schließlich nichts anderes übrig, als alle 864 Soldaten
des Regiments mit der Medaille auszuzeichnen.
Als der Gouverneur von Maine die Medaillen zur Aushändigung erhielt,
beauftragte er Oberst Wentworth, die 309 Mann ausfindig zu machen, was
auch gelang. Wentworth lagerte die restlichen Medaillen in seiner Scheune,
noch dies sprach sich herum, und die Medaillen wurden gestohlen - vermutlich
von Veteranen. Alle diese Auszeichnungen wurden von der Kommission 1917
aberkannt. Anläßlich der 14tägigen Überführung
und der Beisetzungsfeierlichkeiten von Präsident Lincoln wurde
4 Offizieren und 25 Kompaniefeldwebeln (1st Sergeants) der Ehrenwache
die Medaille verliehen. Auch diese Soldaten mußten 1917 ihre Medaillen
wieder zurückgeben.
Aber auch
Dr. Mary Edwards Walker, die im Krieg als sehr verdienstvolle Assistenzärztin
eingesetzt und sogar einige Zeit in Kriegsgefangenschaft war,
wurde von der Kommission die Medaille aberkannt, da sie als zivile Vertragsärztin
keinen militärischen Status hatte und die Medaille nur an Soldaten
verliehen werden konnte.
Sie gab aus
Protest ihre Medaille aber nicht zurück und trug sie weiterhin
voller Stolz bei allen Gelegenheiten.
Als Kämpferin für Frauenrechte trug sie nach dem Krieg nur
noch Männerkleidung und wurde deswegen häufig verhaftet.
Die Abbildung aus dem Jahre 1870 zeigt sie mit der Medaille.
Nachdem sich aber über Jahrzehnte hinweg viele für sie eingesetzt
hatten, erhielt sie 1977 posthum die Medaille wieder verliehen.
Daneben wurde
auch William H. Woodall, der ein ziviler Pfadfinder (Scout) gewesen
war, die Medaille aberkannt. Im Juni 1989 erhielt auch er die Medaille
posthum wieder zuerkannt. Weniger bekannt ist, daß auch die Marine
11 Seeleuten die Medaille wegen Fahnenflucht oder schlechter Führung
wieder aberkannte.
So verringerten sich nach dieser „Bereinigung“ die Verleihungen
auf insgesamt 1522 Medaillen, davon 1198 für die Army, 307 für
die Navy und 17 für die Marines.
Die vermutlich letzte Ehrenmedaille für Verdienste im Bürgerkrieg
wurde am 16. Juli 2001 posthum an Corporal Andrew Jackson Smith verliehen.
Präsident Clinton überreichte die Medaille der 93jährigen
Tochter des damals in den Norden geflüchteten Sklaven.
Der jüngste
„Soldat“, dem die Medaille verliehen wurde, war William
„Willie“ Johnston für Verdienste vor seinem 12. Geburtstag.
Sechs Wochen nach seinem 13. Geburtstag, am 16 September 1863, erhielt
der Trommlerjunge die Medaille ausgehändigt.
In den Akten des Kriegsministeriums findet sich leider kein Vermerk
über den Verleihungsgrund.
Im Heer erhielt Leutnant (2nd Lieutenant) Thomas Ward Custer, der Bruder
von General George Armstrong Custer, die Ehrenmedaille zweimal verliehen.
In der Marine erhielten zwei Seeleute die Medaille aus jeweils zwei
verschiedenen Anlässen.
Einmalig in der
Geschichte der Ehrenmedaille ist die Verleihung an zwei Brüder.
Die Soldaten Allen und James Thompson, Company K, 4th New York Heavy
Artillery,
erhielten die Medaille für eine gefährliche Aufklärung
vor der eigenen Linie.
Zu den mit der
Ehrenmedaille ausgezeichneten Soldaten gehörten auch 24 Afro-Amerikaner;
davon waren 16 Soldaten im Heer und 8 Seeleute.
Sergeant Llewellyn P. Norton, Soldat in der 10th New York Cavalry, verdiente
sich in dem Gefecht von Sayler's Creek, Va. am 6. April 1863 wegen heldenhaften
Verhaltens die Ehrenmedaille, die ihm am 3. Juli 1865 zugesprochen wurde.
Er erfuhr davon erst 23 Jahre später, als er seinen Namen zufällig
in einer von Appleton's Cyclopedia veröffentlichten Liste
fand.
Die Ehrenmedaille
sollte für lange Zeit die einzige offizielle staatliche Auszeichnung
für Verdienste im Bürgerkrieg bleiben. Da ihre Form, ihr Band
und die Aufhängung von vielen inoffiziellen Medaillen der Reservistenvereinigungen
"mißbraucht" wurde, änderte man 1896 bei der Medaille
des Heeres erst das Band und 1904 auch das Aussehen der Medaille.
Das Band der Medaille der Marine und der Marineinfanterie wurde 1896
ebenfalls geändert und 1913 das Tau am unklaren Anker der Medaille
entfernt und ein klarer Anker eingeführt.
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Ehrenmedaille
des Heeres von 1896
mit geändertem Band
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Ehrenmedaille
des Heeres
von 1904 |
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Ehrenmedaille der Marine und
der Marineinfanterie von 1896
mit unklarem Anker
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Ehrenmedaille
der Marine und der Marineinfanterie von 1913
mit klarem Anker
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Heute gibt es die "Medal
of Honor" in verschiedenen Ausführungen für Heer, Luftwaffe
und Marine.
Sie wird als höchste militärische Auszeichnung bei offiziellen
Anlässen als Halsorden getragen.
(Hier
die Links zu den einzelnen Listen)
Liste der afro-amerikanischen Inhaber
Liste
der Inhaber U.S. Army A - K
Liste
der Inhaber U.S. Army L - Z
Liste
der Inhaber U.S. Navy
Liste
der Inhaber - Zivilisten
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