Quellennachweis der Texte und Abbildungen:
Dr. Christopher R. Gabel, Railroad Generalship: Foundations of Civil War Strategy,
U.S. Army Command and General Staff College. Combat Studies Institute, 1997
W. F. Riter, Rail Transportation; An Historical Military Study, The Quartermaster Review – March-April 1927
“Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate Armies”, 1891 – 1895
Veröffentlichungen des Center of Military History der U.S. Army,
der Kongreßbibliothek, des US Nationalarchivs, sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der U.S. Army


Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

 


DIE EISENBAHN IM BÜRGERKRIEG


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Kampfeinsätze

 

Neben den eigentlichen Transportaufgaben wurden Loks und Waggons auch für Kampfeinsätze verwendet.

Wo es sich anbot, wurden Aufklärungsfahrten mit einzelnen Loks unternommen. Dabei klärte die Besatzung die Gegend auf und erkundete feindliche Feldlager, die sich oft in der Nähe von Eisenbahnstrecken befanden. Wurde die Lok entdeckt, so konnte sie schnell zurückfahren und aufgrund ihrer Geschwindigkeit den sie verfolgenden Reitern entkommen. Manche Loks wurden auch als „Lockvogel“ eingesetzt. Man fuhr durch feindliches Gebiet und wartete darauf, von der feindlichen Artillerie beschossen zu werden. Damit waren dann die Stellungen der Batterien bekannt und konnten entsprechend bekämpft werden. Auch Einsätze als Kurierfahrzeugen fanden statt, wenn ein Kommandeur bei zerstörten oder nichtvorhandenen Telegrafenleitungen wichtige Meldungen weiterleiten mußte.

Manchmal wurden Loks auch als Rammfahrzeuge eingesetzt. Man setzte sie unter Volldampf und ließ sie ohne Besatzung in Richtung eines feindlichen Bahnhofs fahren. Dort richteten sie an haltenden Zügen schwere Zerstörungen an und setzten manchmal sogar den Bahnhof in Brand. Einzelne, mit Munition beladene Waggons wurden auf Brücken abgestellt und angezündet. So sollten sie zerstört werden.

 

 


In der Nähe von Catlett's Station, Virginia, wird die zerstörte Brücke
über den Cedar Run wieder aufgebaut

 


Neugierig wird eine Lok der Richmond & Petersburg Railroad
im Bahnbetriebsgelände von Richmond, Virginia, betrachtet


Als man Geschütze als Fracht im Eisenbahntransport verlegte, kamen findige Kommandeure auf die Idee, schwere Geschütze, die im Gelände nur äußerst schwierig zu bewegen waren, auf Eisenbahnwaggons zu montieren und mit Loks in den Einsatzraum zu transportieren. Diese Geschütze wurden oft durch dicke Holzbalken vor feindlichem Beschuß geschützt. Beim Abfeuern eines Schusses wurde der Rückstoß durch Seile aufgefangen. Dann wurde der Waggon wieder in Stellung gebracht.

 

 


Ein Eisenbahngeschütz vor dem Einsatz


Dieser 7,7 Tonnen schwere Küstenmörser im Kaliber 33 cm (13 Zoll), mit dem Spitznamen »Dictator«,
wurde vom 1. Connecticut Schweren Artillerie-Regiment
1864-65 vor Petersburg in Virginia als Belagerungsmörser eingesetzt
und beschoß die Stadt aus einer Entfernung von 2 Meilen (ca. 3,2 km).

 


Daneben wurden auch gepanzerte Loks und Waggons mit wechselnden Erfolg eingesetzt. Bewährt haben sich dabei gepanzerte Waggons, die zum Schutz die Reparaturtrupps zusammen mit Infanterie- oder Kavallerieeinheiten begleiteten.

 


Lokomotiven und Waggons

 


Die typische Dampflokomotive des Bürgerkriegs war der “Amerikanische Typ”, auch als 4-4-0 (deutsch: 2B) bezeichnet Das heißt, sie hatte vorne 4 Laufräder in einem Drehgestell, 4 Antriebsräder und keine Laufräder hinten. Diese Anordnung gewährleistete eine relativ gute Spurtreue, d.h. relativ wenig Entgleisungen auch bei schlecht verlegten Schienen und das Befahren auch relativ enger Kurven.

 

 

 

 

Auf dem ziemlich großen Dampfkessel befanden sich ein oder zwei Kuppeln (eine davon mit Pfeife), eine Sandkuppel (über und vor den Antriebsrädern zur Erhöhung der Reibung auf den Schienen), eine Glocke, der typische trichterförmige Schornstein mit innen angebrachtem Gitter, um den Funkenflug zu verringern und eine Öllaterne. Vorne befand sich zum Schutz ein sogenannter Kuhfänger. Dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, waren die Loks sehr bunt lackiert und mit viel glänzendem Metall verziert.

 

 


Die "Gen. J. C. Robinson" und andere Loks der U.S. Military Railroads
nehmen im Eisenbahnbetriebsgelände in City Point, Virginia, Holz und Wasser auf

 

Zu jeder Lok gehörte ein Tender, der mit Holz und Wasser beladen war. Da die Loks sehr viel Brennmaterial und Wasser verbrauchten, wurden Verträge mit den Landbesitzern geschlossen, die dafür sorgten, daß sich in bestimmten Entfernungen neben den Gleisen Holzlager befanden. Auch Wassertanks mußten in Abständen von etwa 8 km gebaut werden. Die Eisenbahner legten dabei großen Wert darauf, daß das Wasser sehr sauber war. So gab es Befehle, daß Soldaten nicht in den Wassertanks baden durften, denn das seifige Wasser hätte in den Dampfkesseln der Loks zu schäumen angefangen.

Der Truppentransport erfolgte mit den vorhandenen Personenwagen. Reichten diese nicht aus, so benutzte man Güterwagen, in die man Fenster und Sitzbänke, manchmal auch Öfen einbaute.

Versorgungsgüter und Material wurde mit den vorhandenen Güterwagen transportiert. Vorherrschend war dabei der gedeckte Güterwagen (boxcar), der für spezielle Zwecke auch umgebaut wurde. Daneben wurden Flachwagen (flatcars) eingesetzt, die einen flachen, meist durchgehenden Boden und keine oder höchstens niedrige, nach oben offene Aufbauten besitzen.

 

 


Gedeckte Güterwagen in einem Bahnhof, der von einer Kavallerieeinheit bewacht wird

 

 

Neben diesen bereits vorhandenen Wagenparks baute man im Verlauf des Krieges spezielle Waggons für verschiedene Zwecke, wobei manchmal auch vorhandene Wagen umgebaut wurden.

Da die vielen Verwundeten von den Schlachtfeldern möglichst schnell in Krankenhäuser transportiert werden mußten, wurden spezielle Ambulanzwagen mit Vorrichtungen zum Einhängen von Krankentragen entwickelt. Ja, es gab sogar Waggons, in denen Ärzte Verwundete behandeln und Operationen durchführen konnten.

 

 


Ein Ambulanzwagen mit Krankentragen

 

Bei längeren Truppentransporten befand sich im Zug häufig ein Küchenwagen, in dem warme Mahlzeiten zubereitet werden konnten.

 


Ein Küchenwagen der Army of the Cumberland

 

Neben den zivilen Eisenbahngesellschaften waren für die USMRR des Kriegsministeriums der Union während des Krieges eingesetzt:

 

Lokomotiven =    419
davon zerstört =    6
davon nach dem Krieg verkauft =    310
an die ehemaligen Eigentümer zurückgegeben =    103

Waggons =   6330
davon zerstört =   1043
davon nach dem Krieg verkauft =   4757
an die ehemaligen Eigentümer zurückgegeben =   510

 

 

Die USMRR wurde am 8. August 1865 aufgelöst und die Eisenbahnstrecken den ehemaligen Eigentümern (hauptsächlich in den ehemaligen Südstaaten) übergeben.

An dieser Stelle soll auch eine der größten Leistungen des Generalquartiermeisteramts (Quartermaster General) erwähnt werden, das im Krieg ebenfalls in das Transportwesen eingebunden war. Als der Krieg zu Ende war, fand in Washington, D.C, eine große Feldparade der Army of the West und der Army of the Potomac statt. Anschließend mußten 233.200 Soldaten, 12.838 Pferde und 4,3 Mill. Pfund Gepäck in oder in die Nähe der Heimatorte der Soldaten transportiert werden.
Dies dauerte 40 Tage und verlief vollkommen unfallfrei.


Zusammenfassung


Der amerikanische Bürgerkrieg war der erste Krieg, in dem die Eisenbahn eine kriegswichtige Rolle spielte. Ohne sie hätten manche Feldzüge mit den eingesetzten Truppenstärken und den großen Entfernungen nicht stattfinden können. Neben den zahlreichen Vorteilen hatte der Einsatz der Eisenbahnen aber auch einen Nachteil. Da beide Seiten die Streckennetze des Feindes kannten, wußten sie auch, aus welcher Richtung der Feind aller Wahrscheinlichkeit nach kommen mußte. Dadurch verringerte sich der Überraschungseffekt.

Da zahlreiche ausländische militärische Beobachter den Krieg sachkundig verfolgten und die Vorteile des Eisenbahntransport erkannten, dauerte es nicht lange, bis in vielen Ländern die Eisenbahnen in die Kriegsplanungen einbezogen wurden.


Soldaten bewachen eine größere Menge von Versorgungsgütern auf einer Verladerampe


 

 

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