|
Mit
freundlicher Unterstützung
Die Glücksspieler
Das
Wetten -
Diese Darstellung
zeigt Chippewa-Indianer in Fort Snelling, Minnesota, die in ein Brettspiel
vertieft sind.
Die Einwanderer,
die in den Westen kamen - nicht nur die europäischen, sondern
auch die mexikanischen und chinesischen -, setzten diese Tradition
fort. Gewöhnlich riskierten sie ihr restliches Geld und manchmal
alles, was sie besaßen, in Geschicklichkeitsspielen, beim Kartenspiel
oder in Wetten um bloße Meinungsverschiedenheiten.
In Santa Fe, New
Mexico, berichtete der reisende Reporter der Bostoner Zeitung Journal
im Jahre 1859, daß die Eingeborenen spanischer Herkunft „eingefleischte
Spieler" seien. „Bald nachdem die Kinder laufen lernen,
setzen sie ihren ersten Penny aufs Spiel. Und alte Männer riskieren
noch kurz vor ihrem Tod ihren einzigen Mantel oder ihren letzten Dollar
beim Glücksspiel.
Bei seinen Beobachtungen
stellte der Reporter fest, daß unter den Spielern in Santa Fe
Reiche wie Arme, Leichtsinnige wie Vorsichtige zu finden waren. „Geschäftsmänner
verloren oder gewannen vor den Augen aller 1000 Dollar mit der größten
Gleichgültigkeit. An einem Abend sah ich einen Verkäufer,
der mit nur fünf Dollar in das Spiel einstieg. Innerhalb einiger
Stunden hatte er 1000 dazugewonnen. Aber noch bevor der Morgen anbrach,
besaß er keinen Penny mehr. In Truckee, einer
Holzfällerstadt an der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien,
wurden die Waldarbeiter in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts
nicht in Geld ausgezahlt, sondern in Gutscheinen der Handelsgesellschaft.
Lacrosse spielende Sioux-Indianer schlagen auf diesem 1851 entstandenen Bild eifrig nach dem Ball. Ein weißer Beobachter berichtete, daß viele dieser Indianer sogar häufig ihre letzte Habe riskierten.
Und junge Menschen
- weit weg vom Elternhaus - haben ganz besonders das Bedürfnis,
unter Menschen zu kommen und sich zu amüsieren. Nach einer Zeit
sehr harter Arbeit in der Prärie, im Wald, beim Eisenbahnbau
oder in der Mine brauchte ein junger, unverheirateter Mann Entspannung
und etwas Nervenkitzel. Wenn er mit solcher Erwartung in die Stadt
kam, fand er das alles in den Saloons, wo sich die professionellen
Spieler gewöhnlich aufhielten. Mehr Informationen über Glücksspiele finden Sie auf de.Casinotoplists.com.
Die Männer
des Wilden Westens spielten wegen des Nervenkitzels, den das Risiko
eines hohen Einsatzes mit sich bringt, oder einfach zum Zeitvertreib.
Für einige war der Spieltisch ein Ersatz für die Goldmine,
die Möglichkeit, im Handumdrehen reich zu werden. Für die
Profispieler war das Spielen ein Beruf, der ein sehr unregelmäßiges
Einkommen mit sich brachte, ein fortwährendes Auf und Ab. Sie
waren nicht gerade Ehrenmänner. Genaugenommen waren viele von
ihnen habgierige Banditen, die kaum zu verhehlende Betrügereien
inszenierten und nach der Devise handelten, kleinere Betrüger
nicht zum Zuge kommen zu lassen.
Castanoa-Indianer würfeln um ein kleines Tier. Sie gehörten zu den wenigen Indianer-Stämmen, bei denen die Männer Bärte trugen.
Die moralischen und gesetzlichen Einwände des weißen Mannes hatten auf die ursprünglichen Spieler des Westens, die Indianer, keinen Einfluß. Die Indianer hatten schon immer ihre freie Zeit mit Geschicklichkeits- und Glücksspielen verbracht. Teilweise trug ihre Spielneigung religiöse Züge: Beim Pfeilschießen oder Würfeln ahmten sie die Handlungen der mythischen Helden ihrer geistigen Welt nach. Beispielsweise gehörten die göttlichen Zwillinge zu den Schöpfungsmythen vieler Stämme. Einer dieser Götter, die einst der Sonne entsprangen, lebte im Osten und herrschte am Tage und im Sommer; der andere, der im Westen lebte, beherrschte die Nacht und den Winter. So konkurrierend wie ihre gegensätzlichen Machtbereiche sagten die Zwillinge das Schicksal der Menschen voraus und spielten, einem Zuni-Mythos zufolge, „zum bloßen Zeitvertreib in göttlichen Wettkämpfen um das Glück ganzer Nationen". Man hielt sie für die ursprünglichen Glücksspieler. Sie waren die Götter des Wettens, und es waren ihre Spiele, die die Sterblichen nachahmten. Die den göttlichen Zwillingen geweihten Gegenstände unterschieden sich kaum von denen, die die Indianer täglich bei ihren Wettspielen benutzten, außer in ihrer künstlerischen Ausführung. Bei manchen Stämmen
war die Verbindung des Glücksspiels mit Mythen von sehr großer
Bedeutung. So spielte beispielsweise der Wichita-Stamm Glücks-
und Geschicklichkeitsspiele nur im Zusammenhang mit Zeremonien. Das
war allerdings die Ausnahme. Die meisten Indianer spielten, wann immer
sie Zeit hatten und irgend etwas besaßen, das sie aufs Spiel
setzen konnten. Ob ein Indianer spielte, damit es regnete oder um
sich einfach die Zeit zu vertreiben Edwin Denig, ein
Pelzhändler, war einer der ersten weißen Männer, die
Einzelheiten über die Würfelspiele der Indianer niederschrieben.
In einem 1854 entstandenen Bericht an den Gouverneur des Territoriums
Washington schrieb Denig, daß die Assiniboin-Indianer aus North
Dakota eine flache, polierte Holzschale benutzten, in der 25 Würfel
auf einmal geschüttelt wurden. Einige dieser Würfel waren
Krähenkrallen, die auf der einen Seite rot, auf der anderen Seite
schwarz angemalt waren. Andere bestanden aus Pflaumenkernen, blauen
Porzellanscherben, Westenknöpfen und Messingstiften. Wenn beispielsweise
eine Kralle mit der roten Seite nach oben landete, gewann derjenige,
der gewürfelt hatte, fünf Punkte. Zeigte die schwarze Seite
nach oben, so erhielt er keinen Punkt. Bohrte die Kralle sich in den
Boden, wurde das mit 25 Punkten belohnt. Ein äußerst seltener,
vollkommener Wurf sämtlicher 25 Würfel ergab 100 Punkte.
Trotz der Vielzahl der Würfel und Werte wurde das Spiel sehr
schnell gespielt. Denig war erstaunt darüber, daß die Indianer,
„aufgrund ihrer Übung", die Gesamtpunktzahl mit einem
Blick erkennen konnten.
Wettläufe um Reichtümer, Regen und das Wohlwollen der Götter
Wettläufe
- ob kurze, präparierte Strecken oder kilometerweite Staffelläufe
über den steinigen Prärieboden - waren bei den Indianern
beliebte Anlässe zum Wetten.
Während
der Flötenzeremonie beobachten Hopi - Priester hinter ihren federgeschmückten
Gebetsstöcken drei Läufer,
Dieses Spiel um das Doppelte-oder-Nichts wird fortgesetzt, bis die Einsätze sehr hoch sind, ein ansehnlicher Haufen verschiedener Gegenstände gegen ein wertvolles Gewehr beispielsweise. Wenn der Verlierer in diesem Moment des Spiels siegreich ist, bekommt er alles, was er vorher verloren hat, zurück. Wenn aber die Glückssträhne des Gewinners anhält, behält dieser allerdings nur das Gewehr. Alle anderen Dinge, die er vorher schon gewonnen hat, gibt er in einer Geste der Versöhnung zurück. Denig wies darauf hin, daß das Spiel „häufig ohne Unterbrechung - außer zum Essen - zwei bis drei Tage und Nächte fortgeführt wurde, bis schließlich eine Partei geschlagen war. Wir wissen von Indianern, die alles verloren, ihr Pferd, ihre Hunde, Kochutensilien, ihre Hütte und ihre Frau, ja sogar ihre Bekleidung. Das ging so weit, daß der Verlierer darauf angewiesen war, von irgend jemandem ein altes Fell geschenkt zu bekommen, um sich zu bedecken und bei Verwandten Unterkunft zu finden". Frauen, die von
ihren Ehemännern beim Spiel verloren wurden, durften sich dazu
nicht äußern, sondern mußten schlichtweg in das Haus
des Gewinners umziehen. Denig zufolge führte die Niederlage im
Spiel nie zum Selbstmord des Verlierers. „Vielmehr wurde versucht,
durch kriegerische Feldzüge oder auf eine andere Weise Besitz
zu erwerben, um dann wieder spielen zu können und seine Verluste
wieder gutzumachen. Es gibt einige, die immerzu verlieren und ihr
Leben lang arm sind. Nach dem Verlust seines Gewehrs kann ein Mann
ehrenvoll dem Glücksspiel abschwören. Wenn er sein Pferd
verloren hat, hat er noch einmal die Möglichkeit aufzuhören.
Wenn aber zwischen zwei Wettkämpfern ein richtiger Streit aufkommt,
endet das gewöhnlich wie oben dargestellt."
Die Gesichter der Läufer vom Navajo-Stamm sind gezeichnet von dem anstrengenden Rennen unter der sengenden Sonne des Südwestens. Angehörige setzen bei derartigen Kämpfen alles mögliche aufs Spiel - von Werkzeugen bis zu Haustieren. Die Dakota-Indianer spielten ein gespenstisches Würfelspiel mit einem Toten, bei dem der Lebende nichts, der Verstorbene aber alles verlor. Das Spiel, das mit den indianischen Beerdigungsriten zusammenhängt, fand nach dem Tod eines Indianers statt. Seine Verwandten teilten seinen Nachlaß auf und luden dann Stammesangehörige ein, mit dem Geist des Verstorbenen darum zu spielen. „Ein Indianer wird ausgewählt, um den Geist darzustellen", berichtet eine Veröffentlichung von 1881. „Er spielt gegen alle anderen, die nichts dazu beisteuern müssen, sondern nur eingeladen sind, an der Zeremonie teilzunehmen. Schauplatz dieses Ereignisses ist gewöhnlich die Hütte des Verstorbenen. Die Teilnehmer spielen der Reihe nach gegen den Vertreter des Toten. Wenn ein Gast gewonnen hat, nimmt er sich einen Teil aus dem Nachlaß und verläßt dann den Raum. Daraufhin wird der nächste zum Spiel eingeladen. Das geht so lange weiter, bis der gesamte Nachlaß verteilt ist." Im Gegensatz zu
den Würfelspielen, die reine Glücksspiele sind, ging es
in einigen indianischen Ratespielen - beispielsweise dem hand game
(Handspiel) - darum, den Spielgegner geschickt zu täuschen. In
den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts beobachtete ein Ethnologe
namens James Mooney erregte Arapaho-Indianer bei diesem Spiel.
Im Jahre
1910 bereiten sich drei Crow-Indianer auf den Start zu einem Querfeldeinrennen
vor.
Hohe
Einsätze machten auch ein anderes langwieriges, ganz ähnliches
Spiel reizvoll, das in der Nähe von Renton, Washington, gespielt
wurde. Dort nahm eine Gruppe von Black-River- und Cedar-River-Indianern
es 1894 mit einigen Puyallup auf. Das Spiel war in dieser Gegend mehr
als Die
Wetteinsätze bestanden aus 40 Pferden, schweren Wagen, Einspännern,
Sätteln, Decken, Schmuck, Gewehren, Bettdecken, Schals, Kleidung
und 150 Dollar barem Geld - praktisch das gesamte Hab und Gut dieser
verarmten Stämme. Sogar die Nahrungs- und Kleidungsvorräte
für den Winter wurden eingesetzt. Die Puyallup-Indianer hatten
immerhin noch ein Reservat, in das sie zurückkehren konnten,
falls sie die Wette verloren. Den Black-River- und den Cedar-River-Indianern
dagegen - sollten sie verlieren - drohte der Hungertod, wenn nicht
die weißen Einwohner von Renton Mitleid mit ihrer Notlage haben
und ihnen das Nötigste zum Überleben geben würden. Aus völliger Erschöpfung wurde es letztlich doch beendet und für unentschieden erklärt. Die Spieler waren mittlerweile so übermüdet, daß sie „nicht einmal von ihren Plätzen wichen, sondern eng aneinanderrückten, und schon 15 Minuten später ertönte statt der Trommeln und der Gesänge ein lautes Schnarchen". Das
Handspiel wurde in verschiedenen Versionen gespielt. Manchmal stellten
sich die Spieler in einer Reihe auf und hielten mit den Zähnen
eine Wolldecke fest, hinter der sie den Knopf von Hand zu Hand wandern
ließen. Dann wieder banden sie Fell- oder Stoffstücke um
Handgelenke und Finger und wedelten damit, um von dem Knopf abzulenken,
der währenddessen weitergegeben wurde. Von Stamm zu Stamm wurden
unterschiedliche Gegenstände als Knöpfe verwendet: Kieselsteine,
Bohnen, geschliffene Knochen, Kugeln, Stöcke oder andere kleine
Dinge. Wenn zwei Stämme um hohe Einsätze spielten, etwa
um Gewehre oder Pferde, wurden bisweilen die Medizinmänner als
Mitspieler herangeholt. Diese beherrschten eine große Anzahl
von Taschenspielertricks. Ein wichtiger Teil ihrer magischen Kunst
war ihre außerordentliche Geschicklichkeit, und sobald einer
von ihnen zur Spielerrunde gehörte, war es, als ob ein Professioneller
auf Amateure trifft.
In einem Spiel,
das ne ang-puki oder auch kill-the-hone genannt wird, versucht ein
Paiute zu erraten,
„Es begann
damit, daß viele Menschen zusammenkamen. Es wurden immer mehr,
und der Lärm schwoll an; schließlich war es eine wogende,
lärmende, dunkle Menschenmasse. Allmählich wurden Gegenstände
zu zwei großen Haufen aufgetürmt - Gefäße, silberne
Schmuckstücke, Halsketten, Stickereien, kleine Nachbildungen
von Pferden, Rindern und Schafen. Frauen sammelten sich rundherum
auf den Dächern und holten immer mehr Wettgegenstände heraus." Dies jedoch war
erst der Anfang. Gewonnen war das Spiel erst, wenn eine der Parteien
100 Punkte gesammelt hatte. „Die Tänzer wurden immer lauter",
fuhr Cushing fort, „ihre Lieder und Schimpfereien immer beleidigender
und verächtlicher, bis sie förmlich die Zähne fletschten.
Der nächste Tag begann, und der Kampf war noch immer unentschieden.
Erst als die Sonne wieder im Westen stand, verstummten die rauhen,
immer noch herausfordernden Stimmen allmählich, und die siegreiche
Partei zog mit den Bergen göttlicher Geschenke' davon." Um 1830 trafen
sich die Choctaw-Indianer im heutigen Oklahoma zu einem Spiel, das
sie einfach „Ballspiel" nannten. Dieses Spiel war eine
wildere und verworrenere Art von Lacrosse. Der berühmte Künstler
George Catlin, der sich mit Dörfern, Spielen, Zeremonien und
Gesichtern der Indianer im Westen Amerikas zwischen 1829 und 1838
befaßte, beobachtete einmal dieses Spiel. Um nichts zu versäumen,
kam er bereits am Nachmittag vor dem Spiel auf den Platz und sah zu,
wie die gegnerischen Parteien die Tore bauten. Jedes bestand aus zwei
senkrecht stehenden Pfosten von etwa 8 Metern Höhe, die etwa
2 Meter voneinander entfernt standen. Über beiden lag ein dritter
Pfosten quer. Dann zogen Stammesälteste,
die die Arbeit überwacht hatten, eine Markierungslinie. Sie hatte
dieselbe Funktion wie Wettschalter an Rennstrecken. Zu Beginn des
Spiels wurde der Ball unter den Teilnehmern, die um den Pfosten in
der Mitte des Feldes versammelt waren, hin- und hergeworfen, und das
Handgemenge begann. „Es kommt vor, daß, sobald der Ball
eingeworfen wird, die Spieler sich in einem wilden Durcheinander auf
ihn stürzen und ihre Schläger zusammenschlagen, ohne daß
einer von ihnen auch nur die Chance hat, den Ball zu treffen oder
zu sehen. Der Staub, den alle aufwirbeln, ist viel zu dicht.
Bei den Indianern
dienten manchmal sogar Menschen als Spieleinsatz. Diese Darstellung
auf einem Lederschild allerdings,
Daher war eine
ihrer Lieblingsbeschäftigungen das sogenannte Pfeilspiel. Nach
Catlins Darstellung „versammeln sich diejenigen jungen Männer,
die das Schießen am besten beherrschten, draußen in der
Prärie, etwas abseits vom Dorf. Sobald sie ihren Eintrittspreis`
- etwa einen Schild, ein Gewand, eine Pfeife oder einen anderen Gegenstand
- bezahlt haben, treten sie nacheinander vor und schießen ihre
Pfeile ab. Jeder ist bestrebt, möglichst viele Pfeile gleichzeitig
in der Luft zu haben". Bei einem Wettbewerb, den Catlin als Zuschauer
verfolgte, gewann ein junger Mann, der die bemerkenswerte Anzahl von
acht Pfeilen abschoß, noch ehe der erste wieder zu Boden fiel. Bei den Stämmen
im Westen waren Pfeilspiele jedoch nicht so weit verbreitet wie Ring
und Stock, hoop and pole. Es wurde von Stamm zu Stamm unterschiedlich
gespielt. Bei allen Varianten dieses Wettspiels ging es jedoch darum,
speerähnliche Stöcke durch einen Ring zu schleudern, der
vom Werfenden wegrollte. Häufig waren diese Ringe mit Netzen
oder Speichen durchzogen, so daß sie rollenden Zielscheiben
glichen. Die Punkte wurden danach vergeben, in welchem Bereich die
Pfeile den Ring durchdrangen. Ein Zuschauer, der im Jahre 1889 ein
hoop-and-pole-Spiel beobachtete, meinte, daß es sehr schwierig
sei und Treffer nur verhältnismäßig selten vorkämen. Die Männer,
ob Mitspieler oder Zuschauer, sollten dem Spiel unbewaffnet beiwohnen.
Der alte Apache erklärte weiter, daß die Leute bei Glücksspielen
halb außer sich geraten und leicht streitsüchtig werden.
„Hoop and pole ist das aufregendste Spiel, das wir kennen. Da
die Teilnehmer ihre gesamte Habe bei der Wette einsetzen, neigen die
Verlierer dazu, sehr wütend zu werden. Daraus sind häufig
gewalttätige Kämpfe entstanden, bei denen etliche umgekommen
sind. Um das zu verhindern, wurde vor langer Zeit beschlossen, daß
keiner der Teilnehmer Waffen bei sich haben oder in unmittelbarer
Nähe bereithalten darf." Sie
wetteten dann um Kleidungsstücke oder Gegenstände, die sie
selbst hergestellt hatten. Eine alte Frau erzählte einem Anthropologen,
wie sie einmal einen Schal und eine Kette gewonnen hatte. Daraufhin
forderte ihre Gegenspielerin, die ihre verlorenen Gegenstände
wiederzugewinnen hoffte, sie zu einem Wettlauf heraus. Das war sowohl
bei den indianischen Frauen als auch bei den Männern eine beliebte
Art, seine Kräfte zu messen. Die Weißen hatten kaum Anteil an der umfangreichen und vielfältigen Wettspieltradition der Indianer des amerikanischen Westens. Diejenigen, die darin Erfahrungen gesammelt hatten, konnten sich als besonders privilegiert betrachten. Einer von ihnen war George Belden, ein Kavalleriesoldat, der in den 60er Jahren an einem Spiel zwischen Dakota-Indianern teilnahm. In dem Spiel, shinny genannt, ging es darum, einen Ball mit einem keulenförmigen Stock um ein Feld herumzuschlagen. White Bear und Little Dog Soldier, die Häuptlinge der Dakota, organisierten den Wettbewerb. Nachdem sich jeder von ihnen einige Dutzend Kämpfer für seine Mannschaft ausgewählt hatte, wurden die Wetten abgeschlossen. Beldens Bericht zufolge konnten die Spieler entweder direkt miteinander wetten oder aber ihre Einsätze auf einen Haufen werfen, der dann der ganzen Mannschaft gehörte. „Sofort wurde von den Schiedsrichtern dafür gesorgt, daß auf den Haufen der gegnerischen Partei ein Gegenstand mit entsprechendem Wert geworfen wurde. Ich riskierte ein Jagdmesser, ein halbes Pfund Schießpulver, ein Paar Mokassins und einen kleinen Handspiegel. Die Gegenseite bot entsprechend gleichwertige Gegenstände." An
beiden Enden eines holprigen Feldes wurden nun Torpfosten aufgestellt.
Die Spieler mußten versuchen, einen Ball - ein kugelförmiges
Lumpenbündel, das mit Wildleder bezogen war und etwa die Größe
einer Apfelsine hatte - mit ihren Stöcken in das Tor zu zielen.
Nach einem langen blutigen Handgemenge, bei dem der Ball häufig
zwischen Grasbüscheln verschwand, bemerkte Beiden plötzlich,
daß „Ich
wurde zum Sieger erklärt", erzählt Beiden, „und
Little Dog Soldier gratulierte mir zu meinem Erfolg. Danach rauchten
wir zusammen und gingen dann zu den Gewinnen hinüber, um sie
zu verteilen. Als Sieger stand mir der größte Teil zu.
Aber ich lehnte zugunsten des jungen Indianers ab, der mir geholfen
hatte, den Ball ins Tor zu zielen. Da er den Ball zuletzt geschlagen
und somit zwischen die Torpfosten plaziert hatte, kam meiner Meinung
nach ihm und nicht mir das eigentliche Verdienst zu. „Dieses
Argument erhielt viel Beifall von den alten Männern; und den
jungen Kämpfer, der mir eine Zeitlang nicht besonders wohlgesinnt
war, rührte meine Großzügigkeit so, daß er zu
mir kam, mir dankte und freimütig sagte: ,Nicht ich, du hast
das Spiel gewonnen.' Ich drängte ihn aber, den größten
Teil des Gewinns zu nehmen - einen Sattel, ein halbes Pfund Schießpulver,
eine etwa fünfeinhalb Meter lange Kette aus Muschelgeld und eine
wunderschön verzierte Messerscheide." Obwohl es insgesamt
nur wenige Weiße gab, die es mit Indianern in deren Wettspielen
aufnehmen konnten, lieferten sie sich in Spielen, die in beiden Kulturen
beliebt waren, heftige Wettkämpfe mit den Eingeborenen. Ein Beispiel
dafür ist die Begeisterung fürs Schießen und für
Feuerwaffen, die im Winter 1861 zu einem Wettkampf zwischen einem
Weißen und einem Indianer führte. Dieses Photo
zeigt Shoshoni-Frauen beim Kartenspiel. „Er hat
ein Stück Eisen von einem alten Reif genommen und daraus ein
behelfsmäßiges Visier hergestellt, indem er das Ende leicht
gebogen und dann eine Kerbe hineingefeilt hat", schrieb einer
der anwesenden weißen Männer. „Diese primitive Vorrichtung
wurde am Gewehrlauf mit Wildlederriemen befestigt, und mit Hilfe eines
kleinen hölzernen Keils konnte das Visier ganz nach Belieben
höher oder tiefer gestellt werden." Am Tage des Wettkampfes
erschien die gesamte weiße Bevölkerung von American Fork
beim Schießplatz. Sie brachten Perlen, Gewänder, Decken,
Schlachtmesser, Pferde und Geld mit, um alles auf Stuart zu setzen.
Gleichzeitig tauchte eine Horde Indianer auf, die Pushigan favorisierte.
An einer Wagentür wurde eine Zielscheibe aus Papier angebracht
und in etwa 100 Meter Entfernung eine Markierung für die Schützen.
Den vorher abgemachten Spielregeln zufolge sollte die Zielscheibe
nach jeder Runde 100 Meter weiter gestellt werden, bis der Abstand
zwischen Schütze und Ziel einen Kilometer betrug. In der ersten Runde trat Pushigan an die Schußlinie, erhob seinen riesigen, alten Vorderlader und traf mitten ins Ziel. Stuart schoß als nächster; er verfehlte aber nicht nur die Zielscheibe, sondern traf nicht einmal die Tür. Einer seiner Anhänger bemerkte ruhig, wenn auch mit ironischem Unterton, daß „in Anbetracht der geringen Entfernung vom Ziel das Ergebnis nicht gerade ermutigend" sei.
Das Spiel ging
weiter. Auch als der Abstand zwischen Scharfschützen und Ziel
größer wurde, durchlöcherten Pushigans Schüsse
fortwährend die Scheibe, wohingegen Stuart sie jedesmal verfehlte.
Aber dann, als die Entfernung 600 Meter betrug, traf Stuart. Ein Berichterstatter
schrieb: „Bis jetzt hatten wir alle sehr wenig gesetzt, aber
urplötzlich hatten wir unser Vertrauen wiedergefunden und wetteten
nun hoch." Aber
bei 700 Metern Entfernung schoß Stuart wieder daneben, auch
bei 800 und 900, während Pushigan unverdrossen ruhig und sicher
traf. Die Zielscheibe wurde in diesem Spiel gar nicht erst bis zu
den vorgesehenen 1000 Metern entfernt, weil bis dahin „alle
unsere Leute total ,blank` waren, wir besaßen weder ein Pony
noch eine Decke und auch kein Messer mehr. Wir mußten zu Fuß
ins Camp zurückgehen; spätabends kamen wir müde und
hungrig dort an; wir waren einerseits trauriger, andererseits aber
auch klüger geworden, seit wir morgens gutgelaunt aufgebrochen
waren". Entgegen den gängigen Vorstellungen waren es diesmal
die Indianer, die fröhlich heimzogen, wenn nicht klüger,
so doch auf jeden Fall reicher. Die
Indianer waren nicht nur ausgesprochene Meisterschützen, sie
hatten auch sehr viel für schnelle Pferde übrig. Den Indianern
der Plains war ein einziges Rennpferd ebensoviel wert wie mehrere
normale Pferde. Der Künstler George Catlin schrieb, daß
Pferderennen „zu den spannendsten Vergnügungen und den
ausgefallendsten Glücksspielen der Indianer" gehörten.
Catlin erfuhr am eigenen Leib, daß ein indianisches Pferderennen
außergewöhnliche Anforderungen an einen Neuling aus Pennsylvanien
stellte. Es
gab bei den Indianern noch andere Pferderennen, an denen ein Weißer
sich beteiligen konnte, ohne sein Leben oder seine Knochen zu riskieren.
Er nahm jedoch eine erhebliche Verletzung seiner Selbstachtung in
Kauf, da diese Pferderennen ein beträchtliches Reitvermögen
und oft genug auch speziell ausgebildete Ponys voraussetzten. Bei
einem dieser Rennen wurden zwei Streifen Büffelleder auf dem
Boden ausgebreitet, der Zwischenraum betrug zwei bis drei Meter, die
Entfernung vom Start etwa 200 Meter. „Das Spiel", beschrieb
Colonel Dodge weiter, „besteht darin, so schnell wie möglich
zu galoppieren, zwischen die Hautstücke zu springen, das Pferd
herumzureißen und zum Start zurückzukehren. Das Pferd,
dem es nicht gelingt, mit allen vier Beinen hinter dem ersten Stück
Haut zu landen, oder das auch nur mit einem Bein über das zweite
hinaus gerät, hat verloren, auch wenn es die beste Zeit erreicht." Pferde
wie auch Spielkarten lernten die Indianer des Westens von den spanischen
Eroberern kennen. 1795 schon beklagte sich ein spanischer Missionar
bei seinem Vorgesetzten, der bei friedfertigen Apache im heutigen
Arizona lebte, daß die Spanier mit ihren Kartenspielen die Eingeborenen
gründlich verdorben hätten. „Ich hatte mit ihnen für
den Nachmittag ein Treffen vereinbart, als ich dort zu Besuch war",
berichtete Bruder Pedro de Arriquibar. „Als ich dann mit ihnen
ein Glücksspiel spielte (von denen vor allem die Knaben, aber
auch die Frauen geradezu abhängig sind), erzählten sie,
daß dieses ebenso wie andere Kartenspiele das erste gewesen
sei, was sie von den Christen gelernt hätten, und daß es
bei ihnen auch vorher so etwas nicht gegeben hätte."
Schon bald lernten
die Indianer, ihre eigenen Spielkarten aus Baumrinde herzustellen
und auszumalen, so daß sie mehr oder weniger so aussahen wie
die Karten der Weißen. Von mindestens einem Kartenblatt ist
bekannt, daß es aus weit exotischerem Material war als Baumrinde.
Es war Captain E. M. Kingsbury in die Hände gefallen, der als
Händler in der Indianer-Reservation San Carlos in Arizona arbeitete.
Jede Karte hatte auf der hellen Vorderseite kleine Punkte. Wären
die Karten nicht so dünn gewesen, hätte man das Material
auf den ersten Blick für Kuh- oder Pferdehaut halten können.
Dieses Rätsel wurde schließlich erst gelöst, als der
Captain im Reservat erfuhr, daß die Karten - und das stimmte
wohl - aus gegerbter Menschenhaut, die von Weißen stammte, gefertigt
worden waren.
Etwa 30 Jahre später berichtete George Catlin, daß die Indianer Spaß daran hätten, ihre Karten aus Baumrinde wie die weißen Pokerspieler auszuspielen, obwohl sie keine klaren Vorstellungen von den Spielregeln hatten. Aber auch diese erlernten sie allmählich. Reisende, die in den siebziger Jahren bei irgendeiner Haltestelle der gerade fertiggestellten transkontinentalen Eisenbahn in Nevada ausstiegen, wurden gewöhnlich von dem Anblick einer Gruppe heruntergekommener, ehemaliger Krieger begrüßt, die mit ihren schmierigen Karten so aufmerksam Poker oder pedro spielten, daß sie um sich herum alles vergaßen. Zu dieser Zeit pokerten die Indianer ständig. Einige beherrschten das Spiel vortrefflich. Einer der besten war ein Eingeborener aus dem pazifische.. Nordwesten, dessen indianischer Name soviel bedeutete wie Weiße-Gänseschnattern-auf-dem-Wasser. Die Weißen tauften ihn Poker-Jim. Als lernbegieriger und bedächtiger Philosoph des Spiels formulierte Poker-Jim einmal einen Grundsatz, wonach Pokerspieler überall auf der Welt, die versucht sind, eine große Summe Geld auf ein unbedeutendes Blatt zu setzen, dies nur zu ihrem eigenen Schaden täten. Poker-Jims schlichte Feststellung lautete: „Zwei Paar nicht sehr gut." Über das
weitere Schicksal Poker-Jims ist wenig bekannt; es gab aber noch einen
anderen eingefleischten indianischen Spieler, dessen Name dagegen
überall genannt wurde. Während seiner mehrjährigen
Gefangenschaft in Fort Sill in Oklahoma verbrachte der große
Kriegshäuptling der Apache, Geronimo, sehr viel Zeit mit Karten-
und anderen Glücksspielen. Dabei ging es oftmals so hitzig zu
wie bei kriegerischen Auseinandersetzungen. „Warum?"
fragte der Herausgeber der Reveille, und der Shoshoni antwortete:
„Meine Leute schlagen die PaiuteTeufelsbrut in Austin!"
|