Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Paul Clancy, Susan Feller, Mark M. Steele, Lydia Preston, - 1978 - " Die Glücksspieler"
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA (LOC) und des US Nationalarchiv (NARA)

 

Saloon im Südwesten um 1886

 

 

Die Glücksspieler


Seite - 7 -

 

 

 

 

Donnernde Hufe und hämmernde Fäuste (2)



Harte Boxer und hohe Wetten

 

Neben dem Pferderennen begeisterte den Mann im Westen kein Sportereignis so, und nichts verlockte ihn mehr, seinen letzten Dollar zu verwetten, als ein Kampf um alles oder nichts zwischen zwei kraftstrotzenden Boxern, seien es Profis oder Amateure. Das Boxen im Westen hatte eine lange und lebhafte Geschichte. Der Sport fand besonderen Anklang in den Minenstädten, deren Bürger - vielleicht wegen der unsicheren und manchmal gefährlichen Berufe, die sie ausübten - von dem Reiz eines Kampfes Mann gegen Mann gefesselt waren.
Den Baukolonnen der Eisenbahn gefiel der blutige Sport mit den bloßen Fäusten ebensogut wie den Schürfern. Häufig fanden die hitzig geführten Kämpfe am Sonntagmorgen statt. Rivalisierende Lager wählten ihre Champions, setzten einen Preis von vielleicht fünfzig Dollar aus und versammelten sich dann vor einem Saloon, um die Entscheidung zwischen ihren Kämpfern mitzuerleben. Sie boxten nach den Londoner Preiskampfregeln: eine Runde endete nur, wenn einer der Kontrahenten zu Boden ging; es gab keine Begrenzung der Rundenzahl, und ein Kampf dauerte so lange, wie beide Teilnehmer noch die Kraft für einen Hieb besagen.
Bei diesen Gelegenheiten wurde lebhaft gewettet, und der Streit blieb nicht immer auf den Boxring beschränkt. Im Jahre 1863 entschied ein Ringrichter in Virginia City nach der 14. Runde, daß einer der Boxer wegen eines Tiefschlages den Kampf verloren hätte; daraufhin brachen vor dem Ring Prügeleien und Schießereien aus, weil aufgebrachte Wetter sich weigerten, ihre Schulden zu bezahlen.

Spieler in einem Wettbüro


Um keine Minute von den Ereignissen des folgenden Tages zuversäumen, schlafen die Spieler in einem Wettbüro in Goldfield, Nevada.
Diese Einrichtungen waren in den Boomtowns durchTelegraphen
mit den wichtigsten Rennbahnen verbunden.

Zu den bekanntesten Boxern in den frühen Jahren des Westens zählte John C. „Con" Orem, ein Grobschmied aus Denver, der im Jahre 1861 den Briten Enoch Davies nach einem Kampf über 102 Runden besiegte, wodurch er zu beträchtlichem Ruhm gelangte und seinem Anhang zu ansehnlichen Goldbeträgen verhalf. Am Stadtrand von Denver versammelten sich 2´000 Zuschauer, um diesen Kampf zu verfolgen. Die Sitzbänke brachen unter dem Gewicht der Menge zusammen - vielleicht auch unter dem des Goldstaubs, den eifrige Wetter bei sich trugen. Doch an diesem Tag wurde außerhalb des Ringes niemand verletzt, innerhalb des Seilgevierts jedoch drosch Con Orem so kräftig auf seinen bedauernswerten Gegner ein, daß dieser zwei Wochen brauchte, um sich wieder zu erholen.

Nicht lange nach dem Kampf gegen Davies zog sich Orem aus dem Ring zurück und eröffnete wieder seine Schmiede in Denver. Dort mußte er erfahren, daß ein gefeierter Boxer im Westen, wie ein berühmter Revolverheld, manchmal von seiner Vergangenheit in die Arena zurückgetrieben wurde. Von einem gewissen Hugh O'Neil unflätig herausgefordert, um eine Börse von 5´000 Dollar zu kämpfen, sah Orem sich genötigt, wieder in den Ring zu steigen. Dort kämpfte er 185 Runden lang mit seinem Gegner; der Schiedsrichter erklärte den Kampf schließlich für unentschieden, und alle Wetten wurden annulliert. Aber Orem versöhnte seine Fans, als er O'Neil in einem Wiederholungskampf, der einige Monate später stattfand, durch ein Foul besiegte.

Im Jahre 1895 hatte Dan A. Stuart, ein Saloonbesitzer und Sportfreund aus Texas, beschlossen, den Boxfans ein bedeutend erbaulicheres Schauspiel zu bieten. Er beabsichtigte, einen Preiskampf zwischen James J. „Gentleman Jim" Corbett, dem Weltmeister im Schwergewicht, und Robert Fitzsimmons, Inhaber des Weltmeistertitels im Mittelgewicht, durchzuführen.
Seit den Tagen der zügellosen Schlägereien zwischen den O'Neils und Orems hatten sich Form und Ruf des Boxsports wesentlich gewandelt. Die brutalen Londoner Preiskampfregeln waren fast überall von den etwas humaneren Bestimmungen des Marquis von Queensberry abgelöst worden. Die Boxer mußten gepolsterte Handschuhe tragen. Wenngleich die Kämpfe noch über eine beliebige Anzahl von Runden ausgetragen werden konnten, wurde doch jede Runde auf drei Minuten begrenzt, und der Kampf war beendet, wenn ein Boxer, nachdem bis zehn gezählt worden war, sich noch nicht wieder erheben konnte.
Zu dieser Zeit war kaum ein Staat der USA bereit, innerhalb seiner Grenzen öffentliche Preiskämpfe zu gestatten, sei es wegen der schweren Verletzungen, die sich im Boxring ereigneten, sei es wegen der Cliquen von verkommenen Spielern, Buchmachern und Betrügern jeder Gattung, die sich vor dem Ring stets ein Stelldichein zu geben schienen. Trotzdem drängte der ehrgeizige Stuart energisch auf die Verwirklichung des Kampfes zwischen Corbett und Fitzsimmons, eine einzigartige Gelegenheit für das Wettpublikum, einen Einsatz zu wagen. Allerdings sollten noch fast zwei Jahre vergehen, ehe die Fans ihr Geld riskieren konnten.

In Texas gab es kein Gesetz gegen den Boxsport, darum wählte Stuart Dallas als Austragungsort des Kampfes. Stuart hatte einen Preis von 15´000 Dollar ausgesetzt. Um den Trubel noch zu steigern, wetteten Corbett und Fitzsimmons zusätzlich um 10´000 Dollar. Zuversichtlich begann Dan Stuart, eine Boxarena herzurichten, und scheute dabei weder Mühe noch Kosten. Die Ausführung war im vollen Gange, als der Veranstalter und die ungeduldigen Wetter ihren ersten Schlag einstecken mußten. Charles Culberson, der Gouverneur von Texas, weigerte sich, die Erlaubnis für den Kampf zu erteilen. In seinem Staat würde es kein Preisboxen geben, erklärte er; mit ihm kämen zuviel unerwünschte Elemente in das Land. Er konnte sich zwar auf kein Gesetz berufen, aber darin sah Culberson kein Hindernis: Er berief eine außerordentliche Parlamentssitzung ein und drückte ein Gesetz durch, das Boxkämpfe in Texas untersagte.
Ende der ersten Runde.
Stuart war angeschlagen, aber nicht besiegt. Seine Aufmerksamkeit richtete sich nunmehr auf Hot Springs in Arkansas; die Bürger dort ließen sich ohne weiteres davon überzeugen, daß ihrer Stadt durch einen Preiskampf bedeutende Verdienstmöglichkeiten erwuchsen. Dann wurde Dan Stuart ein zweites Mal zu Boden geschickt: Aus Little Rock kam von Gouverneur James P. Clarke die Anordnung, daß kein Kampf stattfinden dürfe.
Was nun folgte, ist nicht vollkommen klar überliefert. William A. Brady, Corbetts Manager, behauptete viele Jahre später, daß er und Stuart zusammen mit Corbett und Fitzsimmons in die Hauptstadt des Staates zitiert wurden. Dort, so sagte er, wurden die Boxer von zwei grimmig blickenden Sheriffs in Gewahrsam genommen, die es beide zu gelüsten schien, ihren Revolvern eine weitere Kerbe einzuritzen. Dann verkündete Gouverneur Clarke, er beabsichtige nicht, das Parlament einzuberufen, um ein Gesetz zu verabschieden, welches den angekündigten Kampf verbiete. „Ich kenne einen einfacheren Weg", sagte er. Wenn Corbett und Fitzsimmons sich auch nur scheel anblickten, solange sie sich in seinem Staate aufhielten, würde er seinen Gesetzeshütern die Erlaubnis geben, ihre Kerben zu ritzen, und die Kämpfer würden in Särgen die Heimreise antreten.

 

Bohrwettbewerb


Ein Bergarbeiter schlägt 1904 bei einem Bohrwettbewerb inTonopah, Nevada, einen Stahlbohrer in einen Granitblock. Die Zuschauer wetteten bei diesen Wettbewerben in Minenstädten darauf, wer in 15 Minuten das tiefste Loch bohren konnte.

Dan Stuart mußte sich ins Unvermeidliche schicken und suchte weiter nach einem Austragungsort für seinen Preiskampf. Es gelang ihm schließlich, ihn in Carson City, Nevada, stattfinden zu lassen.
Seit mehreren Jahren hatte sich die wirtschaftliche Situation in Nevada verschlechtert, und man wünschte sich dort eine aufsehenerregende Attraktion, die etwas Geld hereinbringen und Reklame für den Staat machen würde.
Der Corbett-Fitzsimmons-Kampf kam wie gerufen, und am 29. Januar 1897 unterzeichnete Gouverneur Reinhold Sadler ein vom Parlament beschlossenes Gesetz, das Nevada zum einzigen Staat im Westen machte, der öffentliche Preiskämpfe ausdrücklich erlaubte.
Fitzsimmons war derweil nicht untätig geblieben.

In San Francisco hatte er gerade einige Monate vorher an einem Kampf teilgenommen, der klar werden ließ, warum das Boxen in solchen Verruf geraten war. Fitzsimmons war in den Wochen, die dem Kampf vorausgingen, der erklärte Favorit gewesen, doch am Tag des Ereignisses verlagerten sich die Wetten zugunsten seines Gegners, Tom Sharkey; das Gerücht machte die Runde, der Schiedsrichter wolle Sharkey den Kampf gewinnen lassen. Das Gerede erhielt seine pikante Note durch den Namen des Unparteiischen: Es war Wyatt Earp, Glücksspieler und wohl bekanntester Marshal der Frontier. Als Earp den Ring betrat und seinen Gehrock ablegte, wurde offenbar, daß nicht nur die Boxer für den Kampf gerüstet waren. Der Marshal hatte einen großen Revolver umgeschnallt, der ihm jedoch sofort von einem Captain der Polizei abgenommen wurde. Später sagte Earp zu seiner Frau, er habe so lange eine Waffe getragen, daß „ich gar nicht auf das verdammte Ding geachtet habe". Trotzdem wurde er wegen unerlaubten Tragens einer verborgenen Schußwaffe mit einer Geldbuße von 50 Dollar belegt.

Was die Anhänger Fitzsimmons anging, so war die versteckte Waffe Earps geringstes Vergehen in dieser Nacht. Sie behaupteten, daß der sonst so scharfäugige Earp Runde für Runde blind gegenüber offensichtlichen Fouls war, die Sharkey an Fitzsimmons beging. Aber in der achten Runde schien Fitzsimmons die Angelegenheit erledigt zu haben, als er Sharkey mit einem harten Körperhaken, gefolgt von einem gefährlichen Schlag gegen den Kopf, auf die Bretter schickte. Als Sharkey am Boden liegen blieb, stellte sich Earp über ihn und zählte bis zehn. Dann langte der Ringrichter nach unten und schwenkte den Arm des k.o. geschlagenen Sharkey. Fitzsimmons, entschied er, habe regelwidrig zugeschlagen, und Sharkey sei der Sieger.
Wetter, die durch Fitzsimmons Niederlage ihr Geld eingebüßt hatten, behaupteten, Earp sei in eine Manipulation verwickelt, und nannten seine Entscheidung den „größten Skandal in der modernen Boxringgeschichte". Earp, hieß es,
wies diese Beschuldigungen als „Blödsinn" zurück, und seine Frau versicherte später, daß er, wie sein Freund Bat Masterson, auf Fitzsimmons gewettet und bei Sharkeys Sieg beträchtlich verloren habe. Was auch immer die Wahrheit gewesen sein mag - und Boxmanipulationen sind schwer nachzuweisen -, die erregte Auseinandersetzung um die umstrittene Entscheidung brachte das Boxen in Kalifornien für Jahre in Verruf.

Die Abneigung gegenüber dem Boxsport endete jedoch an der Grenze Nevadas; in Carson City gedieeen die Vorbereitungen für den Kampf zwischen Fitzsimmons und Corbett am Sankt Patricks Tag. Stuart beaufsichtigte den Bau einer Arena am Rand der Stadt. Der Verkauf von Karten zu Preisen von fünf bis vierzig Dollar lief lebhaft an, und Reporter eilten nach Carson City, um über das als „Kampf des Jahrhunderts" bezeichnete Ereignis zu berichten.
Die hoffnungsvollen Bürger Carson Citys prophezeiten, daß 30´000 freigebige und wettfreudige Zuschauer zum Kampf in die Stadt strömen würden, und erwarteten, daß der Schlagabtausch sportbegeisterte Geldleute aus ersten Kreisen und selbst einige gesittete Damen anlocken werde.
Alle diese rosigen Vorhersagen erwiesen sich als betrüblich unzutreffend. Nach dem anfänglichen Ansturm auf die Karten durch die Einheimischen sanken die Verkaufszahlen jäh, denn die auswärtigen Fans waren verständlicherweise unsicher, ob der zweimal verschobene Kampf jemals stattfinden würde. Nur sechs- oder siebentausend Zuschauer erschienen zum Ereignis - und darunter befanden sich, wie der Journalist Alf Doten aus Nevada am 15. März in seinem Tagebuch notierte, Mengen von „Boxern, Spielern, Zeitungsreportern, Krüppeln, Huren und Hurensöhnen".
Zweifel, die Fans vom Kamfpf selbst fernhielten, hatten wenig Einfluß auf ihre Wetten; das Geschäft florierte, als der 17. März anbrach und die Boxer gewogen wurden; Fitzsimmons brachte 76 Kilogramm auf die Waage und Corbett 83.
Die Leute aus Nevada favorisierten in der Mehrzahl den schwerfälligen, aber hart schlagenden Fitzsimmons, obwohl er durch sein geringeres Gewicht benachteiligt war. Auch die Schürfer aus Cornwall setzten auf ihren Landsmann Fitzsimmons, und der treue chinesische Koch des Boxers drängte seine Landsleute aus San Francisco, auf seinen Boss zu wetten. Schürfer irischer Herkunft sprachen sich für den Irisch-Amerikaner Corbett aus, wie auch die Kenner aus dem Osten, die ihn für einen technisch besseren Boxer als Fitzsimmons hielten. Als der Kampf begann, lag Corbett bei den Wettern mit 5 zu 3 vorn.

Der erprobte Ringrichter George Siler war Leiter des Kampfes, zu dem die Boxer kurz nach Mittag aus ihren Ecken hervorstürmten. Die ersten fünf Runden waren mehr oder weniger ausgeglichen, in der sechsten Runde steigerte sich Corbett und deckte Bob Fitzsimmons mit einem Hagel gut gezielter linker Geraden ein. Nach Darstellung eines Berichts flog das Blut „reichlich aus Bobs Mund und Nase" und tropfte fast bis auf seine weichen Lederschuhe.
Bei den tobenden Wettern am Boxring, deren Quoten von Runde zu Runde schwankten, lag Corbett mit 5 zu eins vorn.
Dann zwang Corbett Fitzsimmons in die Knie. Siler begann zu zählen. Mrs. Rose Fitzsimmons beugte sich über die Seile und schrie ihrem Mann zu, er solle aufstehen. Fitz blieb bis neun unten und kam dann hoch.
Vor dem Ring wurde gewettet, daß er keine zehn Runden überstehen würde. In der siebten Runde zeigte er sich erstaunlich gut erholt, während Corbett wild drauflos stürmte und seine Schläge häufig ihr Ziel verfehlten. Fitzsimmons, dessen Frau ihm durch die Seile aufmunternde Ratschläge zuschrie, bekam Aufwind und drosch auf den ermüdeten Corbett ein. In der 14. Runde täuschte Fitzsimmons einen Hieb mit der Rechten zum Kinn seines Gegners vor, dann landete seine Linke wie eine Dampframme in Corbetts Magengrube, an einer Stelle direkt unter dem Herzen - ein Schlag, der als „Solar-Plexus-Hieb" berühmt werden sollte. Corbett fiel auf die Matte, griff kraftlos nach den Seilen und hörte wie aus weiter Ferne, daß Ringrichter Siler ihn auszählte.

 

WETTPLAKAT


Die Wetter - darunter die Fans, die von dem Plakat auf der gegenüberliegenden Seite ins Las Vegas Hotel gelockt worden waren - erhielten Runde für Runde einen telegraphischen Bericht von Jeffries' Niederlage.

 

Für die glücklichen Wetter, die trotz der anfangs schlechten Aussichten auf den wackeren Fitzsimmons gesetzt hatten, war der Kampf ein blendendes Geschäft. Aber keineswegs für Stuart und Nevada. Zuerst schien es, als hätte Stuart wegen der Fehlversuche in Texas und Arkansas und der geringen Zuschauerzahl in Nevada sein letztes Hemd verloren. Aber als ein über den Kampf gedrehter Film vertrieben wurde, spielte er insgesamt eine dreiviertel Million Dollar ein und bewahrte Stuart vor dem Ruin. Der Boxkampf hatte wenig Geld nach Nevada gebracht, aber das enorme öffentliche Interesse,
das er erregte, ließ die Förderer und Geschäftsleute des Staates nicht ruhen; sie meinten, es müsse doch einen Weg geben, aus dieser erhöhten Aufmerksamkeit Kapital zu schlagen. Die Bürger Goldfields sollten ihn zuerst entdecken.

Goldfield, 1902 nach einem reichhaltigen Goldfund gegründet, entwickelte sich zu einer üppig wuchernden Boomtown. Im Jahre 1906, als die Stadt schon eine eigene Börse, zahlreiche florierende Banken und Spielhallen und Saloons im Uberfluß aufwies, gab es lebhafte Bestrebungen, mit den Attraktionen Goldfields zu werben, um Anteile der Minen zu verkaufen. Im Juli trafen sich die führenden Persönlichkeiten der Stadt, um eine Anzahl von Vorschlägen zu diskutieren - darunter die Empfehlung, in der Main Street einen Teich zu graben, der zweimal am Tag mit Bier gefüllt werden sollte. Tex Rickard, ein Saloonbesitzer aus Goldfield, schlug eine zweckmäßigere Werbemaßnahme vor:
Goldfield solle sich die Rechte an- dem Titelkampf zwischen Battling Nelson und Joe Gans, zwei wohlbekannten Leichtgewichtlern, sichern.

George Lewis Rickard war während seiner abenteuerlichen Laufbahn Cowboy, Rancher und Town Marshal in Texas, erfolgreicher Mitgiftjäger im Klondike-Gebiet und sein Leben lang ein Spieler gewesen. Zu der Zeit, als er sich mit seinen mannigfaltigen "Talenten der Organisation des Boxkampfes widmete, besaß er eine Mehrheitsbeteiligung an The Northern, einer Spielhalle und Bar in Goldfield, die von seinem Konkurrenten Douglas Gillespie, dem Besitzer des Saloons The Owl, großzügig als „das großartigste Spielkasino Amerikas" bezeichnet wurde.

 

Rickard wußte, wie man einen Boxkampf in Szene setzt. Er und andere Bürger Goldfields griffen in ihre prallen Brieftaschen und setzten einen Preis von 30´000 Dollar für das Ereignis aus. Diese Summe versetzte die Fachwelt in Erstaunen und machte Schlagzeilen in den Zeitungen, denn es war die höchste bis dahin gezahlte Börse für einen Boxkampf. Als die Kämpfer das Angebot annahmen, stellte Rickard die 30´000 Dollar, säuberlich zu Säulen aus frisch geprägten 20-Dollar-Goldmünzen gestapelt, im Fenster einer Bank zur Schau.
Dieser Werbegag rief wieder eine Sensation hervor und gab Anlag zu noch mehr Artikeln auf den Titelseiten der Zeitungen. Minenmanager, Börsenhändler, Glücksspieler und andere verdienstvolle Goldfielder Bürger halfen begeistert mit, den Kampf durch die Finanzierung von 37´000 Werbepostkarten und 30´000 Werbebriefen weiterhin in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Nach dieser Werbekampagne fiel ein Schwarm von Zeitungsreportern in Goldfield ein, um von den Vorbereitungen des Ereignisses und vom Kampf selbst zu berichten, der für den Labor Day, den 1. Montag im September, geplant war.

Die grundverschiedenen Techniken und der Ruf der Boxer verliehen dem bevorstehenden Kampf einen zusätzlichen Reiz - und weckten bei den Wettern ein beträchtliches Interesse. Oscar Matthew Battling Nelson stand in dem Ruf, ein Kinn aus Granit und den massivsten Schädel seit der Zeit der Neandertaler zu besitzen. Seine Strategie im Ring bestand darin, seine Gegner zu ermüden, indem er sie auf seinen unverwundbaren Quadratschädel einschlagen ließ, während er sie mit Tiefschlägen und anderen unfairen Mitteln bearbeitete. Von einem Sportjournalisten befragt, warum er bei einem Schaukampf einen ermatteten Gegner mehrmals tückisch mit dem Kopf gestoßen habe, hatte Nelson geantwortet:
„Ich hab' ihn nicht gestoßen. Ich hab' ihm nur meine Haare in die Augen gerieben."
Als Nelson nach Goldfield kam, begleitete ihn Billy Nolan, sein starrsinniger und zynischer Manager. Nolan hatte darauf bestanden, daß sein Schützling von der Kampfbörse - die inzwischen um weitere 3´500 Dollar angewachsen war - auf jeden Fall stolze 22´500 Dollar bekommen sollte - ob er nun siegte oder verlor. Nelsons Gegner, Joe Gans aus Baltimore, war fast dreißig Jahre alt, ein technisch gewandter schwarzer Boxer. Er war in Verruf gekommen, als er auf Geheiß seines ehemaligen Managers mehrere Kämpfe absichtlich verloren hatte. Dieser Erzgauner hatte mit Wetten auf die Gegner seines Schützlings reiche Beute gemacht und ihn dann fallenlassen, weil, so seine Begründung, er nicht mit einem unehrlichen Boxer zusammenarbeiten wollte. Infolgedessen hatte Gans, als er nach Goldfield kam, weder einen Manager, noch besaß er die Mittel, 5´000 Dollar aufzubringen, die von Billy Nolan als Pfand für die Teilnahme und das richtige Kampfgewicht gefordert wurden.
Da betrat L. M. „Shanghai Larry" Sullivan, ein rücksichtsloser Börsenschieber, die Bühne.

Zu seinem Spitznamen war Sullivan in Seattle gekommen, wo er vor Jahren ein Seemannsheim betrieben und als Nebenbeschäftigung unwillige Matrosen für den Dienst an Bord „schanghait" hatte. Nun ging er daran, Gans in die Mangel zu nehmen, übernahm seine geschäftlichen Angelegenheiten und brachte sowohl Geld für die Kaution als auch für die Trainingskosten des Boxers auf. Gans' Anteil an dem Handel war einfach: Er mußte Nelson besiegen - und wehe, wenn ihm das nicht gelang!
George Rice, Sullivans Geschäftspartner, erinnerte sich später der Warnung des Managers an den Boxer: „Gans, wenn du diesen Kampf verlierst, werden sie dich hier in Goldfield umbringen; die Leute werden einen Haufen Geld auf dich wetten, und du wirst gewinnen."
Gans versprach, sein Bestes zu geben, und als Beweis seiner guten Absichten wettete er seinen Anteil der Börse auf den eigenen Sieg.
Tex Rickard - er wettete auf Nelson - hatte George Siler, der auch den Kampf zwischen Corbett und Fitzsimmons geleitet hatte, zum Ringrichter des Schlagabtausches erkoren. Siler war als ehrlicher Unparteiischer bekannt, aber Sullivan wollte kein Risiko eingehen. Als der Schiedsrichter in Goldfield ankam, nahm ihn Shanghai Larry zur Seite, beschuldigte ihn, gegen Schwarze voreingenommen zu sein, und erinnerte ihn daran, daß Nelson ein bekanntermaßen unfairer Boxer sei. Siler versprach seine Vorurteilslosigkeit gegenüber Gans dadurch zu zeigen, daß er im Zweifelsfalle für ihn entscheiden werde. Die Unterhaltung endete, laut Rice, mit einer Warnung von Sullivan: „Denken Sie daran, wenn Sie nicht Wort halten, haben Sie die gleiche Chance, lebend die Stadt zu verlassen, wie Gans sie hat, wenn er aufgibt! Verstanden?" Der Ringrichter verstand.

Als der Tag näher rückte, war Gans, trotz seines Rufes, manchmal absichtlich zu Boden zu gehen, der Favorit mit 5 zu 3. Die Einsätze gingen kräftig in die Höhe. „Es sah aus wie 1849 in Kalifornien", schrieb ein Reporter der Evening World aus New York. „Schürfer kamen mit Wildlederbeuteln voll Goldstaub und -klumpen. Hier und da wettete ein Goldgräber seinen Claim gegen einen anderen." Nachdem die lokale Bergarbeitergewerkschaft darauf bestanden hatte, daß Gans seine Gesundheit in einer gründlichen Untersuchung durch den Gewerkschaftsarzt unter Beweis stellen sollte - Gans bestand mit Glanz und Gloria -, wettete sie ihren gesamten Überschußfonds auf den schwarzen Boxer. In den ersten zehn Runden des Kampfes schienen diese Hoffnungen wohlbegründet. Der behende Gans widmete sich fest entschlossen seiner Aufgabe; er war seinem grobschlächtigen Gegner boxerisch und kämpferisch weit überlegen. In der elften Runde wurde dann Nelsons Manager, Billy Nolan, ungeduldig und wies seinen Schützling an, eine rauhere Gangart anzuschlagen. Nelson gehorchte, umklammerte seinen Gegner, stieß mit dem Kopf und brachte Tiefschläge an - nach den Queensberry-Regeln war dies alles nicht erlaubt. In der fünfzehnten Runde stolperte er und fiel. Gans reichte ihm helfend die Hand und zog ihn hoch;
Nelson klammerte sich mit einer Hand fest, drosch mit der anderen auf Gans ein und trat ihm gegen das Schienbein. Die Quoten am Ring vergrößerten sich auf drei zu eins für Gans, doch diese Angebote fanden keine Abnehmer.

Siler, der sicherlich darum bangte, daß Shanghai Larry Sullivan mit seinen Entscheidungen unzufrieden sein könnte, verwarnte Nelson wiederholt wegen seiner fortgesetzten Fouls. Aber Battling Nelson wiederholte unverdrossen seine unsauberen Tricks, angefeuert von den Zurufen Billy Nolans: „Foul ihn! Foul ihn!"
Trotz des kräftezehrenden Tempos boxten beide Kämpfer emsig aufeinander ein, bis Nelson seinem Gegner in der 42. Runde einen tückischen Tiefschlag versetzte, der Gans sich am Boden krümmen ließ. Es ist durchaus möglich, daß Gans die Verletzung heuchelte, trotzdem schwirrten Schreie wie „Foul! Foul!" durch die Arena; Shanghai Larry brüllte am lautesten von allen. Siler, bleich und zitternd, tat schließlich das einzig Mögliche. Er disqualifizierte Nelson und erklärte Joe Gans zum Gewinner.
Gans, der Held des Tages, humpelte in seine Umkleidekabine, wo er enthüllte, daß er seit der 32. Runde mit einem gebrochenen Knochen an der linken Hand geboxt hatte. Tex Rickard, der Veranstalter, und Goldfield, die gastgebende Stadt für den Kampf, waren in bedeutend besserer Verfassung als Gans. Die Einnahmen aus den Eintrittskarten beliefen sich auf gut über 60´000 Dollar, ein beispielloses Ergebnis für einen Kampf in einer kleinen Minen-Stadt. Nachdem er die Boxer bezahlt und verschiedene Auslagen beglichen hatte, behielt Tex für sich einen Reingewinn von 13´215 Dollar - genug, ihn eine neue Karriere ins Auge fassen zu lassen. Für Goldfields Minen-Anteilseigner und Spekulanten bedeutete der Kampf eine billig bezahlte Werbung von unschätzbarem Wert, die Kurse ihrer Aktien stiegen, und innerhalb weniger Monate erreichte der Wohlstand der kleinen Stadt schwindelerregende Höhen. Die fetten Jahre währten bis 1910 - dann begann der Niedergang. Uberschwemmungen, Feuer, eine drastisch sinkende Goldförderung und der Sturz überbewerteter Aktien verwandelten Goldfield nach seiner Blütezeit binnen weniger Jahre in eine Geisterstadt.

Jim Jeffries VS. Jack Johnson


Mit blutigem und verschwollenem Gesicht umklammert Jim Jeffries den Weltmeister im Schwergewicht,  Jack Johnson, als sie 1910 in Reno um den Titel kämpfen.
Jeffries, eine der vielen „weißen Hoffnungen", die den schwarzen Johnson herausforderten,
war mit 10 zu 6 favorisiert.

Tex Rickard war längst in die reicheren Bezirke von Ely, Nevada, gezogen. Dort eröffnete er ein neues Northern - diesmal ein Hotel - und suchte eine Gelegenheit, seine neuentdeckten Talente als Werbefachmann zu nutzen und dem Wettpublikum ein weiteres großartiges Schauspiel zu bieten. Die Möglichkeit bot sich ihm 1909 mit einem Kampf zwischen Jim Jeffries und Jack Johnson.
James J. Jeffries hatte sich 1905 als unbesiegter Weltmeister im Schwergewicht vom Boxsport zurückgezogen. Der Titel ging an Tommy Burns aus Kanada, der ihn 1908 an John Arthur Johnson, den in Texas geborenen Sohn eines schwarzen Priesters, verlor. Die Sportwelt reagierte empört mit einem rassistischen Ruf nach einer „weißen Hoffnung". Der beste Titelanwärter war Jeffries, und nachdem man ihn monatelang bedrängt hatte, kündigte er sein Comeback an und begann auf seiner Luzerne-Farm am Rande von Los Angeles mit dem Training. Er und Johnson kamen überein, irgendwann im Juli 1910 miteinander zu kämpfen.

Die Boxveranstalter standen einander fast auf den Füßen, um ihre konkurrierenden Angebote für die Austragung des Kampfes zu unterbreiten. Unter den Bewerbern befand sich Tex Rickard, dessen Angebot mit einer für ihn charakteristischen - aber wirksamen - Attraktion angereichert war. Am 1. Dezember 1909 wurden die versiegelten Umschläge mit den Offerten in Hoboken, New Yersey, feierlich geöffnet, dabei anwesend waren Johnson - Jeffries war unerklärlicherweise abwesend -, die Bewerber und eine Horde aufgeregter Zeitungsleute. Alle Umschläge enthielten ein schriftliches Angebot und einen beglaubigten Scheck über 5´000 Dollar. Aber aus Rickards Umschlag flatterten mit dem Scheck fünfzehn 1´000-Dollar-Scheine auf den Tisch.Nachdem das Bargeld so verführerisch gelacht hatte, war der Vorschlag - ein Angebot, das den Boxern mindestens 101´000 Dollar garantierte - eher nebensächlich. Alle Augen waren auf das Geld geheftet. Jack Johnson, ein ständig bankrotter Verschwender, war tief beeindruckt. „Diese Schecks sind wohl in Ordnung", soll er gesagt haben, „aber für Mamas Liebling sehen sie nicht so gut aus wie die Scheine mit den großen Zahlen drauf." Rickards Angebot wurde anderen zumindest genauso attraktiven Offerten vorgezogen.

Jeffries war von Beginn an der Favorit. Er war schließlich die große weiße Hoffnung; er hatte nie einen Kampf verloren; er hatte mehr als ein Jahr lang gearbeitet, um wieder in Form zu kommen, und bedeutende Ärzte berichteten,  er sei in glänzender Verfassung. Aber bei den Wettern wurde die Beliebtheit Jeffries durch das Gerücht gefördert, daß es ein abgekarteter Kampf sei. Es hieß, Johnson hätte sich bereit erklärt, den Titel zu verlieren unter der Voraussetzung, daß Jeffries sich nach dem Kampf für immer zurückziehe. Als vorheriger Weltmeister könnte Johnson dann wieder den Titel für sich beanspruchen. Trotz des Gesetzes, das in Kalifornien Preiskämpfe verbot, war Rickard entschlossen, den Kampf in San Francisco zu veranstalten; er mietete ein unbebautes Grundstück in der Stadt, traf Vorbereitungen für den Bau einer 20´000 Zuschauer fassenden Arena und begann, Kartenbestellungen entgegenzunehmen. Rickard, dem es ein riesiges Vergnügen bereitete, die Zeitungen mit einer bunten Fülle von Nachrichten zu versorgen, bestritt beharrlich die hartnäckigen Gerüchte, daß Johnson nach einigen Runden freiwillig auf die Bretter gehen wollte. Tatsächlich hatte Johnson, der entschlossen war, weder sich, seine Rasse noch die Weltmeisterschaft zu entehren, nicht zugestimmt, für Jeffries das Handtuch zu werfen.

Die Wetten standen ungefähr 10 zu 6 für Jeffries, und die Einsätze erreichten astronomische Höhen. Ein gewisser Clarence Berry aus Los Angeles setzte 50´000 Dollar auf Jeffries gegen 35´000 Dollar, die ein Fred Meyerstein aus San Francisco auf Johnson wettete. Bei diesen Beträgen war es von entscheidender Bedeutung, daß die Boxer sich auf einen Schiedsrichter einigten, der peinlich aufmerksam und gerecht sein würde. Thomas A. Dorgan, ein Sportjournalist und Cartoonist, beschrieb die Situation später so: „Jeden Tag drehten sich die Gespräche um Schwindel, Schiebung und abgekartetes Spiel. Wo man auch hinging, überall war man gezwungen, etwas von diesem Betrugsgeschwätz zu hören.
Es stand zuviel Geld auf dem Spiel. Der gesuchte Mann mußte reiner sein als frisch gefallener Schnee. Es schien unmöglich, den richtigen Mann zu finden."
Aber Jack Johnson hatte eine glanzvolle Idee. Er schlug Tex Rickard zum Schiedsrichter vor, und Jeffries stimmte ohne Zögern zu. Das Wettpublikum unterstützte diese Wahl begeistert: Rickard wettete nicht auf den Kampf; sein einziges Interesse an der ganzen Angelegenheit bestand darin, durch die Veranstaltung eines erfolgreichen Box-Spektakels Geld zu verdienen.

Rickard übernahm gelassen die zusätzliche Bürde. Dann - er hatte bereits Kartenbestellungen im Wert von 133´000 Dollar in der Hand und gut über 30´000 Dollar für das Stadion und andere Aufwendungen ausgegeben - mußte er einen heftigen Rückschlag hinnehmen. Die Gegner des Boxens in Kalifornien nutzten die Gerüchte über Betrug und Schiebung, um Gouverneur James N. Gillett zu überreden, das schon gültige Gesetz anzuwenden und den Kampf zu verbieten. „Wir haben genug Preiskämpfe und Preiskampfveranstalter gehabt", verkündete der Gouverneur zwei Wochen vor dem für den 4. Juli angesetzten Kampf.
Rickards Proteste waren vergeblich. Die Entscheidung des Gouverneurs war endgültig. In argen Geld- und Zeitnöten eilte Rickard mit dem Zug nach Nevada, dem letzten Zufluchtsort, und begann hastig, den Kampf nach Reno zu verlegen, dessen bereitwillige Stadtväter sich erboten, ihm in Rekordzeit eine Arena mit 20´000 Sitzplätzen zu bauen. Einen Tag vor dem Kampf war sie fertig.
Am Mittag des 4. Juli begannen die Boxfans, die Arena zu bevölkern - Cowboys, Farmer, Spieler, Ex-Boxer, Taschendiebe und Sportbegeisterte von überallher. Es war ein sehr bunter Haufen, und alle schienen fröhlich zu sein - außer Jim Jeffries, der, nachdem er zu der Einsicht gekommen war, daß er nicht die geringste Chance gegen Johnson hatte, mürrisch und unnahbar geworden war.

 

Händler in der Börse von Tonopah, Nevada


Händler bevölkern die Halle der Börse von Tonopah, Nevada, die 1902 gegründet wurde, um die Aktien der örtlichen Minen zu verkaufen.

Städte in Nevada veranstalteten Preiskämpfe und andere Ereignisse, um Investoren anzulocken, die vielleicht in das riskante Geschäft mit Minenaktien einsteigen würden.


Trotz der Gerüchte, daß der Kampf abgesprochen sei, begannen die Wetteinsätze, kaum daß die Boxer den Ring betreten hatten, und während der dritten Runde wurde deutlich, daß der ehemalige Champion kaum Chancen hatte, den Titel wieder zu erobern. Seine blendende körperliche Erscheinung täuschte. „Der große Jeffries wirkte wie ein Klotz", berichtete die Associated Press. „Der geschmähte Johnson bewegte sich wie ein schwarzer Panther, stets wachsam und verteidigungsbereit. Jeffries konnte nie einen wirkungsvollen Treffer anbringen. Seine Schläge verpufften kraftlos, als schlüge er auf einen Punchingball ein."
In der 15. Runde schleuderte Johnson Jeffries beinahe durch die Seile, stand über ihm, als dieser, fast ausgezählt, bei „Neun" hochtaumelte, und schlug ihn ein zweites und drittes Mal nieder.
Von allen Seiten wurde „Aufhören! Aufhören!" geschrien. Daraufhin legte Rickard seine Hand auf Johnsons Schulter und erklärte ihn zum Sieger.
Ein betäubender Schlag war das Ergebnis für alle, die von Jeffries' Überlegenheit überzeugt gewesen waren oder bezweifelt hatten, daß der Kampf ehrlich geführt werden würde. Einen Augenblick lang herrschte Stille, dann brach die Menge in Hochrufe für den Mann aus, gegen den die meisten Zuschauer gewettet hatten. „Hunderte", berichtete ein Korrespondent, „schluckten die bittere Pille des finanziellen Verlustes." Johnson und Jeffries waren nicht unter den Verlierern.

Johnson gewann 70´600 und Jeffries 50´400 Dollar der Börse, dazu kamen Rickards Kampfgeld und Einnahmen aus Filmrechten. Was Rickard betraf, erwies sich die Verlegung des Kampfes von Kalifornien nach Nevada zwar als kostspielig, aber nicht als finanzielle Katastrophe. Seine Einnahmen aus den Eintrittsgeldern beliefen sich auf 270´755 Dollar, und nachdem er alle Auslagen bezahlt hatte, blieb ihm die ordentliche Summe von mindestens 60´000 Dollar. Diese Art von Geschäftssinn war Tex Rickards Markenzeichen. Beinahe drei Jahrzehnte lang kennzeichnete es eine Reihe von Unternehmungen, die von seinem Northern-Hotel in Ely über eine Rinderzucht in Paraguay bis zum Kampf zwischen Johnson und Jeffries reichten. Dann eroberte er New York, wo er aufsehenerregende Boxkämpfe, wie sie die Veranstalter im Osten nicht zustande brachten, inszenierte und damit den Amerikanern einige der besten Kämpfe und Wettgelegenheiten bot, die es je gab.
Irgendwie war es bezeichnend, daß die Boxmetropole des Ostens Tex Rickards letzte Arena wurde - ein klassisches Beispiel für den rauhbeinigen Mann aus dem Westen,
der den Besserwissern im Osten zeigt, wie man an eine Sache herangeht.

 

 

Ende des Glücksspiels in Nevada

Bar des Louvre

 

Am Vorabend des Tages, an dem 1910 das Glücksspiel in Nevada verboten wurde, drängen sich zahlreiche Kunden an der Bar des "Louvre",
einer von Renos drei Spielhallen.
Frauen wurden gebeten, das Lokal um 19 Uhr zu verlassen.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten nahezu alle Staaten und Territorien Gesetze, die das Glücksspiel regelten oder gar verboten. Gesetzgeber, die danach trachteten, ihren Herrschaftsbereich vom Ruch des Pionierlandes zu befreien, sahen Gesetze gegen das Glücksspiel als ersten Schritt zur Achtbarkeit an.
Als letzter Staat traf Nevada im Jahre 1909 Maßnahmen gegen das Glücksspiel. Es war nun sogar verboten, um eine Runde Drinks eine Münze zu werfen.

Das Gesetz trat am 1. Oktober 1910 in Kraft. In den wenigen noch geöffneten Spielhallen drängten sich am Vorabend die Gäste, um die Stunde Null zu erleben. In Reno tauchten rechtschaffene Bürger, die nie vorher die Schwelle eines Kasinos überschritten hatten, in Mengen auf, um diese Lokale in Augenschein zu nehmen und tollkühn einige Wetten abzuschließen. Die Stammgäste hatten Mühe, sich zu den Tischen durchzukämpfen, um ihre letzten Einsätze zu wagen. Pünktlich um Mitternacht wurde der Spielbetrieb eingestellt.

 

 

„Für immer verstummt ist das Klicken des Rouletts, das Klappern der Würfel, das Rascheln der Karten", berichtete das Nevada State Journal am nächsten Tag. Die Grabrede war verfrüht. Es vergingen keine zwei Wochen, da informierte das gleiche Blatt seine Leser:
„Wohlversehen mit Geld, dem Losungswort und der Adresse, soll man in dieser Stadt ein gastliches Haus finden können, wo das Roulettrad und der Farotisch allnächtlich wie ehedem betrieben werden."
Überall im Staat hatten die Spieler in realistischer Einschätzung der Sachlage ihren Betrieb im Verborgenen installiert.

Dort blühte das Spiel zwei Jahrzehnte lang, bis der Gesetzgeber in Nevada beschloß, das Glücksspiel wieder zu legalisieren.

 

 

 

 

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