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Die Glücksspieler
Donnernde Hufe und hämmernde Fäuste (2)
Neben dem Pferderennen
begeisterte den Mann im Westen kein Sportereignis so, und nichts verlockte
ihn mehr, seinen letzten Dollar zu verwetten, als ein Kampf um alles
oder nichts zwischen zwei kraftstrotzenden Boxern, seien es Profis
oder Amateure. Das Boxen im Westen hatte eine lange und lebhafte Geschichte.
Der Sport fand besonderen Anklang in den Minenstädten, deren
Bürger - vielleicht wegen der unsicheren und manchmal gefährlichen
Berufe, die sie ausübten - von dem Reiz eines Kampfes Mann gegen
Mann gefesselt waren.
Zu den bekanntesten Boxern in den frühen Jahren des Westens zählte John C. „Con" Orem, ein Grobschmied aus Denver, der im Jahre 1861 den Briten Enoch Davies nach einem Kampf über 102 Runden besiegte, wodurch er zu beträchtlichem Ruhm gelangte und seinem Anhang zu ansehnlichen Goldbeträgen verhalf. Am Stadtrand von Denver versammelten sich 2´000 Zuschauer, um diesen Kampf zu verfolgen. Die Sitzbänke brachen unter dem Gewicht der Menge zusammen - vielleicht auch unter dem des Goldstaubs, den eifrige Wetter bei sich trugen. Doch an diesem Tag wurde außerhalb des Ringes niemand verletzt, innerhalb des Seilgevierts jedoch drosch Con Orem so kräftig auf seinen bedauernswerten Gegner ein, daß dieser zwei Wochen brauchte, um sich wieder zu erholen. Nicht lange nach dem Kampf gegen Davies zog sich Orem aus dem Ring zurück und eröffnete wieder seine Schmiede in Denver. Dort mußte er erfahren, daß ein gefeierter Boxer im Westen, wie ein berühmter Revolverheld, manchmal von seiner Vergangenheit in die Arena zurückgetrieben wurde. Von einem gewissen Hugh O'Neil unflätig herausgefordert, um eine Börse von 5´000 Dollar zu kämpfen, sah Orem sich genötigt, wieder in den Ring zu steigen. Dort kämpfte er 185 Runden lang mit seinem Gegner; der Schiedsrichter erklärte den Kampf schließlich für unentschieden, und alle Wetten wurden annulliert. Aber Orem versöhnte seine Fans, als er O'Neil in einem Wiederholungskampf, der einige Monate später stattfand, durch ein Foul besiegte. Im Jahre 1895
hatte Dan A. Stuart, ein Saloonbesitzer und Sportfreund aus Texas,
beschlossen, den Boxfans ein bedeutend erbaulicheres Schauspiel zu
bieten. Er beabsichtigte, einen Preiskampf zwischen James J. „Gentleman
Jim" Corbett, dem Weltmeister im Schwergewicht, und Robert Fitzsimmons,
Inhaber des Weltmeistertitels im Mittelgewicht, durchzuführen. In Texas gab es
kein Gesetz gegen den Boxsport, darum wählte Stuart Dallas als
Austragungsort des Kampfes. Stuart hatte einen Preis von 15´000
Dollar ausgesetzt. Um den Trubel noch zu steigern, wetteten Corbett
und Fitzsimmons zusätzlich um 10´000 Dollar. Zuversichtlich
begann Dan Stuart, eine Boxarena herzurichten, und scheute dabei weder
Mühe noch Kosten. Die Ausführung war im vollen Gange, als
der Veranstalter und die ungeduldigen Wetter ihren ersten Schlag einstecken
mußten. Charles Culberson, der Gouverneur von Texas, weigerte
sich, die Erlaubnis für den Kampf zu erteilen. In seinem Staat
würde es kein Preisboxen geben, erklärte er; mit ihm kämen
zuviel unerwünschte Elemente in das Land. Er konnte sich zwar
auf kein Gesetz berufen, aber darin sah Culberson kein Hindernis:
Er berief eine außerordentliche Parlamentssitzung ein und drückte
ein Gesetz durch, das Boxkämpfe in Texas untersagte.
Dan Stuart mußte
sich ins Unvermeidliche schicken und suchte weiter nach einem Austragungsort
für seinen Preiskampf. Es gelang ihm schließlich, ihn in
Carson City, Nevada, stattfinden zu lassen. In San Francisco hatte er gerade einige Monate vorher an einem Kampf teilgenommen, der klar werden ließ, warum das Boxen in solchen Verruf geraten war. Fitzsimmons war in den Wochen, die dem Kampf vorausgingen, der erklärte Favorit gewesen, doch am Tag des Ereignisses verlagerten sich die Wetten zugunsten seines Gegners, Tom Sharkey; das Gerücht machte die Runde, der Schiedsrichter wolle Sharkey den Kampf gewinnen lassen. Das Gerede erhielt seine pikante Note durch den Namen des Unparteiischen: Es war Wyatt Earp, Glücksspieler und wohl bekanntester Marshal der Frontier. Als Earp den Ring betrat und seinen Gehrock ablegte, wurde offenbar, daß nicht nur die Boxer für den Kampf gerüstet waren. Der Marshal hatte einen großen Revolver umgeschnallt, der ihm jedoch sofort von einem Captain der Polizei abgenommen wurde. Später sagte Earp zu seiner Frau, er habe so lange eine Waffe getragen, daß „ich gar nicht auf das verdammte Ding geachtet habe". Trotzdem wurde er wegen unerlaubten Tragens einer verborgenen Schußwaffe mit einer Geldbuße von 50 Dollar belegt. Was die Anhänger
Fitzsimmons anging, so war die versteckte Waffe Earps geringstes Vergehen
in dieser Nacht. Sie behaupteten, daß der sonst so scharfäugige
Earp Runde für Runde blind gegenüber offensichtlichen Fouls
war, die Sharkey an Fitzsimmons beging. Aber in der achten Runde schien
Fitzsimmons die Angelegenheit erledigt zu haben, als er Sharkey mit
einem harten Körperhaken, gefolgt von einem gefährlichen
Schlag gegen den Kopf, auf die Bretter schickte. Als Sharkey am Boden
liegen blieb, stellte sich Earp über ihn und zählte bis
zehn. Dann langte der Ringrichter nach unten und schwenkte den Arm
des k.o. geschlagenen Sharkey. Fitzsimmons, entschied er, habe regelwidrig
zugeschlagen, und Sharkey sei der Sieger. Die Abneigung
gegenüber dem Boxsport endete jedoch an der Grenze Nevadas; in
Carson City gedieeen die Vorbereitungen für den Kampf zwischen
Fitzsimmons und Corbett am Sankt Patricks Tag. Stuart beaufsichtigte
den Bau einer Arena am Rand der Stadt. Der Verkauf von Karten zu Preisen
von fünf bis vierzig Dollar lief lebhaft an, und Reporter eilten
nach Carson City, um über das als „Kampf des Jahrhunderts"
bezeichnete Ereignis zu berichten. Der
erprobte Ringrichter George Siler war Leiter des Kampfes, zu dem die
Boxer kurz nach Mittag aus ihren Ecken hervorstürmten. Die ersten
fünf Runden waren mehr oder weniger ausgeglichen, in der sechsten
Runde steigerte sich Corbett und deckte Bob Fitzsimmons mit einem
Hagel gut gezielter linker Geraden ein. Nach Darstellung eines Berichts
flog das Blut „reichlich aus Bobs Mund und Nase" und tropfte
fast bis auf seine weichen Lederschuhe.
Für die glücklichen
Wetter, die trotz der anfangs schlechten Aussichten auf den wackeren
Fitzsimmons gesetzt hatten, war der Kampf ein blendendes Geschäft.
Aber keineswegs für Stuart und Nevada. Zuerst schien es, als
hätte Stuart wegen der Fehlversuche in Texas und Arkansas und
der geringen Zuschauerzahl in Nevada sein letztes Hemd verloren. Aber
als ein über den Kampf gedrehter Film vertrieben wurde, spielte
er insgesamt eine dreiviertel Million Dollar ein und bewahrte Stuart
vor dem Ruin. Der Boxkampf hatte wenig Geld nach Nevada gebracht,
aber das enorme öffentliche Interesse, Goldfield, 1902
nach einem reichhaltigen Goldfund gegründet, entwickelte sich
zu einer üppig wuchernden Boomtown. Im Jahre 1906, als die Stadt
schon eine eigene Börse, zahlreiche florierende Banken und Spielhallen
und Saloons im Uberfluß aufwies, gab es lebhafte Bestrebungen,
mit den Attraktionen Goldfields zu werben, um Anteile der Minen zu
verkaufen. Im Juli trafen sich die führenden Persönlichkeiten
der Stadt, um eine Anzahl von Vorschlägen zu diskutieren - darunter
die Empfehlung, in der Main Street einen Teich zu graben, der zweimal
am Tag mit Bier gefüllt werden sollte. Tex Rickard, ein Saloonbesitzer
aus Goldfield, schlug eine zweckmäßigere Werbemaßnahme
vor: George Lewis Rickard war während seiner abenteuerlichen Laufbahn Cowboy, Rancher und Town Marshal in Texas, erfolgreicher Mitgiftjäger im Klondike-Gebiet und sein Leben lang ein Spieler gewesen. Zu der Zeit, als er sich mit seinen mannigfaltigen "Talenten der Organisation des Boxkampfes widmete, besaß er eine Mehrheitsbeteiligung an The Northern, einer Spielhalle und Bar in Goldfield, die von seinem Konkurrenten Douglas Gillespie, dem Besitzer des Saloons The Owl, großzügig als „das großartigste Spielkasino Amerikas" bezeichnet wurde.
Rickard wußte,
wie man einen Boxkampf in Szene setzt. Er und andere Bürger Goldfields
griffen in ihre prallen Brieftaschen und setzten einen Preis von 30´000
Dollar für das Ereignis aus. Diese Summe versetzte die Fachwelt
in Erstaunen und machte Schlagzeilen in den Zeitungen, denn es war
die höchste bis dahin gezahlte Börse für einen Boxkampf.
Als die Kämpfer das Angebot annahmen, stellte Rickard die 30´000
Dollar, säuberlich zu Säulen aus frisch geprägten 20-Dollar-Goldmünzen
gestapelt, im Fenster einer Bank zur Schau. Die
grundverschiedenen Techniken und der Ruf der Boxer verliehen dem bevorstehenden
Kampf einen zusätzlichen Reiz - und weckten bei den Wettern ein
beträchtliches Interesse. Oscar Matthew Battling Nelson stand
in dem Ruf, ein Kinn aus Granit und den massivsten Schädel seit
der Zeit der Neandertaler zu besitzen. Seine Strategie im Ring bestand
darin, seine Gegner zu ermüden, indem er sie auf seinen unverwundbaren
Quadratschädel einschlagen ließ, während er sie mit
Tiefschlägen und anderen unfairen Mitteln bearbeitete. Von einem
Sportjournalisten befragt, warum er bei einem Schaukampf einen ermatteten
Gegner mehrmals tückisch mit dem Kopf gestoßen habe, hatte
Nelson geantwortet: Zu seinem Spitznamen
war Sullivan in Seattle gekommen, wo er vor Jahren ein Seemannsheim
betrieben und als Nebenbeschäftigung unwillige Matrosen für
den Dienst an Bord „schanghait" hatte. Nun ging er daran,
Gans in die Mangel zu nehmen, übernahm seine geschäftlichen
Angelegenheiten und brachte sowohl Geld für die Kaution als auch
für die Trainingskosten des Boxers auf. Gans' Anteil an dem Handel
war einfach: Er mußte Nelson besiegen - und wehe, wenn ihm das
nicht gelang! Als der Tag näher
rückte, war Gans, trotz seines Rufes, manchmal absichtlich zu
Boden zu gehen, der Favorit mit 5 zu 3. Die Einsätze gingen kräftig
in die Höhe. „Es sah aus wie 1849 in Kalifornien",
schrieb ein Reporter der Evening World aus New York. „Schürfer
kamen mit Wildlederbeuteln voll Goldstaub und -klumpen. Hier und da
wettete ein Goldgräber seinen Claim gegen einen anderen."
Nachdem die lokale Bergarbeitergewerkschaft darauf bestanden hatte,
daß Gans seine Gesundheit in einer gründlichen Untersuchung
durch den Gewerkschaftsarzt unter Beweis stellen sollte - Gans bestand
mit Glanz und Gloria -, wettete sie ihren gesamten Überschußfonds
auf den schwarzen Boxer. In den ersten zehn Runden des Kampfes schienen
diese Hoffnungen wohlbegründet. Der behende Gans widmete sich
fest entschlossen seiner Aufgabe; er war seinem grobschlächtigen
Gegner boxerisch und kämpferisch weit überlegen. In der
elften Runde wurde dann Nelsons Manager, Billy Nolan, ungeduldig und
wies seinen Schützling an, eine rauhere Gangart anzuschlagen.
Nelson gehorchte, umklammerte seinen Gegner, stieß mit dem Kopf
und brachte Tiefschläge an - nach den Queensberry-Regeln war
dies alles nicht erlaubt. In der fünfzehnten Runde stolperte
er und fiel. Gans reichte ihm helfend die Hand und zog ihn hoch; Siler, der sicherlich
darum bangte, daß Shanghai Larry Sullivan mit seinen Entscheidungen
unzufrieden sein könnte, verwarnte Nelson wiederholt wegen seiner
fortgesetzten Fouls. Aber Battling Nelson wiederholte unverdrossen
seine unsauberen Tricks, angefeuert von den Zurufen Billy Nolans:
„Foul ihn! Foul ihn!"
Tex Rickard war
längst in die reicheren Bezirke von Ely, Nevada, gezogen. Dort
eröffnete er ein neues Northern - diesmal ein Hotel - und suchte
eine Gelegenheit, seine neuentdeckten Talente als Werbefachmann zu
nutzen und dem Wettpublikum ein weiteres großartiges Schauspiel
zu bieten. Die Möglichkeit bot sich ihm 1909 mit einem Kampf
zwischen Jim Jeffries und Jack Johnson. Die Boxveranstalter standen einander fast auf den Füßen, um ihre konkurrierenden Angebote für die Austragung des Kampfes zu unterbreiten. Unter den Bewerbern befand sich Tex Rickard, dessen Angebot mit einer für ihn charakteristischen - aber wirksamen - Attraktion angereichert war. Am 1. Dezember 1909 wurden die versiegelten Umschläge mit den Offerten in Hoboken, New Yersey, feierlich geöffnet, dabei anwesend waren Johnson - Jeffries war unerklärlicherweise abwesend -, die Bewerber und eine Horde aufgeregter Zeitungsleute. Alle Umschläge enthielten ein schriftliches Angebot und einen beglaubigten Scheck über 5´000 Dollar. Aber aus Rickards Umschlag flatterten mit dem Scheck fünfzehn 1´000-Dollar-Scheine auf den Tisch.Nachdem das Bargeld so verführerisch gelacht hatte, war der Vorschlag - ein Angebot, das den Boxern mindestens 101´000 Dollar garantierte - eher nebensächlich. Alle Augen waren auf das Geld geheftet. Jack Johnson, ein ständig bankrotter Verschwender, war tief beeindruckt. „Diese Schecks sind wohl in Ordnung", soll er gesagt haben, „aber für Mamas Liebling sehen sie nicht so gut aus wie die Scheine mit den großen Zahlen drauf." Rickards Angebot wurde anderen zumindest genauso attraktiven Offerten vorgezogen. Jeffries war von Beginn an der Favorit. Er war schließlich die große weiße Hoffnung; er hatte nie einen Kampf verloren; er hatte mehr als ein Jahr lang gearbeitet, um wieder in Form zu kommen, und bedeutende Ärzte berichteten, er sei in glänzender Verfassung. Aber bei den Wettern wurde die Beliebtheit Jeffries durch das Gerücht gefördert, daß es ein abgekarteter Kampf sei. Es hieß, Johnson hätte sich bereit erklärt, den Titel zu verlieren unter der Voraussetzung, daß Jeffries sich nach dem Kampf für immer zurückziehe. Als vorheriger Weltmeister könnte Johnson dann wieder den Titel für sich beanspruchen. Trotz des Gesetzes, das in Kalifornien Preiskämpfe verbot, war Rickard entschlossen, den Kampf in San Francisco zu veranstalten; er mietete ein unbebautes Grundstück in der Stadt, traf Vorbereitungen für den Bau einer 20´000 Zuschauer fassenden Arena und begann, Kartenbestellungen entgegenzunehmen. Rickard, dem es ein riesiges Vergnügen bereitete, die Zeitungen mit einer bunten Fülle von Nachrichten zu versorgen, bestritt beharrlich die hartnäckigen Gerüchte, daß Johnson nach einigen Runden freiwillig auf die Bretter gehen wollte. Tatsächlich hatte Johnson, der entschlossen war, weder sich, seine Rasse noch die Weltmeisterschaft zu entehren, nicht zugestimmt, für Jeffries das Handtuch zu werfen. Die Wetten standen
ungefähr 10 zu 6 für Jeffries, und die Einsätze erreichten
astronomische Höhen. Ein gewisser Clarence Berry aus Los Angeles
setzte 50´000 Dollar auf Jeffries gegen 35´000 Dollar,
die ein Fred Meyerstein aus San Francisco auf Johnson wettete. Bei
diesen Beträgen war es von entscheidender Bedeutung, daß
die Boxer sich auf einen Schiedsrichter einigten, der peinlich aufmerksam
und gerecht sein würde. Thomas A. Dorgan, ein Sportjournalist
und Cartoonist, beschrieb die Situation später so: „Jeden
Tag drehten sich die Gespräche um Schwindel, Schiebung und abgekartetes
Spiel. Wo man auch hinging, überall war man gezwungen, etwas
von diesem Betrugsgeschwätz zu hören. Rickard übernahm
gelassen die zusätzliche Bürde. Dann - er hatte bereits
Kartenbestellungen im Wert von 133´000 Dollar in der Hand und
gut über 30´000 Dollar für das Stadion und andere
Aufwendungen ausgegeben - mußte er einen heftigen Rückschlag
hinnehmen. Die Gegner des Boxens in Kalifornien nutzten die Gerüchte
über Betrug und Schiebung, um Gouverneur James N. Gillett zu
überreden, das schon gültige Gesetz anzuwenden und den Kampf
zu verbieten. „Wir haben genug Preiskämpfe und Preiskampfveranstalter
gehabt", verkündete der Gouverneur zwei Wochen vor dem für
den 4. Juli angesetzten Kampf.
Städte in Nevada veranstalteten Preiskämpfe und andere Ereignisse, um Investoren anzulocken, die vielleicht in das riskante Geschäft mit Minenaktien einsteigen würden.
Johnson gewann
70´600 und Jeffries 50´400 Dollar der Börse, dazu
kamen Rickards Kampfgeld und Einnahmen aus Filmrechten. Was Rickard
betraf, erwies sich die Verlegung des Kampfes von Kalifornien nach
Nevada zwar als kostspielig, aber nicht als finanzielle Katastrophe.
Seine Einnahmen aus den Eintrittsgeldern beliefen sich auf 270´755
Dollar, und nachdem er alle Auslagen bezahlt hatte, blieb ihm die
ordentliche Summe von mindestens 60´000 Dollar. Diese
Art von Geschäftssinn war Tex Rickards Markenzeichen. Beinahe
drei Jahrzehnte lang kennzeichnete es eine Reihe von Unternehmungen,
die von seinem Northern-Hotel in Ely über eine Rinderzucht in
Paraguay bis zum Kampf zwischen Johnson und Jeffries reichten. Dann
eroberte er New York, wo er aufsehenerregende Boxkämpfe, wie
sie die Veranstalter im Osten nicht zustande brachten, inszenierte
und damit den Amerikanern einige der besten Kämpfe und Wettgelegenheiten
bot, die es je gab.
Ende
des Glücksspiels in Nevada
Am
Vorabend des Tages, an dem 1910 das Glücksspiel in Nevada verboten
wurde, drängen sich zahlreiche Kunden an der Bar des "Louvre",
Gegen Ende des
19. Jahrhunderts hatten nahezu alle Staaten und Territorien Gesetze,
die das Glücksspiel regelten oder gar verboten. Gesetzgeber,
die danach trachteten, ihren Herrschaftsbereich vom Ruch des Pionierlandes
zu befreien, sahen Gesetze gegen das Glücksspiel als ersten Schritt
zur Achtbarkeit an. Das Gesetz trat am 1. Oktober 1910 in Kraft. In den wenigen noch geöffneten Spielhallen drängten sich am Vorabend die Gäste, um die Stunde Null zu erleben. In Reno tauchten rechtschaffene Bürger, die nie vorher die Schwelle eines Kasinos überschritten hatten, in Mengen auf, um diese Lokale in Augenschein zu nehmen und tollkühn einige Wetten abzuschließen. Die Stammgäste hatten Mühe, sich zu den Tischen durchzukämpfen, um ihre letzten Einsätze zu wagen. Pünktlich um Mitternacht wurde der Spielbetrieb eingestellt.
„Für
immer verstummt ist das Klicken des Rouletts, das Klappern der Würfel,
das Rascheln der Karten", berichtete das Nevada State Journal
am nächsten Tag. Die Grabrede war verfrüht. Es vergingen
keine zwei Wochen, da informierte das gleiche Blatt seine Leser: Dort blühte das Spiel zwei Jahrzehnte lang, bis der Gesetzgeber in Nevada beschloß, das Glücksspiel wieder zu legalisieren.
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