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freundlicher Unterstützung
VERLAG
FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des
Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Benjamin Capps
1973 "Die Indianer"
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA (LOC)
und des US Nationalarchiv (NARA)
Die Indianer
Die Gesichter eines stolzen Volkes
Wer waren die Indianer des Wilden Westens? Jedermann kennt sie - die Männer mit den Adlernasen, dem zu Zöpfen geflochtenen Haar und den Kriegsfedern, mit straff über hohen Backenknochen gespannter kupferfarbener Haut und Gesichtern, deren Ausdruck durchdringend und furchtlos war. Auch die Stammesnamen sind einem vertraut: Comanche, Cheyenne, Sioux, Kiowa und andere - alles Namen, die von wilder Tapferkeit widerhallen und Vorstellungen von bemalten Reitern mit Lanzen und Bogen heraufbeschwören. Diese Stämme und ihre Krieger bewohnten die Great Plains. Für die meisten Weißen stellten sie den Prototyp aller West-Indianer dar: die Männer von Kindheit an für die Jagd und den Kampf ausgebildet, ihre Männlichkeit an ihrer Kühnheit in der Schlacht messend; die Frauen dazu erzogen, die Krieger zu unterstützen, an Siegesfeiern teilnehmend oder ihre Körper bei Niederlagen vor Trauer zerfleischend.
Auf einige Stämme trafen diese Vorstellungen zu - jedoch nur teilweise. Insgesamt aber wurden sie der Vielfalt aller West-Indianerstämme in keiner Weise gerecht. Zwischen dem Mississippi und dem Great Basin jenseits der Rocky Mountains lebten über 30 einzelne Stämme, jeder mit eigener Sprache und eigener Lebensweise. Manche von ihnen waren nomadische Jäger, die den Bisons folgten. Andere waren in erster Linie Bauern, die Pfirsichplantagen anlegten oder in fruchtbaren Flugtälern Mais und Melonen anbauten. Wieder andere waren die Piraten der Plains, die auf ihren Raubzügen von anderen Stämmen Pferde, Mais und Tabak erbeuteten. Das Indianerreich war kulturell unterschiedlich gegliedert, aber die weitverstreuten Dörfer waren durch ein Netz von Trails miteinander verknüpft, über die Waren wie Pazifikmuscheln im Tausch gegen Hirschfelle ins Landesinnere gelangten.
Allen diesen Indianern, Kriegern wie Bauern, war ein gemeinsames Los bestimmt: durch den weißen Mann verdrängt zu werden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sie durch weiße Farmer, Goldsucher, Viehzüchter und die U.S. Cavalry von ihrem Land vertrieben. Das Ergebnis dieser Konfrontation mit den Weißen stand niemals wirklich in Zweifel. Obwohl die Indianer einige wichtige Schlachten gewannen - eine davon noch im Jahre 1876 -, waren sie zahlenmäßig zu schwach, zu zersplittert und zu schlecht bewaffnet, um die in Wellen heranbrandenden Eindringlinge abwehren zu können. Im Jahre 1840, bevor die Invasion richtig begonnen hatte, durchstreiften nicht mehr als 300 000 Indianer den Westen. Aber obwohl ihr Kampf aussichtslos war, leuchteten Stolz und Trotz aus ihren Gesichtern und sprachen aus ihren Worten. Wie der Kiowa-Häuptling White Bear (Weißer Bär) 1867 sagte: „Ich will mich nicht in Häusern niederlassen, die ihr für uns bauen würdet. Ich liebe es, über die wilde Prärie zu streifen. Dort bin ich frei und glücklich." Neun Jahre später verübte White Bear in einem Gefängnislazarett Selbstmord.
Ein Navaho-Junge, Name unbekannt Two Hatchet, Kiowa Particular Time of Day, Pawnee


Nalin, Apache-Mädchen
Watchful
Fox, Sauk und Fox
Spotted Eagle, Sioux





Gebets- und Friedenspfeifen
Kein Ritual wurde
von den Indianern häufiger ausgeübt als das des Rauchens. Zündete
ein Indianer die kinnikinnick genannte Mischung aus Tabak und aromatischen
Kräutern im Steinkopf seiner Pfeife an, verband er damit oftmals
tiefernste Absichten. Der Rauch, den er ausatmete, wurde als Gebetshauch
betrachtet, und die Pfeife selbst galt als intimes Verständigungsmittel
mit der Geisterwelt. Pfeifen dienten auch dazu, wichtige Gespräche
zwischen Männern zu heiligen. Ein früher Trapper namens Alexander
Ross hielt fest:
das Pfeifenrauchen sei „der Einleitungsschritt zu allen wichtigen
Angelegenheiten, und bevor die Zeremonie des Rauchens beendet ist, sind
mit diesen Leuten keinerlei Verhandlungen möglich".
Zeremonielle Pfeifen wie die unten abgebildete Crow-Pfeife waren Eigentum
eines Häuptlings, Medizinmannes oder Kriegers. Sie wurden nach einem
ernsten und genau festgelegten Ritual geraucht, um einen Eid zu leisten
oder einen Vertrag zu schließen, woraus der weiße Mann den
Ausdruck „Friedenspfeife" ableitete.
Die Pfeifen dienten auch als Reisepaß und wurden bei privaten Auseinandersetzungen
als Beschwichtigungsmittel verwendet. Brannte ein Krieger mit der Frau
eines anderen durch, verlangte die Etikette, daß er einen alten
Mann mit einer Pfeife zu dem betrogenen Ehemann schickte. Rauchte der
Ehemann diese Pfeife, so gab er zu erkennen, daß er darauf verzichtete,
sich an den Liebenden zu rächen. Viele Männer besaßen
eine ungeschmückte Alltagspfeife, weil das Rauchen auch eine zwanglose
Gewohnheit war.

Die Herstellung
einer Zeremonialpfeife erforderte sorgfältige, geduldige Arbeit,
und ein gutes Stück konnte soviel wie ein Pferd wert sein. Die Pfeifenköpfe
wurden aus weichem Gestein in verschiedenen Farben gearbeitet, wobei rote
als die schönsten galten. (Dieses rote Gestein erhielt später
den Namen Catlinit - nach dem Maler George Catlin, der die heilige Stätte
in Minnesota besucht hatte, wo es in einem Steinbruch abgebaut wurde.)
Die Bearbeitung der Pfeifenköpfe erfolgte im allgemeinen durch Spezialisten.
Mit von den Europäern eingeführten Metallwerkzeugen konnten
diese geschickten Handwerker dem Stein die kühnen Formen eines Pferdes
in vollem Galopp geben (unten) oder die feinen Details eines Basreliefs
wie das Wellenmuster des Bisonfells auf dem unteren Pfeifenkopf herausarbeiten.
Nachdem der Pfeifenkopf fertiggeschnitzt war, glätteten und polierten
sie seine Oberflächen mit einer Schilfart, die wie feines Schmirgelpapier
wirkte.
Der Pfeifenstiel wurde aus Esche, Weide oder Pappel angefertigt, die weiches Mark besitzen, das der Pfeifenmacher entweder herauskratzte, nachdem er den Stiel der Länge nach gespalten hatte, oder herausbrannte, indem er einen Hartholzstab oder später einen erhitzten Draht verwendete. Obwohl ein Teil des von den Indianern gerauchten Tabaks wild wuchs, bauten verschiedene Stämme Tabak an, um stets einen gewissen Vorrat zu haben und damit Handel treiben zu können. Aussaat wie Ernte des Tabaks erforderten ritualisierte Gebete und Tänze. Die Blackfoot-Indianer nähten sogar winzige Mokassins, die als Geschenke für die Tabakgeister - die sie sich als kleine Kobolde vorstellten - auf den Feldern zurückgelassen wurden. Da der Rohtabak zu stark war, streckten die Indianer ihn mit Sumachblättern, Bärentrauben und Weidenrinde.



Die Stämme und ihre Territorien
Dreizehn als Krieger und Jäger berühmte nomadische Indianerstämme beherrschten Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts das Kerngebiet der Prärie. Aber die Welt, in der sie lebten, befand sich in rascher und gewaltsamer Umwälzung; die auf dieser Karte für das Jahr 1840 eingetragenen Stammesgebiete unterschieden sich sehr von den noch vor 50 Jahren gültigen - oder den späteren.
Einige der wildesten Kriegerstämme, darunter auch die Cheyenne und Sioux, waren aus den Waldgebieten am oberen Mississippi und an den Großen Seen auf die Plains gekommen. Andere, weniger mächtige Stämme, wie zum Beispiel die Iowa und Missouri, waren von den Weißen aus den Gebieten verdrängt worden, die ihre Namen trugen.
Die reitenden Nomaden, die über die Great Plains streiften, lebten in erster Linie von der Bisonjagd. Sie befehdeten sich gegenseitig und mußten sich gelegentlich gegen Stämme wie die Pawnee und Mandan behaupten, die größtenteils in festen Dörfern und von Landwirtschaft lebten, aber im Sommer auf Bisonjagd gingen und manchmal Nomaden überfielen, um sich Pferde zu beschaffen.
Im Südwesten lebten die Pueblo-Indianer: Erfahrene Bauern, die in riesigen Apartmenthäusern aus Lehmziegeln oder Steinen wohnten und geschickt mit den Nomaden des Südens Handel trieben, indem sie Pferde und Mais gegen Bisonumhänge und andere Erzeugnisse tauschten. Ihre Nachbarn waren die gefährlichen Apache, einst Bewohner der südlichen Plains, aber jetzt zum größten Teil in das Gebiet des späteren Bundesstaates New Mexico abgedrängt, wo sie in periodischen Zeitabständen von ihren mächtigen Feinden, den Comanche, überfallen wurden.
Im Bereich der mittleren und nördlichen Rocky Mountains stießen Ute, Shoshoni, Nez Perce und einige andere Stämme gelegentlich ins Bisonland vor. Jeden Sommer ritten beispielsweise die Nez Perce nach Osten über die hohen Pässe, um Bisons zu jagen und mit den Prärie-Indianern Handel zu treiben - oder um sie zu überfallen.
In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wirkten die Kämpfe zwischen einzelnen Stämmen sich weniger als das Vordringen der Weißen auf die Verteilung der Indianer aus. Als der Druck der Weißen auf den Westen zunahm, konnten sich nur die größten und stärksten Plains-Stämme - darunter die Sioux, Cheyenne, Blackfoot-Indianer und Comanche - noch längere Zeit halten; kleinere Stämme wie die Arikara und die Crow wurden oft Verbündete der Weißen im Kampf gegen die Kriegerstämme, die ihre Erbfeinde waren.

Der
lndianer -
wie der weisse Mann ihn sah
Im Jahre 1833 waren die Indianer am oberen Missouri noch immer Herren ihres Landes, obwohl die Pelzhandelsgesellschaften den kulturellen Auflösungsprozeß bereits in Gang gebracht hatten.
In diesem Jahr reisten zwei ungewöhnliche Besucher, denen es nicht um Profit, sondern um Wissen ging, den Missouri hinauf.
Einer war ein deutscher Prinz in mittleren Jahren, Maximilian zu Wied, der viel lieber Naturgeschichte studierte, als sein Ländchen regierte.

Sein Reisebegleiter
war der junge Schweizer Maler Karl Bodmer.
Diese wohlwollenden Beobachter, die über 4000 Kilometer zurücklegten,
besuchten die Mandan, Hidatsa, Assiniboin, Blackfoot-Indianer und weitere
Stämme.
Während Prinz Maximilian ein Reisetagebuch führte, machte Bodmer über 400 Skizzen, die das Aussehen und die Gebräuche der Indianer zeigten.

Unweit ihres aus 60 Hütten bestehenden Dorfes transportieren Mandan-Frauen in Booten, die Bisonfellbespannung haben, Brennholz über den Missouri.

Bei dem Büffeltanz, der von zwei angesehenen Kriegern mit Bisonschädeln angeführt wird, imitieren Mandan das Gedränge innerhalb der Bisonherde.
Seine Skizzen waren
die Grundlage einer später veröffentlichten Reihe sehr genauer,
kolorierter Kupferstiche,
zu denen auch die Wiedergabe des Skalptanzes der Hidatsa gehörte,
bei dem die Frauen die Feierlichkeiten nach einem siegreich beendeten
Gefecht anführten.
Die Arbeiten dieser beiden sollten der letzte Bericht über einige
der besuchten Stämme sein.
Nur wenige Jahre später dezimierte eine von den Weisen eingeschleppte Pockenepidemie mehrere der Stämme am oberen Missouri.
Ein einzelner in ein Bisonfell gehüllter Mandan betet zu den Sonne- und Mondidolen, die aus Fellen, Gras und Zweigen angefertigt sind