Quellennachweis der Texte und Abbildungen: William J. Hourihan, Brief History of the United States Army Chaplain Corps Veröffentlichungen des United States Army Chaplain Center and School, des U.S. Army Chaplain Museum, der Kongreßbibliothek (LOC), des Nationalarchivs (NARA) und des National Park Service, sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der U.S. Army Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching
DIE MILITÄRSEELSORGE
IM BÜRGERKRIEG
Präsident Lincoln erkannte bald, daß zur Aufrechterhaltung der Disziplin und zur Stärkung der Moral in der Truppe, eine größere Anzahl von Militärpfarrern notwendig war. Tausende von jungen Soldaten befanden sich das erste Mal weit weg von ihren Angehörigen und ihrem Zuhause. So blieb es nicht aus, daß viele Soldaten über die Stränge schlugen. Das Trinken von Alkohol, Kartenspiele, Glücksspiele und Fluchen wurden damals ja als Sünden betrachtet. Ein Geistlicher beklagte sich folgendermaßen: „In den Feldlagern treiben sich Legionen von Teufeln herum.“ Nachdem
Lincoln bereits am 4 . Mai 1861 den Regimentskommandeuren befohlen hatte,
Feldgeistliche einzustellen, wurde am 3. August ein Gesetz beschlossen,
das die Militärseelsorge genauer regelte. Neben den bereits vorhandenen
Standortpfarrern in den Garnisonen sollte in jedem Regiment und in zahlreiche
Kriegslazaretten ein Geistlicher dienen. Diese mußten geweihte
Priester eines christlichen Glaubens sein und einen guten Ruf haben.
Bei
den Freiwilligenverbänden der Union war die Militärseelsorge
schon durch entsprechend ältere Gesetze der Milizeinheiten geregelt.
Von Anfang an gab es hier Militärpfarrer in den Regimentern. Bei
manchen sogar zwei, nämlich einen evangelischen Prediger und einen
katholischen Pfarrer oder Ordensbruder.
Oberleutnant
Bartley P. Bynum, C.S.A.,
Es kam aber auch vor, daß Militärgeistliche den umgekehrten Weg wählten und ein Offizierspatent erhielten. Einer dieser Pfarrer war Reverend William A. Pile, der am Ende des Krieges als Brevet Major-General der Infanterie entlassen wurde. Bei
den Soldaten der Konföderierten sah die Lage etwas anders aus.
Präsident Jefferson Davis und die Regierung der Südstaaten
wollten Kämpfer und keine Prediger. So wurde hier die Militärseelsorge
kaum unterstützt. Die wenigen eingestellten Feldgeistlichen erhielten
zunächst ein Jahresgehalt von $ 1200, das aber bald darauf auf
nur $ 600 verringert wurde. Später wurde es aber auf $ 960 erhöht.
Die Aufgaben eines Feldgeistlichen Die
Militärpfarrer erkannten während des Krieges bald, daß
ihr Dienst nicht nur aus der seelsorgerischen Betreuung bestand.
So suchten sie bald den Kontakt zu den einzelnen Soldaten, um deren Vertrauen zu gewinnen. Sie wollten helfen und das Leben der Soldaten etwas erleichtern. Da doch noch einige nicht lesen und schreiben konnten, halfen sie häufig bei der Abfassung sowie der Versendung von Briefen und lasen den Soldaten die Briefe aus der Heimat vor. Feldgeistliche übernahmen ab und zu auch die Verteidigung von Angeklagten während eines Kriegsgerichtprozesses. Da
der Sold den Soldaten nur sehr unregelmäßig ausgezahlt wurde,
hielten sie manchmal größere Geldsummen in ihren Händen.
Um diese nicht zu verspielen oder zu verschwenden, überzeugten
die Geistlichen nun die Soldaten, einen Teil an die Ehefrauen oder Eltern
zu senden. Da viele Soldaten diesem Rat folgten, vertrauten sie ihren
Sold den Pfarrern an, die dafür sorgen sollten, daß ihre
Angehörigen das Geld erhielten. So wurden die Feldgeistlichen oft
zum „Bankier“ des Regiments. Doch
es konnte auch anders kommen. Aus Furcht davor, im Kampf zu fallen,
wandte sich einmal ein Hauptmann vor der Schlacht von Chickamauga an
Chaplain John Trecy und übergab ihm seine Geldbörse.
Stunden später sah dieser Offizier, wie Trecy trotz heftigen Beschusses
Verwundete auf dem Gefechtsfeld betreute.
Dies
führt zu einer weiteren Aufgabe der Feldgeistlichen. Sie kümmerten
sich sehr aufopferungsvoll um die Versorgung der Verwundeten während
einer Schlacht, manchmal kutschierten sie selbst den Krankenwagen.
Besonders
bekannt wurden auch Chaplain John L. Lenhart, Chaplain William Hoge,
Chaplain Charles McCabe und Chaplain William Corby.
ein
katholischer Ordensbruder der „Congregation of the Holy Cross“
und Feldgeistlicher der Irischen Brigade, wurde besonders berühmt,
als er am 2. Juli 1863 in der Schlacht von Gettysburg während einer
kurzen Gefechtspause am Cemetary Ridge gegen 16 Uhr auf einen Felsbrocken
stieg und die Soldaten segnete und ihnen ihre Sünden vergab.
<<< 1910 wurde ihm zu Ehren dort ein Denkmal aufgestellt.
In
der Union fielen 66 Feldgeistliche für ihr Vaterland, darunter
Chaplain U.P. Gardner, 13th Kansas Infantry, der, als er sich als Pfarrer
zu erkennen gab, von einem „Soldaten“ der Quantrill’s
Partisan Rangers am 22. November 1864 erschossen wurde. Bei den Konföderierten fielen etwa 25 Feldgeistliche während des Krieges.
Die Glaubensrichtungen Zu Beginn des Bürgerkrieges gehörten von den 30 Millionen Einwohnern der USA etwa 90 Prozent der Bevölkerung den protestantischen Glaubensbekenntnissen an. So ist es nicht verwunderlich, daß sich die Feldgeistlichen überwiegend aus Presbyterianern, Unitariern, Lutheranern, Baptisten, Methodisten und Gläubigen der Episkopalkirche zusammensetzten. Da sich aber, vor allem in den Freiwilligenverbänden, zahlreiche Katholiken in den Regimentern befanden, die aus Europa (Irland, Deutschland, Frankreich) eingewandert waren, dienten auch katholische Priester und Ordensgeistliche als Feldgeistliche im amerikanischen Heer. Doch ihre Zahl war, verglichen mit ihren protestantischen Glaubensbrüdern, ziemlich klein, nämlich etwa 56 Feldgeistliche im Norden, davon keiner in der US Navy, und 28 im Süden, so daß häufig der Mangel an katholischen Militärpfarrern beklagt wurde. Noch schwerer hatten es die Angehörigen des jüdischen Glaubens. Man schätzt, daß sich etwa 4500 Juden im Norden und etwa 2000 im Süden freiwillig gemeldet hatten. Als erster jüdischer Feldgeistlicher gilt Michael M. Allen. Er war von den Offizieren der 5th Pennsylvania Cavalry, genannt „Cameron’s Dragoons“, zum Regimentsgeistlichen gewählt worden. Allan war zwar kein Rabbiner, aber ein jüdischer Kantor, der bei seinen christlichen und jüdischen Soldaten sehr beliebt war. Als
eines Tages ein Mitglied des YMCA (Young Men’s Christian Association
– Christlicher Verein Junger Männer) bei einem Besuch mit
„Entsetzen“ feststellte, daß Allen weder ein geweihter
Geistlicher noch ein Christ war, meldete er diesen Verstoß gegen
das Gesetz sofort weiter. Um einer unehrenhaften Entlassung zu entgehen,
quittierte Allen daraufhin seinen Dienst aus gesundheitlichen Gründen.
Die Soldaten des Regiments wählten nun den Rabbiner Arnold Fischel
zum Feldgeistlichen, nicht zuletzt, um die Rechtmäßigkeit
des Gesetzes in Frage zu stellen.
am
18. September 1862 die Zulassung als erster jüdischer Feldgeistlicher.
Die
erste Zulassung als Regimentsgeistlicher erhielt Ferdinand L. Sarner,
ein eingewanderter Deutscher, am 10. April 1863.
In
den ersten regulären Farbigenregimentern, die schließlich
auf 158 anwuchsen, gab es nur weiße Offiziere und deshalb zunächst
auch nur weiße Feldgeistliche.
Reverend
Henry McNeal Turner, Er diente in diesem Regiment bis 1865 und wurde nach dem Krieg noch Bischof in der African Methodist Episcopal Church.
Als
William H. Thomas, ein Verwandter von Präsident Jefferson Davis
und weißer Häuptling der Östlichen Gruppe der Cherokee-Indianer,
ein
Mitglied der Religio-Philosophical Society (Religiös-Philosophische
Gesellschaft) von Saint Charles in Illinois und Ehefrau
Die “Uniformierung” der Feldgeistlichen Im
Allgemeinen Befehl (General Order) 102 vom 25. November 1861 wurde die
Uniform eines Feldgeistlichen des Heeres festgelegt. Da
die Feldgeistlichen die Besoldung eines Hauptmanns hatten, trugen viele
Regimentspfarrer inoffiziell die Uniform und Dienstgradabzeichen eines
Hauptmanns,
Chaplain des Heeres ab August 1864 Mit
dem Allgemeinen Befehl 247 vom 25. August 1864 durften nun auf den Filzhüten
und Kepis die gestickten Abzeichen Dabei gab es, vor allem bei den Freiwilligenregimentern, zahlreiche Abweichungen.
Ein Feldgeistlicher
hält auf dem Deck des Monitors US Passaic einen
Gottesdienst.
Bei
den Marinegeistlichen der Union war man sich bezüglich der Uniformierung
während des ganzen 19. Jahrhunderts nicht einig.
Ärmelabzeichen und Achselstücke
In
der konföderierten Marine gab es keine Militärgeistlichen. |