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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Dietmar Kuegler, Serientitel: NORD & SÜD
1988, - Die Nord-Virginia-Armee -
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA (LOC) und des US Nationalarchiv (NARA)

Die Nord-Virginia-Armee


Die Nord-Virginia-Armee

 

 

Vorwort

 

Die Konföderierten Staaten von Amerika hatten eine Hauptstadt, Richmond in Virginia. Hier tagte das Parlament, hier amtierte die Regierung unter Präsident Jefferson Davis. Aber je länger der Amerikanische Bürgerkrieg dauerte,
je mehr sich schließlich das Blatt zugunsten der Nordstaaten wendete, desto stärker verlagerte sich das eigentliche Entscheidungszentrum der Südstaaten von Richmond weg ins Hauptquartier der Nord-Virginia-Armee, des Kernstücks der militärischen Streitmacht der Konföderation, an deren Spitze seit 1862 General Robert E. Lee stand, gegen Ende des Krieges mit nahezu unbegrenzter Befehlsgewalt ausgestattet.
Die Nord-Virginia-Armee war das Herz der Südstaaten, die sich 1861 von der Union der amerikanischen Bundesstaaten abgespalten hatten, um einen eigenen Staatenbund zu gründen. Die Existenz dieses Bundes war mehr und mehr von der Existenz dieser Armee abhängig: Die konföderierte Regierung war längst aus Richmond geflohen, das konföderierte Parlament hatte sich aufgelöst, in einzelnen „Rebellenstaaten" herrschte bereits das Chaos des Untergangs
- da kämpfte die Armee noch immer, da hielt sie - selbst schon schwer angeschlagen, materiell nahezu auf dem Nullpunkt und personell auf einem Tiefststand - noch immer den Bund der Südstaaten formell aufrecht.
Da repräsentierte sie noch immer den Willen des amerikanischen Südens auf staatliche Unabhängigkeit.
Die Nord-Virginia-Armee zeigte in vier Kriegsjahren, die das Militärwesen nicht nur in Amerika, sondern allgemein entscheidend veränderten, erstaunliche Leistungen. Immer gegen eine materielle und mannschaftsmäßige Übermacht stehend, fügte sie der Hauptarmee der Nordstaaten-Union, der Potomac-Armee, immer wieder schwere, schmerzliche Niederlagen zu, weckte mehr als einmal die Hoffnung, der Süden könnte wider alle auf Zahlen basierende Logik
über die Nordstaaten triumphieren.

Die häufig kolportierten Behauptungen, die Armee der Südstaaten sei in jeder Beziehung besser gewesen als ihr nördlicher Gegenpart, der ausschließlich aufgrund, besserer Nachschubreserven obsiegt habe, ist natürlich nur eines
der vielen Klischees, die dem Amerikanischen Bürgerkrieg anhängen. Kein Zweifel: Ohne den ständig fließenden Nachschub an Waffen, Munition, Lebensmitteln und natürlich immer neuen Soldaten, hätte es für die Potomac-Armee des Nordens weitaus bitterer aussehen können. Trotzdem muß nüchtern festgestellt werden, daß der Ausbildungsstand beider gegnerischen Armeen lange Zeit durchaus  gleichwertig war, langfristig war die Ausbildung im Norden eher besser und wirksamer. Auch disziplinarisch gab es kaum Unterschiede, legt man die Desertionszahlen als Maßstab an. Die entscheidenden Unterschiede lagen nicht im formal-militärischen Bereich. Die Nord-Virginia-Armee verfügte zwar ganz zweifellos über die fähigeren Offiziere. Vor allem aber war der gemeine Soldat im Süden weitaus besser motiviert.  Hier liegt der Schlüssel für die Erfolge der numerisch und ausrüstungsmäßig schwächeren Armee der Südstaaten.
Die Überzeugung jedes einzelnen Südstaatlers, für die Freiheit gegen die Yankee-Tyrannei zu kämpfen, war so stark, daß sie manche anderen Mängel wettmachte. Der Führung der Nord-Virginia-Armee gelang es, diese starke Motivation effektiv zu nutzen und in überlegener Weise auf dem Schlachtfeld einzusetzen.
Das Ziel, für das im Süden gekämpft wurde, war wesentlich klarer und verständlicher für den einfachen Mann als dies im Norden der Fall war, wo die Einheit der Union, die Präsident Lincoln proklamierte, lange nicht so populär war wie im Süden die Idee von der staatlichen Unabhängigkeit.

Erst als mit den Jahren deutlich wurde, daß noch so entschiedener, selbstloser Einsatz gegen einen übermächtigen Gegner keinen Erfolg brachte, daß das eigene Land zunehmend ausblutete, daß die daheimgebliebenen Familien litten, daß große Teile der Südstaaten im Elend versanken, ohne daß dem Erfolg der eigenen Sache auch nur ein Zoll näherzukommen war, während in den Nordstaaten im allgemeinen das Leben weiterging wie zu Friedenszeiten,
zerbrach nach und nach die Hoffnung im Süden. Die hohe Moral verrann, der Widerstandsgeist erlahmte.
In dieser Phase begann die Materialüberlegenheit des Nordens wirklich zu greifen. Die fähigsten Heerführer der Südstaaten waren auf dem Schlachtfeld geblieben, die Autorität der politischen Führung war lange verfallen,
und mit dem rapiden Absinken der Bedeutung der Entscheidungen von Parlament und Regierung in der Bevölkerung, wuchs die Bedeutung des Oberkommandierenden Robert E. Lee und seiner Armee. Diese politische Führungsschwäche war vorprogrammiert gewesen: Einer der Hauptgründe für die Abkehr von der Union war das Beharren im Süden auf den weitreichenden Rechten der Einzelstaaten gegenüber der Zentralregierung in Washington gewesen.
Diese gemeinsame Zielsetzung hatte die konföderierten Staaten zusammengeführt, sie war aber zugleich ein Spaltpilz für den südlichen Staatenbund:
Während des gesamten Krieges tobten im Süden erbitterte Auseinandersetzungen zwischen den Regierungen der Einzelstaaten und der Regierung in Richmond. Diese Konflikte reichten bis in das Kabinett von Jefferson Davis.
Dieser geriet zunehmend in die Klemme zwischen den Erfordernissen einer Nation, die einen Krieg führte und größtmöglichen Zusammenhalt und einheitliche Entscheidungen benötigte, und den eigenen Überzeugungen,
daß die Zentralregierung keinen Staat bevormunden, bzw. für ihn Entscheidungen fällen sollte.

General Robert E. Lee
General Robert E. Lee

In zahlreichen Fällen weigerten sich die Einzelstaaten, Beschlüsse der Richmonder Regierung zu akzeptieren. Daran scheiterten etwa der dringend benötigte Ausbau und die effektive zentrale Verwaltung eines südlichen Eisenbahnnetzes.
Während Jefferson Davis jahrelang versuchte, beides auf einen Nenner zu bringen - die individuellen Empfindlichkeiten der Einzelstaaten und die gemeinschaftlichen Erfordernisse -, machte sich sein eigener Vize-Präsident, Alexander Stephens, zum vehementen Vorkämpfer gegen Entscheidungen der Regierung Davis, die vorgeblich keine Rücksicht auf die Rechte der Einzelstaaten nahmen. Eine unmögliche Situation, die dazu führte, daß viele wichtige Beschlüsse der konföderierten Regierung verzögert und zerredet wurden und ein Bild kleinlicher Zerrissenheit entstand, das angesichts der wirtschaftlichen Nöte, in die die Südstaaten zunehmend gerieten, Vertrauen kostete.

So war es nicht verwunderlich, daß die Bedeutung der Armee als geschlossene Einheit immer stärker wurde und Robert E. Lee
als Persönlichkeit, die sich jenseits des Parteienstreits hielt und allein der gemeinsamen Sache diente, unter Opferung eigenen Besitzes, in eine Führungsrolle gedrängt wurde, die er nie gewünscht hatte.
Im Nachhinein wurde die Nord-Virginia-Armee aufgrund ihrer hohen militärischen Leistungen und ihrer Funktion als Hoffnungsträger vielfach glorifiziert.

Dies ist, bei aller Anerkennung, natürlich unhistorisch. Die Volksheere, im Norden wie im Süden, stellten nicht nur zahlenmäßig eine neue Dimension im Militärwesen dar.
Die Art ihrer Rekrutierung und Organisation stellten die militärische Führung vor beträchtliche Probleme, die auch immer wieder zu inneren Schwächen führten.

Dietmar Kuegler

 

Einführung

 

„Kugeln und Granaten kamen dicht und schnell. Als wir die Kuppe des Hügels erreicht hatten, befanden wir uns in freier Sicht der Yankees,
und auf halbem Weg über das Feld begannen die Männer verwundet oder tot aus den Linien zu fallen. "

J. B. Polley, Private im 4th Texas Regiment, schrieb diese Zeilen über seinen Einsatz am 27. Juni 1862. Die „Schlacht der 7 Tage" war im vollen Gang, eine der größten Bedrohungen Richmonds, der Hauptstadt der Südstaaten, durch die nördliche Potomac-Armee unter General George B. McClellan.
Die Potomac-Armee war hervorragend ausgerüstet und vorbereitet, während die Konföderierten in dieser frühen Phase des Krieges mit beträchtlichen Problemen zu kämpfen hatten: Am 31. Mai war der Kommandant der Virginia-Truppen, General Joseph E. Johnston, in der Schlacht von Seven Pines schwer verwundet worden. Er empfahl dringend, General Robert E. Lee, zu diesem Zeitpunkt militärischer Berater von Präsident Jefferson Davis, zu seinem Nachfolger zu ernennen. Davis folgte diesem Rat am 3. Juni, und Robert E. Lee übernahm das Kommando über die angeschlagenen Truppen, die den Schutzgürtel um Richmond bildeten und die anstürmenden Unionssoldaten aufhalten und zurücktreiben sollten. Lee hatte sein Kommando mit einem Tagesbefehl angetreten, der mit den Worten endete: „Sieg oder Tod!"
Die Bewährungsprobe kam bald; denn die Nordarmee hatte einen Würgegriff um Richmond gelegt, den es zu sprengen galt.
Mitte Juni durchbrach die Virginia-Kavallerie unter J. E. B. Stuart die nördlichen Linien zu ihrem ersten großen „Raid" hinter die feindliche Front zur Ausforschung der Stellungen McClellans, zur Vernichtung von Nachschubgütern und Versorgungslinien, zur Erbeutung von Lebensmitteln und Munition. Die demoralisierende Wirkung auf die Unionssoldaten war beträchtlich.

Am 25. Juni traf das Korps „Stonewall" Jacksons nach Eilmärschen aus dem Shenandoah Valley ein, wo es starke Unionskontingente in Atem gehalten hatte, und griff sofort die Unionsstellungen auf dem linken Ufer
des Chickahominy River und bei Mechanicsville an. Die Südstaatler hatten damit unter Lees Führung die Offensive zurückgewonnen und bestimmten wieder das Gesetz des Handelns. Die erbitterte „Schlacht der 7 Tage" hatte begonnen.
Ein verzweifeltes Ringen, bei dem die konföderierten Streitkräfte mehrfach in Gefahr gerieten, dem zahlenmäßig überlegenen Gegner weichen zu müssen. Der Durchbruch der Potomac-Armee nach Richmond war greifbar nahe.
Aber die Entschlossenheit General Lees, seine Kaltblütigkeit, seine mitreißende Führerschaft, die die ausgelaugten Truppen in Grau immer wieder aufrichtete, zeigte sich der zaudernden Haltung McClellans und der Instabilität der Nordarmee, die sich zu sehr auf ihre Zahl und ihre bessere Ausrüstung verlassen hatte, überlegen.
Erstmals setzte sich in Lees Führungsstil das durch, was Militärstrategen die „Psychologie des Krieges" nennen, nämlich die Fähigkeit, dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen, ihn zu zermürben und ihn - trotz offensichtlicher Vorteile auf seiner Seite - glauben zu machen, daß er auf verlorenem Posten stehe. Selbst wenn die konföderierte Front wankte, blieb Lee von selbstgewisser Standfestigkeit, erteilte mit unerschütterlicher Ruhe seine Befehle und vermittelte seinen Mannschaften das Gefühl, selbst unter größtem Druck die Situation voll zu beherrschen.
Weder dieser starke Wille, noch die Nervenstärke fanden auf seiten des Nordens eine Entsprechung. Je entschlossener die Angriffe der Konföderierten wurden, desto mehr geriet McClellan in Panik, war schließlich fest davon überzeugt, daß Robert E. Lee mit weit überlegenen Truppenkontingenten angriff - obwohl die objektiven Zahlen das genaue Gegenteil belegten - und beschuldigte in hysterischen Ausfällen die Washingtoner Regierung, ihn und die Potomac-Armee im Stich gelassen zu haben.

Konföderierter Soldat

 

 

Regulärer konföderierter Soldat in selten kompletter Uniform.

Am 1. Juli befahl er den Truppen, die nicht ohnehin schon gewichen waren, den Rückzug.
Während dieser siebentägigen Kämpfe, die den Männern beider Seiten das Letzte abverlangten, bezeichnete Robert E. Lee die Truppen-kontingente vor Richmond erstmals als „Armee von Nord-Virginia".
Es war die Geburt der offiziellen Hauptarmee der Konföderierten Staaten, eine Geburt im Feuer, und Robert E. Lee sollte bis zum Ende des furchtbaren Bruderkrieges an ihrer Spitze stehen.
Private J. B. Polley schrieb über die blutigen Einsätze am 27. Juni 1862:

„Wir zogen an zwei Regimentern vorbei, angeblich Virginier, die sich im Schutz einer Bodenvertiefung befanden und anscheinend sowohl fürchteten vorzugehen als auch zurückzuweichen. Auf dem Gipfel des Hügels rief der (Texas-General) John B. Hood seine Befehle:
„Aufsetzen der Bajonette! Fertigmachen! Zielen! Feuer! Angriff!" Ein Waldstück verbarg den Feind vor unseren Blicken, aber wir drückten trotzdem ab, stürmten den Hügel hinunter, hinein und durch die Schützengräben der Yankees vor den Brustwehren. Diese warteten nicht auf unseren Angriff. Sie flüchteten wie eine Herde Schafe und rissen ihre Nachhut in zweiter und dritter Linie mit.
Während wir die Straße erreichten, die entlang der Hügelkuppe über dem Schützengraben verlief, schwenkten wir nach links.
Da sahen wir Truppenteile des Feindes in vollem Rückzug - aber sie waren so weit hinter uns, daß wir sie irrtümlich für unsere eigenen Truppen hielten und keinen Schuß auf sie abfeuerten. "

Zu diesem Zeitpunkt, als die „Armee von Nord-Virginia" ihren Namen erhielt, existierte sie bereits seit fast 1 Jahr, war kampferprobt und organisatorisch geformt. Entstanden war sie aus Kompanien und Regimentern einzelner Staaten,
die zusammengekommen waren, um für ihre Heimatstaaten zu kämpfen, die sich von der Union losgesagt hatten, und die neuen Konföderierten Staaten zu verteidigen. Am Anfang waren sie alles andere als eine besonders beeindruckende Truppe, vielmehr ein wild zusammengewürfelter Haufen von militärisch unerfahrenen Milizen, denen die einfachsten Grundlagen fehlten, in größeren Truppenverbänden auf den Schlachtfeldern eines „modernen Krieges", den sich zu diesem Zeitpunkt selbst die Offiziere nur schwer vorstellen konnten, mit langfristigem Erfolg eingesetzt zu werden.
Das sollte sich jedoch bald ändern.


Uniformen und Insignien

„Die Art und Weise, wie sich ein Regiment auf der Parade präsentiert, sein ganzes Erscheinungsbild, ist für das Auge eines Europäers bemerkenswert", schrieb ein englischer Kriegsbeobachter in den ersten Wochen nach Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges. „Viele Regimenter bestehen aus Kompanien, die Uniformen in verschiedenen Farben tragen. Allerdings tragen sie stets irgendein deutlich erkennbares Abzeichen, an denen sie für ihre eigenen Korps kenntlich sind. Dieser äußere Mangel, der die Folge davon ist, daß Kompanien aus den verschiedensten Gegenden zu Regimentern zusammengestellt werden, wird aber schnell beseitigt. Wir sahen zahlreiche Regimenter, die später eingetroffen waren. Deren Bekleidung war so, wie die Horse Guards es sich wünschen konnten."
Die konföderierte Armee war in ihrer Entstehung ein Spiegelbild der Gesellschaft, aus der sie hervorging. Sie war - wie auch die Armee im Norden - ein echtes Volksheer, in dem sich alle Bevölkerungsschichten wiederfanden. Mehr als das: Sie entsprach in ihrem Entstehen, in ihrem Aufbau, in ihrer Entwicklung ganz und gar dem Entstehen der Konföderierten Staaten.

Der südliche Staatenbund war eine Improvisation, geschaffen aus weitgehend selbständigen Einzelstaaten. Der erste konföderierte Außenminister antwortete auf die Frage, wo sich sein Ministerium befände, mit dem Satz:
„Unter meinem Hut." So war es auch mit der Armee: Es gab anfangs keine funktionierende Administration. Aber es gab die Milizen der Einzelstaaten, die schnellstmöglich zu den Waffen gerufen wurden und den Grundstock der Konföderierten Armee bildeten, lokale Kompanien und Regimenter, auf Gemeindeebene oder privat finanziert, die sich viel auf eigene Uniformen und Abzeichen zugute hielten, die sich von anderen Freiwilligentruppen natürlich unterschieden.
Da gab es wohlhabende, großzügige ausgestattete Truppen, die sich in der Vorkriegszeit vor allem durch schneidige Auftritte bei öffentlichen Paraden ins rechte Licht gesetzt hatten, wie das 1. Virginia-Regiment, wie die Washington-Artillerie aus Louisiana oder die Clinch Rifles aus Georgia. Neben schönen Uniformen und einheitlicher vollständiger Bewaffnung, verfügten diese Einheiten auch über eine Mindestausbildung.
Gleich zu Beginn des Krieges bildete sich zudem eine Vielzahl neuer Kompanien und Regimenter. Häufig organisiert von wohlhabenden Bürgern. Für sie war nichts gut genug. Sie hatten zwar keinerlei militärische Erfahrungen, aber sie hatten Geld, um sich hervorragend auszurüsten. So gaben die Georgia-Husaren 1861 für ihre Grundausstattung 25´000 Dollar aus.

CSA-Infanterist  

CSA-Infanterist, perfekt uniformiert und ausgerüstet. So sah schon nach wenigen Kriegsmonaten kein Soldat mehr aus.

 


Zugleich aber wurden für eine Dienstzeit von 12 Monaten Truppen organisiert, die durch die konföderierte Zentralregierung versorgt werden sollten. Allerdings gab es nicht genügend Ausrüstung, und bald häuften sich schriftliche Eingaben von Kompanieführern an die konföderierte Regierung - die in den ersten Wochen in Montgomery, Alabama, amtierte -,
in denen beklagt wurde, daß die Freiwilligen sich ihre eigene Bekleidung besorgen mußten.
Herkunft und soziale Stellung der Mannschaften bestimmte das äußere Bild. Städtische Truppen, die schon vor dem Krieg bestanden hatten, verfügten natürlich über gute Uniformen. Aber die Mehrheit der Armee bestand aus Männern aus ländlichen Gebieten, deren finanzielle Möglichkeiten begrenzt waren. Sie waren mit selbstgeschneiderten
Jacken und Hosen bekleidet. Ein englischer Beobachter notierte allerdings eine Gemeinsamkeit
„Neben der Enfield Rifle trugen die meisten gemeinen Soldaten in der Armee mindestens 1 Revolver und 1 Bowie-Messer.
Diese Waffen sind ausnahmslos poliert, gepflegt und in gutem Zustand."

Ein Veteran der „Richmond Howitzers", Francis McCarthy, erinnerte sich:
„Viele Soldaten, die furchtbare Mann-gegen-Mann-Gefechte erwarteten, trugen Revolver, sogar Bowie-Messer ... Revolver stellten sich bald als nutzloser, schwerer Ballast für den einfachen Soldaten heraus. Sie wurden schon bald nach Hause geschickt. "

Der Freiwillige von 1861 brachte aber auch andere Ausrüstungen mit ins Feld. McCarthy schrieb:


„Der Freiwillige von 1861 bereitete sich gründlich für den Felddienst vor. Stiefel, dachte er, seien eine absolute Notwendigkeit, und je schwerer die Sohle und je länger die Schäfte, um so besser.  Die Hosenbeine wurden selbstverständlich in die Stiefelschäfte gestopft ... Erfahrungen bewiesen bald, daß Stiefel auf einem langen Marsch unbequem waren. Sie waren schwer und lästig. Waren die Absätze auf einer Seite etwas abgenutzt, verrenkte sich der Träger beinahe bei jeder Unebenheit der Straße die Knöchel.  Waren sie durchnäßt, kostete es beträchtliche Mühe, sie auszuziehen und - noch schlimmer - sie schnell genug anzuziehen, um beim Morgenappell pünktlich anwesend zu sein.
Daher ersetzten gute, starke, derbe Schuhe mit breiter Sohle und großen, flachen Absätzen die Stiefel ... Ein zweireihiger, dick gefütterter Rock mit großen Messingknöpfen und langen Schößen war, wie geglaubt wurde, bequem. Bald nahm eine hüftkurze, einreihige Jacke allgemein den Platz des langschößigen Rocks ein.
Der Feind bemerkte diese Besonderheit und nannte die Konföderierten „Graujacken". Ein kleines, steifes Kepi mit schmalem Schild verdrängte den bequemen Filzhut oder Zylinder, der im Zivilleben getragen worden war ... Die Kepis hielten länger als andere unbequeme Uniformteile, aber schließlich gaben die Beschaffer den Forderungen der Vernunft nach, und es wurde statt dessen ein guter, weicher Filzhut getragen. "

Ein anderer Artillerist, der Kommandant der Stanton Artillery, schrieb Anfang 1861:
„Ich habe meine Männer in Harpers Ferry mit roten Flanellhemden versorgt, weil unsere Uniformen zu schön für das Lagerleben und den Felddienst waren."

Die neu eintreffenden Rekruten oder einzelne lokale Kompanien wurden rasch zu Regimentern zusammengestellt: 10 Kompanien bildeten 1 Regiment.
Jede Kompanie sollte bestehen aus:
1 Captain, 1 First Lieutenant, 1 Second Lieutenant, 1 Orderly oder First Sergeant, 4 Sergeants, 8 Corporals, 2 Musiker, 82 Privates (Gemeine)
Zum Stab eines Regiments gehörten:
1 Colonel, 1 Lieutenant Colonel, 1 Major, 1 Adjutant, 1 Quartiermeister, 1 Arzt nebst Assistent, außerdem 1 Stabsfeldwebel, 1 Quartermaster Sergeant, 1 Commissary Sergeant (Intendantur-Feldwebel), 1 Sanitäter.
Die meisten Regimenter nahmen außerdem Blaskapellen mit ins Feld. Allerdings verschlechterte sich deren Qualität zum letzten Kriegsjahr hin.
Die Konföderierte Armee versuchte, Regimenter stets in Kampfstärke zu erhalten und die Auflösung solcher Truppen, die starke Verluste erlitten hatten, zu vermeiden. Daher wurde in den Heimatgebieten der jeweiligen Regimenter permanent Rekrutenwerbung betrieben. Der regionale Bezug der Truppenteile blieb erhalten, in den Regimentern fand keine Entfremdung statt, es blieb für die Soldaten ein Heimatgefühl, und bis zum Ende des Krieges hielt sich durch diese Art der Organisation ein hoher Esprit de Corps. In Regimentern mit Feldtradition trafen neu geworbene Rekruten zudem auf erfahrene Veteranen, die ihnen beim Einsatz Sicherheit vermittelten.
So zogen schon im zweiten Kriegsjahr bei den Konföderierten keine Truppenkontingente mehr ins Feld, die völlig neu und kampfunerfahren waren.
Auch bei der Zusammenstellung von Regimentern zu Brigaden und Divisionen wurde nach Möglichkeit auf die Herkunft der Truppen Rücksicht genommen.

General Joseph Johnston schrieb im September 1861 über die Ist Virginia Kavallerie:

„Bis jetzt besteht das Regiment ausschließlich aus Virginiern. Dies sollte auch so bleiben, wenn es unbeschadet an derer Rücksichten möglich ist.
Der Stolz auf den eigenen Staat stellt einen großen Antrieb in der Armee dar, ein unbezahlbarer Wert für den Geist der Truppe und ihre Wirksamkeit."

CS-Infanterie, CS-Kavallerie, CS-Artillery

Rechts: Corporal der CS-Artillerie.
Mitte:
Sergeant der CS-Kavallerie.
Links:
First Lieutenant der CS-Infanterie.

So richtig diese Feststellung Johnston für die Leistung der einzelnen Einheit auch war - diese Form der Organisation schadete der Armee als Ganzes. Damit setzte sich die Isolation der Einzelstaaten, ihr Widerstand gegen eine übergreifende Organisation, in der Armee fort. Die Regimenter fühlten sich überwiegend nur ihrer Herkunftsregion verantwortlich, und die einzelnen Staaten waren nur an den Regimentern aus ihrem Bereich interessiert, statt am Wohl der gesamten Konföderierten Armee.

North Carolina lieferte dafür ein schlagendes Beispiel: Als die Nord-Virginia-Armee 1865 kapitulierte, liefen die meisten Soldaten fast barfuß herum und trugen nur noch Lumpen auf dem Leib.
In den Lagerhäusern von North Carolina aber befanden sich zu diesem Zeitpunkt 92´000 neue Uniformen - die allerdings ausschließlich an Soldaten aus North Carolina verteilt werden sollten.
Für weiteren Ärger sorgte die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht. Üblich war, daß die Freiwilligen, die sich nach Kriegsausbruch 1861 für 12 Monate verpflichtet hatten, nach Ablauf ihrer Dienstzeit zunächst nach Hause gingen, um ihre Familien zu besuchen. Sie waren damit theoretisch weg, verpflichteten sich aber in ihrer großen Mehrheit sofort oder einige Zeit später neu - wenn auch oft inanderen Kompanien und Regimentern.

Das Ergebnis war, wie ein Offizier aus Süd-Carolina es ausdrückte, „eine Störung der Organisation der Armee".
Daraufhin verabschiedete der Kongreß im April 1862 ein Dienstverpflichtungsgesetz, das unter anderem bestimmte, daß alle Männer zwischen 18 und 35 Jahren, die sich für ein Jahr eingeschrieben hatten, für die gesamte Dauer des Krieges Dienst zu leisten hätten.

Die Folge war eine enorme Verärgerung unter fast allen Soldaten. Jene große Masse, die sich ohnehin nach Ablauf ihrer ersten Rekrutierung neu hatte einschreiben wollen, fühlte sich brüskiert. Sie fühlte sich durch das Gesetz
um den Status der „Freiwilligkeit" beraubt. Das Gesetz erweckte den Eindruck, als müßten sie zum Dienst gezwungen werden. Hinzu kam, daß viele Freiwillige - der amerikanischen Tradition folgend - Berufssoldaten und Wehrpflichtigen mißtrauten. Die einen wurden für sklavische Befehlsempfänger gehalten, die anderen für Drückeberger, die per Gesetz an ihre patriotische Pflicht erinnert werden mußten. Mit diesen fühlten sich die Volunteers nun auf eine Stufe gestellt.
Der Entwurf einer Standard-Uniform war eine der ersten Aufgaben der Administration der neugeschaffenen Armee. Die in Richmond tagende Offizierskommission einigte sich auf einen Gehrock mit langen Schößen.

Alle konföderierten Generäle sollten, unabhängig von ihrem Grad, eine identische Uniform tragen. Für die Generäle wurde ein Rock entworfen mit „2 Knopfreihen auf der Brust, 8 Knöpfe in jeder Reihe, zu Paaren plaziert.
Der Abstand zwischen den beiden Reihen betrug 4 Zoll oben, 3 Zoll unten. Der Rock sollte einen Stehkragen haben, der gerade so hoch war, daß das Kinn darüber frei bewegt werden konnte.
Er sollte vorn an jeder Seite in einem Winkel von 30° nach unten abgeschrägt und zusammengehakt werden.
Die Manschetten sollten mit 3 kleinen Knöpfen versehen sein. Sie waren 2,5 Zoll breit; die Oberkante bildete in aufwärts steigender Linie eine Spitze, die 4 Zoll Abstand vom Ärmelende hatte.
Die Taschen befanden sich in den Falten des Rocks mit einem Knopf an der Hüfte und einem weiteren am Ende jeder Tasche. Auf dem Rükken und an den Schößen waren
4 Knöpfe. Die Hüftknöpfe befanden sich mit den untersten Knöpfen am Brustteil auf einer Höhe."

Alle anderen Offiziere sollten identische Röcke erhalten, allerdings mit nur 14 gleich plazierten Knöpfen. Die Manschetten anderer Ränge waren nur mit je 2 Knöpfen versehen. Deren Rockschöße hatten „einen schmalen Saum aus grauem Material". Für den Felddienst wurde vorgeschrieben: „Eine hellgraue Bluse mit aufgesetztem Brustteil mit 2 Reihen kleiner Knöpfe, 7 Stück in jeder Reihe, und einem schmalen, gefalteten Kragen."
Manschetten und Kragen hatten die jeweilige Waffenfarbe. Die Besatzstücke für Generaloffiziere, für die Offiziere des Adjutant Generals Department, des Quartermaster Generals Department, des Commissary Generals Department und der Ingenieure waren lederfarben.
Die Uniformröcke der Offiziere waren rundum gesäumt in der Besatzfarbe:

Medizinisches Department = Schwarz
Artillerie = Rot
Kavallerie = Gelb
Infanterie = Hellblau

Die Farbe der Hosen der Regimentsoffiziere war Himmelblau, für alle anderen Dunkelblau. Generäle hatten 2 Goldlitzen seitlich auf den Hosen, andere Offiziere hatten 1 Streifen.
Regimentsoffiziere trugen einen Streifen in der Waffenfarbe seitlich auf den Hosen. Als Kopfbedeckung war ursprünglich ein graues Kepi in französischer Form vorgesehen, das mit Pompons in den Farben der verschiedenen Waffengattungen versehen sein sollte. Am 24. Januar 1862 wurde die Kappe gewechselt. Noch immer handelte es sich um das französische Kepi, aber von einem dunkelblauen Band umgeben, die Seiten und die Krone trugen die Waffenfarbe.
Bei den unteren Rängen sollten die Kappen zusätzlich die Regimentsnummer in gelbem Metall auf der Vorderseite tragen. Die Kappen der Offiziere waren mit Goldlitze versehen. Generäle trugen 4, Regimentsoffiziere 3 Streifen,
Captains 2 und Lieutenants 1. Die Streifen befanden sich senkrecht jeweils vorn, hinten und an den Seiten der Kappe. Zusätzlich war das Oberteil mit Flechten bestickt, die dem Rang entsprechende Anzahl Streifen hatten.
In gleicher Weise wurden Litzen auf den Ärmeln des Offiziersrocks getragen. Sie hatten die Form eines „österreichischen Knotens".
Bei heißem Wetter wurde ein sogenannter „Havelock" getragen, ein weißer Kappenüberzug mit einem Schurz, der über den Nacken fiel und den Hinterkopf und das Genick vor der brennenden Sonne schützte.
Für die Winterzeit und bei starkem Regen war ein ähnlicher Überzug aus Ölhaut vorgesehen.

Standard-Uniformen der konföderierten Armee
Standard-Uniformen der konföderierten Armee.
Links und Mitte: Infanterie.
Rechts:
Kavallerie.

Während Havelocks anfangs recht beliebt waren, später aber zunehmend zweckentfremdet verwendet wurden (als Kaffeefilter), blieben die Ölhautüberzüge reine Phantasieprodukte der Uniformkommission. Aber dies traf auf die meisten Vorschläge zu, die für eine einheitliche Bekleidung der konföderierten Streitkräfte gemacht wurden. Wie in vielen anderen Dingen setzte sich auch hier der Wille der Einzelstaaten in starkem Maße durch, die längst eigene Uniformregulationen beschlossen hatten und ihre Regimenter entsprechend einkleideten. Andere, lange bestehende Regimenter, deren Tradition etwa bis in die Zeit des Unabhängigkeitskrieges zurückreichte, verfügten über individuelle Kleiderordnungen; sie ignorierten anderslautende Empfehlungen.

North Carolina hatte am 23. Mai 1861 Uniformvorschriften erlassen und leitete auch eine eigene Herstellung in die Wege. North-Carolina Offiziere trugen danach Gehröcke, für Generäle und Colonels zweireihig, für Captains und Lieutenants einreihig. Dunkelblau für den Generalstab, Grau für alle anderen Offiziere. Für alle unteren Ränge waren oberschenkellange Jacken aus grauem Tuch mit liegendem Kragen vorgeschrieben, sowie mit einer Innentasche auf jeder Seite
und 6 Knöpfen auf der Vorderseite. Die Waffenfarben waren in Form von Schulterstreifen vorgesehen, die jeweils vom Kragenrand bis zum Schultersaum reichten; dabei trug die Infanterie Schwarz, die Artillerie Rot und die Kavallerie Gelb. Musiker trugen horizontale Streifen in ihren Waffenfarben quer über der Brust.
Für Generäle waren blaue Hosen vorgesehen, für alle anderen graue Hosen mit Seitenbiesen in den Waffenfarben. Als Kopfbedeckungen dienten eine weiche Kepi-Version für den Felddienst und graue Filzhüte für die Parade. Die Offiziere trugen die gleichen Insignien wie die US-Armee. Die Unteroffiziere waren mit Armwinkeln gekennzeichnet.
Allerdings hatten auch die Uniformregeln der Staaten nur geringe bindende Kraft. Die Uniformierung richtete sich nach den materiellen und finanziellen Möglichkeiten und konnte daher die Kleiderordnung nur teilweise erfüllen. Das System der Insignien dagegen wurden generell im konföderierten Heer erfüllt.

A. J. L. Fremantle, ein Oberstleutnant der britischen Coldstream Guards, der sich 1863 als Beobachter in Amerika aufhielt, schrieb:

„Die Männer waren hochgewachsen, gesund und gut gekleidet, obwohl sie nicht versuchten, in Farbe und Schnitt Uniformität zu erreichen. Fast alle trugen aber entweder graue oder braune Röcke und Filzhüte. Mir wurde berichtet, daß selbst dann, wenn ein Regiment durch die Regierung einheitliche Uniformen erhielt, es binnen einer Woche verschiedene Farben zeigte, weil die Soldaten es vorzogen, Jacken und Hosen zu tragen, die ihre Mütter oder Sch wes tern daheim aus ra uh em, selbstgewebtem Stoff nähten. Die Generäle gaben ihnen die Erlaubnis dazu und achteten nur darauf, daß Waffen und Ausrüstungen in gutem Zustand gehalten wurden.
Die meisten Offiziere waren in ordentliche, praktische Uniformen gekleidet ... Im allgemeinen versuchten sie, mit der Uniformordnung konform zu gehen, aber der Felddienst nahm ihnen die angestrebte Eleganz.
Auch sie waren teilweise gezwungen, ihr Gepäck selbst auf dem Rücken in einem Tornister oder Rucksack mitzuschleppen, weil das für sie die einzige Möglichkeit war, sicherzugehen, daß sie ihre Wäsche zum Wechseln, ihre Decken usw. auch behielten. "

Der englische Militärbeobachter beschrieb, mit offensichtlicher Wonne über die Exotik des Anblicks, einen typischen konföderierten Soldaten:

„Rings um den oberen Teil des Kopfes verläuft ein Pony von struppigem Haar. Darüber ist ein alter, wollener, abgetragener, wettergebleichter Hut gestülpt,
dessen schlaffe Krempe hinten auf die Schultern fällt.  Vorn ist die Krempe zur Krone hochgesteckt. Über einem schmutzigen, am Kragen offenen Hemd trägt er einegraue, zerlumpte, knapp bis zur Hüfte reichende Jacke mit viel zu kurzen Ärmeln.
Die Hosen sind farb- und formlos und werden gehalten durch einen Ledergürtel, an dem eine Patronentasche befestigt ist. Sie ruht hinter der rechten Hüfte. Die Bajonetthülle hängt an der linken Seite. Über den Knöcheln sind die Hosenbeine fest zusammengebunden. Die schmutzigen Socken verschwinden in kurios verformten Schuhen . . .
Von der linken Schulter ausgehend ist quer über den Körper eine zerschlissene Deckenrolle gebunden. Das ist Johnny Rebs Bett."

Wie Colonel Fremantle berichtete, machten manche Soldaten, die geschickte Näherinnen in der Familie hatten, ein Geschäft daraus, hausgemachte Uniformteile zu verkaufen. Ein Virginier bestellte in einem Brief daheim eine größere Anzahl Unterhosen und Hosen, um sie seinen Kameraden, die weniger gut ausgestattet und mit der Ausrüstung durch die Armee unzufrieden waren, zu verkaufen.
Uniformen der Nordstaatler waren ebenfalls begehrt. Als in der Südstaatenarmee Schuhwerk knapp wurde, ging der Spruch um, daß ein „Yankee immer soviel wert war wie seine Schuhe". Auf den Schlachtfeldern wurden toten Unionssoldaten die Schuhe ausgezogen, und hier und da waren Truppenteile anzutreffen, die sich komplett mit Unionsuniformen versorgt hatten, eine Unart, die sich ausbreitete, je länger der Krieg dauerte und je verheerender die Versorgungslage im Süden wurde. Im Dezember 1864 mußte ein konföderierter Offizier die Verordnung erlassen, daß erbeutete Yankee-Uniformen sofort einzufärben seien, anderenfalls müsse er sie beschlagnahmen lassen;
denn es kam im Getümmel der Schlachten gelegentlich zu Verwechslungen, und es geschah, daß Südstaatler auf eigene Leute schossen, die die Uniformen des Feindes trugen - froh, überhaupt anständige Kleidung zu besitzen.

Rekrutenanwerbung in Woodstock, Virginia

 

Rekrutenanwerbung in Woodstock, Virginia.

 

Mit bitterem Sarkasmus schrieb ein Texaner 1864 nach Hause:

„In dieser Armee kennzeichnet ein Loch im Hosenboden einen Captain, zwei Löcher einen Lieutenant, und hat die Hose überhaupt keinen Boden mehr, hat man einen gemeinen Soldaten vor sich."

Von den „Richmond Howitzers" wurde berichtet, daß sie ihre Hosen mit roten Flanellflicken belegten, die zunächst Herzform hatten, bald aber ausgesprochen phantasievoll gestaltet wurden; man sah Hosen mit Flicken in Form von Adlern, Pferden, Krähen und Kanonen.

 

 

 

Der konföderierte Soldat

 

Das äußere Erscheinungsbild des konföderierten Soldaten litt nicht nur unter den differierenden, sich teilweise widersprechenden Uniformvorschriften der Zentralregierung und der Einzelstaaten, sowie den individuellen Gegebenheiten in den einzelnen Regimentern, sondern auch unter der Nachlässigkeit, mit der viele Kompanieoffiziere die Pflege der Ausrüstung überwachten.
Trotz der Ausgabe von Ersatzwäsche und -kleidungsstücken, liefen die meisten Soldaten zerlumpt und abgerissen herum. Grund dafür war, daß sie sich dagegen sträubten, die Ersatzbekleidung zusätzlich zur üblichen Ausrüstung mit sich zu tragen. Die Strapazen auf dem Marsch waren groß genug.

Francis McCarthy von den „Richmond Howitzers" erinnerte sich:

„Beim Aufbruch für einen Marsch warfen die Soldaten üblicherweise alles weg, was nicht unmittelbar notwendig war, darunter die wertvollsten Gegenstände wie Decken, Mäntel, Schuhe, Brot und Fleisch."

Diese teilweise unverantwortliche Haltung schuf Probleme für die ganze Armee. Im November 1863 beabsichtigte General Lee bei Mine Run ein ähnlich kühnes Umgehungsmanöver durchzuführen wie bei Chancellorsville, um die Unionsarmee aus ihren Stellungen zu vertreiben. Es war nicht möglich, weil seine Männer ihre auf dem Marsch lästigen Mäntel einfach weggeworfen hatten und für einen Stellungskampf im eisigen November-Wetter nicht mehr richtig ausgerüstet waren. Da auch die vorhandene Uniformierung schlecht gepflegt wurde, war die Kleidermisere der Konföderierten permanent.
Francis McCarthy schrieb:

„Es wurde wenig gewaschen, das war noch verständlich. Kaltes Wasser konnte die Kleidung nicht reinigen und das Ungeziefer, das sich darin festgesetzt hatte, nicht vernichten, heißes Wasser war nicht immer erhältlich."


Ein anderer Südstaatler schrieb 1862 nach Hause:

„Anscheinend ist in der ganzen Konföderation die Seife ausgegangen. Es ist deshalb fast unmöglich, saubere Kleidung zu erhalten.
Ich trage heute keine Unterhosen, da meine zwei Paare so schmutzig sind, daß ich sie nicht anziehen kann."

Ein Mann aus Georgia notierte 1864, daß mindestens die Hälfte seiner Kompanie für zwei Monate die Kleidung nicht gewechselt hatte. 1865 berichtete ein Texaner,
daß sein halbes Kommando seit vier oder fünf Monaten ununterbrochen dieselben Hemden trug. Angesichts dieser Verhältnisse verschlissen die vorhandenen Uniformen um so schneller.

Obwohl verschwitzt, verdreckt, zerlumpt, schrieb Francis McCarthy:


„Es war lästig, die Unterwäsche zu oft zu wechseln und den schweren Tornister zu tragen, der auf Rücken und Schultern scheuerte. Der einfachere Weg war es,
die vorhandene Kleidung aufzutragen, bis aus dem Tornister eines gefangenen oder toten Feindes Ersatz bezogen werden konnte oder bis die Familie von daheim
Nachschub lieferte. Die Soldaten sahen den Sinn nicht ein, saubere Ersatzkleidung mit sich herumzutragen, bis sie irgendwann gebraucht wurde."

Eine erstaunliche Haltung für die Nord-Virginia-Armee, die sich so großes Ansehen als kämpfende Truppe erwarb - aber dieses Ansehen stand im Gegensatz zur allgemeinen Disziplin. Grund dafür war, daß sehr viele Südstaatler niemals eine reguläre militärische Grundausbildung absolviert hatten, daher den Formaldienst nicht kannten und sich auch nicht dafür interessierten. „Manche Männer lüfteten den Hut zum Gruß, statt zu salutieren. Befehle wurden in lässigem Gesprächston gegeben."

Die Ruinen des Staatsarsenals von Richmond, Virginia.

Die Ruinen des Staatsarsenals von Richmond, Virginia.

Der britische Colonel Fremantle war von der Nonkonformität der Konföderierten angetan.

Er schrieb:

„Der Konföderierte zeigte keine Ambitionen, in irgendeiner Weise den regulären Soldaten zu imitieren. Er sieht aus wie ein echter Rebell. Aber trotz seiner bloßen Füße, seiner zerlumpten Kleidung, seiner alten Decke und seiner Zahnbürste, die wie eine Rose in einem Knopfloch steckt - diese Zahnbürste im Knopfloch ist eine weitverbreitete Sitte und hat ein höchstmerkwürdiges Aussehen -, hat er eine Art Verwegenheit, Waghalsigkeit und selbstsicheres Aussehen, das ihn einnehmend macht. "

Auf einer Parade beobachtete Fremantle, daß viele Soldaten wegen der Hitze ihre Röcke ausgezogen hatten und in Hemdsärmeln an dem General vorbeimarschierten.
Fremantle war beeindruckt von der Unabhängigkeit des konföderierten Soldaten:

 

„Es ist ihm egal, ob irgend jemandem sein Aussehen gefällt oder nicht. Er ist der unabhängigste Soldat, der jemals zu einer organisierten Armee gehört hat. Er respektiert Autorität und ordnet sich wohlgemut der Disziplin unter, er ist auch perfekt zu führen - wenn die Offiziere gut sind. Aber er ist schnell beleidigt, wenn ein Offizier unhöflich ist."

Auf Formaldisziplin wurde in vielen Truppenteilen wenig Wert gelegt. Man vertrat die Ansicht, daß die individuelle Leistung den Ordnungsmangel aufwog. Ein Offizier erklärte: „Die Stärke und Schlagkraft der südlichen Armee basiert auf der individuellen Entschlossenheit der Männer."
So sympathisch diese Einstellung auch war - sie erwies sich langfristig als verhängnisvoll. Undisziplinierte Verbände sind imstande, Schlachten zu gewinnen, aber keinen Krieg. Grundlage aussichtsreicher Kriegsführung von Truppenkontingenten ist geordnete Versorgung, ist sachgerechte Bekleidung und gute Ausrüstung, ist eine solide Ausbildung und natürlich strikte Disziplin. Nur so ist eine andauernde gleichbleibende Leistung möglich. Eine Armee, die nur auf das persönliche Engagement, die individuelle Leistungsfähigkeit des einzelnen Soldaten vertraut, setzt ihre Hoffnung in ein Strohfeuer.

Selbstkritisch mußte dies der Südstaaten-General Jubal Early zwei Monate vor Kriegsende einräumen:

„Viele Gelegenheiten wurden versäumt. Hunderte von wertvollen Leben wurden nutzlos geopfert, weil es an der Beachtung strenger Disziplin mangelte."

Im September 1864 beklagte Robert E. Lee:

„Es mangelt an dem Geist, der eine militärische Organisation durchdringen sollte, Befehlen mit Respekt und Gehorsam zu begegnen ...
Würden die Befehle rigoros durchgeführt, würden in jeder Schlacht Tausende von Musketen mehr zu hören sein, die jetzt niemals abgefeuert werden."

Es war allerdings für die Kompanieoffiziere schon schwierig genug, nur ein Mindestmaß an innerer Ordnung aufrechtzuerhalten.

Francis McCarthy berichtete:

„Das Seltsame beim konföderierten Soldaten war, daß er immer bereit war, zu kämpfen, aber niemals, sich der routinemäßigen Pflicht und Disziplin im Camp oder auf dem Marsch zu unterwerfen. Die Soldaten taten ihre Pflicht nur aus Liebe zur Sache, so wie sie es für das Beste hielten. Die Offiziere sahen die Notwendigkeit zur Veränderung,
aber der Konflikt blieb bis zum Ende ungelöst. "

Katcher kolportiert eine Anekdote, die ein bezeichnendes Bild auf das Verhältnis zwischen Soldat und Offizier warf.
General Wigfall, der Kommandant der texanischen Truppen, fand einen Wachtposten auf einem Stapel Kisten liegend, die Muskete an einen Baum in der Nähe gelehnt.
Er fragte ihn, was er hier mache.

„Ich passe nur ein wenig auf diese Sachen auf", antwortete der Soldat, ohne sich zu erheben.
„Wissen Sie, wer ich bin, Sir?" fragte der General.
„Ich glaube, ich kenne Ihr Gesicht, aber ihr Name fällt mir nicht ein. Wer sind Sie?"
„Ich bin General Wigfall."
Ohne sich zu erheben, streckte der Soldat seine Hand aus: „General, ich bin erfreut, Sie zu treffen. Mein Name ist Jones."

Die Autorität der Offiziere war begrenzt, was mit dem System der Wahl der Führer auf Kompaniebene zusammenhing. Zwar gab es ab 1862 Eignungsprüfungen, doch spielte die persönliche Popularität des Offiziers eine wichtige Rolle, seine Position zu erhalten. Da Freiwillige, die sich nach Ablauf ihrer ersten Verpflichtung neu einschreiben wollten, die Möglichkeit hatten, die Truppenteile zu wechseln, geschah es nicht selten, daß Offiziere, die auf strenge Disziplin achteten, nach und nach ihre Soldaten loswurden, die in andere Kompanien und Regimenter abwanderten.
Offiziere fremder Nationalität oder solche, die einer Glaubensminderheit angehörten, konnten ihre Autorität nur mit äußerster Mühe durchsetzen. Ein jüdischer Colonel mußte das Kommando über ein texanisches Regiment nach wenigen Tagen abgeben, da die Soldaten seine Befehle ignorierten.
Es gab generell ein tiefverwurzeltes Mißtrauen gegen Autoritäten, das zu regelrechtem Haß wurde, je länger der Krieg dauerte und je hoffnungsloser die Lage wurde.

„Die Offiziere sind diejenigen, die graue Röcke und Messingknöpfe tragen", bemerkte ein Soldat aus Texas in einem Brief.
„Sie leben besser und sind besser gekleidet als vor dem Krieg.
Man kann sie nicht tadeln, daß sie den Krieg so lange wie möglich führen wollen. Die meisten von ihnen sind nicht in Gefahr, sie sind immer hinten."

Konföderierte Pulverfabrik in Augusta, Georgia


Die konföderierte Pulverfabrik in Augusta, Georgia.

 

Dies war objektiv falsch, was mit einem Blick auf die Verluststatistiken gerade der oberen Ränge des konföderierten Offizierskorps nachzuweisen ist.
Aber der persönliche Eindruck zählte mehr.
Grund für die wachsende Abneigung zwischen von gemeinen Soldaten und höheren Rängen war auch, daß Regimentsoffiziere einfache Soldaten oft schlecht behandelten.

„Sie behandeln uns wie Neger", schrieben viele nach Hause.
Mit dem Vordringen der Unionsarmee, gerieten die daheimgebliebenen Familien vieler Soldaten zunehmend unter Druck. Damit verlor sich nach und nach auch die vordem hohe Moral der konföderierten Soldaten.
Die Neigung zur Desertion wuchs. Viele kehrten aus dem Urlaub nicht mehr zurück, um ihren Familien beizustehen. Andere stellten fest, daß in Gebieten, die bereits vom Norden besetzt waren, die Versorgung besser funktionierte als in der verzweifelt kämpfenden Armee.
Ein Colonel der Artillerie berichtete über zwei Soldaten, die tapfer gefochten hatten, bei ihrem Heimaturlaub aber feststellten, daß sich rings um ihr Farmland inzwischen Unionsstellungen befanden, ihre Familien ausreichend Lebensmittel hatten und die Erzeugnisse ihrer Farmen sich bestens an Unionssoldaten verkaufen ließen.
Sie sahen keinen Sinn mehr darin, erneut das entbehrungsreiche Feldleben auf sich zu nehmen. Sie leisteten den Treueeid auf die Union und blieben zu Hause. In den Regimentsstäben häuften sich mit Dauer des Krieges die Gesuche um Freistellung, um Ehefrauen und Kinder daheim unterstützen zu können.

Im Februar 1865 schätzte der Superintendant des konföderierten Rekrutierungsdepartments die Zahl der Deserteure auf 100´000. (Laut Statistik gab es während des gesamten Krieges in der Südstaatenarmee nahezu 200´000 Desertionen.)
Der letzte Appell der Armee von Nord-Virginia zeigte 160´198 Mann einsatzbereit - 198´494 abwesend.

Ein Soldat aus Alabama, der bis zur letzten Minute unter der konföderierten Battle Flag kämpfte, schrieb erbittert nach Hause:

„Was war der Grund für die Niederlage?
Drückeberger, Feiglinge, Kriegsgewinnler und Deserteure - nicht die Yankees.
Das macht es nur noch schlimmer. "

Dieses, von persönlicher Enttäuschung geprägte Bild, war natürlich so nicht richtig, die Ursachen für den Kriegsausgang waren weitreichender, aber der Bericht zeigte,
in welchem Zustand sich die Armee des Südens in der letzten Phase des Konflikts befand.

 

 

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