
Mit
freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes:
Quellennachweis der Abbildungen:
© Dietmar Kuegler, Serientitel: NORD &
SÜD
1988, - Die
Nord-Virginia-Armee -
sowie Veröffentlichungen
der Kongreßbibliothek der USA (LOC) und des US Nationalarchiv
(NARA)

Die
Nord-Virginia-Armee
Vorwort
Die Konföderierten
Staaten von Amerika hatten eine Hauptstadt, Richmond in Virginia.
Hier tagte das Parlament, hier amtierte die Regierung unter Präsident
Jefferson Davis. Aber je länger der Amerikanische Bürgerkrieg
dauerte,
je mehr sich schließlich das Blatt zugunsten der Nordstaaten
wendete, desto stärker verlagerte sich das eigentliche Entscheidungszentrum
der Südstaaten von Richmond weg ins Hauptquartier der Nord-Virginia-Armee,
des Kernstücks der militärischen Streitmacht der Konföderation,
an deren Spitze seit 1862 General Robert E. Lee stand, gegen Ende
des Krieges mit nahezu unbegrenzter Befehlsgewalt ausgestattet.
Die Nord-Virginia-Armee war das Herz der Südstaaten, die sich
1861 von der Union der amerikanischen Bundesstaaten abgespalten hatten,
um einen eigenen Staatenbund zu gründen. Die Existenz dieses
Bundes war mehr und mehr von der Existenz dieser Armee abhängig:
Die konföderierte Regierung war längst aus Richmond geflohen,
das konföderierte Parlament hatte sich aufgelöst, in einzelnen
„Rebellenstaaten" herrschte bereits das Chaos des Untergangs
- da kämpfte die Armee noch immer, da hielt sie - selbst schon
schwer angeschlagen, materiell nahezu auf dem Nullpunkt und personell
auf einem Tiefststand - noch immer den Bund der Südstaaten formell
aufrecht.
Da repräsentierte sie noch immer den Willen des amerikanischen
Südens auf staatliche Unabhängigkeit.
Die Nord-Virginia-Armee zeigte in vier Kriegsjahren, die das Militärwesen
nicht nur in Amerika, sondern allgemein entscheidend veränderten,
erstaunliche Leistungen. Immer gegen eine materielle und mannschaftsmäßige
Übermacht stehend, fügte sie der Hauptarmee der Nordstaaten-Union,
der Potomac-Armee, immer wieder schwere, schmerzliche Niederlagen
zu, weckte mehr als einmal die Hoffnung, der Süden könnte
wider alle auf Zahlen basierende Logik
über die Nordstaaten triumphieren.
Die häufig
kolportierten Behauptungen, die Armee der Südstaaten sei in jeder
Beziehung besser gewesen als ihr nördlicher Gegenpart, der ausschließlich
aufgrund, besserer Nachschubreserven obsiegt habe, ist natürlich
nur eines
der vielen Klischees, die dem Amerikanischen Bürgerkrieg anhängen.
Kein Zweifel: Ohne den ständig fließenden Nachschub an
Waffen, Munition, Lebensmitteln und natürlich immer neuen Soldaten,
hätte es für die Potomac-Armee des Nordens weitaus bitterer
aussehen können. Trotzdem muß nüchtern festgestellt
werden, daß der Ausbildungsstand beider gegnerischen Armeen
lange Zeit durchaus gleichwertig war, langfristig war die Ausbildung
im Norden eher besser und wirksamer. Auch disziplinarisch gab es kaum
Unterschiede, legt man die Desertionszahlen als Maßstab an.
Die entscheidenden Unterschiede lagen nicht im formal-militärischen
Bereich. Die Nord-Virginia-Armee verfügte zwar ganz zweifellos
über die fähigeren Offiziere. Vor allem aber war der gemeine
Soldat im Süden weitaus besser motiviert. Hier liegt der
Schlüssel für die Erfolge der numerisch und ausrüstungsmäßig
schwächeren Armee der Südstaaten.
Die Überzeugung jedes einzelnen Südstaatlers, für die
Freiheit gegen die Yankee-Tyrannei zu kämpfen, war so stark,
daß sie manche anderen Mängel wettmachte. Der Führung
der Nord-Virginia-Armee gelang es, diese starke Motivation effektiv
zu nutzen und in überlegener Weise auf dem Schlachtfeld einzusetzen.
Das Ziel, für das im Süden gekämpft wurde, war wesentlich
klarer und verständlicher für den einfachen Mann als dies
im Norden der Fall war, wo die Einheit der Union, die Präsident
Lincoln proklamierte, lange nicht so populär war wie im Süden
die Idee von der staatlichen Unabhängigkeit.
Erst als mit den
Jahren deutlich wurde, daß noch so entschiedener, selbstloser
Einsatz gegen einen übermächtigen Gegner keinen Erfolg brachte,
daß das eigene Land zunehmend ausblutete, daß die daheimgebliebenen
Familien litten, daß große Teile der Südstaaten im
Elend versanken, ohne daß dem Erfolg der eigenen Sache auch
nur ein Zoll näherzukommen war, während in den Nordstaaten
im allgemeinen das Leben weiterging wie zu Friedenszeiten,
zerbrach nach und nach die Hoffnung im Süden. Die hohe Moral
verrann, der Widerstandsgeist erlahmte.
In dieser Phase begann die Materialüberlegenheit des Nordens
wirklich zu greifen. Die fähigsten Heerführer der Südstaaten
waren auf dem Schlachtfeld geblieben, die Autorität der politischen
Führung war lange verfallen,
und mit dem rapiden Absinken der Bedeutung der Entscheidungen von
Parlament und Regierung in der Bevölkerung, wuchs die Bedeutung
des Oberkommandierenden Robert E. Lee und seiner Armee. Diese politische
Führungsschwäche war vorprogrammiert gewesen: Einer der
Hauptgründe für die Abkehr von der Union war das Beharren
im Süden auf den weitreichenden Rechten der Einzelstaaten gegenüber
der Zentralregierung in Washington gewesen.
Diese gemeinsame Zielsetzung hatte die konföderierten Staaten
zusammengeführt, sie war aber zugleich ein Spaltpilz für
den südlichen Staatenbund:
Während des gesamten Krieges tobten im Süden erbitterte
Auseinandersetzungen zwischen den Regierungen der Einzelstaaten und
der Regierung in Richmond. Diese Konflikte reichten bis in das Kabinett
von Jefferson Davis.
Dieser geriet zunehmend in die Klemme zwischen den Erfordernissen
einer Nation, die einen Krieg führte und größtmöglichen
Zusammenhalt und einheitliche Entscheidungen benötigte, und den
eigenen Überzeugungen,
daß die Zentralregierung keinen Staat bevormunden, bzw. für
ihn Entscheidungen fällen sollte.

General Robert E.
Lee
In zahlreichen
Fällen weigerten sich die Einzelstaaten, Beschlüsse der
Richmonder Regierung zu akzeptieren. Daran scheiterten etwa der dringend
benötigte Ausbau und die effektive zentrale Verwaltung eines
südlichen Eisenbahnnetzes.
Während Jefferson Davis jahrelang versuchte, beides auf einen
Nenner zu bringen - die individuellen Empfindlichkeiten der Einzelstaaten
und die gemeinschaftlichen Erfordernisse -, machte sich sein eigener
Vize-Präsident, Alexander Stephens, zum vehementen Vorkämpfer
gegen Entscheidungen der Regierung Davis, die vorgeblich keine Rücksicht
auf die Rechte der Einzelstaaten nahmen. Eine unmögliche Situation,
die dazu führte, daß viele wichtige Beschlüsse der
konföderierten Regierung verzögert und zerredet wurden und
ein Bild kleinlicher Zerrissenheit entstand, das angesichts der wirtschaftlichen
Nöte, in die die Südstaaten zunehmend gerieten, Vertrauen
kostete.
So war es nicht
verwunderlich, daß die Bedeutung der Armee als geschlossene
Einheit immer stärker wurde und Robert E. Lee
als Persönlichkeit, die sich jenseits des Parteienstreits hielt
und allein der gemeinsamen Sache diente, unter Opferung eigenen Besitzes,
in eine Führungsrolle gedrängt wurde, die er nie gewünscht
hatte.
Im Nachhinein wurde die Nord-Virginia-Armee aufgrund ihrer hohen militärischen
Leistungen und ihrer Funktion als Hoffnungsträger vielfach glorifiziert.
Dies ist, bei
aller Anerkennung, natürlich unhistorisch. Die Volksheere, im
Norden wie im Süden, stellten nicht nur zahlenmäßig
eine neue Dimension im Militärwesen dar.
Die Art ihrer Rekrutierung und Organisation stellten die militärische
Führung vor beträchtliche Probleme, die auch immer wieder
zu inneren Schwächen führten.
Dietmar Kuegler
Einführung
„Kugeln
und Granaten kamen dicht und schnell. Als wir die Kuppe des Hügels
erreicht hatten, befanden wir uns in freier Sicht der Yankees,
und auf halbem Weg über das Feld begannen die Männer verwundet
oder tot aus den Linien zu fallen. "
J. B. Polley,
Private im 4th Texas Regiment, schrieb diese Zeilen über seinen
Einsatz am 27. Juni 1862. Die „Schlacht der 7 Tage" war
im vollen Gang, eine der größten Bedrohungen Richmonds,
der Hauptstadt der Südstaaten, durch die nördliche Potomac-Armee
unter General George B. McClellan.
Die Potomac-Armee war hervorragend ausgerüstet und vorbereitet,
während die Konföderierten in dieser frühen Phase des
Krieges mit beträchtlichen Problemen zu kämpfen hatten:
Am 31. Mai war der Kommandant der Virginia-Truppen, General Joseph
E. Johnston, in der Schlacht von Seven Pines schwer verwundet worden.
Er empfahl dringend, General Robert E. Lee, zu diesem Zeitpunkt militärischer
Berater von Präsident Jefferson Davis, zu seinem Nachfolger zu
ernennen. Davis folgte diesem Rat am 3. Juni, und Robert E. Lee übernahm
das Kommando über die angeschlagenen Truppen, die den Schutzgürtel
um Richmond bildeten und die anstürmenden Unionssoldaten aufhalten
und zurücktreiben sollten. Lee hatte sein Kommando mit einem
Tagesbefehl angetreten, der mit den Worten endete: „Sieg oder
Tod!"
Die Bewährungsprobe kam bald; denn die Nordarmee hatte einen
Würgegriff um Richmond gelegt, den es zu sprengen galt.
Mitte Juni durchbrach die Virginia-Kavallerie unter J. E. B. Stuart
die nördlichen Linien zu ihrem ersten großen „Raid"
hinter die feindliche Front zur Ausforschung der Stellungen McClellans,
zur Vernichtung von Nachschubgütern und Versorgungslinien, zur
Erbeutung von Lebensmitteln und Munition. Die demoralisierende Wirkung
auf die Unionssoldaten war beträchtlich.
Am
25. Juni traf das Korps „Stonewall" Jacksons nach Eilmärschen
aus dem Shenandoah Valley ein, wo es starke Unionskontingente in Atem
gehalten hatte, und griff sofort die Unionsstellungen auf dem linken
Ufer
des Chickahominy River und bei Mechanicsville an. Die Südstaatler
hatten damit unter Lees Führung die Offensive zurückgewonnen
und bestimmten wieder das Gesetz des Handelns. Die erbitterte „Schlacht
der 7 Tage" hatte begonnen.
Ein verzweifeltes Ringen, bei dem die konföderierten Streitkräfte
mehrfach in Gefahr gerieten, dem zahlenmäßig überlegenen
Gegner weichen zu müssen. Der Durchbruch der Potomac-Armee nach
Richmond war greifbar nahe.
Aber die Entschlossenheit General Lees, seine Kaltblütigkeit,
seine mitreißende Führerschaft, die die ausgelaugten Truppen
in Grau immer wieder aufrichtete, zeigte sich der zaudernden Haltung
McClellans und der Instabilität der Nordarmee, die sich zu sehr
auf ihre Zahl und ihre bessere Ausrüstung verlassen hatte, überlegen.
Erstmals setzte sich in Lees Führungsstil das durch, was Militärstrategen
die „Psychologie des Krieges" nennen, nämlich die
Fähigkeit, dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen, ihn zu
zermürben und ihn - trotz offensichtlicher Vorteile auf seiner
Seite - glauben zu machen, daß er auf verlorenem Posten stehe.
Selbst wenn die konföderierte Front wankte, blieb Lee von selbstgewisser
Standfestigkeit, erteilte mit unerschütterlicher Ruhe seine Befehle
und vermittelte seinen Mannschaften das Gefühl, selbst unter
größtem Druck die Situation voll zu beherrschen.
Weder dieser starke Wille, noch die Nervenstärke fanden auf seiten
des Nordens eine Entsprechung. Je entschlossener die Angriffe der
Konföderierten wurden, desto mehr geriet McClellan in Panik,
war schließlich fest davon überzeugt, daß Robert
E. Lee mit weit überlegenen Truppenkontingenten angriff - obwohl
die objektiven Zahlen das genaue Gegenteil belegten - und beschuldigte
in hysterischen Ausfällen die Washingtoner Regierung, ihn und
die Potomac-Armee im Stich gelassen zu haben.

Regulärer
konföderierter Soldat in selten kompletter Uniform.
Am 1. Juli befahl
er den Truppen, die nicht ohnehin schon gewichen waren, den Rückzug.
Während dieser siebentägigen Kämpfe, die den Männern
beider Seiten das Letzte abverlangten, bezeichnete Robert E. Lee die
Truppen-kontingente vor Richmond erstmals als „Armee von Nord-Virginia".
Es war die Geburt der offiziellen Hauptarmee der Konföderierten
Staaten, eine Geburt im Feuer, und Robert E. Lee sollte bis zum Ende
des furchtbaren Bruderkrieges an ihrer Spitze stehen.
Private J. B. Polley schrieb über die blutigen Einsätze
am 27. Juni 1862:
„Wir zogen an zwei Regimentern vorbei, angeblich Virginier,
die sich im Schutz einer Bodenvertiefung befanden und anscheinend
sowohl fürchteten vorzugehen als auch zurückzuweichen. Auf
dem Gipfel des Hügels rief der (Texas-General) John B. Hood seine
Befehle:
„Aufsetzen der Bajonette! Fertigmachen! Zielen! Feuer! Angriff!"
Ein Waldstück verbarg den Feind vor unseren Blicken, aber wir
drückten trotzdem ab, stürmten den Hügel hinunter,
hinein und durch die Schützengräben der Yankees vor den
Brustwehren. Diese warteten nicht auf unseren Angriff. Sie flüchteten
wie eine Herde Schafe und rissen ihre Nachhut in zweiter und dritter
Linie mit.
Während wir die Straße erreichten, die entlang der Hügelkuppe
über dem Schützengraben verlief, schwenkten wir nach links.
Da sahen wir Truppenteile des Feindes in vollem Rückzug - aber
sie waren so weit hinter uns, daß wir sie irrtümlich für
unsere eigenen Truppen hielten und keinen Schuß auf sie abfeuerten.
"
Zu
diesem Zeitpunkt, als die „Armee von Nord-Virginia" ihren
Namen erhielt, existierte sie bereits seit fast 1 Jahr, war kampferprobt
und organisatorisch geformt. Entstanden war sie aus Kompanien und
Regimentern einzelner Staaten,
die zusammengekommen waren, um für ihre Heimatstaaten zu kämpfen,
die sich von der Union losgesagt hatten, und die neuen Konföderierten
Staaten zu verteidigen. Am Anfang waren sie alles andere als eine
besonders beeindruckende Truppe, vielmehr ein wild zusammengewürfelter
Haufen von militärisch unerfahrenen Milizen, denen die einfachsten
Grundlagen fehlten, in größeren Truppenverbänden auf
den Schlachtfeldern eines „modernen Krieges", den sich
zu diesem Zeitpunkt selbst die Offiziere nur schwer vorstellen konnten,
mit langfristigem Erfolg eingesetzt zu werden.
Das sollte sich jedoch bald ändern.
Uniformen
und Insignien
„Die Art
und Weise, wie sich ein Regiment auf der Parade präsentiert,
sein ganzes Erscheinungsbild, ist für das Auge eines Europäers
bemerkenswert", schrieb ein englischer Kriegsbeobachter in den
ersten Wochen nach Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges. „Viele
Regimenter bestehen aus Kompanien, die Uniformen in verschiedenen
Farben tragen. Allerdings tragen sie stets irgendein deutlich erkennbares
Abzeichen, an denen sie für ihre eigenen Korps kenntlich sind.
Dieser äußere Mangel, der die Folge davon ist, daß
Kompanien aus den verschiedensten Gegenden zu Regimentern zusammengestellt
werden, wird aber schnell beseitigt. Wir sahen zahlreiche Regimenter,
die später eingetroffen waren. Deren Bekleidung war so, wie die
Horse Guards es sich wünschen konnten."
Die konföderierte Armee war in ihrer Entstehung ein Spiegelbild
der Gesellschaft, aus der sie hervorging. Sie war - wie auch die Armee
im Norden - ein echtes Volksheer, in dem sich alle Bevölkerungsschichten
wiederfanden. Mehr als das: Sie entsprach in ihrem Entstehen, in ihrem
Aufbau, in ihrer Entwicklung ganz und gar dem Entstehen der Konföderierten
Staaten.
Der südliche
Staatenbund war eine Improvisation, geschaffen aus weitgehend selbständigen
Einzelstaaten. Der erste konföderierte Außenminister antwortete
auf die Frage, wo sich sein Ministerium befände, mit dem Satz:
„Unter meinem Hut." So war es auch mit der Armee: Es gab
anfangs keine funktionierende Administration. Aber es gab die Milizen
der Einzelstaaten, die schnellstmöglich zu den Waffen gerufen
wurden und den Grundstock der Konföderierten Armee bildeten,
lokale Kompanien und Regimenter, auf Gemeindeebene oder privat finanziert,
die sich viel auf eigene Uniformen und Abzeichen zugute hielten, die
sich von anderen Freiwilligentruppen natürlich unterschieden.
Da gab es wohlhabende, großzügige ausgestattete Truppen,
die sich in der Vorkriegszeit vor allem durch schneidige Auftritte
bei öffentlichen Paraden ins rechte Licht gesetzt hatten, wie
das 1. Virginia-Regiment, wie die Washington-Artillerie aus Louisiana
oder die Clinch Rifles aus Georgia. Neben schönen Uniformen und
einheitlicher vollständiger Bewaffnung, verfügten diese
Einheiten auch über eine Mindestausbildung.
Gleich zu Beginn des Krieges bildete sich zudem eine Vielzahl neuer
Kompanien und Regimenter. Häufig organisiert von wohlhabenden
Bürgern. Für sie war nichts gut genug. Sie hatten zwar keinerlei
militärische Erfahrungen, aber sie hatten Geld, um sich hervorragend
auszurüsten. So gaben die Georgia-Husaren 1861 für ihre
Grundausstattung 25´000 Dollar aus.
CSA-Infanterist,
perfekt uniformiert und ausgerüstet. So sah schon nach wenigen
Kriegsmonaten kein Soldat mehr aus.
Zugleich aber wurden für eine Dienstzeit von 12 Monaten Truppen
organisiert, die durch die konföderierte Zentralregierung versorgt
werden sollten. Allerdings gab es nicht genügend Ausrüstung,
und bald häuften sich schriftliche Eingaben von Kompanieführern
an die konföderierte Regierung - die in den ersten Wochen in
Montgomery, Alabama, amtierte -,
in denen beklagt wurde, daß die Freiwilligen sich ihre eigene
Bekleidung besorgen mußten.
Herkunft und soziale Stellung der Mannschaften bestimmte das äußere
Bild. Städtische Truppen, die schon vor dem Krieg bestanden hatten,
verfügten natürlich über gute Uniformen. Aber die Mehrheit
der Armee bestand aus Männern aus ländlichen Gebieten, deren
finanzielle Möglichkeiten begrenzt waren. Sie waren mit selbstgeschneiderten
Jacken und Hosen bekleidet. Ein englischer Beobachter notierte allerdings
eine Gemeinsamkeit
„Neben der Enfield Rifle trugen die meisten gemeinen Soldaten
in der Armee mindestens 1 Revolver und 1 Bowie-Messer.
Diese Waffen sind ausnahmslos poliert, gepflegt und in gutem Zustand."
Ein Veteran der
„Richmond Howitzers", Francis McCarthy, erinnerte sich:
„Viele Soldaten, die furchtbare Mann-gegen-Mann-Gefechte
erwarteten, trugen Revolver, sogar Bowie-Messer ... Revolver stellten
sich bald als nutzloser, schwerer Ballast für den einfachen Soldaten
heraus. Sie wurden schon bald nach Hause geschickt. "
Der Freiwillige
von 1861 brachte aber auch andere Ausrüstungen mit ins Feld.
McCarthy schrieb:
„Der Freiwillige von 1861 bereitete sich gründlich für
den Felddienst vor. Stiefel, dachte er, seien eine absolute Notwendigkeit,
und je schwerer die Sohle und je länger die Schäfte, um
so besser. Die Hosenbeine wurden selbstverständlich in
die Stiefelschäfte gestopft ... Erfahrungen bewiesen bald, daß
Stiefel auf einem langen Marsch unbequem waren. Sie waren schwer und
lästig. Waren die Absätze auf einer Seite etwas abgenutzt,
verrenkte sich der Träger beinahe bei jeder Unebenheit der Straße
die Knöchel. Waren sie durchnäßt, kostete es
beträchtliche Mühe, sie auszuziehen und - noch schlimmer
- sie schnell genug anzuziehen, um beim Morgenappell pünktlich
anwesend zu sein.
Daher ersetzten gute, starke, derbe Schuhe mit breiter Sohle und großen,
flachen Absätzen die Stiefel ... Ein zweireihiger, dick gefütterter
Rock mit großen Messingknöpfen und langen Schößen
war, wie geglaubt wurde, bequem. Bald nahm eine hüftkurze, einreihige
Jacke allgemein den Platz des langschößigen Rocks ein.
Der Feind bemerkte diese Besonderheit und nannte die Konföderierten
„Graujacken". Ein kleines, steifes Kepi mit schmalem Schild
verdrängte den bequemen Filzhut oder Zylinder, der im Zivilleben
getragen worden war ... Die Kepis hielten länger als andere unbequeme
Uniformteile, aber schließlich gaben die Beschaffer den Forderungen
der Vernunft nach, und es wurde statt dessen ein guter, weicher Filzhut
getragen. "
Ein anderer Artillerist,
der Kommandant der Stanton Artillery, schrieb Anfang 1861:
„Ich
habe meine Männer in Harpers Ferry mit roten Flanellhemden versorgt,
weil unsere Uniformen zu schön für das Lagerleben und den
Felddienst waren."
Die neu eintreffenden
Rekruten oder einzelne lokale Kompanien wurden rasch zu Regimentern
zusammengestellt: 10 Kompanien bildeten 1 Regiment.
Jede Kompanie sollte bestehen aus:
1 Captain, 1 First Lieutenant, 1 Second Lieutenant, 1 Orderly oder
First Sergeant, 4 Sergeants, 8 Corporals, 2 Musiker, 82 Privates (Gemeine)
Zum Stab eines Regiments gehörten:
1 Colonel, 1 Lieutenant Colonel, 1 Major, 1 Adjutant, 1 Quartiermeister,
1 Arzt nebst Assistent, außerdem 1 Stabsfeldwebel, 1 Quartermaster
Sergeant, 1 Commissary Sergeant (Intendantur-Feldwebel), 1 Sanitäter.
Die meisten Regimenter nahmen außerdem Blaskapellen mit ins
Feld. Allerdings verschlechterte sich deren Qualität zum letzten
Kriegsjahr hin.
Die Konföderierte Armee versuchte, Regimenter stets in Kampfstärke
zu erhalten und die Auflösung solcher Truppen, die starke Verluste
erlitten hatten, zu vermeiden. Daher wurde in den Heimatgebieten der
jeweiligen Regimenter permanent Rekrutenwerbung betrieben. Der regionale
Bezug der Truppenteile blieb erhalten, in den Regimentern fand keine
Entfremdung statt, es blieb für die Soldaten ein Heimatgefühl,
und bis zum Ende des Krieges hielt sich durch diese Art der Organisation
ein hoher Esprit de Corps. In Regimentern mit Feldtradition trafen
neu geworbene Rekruten zudem auf erfahrene Veteranen, die ihnen beim
Einsatz Sicherheit vermittelten.
So zogen schon im zweiten Kriegsjahr bei den Konföderierten keine
Truppenkontingente mehr ins Feld, die völlig neu und kampfunerfahren
waren.
Auch bei der Zusammenstellung von Regimentern zu Brigaden und Divisionen
wurde nach Möglichkeit auf die Herkunft der Truppen Rücksicht
genommen.
General Joseph
Johnston schrieb im September 1861 über die Ist Virginia Kavallerie:
„Bis jetzt besteht das Regiment ausschließlich aus
Virginiern. Dies sollte auch so bleiben, wenn es unbeschadet an derer
Rücksichten möglich ist.
Der Stolz auf den eigenen Staat stellt einen großen Antrieb
in der Armee dar, ein unbezahlbarer Wert für den Geist der Truppe
und ihre Wirksamkeit."

Rechts:
Corporal der CS-Artillerie.
Mitte: Sergeant der CS-Kavallerie.
Links: First Lieutenant der CS-Infanterie.
So richtig diese
Feststellung Johnston für die Leistung der einzelnen Einheit
auch war - diese Form der Organisation schadete der Armee als Ganzes.
Damit setzte sich die Isolation der Einzelstaaten, ihr Widerstand
gegen eine übergreifende Organisation, in der Armee fort. Die
Regimenter fühlten sich überwiegend nur ihrer Herkunftsregion
verantwortlich, und die einzelnen Staaten waren nur an den Regimentern
aus ihrem Bereich interessiert, statt am Wohl der gesamten Konföderierten
Armee.
North Carolina
lieferte dafür ein schlagendes Beispiel: Als die Nord-Virginia-Armee
1865 kapitulierte, liefen die meisten Soldaten fast barfuß herum
und trugen nur noch Lumpen auf dem Leib.
In den Lagerhäusern von North Carolina aber befanden sich zu
diesem Zeitpunkt 92´000 neue Uniformen - die allerdings ausschließlich
an Soldaten aus North Carolina verteilt werden sollten.
Für weiteren Ärger sorgte die Einführung der allgemeinen
Dienstpflicht. Üblich war, daß die Freiwilligen, die sich
nach Kriegsausbruch 1861 für 12 Monate verpflichtet hatten, nach
Ablauf ihrer Dienstzeit zunächst nach Hause gingen, um ihre Familien
zu besuchen. Sie waren damit theoretisch weg, verpflichteten sich
aber in ihrer großen Mehrheit sofort oder einige Zeit später
neu - wenn auch oft inanderen Kompanien und Regimentern.
Das Ergebnis war,
wie ein Offizier aus Süd-Carolina es ausdrückte, „eine
Störung der Organisation der Armee".
Daraufhin verabschiedete der Kongreß im April 1862 ein Dienstverpflichtungsgesetz,
das unter anderem bestimmte, daß alle Männer zwischen 18
und 35 Jahren, die sich für ein Jahr eingeschrieben hatten, für
die gesamte Dauer des Krieges Dienst zu leisten hätten.
Die Folge war
eine enorme Verärgerung unter fast allen Soldaten. Jene große
Masse, die sich ohnehin nach Ablauf ihrer ersten Rekrutierung neu
hatte einschreiben wollen, fühlte sich brüskiert. Sie fühlte
sich durch das Gesetz
um den Status der „Freiwilligkeit" beraubt. Das Gesetz
erweckte den Eindruck, als müßten sie zum Dienst gezwungen
werden. Hinzu kam, daß viele Freiwillige - der amerikanischen
Tradition folgend - Berufssoldaten und Wehrpflichtigen mißtrauten.
Die einen wurden für sklavische Befehlsempfänger gehalten,
die anderen für Drückeberger, die per Gesetz an ihre patriotische
Pflicht erinnert werden mußten. Mit diesen fühlten sich
die Volunteers nun auf eine Stufe gestellt.
Der Entwurf einer Standard-Uniform war eine der ersten Aufgaben der
Administration der neugeschaffenen Armee. Die in Richmond tagende
Offizierskommission einigte sich auf einen Gehrock mit langen Schößen.
Alle konföderierten
Generäle sollten, unabhängig von ihrem Grad, eine identische
Uniform tragen. Für die Generäle wurde ein Rock entworfen
mit „2 Knopfreihen auf der Brust, 8 Knöpfe in jeder Reihe,
zu Paaren plaziert.
Der Abstand zwischen den beiden Reihen betrug 4 Zoll oben, 3 Zoll
unten. Der Rock sollte einen Stehkragen haben, der gerade so hoch
war, daß das Kinn darüber frei bewegt werden konnte.
Er sollte vorn an jeder Seite in einem Winkel von 30° nach unten
abgeschrägt und zusammengehakt werden.
Die Manschetten sollten mit 3 kleinen Knöpfen versehen sein.
Sie waren 2,5 Zoll breit; die Oberkante bildete in aufwärts steigender
Linie eine Spitze, die 4 Zoll Abstand vom Ärmelende hatte.
Die Taschen befanden sich in den Falten des Rocks mit einem Knopf
an der Hüfte und einem weiteren am Ende jeder Tasche. Auf dem
Rükken und an den Schößen waren
4 Knöpfe. Die Hüftknöpfe befanden sich mit den untersten
Knöpfen am Brustteil auf einer Höhe."
Alle anderen Offiziere
sollten identische Röcke erhalten, allerdings mit nur 14 gleich
plazierten Knöpfen. Die Manschetten anderer Ränge waren
nur mit je 2 Knöpfen versehen. Deren Rockschöße hatten
„einen schmalen Saum aus grauem Material". Für den
Felddienst wurde vorgeschrieben: „Eine hellgraue Bluse mit aufgesetztem
Brustteil mit 2 Reihen kleiner Knöpfe, 7 Stück in jeder
Reihe, und einem schmalen, gefalteten Kragen."
Manschetten und Kragen hatten die jeweilige Waffenfarbe. Die Besatzstücke
für Generaloffiziere, für die Offiziere des Adjutant Generals
Department, des Quartermaster Generals Department, des Commissary
Generals Department und der Ingenieure waren lederfarben.
Die Uniformröcke der Offiziere waren rundum gesäumt in der
Besatzfarbe:
Medizinisches
Department = Schwarz
Artillerie = Rot
Kavallerie = Gelb
Infanterie = Hellblau
Die Farbe der
Hosen der Regimentsoffiziere war Himmelblau, für alle anderen
Dunkelblau. Generäle hatten 2 Goldlitzen seitlich auf den Hosen,
andere Offiziere hatten 1 Streifen.
Regimentsoffiziere trugen einen Streifen in der Waffenfarbe seitlich
auf den Hosen. Als Kopfbedeckung war ursprünglich ein graues
Kepi in französischer Form vorgesehen, das mit Pompons in den
Farben der verschiedenen Waffengattungen versehen sein sollte. Am
24. Januar 1862 wurde die Kappe gewechselt. Noch immer handelte es
sich um das französische Kepi, aber von einem dunkelblauen Band
umgeben, die Seiten und die Krone trugen die Waffenfarbe.
Bei den unteren Rängen sollten die Kappen zusätzlich die
Regimentsnummer in gelbem Metall auf der Vorderseite tragen. Die Kappen
der Offiziere waren mit Goldlitze versehen. Generäle trugen 4,
Regimentsoffiziere 3 Streifen,
Captains 2 und Lieutenants 1. Die Streifen befanden sich senkrecht
jeweils vorn, hinten und an den Seiten der Kappe. Zusätzlich
war das Oberteil mit Flechten bestickt, die dem Rang entsprechende
Anzahl Streifen hatten.
In gleicher Weise wurden Litzen auf den Ärmeln des Offiziersrocks
getragen. Sie hatten die Form eines „österreichischen Knotens".
Bei heißem Wetter wurde ein sogenannter „Havelock"
getragen, ein weißer Kappenüberzug mit einem Schurz, der
über den Nacken fiel und den Hinterkopf und das Genick vor der
brennenden Sonne schützte.
Für die Winterzeit und bei starkem Regen war ein ähnlicher
Überzug aus Ölhaut vorgesehen.

Standard-Uniformen
der konföderierten Armee.
Links und Mitte: Infanterie.
Rechts: Kavallerie.
Während
Havelocks anfangs recht beliebt waren, später aber zunehmend
zweckentfremdet verwendet wurden (als Kaffeefilter), blieben die Ölhautüberzüge
reine Phantasieprodukte der Uniformkommission. Aber dies traf auf
die meisten Vorschläge zu, die für eine einheitliche Bekleidung
der konföderierten Streitkräfte gemacht wurden. Wie in vielen
anderen Dingen setzte sich auch hier der Wille der Einzelstaaten in
starkem Maße durch, die längst eigene Uniformregulationen
beschlossen hatten und ihre Regimenter entsprechend einkleideten.
Andere, lange bestehende Regimenter, deren Tradition etwa bis in die
Zeit des Unabhängigkeitskrieges zurückreichte, verfügten
über individuelle Kleiderordnungen; sie ignorierten anderslautende
Empfehlungen.
North Carolina
hatte am 23. Mai 1861 Uniformvorschriften erlassen und leitete auch
eine eigene Herstellung in die Wege. North-Carolina Offiziere trugen
danach Gehröcke, für Generäle und Colonels zweireihig,
für Captains und Lieutenants einreihig. Dunkelblau für den
Generalstab, Grau für alle anderen Offiziere. Für alle unteren
Ränge waren oberschenkellange Jacken aus grauem Tuch mit liegendem
Kragen vorgeschrieben, sowie mit einer Innentasche auf jeder Seite
und 6 Knöpfen auf der Vorderseite. Die Waffenfarben waren in
Form von Schulterstreifen vorgesehen, die jeweils vom Kragenrand bis
zum Schultersaum reichten; dabei trug die Infanterie Schwarz, die
Artillerie Rot und die Kavallerie Gelb. Musiker trugen horizontale
Streifen in ihren Waffenfarben quer über der Brust.
Für Generäle waren blaue Hosen vorgesehen, für alle
anderen graue Hosen mit Seitenbiesen in den Waffenfarben. Als Kopfbedeckungen
dienten eine weiche Kepi-Version für den Felddienst und graue
Filzhüte für die Parade. Die Offiziere trugen die gleichen
Insignien wie die US-Armee. Die Unteroffiziere waren mit Armwinkeln
gekennzeichnet.
Allerdings hatten auch die Uniformregeln der Staaten nur geringe bindende
Kraft. Die Uniformierung richtete sich nach den materiellen und finanziellen
Möglichkeiten und konnte daher die Kleiderordnung nur teilweise
erfüllen. Das System der Insignien dagegen wurden generell im
konföderierten Heer erfüllt.
A. J. L. Fremantle,
ein Oberstleutnant der britischen Coldstream Guards, der sich 1863
als Beobachter in Amerika aufhielt, schrieb:
„Die Männer waren
hochgewachsen, gesund und gut gekleidet, obwohl sie nicht versuchten,
in Farbe und Schnitt Uniformität zu erreichen. Fast alle trugen
aber entweder graue oder braune Röcke und Filzhüte. Mir
wurde berichtet, daß selbst dann, wenn ein Regiment durch die
Regierung einheitliche Uniformen erhielt, es binnen einer Woche verschiedene
Farben zeigte, weil die Soldaten es vorzogen, Jacken und Hosen zu
tragen, die ihre Mütter oder Sch wes tern daheim aus ra uh em,
selbstgewebtem Stoff nähten. Die Generäle gaben ihnen die
Erlaubnis dazu und achteten nur darauf, daß Waffen und Ausrüstungen
in gutem Zustand gehalten wurden.
Die meisten Offiziere waren in ordentliche, praktische Uniformen gekleidet
... Im allgemeinen versuchten sie, mit der Uniformordnung konform
zu gehen, aber der Felddienst nahm ihnen die angestrebte Eleganz.
Auch sie waren teilweise gezwungen, ihr Gepäck selbst auf dem
Rücken in einem Tornister oder Rucksack mitzuschleppen, weil
das für sie die einzige Möglichkeit war, sicherzugehen,
daß sie ihre Wäsche zum Wechseln, ihre Decken usw. auch
behielten. "
Der englische
Militärbeobachter beschrieb, mit offensichtlicher Wonne über
die Exotik des Anblicks, einen typischen konföderierten Soldaten:
„Rings
um den oberen Teil des Kopfes verläuft ein Pony von struppigem
Haar. Darüber ist ein alter, wollener, abgetragener, wettergebleichter
Hut gestülpt,
dessen schlaffe Krempe hinten auf die Schultern fällt.
Vorn ist die Krempe zur Krone hochgesteckt. Über einem schmutzigen,
am Kragen offenen Hemd trägt er einegraue, zerlumpte, knapp bis
zur Hüfte reichende Jacke mit viel zu kurzen Ärmeln.
Die Hosen sind farb- und formlos und werden gehalten durch einen Ledergürtel,
an dem eine Patronentasche befestigt ist. Sie ruht hinter der rechten
Hüfte. Die Bajonetthülle hängt an der linken Seite.
Über den Knöcheln sind die Hosenbeine fest zusammengebunden.
Die schmutzigen Socken verschwinden in kurios verformten Schuhen .
. .
Von der linken Schulter ausgehend ist quer über den Körper
eine zerschlissene Deckenrolle gebunden. Das ist Johnny Rebs Bett."
Wie
Colonel Fremantle berichtete, machten manche Soldaten, die geschickte
Näherinnen in der Familie hatten, ein Geschäft daraus, hausgemachte
Uniformteile zu verkaufen. Ein Virginier bestellte in einem Brief
daheim eine größere Anzahl Unterhosen und Hosen, um sie
seinen Kameraden, die weniger gut ausgestattet und mit der Ausrüstung
durch die Armee unzufrieden waren, zu verkaufen.
Uniformen der Nordstaatler waren ebenfalls begehrt. Als in der Südstaatenarmee
Schuhwerk knapp wurde, ging der Spruch um, daß ein „Yankee
immer soviel wert war wie seine Schuhe". Auf den Schlachtfeldern
wurden toten Unionssoldaten die Schuhe ausgezogen, und hier und da
waren Truppenteile anzutreffen, die sich komplett mit Unionsuniformen
versorgt hatten, eine Unart, die sich ausbreitete, je länger
der Krieg dauerte und je verheerender die Versorgungslage im Süden
wurde. Im Dezember 1864 mußte ein konföderierter Offizier
die Verordnung erlassen, daß erbeutete Yankee-Uniformen sofort
einzufärben seien, anderenfalls müsse er sie beschlagnahmen
lassen;
denn es kam im Getümmel der Schlachten gelegentlich zu Verwechslungen,
und es geschah, daß Südstaatler auf eigene Leute schossen,
die die Uniformen des Feindes trugen - froh, überhaupt anständige
Kleidung zu besitzen.

Rekrutenanwerbung
in Woodstock, Virginia.
Mit bitterem Sarkasmus
schrieb ein Texaner 1864 nach Hause:
„In
dieser Armee kennzeichnet ein Loch im Hosenboden einen Captain, zwei
Löcher einen Lieutenant, und hat die Hose überhaupt keinen
Boden mehr, hat man einen gemeinen Soldaten vor sich."
Von den „Richmond
Howitzers" wurde berichtet, daß sie ihre Hosen mit roten
Flanellflicken belegten, die zunächst Herzform hatten, bald aber
ausgesprochen phantasievoll gestaltet wurden; man sah Hosen mit Flicken
in Form von Adlern, Pferden, Krähen und Kanonen.
Der
konföderierte Soldat
Das äußere
Erscheinungsbild des konföderierten Soldaten litt nicht nur unter
den differierenden, sich teilweise widersprechenden Uniformvorschriften
der Zentralregierung und der Einzelstaaten, sowie den individuellen
Gegebenheiten in den einzelnen Regimentern, sondern auch unter der
Nachlässigkeit, mit der viele Kompanieoffiziere die Pflege der
Ausrüstung überwachten.
Trotz der Ausgabe von Ersatzwäsche und -kleidungsstücken,
liefen die meisten Soldaten zerlumpt und abgerissen herum. Grund dafür
war, daß sie sich dagegen sträubten, die Ersatzbekleidung
zusätzlich zur üblichen Ausrüstung mit sich zu tragen.
Die Strapazen auf dem Marsch waren groß genug.
Francis McCarthy
von den „Richmond Howitzers" erinnerte sich:
„Beim Aufbruch für einen Marsch warfen die Soldaten
üblicherweise alles weg, was nicht unmittelbar notwendig war,
darunter die wertvollsten Gegenstände wie Decken, Mäntel,
Schuhe, Brot und Fleisch."
Diese teilweise
unverantwortliche Haltung schuf Probleme für die ganze Armee.
Im November 1863 beabsichtigte General Lee bei Mine Run ein ähnlich
kühnes Umgehungsmanöver durchzuführen wie bei Chancellorsville,
um die Unionsarmee aus ihren Stellungen zu vertreiben. Es war nicht
möglich, weil seine Männer ihre auf dem Marsch lästigen
Mäntel einfach weggeworfen hatten und für einen Stellungskampf
im eisigen November-Wetter nicht mehr richtig ausgerüstet waren.
Da auch die vorhandene Uniformierung schlecht gepflegt wurde, war
die Kleidermisere der Konföderierten permanent.
Francis McCarthy schrieb:
„Es wurde wenig gewaschen, das war noch verständlich.
Kaltes Wasser konnte die Kleidung nicht reinigen und das Ungeziefer,
das sich darin festgesetzt hatte, nicht vernichten, heißes Wasser
war nicht immer erhältlich."
Ein anderer Südstaatler
schrieb 1862 nach Hause:
„Anscheinend ist in
der ganzen Konföderation die Seife ausgegangen. Es ist deshalb
fast unmöglich, saubere Kleidung zu erhalten.
Ich trage heute keine Unterhosen, da meine zwei Paare so schmutzig
sind, daß ich sie nicht anziehen kann."
Ein Mann aus Georgia
notierte 1864, daß mindestens die Hälfte seiner Kompanie
für zwei Monate die Kleidung nicht gewechselt hatte. 1865 berichtete
ein Texaner,
daß sein halbes Kommando seit vier oder fünf Monaten ununterbrochen
dieselben Hemden trug. Angesichts dieser Verhältnisse verschlissen
die vorhandenen Uniformen um so schneller.
Obwohl verschwitzt, verdreckt, zerlumpt, schrieb Francis McCarthy:
„Es
war lästig, die Unterwäsche zu oft zu wechseln und den schweren
Tornister zu tragen, der auf Rücken und Schultern scheuerte.
Der einfachere Weg war es,
die vorhandene Kleidung aufzutragen, bis aus dem Tornister eines gefangenen
oder toten Feindes Ersatz bezogen werden konnte oder bis die Familie
von daheim
Nachschub lieferte. Die Soldaten sahen den Sinn nicht ein, saubere
Ersatzkleidung mit sich herumzutragen, bis sie irgendwann gebraucht
wurde."
Eine erstaunliche
Haltung für die Nord-Virginia-Armee, die sich so großes
Ansehen als kämpfende Truppe erwarb - aber dieses Ansehen stand
im Gegensatz zur allgemeinen Disziplin. Grund dafür war, daß
sehr viele Südstaatler niemals eine reguläre militärische
Grundausbildung absolviert hatten, daher den Formaldienst nicht kannten
und sich auch nicht dafür interessierten. „Manche Männer
lüfteten den Hut zum Gruß, statt zu salutieren. Befehle
wurden in lässigem Gesprächston gegeben."

Die Ruinen
des Staatsarsenals von Richmond, Virginia.
Der britische
Colonel Fremantle war von der Nonkonformität der Konföderierten
angetan.
Er schrieb:
„Der
Konföderierte zeigte keine Ambitionen, in irgendeiner Weise den
regulären Soldaten zu imitieren. Er sieht aus wie ein echter
Rebell. Aber trotz seiner bloßen Füße, seiner zerlumpten
Kleidung, seiner alten Decke und seiner Zahnbürste, die wie eine
Rose in einem Knopfloch steckt - diese Zahnbürste im Knopfloch
ist eine weitverbreitete Sitte und hat ein höchstmerkwürdiges
Aussehen -, hat er eine Art Verwegenheit, Waghalsigkeit und selbstsicheres
Aussehen, das ihn einnehmend macht. "
Auf
einer Parade beobachtete Fremantle, daß viele Soldaten wegen
der Hitze ihre Röcke ausgezogen hatten und in Hemdsärmeln
an dem General vorbeimarschierten.
Fremantle war beeindruckt von der Unabhängigkeit des konföderierten
Soldaten:
„Es
ist ihm egal, ob irgend jemandem sein Aussehen gefällt oder nicht.
Er ist der unabhängigste Soldat, der jemals zu einer organisierten
Armee gehört hat. Er respektiert Autorität und ordnet sich
wohlgemut der Disziplin unter, er ist auch perfekt zu führen
- wenn die Offiziere gut sind. Aber er ist schnell beleidigt, wenn
ein Offizier unhöflich ist."
Auf Formaldisziplin
wurde in vielen Truppenteilen wenig Wert gelegt. Man vertrat die Ansicht,
daß die individuelle Leistung den Ordnungsmangel aufwog. Ein
Offizier erklärte: „Die Stärke und Schlagkraft der
südlichen Armee basiert auf der individuellen Entschlossenheit
der Männer."
So sympathisch diese Einstellung auch war - sie erwies sich langfristig
als verhängnisvoll. Undisziplinierte Verbände sind imstande,
Schlachten zu gewinnen, aber keinen Krieg. Grundlage aussichtsreicher
Kriegsführung von Truppenkontingenten ist geordnete Versorgung,
ist sachgerechte Bekleidung und gute Ausrüstung, ist eine solide
Ausbildung und natürlich strikte Disziplin. Nur so ist eine andauernde
gleichbleibende Leistung möglich. Eine Armee, die nur auf das
persönliche Engagement, die individuelle Leistungsfähigkeit
des einzelnen Soldaten vertraut, setzt ihre Hoffnung in ein Strohfeuer.
Selbstkritisch
mußte dies der Südstaaten-General Jubal Early zwei Monate
vor Kriegsende einräumen:
„Viele Gelegenheiten wurden versäumt. Hunderte von
wertvollen Leben wurden nutzlos geopfert, weil es an der Beachtung
strenger Disziplin mangelte."
Im September 1864
beklagte Robert E. Lee:
„Es mangelt an dem Geist, der eine militärische Organisation
durchdringen sollte, Befehlen mit Respekt und Gehorsam zu begegnen
...
Würden die Befehle rigoros durchgeführt, würden in
jeder Schlacht Tausende von Musketen mehr zu hören sein, die
jetzt niemals abgefeuert werden."
Es
war allerdings für die Kompanieoffiziere schon schwierig genug,
nur ein Mindestmaß an innerer Ordnung aufrechtzuerhalten.
Francis McCarthy
berichtete:
„Das
Seltsame beim konföderierten Soldaten war, daß er immer
bereit war, zu kämpfen, aber niemals, sich der routinemäßigen
Pflicht und Disziplin im Camp oder auf dem Marsch zu unterwerfen.
Die Soldaten taten ihre Pflicht nur aus Liebe zur Sache, so wie sie
es für das Beste hielten. Die Offiziere sahen die Notwendigkeit
zur Veränderung,
aber der Konflikt blieb bis zum Ende ungelöst. "
Katcher kolportiert
eine Anekdote, die ein bezeichnendes Bild auf das Verhältnis
zwischen Soldat und Offizier warf.
General Wigfall, der Kommandant der texanischen Truppen, fand einen
Wachtposten auf einem Stapel Kisten liegend, die Muskete an einen
Baum in der Nähe gelehnt.
Er fragte ihn, was er hier mache.
„Ich passe nur ein
wenig auf diese Sachen auf", antwortete
der Soldat, ohne sich zu erheben.
„Wissen Sie, wer ich
bin, Sir?"
fragte der General.
„Ich glaube, ich kenne
Ihr Gesicht, aber ihr Name fällt mir nicht ein. Wer sind Sie?"
„Ich
bin General Wigfall."
Ohne sich zu erheben, streckte
der Soldat seine Hand aus: „General, ich bin erfreut, Sie
zu treffen. Mein Name ist Jones."
Die Autorität
der Offiziere war begrenzt, was mit dem System der Wahl der Führer
auf Kompaniebene zusammenhing. Zwar gab es ab 1862 Eignungsprüfungen,
doch spielte die persönliche Popularität des Offiziers eine
wichtige Rolle, seine Position zu erhalten. Da Freiwillige, die sich
nach Ablauf ihrer ersten Verpflichtung neu einschreiben wollten, die
Möglichkeit hatten, die Truppenteile zu wechseln, geschah es
nicht selten, daß Offiziere, die auf strenge Disziplin achteten,
nach und nach ihre Soldaten loswurden, die in andere Kompanien und
Regimenter abwanderten.
Offiziere fremder Nationalität oder solche, die einer Glaubensminderheit
angehörten, konnten ihre Autorität nur mit äußerster
Mühe durchsetzen. Ein jüdischer Colonel mußte das
Kommando über ein texanisches Regiment nach wenigen Tagen abgeben,
da die Soldaten seine Befehle ignorierten.
Es gab generell ein tiefverwurzeltes Mißtrauen gegen Autoritäten,
das zu regelrechtem Haß wurde, je länger der Krieg dauerte
und je hoffnungsloser die Lage wurde.
„Die
Offiziere sind diejenigen, die graue Röcke und Messingknöpfe
tragen", bemerkte
ein Soldat aus Texas in einem Brief.
„Sie leben besser und sind besser gekleidet als vor dem
Krieg.
Man kann sie nicht tadeln, daß sie den Krieg so lange wie möglich
führen wollen. Die meisten von ihnen sind nicht in Gefahr, sie
sind immer hinten."

Die konföderierte Pulverfabrik in Augusta, Georgia.
Dies war objektiv
falsch, was mit einem Blick auf die Verluststatistiken gerade der
oberen Ränge des konföderierten Offizierskorps nachzuweisen
ist.
Aber der persönliche Eindruck zählte mehr.
Grund für die wachsende Abneigung zwischen von gemeinen Soldaten
und höheren Rängen war auch, daß Regimentsoffiziere
einfache Soldaten oft schlecht behandelten.
„Sie
behandeln uns wie Neger", schrieben
viele nach Hause.
Mit dem Vordringen der Unionsarmee, gerieten die daheimgebliebenen
Familien vieler Soldaten zunehmend unter Druck. Damit verlor sich
nach und nach auch die vordem hohe Moral der konföderierten Soldaten.
Die Neigung zur Desertion wuchs. Viele kehrten aus dem Urlaub nicht
mehr zurück, um ihren Familien beizustehen. Andere stellten fest,
daß in Gebieten, die bereits vom Norden besetzt waren, die Versorgung
besser funktionierte als in der verzweifelt kämpfenden Armee.
Ein Colonel der Artillerie berichtete über zwei Soldaten, die
tapfer gefochten hatten, bei ihrem Heimaturlaub aber feststellten,
daß sich rings um ihr Farmland inzwischen Unionsstellungen befanden,
ihre Familien ausreichend Lebensmittel hatten und die Erzeugnisse
ihrer Farmen sich bestens an Unionssoldaten verkaufen ließen.
Sie sahen keinen
Sinn mehr darin, erneut das entbehrungsreiche Feldleben auf sich zu
nehmen. Sie leisteten den Treueeid auf die Union und blieben zu Hause.
In den Regimentsstäben häuften sich mit Dauer des Krieges
die Gesuche um Freistellung, um Ehefrauen und Kinder daheim unterstützen
zu können.
Im Februar 1865
schätzte der Superintendant des konföderierten Rekrutierungsdepartments
die Zahl der Deserteure auf 100´000. (Laut Statistik gab es
während des gesamten Krieges in der Südstaatenarmee nahezu
200´000 Desertionen.)
Der letzte Appell der Armee von Nord-Virginia zeigte 160´198
Mann einsatzbereit - 198´494 abwesend.
Ein Soldat aus
Alabama, der bis zur letzten Minute unter der konföderierten
Battle Flag kämpfte, schrieb erbittert nach Hause:
„Was
war der Grund für die Niederlage?
Drückeberger, Feiglinge, Kriegsgewinnler und Deserteure - nicht
die Yankees.
Das macht es nur noch schlimmer. "
Dieses, von persönlicher
Enttäuschung geprägte Bild, war natürlich so nicht
richtig, die Ursachen für den Kriegsausgang waren weitreichender,
aber der Bericht zeigte,
in welchem Zustand sich die Armee des Südens in der letzten Phase
des Konflikts befand.
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