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VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Dietmar Kuegler, Serientitel: NORD & SÜD
1988, - Die Nord-Virginia-Armee -
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA (LOC) und des US Nationalarchiv (NARA)

Die Nord-Virginia-Armee


Die Nord-Virginia-Armee

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Waffen und Ausrüstung

„Jeder Infanterist", notierte ein englischer Beobachter, „trug seine Muskete mit Patronentasche und eine Feldflasche. Die meisten trugen zudem Decke und Tornister."
Die Patronentasche, oft aus ungefärbtem, braunem Leder, war eine Kopie der US-Patronentasche. Sie wurde am Gürtel getragen, und zwar hinten.
Im Innern befanden sich zwei Blecheinsätze mit etwa 40 Papierpatronen.
In einigen Staaten gab es dafür Embleme aus Messing mit dem Staatswappen, dem Staatssiegel oder Buchstaben wie etwa „NC" (für North Carolina).
Die meisten Patronentaschen hatten aber keine Kennzeichnung oder waren nur mit einem „CS" versehen.
Die Verschlüsse der US-Patronentaschen waren aus Messing. Dieses Material wurde in der Konföderation für Säbelgriffe, Kanonen und Musketenteile benötigt.
Daher hatten die meisten konföderierten Patronentaschen Verschlüsse aus Holz oder Blei.

Ein Veteran berichtete:
„Im Einsatz wurde die Deckenrolle weiter nach hinten und die Patronentasche nach vorn geschoben, oft direkt vor den Körper."

Zur Patronentasche gehörte die Zündhütchentasche (cap box). Auch sie war oft braun und hatte hölzerne oder bleierne Verschlüsse. Wie auch bei den Patronentaschen, fehlte ihnen häufig der untere zweite Deckel, den die US-Ausführung als zusätzlichen Regenschutz hatte.
Die Schnalle des Gürtels war in der Regel ein einfacher Rahmenverschluß aus Messing mit einer einzelnen oder einer doppelten Zunge. Es waren auch Vorkriegsschnallen im Gebrauch, die von den verschiedenen Bundesstaaten hergestellt worden waren und das Staatsemblem oder Buchstabenkombinationen trugen, etwa „AVC" (Alabama Volunteer Corps) oder „SC" (South Carolina). Es wurden gelegentlich auch erbeutete US-Schnallen benutzt.
Konföderierte Fabriken stellten üblicherweise rechteckige Messingschnallen mit den Buchstaben „CSA" oder Ovale mit den Buchstaben „CS" her.

Feldlager im Bürgerkrieg

Feldlager im Bürgerkrieg.

Das Bajonett trug der Infanterist links - wenn er es überhaupt hatte. Der Wert des Bajonetts war bei amerikanischen Soldaten generell umstritten. Je schlechter die Ausbildung des Soldaten war, desto geringer wurde das Bajonett geschätzt, desto schlechter konnte er damit umgehen. Zweckentfremdete Bajonette - etwa als Bratspieße - waren selbstverständlich. Viele Bajonette wurden einfach weggeworfen.

Francis McCarthy notierte:
„Die Infanterie konnte die Nützlichkeit von Bajonetten nicht erkennen. Daher zögerte der Soldat nicht, es zusammen mit der Scheide wegzuwerfen."

Von der rechten Schulter verliefen zwei Riemen, einer aus Stoff, der andere aus Leder. Sie bildeten auf Brust und Rücken ein Kreuz mit der Deckenrolle, die im vorigen Kapitel schon erwähnt wurde. An diesen Riemen hingen ein Rucksack aus Stoff und die Feldflasche. Am Tornisterriemen war meist zusätzlich ein Blechbecher befestigt, und manchmal auch eine Bratpfanne - ein solcher Soldat konnte sich besonders glücklich schätzen.

 

Im Rucksack steckten die Rationen - sofern welche ausgegeben wurden -, Tabak und Reservemunition. Er war aus Leinen oder Segeltuch, anfangs weiß, schon bald färbte er sich dunkel vom Rauch der Campfeuer und vom Schlamm und Dreck und wurde fettig und schmierig.
Einheitliche Wasserflaschen gab es nicht. Weit verbreitet waren Beutestücke der Union, aus Blech, mit Stoff überzogen. In den Südstaaten wurden runde, trommelförmige Feldflaschen aus Holz hergestellt, gelegentlich aber auch solche aus Blech. Bei der Deckenrolle handelte es sich entweder um ein Beutestück oder um eine Decke, die der Soldat von daheim mitgebracht hatte. Zur Deckenrolle sollten ein Halbzelt und ein ponchoartiger Regenumhang gehören - aber das war nicht die Regel. In den ersten Kriegsjahren schliefen viele Konföderierte auf der blanken Erde. Bei Regen legten sie ihre Decken über einfache Stangen oder grob geschnittene Äste. General Lee verlangte deshalb die Ausgabe von Halbzelten. Wenn zwei Männer ihre Hälften zusammenstellten, hatten sie gemeinsam ein geschlossenes Zelt. Sie bestanden aus dickem Segeltuch mit Knöpfen und Knopflöchern an 3 Seiten.

Als die Armee bei Fredericksburg lagerte, wurden Halbzelte geliefert - allerdings nur für jeden 20. Mann eines. Eine unbefriedigende Situation.
Der Entwurf der Regenumhänge sah als Material Musselin mit einem Gummibezug vor. Allerdings gab es in der ganzen Konföderation so gut wie keinen Gummi. Die Ponchos wurden daher meist aus mehreren Lagen schweren Baumwollstoffs genäht und mit Öl behandelt. Es wurden auch Laken in dieser Art gefertigt, die die Soldaten als Unterlage auf feuchtem Boden benutzen sollten. Auch Gürtel, Zaumzeug und Patronentaschen wurden schließlich aus diesem Ölstoff produziert. Zunächst benutzte man Leinöl für die Konservierung, als dieses knapp wurde später auch Fischöl.
Tatsächlich waren nur wenige Soldaten mit all diesen nützlichen Dingen ausgerüstet, und gelang es einem Infanteristen, eine vollständige Equipage zu ergattern, konnte er sich meist nicht lange darüber freuen.
Vor Beginn einer großen Schlacht mußten die Infanteristen die Deckenrolle und alle, nicht zur Bewaffnung gehörenden Ausrüstungsgegenstände ablegen. Im allgemeinen Durcheinander während und nach dem Kampf gingen die wertvollen Stücke häufig verloren. Die Bewaffnung der Konföderierten war ein buntes Gemisch. In Staaten, wo Bundesarsenale und bestehende Garnisonen von Südstaatlern übernommen worden waren, gab es die allgemein auch in der US-Armee üblichen Springfield oder Enfield Rifles. Diese Waffen waren auch in den seit der Vorkriegszeit bestehenden Kompanien und Regimentern der Freiwilligenmilizen üblich. Die anderen neu entstehenden Einheiten waren davon abhängig, daß die Soldaten ihre eigenen Waffen mitbrachten. Das waren zum Teil alte Steinschloßrifles, aber auch Schrotflinten und reine Jagdwaffen.

1861 waren bei der Übernahme des Arsenals von Harper's Ferry Maschinen zur Rifle-Herstellung erbeutet worden. Diese Maschinen wurden nach Richmond (Virginia) und Fayetteville (North Carolina) geschickt, wo die Errichtung einer eigenständigen Waffenfabrikation in die Wege geleitet worden war.
In Fayetteville wurden 2-Band-Rifles hergestellt, in Richmond 3Band-Musketen, deren Qualität überraschend hoch war und sich mit durchschnittlicher Unionsware durchaus messen konnte. Die Musketen und Rifles entsprachen dem einschüssigen US-Modell 1855 im Kaliber .58. Sie hatten eine Reichweite von etwa 500 Yards.
Konföderierte Regierungsagenten bereisten schon kurz nach Kriegsausbruch Europa, um Waffen einzukaufen. Katcher gibt an, daß „bis zum 3. Februar 1863 70´980 lange Enfield Rifles, 9´715 kurze Enfield Rifles, 354 Enfield Karabiner, 27 österreichische Gewehre, 21´040 britische glattläufige Musketen und 2´020 Brunswick Rifles nach Amerika verschifft worden waren. Weitere 23´000 Musketen lagen zur Verschiffung in London und 30´000 in Wien."

Die 2. und 5. Virginia-Infanterie in der legendären „Stonewall-Brigade" wurden im Januar 1863 mit österreichischen Rifles ausgerüstet. War aufgrund der europäischen Einfuhren auch kein Mangel an Waffen, so bedingte die Unterschiedlichkeit der Modelle und Herkunftsländer auch unterschiedliche Kaliber. Für die Soldaten, vor allem aber für die Quartermaster wurde die Munitionsbeschaffung damit zu einem ständigen, kaum lösbaren Problem.
Die in Richmond gefertigten Musketen hatten, ebenso wie die erbeuteten Waffen der Potomac-Armee, Kaliber .58. Enfield-Gewehre wiesen das Kaliber. 577 auf. Es gab aber auch glattläufige Musketen im Kaliber .69.
Die österreichischen Gewehre waren im Kaliber .54 gefertigt, und einige preußische und russische Gewehre hatten das enorme Kaliber .75.
Die geringsten Unterschiede gab es zwischen den in Amerika gefertigten und den britischen Rifles, so daß die am meisten ausgegebene Munition Kaliber. 577 hatte.

Konföderierter Feldposten bei Charleston, South Carolina

Konföderierter Feldposten bei Charleston, South Carolina.

Wie auch bei anderen Ausrüstungsgegenständen, die in mehr als ausreichender Anzahl vorhanden waren, zeigte sich eine unglaubliche Nachlässigkeit. Kein Soldat konnte mehr als ein Gewehr tragen, und hatten Fehlleistungen und Desorganisation der Quartermaster-Departments Waffen in größerer Zahl als benötigt zu bestimmten Truppeneinheiten geleitet, wurden diese nicht etwa in Arsenalen eingelagert und pfleglich behandelt, sondern einfach liegengelassen.

Der englische Colonel Fremantle berichtete:

„Ich beobachtete bei Gordonsville, Virginia, einen enormen Stapel ausgezeichneter Gewehre,
die unter freiem Himmel verrotteten. Sie waren in der Schlacht von Chancellorsville erbeutet worden. Aber die Konföderierten verfügen über einen solchen Überfluß an Gewehren,
daß sie es sich anscheinend leisten können, sie verrosten zulassen."

Nicht so üppig war es mit der Munitionsbevorratung bestellt, da die Herstellung von Salpeter für Schießpulver große Probleme bereitete und es auch bei der Projektilfertigung zu Engpässen kam. Hier zeigte sich in erdrückender Weise die Nachschubüberlegenheit des Nordens, die schon in der Schlacht von Gettysburg entscheidend wurde, als den Südstaatlern die Artilleriemunition ausging.

 

Die Infanterie

Der Unterschied zwischen dem Infanteristen der Südstaaten und jenem der Nordstaaten war beträchtlich. Der Südstaatler als solcher war ein weitaus emotionaler geprägter Mensch als der Nordstaatler. Starke spontane Gefühlsregungen leiteten ihn. Sachliche Berechnung war nicht seine Stärke. Trauer und Freude wurden deutlich gezeigt.
Wenn konföderierte Truppen angriffen, so geschah dies meist mit überbordender Vehemenz, begleitet vom gellenden „Rebei Yell", dem Angriffsgeschrei der Südstaatler, das auf ihre Gegner eine demoralisierende Wirkung hatte.
Der „Rebel Yell" war mit dem Schlachtruf der Unionssoldaten gar nicht zu vergleichen. Er war elementar, wild und von entfesselter Leidenschaft.

Colonel Fremantle war von ihrem Angriffsgeschrei beeindruckt, aber er bemerkte auch in seinen Berichten:

„Während sie möglicherweise gut schrien, war ihr Drill mäßig. Nur selten wurden alle Faszetten des Drills, wie er in ihrem Handbuch - geschrieben von General Hardee in seiner Zeit als US-Offizier - vorgesehen war, geübt. Der Drill der Armee war ähnlich dem der Franzosen, die Schrittfolge sogar schneller als bei den Zouaven und ein gutes Stück länger als bei der englischen Infanterie. Die Bewegungen wurden mit ziemlicher Präzision und ebenso schnell ausgeführt wie bei der englischen leichten Infanterie. "

Lieutenant Colonel Arthur Fremantle

Lieutenant Colonel Arthur Fremantle, englischer Kriegsbeobachter in denSüdstaaten.

Während einer Parade äußerte Colonel Fremantle den Wunsch, zu sehen, wie die Infanterie ein Quadrat formte - die klassische Abwehrtaktik gegen einen Kavallerieangriff.
Das Ergebnis war dürftig. Es gelang den konföderierten Infanteristen nur, einen stabilen „Winkel" mit zwei Schenkeln zu bilden. Mehr, so wurde Fremantle versichert, sei auch gar nicht nötig, da große Kavallerieangriffe nicht möglich seien und die Yankee-Reiterei ohnehin nicht den Mut zu solchen Attacken hätte. Diese Begründung war natürlich Unsinn und sollte nur einen Ausbildungsmangel kaschieren; denn daß weitflächige Kavallerieattacken möglich waren, bewies die Kavallerie von Nord-Virginia immer wieder. Und in späteren Jahren zeigte die Nordstaaten-Reiterei unter Sheridan auch, daß sie durchaus couragiert genug war, Infanterie- und Artillerie-Stellungen zu attackieren. Auch die Marschleistungen, die der englische Colonel beobachtete, veranlaßten ihn zu kritischen Bemerkungen:

„Obwohl die Virginia-Armee zweifellos gut vorankommt, bewegen die Soldaten sich in einer langsamen, schlurfenden Schrittfolge."

Sehr richtig erkannte der Brite, daß das Marschieren der Natur des Südstaatlers nicht entsprach. Sie waren Reiter.

Ein konföderierter Offizier erklärte Fremantle:
„Wir waren vor diesem Krieg eine faule Bande. Unsere Neger arbeiteten für uns, und keiner von uns hat sich wohl träumen lassen, soviel zu Fuß gehen zu müssen."


Noch überraschter war der Offizier einer englischen Eliteeinheit, als er die Division General Hoods beobachtete, die einen besonders einsatzfreudigen, kämpferischen Ruf hatte. Die Texaner, Alabama- und Arkansas-Männer waren zerlumpter als alle anderen, trugen statt einer Deckenrolle häufig zusammengenähte Teppichstücke als Tornister, waren verdreckt und hatten ihre löchrigen Schuhe bei Märschen durch Schlamm und Morast einfach weggeworfen. Trotzdem war ihre Haltung charakteristisch für die Nord-Virginia-Armee bis zum letzten Kriegsjahr: Sie waren optimistisch gestimmt und von unverwüstlichem Selbstbewußtsein, gepaart mir Stolz auf ihre Leistungen und ihren General Hood.

 

Die Artillerie

An Selbstbewußtsein übertraf die Artillerie des Südens fast noch die Infanterieeinheiten. Grund dafür war, daß die Artillerie die Waffengattung war, die in Amerika immer als Elite angesehen worden war. Schon in West Point drängten sich die besten Kadetten zur Artillerie. Als ausgesprochene Militärfachleute, gut ausgebildet an den Geschützen, hatten viele Südstaatenkanoniere schon vor dem Krieg in der Unionsarmee als Artilleristen gedient und sich ein Elitedenken angewöhnt. Gelegentlich wurden im Süden Infanterie-Kompanien zu Artillerie-Batterien umgewandelt: Die Kompanie A der 27. Virginia Infanterie Freiwilligen wurde zur „Allegheny Artillery", später zu „Carpenter's Batterie".
Die Produktion von eigenen Kanonen begann im Süden gleichzeitig mit der Musketenfabrikation. In Richmond (Tredegar Iron Works) und in Macon, Georgia, wurden Geschützrohre gegossen. Aber der Süden verfügte über nur wenige erfahrene Handwerker, hatte nur dürftige Gießeinrichtungen, und das Material war schlecht. So waren die Ergebnisse der Geschützproduktion bescheiden. Ein Ordonnanz-Offizier bemerkte 1862, daß „viele der Kanonen" aus südlicher Produktion „sogar gefährlich" waren. Sie barsten im Einsatz und setzten dabei ihre Bedienungsmannschaft außer Gefecht.

Die besten Kanonen der Südstaaten wurden entweder im Norden erbeutet oder kamen aus England. Geschütze von Whitworth und Blakely bewährten sich bestens. Aber der Import war des enormen Gewichts wegen schwierig. Auf den Blockadebrechern konnten nur wenige Geschütze und die dazugehörende Munition mitgebracht werden. Aber nicht einmal auf die Zünder aus eigener Produktion war - wegen Materialmängeln - Verlaß.
Die Artilleriepferde, die während der langen Märsche und Feldeinsätze die vielleicht härteste Arbeit zu leisten hatten, waren ebenfalls in nicht besonders gutem Zustand. Sie erhielten nur 3 Pfund Mais am Tag.
Neben vielen verschiedenen Fabrikaten waren es diese Modelle, die überwiegend in den Batterien anzutreffen waren: Parrot- und Napoleon-Kanonen. Sie wurden in allen Formen und Größen, mit glatten und gezogenen Läufen eingesetzt. Viele trugen noch deutlich sichtbar die „US"-Prägung.

Die Parrot war eine 10-pfündige Eisenkanone mit gezogenem Lauf und einem großen Eisenband, das am Verschluß des Geschützes angebracht war, um die Kammer zu verstärken. Die konföderierte Kopie dieser Kanone war recht selten im Einsatz. Besonders geschätzt wurden die gezogenen 3-Inch-Kanonen; sie waren recht leicht zu transportieren und sehr wirksam. Beliebt waren aber auch die simpel zu bedienenden 12-pfündigen Napoleon-Kanonen.
Es handelte sich um ein glattläufiges Geschütz mit einem Rohr aus Bronze, aus dem Vollkugeln, Schrapnells und Granaten verschossen werden konnten. Dieses Geschütz wurde im Süden erfolgreich und einigermaßen zuverlässig kopiert.
Die Napoleon-Kanone erwies sich in bewaldeten Gebieten und zur Unterstützung der Infanterie bei Nahgefechten als beste Waffe. Sie hatte eine Reichweite von 2000 Yards. Bei 5° Einstellung erreichte sie 1619 Yards. Die Parrot-Kanone erreichte bei gleicher Einstellung sogar eine Reichweite von 1´900 Yards. Das beliebte 3-Inch-Geschütz schoß bei 5° 1´830 Yards. Die Treffgenauigkeit war bei den gezogenen Parrot-Läufen sehr hoch, bei der Napoleon-Kanone niedrig.
Für Präzisionsfeuer der Artillerie wurden englische 12-Pfünder-Hinterlader von Whitworth eingesetzt.
Bei einer Einstellung von 5° erzielte dieses Geschütz exakte Leistungen bis auf 2´750 Yards. Eine konföderierte Batterie bestand im allgemeinen aus 4 Kanonen.
Sie stand unter dem Kommando eines Captains. Üblicherweise wurde die Batterie auch nach dem Captain benannt. Es gab aber auch Geschützbatterien,
die sich nach ihrem Herkunftsgebiet bezeichneten oder eine bedeutende Persönlichkeit als Namensgeber heranzogen. (Es gab z. B. eine „Jeff Davis Artillery".)

Zwanzigpfünder-Parrott-Geschütz
Zehnpfünder-Parrott-Geschütz

Je 2 Kanonen bildeten eine „Section" unter einem Lieutenant. Jede Kanone bildete zusammen mit Protze und Munitionswagen „ein Stück" (piece), geführt vom Stückkommandanten, einem Sergeant.
General Lee war der Meinung, daß die Nord-Virginia-Armee zuviel Artillerie hatte, zumal die Versorgung der Artilleriepferde ein großes Problem war.
Die Leistungen der konföderierten Artillerie lagen unter ihren Möglichkeiten. Der Grund lag zum einen in den eklatanten Materialmängeln, zum anderen aber auch in der Taktik, die Batterien auf Infanterieeinheiten zu verteilen. Nur selten wurde die Artillerie zusammengezogen und konzentriert mit ihrer geballten Kraft eingesetzt.
Nach der Schlacht von Sharpsburg (1862) wurden jeweils mehrere Batterien zusammengezogen und zu Bataillonen organisiert, die jeweils einem Colonel oder einem Lieutenant Colonel unterstellt wurden. Dieser verfügte über einen funktionierenden Stab aus Ordonnanz, Quartermaster und Adjutant. Die Bataillonskommandeure wurden dem Chief of Artillery eines jeden Korps unterstellt.
Trotzdem blieb, wie ein konföderierter Artillerist beklagte, der Einsatz der südlichen Batterien „fragmentarisch". Sie konnte fast nie so geschlossen und damit so machtvoll auftreten wie die Unions-Artillerie.


Die Kanoniere waren mit einem Säbel bewaffnet, der eine genaue Kopie des US-Säbels für die Artillerie war. Er war grob gefertigt mit eiserner Klinge, in der sich eine Blutrille befand, und schlecht gemachtem Griff. In den letzten Kriegsjahren wurden statt lederner Griffe nur noch Holzgriffe gefertigt, allenfalls in Ölzeug gewickelt. Die Montierungen auf den Säbelscheiden waren oft aus Messing statt aus Eisen.
Die Fuß-Artillerie sollte einen kurzen Säbel mit breiter Klinge tragen, um sich gegen einen Kavallerieangriff auf ihre Stellungen effektiv wehren zu können. Mit dem kurzen Säbel sollte der Artillerist dem Pferd des Angreifers den Bauch aufschlitzen und dann den stürzenden Reiter damit angreifen. Dabei setzte man, wie Katcher ironisch bemerkte, voraus, „daß der Kavallerist in dieser Zeit gar nichts tat."
Dieser allgemein als zwecklos angesehene Säbel wurde reichlich ausgegeben. Er hatte vollständig aus Messing bestehende Griffe,
in die die Buchstaben "CS" geprägt waren.

Die Säbel wurden von den Artilleristen als äußerst lästig angesehen. Ihnen war damit das gleiche Schicksal beschieden wie den anderen Ausrüstungsgegenständen, die die konföderierten Soldaten für sinnlos hielten: Bei längeren Märschen auf schwerem Boden wurden die Säbel einfach weggeworfen oder in den Schlamm gesteckt. Ein Teil der solide geschmiedeten Waffen konnte von den Ordonnanz-Offizieren wieder eingesammelt werden.
Sie wurden nicht an die Artillerie zurückgegeben, die ihr Mißfallen daran so deutlich gezeigt hatte, sondern an die Kavallerie verteilt.

 

Die Kavallerie

Bei der Organisation der Konföderierten Armee nahm die Kavallerie von Anfang an eine Sonderstellung ein. Armeebeobachter vertraten einhellig die Meinung, daß die berittenen Truppen die höchste militärische Qualität aufwiesen.
Sie entsprachen so ganz und gar den Vorstellungen des Südstaatlers vom Soldatentum. Er war, wie viele Zeitgenossen immer wieder betonten, „ein geborener Reiter". Reiten und Jagd hatten zu den beliebtesten Beschäftigungen der südstaatlichen Oberschicht gehört. Die Pferdezucht befand sich auf einem wesentlich höheren Stand als im Norden. Da die Kavalleristen im Süden ihre eigenen Pferde mitbrachten, verfügten die Reitertruppen der Konföderierten sofort über ausgezeichnete Tiere in ausreichender Zahl.

Selbst ein der Union anhängender Korrespondent schrieb 1862:

„Soweit meine Beobachtung reichte, war die südliche Kavallerie der Unionsreiterei überlegen, zumindest für den Dienst, der von ihrerwartet wurde. Für schwere Angriffe gegen große Infanteriekörper, die als geschlossene Masse auftraten, war sie nicht verläßlich. Ihre Stärken lagen in der Ausspähung, in der Versorgung und in plötzlichen Vorstößen gegen Außenposten und ungeschützte feindliche Kompanien ...
Abgesehen von den Unionssoldaten aus den westlichen Staaten sind die Südstaatler perfektere Reiter als wir sie in unserer Kavallerie haben. Viele von ihnen haben von Jugend an im Sattel gesessen und sind in perfekter Selbstbeherrschung und Kontrolle ihrer Pferde unterschwierigen Umständen ausgebildet. Daneben haben sie den Bundestruppen gegenüber zwei weitere Vorteile: Nicht unterschätzt werden kann die gute Geländekenntnis, die Kenntnis der Straßen, der Schluchten, der Versteckmöglichkeiten, des Marschlandes, der Furten, der Wälder, usw. Noch wichtiger aber ist dieSympathie, die die Bewohner des Landes den südlichen Reitern fast überall entgegenbringen. Sie geben ihnen Informationen auf jede Art und Weise über den Anmarsch, die Stärke und die Pläne des Feindes. "

Kavallerist
Der wertvollste Besitz des Kavalleristen war sein Pferd  

Obligatorisch für die Kavalleriebewaffnung war der Säbel. Häufig handelte es sich um grobe Kopien des US-Kavallerie-Säbels. Hinzu kamen Revolver und Karabiner. Glücklich schätzten sich die Kavalleristen, die einen Original-Colt-Revolver ihr eigen nannten; sei es, daß sie ihn vor dem Krieg erworben, sei es, daß sie ihn von einem Unionsreiter erbeutet hatten. Häufiger waren Revolver aus konföderierter Produktion, die den US-Modellen entsprachen, allerdings qualitativ in der Regel weit zurückfielen. Üblich war der Sechsschüsser im Kaliber .36. Statt eines eisernen Rahmens, hatte er einen Rahmen aus Messing oder anderem billigerem Material.
In manchen Truppenteilen hatten die Reiter 2 Revolver. In der Truppe Colonel Mosby's trugen die Kavalleristen 2 Revolver im Gürtel und weitere 2 in Sattelholstern. Dafür hatten sie keinen Säbel.

Der effektive Gebrauch des Säbels war überhaupt die Schwäche des konföderierten Reiters. Schon der deutsche Kriegsbeobachter Major Scheibert bemerkte, daß die Südstaatler den Säbel eher ungeschickt handhabten und ihn im allgemeinen nicht mochten. Es kam vor, daß sie bei der Verfolgung von Unionsreitern diese mit dem Revolver oder gar mit der bloßen Faust aus dem Sattel schlugen.
Die Bewaffnung mit Karabinern war ein unlösbares Problem. Waren auch Rifles und Musketen für die Infanterie ausreichend verfügbar, so fehlte es an kurzläufigen Reitergewehren. In jedem Fall waren die Karabiner, die im Süden weit verbreitet waren, den Karabinern aus den Nordstaaten unterlegen. Die Union verfügte bereits über Hinterlader, die teilweise mit Metallhülsen geladen wurden, während im Süden die Karabiner genau wie die Musketen von vorn mit Pulver und Blei gestopft werden mußten - ein unmögliches Unterfangen zu Pferde. Erst im Frühjahr 1863 begann man in Richmond mit der Fertigung einer Kopie des beliebten Sharps-Hinterlader-Karabiners im Kaliber .54. Die Qualität war jedoch nicht sehr vertrauenserweckend. Die 4. Virginia Kavallerie erhielt die neuen Karabiner zur Probe und war enttäuscht.

Ein Lieutenant des Regiments berichtete:

„Gestern wurden meiner Kompanie 40 neue Sharps-Gewehre mit Richmond-Stempel ausgehändigt. Den Männern wurde befohlen, sie auszuprobieren.
9 wurden abgefeuert - und 7 von diesen 9 Exemplaren barsten. "

Sogar General Lee sah sich genötigt, Stellung zu nehmen. Er schrieb an die Beschaffungsbehörde:

„Die Richmond Sharps ist so mangelhaft, daß sie unsere Männer demoralisiert."

Der Chief of Ordonnanz der Kavalleriedivision meinte zwar, daß der Karabiner eine „exzellente Waffe, nur nicht perfekt zusammengebaut" war, aber der schlechte Ruf der Richmond-Karabiner war nicht zu beseitigen.

Über die Einsatzfähigkeit der konföderierten Kavallerie bemerkte der britische Colonel Fremantle:

„Ich äußerte meine Ansicht, daß es sehr nützlich gewesen wäre, wenn die Konföderierten vor Gettysburg Kavallerie gehabt hätten, die der gebrochenen Infanterielinie für den Fall gefolgt wäre, daß der Feind geschlagen und zurückgetrieben worden wäre. Zu meiner Überraschung aber sagten mir alle, daß ihre Kavallerie nicht wirksam für diesen Zweck sei. Tatsächlich schienen Stuarts Männer, so ausgezeichnet sie bei „Raids", bei der Erbeutung von Waggons und Versorgungsgütern, beim Abschneiden von Verbindungslinien waren, keine Vorstellung von einem Angriff auf Infanterie zu haben.
Im Gegensatz zu Bragg's Armee, tragen sie zwar Säbel, aber sie haben anscheinend nur geringe Vorstellungen über deren Gebrauch. Sie haben den Säbel zwischen ihrem linken Bein und dem Sattel stecken, was recht komisch aussieht. Ihre Pferde sind im allgemeinen gut, und sie reiten ausgezeichnet. Wie es scheint, haben Infanterie und Artillerie dieser Armee aber nicht viel Respekt vor der Kavallerie, denn oft verspotten sie sie. "

Auch im Norden hielt sich die Anerkennung für die Kavallerietruppe bei den anderen Waffengattungen in Grenzen - dort mit weitaus mehr Grund. Im Süden spielte bei Infanterie und Artillerie wohl auch der Neid eine Rolle, da die Reiterei meist im Ansehen der zivilen Öffentlichkeit vor den anderen Truppen rangierte. So wurden die Leistungen der Kavallerie heruntergespielt, und die Tatsache, daß sie sich zu Pferde während einer Schlacht im Notfall eher retten konnte als Fußsoldaten, wurde ihr ebenfalls angekreidet. Tatsächlich waren die Leistungen der südlichen Kavallerie vorzüglich und trugen in den ersten Kriegsjahren maßgeblich dazu bei, der Konföderierten Armee eine beherrschende Stellung auf den Schlachtfeldern zu geben. Die wachsende Neigung zu Eigenwilligkeiten aber, das mangelnde Interesse, sich in größeren Verbänden einzuordnen, führte im Verlauf des Krieges zu Ärgernissen, von denen die Fehler der Kavallerie speziell in der Schlacht von Gettysburg besonders übel vermerkt wurden.

Ein Colonel der Artillerie kritisierte:
„Unsere Kavallerie gab uns nicht rechtzeitig die notwendigen Informationen und versäumte es, uns abzuschirmen, bis wir uns einsatzfertig gemacht hatten, was ihre Hauptaufgabe gewesen wäre. Wenn Stuart, statt meilen weit entfernt zu sein, in der Position gewesen wäre, unseren Vormarsch zu schützen, unsere Infanterie zu warnen, den Feind zu binden und unsere Bewegungen zu verschleiern, bis alle Truppen gesammelt gewesen wären, gibt es keinen Grund daran zu zweifeln, daß wir den Feind hätten zerschmettern können. "

Stuarts KavallerieStuarts Kavallerie bricht im Morgengrauen zu einem Raid auf.

Auch an manchen anderen Kavallerieeinsätzen gab es nach Meinung von Beobachtern vieles zu bemängeln. Für europäische Militärs war es vor allem der fehlende Einsatz des Säbels, der den optimalen Wert der Kavallerie üblicherweise ausmachte. „Sie stürmen zwar ziemlich kühn aufeinander los", bemerkte Colonel Fremantle, „aber im entscheidenden Moment, wenn allein der Säbel gebraucht werden sollte, zögern sie, halten an und beginnen ein planloses Feuer mit Karabinern und Revolvern." Er befand resümierend, daß die amerikanische Kavallerie nicht mit europäischen Reitertruppen gleichgesetzt werden könnte.

Seiner Meinung wurde jedoch von anderen europäischen Beobachtern, wie dem Deutschen Major Scheibert, widersprochen, der den Einsatz der Stuart'schen Kavallerie als Beispiel für die Fortentwicklung der Reiterei im Militärwesen ansah, angesichts einer allgemeinen Stimmung gegen berittene Truppen in den europäischen Heeren.
Auch der deutschstämmige Stabschef der Kavallerie von Nord-Virginia, Major Heros von Borcke, schildert in seinen Erinnerungen unzählige Vorfälle, in denen die konföderierte Kavallerie in der klassischen Weise eingesetzt wurde und erfolgreich kämpfte, wobei das größte Reitergefecht der amerikanischen Militärgeschichte, die Schlacht von Brandy Station, keinen Vergleich mit Kavalleriekämpfen auf europäischem Boden zu scheuen brauchte.
Die „Instructionen für den Einsatz der Kavallerie", die J. E. B. Stuart verfaßte und die er zu seiner Maxime machte, beweisen, daß er das Wesen der Reitertruppen voll erfaßt hatte und weiterentwickelte, auch wenn einzelne Teile seines zeitweilig 12´000 Reiter umfassenden Kavalleriekorps in der Umsetzung gelegentlich Schwierigkeiten hatten. Stuart schrieb:

„Der Schlußangriff wird immer in Schwadronen ausgeführt, indem erst 50 Schritt vor dem Feind der Galoppsprung begonnen wird, von nun an aber muß von Sprung zu Sprung die Schnelligkeit der Gangart vermehrt werden, so daß dem eigentlichen Choc des Angriffs die größtmögliche Gewalt gegeben wird. Hierbei haben die Reiter mit ausgelegtem Säbel sich möglichst fest im Sattel zu halten. Diesem letzten Stoße kann nicht Gewalt genug gegeben werden; denn in dem Gewicht des Anpralls der Pferde liegt das Geheimnis des Gelingens der Reiter-Attacken. Die vom Feinde angewöhnte Unart, schon in der Entfernung von einer Viertelmeile in schneller Gangart anzureiten, auf Pistolenschußdistanz Halt zu machen und zu feuern, ist töricht und stets erfolglos.
Die Pistole (Revolver) sollte bei Attacken nie benutzt werden, außer wenn der Feind hinter irgendwelchem Hindernis mit der Hand nicht erreichbar ist, oder wenn der Mann zu Fuß kämpft."

Was viele Kavalleristen zögern ließ, Attacken konsequent zu reiten, war die Tatsache, daß beim Tod des Pferdes der Reiter zum Infanteristen wurde - sofern er kein neues eigenes Pferd beibringen konnte. „Der schneidigste Trooper", so bemerkte ein Stabsoffizier General Stuarts, „geht das größte Risiko ein, daß sein Pferd erschossen wird. Ist er dann nicht imstande, sich selbst wieder beritten zu machen, muß er in die Infanterie eintreten und ist für die Kavallerie verloren. Eine solche Strafe für Mut und Tapferkeit ist furchtbar demoralisierend."
Die Kavallerie von Nord-Virginia war in Regimentern organisiert, die sich aus jeweils 10 Kompanien oder Schwadronen zusammensetzten. Jede Kompanie hatte 60-80 Soldaten, 1 Captain, 1 First Lieutenant, 2 Second Lieutenants,
5 Sergeants, 4 Corporals, 1 Hufschmied und 1 Grobschmied. Der Regimentsstab bestand aus 1 Colonel, 1 Lieutenant Colonel, 1 Major, 1 Adjutant, 1 Sergeant Major, 1 Quartiermeistersergeant. Zwischen 2 und 6 Regimenter bildeten eine Brigade, bis zu 6 Brigaden wurden zur Division zusammengefaßt. Weiter gehörten berittene Artillerie, Munitions- und Versorgungstroß und eine rollende Schmiedewerkstatt zum Kavalleriekorps Stuarts.

 

Technisches und medizinisches Korps

Unumstritten in der gesamten Konföderierten Armee war das Korps der Ingenieure. Die Grundlagen dafür waren schon vor dem Krieg entstanden, als Virginia 1860 aus einigen Berufsingenieuren ein Genie-Korps auf Bundesstaatsebene zur Errichtung von Festungsanlagen geformt hatte. Diese Einheit ging nach Schaffung der Konföderierten Armee im konföderierten Ingenieur-Korps auf.
Schon während der ersten Kämpfe um Richmond im Frühsommer 1862 mußten Soldaten anderer Einheiten herangezogen werden, um Festungsarbeiten, Straßen- und Brückenbau durchzuführen.
Im Juni 1862 wies General Lee den Chief of Engineers der Nord-Virginia-Armee an, ein Pionierkorps zu schaffen, indem er 300 Mann von jeder Division dafür abzog. Obwohl das Korps klein war und die meisten Mitglieder ehemals Infanteristen und keine ausgebildeten Ingenieure waren, leistete es gute Arbeit. Nie war die Personalstärke für die vielen Aufgaben, die die Pioniere zu erfüllen hatten, ausreichend. Gelegentlich wurden für dringende Arbeiten sogar Zivilisten aus der näheren Umgebung herangezogen, so etwa beim Bau einer Brücke über den James River bei Richmond.
Ende 1863 beschloß der konföderierte Kongreß, alle regulär in der Nord-Virginia-Armee dienenden Ingenieure, Techniker und Handwerker zu 2 Regimentern zusammenzufassen, um sie effektiver einzusetzen.
Es entstanden das 1. und 2. Regiment der Confederate States Engineers. Jedes Regiment bestand aus 10 Kompanien zu jeweils 100 Mann.
Die Regimenter bestanden aus „Männern von 25 bis 35 Jahren, meist verheiratet, geschickt im Gebrauch mit Werkzeugen aller Art, Handwerker, Farmer, usw. Die Stabs- und Kompanieoffiziere waren von Beruf Zivilingenieure,
ebenso die meisten Lieutenants."

E. P. AlexanderE. P. Alexander, hier als General der Artillerie

Die Leistungen dieser Regimenter waren vorzüglich und wurden überall gelobt. Sie bauten nicht nur Festungsanlagen, sie verteidigten sie auch. Während der letzten Tage der Nord-Virginia-Armee, als sie sich auf dem Rückzug nach Appomattox befand, waren die Ingenieureinheiten sowohl
bei der Vorhut, um der eigenen Armee Brücken zu bauen, als auch bei der Nachhut, um den Feind aufzuhalten und die Brücken wieder zu zerstören.
Der andere technische Zweig der Nord-Virginia-Armee war das SIGNAL-KORPS (Nachrichten-Korps). Es wurde von E. P. Alexander organisiert,
dem späteren Chef der Artillerie.
Das Korps wurde dem Adjutant General's Department unterstellt und war verantwortlich für Nachrichtenübermittlung, Telegraphie und geheimdienstliche Arbeit im Feld. Telegraphendraht war knapp, deshalb spielte die Telegraphie für die Konföderierten eine weniger große Rolle.
Hinzu kam, daß viele konföderierte Offiziere dem Telegraphen mißtrauten, weil er angezapft werden konnte. Sie verließen sich lieber auf Kuriere.
Über kürzere Distanzen wurden Nachrichten bei Tage mit Flaggensignalen, bei Nacht mit Fackeln oder Signalfeuern übermittelt.
Ingenieure und Nachrichtentruppen trugen entweder weißen oder lederfarbenen Uniformbesatz, manchmal aber nur schmuckloses Grau.

Das Medical Department der Konföderierten begann am 4. Mai 1861 mit drei Sanitätsoffizieren seinen Dienstbetrieb.

Als Sanitätsinspekteur fungierte zunächst Surgeon Daniel De Leon, nach einigen Wochen folgte ihm ein anderer Sanitätsoffizier, bis schließlich Surgeon Samuel Preston Moore am 1. Juli 1861 diesen Posten
mit dem Rang eines Oberst bis zum Ende des Krieges erhielt.

Die Besatzfarbe der Männer des Medical Department war Schwarz. Als die Konföderierte Armee geschaffen wurde, wurde auch ein medizinisches Department ins Leben gerufen und ein General-Arzt an die Spitze gesetzt.
Sein Rang entsprach einem Brigadegeneral der Kavallerie. Die personelle Ausstattung dieses Departments sah 1´000 Ärzte im Rang eines Kavallerie-Majors und 2´000 Assistenzärzte im Rang eines Kavallerie-Captains vor.
Sie trugen die gleichen Uniformen wie andere Offiziere gleichen Rangs. Weitere Ärzte konnten vertraglich auf Zeit verpflichtet werden. Sie wurden als Second Lieutenants
der Infanterie eingestuft. Diese Ärzte hatten die Möglichkeit, durch eine medizinische Kommission geprüft zu werden und dann entweder in den höheren Rang der regulären Armee-Ärzte oder -Assistenzärzte verpflichtet zu werden, oder aus der Armee auszuscheiden.
Jedem Regimentsstab wurden 1 Arzt, 1 Assistenzarzt und 1 Sanitäter zugeteilt, jedes Bataillon Infanterie und Kavallerie erhielt einen Assistenzarzt, ebenso viele Artillerie-Batterien. Auf Brigadeebene wurde der Arzt mit der längsten Dienstzeit zum „Senior-Arzt" der Brigade ernannt. Ihm waren alle anderen Ärzte der Brigade unterstellt.
Er behielt allerdings zugleich die Verantwortung für seine Position im Regimentsstab, dem er angehörte. Daher wurde zusätzlich meist ein Assistenzarzt für den Brigadestab ernannt, der die Schreibarbeit erledigte.

Der dienstälteste Brigadearzt wurde zum Divisionsarzt ernannt. Die Senior-Brigadeärzte hatten ihm zu berichten. Jedes Korps verfügte zusätzlich über einen Arzt, der im Stab des Korps als medizinischer Direktor Verantwortung trug.
Viele Ärzte trugen neben ihrer regulären Uniform grüne Schärpen, wie dies auch bei den Ärzten der US-Armee üblich war. Zusätzlich war die Vorderseite des Hutes oder des Kepis mit den goldfarbenen Buchstaben „M. S." bestickt, umrahmt von zwei Olivenzweigen.Samuel P. Moore, Surgeon General 1861 - 1885


Samuel P. Moore, Surgeon General 1861 - 1885

Die Qualität der Armeemediziner war sehr unterschiedlich, hervorragenden Ärzten standen eine Menge regelrechte Quacksalber gegenüber. Manche hatten überhaupt keine ordentliche medizinische Ausbildung.   Ein Assistenzarzt stellte fest, daß er seine Position nur deshalb erhalten hatte,
„ ... weil ich, während ich in New York die Schule besuchte, mich häufig in Krankenhäusern umgesehen und zwei Kurse mit medizinischen Vorlesungen belegt hatte, so daß ich ein wenig Kenntnisse von Wundbehandlung gewonnen hatte. Dies, und eine besondere Neigung für dieses Studium, entschied über meine künftige Laufbahn. "

Derselbe Assistenzarzt, der seine eigenen Fähigkeiten eher skeptisch beurteilte, kritisierte das Medical Department:

„Die meisten Ärzte erfüllten ihre Pflicht in nobler Weise. Aber einige junge Männer, die offenbar gerade vom College gekommen waren,
täuschten die Sicherheit und Geschicklichkeit erfahrener Ärzte nur vor und führten schwierige Operationen durch, ohne Rücksicht auf Leib und Leben der Menschen."

Im Einsatz organisierte der Regimentsarzt den Aufbau eines Feldlazaretts. Der Assistenzarzt folgte dem Regiment in die Schlacht. Der Stabssanitäter blieb entweder beim Arzt hinter der Front zurück oder begleitete den Assistenzarzt, je nach dem Erfordernis der Lage. Der Sanitäter war meist Medizinstudent im Rang eines Unteroffiziers, in der Regel wurde er als Ordonnanz-Sergeant eingestuft.
Er hatte auch entsprechende Ärmelwinkel. Er verwaltete die Medikamentenvorräte und gab diese aufgrund der ärztlichen Anordnungen aus.
Er begleitete die Ärzte bei der Morgenvisite. Er führte auf dem Marsch und im Lager die Lazarettabteilung, während diese Aufgabe in einer Schlacht vom Assistenzarzt übernommen wurde.

Diese Abteilung bestand meist aus der Regimentskapelle, die hinter dem übrigen Regiment in den Kampf zog. Jeder Mann trug einen Rucksack mit Verbandszeug, Aderpressen und anderen Erste-Hilfe-Ausrüstungen. Jeweils 2 Männer führten eine Bahre mit sich.
Die Mitglieder der Lazarettabteilung hatten die Aufgabe, während des Kampfes an Ort und Stelle erste Hilfe zu leisten, unter Anweisung und Aufsicht des Assistenzarztes, und die Verwundeten dann hinter die Front zum Feldlazarett zu schaffen. Hier wurden Operationen durchgeführt, eventuell auch Amputationen.
Wer dies alles überlebte, wurde zur weiteren Behandlung hinter die Front transportiert, etwa in das riesige Chimborazo-Hospital in Richmond, wo während des Krieges etwa 76´000 Soldaten versorgt wurden.
Das Hospital, das aus 150 einstöckigen Gebäuden bestand, konnte gleichzeitig 4´800 Männer aufnehmen. Es verfügte über eine eigene Bäckerei, ein Eishaus, Suppenküchen - und sogar eine eigene Farm mit Kühen und Ziegen zur Milch- und Fleischversorgung.

Als im späteren Kriegsverlauf die Regimentskapellen seltener wurden, wurden Soldaten, die verwundet oder krank gewesen und noch nicht völlig einsatzfähig waren, Sanitätsaufgaben übertragen, obwohl sie, wie Colonel Fremantle als Beobachter der Schlacht von Gettysburg schrieb,
„für diese Arbeit ebensowenig ausgebildet waren wie die Musiker, vielleicht sogar noch schlechter."
Er schrieb weiter:
„Im Rücken eines jeden Regiments warteten zwischen 20 und 30 Negersklaven und eine Anzahl unbewaffneter Männer, die Bahren trugen.
An ihren Hüten heftete das Zeichen des Ambulance Corps. Eine ausgezeichnete Einrichtung um zu verhindern, daß unverletzte und voll kampffähige Männer
sich aus der Front zurückziehen, indem sie den Kampf abbrechen, um verwundete Kameraden nach hinten zu tragen."

Die Disziplin innerhalb des Ambulance Corps war generell besser als in den anderen Truppenteilen - zum Vorteil der Verwundeten.

 

Die Armeeführung

Als die Konföderierte Armee organisiert wurde, war vorgesehen gewesen, die Division als größtes geschlossenes Truppenkontingent unter einem Generalmajor anzusehen, der nur dem Oberkommandierenden verantwortlich war. Dies erwies sich bald als unpraktikabel, da die Größe der Armee dem Oberkommandierenden auf diese Weise eine wirksame Führung und Kontrolle nicht erlaubte. Robert E. Lee setzte daher zwischen sich und die Divisionskommandeure „informelle" Führungsstäbe unter den Generälen Longstreet und „Stonewall" Jackson. (General Magruder, der zunächst ein solches Kommando hielt, wurde später in den Westen versetzt.) Diese Kommandos faßten jeweils mehrere Divisionen zusammen.
Am 8. September 1862 hatte Lee sein Konzept durchgesetzt, und der konföderierte Kongreß verwandelte per Gesetz diese Führungsstäbe in Armeekorps.
Die Korpskommandanten wurden zu Generallieutenants ernannt, Lee erhielt den vollen Generalsrang.
War die Disziplin auch schlecht und die Moral Schwankungen unterworfen, so hielten diese Korpskommandanten doch allein durch die Kraft ihrer Persönlichkeit und ihrer Führungsfähigkeiten die Armee zusammen.
Zuletzt war nur Robert E. Lee dazu noch in der Lage. 1862 besuchte der britische Lord Wolseley die konföderierte Armee und schrieb beeindruckt,
welch „festes und unerschütterliches Vertrauen" unter den Soldaten in General Lee gesetzt wurde,

„in alles, was er tat. Es gab eine feste Zuversicht bei allen, die unter ihm dienten."
Über „Stonewall" Jackson notierte er:
„Er wird mit Inbrunst idealisiert wie Napoleon. Man folgt ihm mit einer Mischung aus persönlicher Anhänglichkeit und ergebener Loyalität, die dazu beiträgt,
für ihn zu sterben und ihn im Sterben noch zu segnen."

R. E. Lee, General

General Robert E. Lee

Nach dem Tod Jacksons konzentrierten sich alle verehrenden und anhänglichen Gefühle auf Lee - bis zum bitteren Ende und darüber hinaus. Wie sehr Lee diese Gefühle zurückgab, geht aus seinem letzten Tagesbefehl, der General Order No. 9 an die Armee von Nord-Virginia, hervor:

„Nach vierJahren beschwerlichen Dienstes, der gekennzeichnet war von unübertroffenem Mut und Tapferkeit der Armee von Nord-Virginia, ist sie nun gezwungen worden, sich der zahlenmäßigen und materiellen Übermacht zu ergeben. Ich brauche den Überlebenden so vieler harter Schlachten, die bis zuletzt treu geblieben sind, nicht zu sagen, daß ich diesem Ergebnis nicht etwa aus mangelndem Zutrauen in sie zugestimmt habe.
Aber ich habe gefühlt, daß Tapferkeit und Ergebenheit nichts mehr erreichen, daß sie den Verlust nicht ausgleichen konnten, den die Fortsetzung des Kampfes mit sich gebracht hätte. So habe ich mich entschlossen, das sinnlose Sterben derer zu verhindern, deren bisherige Dienste ihnen die Liebe ihres Landes eingebracht haben.
Entsprechend den vereinbarten Bedingungen, können Offiziere und Mannschaften in ihre Heimat zurückkehren. Ihr werdet die Befriedigung mitnehmen, die treue Pflichterfüllung verschafft, und ich bete inbrünstig dafür, daß ein gnädiger Gott euch seinen Segen und Schutz angedeihen läßt. Mit ewiger Bewunderung für eure Standhaftigkeit und Ergebenheit zu eurem Land und in dankbarer Erinnerung an eure freundliche und großzügige Rücksichtnahme zu mir, entbiete ich euch ein liebevolles Lebewohl!

R. E. Lee, General
Hauptquartier der Armee von Nord-Virginia, 10. April 1865. "

 

Die Hauptaktionen der Armee von Nord-Virginia
© Philip R. N. Katcher

 

1862

Schlacht der 7 Tage, 26. Juni bis 1. Juli - Jackson 's und Magruder's Kommando.
Zweite Schlacht von Manassas (Bull Run), Virginia, 30. August - Longstreet's und Jackson's Kommando.
Sharpsburg, Maryland, 17. September - Longstreet's und Jackson's Kommando.
Fredericksburg, Virginia, 13. Dezember - Longstreet's und Jackson's Korps und das Kavallerie Korps.

1863

Chancellorsville, Virginia, 1. bis 4. Mai - McLaw's und Anderson's Divisionen, Longstreet's und Jackson 's Korps und das Kavallerie Korps.
Brandy Station (Beverly Ford), Virginia, 9. Juni - Kavallerie Korps.
Gettysburg, Pennsylvania, 1. bis 3. Juli - Die Korps von Longstreet, Ewell und Hill, sowie das Kavallerie Korps.
Mine Run, Virginia, 26.-28. November - Die Korps von Longstreet, Ewell und Hill.

1864

Wilderness, Virginia, 5. bis 7. Mai - Die Korps von Longstreet, Ewell, Hill, sowie das Kavallerie Korps.
Cold Harbor, Virginia, 1. Juni - die Korps von Longstreet, Ewell und Hill, sowie das Kavallerie Korps.
Cedar Creek, Virginia, 19. Oktober - Die Divisionen Ramseur, Pegram, Gordon, Kershaw, Wharton. Die Kavalleriedivisionen Lomax und Rosser, sowie Artillerie.
Belagerung von Petersburg, Virginia,
ab dem 15. Juni - Die Korps von Longstreet, Gordon, Hill, sowie das Kavallerie Korps.

1865

Appomattox-Kampagne, 1. bis 9. April - Die Korps von Longstreet, Gordon, Hill, Anderson, das Kavallerie Korps und G. W. C. Lee's Division.



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