Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
James Russell Soley, The Navy in the Civil War, Volume 1 The Blockade and the Cruisers, 1883
sowie Veröffentlichungen, Illustrationen und Dokumentarfotos des Naval Historical Center,
der Bibliothek des Kongresses und des U.S. Nationalarchivs
Richard Hill, Der Krieg der Panzerschiffe, Brandenburgisches Verlagshaus, 2001

Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching


DIE SEEBLOCKADE DER UNION

 

Als sich der Konflikt zwischen den Staaten im Frühjahr 1861 zuspitzte, schlug der Kommandierende General der US-Armee, Winfried Scott, dem Präsidenten Abraham Lincoln unter anderen strategischen Maßnahmen eine Seeblockade der Südstaaten vor, um die „Rebellen“ daran zu hindern, mit anderen Staaten Handel zu treiben. Dieser Vorschlag erhielt von der Presse in Anlehnung an eine Würgeschlange den Namen „Anaconda-Plan“.

Sechs Tage nach dem Fall von Fort Sumter erließ der Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, am 19. April 1861 eine Proklamation, in der er eine Blockade der Häfen der Südstaaten von South Carolina bis Texas verkündete, die am 27. April auch auf die Staaten Virginia und North Carolina ausgedehnt wurde.

Nach dem damals geltendem Völkerrecht konnte ein Staat seine eigenen Häfen aber nicht selbst blockieren, sondern sie nur für Schiffe schließen. Dies wäre aber nur eine innerstaatliche Regelung gewesen. Als die Unionsregierung diesbezüglich mit ausländischen Botschaftern in Verbindung trat, machte Lord Lyons, der Botschafter Großbritanniens deutlich, daß sein Land eine Schließung der Häfen nicht akzeptieren könnte. Bei einer gewaltsamen Durchsetzung würde dies zum Krieg mit Großbritannien führen. (Die britische Textilindustrie hatte großen Bedarf an der Baumwolle der Südstaaten.) So blieb nur die offizielle Erklärung einer „Blockade“ übrig, die der Blockadenation völkerrechtlich erlaubte, auch neutrale Schiffe auf hoher See anzuhalten und zu durchsuchen. Damit wurde aber de facto die Konföderation als kriegsführender, eigenständiger Staat anerkannt, was eigentlich nicht im Sinne der Unionsregierung war, die die Südstaaten als „Rebellen“ und „Abtrünnige“ und nicht als eigenen Nationalstaat betrachteten.

Doch wie sollte ein Land eine Küstenlinie von etwa 5600 Kilometern mit 200 Flußmündungen, Buchten und Häfen blockieren, das im April nur 42 einsatzbereite Schiffe hatte, darunter viele Dampffregatten, die für diesen Zweck zu groß und zu langsam waren? Der Rest der amerikanischen Flotte (48 von insgesamt 90 Schiffen) befand sich zur Überholung in den Werften oder auf Außenstationen (28 Schiffe) im Mittelmeer, vor Afrika und Südamerika sowie in China.

So wurde sofort ein Strategischer Blockadeausschuß (Blockade Strategy Board) einberufen, der sich mit den anstehenden Problemen befassen sollte. Als Sofortmaßnahme rief man fast alle Schiffe aus den ausländischen Gewässern zurück und kaufte und charterte einige zusätzliche Schiffe. Und man baute neue Schiffe, die wegen ihrer kurze Bauzeit „Neunzigtage-Schiffe“ genannt wurden. Dies waren sehr wendige und schnelle (13 Knoten) Kanonenboote mit wenig Tiefgang. Daraus wurde dann das Blockadegeschwader Küste (Coast Blockade Squadron) aufgestellt, das kurz darauf nach Zuführung weiterer Schiffe geteilt wurde.

 

Die Gliederung der Blockadegeschwader
Aufgrund der langen Küstenlinie entstanden so das Blockadegeschwader Atlantik (Atlantic Blockading Squadron) mit Sitz in Hampton Roads, Virginia,
und das Blockadegeschwader Golf (Gulf Blockading Squadron), mit Sitz in Key West, Florida.
Die Grenze zwischen den beiden Geschwadern war ungefähr die Südspitze von Florida.

Am 29. Oktober 1861 teilte man diese Geschwader noch einmal.
Im Atlantik entstanden das Blockadegeschwader Nordatlantik (North Atlantic Blockading Squadron) (NABS) mit Sitz in Hampton Roads,
und das Blockadegeschwader Südatlantik (South Atlantic Blockading Squadron) (SABS) mit Sitz in Port Royal, South Carolina (ab 7. November).
Die Grenze zwischen den beiden Geschwadern war die Grenze zwischen North und South Carolina.
Die Grenze zum Blockadegeschwader Golf befand sich auf der Höhe von Cape Canaveral, Florida.

Aus dem Blockadegeschwader Golf wurde am 20. Februar 1862 das Blockadegeschwader Östlicher Golf:
(East Gulf Blockading Squadron)
(EGBS) mit Sitz in Key West, Florida,
und das Blockadegeschwader Westlicher Golf:
(West Gulf Blockading Squadron)
(WGBS) mit Sitz in Pensacola und Ship Island, Mississippi.
Der Einsatzbereich des EGBS erstreckte sich von Cape Canaveral bis Pensacola, Florida,
das WGBS überwachte die Küste von Pensacola bis zur Mündung des Rio Grande an der mexikanischen Grenze.

Innerhalb dieser Geschwader gab es weitere regionale Aufteilungen, damit alle wichtigen Häfen des Südens überwacht werden konnten.

 

Die Kommandeure der Blockadegeschwader

 


David D. Porter

Blockadegeschwader Nordatlantik (North Atlantic Blockading Squadron)
Am 29. Oktober 1861 aus dem Blockadegeschwader Atlantik (Atlantic Blockading Squadron) aufgestellt.
Kommandeure:
Flag Officer Louis M. Goldsborough, 29. Okt. 1861
Acting Rear Admiral S. Phillips Lee, 4. Sept. 1862
Rear Admiral David D. Porter, 12. Okt. 1864
Acting Rear Admiral William Radford, 1. Mai 1865
Eingegliedert in das Atlantik-Geschwader (Atlantic Squadron) am 25. Juli 1865.


 

 


John A. Dahlgren

Blockadegeschwader Südatlantik (South Atlantic Blockading Squadron):
Am 29. Oktober 1861 aus dem Blockadegeschwader Atlantik (Atlantic Blockading Squadron) aufgestellt.
Kommandeure:
Flag Officer Samuel F. Du Pont, 29. Okt 1861
Rear Admiral John A. Dahlgren, 6. Juli 1863
Eingegliedert in das Atlantik-Geschwader (Atlantic Squadron) am 25. Juli 1865.

 

                                               
                                               

                                               

  Cornelius K. Stribling

  Blockadegeschwader Östlicher Golf (East Gulf Blockading Squadron):
  Am 20. Februar 1862 aus dem Blockadegeschwader Golf (Gulf Blockading Squadron) aufgestellt.
  Kommandeure:
  Flag Officer William W. McKean, 20. Febr. 1862
  Flag Officer J. L. Lardner, 4. Juni 1862
  Acting Rear Admiral Theodorus Bailey, 9. Dez. 1862
  Captain Theodore P. Greene, 7 Aug 1864 (Commander pro tem [auf Zeit])
  Acting Rear Admiral Cornelius K. Stribling, 14. Okt. 1864
  Eingegliedert in das Golf-Geschwader (Gulf Squadron) am 13. Juli 1865.
                                               
                                               
                                               
                                               
                                              
                                               

David G. Farragut

Blockadegeschwader Westlicher Golf (West Gulf Blockading Squadron):
Am 20. Februar 1862 aus dem Blockadegeschwader Golf (Gulf Blockading Squadron) aufgestellt.
Kommandeure:
Flag Officer David G. Farragut, 20. Febr. 1862
Commodore James S. Palmer, 30. Nov. 1864
Acting Rear Admiral Henry K. Thatcher, 23. Febr. 1865
Eingegliedert in das Golf-Geschwader (Gulf Squadron) am 13. Juli 1865
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Der Verlauf der Blockade
Da es der US Navy zu Beginn des Krieges unmöglich war, sofort eine wirksame Blockade zu errichten, beschränkte sie sich zunächst darauf, die größeren Handelshäfen wie Wilmington, Charleston, Savannah am Atlantik sowie Mobile und New Orleans im Golf abzuriegeln. Selbst dies gelang aber nicht allzu erfolgreich, denn die Häfen waren durch starke Küstenforts geschützt und zwangen so die Blockadeschiffe dazu, in einem größeren Abstand zu operieren, der zu entsprechenden Lücken führte.

Im August 1861 entsandte Charles Prioleau des Handelshauses Fraser, Trenhom & Co., das zu einer der führenden Blockadebrecher-Handelsgesellschaften werden sollte, ein Schiff nach Savannah. Als es den Hafen ungehindert erreicht hatte und mit einer Ladung Baumwolle zurückkehrte, die hohe Gewinne einbrachte, entschloß sich die Gesellschaft sofort zum Bau einer Flotte von Blockadebrechern, die in den amerikanischen Gewässern operieren sollten.

Diese speziellen Dampfschiffe hatten niedere Aufbauten, geringen Tiefgang, ein durch die Radkästen geschütztes Ruderhaus und sogar einziehbare Schornsteine. Ein grauer Tarnanstrich sorgte zusätzlich für ein spätes Erkennen der Schiffe.


 

Der Blockadebrecher Colonel Lamb

Bereits Mitte 1862 hatte die US Navy die Atlantikküste der konföderierten Staaten im Norden und Süden abgeriegelt. Im Norden waren die Hatteras- und Roanoke-Inseln sowie die Küstenstädte Norfolk und Beaufort an die Union gefallen und auch im Süden befanden sich Port Royal in der Nähe von Savannah sowie mehrere Siedlungen in Florida in ihren Händen. Am Golf von Mexiko kontrollierte die Union nicht nur New Orleans, sondern auch das gesamte Mississippi-Delta. Durch ihre Besetzung waren diese Orte nicht nur für die Konföderation verloren gegangen, sondern sie bildeten damit auch wertvolle Brückenköpfe für die Union für weitere Blockadeoperationen und Marineangriffe.

 

Jedoch gab es drei Häfen im Süden, die weiterhin einen florierenden Handel mit dem Ausland trieben. Dies war möglich durch den Einsatz mutiger Blockadebrecher, durch die hydrografischen Bedingungen, mit denen die Blockadeschiffe aus dem Norden oft nicht zurechtkamen, durch die starken Verteidigungsunterlagen an den Eingängen dieser Häfen und, so besagten verschiedene Gerüchte, infolge der stillschweigenden Duldung eines umfangreichen Schmuggelhandels durch bestimmte Unternehmen des Nordens, wodurch beispielsweise gewährleistet wurde, daß ein Großteil der Baumwolle aus den Häfen des Südens seinen Weg über Nassau in die nördlichen Fabriken fand. Bei diesen Häfen handelte es sich um Charleston und Wilmington an der Atlantikküste sowie um Mobile am Golf von Mexiko.

Die Operation der Union mit dem geringsten Erfolg während des gesamten Krieges war der langwierige Angriff auf Charleston, der 1863 mehrere Monate lang dauerte. Er zerstörte den guten Ruf von zwei Flaggoffizieren der Union und verursachte beträchtliche Verluste unter den Seestreitkräften der Union. Obwohl einige Forts der Konföderation in Schutt und Asche lagen, konnte sich der Hafen insgesamt halten.

 

Das erste Ziel unter diesen drei Häfen war Charleston. Dieser Hafen hatte eine besondere symbolische wie auch praktische Bedeutung: Dort hatte der Krieg begonnen und die Stadt wurde als Brutstätte der Sezession betrachtet. Im Januar 1863 wurde die Aufgabe der Eroberung von Charleston an Konteradmiral (dieser Dienstgrad war inzwischen eingeführt worden) Du Pont übertragen, einen Offizier der Union, der sich zuvor bei der Einnahme von Port Royal ausgezeichnet hatte.

Sein Verband setzte sich größtenteils aus Holzschiffen zusammen, hatte aber auch ein Monitor-Schiff, die Montauk, und zu Beginn der Operation war ihm die Bereitstellung weiterer Schiffe dieses Typs zugesagt worden.

 

 

Die Verteidigungsgrund der Konföderation bestanden aus einer Reihe von soliden Forts mit insgesamt ungefähr 250 Geschützen, fest vertäuten Seeminen, die sich bereits in den oberen Abschnitten des Mississippi bewährt hatten, und zwei neugebauten kleinen Panzerschiffen, der Palmetto State und der Chicora, die anfänglich mit großem Elan operierten.

Die New Ironsides der Union war wahrscheinlich das am weitesten entwickelte Schiff, das während des Bürgerkrieges gebaut wurde. Es wurde 1863 von einem Tauchboot der Konföderation ohne Erfolg angegriffen und konnte den Krieg unbeschadet überstehen.


Fest vertäute Minen (die damals als Torpedos bezeichnet wurden) gehörten zu den wichtigsten Waffen für die Hafenverteidigung der Konföderation.
Doch nicht immer konnte eine Detonation mit Sicherheit erfolgen.


Die Streitkräfte der Union versuchten zunächst die Forts durch Beschuß von den Monitor-Schiffen aus (von denen schließlich sieben vorhanden waren) zu zerstören.
Jedoch war ihre Feuergeschwindigkeit sehr gering und so hatten die Verteidiger ausreichend Zeit um vor dem nächsten Schuß in Deckung zu gehen und dann wieder aufzutauchen und zurückzufeuern.

Ein Angriff mit größerer Entschlossenheit erfolgte dann am 7. April.
Allerdings traf er auf starkes Gegenfeuer; ein Monitorschiff ging unter und ein anderes wurde durch eine Mine zerstört.


Während des Sommers wurden etliche Angriffe dieser Art durchgeführt, aber obwohl man Fort Sumter dabei in Schutt und Asche legte und eine andere Festung aufgegeben wurde, konnte sich Charleston selbst halten. Auch durch die Ablösung von Du Pont durch Konteradmiral Dahlgren änderte sich die Situation kaum.

Eine bemerkenswerte Premiere während dieses Feldzugs stellte einer Reihe von Angriffen dar, die durch konföderierte Schiffe auf das Flaggschiff der Union, die New Ironsides, einem Breitseiten-Panzerschiff konventioneller Bauart, durchgeführt wurden. Dabei benutzte man Spierentorpedos, wobei der erste auf einem dampfgetriebenen Stangentorpedoboot und der zweite auf einem Tauchboot namens David befestigt war.

Keiner der beiden Torpedos richtete größeren Schaden an, aber sie waren Vorboten für spätere Ereignisse, die eintraten, als im nächsten Jahr ein U-Boot der Konföderation, das mit einem Handpropeller angetrieben wurde, das Union-Schiff Housatonic mit einem Spierentorpedo versenken konnte. Alle Matrosen des U-Boots kamen dabei ums Leben. Noch größere Bedeutung hatte in den Augen einiger Leute der erfolgreiche Angriff eines dampfgetriebenen Stangentorpedobootes der Union unter dem Befehl von Lieutenant Cushing, das im Oktober 1864 das Panzerschiff Albemarle ebenfalls mit Hilfe eines Spierentorpedos versenken konnte.

Infolge der gescheiterten Eroberung von Charleston zog die Union als Nächstes einen Angriff auf Mobile in Erwägung. Doch dieses Unternehmen war genauso schwierig wie die Operation gegen Charleston. Die Zufahrt des dortigen Hafens war nur etwas breiter als eine Meile, wobei die Hälfte davon aus nicht schiffbaren Sandbänken bestand und auf jeder Seite befanden sich starke Forts. Der schiffbare Teil des Kanals war stark vermint und die einzige Lücke in diesem Minenfeld, die man für Blockadebrecher offen gelassen hatte, befand sich dicht unter den Geschützen von Fort Morgan.

Ein gefährliches Panzerschiff, die Tennessee, die nach dem Vorbild der Virginia konstruiert, aber viel stärker als diese war und durch den wieder gesundeten Captain Buchanan befehligt wurde, lauerte in der Bucht.

Farragut, dem man das Kommando für diese Operation übertragen hatte, machte sich keine Illusionen. Er wartete so lange, bis seine Streitmacht eine für ihn ausreichende Stärke hatte: vier Monitorschiffe und 14 Holzschiffe, einschließlich seines Flaggschiffs, der Hartford. Am 5. August 1864 gingen sie zum Angriff über, wobei die Monitorschiffe voranfuhren, gefolgt von den paarweise zusammengebundenen übrigen Schiffen. Das erste Monitor-Schiff, die Tecumseh, wollte sofort die Tennessee angreifen, da diese bereits das Feuer eröffnet hatte. Bei ihrem Versuch das Minenfeld zu durchqueren wurde sie jedoch unter schweren Verlusten versenkt. Der Angriff des Nordens geriet in Gefahr in einem Chaos zusammenzubrechen.

Farragut war nicht nur ein äußerst fähiger Kommandeur, sondern er trug auch zur Deckung des Bedarfs an Helden in dieser Phase des Krieges bei. Sein Mut und seine Entschlossenheit bei der Fortsetzung des Angriffs auf Mobile nach dem anfänglichen Rückschlag durch den Verlust der Tecumseh wurden legendär.

       

Das Bild zeigt ihn an den Wanten seines Flaggschiffs, der USS Hartford.

Genau zu diesem Zeitpunkt traf Farragut seine berühmte Entscheidung zur Fortsetzung des Kampfes, wobei er den noch berühmteren Satz sagte:
„Zum Teufel mit den Torpedos!"
Die Hartfort glitt über mehrere Minen hinweg und die restlichen Schiffe der Flotte folgten ihr. Obwohl sie sich danach innerhalb der Bucht befanden, war die Schlacht damit keinesfalls vorbei.
Die Tennessee kämpfte noch mehrere Stunden lang weiter, bis sie dann schließlich kapitulierte, nachdem sie von Monitor-Schiffen umzingelt war, die sie bombardierten und zu rammen versuchten.

Die Forts hielten sich noch mehrere Tage lang und Mobile selbst wurde erst 1865 erobert, obwohl der Hafen nach August 1864 als Zuflucht für Blockadebrecher der Konföderation nicht mehr verwendet werden konnte.
(Siehe auch Seite „Mobile Bay“ bei „Schlachten“.)

Da Charleston sich als uneinnehmbar erwiesen hatte, blieb nun nur noch Wilmington übrig. Dieser Hafen wurde am Eingang bei Cape Fear durch Fort Fisher geschützt, das vor allem dank der Arbeit eines Mannes in eine starke Festung verwandelt worden war und dieser Mann war Colonel Lamb von den konföderierten Streitkräften.

 

Selbst 1864 noch war die Zahl der Blockadebrecher, die den Cape Fear River bis nach Wilmington hinauffuhren, noch erheblich, da es wegen der Gestalt der dortigen Küste und der geringen Wassertiefe über der Barre für Blockadeschiffe schwierig war sich dort aufzuhalten. Jedoch dauerte es bis zum Dezember des gleichen Jahres, bevor man die nötigen Streitkräfte für einen Angriff auf Fort Fisher zusammengestellt hatte.



Der erste Angriffsversuch, bei dem Konteradmiral Porter den Marineverband befehligte und General Butler das Kommando über die Landstreitkräfte führte, scheiterte jedoch.
General Butler (links) war ein Mann mit großem politischen Einfluß in Washington, jedoch mit geringer militärischer Kompetenz und er scheute davor zurück den Angriffsbefehl zu geben, nachdem ein wahnwitziger Plan mit einem Sprengschiff, das vor dem Fort detonieren sollte, nicht aufgegangen war. Butler wurde dann durch

General Alfred Howe Terry

abgelöst, der größere Entschlossenheit zeigte und am 15. Januar 1865 konnte man das Fort nach der heftigsten Beschußoperation des ganzen Krieges schließlich erobern.
An diesem Angriff nahmen sowohl Verbände der Marine als auch Armeeeinheiten teil und unter beiden gab es starke Verluste.
Von allen Kampfhandlungen an der Küste kann diese wohl am ehesten als wahrhaft gemeinsame Operation bezeichnet werden und obwohl es dabei auch recht hart zuging (Porter war kein Kommandeur, mit dem seine Kollegen leicht auskommen konnten), war es auch die erfolgreichste. Wilmington wurde am 22. Februar besetzt.

 

 

 

Die Blockadebrecher
Neben einigen Handelsgesellschaften beteiligten sich auch viele private Schiffseigner und ihre Kapitäne an dem „Abenteuer“, die Blockade zu durchbrechen, denn die Gewinne waren beträchtlich. Schon der Erlös von zwei Durchbrüchen konnte ausreichen, um ein neues Schiff kaufen und ausrüsten zu können.

Wie hoch die Gewinne waren, sollen zwei Beispiele zeigen. Für ein Zentner Baumwolle, der in New Orleans für 7,23 $ verkauft wurde, mußte man in Großbritannien 43,40 $ zahlen, oder noch extremer, Salz, das auf den Bahamas für 6,50 $ eingekauft wurde, konnte in den Südstaaten für 1700 $ verkauft werden.

Die Handelsgüter wurden mit großen Handelsschiffen von Übersee in die „Umladehäfen“ vor den USA gebracht. Die Häfenstädte Nassau auf den britischen Bahama-Inseln, Habana auf Kuba und die Häfen auf den britischen Bermuda-Inseln sowie Matamoros in Mexiko erlebten einen bisher nie gekannten Wirtschaftsaufschwung. Hier wurden die Waren auf die schnellen und wendigen Blockadebrecher umgeladen, die dann die konföderierten Hafenstädte anliefen.


Es wird geschätzt, daß die Blockade während des gesamten Krieges etwa 8200 mal durchbrochen wurde.
So kamen allein über die Häfen Wilmington und Charleston während der letzten sechs Monate des Jahres 1864 etwa 500.000 Paar Schuhe, 1,5 Mi. Pfund Blei, 3,5 Mi. Pfund Fleisch, 2 Mi. Pfund Salpeter, 43 Kanonen und 50.000 Gewehre, zusammen mit Stoffen, Decken und Medikamenten in die Südstaaten, so daß Lee’s Army of Northern Virginia 140.000 Hosen, 100.000 Uniformjacken, 167.000 Paar Schuhe und 150,00 Hemden empfangen konnte.
In diesem Zeitraum wurde aus Wilmington Baumwolle im Wert von 65 Mill. $ exportiert. Aber auch Luxusgüter, wie Seide, Parfüm und Spirituosen fanden ihren Weg in die Südstaaten. Insgesamt wurden etwa 600.000 moderne Gewehre, d.h. 60 % der Handfeuerwaffen des Südens und 2,5 Mill. Pfund Salpeter zur Pulverherstellung ins Land gebracht.

Im Jahr 1861 waren durchschnittlich 90 % der Durchbruchsversuche erfolgreich, 1862 waren es noch 87 %, 1863 schafften es 75 %, 1864 waren es 66 % und 1865 kam noch die Hälfte der Schiffe durch die Blockade. Bekannte Blockadebrecher waren die Advance (auch A.D. Vance), Cornubia, Robert E. Lee und die Syren, die alle mehr als 20 mal die Blockade durchbrachen.

 

Der erfolgreiche Blockadebrecher Advance

 

Während des Kriegs wurden insgesamt 1504 Blockadebrecher von den Blockadeschiffen aufgebracht, 1149 Schiffe (darunter 210 Dampfer) wurden von den Nordstaaten übernommen, 355 Schiffe (darunter 85 Dampfer) in Brand gesteckt, versenkt oder an den Strand getrieben.

Der Wert dieser Schiffe einschließlich ihrer Fracht wurde auf etwa 31 Millionen Dollar geschätzt.


 

 

 

 

Schlußbemerkungen

 


Einige Monate später ging der Krieg zu Ende, ohne daß den Marinefaktoren immer die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet worden war.

Beide Präsidenten, Abraham Lincoln von der Union und Jefferson Davis auf der Seite der Konföderation, neigten eher dazu im Vergleich zu den großen Landschlachten diesen Bereich als sekundär zu betrachten, was wohl eine Unterschätzung darstellte.

Die Blockadeoperationen des Nordens waren mit Sicherheit ein wichtiger strategischer Faktor. Wenn sie nicht funktioniert hätten, wäre der Süden in der Lage gewesen weitaus länger durchzuhalten und er hätte dann auch, was noch viel wichtiger gewesen wäre, viel länger die Sympathie der europäischen Staaten genossen.

Auch die Eroberung des Mississippi war ein wichtiger Erfolg im Rahmen der Kriegskonzeption des Nordens und ohne die Marineverbände wäre dieser Sieg nicht errungen worden.


Und schließlich hatte der Verlust der konföderierten Häfen und Küstenpositionen mit Sicherheit äußerst schädliche Auswirkungen auf die Stimmung im Süden, was dort zu der Erkenntnis führte, daß man endgültig isoliert war.

Es gab eine Fülle von Schlußfolgerungen, die sich in taktischer und materieller Hinsicht ziehen ließen, was jedoch nicht immer, wie bereits am Beginn dieses Kapitels erwähnt, in richtiger Weise geschah. Der Spierentorpedo und der Rammsporn wurden als potenzielle Waffen für die Zukunft betrachtet, was sich jedoch als Irrtum erwies. Obwohl sich die Panzerschiffe grundsätzlich bewährten, kam es auf Grund der besonderen Bedingungen der Kriegsführung in den Küstengewässern und auf den Flüssen zum forcierten Bau von Monitor-Schiffen, die sich jedoch nicht für andere Gebiete der Welt eigneten.

Und auch die dort eingesetzten U-Boote regten einige Leute zum Nachdenken an. Eine Schlußfolgerung, die nicht genügend beachtet wurde, besteht in der Bedeutung koordinierter Operationen verschiedener Waffengattungen. Bis hin zum Ende des Krieges gab es so viele Rivalitäten zwischen den einzelnen Verbänden, daß es nicht möglich war die verfügbaren Streitkräfte optimal einzusetzen und dies war und ist vielleicht die härteste Erfahrung, die man in einem Krieg machen kann.

 

 

Der Blockadebrecher Banshee (II) durchbricht bei Tageslicht 1865 die Blockade von Galveston.

Bis Mitte 1863 konnte der Süden mit seinen Operationen zur Überwindung der Blockade ganz zufrieden sein.

Die meisten Handelsrouten waren recht kurz und führten nur bis zu den Westindischen Inseln, wo die Bahamas zu einem Zwischenlager für den konföderierten Handel wurden.

Was die Schiffe vor allem brauchten, waren Schnelligkeit und gute Tarnung und die speziell für diese Zwecke neu- oder umgebauten Blockadebrecher hatten diese beiden Eigenschaften, die auch angesichts der immer noch dünn gesäten Streitkräfte der Union gut genutzt werden konnten.

Obwohl der Export von Baumwolle und der Import von Waffen und anderen wichtigen militärischen Ausrüstungen nicht unvermindert in gleicher Weise weiterging (in den Baumwollzentren von Lancashire herrschte hohe Arbeitslosigkeit), war der Süden überzeugt, daß man diesen Krieg durchhalten könnte.