Unter Verwendung
von Textauszügen und Abbildungen aus: Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching
Als sich der Konflikt zwischen den Staaten im Frühjahr 1861 zuspitzte, schlug der Kommandierende General der US-Armee, Winfried Scott, dem Präsidenten Abraham Lincoln unter anderen strategischen Maßnahmen eine Seeblockade der Südstaaten vor, um die „Rebellen“ daran zu hindern, mit anderen Staaten Handel zu treiben. Dieser Vorschlag erhielt von der Presse in Anlehnung an eine Würgeschlange den Namen „Anaconda-Plan“. Sechs Tage nach dem Fall von Fort Sumter erließ der Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, am 19. April 1861 eine Proklamation, in der er eine Blockade der Häfen der Südstaaten von South Carolina bis Texas verkündete, die am 27. April auch auf die Staaten Virginia und North Carolina ausgedehnt wurde. Nach dem damals geltendem Völkerrecht konnte ein Staat seine eigenen Häfen aber nicht selbst blockieren, sondern sie nur für Schiffe schließen. Dies wäre aber nur eine innerstaatliche Regelung gewesen. Als die Unionsregierung diesbezüglich mit ausländischen Botschaftern in Verbindung trat, machte Lord Lyons, der Botschafter Großbritanniens deutlich, daß sein Land eine Schließung der Häfen nicht akzeptieren könnte. Bei einer gewaltsamen Durchsetzung würde dies zum Krieg mit Großbritannien führen. (Die britische Textilindustrie hatte großen Bedarf an der Baumwolle der Südstaaten.) So blieb nur die offizielle Erklärung einer „Blockade“ übrig, die der Blockadenation völkerrechtlich erlaubte, auch neutrale Schiffe auf hoher See anzuhalten und zu durchsuchen. Damit wurde aber de facto die Konföderation als kriegsführender, eigenständiger Staat anerkannt, was eigentlich nicht im Sinne der Unionsregierung war, die die Südstaaten als „Rebellen“ und „Abtrünnige“ und nicht als eigenen Nationalstaat betrachteten. Doch wie sollte ein Land eine Küstenlinie von etwa 5600 Kilometern mit 200 Flußmündungen, Buchten und Häfen blockieren, das im April nur 42 einsatzbereite Schiffe hatte, darunter viele Dampffregatten, die für diesen Zweck zu groß und zu langsam waren? Der Rest der amerikanischen Flotte (48 von insgesamt 90 Schiffen) befand sich zur Überholung in den Werften oder auf Außenstationen (28 Schiffe) im Mittelmeer, vor Afrika und Südamerika sowie in China. So wurde sofort ein Strategischer Blockadeausschuß (Blockade Strategy Board) einberufen, der sich mit den anstehenden Problemen befassen sollte. Als Sofortmaßnahme rief man fast alle Schiffe aus den ausländischen Gewässern zurück und kaufte und charterte einige zusätzliche Schiffe. Und man baute neue Schiffe, die wegen ihrer kurze Bauzeit „Neunzigtage-Schiffe“ genannt wurden. Dies waren sehr wendige und schnelle (13 Knoten) Kanonenboote mit wenig Tiefgang. Daraus wurde dann das Blockadegeschwader Küste (Coast Blockade Squadron) aufgestellt, das kurz darauf nach Zuführung weiterer Schiffe geteilt wurde.
Die
Gliederung der Blockadegeschwader Am
29. Oktober 1861 teilte man diese Geschwader noch einmal. Aus
dem Blockadegeschwader Golf wurde am 20. Februar 1862 das Blockadegeschwader
Östlicher Golf: Innerhalb dieser Geschwader gab es weitere regionale Aufteilungen, damit alle wichtigen Häfen des Südens überwacht werden konnten.
Die Kommandeure der Blockadegeschwader
Blockadegeschwader
Nordatlantik (North Atlantic Blockading Squadron)
Blockadegeschwader
Südatlantik (South Atlantic Blockading
Squadron):
Cornelius K. Stribling
Blockadegeschwader Östlicher Golf (East
Gulf Blockading Squadron): David G. Farragut Blockadegeschwader
Westlicher Golf (West Gulf Blockading Squadron):
Der
Verlauf der Blockade Im August 1861 entsandte Charles Prioleau des Handelshauses Fraser, Trenhom & Co., das zu einer der führenden Blockadebrecher-Handelsgesellschaften werden sollte, ein Schiff nach Savannah. Als es den Hafen ungehindert erreicht hatte und mit einer Ladung Baumwolle zurückkehrte, die hohe Gewinne einbrachte, entschloß sich die Gesellschaft sofort zum Bau einer Flotte von Blockadebrechern, die in den amerikanischen Gewässern operieren sollten. Diese speziellen Dampfschiffe hatten niedere Aufbauten, geringen Tiefgang, ein durch die Radkästen geschütztes Ruderhaus und sogar einziehbare Schornsteine. Ein grauer Tarnanstrich sorgte zusätzlich für ein spätes Erkennen der Schiffe.
Der Blockadebrecher Colonel Lamb Bereits Mitte 1862 hatte die US Navy die Atlantikküste der konföderierten Staaten im Norden und Süden abgeriegelt. Im Norden waren die Hatteras- und Roanoke-Inseln sowie die Küstenstädte Norfolk und Beaufort an die Union gefallen und auch im Süden befanden sich Port Royal in der Nähe von Savannah sowie mehrere Siedlungen in Florida in ihren Händen. Am Golf von Mexiko kontrollierte die Union nicht nur New Orleans, sondern auch das gesamte Mississippi-Delta. Durch ihre Besetzung waren diese Orte nicht nur für die Konföderation verloren gegangen, sondern sie bildeten damit auch wertvolle Brückenköpfe für die Union für weitere Blockadeoperationen und Marineangriffe.
Jedoch gab es drei Häfen im Süden, die weiterhin einen florierenden Handel mit dem Ausland trieben. Dies war möglich durch den Einsatz mutiger Blockadebrecher, durch die hydrografischen Bedingungen, mit denen die Blockadeschiffe aus dem Norden oft nicht zurechtkamen, durch die starken Verteidigungsunterlagen an den Eingängen dieser Häfen und, so besagten verschiedene Gerüchte, infolge der stillschweigenden Duldung eines umfangreichen Schmuggelhandels durch bestimmte Unternehmen des Nordens, wodurch beispielsweise gewährleistet wurde, daß ein Großteil der Baumwolle aus den Häfen des Südens seinen Weg über Nassau in die nördlichen Fabriken fand. Bei diesen Häfen handelte es sich um Charleston und Wilmington an der Atlantikküste sowie um Mobile am Golf von Mexiko. Die Operation der Union mit dem geringsten Erfolg während des gesamten Krieges war der langwierige Angriff auf Charleston, der 1863 mehrere Monate lang dauerte. Er zerstörte den guten Ruf von zwei Flaggoffizieren der Union und verursachte beträchtliche Verluste unter den Seestreitkräften der Union. Obwohl einige Forts der Konföderation in Schutt und Asche lagen, konnte sich der Hafen insgesamt halten.
Das erste Ziel unter diesen drei Häfen war Charleston. Dieser Hafen hatte eine besondere symbolische wie auch praktische Bedeutung: Dort hatte der Krieg begonnen und die Stadt wurde als Brutstätte der Sezession betrachtet. Im Januar 1863 wurde die Aufgabe der Eroberung von Charleston an Konteradmiral (dieser Dienstgrad war inzwischen eingeführt worden) Du Pont übertragen, einen Offizier der Union, der sich zuvor bei der Einnahme von Port Royal ausgezeichnet hatte. Sein Verband setzte sich größtenteils aus Holzschiffen zusammen, hatte aber auch ein Monitor-Schiff, die Montauk, und zu Beginn der Operation war ihm die Bereitstellung weiterer Schiffe dieses Typs zugesagt worden.
Die Verteidigungsgrund der Konföderation bestanden aus einer Reihe von soliden Forts mit insgesamt ungefähr 250 Geschützen, fest vertäuten Seeminen, die sich bereits in den oberen Abschnitten des Mississippi bewährt hatten, und zwei neugebauten kleinen Panzerschiffen, der Palmetto State und der Chicora, die anfänglich mit großem Elan operierten. Die New Ironsides der Union war wahrscheinlich das am weitesten entwickelte Schiff, das während des Bürgerkrieges gebaut wurde. Es wurde 1863 von einem Tauchboot der Konföderation ohne Erfolg angegriffen und konnte den Krieg unbeschadet überstehen.
Ein
Angriff mit größerer Entschlossenheit erfolgte
dann am 7. April.
Eine bemerkenswerte Premiere während dieses Feldzugs stellte einer Reihe von Angriffen dar, die durch konföderierte Schiffe auf das Flaggschiff der Union, die New Ironsides, einem Breitseiten-Panzerschiff konventioneller Bauart, durchgeführt wurden. Dabei benutzte man Spierentorpedos, wobei der erste auf einem dampfgetriebenen Stangentorpedoboot und der zweite auf einem Tauchboot namens David befestigt war. Keiner der beiden Torpedos richtete größeren Schaden an, aber sie waren Vorboten für spätere Ereignisse, die eintraten, als im nächsten Jahr ein U-Boot der Konföderation, das mit einem Handpropeller angetrieben wurde, das Union-Schiff Housatonic mit einem Spierentorpedo versenken konnte. Alle Matrosen des U-Boots kamen dabei ums Leben. Noch größere Bedeutung hatte in den Augen einiger Leute der erfolgreiche Angriff eines dampfgetriebenen Stangentorpedobootes der Union unter dem Befehl von Lieutenant Cushing, das im Oktober 1864 das Panzerschiff Albemarle ebenfalls mit Hilfe eines Spierentorpedos versenken konnte. Infolge der gescheiterten Eroberung von Charleston zog die Union als Nächstes einen Angriff auf Mobile in Erwägung. Doch dieses Unternehmen war genauso schwierig wie die Operation gegen Charleston. Die Zufahrt des dortigen Hafens war nur etwas breiter als eine Meile, wobei die Hälfte davon aus nicht schiffbaren Sandbänken bestand und auf jeder Seite befanden sich starke Forts. Der schiffbare Teil des Kanals war stark vermint und die einzige Lücke in diesem Minenfeld, die man für Blockadebrecher offen gelassen hatte, befand sich dicht unter den Geschützen von Fort Morgan. Ein gefährliches Panzerschiff, die Tennessee, die nach dem Vorbild der Virginia konstruiert, aber viel stärker als diese war und durch den wieder gesundeten Captain Buchanan befehligt wurde, lauerte in der Bucht. Farragut, dem man das Kommando für diese Operation übertragen hatte, machte sich keine Illusionen. Er wartete so lange, bis seine Streitmacht eine für ihn ausreichende Stärke hatte: vier Monitorschiffe und 14 Holzschiffe, einschließlich seines Flaggschiffs, der Hartford. Am 5. August 1864 gingen sie zum Angriff über, wobei die Monitorschiffe voranfuhren, gefolgt von den paarweise zusammengebundenen übrigen Schiffen. Das erste Monitor-Schiff, die Tecumseh, wollte sofort die Tennessee angreifen, da diese bereits das Feuer eröffnet hatte. Bei ihrem Versuch das Minenfeld zu durchqueren wurde sie jedoch unter schweren Verlusten versenkt. Der Angriff des Nordens geriet in Gefahr in einem Chaos zusammenzubrechen. Farragut war nicht nur ein äußerst fähiger Kommandeur, sondern er trug auch zur Deckung des Bedarfs an Helden in dieser Phase des Krieges bei. Sein Mut und seine Entschlossenheit bei der Fortsetzung des Angriffs auf Mobile nach dem anfänglichen Rückschlag durch den Verlust der Tecumseh wurden legendär.
Das
Bild zeigt ihn an den Wanten seines Flaggschiffs, der USS
Hartford. Genau
zu diesem Zeitpunkt traf Farragut seine berühmte Entscheidung
zur Fortsetzung des Kampfes, wobei er den noch berühmteren
Satz sagte: Die
Forts hielten sich noch mehrere Tage lang und Mobile selbst
wurde erst 1865 erobert, obwohl der Hafen nach August 1864 als
Zuflucht für Blockadebrecher der Konföderation nicht
mehr verwendet werden konnte. Da Charleston sich als uneinnehmbar erwiesen hatte, blieb nun nur noch Wilmington übrig. Dieser Hafen wurde am Eingang bei Cape Fear durch Fort Fisher geschützt, das vor allem dank der Arbeit eines Mannes in eine starke Festung verwandelt worden war und dieser Mann war Colonel Lamb von den konföderierten Streitkräften.
Selbst 1864 noch war die Zahl der Blockadebrecher, die den Cape Fear River bis nach Wilmington hinauffuhren, noch erheblich, da es wegen der Gestalt der dortigen Küste und der geringen Wassertiefe über der Barre für Blockadeschiffe schwierig war sich dort aufzuhalten. Jedoch dauerte es bis zum Dezember des gleichen Jahres, bevor man die nötigen Streitkräfte für einen Angriff auf Fort Fisher zusammengestellt hatte.
General Alfred Howe Terry abgelöst,
der größere Entschlossenheit zeigte und am 15. Januar
1865 konnte man das Fort nach der heftigsten Beschußoperation
des ganzen Krieges schließlich erobern.
Die
Blockadebrecher Wie hoch die Gewinne waren, sollen zwei Beispiele zeigen. Für ein Zentner Baumwolle, der in New Orleans für 7,23 $ verkauft wurde, mußte man in Großbritannien 43,40 $ zahlen, oder noch extremer, Salz, das auf den Bahamas für 6,50 $ eingekauft wurde, konnte in den Südstaaten für 1700 $ verkauft werden. Die Handelsgüter wurden mit großen Handelsschiffen von Übersee in die „Umladehäfen“ vor den USA gebracht. Die Häfenstädte Nassau auf den britischen Bahama-Inseln, Habana auf Kuba und die Häfen auf den britischen Bermuda-Inseln sowie Matamoros in Mexiko erlebten einen bisher nie gekannten Wirtschaftsaufschwung. Hier wurden die Waren auf die schnellen und wendigen Blockadebrecher umgeladen, die dann die konföderierten Hafenstädte anliefen.
Der
erfolgreiche Blockadebrecher Advance
Während des Kriegs wurden insgesamt 1504 Blockadebrecher von den Blockadeschiffen aufgebracht, 1149 Schiffe (darunter 210 Dampfer) wurden von den Nordstaaten übernommen, 355 Schiffe (darunter 85 Dampfer) in Brand gesteckt, versenkt oder an den Strand getrieben. Der Wert dieser Schiffe einschließlich ihrer Fracht wurde auf etwa 31 Millionen Dollar geschätzt.
Schlußbemerkungen
Beide Präsidenten, Abraham Lincoln von der Union und Jefferson Davis auf der Seite der Konföderation, neigten eher dazu im Vergleich zu den großen Landschlachten diesen Bereich als sekundär zu betrachten, was wohl eine Unterschätzung darstellte. Die Blockadeoperationen des Nordens waren mit Sicherheit ein wichtiger strategischer Faktor. Wenn sie nicht funktioniert hätten, wäre der Süden in der Lage gewesen weitaus länger durchzuhalten und er hätte dann auch, was noch viel wichtiger gewesen wäre, viel länger die Sympathie der europäischen Staaten genossen. Auch die Eroberung des Mississippi war ein wichtiger Erfolg im Rahmen der Kriegskonzeption des Nordens und ohne die Marineverbände wäre dieser Sieg nicht errungen worden.
Es gab eine Fülle von Schlußfolgerungen, die sich in taktischer und materieller Hinsicht ziehen ließen, was jedoch nicht immer, wie bereits am Beginn dieses Kapitels erwähnt, in richtiger Weise geschah. Der Spierentorpedo und der Rammsporn wurden als potenzielle Waffen für die Zukunft betrachtet, was sich jedoch als Irrtum erwies. Obwohl sich die Panzerschiffe grundsätzlich bewährten, kam es auf Grund der besonderen Bedingungen der Kriegsführung in den Küstengewässern und auf den Flüssen zum forcierten Bau von Monitor-Schiffen, die sich jedoch nicht für andere Gebiete der Welt eigneten. Und auch die dort eingesetzten U-Boote regten einige Leute zum Nachdenken an. Eine Schlußfolgerung, die nicht genügend beachtet wurde, besteht in der Bedeutung koordinierter Operationen verschiedener Waffengattungen. Bis hin zum Ende des Krieges gab es so viele Rivalitäten zwischen den einzelnen Verbänden, daß es nicht möglich war die verfügbaren Streitkräfte optimal einzusetzen und dies war und ist vielleicht die härteste Erfahrung, die man in einem Krieg machen kann.
Der
Blockadebrecher Banshee (II) durchbricht
bei Tageslicht 1865 die Blockade von Galveston. Bis Mitte 1863 konnte der Süden mit seinen Operationen zur Überwindung der Blockade ganz zufrieden sein. Die meisten Handelsrouten waren recht kurz und führten nur bis zu den Westindischen Inseln, wo die Bahamas zu einem Zwischenlager für den konföderierten Handel wurden. Was die Schiffe vor allem brauchten, waren Schnelligkeit und gute Tarnung und die speziell für diese Zwecke neu- oder umgebauten Blockadebrecher hatten diese beiden Eigenschaften, die auch angesichts der immer noch dünn gesäten Streitkräfte der Union gut genutzt werden konnten. Obwohl der Export von Baumwolle und der Import von Waffen und anderen wichtigen militärischen Ausrüstungen nicht unvermindert in gleicher Weise weiterging (in den Baumwollzentren von Lancashire herrschte hohe Arbeitslosigkeit), war der Süden überzeugt, daß man diesen Krieg durchhalten könnte. |