
Quellennachweis der Texte und
Abbildungen:
© Henry L. Scott „Military Dictionary: …”,
New York, 1861
© Government Printing Office (Ed.) „United States Army
Regulations of 1861”, Washington, 1863
© “ Atlas to Accompany the Official Records of the Union
and Confederate Armies”, 1891 – 1895
sowie Veröffentlichungen und Originalfotos des Center of Military
History der U. S. Army (CMH),
der Kongreßbibliothek (LOC), des US Nationalarchivs (NARA) und
des Army Quartermaster Museum

Bearbeitet von E. Liebe, RAG
Militärgeschichte, 85077 Manching
Die Versorgung
(Logistik)
im Bürgerkrieg
Die Versorgung
der Truppe gestaltete sich zu Beginn des Krieges äußerst
schwierig, denn der Norden war auf keine längere Kriegsdauer
vorbereitet, und der Süden mußte erst eine entsprechende
Organisation aufbauen. Für die Versorgung der Armeen waren auf
beiden Seiten zahlreiche militärische Ämter und Dienststellen
verantwortlich, die den jeweiligen Kriegsministerien unterstanden.
Eine genaue
Aufteilung der entsprechenden Aufgaben wurde in der Union zwischen
dem Kriegsministerium, den stellvertretenden Ministern (Assistant
Secretaries) und dem Oberbefehlshaber nie genau festgelegt. Erst nach
der Kommandoübernahme von General Grant als Oberbefehlshaber
des Heeres (1864) gab es einige Verbesserungen.

Ein größerer
Güterumschlagplatz der Union
Die Versorgung
der Truppen der Union lag hauptsächlich in der Verantwortung
der Leiter folgender Ämter in Washington:
Der Quartermaster
General (Generalquartiermeister) war als Leiter des Quartiermeisteramts
(Quartermaster’s Department) verantwortlich für die Bekleidung
und Ausrüstung der Soldaten, für die Beschaffung der Reit-
und Zugtiere und deren Futter, für das gesamte Transportwesen
zu Lande und zur See (einschließlich der Kohle für Züge
und Schiffe) sowie die militärischen Unterkünfte. Ab 1862
kam die Bestattung der Gefallenen hinzu.
Die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften bildeten die Quartiermeistertruppe
(Quartermaster Corps).
Der Commissary General im Verpflegungsamt (Subsistence Department)
war verantwortlich für die Verpflegung der Soldaten. Während
des Krieges gab dieses Amt insgesamt 361 Mill. $ für Nahrungsmittel
aus.
Der Chief of Ordnance im Waffenamt (Ordnance Department)
war zuständig für alle Waffen (Handwaffen und Geschütze),
die entsprechende Munition, Geschützlafetten und Protzen, Zündladungen
und Zündschnüre, die Munitionstaschen und sonstiges dazugehöriges
Zubehör.
Um hier einige Zahlen zu nennen: Während des Krieges wurden etwa
7,7 Mill. Tonnen Pulver und 8,6 Mill. Geschosse für Geschütze
gekauft oder in Arsenalen hergestellt und zur Truppe transportiert.
Während der Schlacht von Gettysburg hatten die Soldaten der Union
insgesamt 4,3 Mill. Patronen am Mann, etwa 6,4 Mill. Schuß befanden
sich als Reserve hinter der Front.
Die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften bildeten die Feldzeugtruppe
(Ordnance Corps).
Der Surgeon General (Generalarzt) im Amt für Sanitätswesen
(Medical Department) war verantwortlich für die medizinischen
Versorgungsgüter, den Abtransport der Verwundeten sowie deren
medizinische Betreuung und die Unterbringung in Lazaretten.

Ein Verpflegungsdepot der
Union mit Transportfahrzeugen
Unterhalb dieser
Ebene gab es dann die Militärbereiche (Military Departments),
in denen der jeweilige Kommandeur für die Versorgung in seinem
Zuständigkeitsbereich die Verantwortung hatte. Zu Beginn des
Krieges bestanden im Norden 6 Militärbereiche, nämlich die
Bereiche East, West, Texas, New Mexico und Pacific. Im Verlauf des
Krieges verschoben sich einige geographischen Grenzen dieser Bereiche,
und von Fall zu Fall wurden spezielle Bereiche aufgestellt.
Größere Heeresdepots bestanden in Boston, New York, Baltimore,
Washington, Cincinnati, Louisville, St. Louis, Chicago, New Orleans
und San Francisco. In Philadelphia befand sich das Hauptdepot für
die Bekleidung der Soldaten. Je nach den verschiedenen Feldzügen
wurden zeitweise vorgeschobene Depots eingerichtet, um die kämpfende
Truppe mit dem Nötigsten zu versorgen. Bis 1864 wurden diese Depots
von Hauptleuten geleitet, die trotz ihres niederen Dienstgrades eine
sehr hohe Verantwortung hatten, denn ihnen unterstanden das Personal
der Depots (Lagerarbeiter, Handwerker, Gespannführer, usw.), die
zahlreichen Versorgungsgüter und größere Geldmengen,
denn die Beschaffung vieler Nachschubgüter, z.B. Mehl, war dezentralisiert
und wurde vor Ort in den umliegenden Städten eingekauft.
Für das Schlachtvieh gab es bestimmte Einkaufsorte, und das haltbar
gemachte Fleisch wurde in großen Depots in Washington, D.C.,
Alexandria, Virginia, und Louisville, Kentucky, eingelagert. Im Verlauf
des Krieges gelang es dem Verpflegungsamt durch ein ausgeklügeltes
System, Lebendvieh bis unmittelbar bis hinter die eigenen Linien zu
bringen, das dann vor Ort von dem Metzgern (Schlachtern) der Brigaden
verarbeitet und einen Tag vor dem Verzehr an die Truppen verteilt werden
konnte.
Die konföderierte Armee hatte ein ähnliches System mit größeren
Depots in Richmond, Staunton, Raleigh, Atlanta, Columbus, Huntsville,
Montgomery, Jackson, Little Rock, Alexandria und San Antonio.
Das größte Waffenarsenal der Konföderierten in Richmond
arbeitete eng mit den dortigen Tredegar-Werken (Geschützgießereien)
zusammen. Es versorgte vom Juli 1861 bis Januar 1865 die kämpfende
Truppe mit etwa 341 Geschützen (Typ Columbiad) und Belagerungsgeschützen,
1306 Feldgeschützen aller Kaliber, 921.000 Artilleriegeschossen,
323.000 Infanteriewaffen, 34.000 Kavallerie-Karabinern, 6000 Pistolen
und fast 72 Mill. Patronen.

Teilansicht eines Depots
der Feldzeugtruppe
Die Versorgung
der Truppe
In der US Army
gab es in den Stäben der Armeen die Planstelle eines Oberquartiermeisters
(Chief Quartermaster) im Rang eines Oberst, in den Corps hatte man
Oberquartiermeister im Rang eines Oberstleutnants; in jeder Division
gab es einen Major als Quartiermeister, und in den Brigaden nahmen
Hauptleute die Aufgaben wahr. Sie alle hatten einen kleinen Stab an
Mitarbeitern. Diese Offiziere hatten theoretisch alle eine entsprechende
Ausbildung. Doch es mangelte ständig an qualifizierten Offizieren.
So mußten häufig Offiziere und Feldwebel aus der Truppe
dafür eingesetzt werden, die diese Aufgaben manchmal zusätzlich
neben ihrer eigentlichen Tätigkeit in Zweitfunktion ausüben
mußten. (Diese sogenannte „3-Mach-Methode“ gibt
es auch heute noch: „Machen Sie ’mal - Sie machen das
schon - sonst mach’ ich Ihnen einen!“)
Dieses Problem bestand in den Armeen auf beiden Seiten, sodaß
Unerfahrenheit und Unkenntnis bezüglich der logistischen Grundsätze
und Verfahren häufig zu Engpässen führte. Schon damals
gab es eine Vielzahl von Formularen und Listen, die korrekt ausgefüllt
und geführt werden mußten. Wer Hosen anfordern wollte und
dann Socken bekam, der hatte bestimmt etwas falsch gemacht.
Auf Regimentsebene
verteilte sich der Nachschub und dessen Verwaltung auf drei Offiziere:

Der
Regimental Quartermaster (Regimentsquartiermeister) war normalerweise
ein Oberleutnant, der vom Regimentskommandeur dazu ernannt worden
war. Zu seinen Aufgaben gehörten die Anforderungen für Material
und Transport, die Verwaltung der regimentseigenen Versorgungsgüter,
wie z.B. Zelte, Lagerausrüstung, Sonderbekleidung, Transportwagen,
Futter, und Zugtiere, sowie die Verteilung dieses Materials auf die
unterstellten Einheiten. Ihm
zur Seite stand ein Regimental Quartermaster Sergeant (Stabs-
oder Oberstabsfeldwebel).
Dienstgradabzeichen
eines Regimental Quartermaster Sergeant der Infanterie
In den Kompanien
gab es den Company Quartermaster Sergeant. Dieser Oberfeldwebel hatte
eine Vielzahl von Aufgaben.
So war er für den Transportwagen der Kompanie samt Inhalt (u.a.
Zelte, Küchengeräte, Schreibtisch, Werkzeuge, Warenlager
und die kleine Bibliothek der Kompanie) verantwortlich, und er mußte
sich um die Zugtiere kümmern und eventuelle Verletzungen oder
Tierkrankheiten an das Regiment melden.
Er war für die Uniformen und Ausrüstungsgegenstände
verantwortlich, die er anforderte und an die Soldaten ausgab, und
er mußte für das Feuerholz im Lager und das Futter für
die Tiere sorgen. War vom Regiment nichts zu erwarten, dann schwärmte
er mit einigen Soldaten aus und „besorgte“ sich die benötigten
Waren in der Umgebung.
Im Gefecht war sein Platz beim Kompaniewagen mit dem Warenlager, den
er verteidigen mußte.

Dienstgradabzeichen
eines Company Quartermaster Sergeant der Kavallerie
Der Verpflegungsoffizier
(Commissary Officer) des Regiments, ebenfalls ein Offizier des betreffenden
Regiments, war zuständig für die Anforderung,
Verwaltung und Ausgabe der Verpflegung.
Der
Waffenoffizier (Ordnance Officer) des Regiments hatte bezüglich
der Waffen und Munition die gleichen Aufgaben, zusätzlich war
er für die Munitionswagen verantwortlich. Auch er hatte Unteroffiziere
und Mannschaften zur Verfügung.
Diese Spezialisten waren auch für die Instandsetzung der Waffen
zuständig.
Mützenabzeichen
des Ordnance Corps
Dienstgradabzeichen
eines Ordnance Sergeant (Feldzeugmeister)
der Union (links) und der Konföderierten (rechts)
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Regimental
Quartermaster Sergeant |
Ordnance
Sergeant |
der
Kavallerie |
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Bei
diesen Abbildungen handelt es sich um Schwarzweiß-Fotos, die
nachträglich gefärbt wurden. |
Ausrüstung und Versorgung im Feld

Marschgepäck der
Soldaten
Das Marschgepäck des
Soldaten, etwa 21 kg, bestand aus dem Gewehr mit Bajonett, 60 –
40 Schuß Munition,
dem Tornister, 3 – 8 Tagesportionen Verpflegung, Wasserflasche,
Wolldecke oder Mantel, Zelthälfte, Eßgeschirr- und Besteck
(Pfanne oder Topf, Tasse, Messer, Gabel, Löffel) und persönlichen
Gegenständen, wie z.B. Nähzeug, Rasiermesser,
Seife, Briefe und Bibel.
Die konföderierten Soldaten
mußten weniger Gepäck schleppen, nämlich etwa 14
kg.
Ein Soldat
mit kompletter Marschausrüstung
Tagesverpflegung der Union
Die offizielle Tagesverpflegung
eines Soldaten bestand aus 560 Gramm Frisch- bzw. gesalzenem Rindfleisch
oder 340 Gramm gesalzenem Schweinefleisch oder Speck, 500 Gramm
Mehl (oder Brot, falls möglich), 45 Gramm Reis, 18 Gramm Bohnen
oder 43 Gramm getrocknete Kartoffeln, 45 Gramm Kaffee oder 6,8 Gramm
Tee, 68 Gramm Zucker, 15 Gramm Salz und etwas Essig.
Marschverpflegung
Die Marschverpflegung bestand aus 450
Gramm Hartkeks, 340 Gramm gesalzenem Schweinefleisch oder 113 Gramm
Frischfleisch, 28 Gramm Kaffee,
85 Gramm Zucker, und Salz.

Ein Verpflegungslager
der 50th New York Engineers
Futter
Jedes Pferd benötigte 6,4 kg Heu und 5,4 kg Getreide pro Tag.
Mulis die gleiche Menge an Heu und 4 kg Getreide. Bei einem Bestand
von etwa 50.000 Tieren bedeutete dies einen ungeheueren Aufwand
an Transportmitteln. So hatte z.B. der Oberquartiermeister einer
Armee im April 1863 allein an Tierfutter etwa 24.000 Ballen Heu
und 200.000 Säcke mit Getreide in seinem Verantwortungsbereich.
Verpflegung
der Konföderierten
Die Verpflegung der Konföderierten ähnelte
theoretisch der der Union, bestand aber aus weniger Fleisch, Kaffee,
Essig und Salz und wurde selten eingehalten. In der Army of Northern
Virginia wurde nur etwa die Hälfte des zustehenden Fleisches
ausgegeben. So kam es vor, daß in den Gefechtspausen die Soldaten
der Konföderierten mit den Soldaten der Union Zucker und Tabak
gegen Kaffee austauschten. Während des Marylandfeldzuges war
die Verpflegung der Konföderierten sehr schlecht, so daß
die Soldaten gezwungen waren, sie durch Mais aus den Feldern und
durch Früchte aus den Obstgärten zu „ergänzen“.
Bekleidung
der Union
Jeder Soldat erhielt im Jahr 2 Uniformjacken, 3 Hosen, 2 Feldmützen,
1 Hut, 3 Hemden, 3 Unterhosen, 4 Paar Socken und 4 Paar Schnürschuhe
(Stiefel bei der Artillerie und Kavallerie) im Wert von etwa $ 42.
Offiziere mußten sich auf eigene Kosten einkleiden, sie konnten
aber ihre Bekleidung auch zu festgelegten Preisen in den Lagern
der Quartiermeister kaufen. Sie waren dann zwar nicht so „prächtig“
wie die privat beschafften, erfüllten aber im Feld ihren Zweck.
Bekleidung
der Konföderierten
Theoretisch stand den konföderierten Soldaten ein ähnliches
Bekleidungssoll wie das der Union zu, doch der Quartiermeister war
selten in der Lage, dieses Soll zu erfüllen und die Soldaten
trugen alles, was sie finden konnten . So gab es z.B. von Anfang
an einen Mangel an Schuhen.
Persönliches
Gepäck
Mannschaften und Unteroffiziere mußten ihr persönliches
Gepäck am Mann tragen. Um das persönliche Gepäck
der Offiziere, das auf Wagen transportiert wurde, in Grenzen zu
halten, waren ab September 1862 für sie nur noch Decken, ein
kleiner Koffer oder eine Reisetasche sowie Eßgeschirr und
Eßbesteck erlaubt.
Bei den Konföderierten bestand folgende Regelung: Generale
durften 36 kg Gepäck mitführen, Stabsoffiziere 30 kg und
Hauptleute und Leutnante 23 kg.

Der Fuhrpark einer Division
Transportwagen
Das Standardtransportfahrzeug der Union war ein Planwagen, der von
6 Mulis („Sechserzug“) gezogen wurde (siehe Titelbild).
Auf gut befestigten Straßen konnte er mit 1800 kg beladen
werden, normalerweise aber nur mit 900 kg,
wobei pro Tag etwa 19 – 38 km zurückgelegt werden konnten.
Wurde der Wagen von 4 Mulis gezogen, war die Ladung auf 815 kg begrenzt.
Die Konföderierten setzten häufig Wagen mit 4 Mulis ein,
die aber weniger transportieren konnten.
Um
eine Vorstellung von der Größenordnung zu haben,
hier ein Beispiel: Bei der Schlacht von Gettysburg (1863),
an der
ungefähr 90´000 Soldaten der Union teilnahmen, bestand der
Fuhrpark der Army of the Potomac aus etwa 2´700 Planwagen.
Während z.B. die Army of the Potomac 1862 noch 29 Fahrzeuge
pro 1´000 Mann zur Verfügung hatte, vergrößerte
sich deren Anzahl bis 1864 auf 36.
Etwa
60 Jahre vorher zogen Napoleons Truppen mit nur etwa 12 – 13
Wagen für je 1´000 Soldaten ins Feld.
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