Mit
freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR
AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© Bil Gilbert, Jay Brennan, William Frankel, Adrian Allen, Carole
Kismaric, - 1973 - " Die Wegbereiter "
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek der USA
(LOC) und des US Nationalarchiv (NARA)

Die
Wegbereiter
Seite - 9 -
Die
Erschliessung des Landes
Clarence King,
James Terry Gardner und Samuel Franklin Emmons, Kings Chefgeologe,
deren wissenschaftlicher Ruf jetzt in Gefahr war, überlegten
gemeinsam, wo dieses Diamantfeld liegen könnte. Sie hatten erstaunlicherweise
Erfolg. King und seine Leute brachen zu einem Tafelberg etwa 25 Kilometer
südöstlich der Stelle auf, an der die Staaten Wyoming, Utah
und Colorado zusammenstoßen. Ihre anfängliche Skepsis verwandelte
sich bald in Begeisterung,
als sie - auf Händen und Knien durch den glitzernden Quarzkies
rutschend - mit klammen Fingern Diamanten und Rubine ausgruben.
Aber ihre Zweifel stellten sich bald wieder ein. Soviel sie wußten,
war noch kein Fall bekannt, in dem Edelsteine in dieser Art Lagerstätte
gefunden worden waren. Noch verdächtiger war, daß ein besonders
schöner Stein frei auf einem Felsblock gelegen hatte, wo jeder
Regenguß ihn hätte herunterspülen müssen; außerdem
waren Rubine nur in Löchern in Ameisenhaufen zu finden, wo sie
entweder von fürsorglichen Ameisen vergraben oder von irgend
jemand mit einem Stock hineingeschoben worden waren.
Der Diamantenboom verging so schnell, wie er gekommen war, was Tiffany
und Henry Janin in große Verlegenheit brachte und Clarence Kings
Fähigkeiten neue Bewunderung sicherte. Die Herkunft der in den
Rocky Mountains gefundenen Edelsteine konnte ebenfalls aufgeklärt
werden. Arnold und Slack, die beiden gerissenen Betrüger, waren
offenbar nach Amsterdam gereist und hatten bei den dortigen Diamantenhändlern
für 25´000 Dollar Ausschußware gekauft.
Sowohl Janin als auch Tiffany mußten zu ihrem Unbehagen die
etwas peinliche Entschuldigung vorbringen, sie hätten sich täuschen
lassen, weil sie es nicht gewöhnt seien, mit Rohdiamanten umzugehen.
Trotz seines großspurigen
Auftretens und seiner Vorliebe zu übertreibenden, halb journalistischen
Berichten stand King beim Abschluß seiner Arbeit in dem unerschütterlichen
Ruf, wissenschaftliche Forschungsarbeit von unschätzbarem Wert
für sein Land geleistet zu haben. Nachdem er seine Landvermessung
beendet hatte, veröffentlichte er sein Meisterwerk mit dem Titel
Systematic Geology, eine brillante, spekulative These über Ursprung
und Bedeutung der von ihm untersuchten geologischen Formationen.
King hoffte, sein Werk werde „entweder als dauernde Bereicherung
des menschlichen Wissens oder als Stufe, die es wert ist, in die große
Treppe der Wissenschaft eingebaut zu werden", Bestand haben.
Es sollte beides werden.
John
Wesley Powell, hier mit dem Paiute-Häuptling Tau-gu, war sein
Leben lang ein Freund der Indianer und lernte mehrere ihrer Sprachen.
Im Jahre 1879 gründete er das Bureau of Ethnology zum Studium
der indianischen Kultur.
Während King
seine Systematic Geology schrieb und die Berichte seiner Kollegen
redigierte, wurde er zu einem nüchternen Wissenschaftler. „In
der Geologie sind die Zeiten vorbei", schrieb er beispielsweise,
„in denen es anständig oder zumutbar war, mit unredigierten
Expeditionsberichten so rasch wie möglich in Druck zu gehen."
Die Fertigstellung des Berichts über seine Expeditionen (sieben
Bände und ein Atlasband), über die King kahl und dicklich
wurde und bankrott machte, dauerte bis 1880, brachte dem Verfasser
schließlich jedoch viel Lob und Beifall ein. „Mr. Kings
elegante Feder hat sich nie vorteilhafter gezeigt", erklärte
das American Journal of Science.
Als der Kongreß im Jahr zuvor alle Erschließungsaufgaben
der United States Geological Survey übertragen hatte, wurde Clarence
King der erste Direktor dieses Amtes für Landvermessung. Sein
Nachfolger war dann John Wesley Powell.
Die Großen Landvermesser waren alle ehrgeizige, stolze Männer
- aber auf keinen traf das wohl mehr zu als auf Powell, den letzten
der drei zivilen Forscher, die nach dem Bürgerkrieg den amerikanischen
Westen auskundschafteten.
Er stammte aus
bescheidenen Verhältnissen und war 1834 im New Yorker Genesee
Valley als Sohn eines Farmers, der nebenbei noch Methodistenprediger
und Schneider war, geboren. Sein Vater zog mit der Familie nach Westen
und ließ sich in Wisconsin nieder, wo Powell sein Leben hinter
dem Pflug hätte beschließen können, wenn ein gebildeter
kalvinistischer Farmer nicht sein Interesse für die Naturwissenschaften
geweckt hätte. Der 18jährige Powell schaffte es, unausgebildet
wie er war, eine Lehrerstelle auf dem Lande zu bekommen; um sich seinen
Vorsprung vor den teilweise älteren Schülern zu bewahren,
lernte er fleißiger als sie und hatte bald die bescheidene Bibliothek
der Familie,
bei der er wohnte, ausgelesen.
Powell trat Anfang
1861 in die Nordstaatenarmee ein, erhielt ein Patent als Leutnant
und Militäringenieur und wurde schließlich zum Artilleriehauptmann
befördert. Als die Schlacht bei Shiloh begann, hob Powell den
rechten Arm, um seiner Batterie das Zeichen zur Feuereröffnung
zu geben. Eine Minie-Kugel traf seinen Ellbogen; zwei Tage später
mußte der Arm abgenommen werden. Aber Powell blieb während
des ganzen Krieges beim Militär und wurde als Major verabschiedet.
Er setzte sein unterbrochenes Studium fort und erreichte es, zum Professor
für Geologie an der Illinois Wesleyan University und zum Kurator
der Illinois Natural History Society ernannt zu werden.
Aber Powell merkte bald, daß ihm das Lernen mehr Spaß
machte als das Lehren. Im Frühjahr 1867 war der einarmige Veteran
in Washington, um Geld für eine Expedition in den Westen aufzutreiben,
wie Ferdinand Vandiveer Hayden und Clarence King es getan hatten.
Er bekam keines, aber das Kriegsministerium stellte ihm aus Armeebeständen
einige gebrauchte Fahrzeuge, Vieh, Zelte und weitere Ausrüstung
zur Verfügung; die Smithsonian Institution lieh ihm einige der
benötigten Instrumente.
Außerdem
gelang es Powell, bei einem College in Illinois etwas Geld lockerzumachen.
Dann brach er mit seiner Frau und einer Gruppe von Freunden und Studenten
nach Colorado auf.
Diese Auswahl seiner Begleiter war charakteristisch für Powells
Methode und trug ihm später viel Kritik ein; er war ein unverbesserlicher
Anhänger des Nepotismus. Auf diese Reise nahm er seinen Bruder
Walter Henry Powell mit,
obwohl er wußte, daß dieser sich nie ganz von seiner Geistesverwirrung,
die durch seine Leiden als Kriegsgefangener in den Südstaaten
bewirkt worden war, erholt hatte. Durch die Bedingungen der Reise
und die Erlebnisse am Colorado River verschlechterte sich seine Krankheit:
Walter Henry Powell wurde unheilbar geisteskrank.
Im Sommer 1868 beschlossen Powell und seine Männer, einen Gipfel
zu besteigen, den Major Stephen Long schon früher entdeckt hatte,
der aber noch nie von Weißen bestiegen worden war. Powell hatte
bereits eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was von dort aus zu
sehen sein würde: eine schiffbare Wasserstraße zum Pazifik
- und der Gedanke daran beseelte den Forscherehrgeiz von John Wesley
Powell. Die Besteigung des Berges war ein schwieriges Unterfangen,
bei dem die Kletterer eine Nacht durch eine unpassierbare Steilwand
und eine weitere durch vorgelagerte Grate aufgehalten wurden. Schließlich
fanden sie eine Route durch die Südwand und überwanden einen
letzten Granitblock, wobei ihr „Leben von dem Halt der Finger
in einer Spalte, die ihnen kaum Platz bot", abhing, wie William
Byers, einer der Expeditionsteilnehmer, schrieb.
Vom
Gipfel aus sah Powell genau das, was er zu sehen erwartet hatte: die
zusammengehörenden, tief eingeschnittenen Täler der vielen
Flüsse der Colorado-Wasserscheide - den Virgin, Yampa, Green,
Grand und den Paria River -,
die alle in den Colorado mündeten. Bei diesem Anblick beschloß
er, dorthin zurückzukehren und dieses letzte Stück noch
nicht kartierter Wildnis zu erobern.
Im Winter 1868/69 trieb Powell weitere Geldmittel auf und ließ
in Chicago vier Boote bauen: drei kräftige für Lasten aus
Eichenholz mit stabilen Doppelspanten und wasserdichten Kammern sowie
ein leichteres Boot aus Kiefernholz, das als Kommando- und Erkundungsfahrzeug
dienen sollte. Mit dieser Flotte wollte er von den Rocky Mountains
bis zum Pazifischen Ozean hinunterfahren und unterwegs allen Gefahren
der Flüsse trotzen.
Schon zwölf Jahre vor Powells Eintreffen waren andere Landvermesser
auf dem Colorado River unterwegs gewesen - stromaufwärts und
stromabwärts -, so daß nur noch etwa 250 Kilometer dieses
großen Flusses als unerforscht gelten konnten, als Powell ihn
im Jahre 1869 erreichte. Aber Powell sah sich selbst als Eroberer
dieses gigantischen Wasserlaufs, und die Geschichte erkennt ihn als
solchen an.
Die
Erlebnisse auf dem Colorado und dessen Nebenflüssen waren für
jedermann anstrengend und abenteuerlich. Die Expedition büßte
schon nach zwei Wochen eines der stabilen Boote ein, das in einer
Wildwasserschlucht an den Felswänden zerschellte. Die Gruppe
nannte diese Schlucht Canyon of Lodore. Durch diesen Schiffbruch verloren
die Männer ein Drittel ihres Proviants und ihrer Kleidung. Das
Kleidungsproblem beschäftigte sie ohnehin ständig,
da sie immer wieder naß wurden.
Sie
lösten es in gewisser Beziehung, indem sie nichts anzogen. „Major
Powell sagte, er sei bekleidet, wenn er seine Schwimmweste umhatte",
berichtete einer der Männer später und ergänzte diese
Feststellung durch eine trübselige Schilderung seiner eigenen
Schwierigkeiten: „Ich hatte eine Hirschlederhose.
Sie war
ständig so naß, daß sie immer länger wurde,
und ich schnitt die Hosenbeine mehrmals ab, bis ich schließlich
nur noch den Bund
übrigbehielt. Ich schnitt Löcher in meine Hemdzipfel
und band die losen Enden um meine Beine."
Powell, der der Versuchung, bei jedem Lager in den Schluchten die
Steilwände zu erklettern, nicht widerstehen konnte, hatte bald
Grund, dem Himmel dafür dankbar zu sein, daß nicht alle
seine Männer ganz nackt herumliefen.
Ein
anderer Erforscher des Grand Canyon war Lieutenant George Wheeler
(Vordergrund),
der nach dieser Rast am Colorado flußaufwärts in die finsteren
Schluchten des Canyon fuhr.
Der
Major kam in ziemlicher Höhe nicht weiter und konnte weder nach
oben, nach unten oder seitlich weiterklettern. Da er sich nur mit
den Fingerspitzen seiner einen Hand festhalten konnte, bekam er einen
Muskelkrampf und hatte fast keine Kraft mehr, als der Kletterer über
ihm sein einziges Kleidungsstück auszog - eine lange Unterhose.
Damit gelang es ihm, seinen Kommandanten in Sicherheit zu hieven.
Nach drei Monaten auf dem Flug, als es nur mehr kümmerliche Rationen
aus durchnägtem Mehl und verdorbenem Schinken gab, erreichte
Powells Expedition „die schlimmsten Stromschnellen, die wir
bisher gesehen haben", wie ein Mann in seinem mit Wasser befleckten
Reisetagebuch berichtete. „Das Wasser prallt vom linken Ufer
ab und wird gegen das rechte zurückgeworfen. Die Wellen sind
hoch, und ich fürchte, daß unsere Boote überspült
werden.
Das Schauspiel ist beängstigend. Wir haben nur noch für
fünf Tage Proviant und haben schon einen halben Tag lang versucht,
um diese Stromschnellen herumzukommen, während flußabwärts
weitere drei sichtbar sind. Heute abend herrscht Unzufriedenheit im
Lager, und ich fürchte, daß einige von uns in die Berge
gehen werden, was ich jedoch nicht hoffe." Schon am nächsten
Tag beschlossen drei Männer, das Abenteuer nicht länger
mitzumachen, und kletterten die steilen Wände der Schlucht hinauf.
Nachdem die Zurückgebliebenen
eine Reihe gefährlicher Stromschnellen überwunden hatten,
erreichten sie den Zusammenfluß zwischen Colorado und Virgin
River. Dort hatte Powell für diese Saison genug. Er gelangte
zu einer Mormonensiedlung, die in der Nähe auf einer Hochebene
lag, und kehrte von dort aus nach Washington zurück, um Geld
für die Fortsetzung seiner Expedition aufzutreiben.
Bei den Mormonen erfuhr er, daß die drei Abtrünnigen einer
Gruppe von Shivwit-Indianern in die Hände gelaufen und ermordet
worden waren. Für Powell erwies sich das als vorteilhaft, denn
die Nachricht von den Morden hatte in Salt Lake City großes
Interesse an der Expedition geweckt. Und schon früher hatte ein
gewisser John Risdon, der später wegen Pferdediebstahls ins Gefängnis
kam, das Gerücht verbreitet, die gesamte Expedition sei ertrunken.
Powell erkannte seine Chance, Schlagzeilen zu machen, und begann eine
Vortragsreise vorzubereiten mit dem Ziel, seinen eigenen Ruhm neben
dem des Flusses zu mehren.
Als Powell seine
nächste Forschungsreise antrat, hatte er keine Geldsorgen mehr,
was vor allem auf das von ihm sehr geschickt genutzte öffentliche
Interesse zurückzuführen war. Zwischen 1870 und 1873 bewilligte
der Kongreß
44´000 Dollar für die weitere Erforschung des Colorado.
Unterdessen hatte Powell eine ganz andere Auffassung von dem Benehmen,
das er als Führer einer wissenschaftlichen Expedition an den
Tag legen mußte. Er fuhr Stromschnellen nicht mehr nackt und
naß wie seine Mannschaft hinunter und benutzte einen auf dem
Mitteldeck des Führungsboots festgebundenen Lehnstuhl als Kommandoposten.
Dort oben über der Gischt gab er seine Befehle und Signale oder
las seinen Männern auf harmlosen Streckenabschnitten mit lauter
Stimme beruhigende Passagen aus The Lady of the Lake von Sir Walter
Scott vor.
Obwohl Powell vor allem durch seine Abenteuer auf dem Colorado River
bekannt geworden ist, leistete er wesentlich mehr. Er war ein origineller
und scharfsinniger Denker, was sich am besten in seinem Hauptwerk
zeigt, dem Report an the Lands of the Arid Region of the United States.
Außer den rein geologischen Informationen enthielt dieser Bericht
einen brillanten Essay über die ökologischen Probleme des
Westens. Powell stellte darin fest, die großen Trockengebiete
des amerikanischen Westens könnten keine dichte Besiedlung vertragen;
er war der Ansicht, der Versuch, dort kleine Farmen nach dem Muster
der an der Ostküste üblichen einzuführen, müsse
eine Katastrophe für die Siedler, eine schwere Schädigung
der Umwelt und einen Raubbau am Land selbst bewirken. Sinngemäß
forderte Powell damit bereits eine umweltfreundliche Siedlungs- und
Agrarpolitik für den Westen: Das Wesen des Landes, nicht die
Natur des Menschen, sollte über seine Nutzung entscheiden.
Nach
seinen Abenteuern im Westen wurde Powell Kings Nachfolger als Direktor
der United States Geological Survey und hatte diese Stellung 14 Jahre
lang inne. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Amt zur Hauptbehörde
für die Kartierung und das Studium der amerikanischen Staaten
sowie für die Analyse ihrer Bodenschätze - eine Funktion,
die es noch heute wahrnimmt.
Von den vier Großen Landvermessungen hatte die von Lieutenant
Wheeler die geringsten Auswirkungen auf die Entwicklung der Vereinigten
Staaten. Brauchbare Resultate kamen nicht zustande, obwohl Wheeler
ein erheblich größeres Gebiet als seine drei Konkurrenten
zusammen bearbeitete. Er durchquerte das 450´000 Quadratkilometer
große Gebiet zwischen der mexikanischen Grenze und Oregon sowie
zwischen der Sierra Nevada und dem Osten Colorados mehrmals auf verschiedenen
Routen.
Das einzige wirklich neue Ergebnis von Wheelers Forschungsreisen zwischen
1869 und 1879 kam durch höhere Gewalt zustande - und zwar durch
schreckliche Zahnschmerzen, die einer seiner Untergebenen, ein gewisser
Lieutenant William L. Marshall, bekam. Gegen Ende November 1873, als
die Expedition ihr Winterquartier in den San Juan Mountains bezogen
hatte, schwoll Marschalls Kiefer so an, daß er sich von Grütze
ernähren mußte, die er durch zusammengebissene Zähne
schlürfte. Der nächste Zahnarzt praktizierte in Denver,
das auf der einzig bekannten Route über den Cochetopa Pass etwa
500 Kilometer weit entfernt war. Aber Marshall war entschlossen, eine
Abkürzung zu finden. Er erinnerte sich, eine Art Paß in
den Bergen zu Anfang der Saison bemerkt zu haben, und brach mit nur
einem Begleiter auf, um ihn zu finden. Er hatte sich nicht geirrt:
Der heutige Marshall Pass verkürzte die Strecke nach Denver um
200 Kilometer.
Lieutenant
Wheelers Expedition, die alle nur möglichen Informationen über
die Wildnis sammelte,
photographierte diese Inschrift aus dem Jahre 1726, die Namen und
Auftrag eines spanischen Offiziers in einem Felsen in New Mexico festhielt.
Lieutenant Wheelers
sorgfältig durchgeführte Forschungsreisen hätten eigentlich
mehr Erfolg verdient. Da die U.S. Army hoffte, durch ihn noch einmal
bei der Erschließung des Westens eine Hauptrolle spielen zu
können, verfügte er über die besten Männer, war
hervorragend ausgerüstet und sollte ursprünglich in 15 Jahren
fast vier Millionen Quadratkilometer Land kartieren. Und er scheint
auch glücklicherweise selbstlos gewesen zu sein.
Im Jahre 1871 schrieb er zum Beispiel: „Die Tage des Pathfinders
sind vernünftigerweise vorbei" - und ließ dadurch
erkennen, daß es ihm nicht um persönlichen Ruhm ging. Obwohl
Wheeler gründlich seinen eigentlichen Auftrag ausführte,
erkundete er auch noch einmal das Coloradoplateau und den Grand Canyon,
denn er wollte Hayden, King und Powell in nichts nachstehen.
Das erwies sich als kostspieliger Fehler, denn Wheeler merkte bald,
daß mit diesen Männern schlecht auszukommen war. Die drei
Zivilisten betrachteten ihn als unerwünschten Eindringling in
ihre privaten Forschungsbereiche und machten sich daran, seiner Offizierslaufbahn
ein Ende zu bereiten.
Im Jahre 1873
erklärte Hayden Wheelers Geologen: „Sie können Wheeler
ausrichten, daß ich ihn vernichten werde, falls er auch nur
einen Finger rührt oder versucht, mich oder meine Arbeit in irgendeiner
Weise zu stören - denn ich besitze genügend Einfluß
im Kongreß und werde nicht zögern, das auszunutzen."
Powell bezeichnete Wheelers Karten als wertlos (in Wirklichkeit waren
sie recht brauchbar), und Kings Kollege James Terry Gardner behauptete,
Wheeler sei „um riesige Gebiete, die so groß wie Connecticut
und Rhode Island zusammengenommen waren, herummarschiert und hat sie
von außen betrachtet,
ohne sie zu betreten". Schließlichbrachten die Zivilisten
den Kongreß dazu, im Jahre 1879 die Einstellung der Landesaufnahme
im Westen durch die U.S. Army anzuordnen. Aber zu diesem Zeitpunkt
waren die Großen Landvermessungen bereits abgeschlossen.
Sie
hatten den amerikanischen Steuerzahler etwas über eineinhalb
Millionen Dollar gekostet, die sich folgendermaßen verteilten:
Hayden hatte 690´000 Dollar ausgegeben, King 387´000 Dollar,
Powell 259´000 Dollar und Wheeler
550´000 Dollar. Obgleich sich die Anführer teilweise eigenartig
verhielten und verschiedene Methoden hatten, sich selbst zu beweihräuchern,
wurden öffentliche Mittel vermutlich nie besser verwendet. Als
diese vier Männer mit ihrer Arbeit fertig waren, waren sämtliche
Ecken und Winkel des amerikanischen Westens bekannt und seine kommerziellen
Vor- und Nachteile gründlich erforscht.
Diese letzten Erforscher des Westens waren die Erben aller jener Männer,
die seit Meriwether Lewis und William Clark im Westen gewesen waren.
Die großen Pioniere ihres Berufs lebten natürlich längst
nicht mehr, als die Zeit der Großen Landvermessungen begann.
Lewis starb allzu früh mit 35 Jahren im Jahre 1809, als er nach
Washington unterwegs war, um die Reisetagebücher des Entdeckerkorps
zu redigieren. In Tennessee übernachtete er auf einem einsamen
Abschnitt der Natchez Trace in einem Blockhaus auf einer Waldlichtung.
Nachts fielen in seinem Zimmer zwei Pistolenschüsse, und morgens
entdeckte seine Gastgeberin, eine Mrs. Grinder, den im Sterben liegenden
Forscher.
In ersten Berichten hieß es, der gelegentlich an Depressionen
leidende Lewis habe Selbstmord verübt; später wurde festgestellt,
daß der Tote nur 25 Cent in der Tasche gehabt hatte, woraus
das Gerücht entstand, er sei beraubt und ermordet worden. Jedenfalls
erlitt Meriwether Lewis einen gräßlichen Tod, denn er lebte
trotz klaffender Wunden in Brust und Kopf die Nacht hindurch und in
den nächsten Tag hinein. Seine letzten Wort waren:
„Ich bin kein Feigling, aber ich bin so kräftig. Das Sterben
ist so schwer."
Sein alter Freund
und Begleiter William Clark lebte noch bis 1838, da er friedlich verschied.
In jenem Jahr war Hayden neun und Powell vier; es sollte noch vier
Jahre dauern, bis King und Wheeler geboren wurden. Bis zu seinem Tode
war der hochgeehrte William Clark der U.S. Superintendent of Indian
Affairs, ein geachteter Verhandlungspartner des roten Bruders und
sein treuer Freund.
Einige zähe Männer, die erste Erfahrungen an der Frontier
als Jugendliche gesammelt hatten oder noch Kinder gewesen waren, als
Lewis und Clark zum Pazifik aufgebrochen waren, lebten noch und waren
noch immer aktiv, als die Großen Landvermesser nur mehr wenige
Jahre von ihrem Ziel, der endgültigen Durchdringung des Westens,
entfernt waren. Noch im Jahre 1865 zeigte der ehemalige Mountain Man
Jim Bridger den Vermessern von General Grenville M. Dodge, auf welcher
Strecke die Union Pacific Railroad durchs Gebirge zur Küste vordringen
konnte. In späteren Jahren fand Bridger Geschmack an der Literatur,
obwohl er nicht selber lesen konnte.
Von Zeit zu Zeit fand er Gelegenheit, sein Interesse zu befriedigen
- beispielsweise im Winter 1862/63 in Fort Laramie, wo er im Dienste
von Captain J. Lee Humfreville stand. Um sich die langen Winternächte
zu verkürzen, las der Captain seinem Führer aus dem Buch
Hiawatha vor.
„Bridger zeigte großes Interesse und erkundigte sich nach
dem besten Buch, das jemals geschrieben worden sei", berichtete
Humfreville. „Ich erklärte ihm, daß Shakespeares
als das größte Werk gelte. Daraufhin begab er sich zur
Hauptstraße und kaufte dort Auswanderern ein Exemplar ab, das
er mit einem Ochsengespann bezahlte. Er stellte für 40 Dollar
Monatslohn einen deutschen Jungen an, der ihm vorlesen mußte.
Bridger interessierte sich sehr für das Vorgelesene und konnte
stundenlang aufmerksam zuhören. Es war amüsant, Bridger
Shakespeare zitieren zu hören. Er konnte viele Zitate aufsagen.
Manchmal würzte er sie mit einem kräftigen Fluch."
Zwei von Bridgers
ältesten Freunden bei den Mountain Men waren ebenfalls noch immer
im Westen aktiv. Kit Carson hatte es im Kampf gegen die Indianer bis
zum General gebracht; er starb berühmt und geehrt im Jahre 1868.
Und Joe Walker, der scheinbar Unbezwingbare, der sechs Jahre alt gewesen
war, als die Lewis-und-Clark-Expedition nach Westen aufgebrochen war,
tauchte weiterhin an allen interessanten Plätzen auf.
Im
Norden Arizonas ersteigen Wheelers Vermesser die Ruinen von Indianerhäusern
aus luftgetrockneten Lehmziegeln,
die Jahrhunderte zuvor in einer festungsartigen Felsnische nur 20
Meter über dem Canyon de Chelly errichtet worden waren.
Nachdem Walker
sich 1846 von Frémont getrennt hatte, war er wieder Viehhändler
geworden, hatte Pferdeherden von Kalifornien aus nach Osten getrieben
und hatte sie an die Armee des Westens verkauft. Er erkundete auch
das Gebiet entlang dem Colorado und dem Virgin River und führte
im Jahre 1850 eine Expedition zu den dortigen Dörfern der Zuni-Indianer.
Im Jahre 1853 sagte er als Zeuge vor einem Ausschuß des kalifornischen
Abgeordnetenhauses aus und empfahl den von ihm entdeckten Walker Pass
als beste Route für eine Eisenbahnstrecke durch die Sierra Nevada.
Die Abgeordneten hielten sich zwar nicht an seinen Vorschlag, aber
der Paß blieb ein wichtiges Einfallstor für die Planwagenkolonnen
von Siedlern.
Im Jahre 1859 betätigte Walker sich als Kundschafter für
die U.S. Army und kämpfte gemeinsam mit Kit Carson gegen die
Indianer. Die Soldaten, die er führte, staunten über seine
Fähigkeit, die vor ihnen liegende Landschaft zu beurteilen. Auch
ohne das betreffende Gebiet zuvor gesehen zu haben, schien er stets
sagen zu können, was jenseits des Horizonts lag, und imstande
zu sein, gutes Gras und trinkbares Wasser zu riechen.
In den sechziger
Jahren bewog irgend etwas Walker, sich mit dem Südwesten zu befassen
- vor allem mit der Wildnis zwischen dem Gila und dem Colorado River,
die seiner Meinung nach das letzte große „unerforschte
Gebiet auf dem Territorium der Republik" war. Im Sommer 1862
kreuzte er mit einer Gruppe von Goldsuchern im südlichen Colorado
auf und hatte sich verpflichtet, sie durch diese unberührte Wildnis
zu führen. Walker und die Goldsucher ritten nach Süden über
den Raton Pass und gelangten im Oktober nach New Mexico. Dort schloß
sich ihnen der 24jährige Goldsucher Daniel Conner an, der später
einen spannenden Bericht über Walkers letzte Abenteuer schrieb.
Der Veteran war damals 64 Jahre alt, aber - abgesehen von seiner nachlassenden
Sehkraft - noch immer ein bemerkenswert rüstiger Mann. Conners
Bericht erweckt den Eindruck, als hätten er und seine Reisegefährten
den Alten ehrfürchtig und bewundernd angestaunt, weil sie sich
darüber im klaren waren, daß sie von einem der legendären
Helden des Alten Westens geführt wurden.
Bei Santa Fe sollte
die Gruppe die Wirren des Bürgerkriegs kennenlernen. Ein übereifriger
Kavallerist aus der Truppe von General James Carleton, dem dortigen
Befehlshaber der Einheiten aus den Nordstaaten, „kam großspurig
bis auf zwanzig Schritte an uns heran und teilte Capt. Walker mit,
seine Männer müßten den Treueid auf die Vereinigten
Staaten ablegen, bevor sie weiterziehen dürften". Zu Conners
großer Erleichterung - er war wegen seiner
Sympathien für die Konföderierten aus Colorado verjagt worden
- weigerte Walker sich kühl, auf diese Forderung einzugehen.
„Ich kenne Carleton seit vielen Jahren und habe schon oft mit
ihm gespielt", erklärte er dem Soldaten, „aber hätte
ich gewußt, daß er nicht kommt, hätte ich nicht eine
Woche lang auf einen Passierschein gewartet, denn ich kann mit diesen
Männern überall ohne Angst und ohne spezielle Erlaubnis
durch diese Wildnis ziehen.
Ich habe nur gewartet, um mich einem alten Freund gegenüber als
höflich zu erweisen." Mit diesen Worten ritt er weiter.
In New Mexico
verringerten sich die Wasservorräte der Männer zunehmend,
aber Walker erklärte ihnen, er sei vor vielen Jahren schon einmal
in dieser Gegend gewesen und erinnere sich an eine gute Quelle im
Südwesten. In den folgenden zwei Tagen fanden sie nichts, und
es „kamen große Zweifel an der Fähigkeit unseres
alten Captains auf, nach dreißig Jahren eine Quelle wiederzufinden,
- wenn sie auch nicht laut ausgesprochen. wurden", wie Conner
berichtete. Am dritten Tag erreichten sie jedoch den Fuß eines
kahlen, nicht gerade vielversprechenden Berges, und Walker forderte
Conner und vier andere auf, ihn zu besteigen; dicht unterhalb des
Gipfels würden sie die Quelle gegenüber einem großen
flachen Stein finden. Er warnte sie zugleich vor den Apache; in diesem
Trockengebiet seien Quellen selten und würden von allen möglichen
Leuten aufgesucht. Zu ihrem Erstaunen fanden die durstigen Männer
die Quelle genau dort, wo Walker sie beschrieben hatte, warfen sich
davor nieder und tranken sich voll.
Walkers Warnung
vor Indianern erwies sich bald auf grausige Weise als berechtigt,
denn nur wenig später entdeckten die Männer eine dünne
Rauchsäule und fanden dann „drei Weiße, die leichtsinnig
genug gewesen waren, den Versuch zu machen, sich allein nach Kalifornien
durchzuschlagen. Sie hingen an den Knöcheln festgebunden nebeneinander
an einem waagerechten Nußkiefernzweig. Ihre Hände waren
ihnen auf dem Rücken gefesselt worden; ihre Köpfe hingen
nur etwa 30 Zentimeter über dem Boden, und unter jedem war ein
kleines Feuer entfacht worden. Haut und Haar waren von den Schädeln
gebrannt, so daß sie gräßlich aussahen, als sie dort
völlig nackt baumelten".
Im Frühjahr 1863 zeigte Joe Walker sich zum letztenmal auf rätselhafte
Weise als unfehlbarer Führer. Wie er zuvor Biber, Gebirgspässe,
Planwagenrouten und Eisenbahnstrekken entdeckt hatte, führte
er jetzt Goldsucher zum Zusammenfluß von Hassayampa River und
Lynx Creek. Dort gab es tatsächlich Gold - es brachte bis zu
fünf Dollar pro Schürfpfanne. Wahrscheinlich hatte Walker
schon viel früher von diesem Gold gewußt, ohne ihm besondere
Bedeutung beizumessen. Er war der gleichen Ansicht wie Jim Bridger,
der gesagt hatte: „Damals wurde überall in diesem Land
Gold gefunden, aber sie hielten es nicht für nötig, danach
zu schürfen, da Biber (die Felle brachten damals acht Dollar
pro Pfund) das am besten bezahlte Gold war, das sie aus den Flüssen
und Bächen gewinnen konnten."
Aber
andere machten sich mehr aus Gold, und am Lynx Creek entstand bald
eine Goldgräberstadt.
Ein
Teilnehmer der Powell-Expedition wirft 1871 einen Blick in eine furchterregende,
tiefe Felsschlucht mit einem Nebenfluß des Escalante River.
Im Sommer 1863
wollten die Goldgräber Walker zum ersten Präsidenten ihrer
Siedlung ausrufen. Das war das erste öffentliche Amt, das ihm
angeboten worden war, seitdem er im Jahre 1827 zum Sheriff von Independence
gewählt worden war. Joe Walker lehnte jedoch ab; offenbar fühlte
er sich noch nicht alt genug für eine geruhsame Tätigkeit
dieser Art.
Aber die Jahre forderten auch von ihm ihren Tribut. Sein letztes Abenteuer
bestand er 1867, als in der Siedlung am Lynx Creek eine Hungersnot
ausbrach. Obwohl er damals schon fast blind war, brach er gemeinsam
mit Daniel Conner zu der etwa 300 Kilometer entfernten Handelsstation
La Paz auf.
Unterwegs entging
er zum letztenmal um Haaresbreite einem gewaltsamen Tod, als zwei
mexikanische Banditen unerwartet Conner überfielen. Obwohl Walker
nicht mehr viel sah, reagierte er genauso instinktiv wie früher:
Er zog seinen Revolver, schoß und vertrieb die Banditen. Aber
allein die Tatsache, daß er überhaupt in diese Klemme geraten
war, schien Walker davon zu überzeugen, daß seine große
Zeit zu Ende war. Wenig später zog er deprimiert aus Arizona
nach Kalifornien, um seine letzten Jahre auf der Ranch eines Neffen
im Contra Costa County zu verbringen.
Conner brachte zum Ausdruck,
was der Westen bei diesem Abschied von Joe Walker empfand. „Er
war der freundlichste Mann, den ich je gekannt habe", schrieb
er, „wenn man bedenkt, welche Risiken er dreißig Jahre
lang inmitten der Wilden, in glühendheißen Wüsten
und in Eis und Schnee auf sich genommen hat. Er war tapfer, wahrheitsliebend
und freundlich wie ein Kind, aber er konnte gelegentlich sogar streng
sein.
Ich war für ihn nur ein Junge, und er hielt Gefahren von mir
fern, ohne mich davon wissen zu lassen oder mir auch nur zu erklären,
wie er das schaffte."
Der Westen ehrte
ihn durch verschiedene Ortsnamen - Walker Pass, Walker Lake, Walker
River, Walker Trail und Walker Mining District, alles Gebiete, die
Joe Walker seiner Nachwelt entdeckte. Im Sommer 1876 erinnerte der
inzwischen völlig erblindete Walker sich in einem Gespräch
mit einem kalifornischen Reporter an seine bewegte Vergangenheit.
Verständlicherweise lag das Hauptgewicht auf dem für den
Frontiersman wichtigsten Thema - dem Überleben.
„Was mit
den Sioux-Indianern war? Sie sind zahlreich und nur in großer
Zahl sehr gefährlich, denn ich habe sie immer für schlechter
und schwächer als viele andere Stämme gehalten. Ich habe
gegen bessere Indianer als die Sioux gekämpft, die mir fünffach
überlegen waren und den Kampfplatz selbst bestimmen konnten.
Und trotzdem habe ich meinen Skalp noch immer."
Joe Walker starb
am 27. Oktober 1876 mit knapp 78 Jahren und wurde im kalifornischen
Martinez begraben.
Auf seinem Grabstein
stand folgende Kurzbiographie:
GEBOREN
IN ROAN CO. TENN. 13. DEZ. 1798
NACH MO. AUSGEWANDERT 1819
NACH NEW MEXICO 1820
ROCKY MOUNTAINS 1832
KALIFORNIEN 1833
LAGERTE AM YOSEMITE 13. NOV. 1833
Die Inschrift
auf Walkers Grabstein wurde dem ereignisreichen Leben dieses außergewöhnlichen
Mannes überhaupt nicht gerecht.
Er hatte den Westen in seiner gesamten Entwicklung erlebt.
Als Walker zum erstenmal in das Land jenseits des Mississippi vorgedrungen
war, war der Westen noch immer ein geheimnisvolles Gebiet gewesen:
ein weißer Fleck auf den Landkarten.
Als Mountain Man und Entdecker hatte er dazu beigetragen, diesen weißen
Fleck auszulöschen; als Anhänger des „Manifest Destiny"
hatte er dafür gekämpft, daß der Ferne Westen ein
Teil der Vereinigten Staaten wurde, und als Auswandererführer
hatte er Siedler bis zum Pazifik gebracht. In den entscheidenden Jahrzehnten
des amerikanischen Westens hatte er gegen die Indianer gekämpft
und war Kundschafter bei der Armee, Goldsucher und sogar Viehzüchter
gewesen - er hatte in den fünfziger Jahren eine eigene Ranch
im Monterey County besessen, und er hatte auch noch erlebt, daß
Millionen von Rindern auf den Great Plains weideten.
Joe Walker überlebte Kit Carson um acht Jahre; Jim Bridger überlebte
Walker um knapp fünf und starb am 17. Juli 1881 friedlich auf
einer Farm in Missouri.
Sie waren die
letzten der ersten. Zu ihren Lebzeiten wurde der Westen entdeckt,
bis in die entferntesten Winkel kartiert und inventarisiert.
Nach einem Dreivierteljahrhundert wurden Männer wie sie nicht
mehr benötigt.
Alles lag für zukünftige Generationen bereit und konnte
genutzt werden, wenn nur ein Teil der Klugheit und des Mutes aufgebracht
würden,
die den Anfang ermöglicht hatten.
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