Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
• Douglas S. Freeman: Lee´s Lieutenants, Vol. 1, New York 1942 •
• Philip Katcher: Army of the Potomac. Reading 1975 •
• Philip Katcher: American Civil War Armies (5): Volunteer Militia. London 1989 •
• Michael Solka: Die Zuaven des Amerikanischen Bürgerkrieges •
• Michael J. McAfee: Zouaves. The First and The Bravest. Gettysburg 1991 •
• Robin Smith: American Civil War Zouaves, London 1996 •
• Military Collector & Historian: Vol. 51, No. 3, Washington, DC. Fall 1999 •
Shaun Grenan, The Civil War Zouave Database, Gettysburg, PA, USA
• und Informationen des Nationalarchivs der USA sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek •


Die Zuaven
des Amerikanischen Bürgerkrieges

Seite 2

 

 

 

53rd New York-Freiwilligenregiment (D'Epineuil's Zouaves)

Die Uniform des 53. New Yorker Freiwilligenregiments ähnelte sehr stark der der französischen Zuaven, was nicht erstaunte, da die beiden Kommandeure des Regiments, Oberst Lionel J. D'Epineuil und Oberstleutnant J. Vigneur de Monteil, als Offiziere in Frankreich gedient hatten. D'Epineuil in der Marine und de Monteil in der Armee. Die Aufstellung des Regiments erfolgte zwischen Ende August und November 1861 in New York, eingereiht wurden aber auch Kompanien aus dem Bundesstaat New York. Die Dauer der Rekrutierung zog sich hin, obgleich Oberst D'Epineuil von Generalquartiermeister Montgomery C. Meigs die Erlaubnis erhalten hatte, die Einheit in eine Uniform ähnlich der der Zuaven der französischen Kaisergarde zu kleiden.

Die Zeitungen New Yorks interessierten sich offenbar sehr für die Uniform des 53. Regiments, und am 18. August berichtete die „New York Times":
„Die Uniform ist die der blauen Zuaven Frankreichs, die aus einer dunkelblauen Jacke besteht, versehen mit gelbem Besatz, blauer Weste und weiten hellblauen Hosen, rotem Fez mit blauer Troddel und Gamaschen aus Segeltuch. Das Tuch wird beste Qualität haben, tatsächlich genauso gut wie in der französischen Armee und nicht aus dem billigen Flanell bestehen, der bis jetzt einigen unserer Zuaven gegeben worden ist.”
Als das 53. Regiment schließlich vollzählig war, setzte es sich vor allem aus Männern französischer Abstammung zusammen, hatte aber auch eine Kompanie Indianer aus der Tuscarora-Reservation. Am 18. November verließ das Regiment New York, nachdem die französischen Damen der Stadt die Fahnen überreicht hatten, und verlegte nach Annapolis, Maryland. Dort nahmen Oberst D'Epineuils Zuaven im Januar 1862 an Brigadegeneral Ambrose E. Burnsides Expedition nach Hatteras Inlet teil. Zu diesem Zeitpunkt begannen ernsthafte Schwierigkeiten.

Es war offensichtlich, dass die Offiziere des Regiments den schlechten Zustand der Truppe ignorierten. Rasch stieg die Fahnenflucht an, so dass von ursprünglich 1´500 Männern schließlich nur noch 900 verblieben. Am 5. Januar 1862 ging das Regiment an Bord eines Schiffes, das Hatteras Inlet anlaufen sollte. In kürzester Zeit stellte sich heraus, dass der Transporter völlig überladen war und auf keinen Fall Hatteras Inlet anlaufen konnte. Lediglich einige Offiziere und eine kleine Abteilung konnten in einem kleinen Schiff die Küste erreichen. Die übrigen Zuaven wurden in die Festung Monroe gebracht, um dort auf einen Dampfer zu warten, der sie nach Hatteras Inlet bringen sollte. Aber erneut konnten sie nicht landen, und das Schiff wurde daher nach Annapolis zurückgeschickt.


Nach 34 Tagen auf See konnten die Männer endlich wieder Land betreten. Die Moral der Zuaven hatte inzwischen ihren Tiefpunkt erreicht. Die Desertionen häuften sich innerhalb weniger Tage. Nur noch 541 Männer blieben in der Truppe.
In einem Untersuchungsbericht hieß es über die misslichen Zustände im 53. New Yorker Freiwilligenregiment:
„Waffen und Ausrüstung: Enfield-Gewehre in allgemein schlechtem Zustand. Eine beträchtliche Anzahl außerordentlich rostig und, falls nicht schon vorher, dadurch schnell dahin. Bajonette [...] sehr rostig. Mehrere Männer hatten keine Bajonette oder Ausrüstungsstücke. Wahrscheinlich haben sie sie verloren. Bekleidung: Uniformen im Zuavenstil. Allgemein sehr schmutzig und in sehr vielen Fällen dreckig. Körperpflege wurde extrem vernachlässigt. An Bord des Schiffes befielen parasitische Kleiderläuse die Soldaten drastisch, von denen sie noch befallen sind. [...] An die vierzig Männer haben ihre Uniformen weggeworfen oder verbrannt und trugen Unterhosen. (...] Die Offiziere haben es vorgezogen, außerhalb des Lagers zu schlafen. Sie haben sich ohne Befehl tagelang entfernt und ihr Kommando ungeheuer vernachlässigt.“
Am 21. März 1862 wurde das 53. New York-Freiwilligenregiment aufgelöst. Kompanie A wechselte zum 17. New Yorker Regiment als Kompanie G. Wer es wünschte, durfte in die reguläre Armee eintreten. Die übrigen Soldaten wurden anderen Freiwilligenregimentern aus New York zugeteilt. Oberstleutnant de Monteil und die Zuaven, die auf Hatteras Inlet gelandet waren, schlossen sich Hawkins' Zuaven an und nahmen an dem Gefecht auf der Insel Roanoke teil. De Monteil fiel im Verlauf dieses Kampfes. Als das 53. Regiment aufgelöst wurde, entlastete Brigadegeneral Burnside Oberst D'Epineuil.
Die Verantwortung wurde einfach auf die ihm unterstellten „unglücklich ernannten“ Offiziere geschoben.
D'Epineuil erhielt eine Anstellung im Finanzministerium und kehrte 1870 nach Frankreich zurück, um seinem Vaterland im Krieg gegen Preußen beizustehen.

 

 

69th New York-Milizregiment (Meagher's Zouaves, Kompanie K)

Diese Einheit wurde in den 1850er Jahren aufgestellt und bestand nur aus Amerikanern irischer Abstammung. Befehlshaber der Truppe war Michael Corcoran, der Sohn eines britischen Offiziers, der in Irland aufgewachsen und nach Nordamerika emigriert war. 1860 weigerte sich Oberst Corcoran, das 69. Milizregiment in New York vor dem Prinzen von Wales paradieren zu lassen, da er den Prinzen als ein Symbol der britischen Unterdrückung Irlands ansah. Corcoran riskierte aufgrund seiner Ansicht ein Kriegsgerichtsverfahren, doch durch den Ausbruch des Bürgerkrieges kam es zu keiner Anklage. Als eine zusätzliche Kompanie in dem Regiment aufgestellt werden sollte, übernahm Captain Thomas Francis Meagher, ein überzeugter Kämpfer für die Freiheit Irlands, diese Aufgabe und rekrutierte eine Kompanie Zuaven, die wegen ihrer hellgrünen Schärpen auffielen.

In der ersten Schlacht am Bull Run leisteten „Meagher's Zouaves“ (Kompanie K) - viele von ihnen zogen es vor, ohne Schuhe in den Kampf zu ziehen - den Konföderierten hartnäckigen Widerstand. Ihre mutigen Angriffe wurden aber jedes Mal zurückgeschlagen. Während der Schlacht trug der Zuave John Keefe die grüne Regimentsfahne der 69er. Als ein Südstaatler sie ihm entriss, holte Keefe sie sich zurück und erschoss den Konföderierten. Außerdem gelang es ihm, eine konföderierte Fahne zu erbeuten. Als frische Truppen der Südstaatler auf dem Schlachtfeld eintrafen, musste auch das 69. Milizregiment den Rückzug antreten. Meagher wurde von einem Dragoner aus dem Getümmel gerettet, und Regimentskommandeur Corcoran, der eine letzte Verteidigungslinie aufbauen wollte, geriet in Gefangenschaft. Immerhin lobte die Presse des Südens den Kampfeswillen des 69. Milizregiments.

So hieß es im „Memphis Argus“:
„Jeder Südstaatler fühlt, dass das Neunundsechzigste den alten Ruf irischen Muts aufrechterhielt - auf der falschen Seite. Alle Ehre dem Neunundsechzigsten, sogar bei seinen Irrtümern.“

Corcoran verbrachte dreizehn Monate in Gefängnissen des Südens, bevor er Mitte August 1862 gegen einen konföderierten Offizier ausgetauscht wurde. Umgehend stellte er eine neue irische Einheit auf, „Corcoran's Legion“, aber großen Ruhm konnte er nicht erlangen. Weihnachten 1863 verunglückte Corcoran bei einem Sturz von seinem Pferd tödlich. Höchstwahrscheinlich war er betrunken. Mehr Glück hatte dagegen Captain Meagher.
Er formierte nach der Auflösung seiner Zuavenkompanie die Irische Brigade, die im Verlauf des Bürgerkrieges berühmt werden sollte.

 

 

 

 

140th New York-Freiwilligenregiment /
The Second Monroe County Regiment /
Rochester Racehorses / Ryan Zouaves (1864)

Im Frühjahr 1864 erhielt das 140. New Yorker Freiwilligenregiment, eines jener Regimenter, die während der Schlacht von Gettysburg hartnäckig um den Little Round Top gekämpft hatten, dunkelblaue Zuavenuniformen mit roter Einfassung und rotem Fez. Über die Uniform schrieb einer der Soldaten: „Der Stoff besteht aus weit besserem Material als aus dem der vorher ausgegebenen Bekleidung. Er ist von guter Qualität.“ Im Feldzug des Jahres 1864 traf das Regiment am 5. Mai 1864 an der Spitze der Unionstruppen bei Saunders Field in Virginia auf Generalleutnant Richard Ewells Konföderierte. Das heftige Feuer der Südstaatler zwang die Zuaven sich zunächst auf die Erde zu werfen, doch wenig später erteilte Oberst George Ryan, der Regimentskommandeur, den Angriffsbefehl. Captain Henry Cribben berichtete:
„Das Regiment stieß einen ohrenbetäubenden Schrei aus, der durch die Wälder hallte, und gab den Truppen rechts und links der Linie die Gewissheit, dass Ryans Zuaven den Feind angriffen.“


Ungestüm drängten die Zuaven vorwärts, und auch als eine verirrte Granate der Unionsartillerie in die hinteren Reihen des Regiments einschlug, geriet der Angriff nicht ins Stocken. Im dichten Buschwerk lösten sich alsbald die Reihen des Regiments auf, aber die Männer kämpften sich in Gruppen voran. Das Terrain erwies sich jedoch als zu schwierig, um einen wirksamen Angriff durchzuführen, sodass Oberst Ryan sich genötigt sah, seine Zuaven zurückzuziehen.
Seine Unerschrockenheit hatte das 140. New York-Freiwilligenregiment ohne Frage erneut bewiesen.

 

 

 

146th New York-Freiwilligenregiment (Garrard's Tigers)

 

Die neuen Uniformen, die das 146. New Yorker Freiwilligenregiment 1864 erhielt, waren im Stil der algerischen Schützen der französischen Armee gehalten - Kolonialtruppen, die genauso verwegen wie die Zuaven kämpften. Der Regimentskommandeur, Oberst Kenner Garrard, wurde eigens nach Washington beordert, um die Herstellung der Uniformen zu überwachen. Als die Bekleidungsstücke ausgeliefert wurden, waren die Soldaten mit der neuen Uniform hoch zufrieden.
In der Regimentsgeschichte hieß es über die neue Uniformierung:
„Am dritten Juni erhielten wir die neuen Zuavenuniformen, die wir seit einiger Zeit erwartet hatten. Dem 140. New Yorker Regiment wurde ebenfalls die Ehre verliehen, diesen Uniformstil zu tragen. (...] Die Zuavenuniform bestand aus großen weiten Hosen, in blauer Farbe, die an den Knien befestigt wurden; ein Fez, Farbe hellrot, mit roter Troddel [die war in Wirklichkeit gelb, Anmerkung des Autors]; ein langer weißer Turban wurde um den Fez gewunden, aber er wurde nur für Paraden angelegt; eine rote Schärpe von zehn Fuß Länge wurde um den Körper gewickelt, was sehr bequem und warm war. Die weißen Gamaschen reichten fast bis zu den Knien.“
Den Kern des neu uniformierten Regiments bildeten 200 Veteranen von „Duryee's Zouaves". Am 5. und 6. Mai 1864 verloren „Garrard's Tigers“ im Verlauf der Kämpfe in der „Wilderness“ - einem nahezu undurchdringlichen Waldstück aus verkümmerten Eichen und Kiefern - 312 Mann. Unter den 65 Gefallenen befanden sich der Oberst und der Oberstleutnant des Regiments.

 

 

 

 

165th New York-Freiwilligenregiment /
2nd Battalion Duryee Zouaves

Nach der zweiten Schlacht am Bull Run waren mehrere Offiziere und Soldaten von „Duryee's Zouaves“ nach New York abkommandiert worden, um für das Regiment Rekruten anzuwerben. Die Zahl der Freiwilligen war so groß, dass ein neues, acht Kompanien starkes Bataillon aufgestellt werden konnte. Daraus wurde alsbald das 165. New Yorker Freiwilligenregiment, dessen Kommando Oberstleutnant Abel Smith übernahm. Die Uniform glich der des 5. Regiments, allerdings hatte der rote Fez keine gelbe, sondern eine blaue Troddel.
Als der Plan, eine Zuavenbrigade aus vier Regimentern zu errichten, nach Generalmajor George McClellans Abschied zurückgestellt wurde, erging der Befehl, das 165. Regiment in Louisiana zu verwenden. Die Zuaven schlossen sich Brigadegeneral Nathaniel Banks' Truppen an, die Port Hudson, ein Bollwerk der Südstaatler am Mississippi, einnehmen sollten. Am 27. Mai 1863 beteiligte sich das 165. Regiment an einem wilden Angriff auf die konföderierten Stellungen. Die Verluste waren hoch: 108 Zuaven fielen während des Sturmangriffs, unter ihnen der Regimentskommandeur und beide Fahnenträger.

Das Kommando im Rang eines Majors übte nun Felix Agnus aus, ein Franzose, der im 3. französischen Zuavenregiment gedient hatte und 1860 nach New York ausgewandert war. Bei Kriegsausbruch war Agnus im Rang eines Sergeanten in das 5. New York-Freiwilligenregiment eingetreten und hatte sich später zum 165. Regiment versetzen lassen, wo er als Captain von der Kompanie A, der Fahnenkompanie, diente. Nach der Kapitulation von Port Hudson am 9. Juli 1863 wurde das 165. New Yorker Freiwilligenregiment im Westen Louisianas eingesetzt.
Dort kam es zu Scharmützeln mit „Terry's Texas Rangers“, einem legendären Kavallerieregiment der Konföderierten. Im weiteren Kriegsverlauf wurde das 165. Regiment den Truppen von Generalleutnant Ulysses S. Grant in Virginia zugeteilt und nahm 1864 an Sheridans Feldzug im Shenandoah-Tal teil.
Major Agnus behauptete, nicht weniger als elf Verwundungen während des Krieges erhalten zu haben, und seine Männer sagten, „er hätte so viel Blei im Körper, dass es klimperte, wenn er ging.

 

34. Ohio-Freiwilligenregiment (Piatt's Zouaves)                         kein Bild vorhanden

Eine bisweilen merkwürdige Zuavenuniform trug das 34. Ohio Freiwilligenregiment, das zu Beginn des Bürgerkrieges im Westen Virginias eingesetzt wurde.
„Piatt's Zouaves“ waren in die herkömmlichen kurzen Jacken (dunkelblau mit roter Einfassung) und weite Hosen (hellblau mit zwei roten Streifen) gekleidet, verwendeten jedoch außer einem roten Fez als Kopfbedeckung auch einen Dreispitz. Sie errichteten vor allem Brücken, und einige von ihnen nahmen beritten an einem Gefecht gegen Konföderierte teil.

 

23rd Pennsylvania-Freiwilligenregiment (Birney's Zouaves)

Die Stammtruppe des 23. Freiwilligenregiments aus Pennsylvania war eine Milizkompanie mit der Bezeichnung „Philadelphia City Guard“, die zum Artillerieregiment der 3. Brigade (Philadelphia County) gehörte.
Als Präsident Abraham Lincoln am 15. April 1861 75.000 Freiwillige zu den Waffen rief, wurde die „Philadelphia City Guard“ zum 23. Freiwilligenregiment. Nach dem Ablauf der dreimonatigen Dienstzeit verpflichteten sich die Angehörigen des Regiments für drei Jahre und erhielten Zuavenuniformen.

Die dunkelblaue Uniform war rot eingefasst, wobei die Hosen nicht das Volumen wie bei anderen Zuaveneinheiten hatten. Als Kopfbedeckung trug man entweder ein dunkelblaues Käppi oder einen roten Fez mit dunkelblauer Troddel. Unklar ist, ob die lederfarbenen Gamaschen mit Knöpfen oder Schnallen befestigt wurden. Bis 1863 führten „Birney's Zouaves“ als Bewaffnung das österreichische Lorenz-Gewehr M 1854, dessen langsame Feuergeschwindigkeit die Männer allerdings immer wieder beanstandeten.
Als Generalmajor George B. McClellan 1862 die Potomac-Armee umorganisierte, kamen „Birney's Zouaves“ zur 1. Brigade der 1. Division des 4. Korps. Ihr erster Kommandeur, Oberst David B. Birney, wurde bald Befehlshaber einer Brigade, so dass Oberst Thomas Neill das Kommando übernahm. In der verworrenen Schlacht von Fair Oakes (31. Mai / 1. Juni 1862) erlitt das Regiment hohe Verluste und kämpfte anschließend in der „Sieben-Tage-Schlacht“ um Richmond. Bei Fredericksburg befehligte Major John Glenn das Regiment, der nach der Schlacht zum Oberst ernannt wurde.

„Birney's Zouaves“ nahmen im Mai 1863 am verlustreichen Angriff auf Marye's Heights teil, kämpften bei Gettysburg und im Juni 1864 bei Cold Harbour. Im Juli 1864 eilte das kampferprobte VI. Korps der Potomac-Armee, zu dem „Birney's Zouaves“ seit Dezember 1862 gehörten, in die Befestigungen bei Washington, um den Überraschungsangriff von 15.000 Konföderierten unter Generalmajor Jubal Early abzuwehren. Kurz nach der erfolgreichen Verteidigung von Fort Stevens endete die dreijährige Dienst-
zeit des 23. Freiwilligenregiments aus Pennsylvania und die Truppe wurde ehrenvoll verabschiedet.

 

 

 

72nd Pennsylvania-Freiwilligenregiment
(Baxter's Fire Zouaves) (Kompanie E - Ellsworth Zouaves)

 

Dieses Regiment wurde in Philadelphia innerhalb einer Woche rekrutiert und setzte sich wie das 11. New Yorker Regiment aus Feuerwehrleuten zusammen. Die Uniform bestand aus einer dunkelblauen Jacke mit roter Einfassung und hellblauen Hosen mit roter Biese. Als Kopfbedeckung diente das reguläre Käppi. Unter dem Kommando von Oberst DeWitt C. Baxter wurde die Einheit der Philadelphia-Brigade zugeteilt. In einem Brief an das Hauptquartier der Brigade vom 22. November 1861 äußerte sich der Regimentskommandeur mit größter Zufriedenheit über seine Zuaven:
„Ich zögere nicht zu sagen, dass die Männer die mit der Zusicherung dieser Uniform eingetreten sind, von keinen anderen Truppen beim Exerzieren, in der Erscheinung oder in der Tüchtigkeit übertroffen werden.“

Am zweiten Tag der Schlacht von Gettysburg half das Regiment, ein Geschütz des 1. Artillerieregiments aus Rhode Island zurückzuerobern, das die Konföderierten erbeutet hatten, und am Morgen des 3. Juli 1863 erwarteten Baxters Zuaven mit anderen Einheiten den Ansturm von Generalmajor George E. Picketts Division. Eine einzige Salve der angreifenden Südstaatler streckte über 80 Zuaven nieder, doch die Überlebenden erwiderten unbeirrt das Feuer. Vermutlich erschoss einer von Baxters Männern den konföderierten Brigadegeneral Richard B. Garnett. 1891 ließen die Veteranen des 72. Pennsylvania-Freiwilligenregiments an der Stelle des heroischen Abwehrkampfes gegen Picketts Konföderierte die Statue eines Zuaven aus ihrem Regiment errichten.

 

 

 

 

76th Pennsylvania-Freiwilligenregiment (Keystone Zouaves)
(Kompanie A - Lawrence Zouaves, Kompanie B - Sharon Zouaves,
Kompanie C - Iron Heads Zouaves, Kompanie H - Curtin Zouaves)

 

Im Gegensatz zu anderen Regimentern aus Pennsylvania wurden die „Keystone Zouaves", die einen dunkelblauen Fez, eine dunkelblaue Jacke mit roter Einfassung und graublaue Hosen trugen, zunächst weit von ihrem Heimatstaat entfernt eingesetzt. Das Regiment wurde nach Hilton Head an der Küste von South Carolina verlegt und beteiligte sich an Angriffen auf Fort Wagner, das durch den unerschrockenen, aber vergeblichen Ansturm des 54. Massachusetts-Regiments unter Oberst Robert G. Shaw einen großen Bekanntheitsgrad erlangte. Im Juli 1863 stürmten die „Keystone Zouaves“ und andere Unionstruppen durch das mörderische Abwehrfeuer von Fort Wagner und drangen bis zu den Brustwehren vor. Einige Augenblicke sah es so aus, als ob die Zuaven den Sieg erringen könnten, aber sie konnten ihre Stellung nicht halten und mussten den Rückzug antreten.
180 Zuaven kamen bei dem Angriff ums Leben.

Eine Woche später erfolgte ein neuer Ansturm auf das konföderierte Bollwerk, der jedoch wiederum scheiterte. Das 76. Pennsylvania-Freiwilligenregiment wurde anschließend auf den Hauptkriegsschauplatz im Osten entsandt und nahm 1864 am Feldzug in Virginia teil. Die „Keystone Zouaves“ zeichneten sich während der schweren Kämpfe bei Cold Harbour und Petersburg aus, aber mehrere Veteranen des Regiments meinten später, dass keines dieser Gefechte einen Vergleich mit der Hölle von Fort Wagner aushielt.

 

 

 

 

 

95th Pennsylvania-Freiwilligenregiment (Gosline's Zouaves)

Das Regiment wurde im August 1861 aufgestellt und trug eine leicht veränderte Zuavenuniform, da die roten Hosen nicht so weit geschnitten waren wie sonst üblich. Die dunkelblaue Jacke hatte eine rote Einfassung mit zahlreichen Messingknöpfen, auffallend waren die lederfarbenen Gamaschen. Das dunkelblaue Käppi war mit einem roten Besatzstreifen versehen. Gelegentlich schmückte ein Jagdhorn aus Messing den Deckel.

Als die Uniformen von „Gosline's Zouaves“ im Verlauf des Bürgerkrieges zerschlissen, wurde die Zuavenbekleidung durch die reguläre Infanterieuniform ersetzt.

 

 

 

 

 

 

114th Pennsylvania-Freiwilligenregiment
- Collis' Zouaves / Zouaves d'Afrique

 

Im August 1861 stellte der aus Irland stammende Rechtsanwalt Charles H. T. Collis in Philadelphia eine Kompanie Zuaven als Leibwache für Generalmajor Nathaniel P. Banks auf, der zu diesem Zeitpunkt die Unionstruppen am oberen Potomac befehligte. Am 13. August erhielt Collis vom Kriegsministerium die Zusage, dass seine Kompanie „für drei Jahre oder für den ganzen Krieg angenommen werde, falls sie in zwanzig Tagen abmarschbereit sei.“
Collis' Kompanie wurde bald als afrikanische Zuaven bezeichnet und erhielt während des Rückzugs von Banks' Truppen bei Middletown, Virginia, im Verlauf eines Nachhutgefechtes ihre Feuertaufe. Collis und seine Männer wurden von der Hauptmacht abgeschnitten, schafften es aber mit 40 Wagenladungen dringend benötigter Vorräte, sich zu den Unionslinien durchzuschlagen. In Anbetracht seiner Verdienste wurde Collis nach Philadelphia zurückbefohlen, um ein Regiment Zuaven aufzustellen. Im Zeitraum von nur einem Monat gelang es Collis, neun Kompanien für das 114. Pennsylvania-Freiwilligenregiment zu rekrutieren. Einer der Zuaven hieß Robert Kenderdine, dessen Familie - sie gehörte der Glaubensgemeinschaft der Quäker an - seine Entscheidung stark kritisierte. Der junge Kenderdine war jedoch überzeugt, dass es seine Pflicht sei, mitzuhelfen, um die Union zu erhalten und die Sklaverei abzuschaffen.

Die Uniform des 114. Regiments zeichnete sich durch eine dunkelblaue Jacke mit hellblauen Aufschlägen und rote Hosen aus, die allerdings enger geschnitten waren als die herkömmlichen Beinkleider der Zuaven.
In der Schlacht bei Fredericksburg hielt das Regiment einem Gegenangriff der Konföderierten stand und rettete dadurch den linken Flügel der Unionsarmee vor einem Desaster. Oberst Collis, gerade 24 Jahre alt geworden, befand sich dabei hoch zu Ross unter seinen Zuaven und ergriff die Regimentsfahne. Für dieses vorbildliche Verhalten erhielt er die Ehrenmedaille. Nach der Schlacht ausgezeichnet wurde auch Marie Tepe, die Marketenderin des Regiments, eine gebürtige Französin. Sie erhielt aufgrund einer Schussverletzung das Kearny-Kreuz, das an couragierte Angehörige des III. Unionskorps verliehen wurde.

Bei Gettysburg erlitten Collis' Zuaven am zweiten Tag der Schlacht hohe Verluste, als sie versuchten, den Rückzug einer Batterie vor Brigadegeneral William Barksdales Konföderierten zu decken. Einige verwundete Zuaven krochen in einen Schuppen, um sich in Sicherheit zu bringen, verbrannten dort aber, als das Gebäude. in Flammen aufging. Einen Tag später schrieb ein Offizier der Südstaaten über den Kampf am Vortag:
„Zahlreiche tote Unionssoldaten lagen auf der Erde, deutlich sichtbar unter ihnen Zuaven mit weiten roten Hosen.“
Unter den Verwundeten befand sich auch Robert Kenderdine, der gegen den Wunsch seiner Eltern in das Regiment eingetreten war.
Seine Verwundung war tödlich, und eine Woche nach der Schlacht erlag er seiner Verletzung.
Das 114. Pennsylvania-Freiwilligenregiment diente anschließend bei Kelly's Ford, Mine Run, Guinea Station und in den Schützengräben vor Petersburg.
In der Schlacht von Spotsylvania sah ein Offizier eines Regiments aus Ohio die Marketenderin von Collis' Zuaven, die ihre Truppe suchte:
„Sie war unglaublich mutig oder verstand die Gefahr nicht. Ein Schauer von Musketenkugeln, Schrapnells und jeder Art anderer Geschosse schlug bei uns ein und zerrte an den Nerven der Tapfersten.“

 

Die Musiker des Regiments haben sich für ein Erinnerungsfoto aufgestellt.

Aufgrund ihrer Disziplin wählte Generalmajor George G. Meade 1864 Collis' Zuaven als Wache für sein Hauptquartier aus.

Ihre Musiker bildeten die Kapelle des Hauptquartiers, und man lobte stets ihr gutes Spiel, vor allem aber die Tatsache, dass „sie immer nüchtern waren, wenn es an der Zeit war, zu spielen.“

Oberst Collis wurde für die Dauer des Bürgerkrieges zum Brigadegeneral befördert und trat das Kommando über die Brigade des Hauptquartiers an.
Das 114. Pennsylvania Freiwilligenregiment sah fortan keinen Feldeinsatz mehr, doch niemand verachtete deswegen die Einheit.
Collis' Zuaven hatten sich einen ausgezeichneten Ruf erworben.

 

 

 

 

 

 

155th Pennsylvania-Freiwilligenregiment /
Ayres' Zouaves (Kompanie I - Park Zouaves) (1864)

Als das Regiment 1862 aufgestellt wurde, erhielt es schlecht passende lange blaue Mäntel und als Bewaffnung unzuverlässige belgische Gewehre. Die Männer waren daher sehr erfreut, als die Einheit im Januar 1864 in ein Zuavenregiment umgewandelt und neu ausgerüstet wurde. Ein Teil der neuen Uniformen wurde aus Frankreich importiert. Ursprünglich waren sie nicht für Zuaven bestimmt. Die U.S.-Regierung hatte 10´000 Uniformen der französischen Jäger zu Fuß eingeführt, doch die Jacken waren für durchschnittlich große Amerikaner zu klein. Die größeren Hosen eigneten sich aber für Zuaven und gingen daher an das 155. Pennsylvania-Freiwilligenregiment.
Die Uniform bestand aus einer dunkelblauen Jacke mit gelber Einfassung, dunkelblauen Hosen und einer gelb eingefassten roten Schärpe. Ein roter Fez mit blauer Troddel vervollständigte die ungewöhnlich attraktive Bekleidung. Über den Nachteil dieser Uniformierung hieß es in der Regimentsgeschichte:
„Während diese Uniform beim Marschieren vorteilhaft war und bei anderen Gelegenheiten bequem, hatte sie manchmal auch ihre Nachteile. Falls es beim Marschieren Nachzügler gab, unterschied die Einzigartigkeit ihrer Uniform sie von anderen Soldaten und half bei ihrer Entdeckung. Die immer wachsamen Abteilungen der Militärpolizei wussten unschwer wo sich das Feldlager der Nachzügler befand, und identifizierten sie leicht wegen ihrer besonderen Uniform. Wären sie mit der gewöhnlichen Standarduniform bekleidet gewesen, hätten sie einer Festnahme entgehen können.“

 

Das Regiment diente in Zuavenuniform in Brigadegeneral Ayres' Brigade während der Kämpfe in der „Wilderness“. Als das 140. und das 146. New Yorker Regiment bei Saunders Field schwere Verluste erlitten, griff das 155. Pennsylvania-Freiwilligenregiment in den Wäldern weiter nördlich an.
Bedachtsam berichtete ein Teilnehmer des Angriffs:
„Überall fiel ein ruhiger, andauernder Regen von Zweigen und Blättern auf die Erde, zurechtgestutzt von dem gleichen Geschosshagel, der die Körper durchdrang und die Knochen der guten Männer zersplitterte.“

Im Verlauf des weiteren Feldzuges wurde das Regiment der 2. Division des V. Armeekorps überstellt. Die Einheit diente stolz bis zum Endsieg bei Appomattox in Virginia.
Der letzte Unionssoldat, der vor Lees Kapitulation getötet wurde, war ein Zuave des 155. Freiwilligenregiments aus Pennsylvania.

 

 

Südstaaten


Louisiana Tigers /
Kompanie B Wheat's Louisiana Battalion /
Wheat's Special Battalion /

Im Gegensatz zu den Nordstaaten kämpften im Verlauf des Amerikanischen Bürgerkrieges im Süden nur ein Bataillon und zwei Kompanien im Uniformstil der damals überaus populären Zuavenmode: die „Louisiana Zouaves“, deren Spitzname „die Pelikane“ lautete, eine Kompanie aus Hamptons Legion und die 2. Kompanie von Wheats „Louisiana Tigers“, die wohl berüchtigtste Truppe, die jemals auf nordamerikanischem Boden aufgestellt wurde.

Die „Louisiana Tigers“ waren die Schöpfung des virginischen Abenteurers Roberdeau Chatham Wheat, dessen hugenottischen Vorfahren im 17. Jahrhundert Frankreich verlassen hatten und nach Maryland emigriert waren. Wheat meldete sich 1846 im Alter von zwanzig Jahren als Freiwilliger für den Krieg gegen Mexiko und erhielt den Rang eines Captain. Nach Beendigung des Feldzuges im Dezember 1847 beteiligte er sich an revolutionären Unruhen in Mexiko und Nicaragua und wurde schließlich regulärer Offizier in der mexikanischen Armee. Da die Position keinerlei Abwechslung bot, reiste Wheat nach einiger Zeit nach Europa und schloss sich auf Sizilien dem italienischen Eroberer Guiseppe Garibaldi an. Als er dort aber im Frühjahr 1861 von der Sezession der Südstaaten erfuhr, begab er sich auf dem schnellsten Weg nach New Orleans und unterbreitete den Behörden das Angebot, eine Freiwilligeneinheit aufzustellen.
Als Rekruten wählte Wheat vor allem Herumtreiber und Rabauken der Hafen- und Slumviertel, von denen nicht wenige die Gefängnisse von New Orleans gut kannten. Es ließen sich besonders viele Iren anwerben, die sich in der Neuen Welt ein besseres Leben erhofft hatten und nun beim Militär ihr Glück versuchten. Ein Zeitgenosse bemerkte über die Rekruten:
„Sie waren der größte Abschaum des unteren Mississippi, abenteuerliche Kairatten, Diebe und Ausgestoßene. Meistens schlechte Charaktere.

Alle fünf Kompanien trugen phantasievolle Namen: „Walker Guards“ (A), „Tiger Rifles“ (B), „Delta Rangers“ (C), „Catahoula Guerillas“ (D) und „Wheat Life Guards“ (E). Am 9. Juni 1861 trat das Kontingent unter der Bezeichnung „1st Louisiana Special Battalion“ in den Dienst der Konföderation. Wheat wurde als Major zum Kommandeur gewählt. Laut verschiedenen Berichten bestand das ganze Bataillon aus Zuaven, tatsächlich trugen die meisten Soldaten aber eine graue Uniform.

2nd Louisiana Infantry Battalion - Tiger Rifles

Lediglich die Angehörigen der zweiten Kompanie, die „Tiger Rifles“, waren in eine typische Zuavenuniform gekleidet:
einen roten Fez mit roter Troddel, eine rot eingefasste kurze, dunkelblaue Jacke, rotes Hemd, sowie Pumphosen aus weißem Matratzenstoff, die rot und blau - in einigen Fällen aber nur blau gestreift waren. Wegen dieser Hosen hatte das ganze Bataillon schnell den ungewöhnlichen Spitznamen „Louisiana Tigers“ weg.

Das rote Hemd war zweifelsohne auf Garibaldis berühmte Rothemden zurückzuführen. Halbhohe weiße Drillichgamaschen vervollständigten die exotische Erscheinung dieser Kompanie. Bezahlt wurden die Uniformen von A. Keene Richards, einem Geschäftsmann aus New Orleans. Anstatt des Fezes setzten die Männer oft auch Strohhüte mit breiter Krempe auf, die verschiedene Slogans schmückten: „Tiger gewinnen oder sterben“, „Tiger auf der Suche nach Abe Lincoln“ oder „Tiger von Natur aus“. Wheat selbst trug einen Rock und Hosen aus dunkelblauem Tuch, was ihm das Aussehen eines Offiziers der U.S.-Armee verlieh. Die Fahne der ersten Kompanie zierte merkwürdigerweise kein martialisches Emblem, sondern ein Lamm und das Motto „so ruhig wie“.
Bewaffnet waren die „Louisiana Tigers“ mit Bowiemessern, Pistolen, Revolvern und Mississippi-Gewehren des Modells 1841.
Major Wheat kommandierte das Bataillon mit harter Hand, dennoch konnte er nicht verhindern, dass sich seine Männer auf dem Weg nach Richmond mit anderen konföderierten Soldaten prügelten und Diebstähle begingen. Ein Südstaatler namens W. A. McClendon, der aus Louisiana stammte, schrieb in seinem Tagebuch:
„Ich hatte richtig Angst vor ihnen; Angst, dass ich irgendwo im Lager auf sie treffen könnte und sie mich so behandeln würden, wie sie es mit Tom Lane aus meiner Kompanie taten; mich niederschlagen und halb zu Tode treten.“

Richmond atmete auf, als die „Louisiana Tigers“ die Stadt verließen und in Richtung des Eisenbahnknotenpunktes Manassass marschierten. Dort unterstellte sich Wheat am 21. Juli 1861 dem Kommando von Oberst Nathan G. Evans. Alle anderen Brigadekommandeure der konföderierten Armee hatten sich geweigert, die „Louisiana Tigers“ in ihren Truppenverbänden kämpfen zu lassen. Ungeduldig rückten die Soldaten aus New Orleans am linken Flügel der Konföderierten in die Richtung des Flusses Bull Run vor. Die nervösen Infanteristen des 4. Regiments aus South Carolina hielten die „Tiger Rifles“, die die linke Flanke des Bataillons bildeten, wegen ihrer dunkelblauen Jacken für Nordstaatler und feuerten eine Salve auf sie ab. Mindestens zwei Zuaven wurden dabei getötet. Ihre Kameraden erwiderten sofort das Feuer, und nur mit Mühe konnte Major Wheat die Ordnung wiederherstellen.


Kurz danach besetzte Wheat mit der 4. Kompanie den Matthews-Hügel und entdeckte einige Nordstaatler, die sich vorsichtig der Anhöhe näherten. Als die Vorhut der Unionssoldaten vorrückte, gab Wheat seinen Vorposten den Befehl zum Feuern. Fünf Minuten später griff Oberst John Slocums 2. Rhode Island-Regiment an und zwang Wheats Männer zum Rückzug. Konföderiertes Artilleriefeuer hielt die Angreifer jedoch in Schach, sodass die „Louisiana Tigers“ nach einer Weile zum Gegenangriff antreten konnten. In kleinen Gruppen rückten sie durch ein Maisfeld vor und griffen dann an. Ein entsetzter Soldat des 2. Rhode Island-Regiments hielt die Attacke der „Louisiana Tigers“ „für den schrecklichsten Augenblick dieses furchtbaren Kampfes.“
Die sorgfältig gezielte Salve der Unionssoldaten brachte den Angriff der Südstaatler jedoch sofort zum Erliegen, und Wheats Männer zogen sich eiligst zurück. Die ganze Flanke der Konföderierten geriet in größte Gefahr und erst Brigadegeneral Barnard Bees beherztes Eingreifen stabilisierte die Lage. Major Wheat war gerade im Begriff, seine Leute zu sammeln, als ihn die Kugel eines Unionssoldaten in der rechten Achsel traf. Unverzüglich wurde der Major in ein Feldlazarett getragen. Dort stellte man fest, dass das Geschoss beide Lungenflügel durchschlagen hatte. Als ein Militärarzt Wheat mitteilte, dass die Wunde tödlich sei, erwiderte Wheat gelassen: „Ich glaube nicht, jetzt schon sterben zu müssen.“

 

Tambour der Louisiana Tigers

Wheats Männer waren zunächst bestürzt, als sie von der schweren Verwundung ihres Kommandeurs hörten, griffen dann aber die Nordstaatler um so verbissener an. Eine Salve der Unionsinfanterie hielt den Angriff der „Louisiana Tigers“ jedoch auf, wobei zahlreiche Südstaatler verwundet wurden.
Der am Bein getroffene Leutnant Thomas Adrian bemerkte das Zögern seiner Leute und rief ihnen ermunternd zu:
„Tiger, greift nochmals an, greift an, meine Söhne. Gott möge mich verfluchen, wenn die Hundesöhne jemals die Tiger besiegen!
Angespornt durch Adrians Aufforderung sammelten sich die Männer, gingen vor und warfen die Nordstaatler zurück. Als die Dämmerung einsetzte, war die Unionsarmee geschlagen und befand sich auf dem Rückmarsch nach Washington. Der Süden hatte die erste große Schlacht des Bürgerkrieges gewonnen. Tatsächlich überlebte Major Wheat seine schwere Lungenverletzung und kommandierte im nächsten Frühjahr sein Bataillon in „Stonewall
Jacksons meisterhaftem Shenandoah-Feldzug.

Sein Bataillon bildete dabei mit vier Infanterieregimentern die Louisiana-Brigade, die von Brigadegeneral Richard Taylor, dem Sohn des vormaligen Präsidenten Zachary Taylor, geführt wurde. Die Disziplin der „Louisiana Tigers“ hatte sich im Verlauf des Winters 1861/62 gebessert, nachdem zwei von ihnen vor ein Kriegsgericht gestellt und füsiliert worden waren, da sie während einer Prügelei mit Soldaten des 7. Louisiana-Regiments deren Oberst geschlagen hatten, der das Handgemenge beenden wollte. Die „Tiger Rifles“ trugen mittlerweile seit September 1861 braune Jacken, um nicht mit Unionssoldaten verwechselt zu werden. Im Verlauf des Feldzuges im Shenandoah-Tal bewiesen Wheats Männer erneut ihren Kampfesmut und zeichneten sich außerdem als unermüdliche Marschierer aus, die mit Oberst Turner Ashbys Kavallerie und der Rockbridge-Artillerie um die Wette trabten. Am 27. Juni 1862 griffen die „Louisiana Tigers“ im Verlauf der „Sieben-Tage-Schlacht“ um Richmond bei Gaines' Mill mit anderen konföderierten Einheiten den rechten Flügel der Unionstruppen an.

Major Wheat ritt an der Spitze seiner Leute, als er kurz vor den Reihen der Nordstaatler einen Kopfschuss erhielt und tot von seinem Pferd stürzte. Sein Bataillon geriet erstmals in Panik und flüchtete. Unter Tränen meinte einer der Männer nach der Schlacht, in deren Verlauf sich die Unionssoldaten schließlich zurückzogen:
„Der alte Major wurde erschossen, und ich gehe nach Hause.“

 

 


 

 

 

Eine der ersten Abbildungen
der Louisiana-Tigers



Das Kommando über die „Louisiana Tigers“ ging an Captain Harris über, der sie in den Gefechten bei Malvern Hill und Cedar Run befehligte. Anfang August 1862 bestand das Bataillon nur noch aus 63 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften..
Die Einheit wurde daher am 15. August aufgelöst und die Soldaten anderen Infanterieregimentern aus Louisiana zugeteilt, die in Virginia eingesetzt waren. Der Name „Louisiana Tigers“ geriet jedoch nicht in Vergessenheit.

Ihn erhielt die Louisiana-Brigade, die bis zur Kapitulation bei Appomattox kämpfte.

 

 

 


2nd Louisiana Infantry Regiment / Louisiana Zouaves

Wie die Angehörigen der berüchtigten „Louisiana Tigers” waren die „Louisiana Zouaves” raue Gesellen, die das Garnisonsleben nicht besonders schätzten. Aufgestellt wurde das Bataillon Ende Januar 1861 von George Auguste Gaston de Coppens, einem führenden Mitglied der feinen Gesellschaft von New Orleans. Die nachträgliche Ermächtigung für die Aufstellung des Bataillons erhielt Coppens im Frühjahr 1861 von Samuel Cooper, dem konföderierten Generaladjutanten. Coppens stammte aus einer vornehmen französischen Familie, die 1853 von der Antilleninsel Martinique nach Louisiana gezogen war. Für den temperamentvollen Mann stand von vornherein fest, dass nur Zuaven für seine Truppe in Frage kamen, da sich die französischen Zuaven im Krimkrieg 1854-56 durch ihre Unerschrockenheit einen legendären Ruf erworben hatten.

Zufälligerweise hielt sich zu diesem Zeitpunkt eine Theatergruppe in der Stadt auf, die sich „Inkerman Zouaves” nannte und mit ihren martialischen Vorführungen zahlreiche Zuschauer begeisterte.
Coppens übernahm im Rang eines Oberstleutnants das Kommando über das Bataillon, sein jüngerer Bruder Marie Alfred wurde Captain einer Kompanie. Baron Auguste de Coppens, der Senior der Familie, erhielt die Stelle des Quartiermeisters. Mehrere Offiziere besaßen zum Glück militärische Erfahrung. So hatte Major Waldemar Hylested, ein gebürtiger Schweizer, während der Algerienfeldzüge in der französischen Armee gedient und war nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten in das Palmetto-Regiment South Carolinas eingetreten, das im Krieg gegen Mexiko 1846-48 eingesetzt wurde. In Algerien hatte auch Captain Fulgence de Bordenave gekämpft, während Captain Paul F. DeGournay in der Miliz des Bundesstaates Louisiana aktiv gewesen war.

Zunächst traten viele Freiwillige in Coppens' Bataillon ein, doch nach einiger Zeit blieben die Meldungen aus. Als ersichtlich wurde, dass es schwierig werden würde, die letzten zwei Kompanien aufzufüllen, ließ Coppens in den Zeitungen Anzeigen drucken. Der Bürgermeister erteilte zudem die Erlaubnis, in den Gefängnissen von New Orleans Rekruten anzuwerben. Einige der Zuaven gingen sogar so weit, gewaltsam friedliche Spaziergänger zu rekrutieren. Mit List und Tücke wurde das Bataillon schließlich aufgefüllt und nach Pensacola im westlichen Florida verlegt. Als die letzte Kompanie des Bataillons vor der Stadthalle von New Orleans Aufstellung nahm, spielte eine Kapelle die Marseillaise, und der angesehene Bürger Charles M. Morse überreichte eine Fahne. Coppens' Offiziere zogen ihre Säbel, woraufhin eine Gruppe Damen die Klingen küsste. Kein Kreuzritter hätte sich einen romantischeren Aufbruch wünschen können.

Das Bataillon war eine der kosmopolitischsten Einheiten der Konföderation. Außer gebürtigen Amerikanern dienten in seinen Reihen Franzosen, Deutsche, Italiener, Spanier, Iren, Engländer und Schweizer. Letztere stellten ein Fünftel der Truppe. William R. Russell, ein Korrespondent der Londoner „Times”, konnte Coppens' Zuaven in Pensacola beobachten und war sehr beeindruckt: „Die Männer sehen annähernd wie das [französische] Original aus.”
An einen Einsatz war vorerst noch nicht zu denken. In der Umgebung von Pensacola ließ Coppens seine Leute stundenlang exerzieren und Gräben ausheben, so dass so mancher seinen Eintritt in das Bataillon bereute.
Die Angehörigen der „Louisiana Zouaves” trugen eine typische Zuavenuniform:
eine kurze, dunkelblaue Jacke mit roter Einfassung, hellblaue Schärpe und rote Pumphosen. Als Kopfbedeckung diente ein roter Fez mit gelber Troddel. Halbhohe weiße Drillichgamaschen vervollständigten die exotische Erscheinung. Das Koppelschloss schmückte ein Pelikan, das Wappentier des Staates Louisiana. Wegen dieses Emblems hatten die „Louisiana Zouaves” bald den Spitznamen „Die Pelikane” weg. Die Bezeichnung „Pelikane” führten noch einige andere Einheiten aus Louisiana, unter anderem die „Pelican Guards” der „Louisiana Legion” und die „Pelican Rangers” des 3. Infanterieregiments.

Die Uniformierung der Offiziere bestand aus einem dunkelblauen Rock und weiten roten Hosen mit blauer Biese. Die Rangabzeichen befanden sich in Form von Litzen am Kragen und als Goldschnüre am Ärmel, die weit über die Ellbogen hinauf reichten. Als Kopfbedeckung trugen die Offiziere ein rotes Käppi mit Goldbesatz.
Im Juni 1861 verließen die „Louisiana Zouaves” endlich Pensacola und begaben sich auf die lange Reise nach Virginia. Die Aussicht auf baldigen Feldeinsatz hätte die Männer eigentlich erwartungsfroh stimmen sollen, doch ihre Laune war schlecht. In Pensacola waren sie von Moskitos gepeinigt worden und seit ihrer Einstellung hatten sie keinen Sold erhalten. Folglich betranken sich die Zuaven während der ersten Nacht auf ihrer Fahrt nach Virginia. Am nächsten Morgen hielt der Zug in Garland, Alabama, und die Offiziere ließen sich in ihrem Waggon das Frühstück schmecken. Einige Zuaven erkannten die günstige Gelegenheit, kuppelten den Wagen der Offiziere ab und zwangen den Lokomotivführer zur Weiterfahrt. Unter Jubelgeschrei dampfte der Zug nach Montgomery, Alabama.

Die wütenden Offiziere hielten eine Lokomotive an und nahmen die Verfolgung ihrer Untergebenen auf, die in Montgomery aus den Waggons drängten und die Stadt heimsuchten. Die Zuaven demolierten Saloons, räumten Lebensmittelgeschäfte aus und bedrohten zahlreiche Stadtbewohner. Einige Bürger und mehrere Soldaten eines Regiments aus Georgia versuchten, die Ordnung wiederherzustellen, aber sie hatten keinen Erfolg. Nachdem die Offiziere der „Louisiana Zouaves” Montgomery erreicht hatten, trieben sie sogleich fluchend und mit gezogenen Waffen ihre Soldaten zur Bahnstation zurück. Die Fahrt wurde nach einer Weile fortgesetzt, doch unterwegs verunglückten einige Zuaven tödlich, als sie auf den Eisenbahnwagen akrobatische Kunststücke vollführten. In Columbia, South Carolina, spielten die Männer abermals verrückt und besannen sich erst, als ein Offizier einen Zuaven erschoss, der im Begriff war, Amok zu laufen.

Nachdem die „Louisiana Zouaves” in Petersburg, Virginia, von einem Bahnhof zum anderen marschiert waren, kommentierte ein Zuschauer ihr Erscheinungsbild mit folgenden Worten: „Sie waren der am wildesten aussehende Haufen, den ich jemals gesehen habe.”
In Richmond, dem Endpunkt ihrer abenteuerlichen Bahnfahrt, sorgten Coppens' Männer erneut für Ärger. Mrs. Putnam, eine Bürgerin der Stadt, berichtete:
„Jedes Mal wenn ein Zuave gesehen wurde, fehlte mit Sicherheit etwas. Es war für sie typisch, Saloons und Restaurants aufzusuchen, zu bestellen, was sie essen und trinken wollten, und dann den bestürzten Besitzer anzuweisen, ihre Zeche der Regierung in Rechnung zu stellen.”

Coppens ließ seine Soldaten schließlich im ersten Stockwerk eines leeren Warenhauses unterbringen und die Türen abschließen. Trotzdem gelang es einigen Männern auszurücken, indem sie ihre Schärpen miteinander verknoteten und sich aus einem Fenster hinunterließen. Mehrere Offiziere drohten daraufhin, ihr Patent zurückzugeben, falls Coppens nicht das Kommando niederlegen und eine Besserung der Zustände eintreten würde. Die Situation war äußerst kritisch, doch dem Oberstleutnant glückte es nach einiger Zeit, die erregten Offiziere zu beruhigen.
Im August 1861 wurde das Bataillon einem Verband zugeteilt, der die von Unionstruppen besetzte Stadt Hampton in Virginia angreifen sollte. Der Angriff verlief erfolgreich, aber danach musste Coppens' Truppe trostlosen Garnisonsdienst verrichten. Erst 1862 sollte das Bataillon wieder Pulverdampf riechen.
In diesem Jahr zeichneten sich die „Louisiana Zouaves” auf den Schlachtfeldern des östlichen Kriegsschauplatzes durch ihre Entschlossenheit aus. Bei Seven Pines (31. Mai/ 1. Juni) wurde Oberstleutnant Coppens verwundet, die Hälfte seiner Männer fiel im Verlauf des Gefechts. Knapp einen Monat später wurde das Bataillon bei Gaines' Mill erneut dezimiert, als es durch das Sumpfland von Boatswain die Stellungen der Nordstaatler angriff. Auch in der zweiten Schlacht am Bull Run hatten die „Louisiana Zouaves” einen hohen Blutzoll zu entrichten. Wie den anderen Einheiten der 2. Louisiana-Brigade, in der sie kämpften, ging Coppens' Männern die Munition aus, woraufhin sie aus der Deckung einer noch nicht fertiggestellten Bahntrasse die angreifenden Unionssoldaten durch Steinwürfe auf Distanz hielten.

Am 17. September 1862 wurden die „Louisiana Zouaves” in der mörderischen Schlacht am Antietam fast völlig aufgerieben. Oberstleutnant Coppens fiel mit dem Großteil seiner Leute in den schweren Kämpfen entlang der Landstraße nach Hagerstown. General Robert E. Lee hatte ihm noch kurz vor der Schlacht den Rang eines Obersten versprochen. Nach Antietam wurde das Bataillon neu organisiert. An schweren Gefechten sollte es allerdings nicht wieder teilnehmen. Das Kommando übernahm Marie Alfred de Coppens, musste es aber im Herbst 1864 aufgrund einer Verwundung aufgeben. Der Senior der Familie Coppens geriet im Oktober 1864 in Kriegsgefangenschaft und wurde auf freien Fuß gesetzt, nachdem er zugesichert hatte, das Land zu verlassen. Baron Coppens besuchte eine Schwester in Paris und kehrte nach Beendigung des Bürgerkrieges nach New Orleans zurück. Leon, der jüngste Spross der Familie Coppens, trat 1862 im Alter von sechzehn Jahren in das Bataillon der „Louisiana Zouaves” ein und erhielt im Herbst 1864 den Rang eines Sergeanten in der Kompanie F.

Er wurde nach Kriegsende als einziger Coppens in den Vereinigten Staaten eingebürgert.

 

 

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