Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
• Douglas S. Freeman: Lee´s Lieutenants, Vol. 1, New York 1942 •
• Philip Katcher: Army of the Potomac. Reading 1975 •
• Philip Katcher: American Civil War Armies (5): Volunteer Militia. London 1989 •
• Michael Solka: Die Zuaven des Amerikanischen Bürgerkrieges •
• Michael J. McAfee: Zouaves. The First and The Bravest. Gettysburg 1991 •
• Robin Smith: American Civil War Zouaves, London 1996 •
• Military Collector & Historian: Vol. 51, No. 3, Washington, DC. Fall 1999 •
Shaun Grenan, The Civil War Zouave Database, Gettysburg, PA, USA
• und Informationen des Nationalarchivs der USA sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek •


Die Zuaven
des Amerikanischen Bürgerkrieges

Seite 1

 

 

Das "französische Original"
Ein Unteroffizier des 3. französischen Zuavenregiments.
Amerikanische Zuaven trugen niemals so umfangreiches Gepäck.

Im 19. Jahrhundert hielten viele Europäer und Amerikaner Krieg für ein romantisches Abenteuer. Der Grund dafür waren die Künstler ihres Zeitalters, die in ihren Lithographien militärische Ereignisse meistens völlig unrealistisch darstellten. Krieg brachte man mit Ruhm, Patriotismus und Heldentum in Verbindung. Folglich musste auch der Soldat über diese Tugenden verfügen. Das harte Leben des einfachen Infanteristen oder Kavalleristen wurde dagegen ebenso ignoriert wie sein niedriger Status in der Gesellschaft.

Nur die prächtigsten Soldaten hatten im 19. Jahrhundert einen hohen Stellenwert. In Großbritannien waren es die Garderegimenter und die Hochländer. Ähnlich großes Ansehen erlangten in Frankreich die Zuaven. Sie waren die Stereotypen für außergewöhnliche Tapferkeit, die aufgrund ihrer ausgefallenen Uniform eine besondere Identität besaßen. Die Zuaven der französischen Armee wurden ursprünglich unter Berbern rekrutiert. Die Bezeichnung Zuave leitet sich vom Stamm der Zouaoua ab, der Ende 1830 seine Dienste den Franzosen anbot, als diese Algier erobert hatten. Den Zouaoua ging ein guter Ruf als Hersteller von Gewehren voraus, zudem hatten sie im Dienst der Türken gestanden. Die exotische Uniformierung der neuen Truppe veranlasste zahlreiche Franzosen, in das Kontingent einzutreten, allerdings suchten auch entlaufene Lehrlinge und Strolche aus Paris in dem neuen Korps Unterschlupf.

Die Uniform der Zuaven glich im Wesentlichen der Kleidung der männlichen afrikanischen Bevölkerung des nördlichen Algerien: weite Hosen (serouel), eine kurze, offene Jacke, eine Weste (sedria) und ein Fez (chechia), um den ein Turban gewunden war. Die Jacke der Zuaven erhielt auf der linken und rechten Vorderseite eine Verzierung, deren oberer Teil als Grabmal (tombeau) bezeichnet wurde. Die von unten geschlitzten Ärmel schloss man zunächst mit Haken, später mit so genannten Schellen-Knöpfen. Nur bei Paraden wurde der Fez mit Turban getragen.
1835 setzte sich das Korps der Zuaven aus zwei Bataillonen zu je sechs Kompanien zusammen (zwei französische und vier arabische). Seit 1841 dienten aber nur noch Weiße in den Zuavenbataillonen, die Einheimischen kamen in die Schützenbataillone (Tirailleurs algeriens). Weltberühmt wurden die französischen Zuaven dann durch ihre wagemutigen Einsätze im Krimkrieg 1854-56.
Aufgrund dieser positiven Erfahrungen erfolgte nach Kriegsende die Aufstellung eines Zuavenregiments in der französischen Kaisergarde. 1859 fanden sich die französischen Zuaven in Oberitalien im Krieg gegen Österreich wieder im dichtesten Kampfgetümmel. Darstellungen kämpfender Zuaven erschienen in dieser Zeit in der amerikanischen Zeitschrift „Harper's Weekly”, so dass die Öffentlichkeit in den USA mit der auffälligen Uniformierung vertraut wurde.

 

Nordstaaten
Colonel
Elmer E. Ellsworth

 

Noch im gleichen Jahr stellte in Chicago ein junger Amerikaner namens Elmer E. Ellsworth die erste amerikanische Zuaveneinheit auf, die „United States Zouave Cadets”. Ellsworth kannte einen ehemaligen Militärarzt der französischen Armee, der während des Krimkrieges in einem Zuavenregiment gedient hatte, und war regelrecht von der Vorstellung besessen, französische Zuavenuniformen in den USA populär zu machen.
Die Zeitungen berichteten sogleich eingehend über die neue Truppe, und nachdem Ellsworth mit 50 ausgesuchten Zuaven in Detroit, Cleveland, Albany, New York, Boston, Philadelphia, Washington und St. Louis aufgetreten war, wurden in kürzester Zeit in mehreren Städten Milizkompanien in Zuavenuniform aufgestellt.
Für Aufmerksamkeit sorgte außerdem der offizielle Bericht der U.S.-Armee über die Heere Europas, den ein gewisser Captain George B. McClellan verfasst hatte.

Darin hieß es über die Zuaven Frankreichs:
„Die Zuaven sind alle Franzosen. Sie werden unter den alten Feldzugsteilnehmern wegen ihrer schönen Statur und bewiesenen Mutes ausgesucht. Sie haben sicherlich bewiesen, dass sie sind, was ihre Erscheinung andeutet - die kühnste, selbstvertrauendste und vollkommenste Infanterie, die Europa aufbieten kann.
Mit seiner gefälligen Uniform, seinem soldatischen Benehmen und seiner wachsamen Haltung ist der Zuave auf Posten das Ideal eines Soldaten.”


Im Herbst 1860 verließ jedoch Ellsworth, der mittlerweile im Norden der USA große Popularität genoss, seine Zuaventruppe und arbeitete in Abraham Lincolns Anwaltsbüro. Als Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, hoffte Ellsworth, in der Bundesregierung ein Milizbüro zu schaffen, dessen Leitung er natürlich übernehmen wollte. Ellsworth konnte aber seine Idee nicht verwirklichen und begab sich nach New York, um dort ein Regiment Zuaven aufzustellen.
Diesen Plan hegten auch andere, und im Frühjahr 1861 bemühten sich bei Ausbruch des Bürgerkrieges viele Zuaveneinheiten eifrig um Rekruten.

 

11th Indiana-Freiwilligenregiment (Wallace's Zouaves)

Obgleich die Begeisterung für Zuaven, die die Vereinigten Staaten erfasste, 1859 in Chicago begann, kamen fast alle Unionsregimenter, die Zuavenuniformen trugen, aus Bundesstaaten östlich des Allegheny-Gebirges. In den westlichen, agrarischen Bundesstaaten schien es kein großes Verlangen gegeben zu haben, mit roten Pumphosen und weißen Turbanen in den Krieg zu ziehen. Die Ausnahme bildeten das 11. Indiana-Freiwilligenregiment, dessen Zuavenuniform allerdings nicht typisch für diesen Uniformstil war, und „Piatt's Zouaves” aus Ohio.

Über die erste Uniform des 11. Indiana-Regiments schrieb ihr Kommandeur Lew Wallace, der später als Autor des Romans „Ben Hur" berühmt werden sollte:
„Die Uniform des Elften Indiana-Regiments hatte keine der auffälligen algerischen Farben; keinen roten Fez, keine roten Hosen, keine rote oder gelbe Schärpe mit Troddeln, die so groß wie junge Kohlköpfe waren. Unsere Kleidung bestand aus dem gewöhnlichsten grauen Gewebe, etwa wie Jeans, die zu Hause gemacht werden, einer Mütze mit Schirm nach französischem Muster, der Deckel aus rotem Tuch, nicht größer als eine Handfläche; einem blauen Flanellhemd ohne Kragen, einer Jacke in griechischer Form, eng eingefasst, das Rot kaum sichtbar; weiten Hosen, aber nicht wie ein Petticoat; Gamaschen mit Knöpfen, die von den Hosen unterhalb der Knie über die Schuhe reichen.”
Angeblich wählte Oberst Wallace, ein überzeugter Christ, das schlichte graue Tuch, um den nordafrikanischen, muslimischen Ursprung der Zuavenbekleidung nicht nachzuahmen. Als das Regiment Ende April 1861 aufgestellt wurde, erhielt die Truppe britische Enfield-Gewehre. Rasch stellte sich heraus, dass das Tragen grauer Uniformen durch Unionssoldaten höchst problematisch war. Am 31. August 1861 erließ daher die Intendantur die Anweisung, rot-weiß-blaue Armbänder zu grauen Uniformen zu tragen. Dies wurde aber wieder aufgegeben, als man feststellte, dass die konföderierte Regierung ähnliche Armbänder an ihre Truppen ausgegeben hatte.

Als sich die Angehörigen des Regiments für eine dreijährige Dienstzeit verpflichteten, versuchte Indianas Kriegsminister Thomas A. Scott, die Standarduniform der Union durchzusetzen. Am 23. September 1861 schrieb er Gouverneur Oliver P. Morton:
„Die Abteilung bittet verbindlichst, dass keine Truppen mehr, die von Ihrem Staat für die Dienste der Regierung gestellt werden, grau uniformiert werden, da diese Farbe allgemein vom Feind getragen wird. Die blaue Uniform, die für die Armee der Vereinigten Staaten angenommen wurde, wird empfohlen, da sie sich von der des Feindes leicht unterscheidet.

 

 

Knapp vier Wochen später teilte Lew Wallace, inzwischen zum Brigadegeneral ernannt, dem Gouverneur in einem Brief mit:
„Das 11. Regiment beginnt, Bekleidung zu brauchen. [ ...] Es ist sehr wünschenswert, ihre Identität als ” Zuaven ” zu erhalten. Die Zuavenbekleidung wird von keinem Depot geliefert. Sie kostet die Männer nicht mehr als die gewöhnlichen Uniformen, und, falls dies sein sollte, würden sie gerne einwilligen, die Differenz zu zahlen.
Was ich von Ihrer Exzellenz zu tun wünsche, ist, dass sie geliefert wird, im Zuavenstil, dunkelblaue Jacke und hellblaue Zuavenhosen mit Hemden.”

Wallace' Schreiben hatte zur Folge, dass im Dezember 1861 die neuen gewünschten Uniformen geliefert wurden. Die neue Uniform bestand aus einer sehr dunkelblauen Jacke mit hellblauer Einfassung und regulären Hosen. Die Beinkleider steckte man gewöhnlich in die weißen Gamaschen. Als Kopfbedeckung wurde die alte rote Mütze zunächst beibehalten und allmählich durch ein dunkelblaues Käppi ersetzt. Fotographien, die im Frühjahr 1865 gemacht wurden, zeigen, dass die Angehörigen des Regiments immer noch diese Uniform trugen. Das Regiment diente auf beiden großen Kriegsschauplätzen.

Zunächst im Westen, wo es im Feldzug gegen die Forts Henry und Donelson (Februar 1862), in der Schlacht bei Shiloh
(6./7. April 1862) und während der Belagerung von Vicksburg (Mai-Juli 1863) eingesetzt wurde.
1864 verpflichteten sich „Wallace's Zouaves” erneut und wurden dem XIX. Korps zugeteilt.
Unter Generalmajor Philip H. Sheridan nahm das Regiment im Shenandoah-Tal an den Gefechten bei Opequon,
Fisher's Hill und Cedar Creek teil.

 

 

 

 

 

Colonel Lewis Wallace und seine grauuniformierten Zuaven
vom 11. Indiana-Freiwilligen-Regiment in West-Virginia.

 

 

 

 

 

Am 26. Juli 1865 wurde das 11. Indiana Freiwilligenregiment ausgemustert.
Ein Offizier und 114 Soldaten der „Wallace's Zouaves” fielen im Verlauf des Bürgerkrieges.

 

 

 

33rd New Jersey-Freiwilligenregiment (Mindl's Zouaves)

Als es im Spätsommer 1863 immer schwieriger wurde, genügend Rekruten für neue Regimenter zu finden, mussten für die Anwerbung neue Maßnahmen ergriffen werden. Handgelder wurden angeboten, als Anreiz diente aber auch eine besondere Uniform wie die des 33. und 35. New Jersey-Freiwilligenregiments.
Die Uniform des 33. New Jersey-Freiwilligenregiments war dunkelblau und hatte eine rote Einfassung. Ihr Schnitt glich der von „Hawkins' Zouaves". Eine karminrote Schärpe vervollständigte die Uniformierung. Anstelle eines Fez suchte man ein Käppi aus, wie es „Gosline's Zouaves" trugen. Auffallend waren auch die schwarz gefärbten Gamaschen. Die Bewaffnung des Regiments bestand zunächst zu 40 Prozent aus Enfield-Gewehren, Kaliber 0.577, und zu 60 Prozent aus Springfield-Gewehren, Kaliber 0.58. Erst am 31. Dezember 1864 wurden die Enfields durch Springfield-Gewehre ersetzt.

Am 8. September 1863 verließ das 33. New Jersey-Freiwilligen-Regiment Newark, New Jersey, und wurde der westlichen Cumberland-Armee zugeteilt. Mehrere Monate lang bewachten die Zuaven hauptsächlich Brücken, wobei ihre schmucken Uniformen bald zerschlissen. Als im Frühjahr 1864 die Vorbereitungen für den nächsten Feldzug getroffen wurden, erhielten alle Regimentskommandeure die Anweisung, die nötige Bekleidung anzufordern.
Der Kommandeur des 33. New Jersey-Freiwilligenregiments, Oberst George W. Mindil, forderte daher Ersatz für die Uniformen an, die in den letzten Monaten gelitten hatten. Die Anforderung konnte jedoch nicht erfüllt werden, so dass nichts anderes übrig blieb, als reguläre Ersatzstücke beim Quartiermeister der Brigade zu bestellen. Am 22. August 1864 schrieb Oberst Mindil deshalb an das Hauptquartier:
„Die Zuavenbekleidung, die für mein Regiment letzten Januar angefordert wurde und die nötig war, um die Uniform für den Feldzug im Frühjahr zu vervollständigen, traf über einen Monat später in Chattanooga ein, zu einem Zeitpunkt, als das Regiment aktiv in Georgia eingesetzt war, und zu spät, um von Nutzen zu sein, auch wenn sie erhalten hätte werden können. (...] Durch das Nichteintreffen wurde das Regiment gezwungen, in gemischter Uniform ins Feld zu ziehen, und im Verlauf des Feldzuges wurden die Männer von Zeit zu Zeit mit der regulären Uniform versorgt, so dass jetzt keine andere mehr in Gebrauch ist. (...)
Unter diesen Umständen bitte ich ehrerbietigst, dass diese Bekleidung einem anderen Regiment zugeteilt wird, das diese besondere Kleidung trägt, so das 35. New Jersey.”



Das Quartiermeisteramt reagierte unverzüglich auf Oberst Mindils Bitte und teilte die Uniformstücke einem anderen Zuavenregiment zu. Am 14. September gab das 33. New Jersey-Freiwilligenregiment die zerschlissene Zuavenuniform zugunsten der regulären Unionsuniform offiziell auf. Nur das Käppi der ursprünglichen Uniform wurde beibehalten. Die Einheit diente weiter in Generalmajor William T. Shermans Armee, bis die konföderierten Gegner in North Carolina die Waffen streckten. Während des Marsches durch Georgia erwiesen sich Oberst Mindils Männer als gute „Organisatoren” von Lebensmitteln und „erleichterten” so manchen Südstaatler um seine Wertsachen. Das Regiment nahm im Mai 1865 an der großen Parade in Washington teil und wurde am 17. Juli 1865 ausgemustert.

 

35th New Jersey-Freiwilligenregiment (Cladek's Zouaves)

 

 

 

Auch dieses Regiment wurde im Spätsommer 1863 aufgestellt. Das Kommando hatte Oberst John J. Cladek inne. Die Uniform des Regiments ähnelte dem des 33. New Jersey-Freiwilligenregiments, allerdings hatte die Verzierung der Jacke eine andere Form und anstatt des Käppis wurde ein dunkelblauer Fez mit gelber Troddel sowie eine hellblaue Schärpe getragen.

Cladeks Regiment gehörte ebenfalls zu Shermans Armee und zeichnete sich im Mai 1864 in der Schlacht von Reseca aus, als es Brigadegeneral Morgan L. Smiths Division unterstützte.
Später erwies es sich für Vorpostengefechte als sehr geeignet.

 

 

 

 

 

 

5th New York-Freiwilligenregiment (Duryee's Zouaves)

Als es am 10. Juni 1861 zum ersten Gefecht zwischen Einheiten der Nord- und Südstaatler bei Big Bethel in Virginia kam, kämpfte auf Seiten der Union auch ein Zuavenregiment aus New York. Im Verlauf seiner zweijährigen Dienstzeit sollte das 5. New Yorker Freiwilligenregiment allen Anforderungen gerecht werden und den grimmigen Rekord halten, dass kein anderes Infanterieregiment der Union an einem einzigen Kampftag höhere Verluste erlitt.

Das 5. New York-Freiwilligenregiment wurde am 22. April 1861 aufgestellt und von Oberst Abram Duryee kommandiert, einem wohlhabenden Mahagoni-Händler, der in seiner Freizeit das 7. New Yorker Milizregiment befehligt hatte. Duryee hatte eine Vorführung von Ellsworths „United States Zouave Cadets” gesehen und war zu dem Schluss gelangt, dass sein neues Regiment aus Zuaven bestehen sollte. Die Uniformierung entsprach fast völlig der der französischen Zuaven. Die Offiziere trugen den Rock der regulären Infanterieoffiziere, ein Käppi mit goldener Einfassung und normal geschnittene, rote Hosen.
Diese Uniformierung galt auch für die Offiziere der anderen Zuaveneinheiten.
Die Rekrutierung des Regiments erfolgte vor allem in Manhattan. 80 Prozent der Freiwilligen waren gebürtige Amerikaner.

In mehreren Zuavenregimentern der Union dienten wie bei den französischen Zuaven auch Marketenderinnen (vivandieres), doch seltsamerweise niemals im 5. New York-Freiwilligenregiment. Einige interessierte Damen bewarben sich zwar bei Oberst Duryee, aber alle wurden abgelehnt. Eine gewisse Emma L. Thompson wollte unbedingt mit einer Freundin als Marketenderin dienen, und obgleich den beiden gute Charaktereigenschaften bestätigt wurden, ließ sich Duryde nicht erweichen. Am 23. Mai 1861 verließen „Duryee's Zouaves” in einer Stärke von 848 Mann New York. Zwei Jahre später kehrte das Regiment mit 300 Mann weniger in den Reihen zurück.

Ihre Feuertaufe erhielten die Zuaven am 10. Juni 1861 bei Big Bethel, als Truppen der Union versuchten, ein konföderiertes Lager zu erstürmen. Schon nach kurzer Zeit geriet das Regiment unter Artilleriefeuer der Südstaatler, doch Oberst Duryee trieb seine Männer unentwegt an, wobei er sich seine Uniform in dem dichten Gestrüpp des Terrains zerfetzte. Captain Hugh J. Kilpatrick, der Kompaniechef der Kompanie H, wurde am Oberschenkel von einer Kartätsche verwundet, schleppte sich aber weiter vorwärts, bis er vor Schmerzen nicht mehr konnte. Im späteren Verlauf des Krieges sollte sich Kilpatrick als Kavalleriegeneral wegen seiner Leuteschinderei einen üblen Ruf erwerben. Trotz allen Eifers verlief der erste Einsatz von „Duryee's Zouaves” erfolglos, auch die anderen Unionssoldaten vermochten nicht, das Lager der Konföderierten einzunehmen.
Auf Seiten des 5. New York-Freiwilligenregiments fielen sechs Männer, dreizehn erlitten Verwundungen.

 

Die Duryee-Zuaves transportieren die Leiche von Lieutenant Greble vom Schlachtfeld bei Great Bethel.

Im Juli 1861 wurden „Duryee's Zouaves” nach Baltimore, Maryland, verlegt, wo sie acht Monate lang Garnisonsdienst verrichteten. In Maryland sympathisierten zahlreiche Einwohner mit der Konföderation, aber Duryees Männer ließen sich nicht provozieren.

Einige von ihnen heirateten sogar lokale Schönheiten, die im März 1862 zurückblieben, als das Regiment zusammen mit Einheiten unter dem Kommando von Brigadegeneral George Sykes auf der Halbinsel Virginias am Großangriff der Union auf Richmond teilnahm.

 

 

Am 27. Juni beteiligten sich „Duryee's Zouaves” in der Schlacht von Gaines' Mill an mehreren verzweifelten Angriffen gegen zahlenmäßig überlegene Truppen der Konföderierten. Während des Gefechts standen die beiden Fahnenträger des Regiments 30 Schritte vor ihrer Regimentslinie und forderten den Gegner zum Kampf heraus. Die Zuaven ließen sich durch den Mut der Fahnenträger zur Attacke mit dem Bajonett verleiten, doch die Südstaatler konnten ihre Stellung behaupten. Erschöpft und nahezu ohne Munition wurden Duryees Männer schließlich von den Reserven des 1. Pennsylvania-Regiments abgelöst.
Von den 450 Zuaven, die bei Gaines' Mill zum Einsatz gekommen waren, hatten 162 den Tod gefunden.
Ihre größten Verluste erlitten „Duryee's Zouaves” in der zweiten Schlacht am Bull Run (29./30. August 1862). Gemeinsam mit dem 10. New Yorker Freiwilligenregiment traf sie der wuchtige Stoß von Generalmajor James Longstreets Korps gleichzeitig von drei Seiten. Innerhalb von nur sieben Minuten fielen 120 Zuaven aus Duryees Regiment, 179 wurden verwundet und 27 gerieten in Gefangenschaft. Während des ganzen Bürgerkrieges sollte kein anderes Infanterieregiment der Nordstaaten in so kurzer Zeit so viele Männer verlieren. Viele der verwundeten Zuaven waren mehrmals von Kugeln getroffen worden, unter ihnen auch der Träger der Regimentsfahne, Sergeant Francis Spelman. Grimmig hatte er sich an die Fahnenstange geklammert und gerufen:
„Um Himmels willen, lasst nicht zu, dass meine Fahne erbeutet wird! ”
Spelman starb einige Tage nach der Schlacht. Die beiden Fahnen des Regiments wurden von zurückweichenden Zuaven in Sicherheit gebracht.

Im weiteren Verlauf des Krieges nahm das 5. New York Freiwilligenregiment an den Schlachten von Antietam, Shepherdstown, Fredericksburg und Chancellorsville teil. Die Verluste blieben glücklicherweise gering. Im Mai 1863 lief die Dienstzeit des Regiments aus, und die Veteranen von „Duryee's Zouaves” kehrten nach New York zurück. Über ihre Parade auf dem Broadway schrieb die „New York Times":
„Die Männer waren braun gebrannt und kräftig; ihre Fahnen waren vom Wetter beschädigt und von Kugeln zerfetzt; ihre Uniformen waren zerrissen, bedeckt vom Schlamm Virginias und dem Rauch hart gekämpfter Auseinandersetzungen. Sie sahen großartig aus.”
Der gute Ruf von „Duryee's Zouaves” endete nicht mit der Parade des Regiments. Zwei andere Regimenter gingen aus der Truppe hervor: das 5. New York-Freiwilligen-Veteranenregiment und das 165. New York-Freiwilligenregiment. Angehörige von „Duryee's Zouaves”, die sich für drei Jahre verpflichtet hatten, wurden zum 146. New York-Freiwilligenregiment („Garrard's Tigers”) versetzt."

 

5th New York-Freiwilligen-Veteranenregiment

Dieses Regiment war die Schöpfung von Oberst Cleveland Winslow, der „Duryee's Zouaves” während der zweiten Schlacht am Bull Run befehligt hatte. Da Winslow unbedingt wollte, dass das Ansehen von „Duryee's Zouaves” nicht in Vergessenheit geriet, nützte er seine politischen Beziehungen - seine Mutter Katherine war eine Cousine des New Yorker Politikers Hamilton Fish -, um ein Veteranenregiment aufzustellen. Da die Rekrutierung nur schleppend verlief, bat der Oberst den Kriegsminister, jene Soldaten des 5. Regiments, deren Dienstzeit noch nicht abgelaufen war, und die beim 146. Regiment dienten, seinem Regiment zu überstellen. Winslows Bitte wurde jedoch abgelehnt. Dem Oberst gelang es schließlich, ein 328 Mann starkes Bataillon aufzustellen. Vier Kompanien setzten sich aus Veteranen des alten 5. Regiments zusammen, die restlichen Kompanien wurden mit Soldaten des neu organisierten 31. und 37. New Yorker Regiments, Veteranen des 94. New York-Regiments und Männern des 12. New York-Regiments gebildet, die noch zu dienen hatten.

Die Uniform der Einheit ähnelte der des 5. Regiments, lediglich die Jacke war mittelblau und hatte am Schulterteil und am Rücken rote Nähte. Die Aussicht, eine Zuavenuniform tragen zu müssen, begeisterte allerdings nicht gerade jeden Soldaten der neuen Truppe. So schrieb ein Veteran des 12. New Yorker Regiments:
„Gegenwärtig gibt es Grund zur Verärgerung durch die Tatsache, dass das 5. ein Zuavenregiment ist, und wir fürchten, dass man uns zwingt, seine Uniform anzunehmen. (... ] Eines ist sicher. Ich werde sie nicht ohne Widerstand tragen.”

Vermutlich gewöhnte sich der verärgerte Schreiber dieser Zeilen an die neue Uniform, denn das 5. New York-Freiwilligen- Veteranenregiment erhielt bis Kriegsende regelmäßig Ersatzstücke der vorgesehenen Zuavenuniform. Die neue Einheit wurde in den Verteidigungsanlagen von Washington stationiert, wo Winslow seine Zuaven hart ausbilden ließ. Dies hinderte seine Leute aber nicht, sich abends im nahen Alexandria zu vergnügen, und bald war Trunkenheit ein großes Problem in der Truppe. Winslow reagierte mit beispielloser Strenge: Betrunkene Zuaven wurden eingesperrt und alle 24 Stunden drei Mal mit kaltem Wasser überschüttet.

 

Im Mai 1864 wurde das 5. New York-Freiwilligen-Veteranenregiment der Potomac-Armee zugeteilt. Winslow bat sogleich, dass seine Männer unter das Kommando von Generalmajor Gouverneur Kemble Warren kamen, einem früheren Offizier des 5. Regiments. Außerdem forderte er einen Einsatz seiner Leute in vorderster Linie. Beide Gesuche wurden umgehend erfüllt. Die Armeeführung kommandierte die 5. Veteranen zu Brigadegeneral Romeyn B. Ayres' 1. Brigade am Pamunkey ab, die sie nach einem mühevollen Marsch von zwei Tagen erreichten. Sofort wurde das Bataillon um sechs Kompanien mit Männern des ausgemusterten 14. Brooklyn-Regiments und des 12. New York-Regiments verstärkt.

Brigadegeneral Ayres schlug Winslow eine längere Ruhepause für seine Soldaten vor, doch der Oberst brannte auf einen Einsatz. Alsbald befanden sich seine Leute im Kampf um die Kirche von Bethesda. Während sich seine Männer durch dichtes Unterholz vorkämpften, blieb Winslow auf seinem Pferd. Natürlich bot der Oberst ein hervorragendes Ziel für die Konföderierten, und ein Schuss traf ihn in die linke Schulter. Winslow konnte sich aber im Sattel halten und wurde zurückgeführt, als die Südstaatler Ayres' Brigade in der Flanke angriffen, und seine Truppen ungeordnet zurückwichen.
Die Verluste der 5. Veteranen waren hoch: 72 Gefallene und Verwundete. 35 Männer gerieten in Gefangenschaft. Winslow wurde in ein Feldlazarett gebracht und anschließend in ein Hospital in Alexandria überführt. Dort erlag der Oberst nach einigen Wochen seiner Verwundung.
Die 5. New Yorker Veteranen bekamen einen neuen Kommandeur und wurden bis Kriegsende eingesetzt. Die Ausmusterung der Einheit erfolgte am 21. August 1865.

 

9th New York-Freiwilligenregiment (Hawkins' Zouaves)

Elmer E. Ellsworth hatte den Wunsch gehegt, dass seine „Fire Zouaves” als erstes Zuavenregiment für den Krieg eingezogen würden, doch „Hawkins' Zouaves” kamen ihm zuvor. Am 23. April 1861 wurde das 9. New Yorker Freiwilligenregiment in den Dienst der Union übernommen. Ihren Ursprung hatte die Truppe in einem militärischen Klub, der 1860 in New York gegründet worden war. Der Kommandeur des Regiments war Rush C. Hawkins, ein vermögender Rechtsanwalt, der 1846-48 im Krieg gegen Mexiko als Dragoner gedient hatte, und eine umfangreiche Sammlung von Büchern und Handschriften aus dem 15. Jahrhundert besaß, die angeblich nur von den Beständen des Britischen Museums übertroffen wurde.

Hinsichtlich der Uniformierung war die magentarote Einfassung der dunkelblauen Jacken auffallend, eine Farbe, die sonst von keiner Zuaveneinheit verwendet wurde. Dies galt auch für die türkisfarbene Schärpe. Der Fez war ebenfalls magentarot, manchmal trugen „Hawkins' Zouaves” auch ein dunkelblaues Käppi mit magentarotem Besatzstreifen. Höhere Offiziere hatten nicht die üblichen Schulterstücke, sondern schmückten sich mit geflochtenen Rangabzeichen.

Das Motto von „Hawkins' Zouaves” lautete Toujours Pret - „Immer bereit” -, ein Leitspruch, den das acht Kompanien starke Regiment stets erfüllen sollte. Ihren ersten Einsatz erlebten Hawkins' Männer, deren Koppelschloss als Emblem eine brennende Granate hatte, im August 1861 bei der Einnahme der Forts Hatteras und Clark an der Küste North Carolinas. Auf der Insel Roanoke zeichneten sie sich 1862 durch einen ungestümen Bajonettangriff aus und steigerten ihren guten Ruf in dem mörderischen Ringen am Antietam (15./17. September 1862). Gegen hartnäckigen Widerstand der Konföderierten nahm das 9. New York-Freiwilligenregiment eine steile Anhöhe ein und kam so nahe an das Städtchen Sharpsburg heran wie keine andere Einheit der Union.

Der aus Schweden stammende Zuave Charles Johnson, der eine Geschichte seines Regiments schrieb, berichtete:
„Unsere Jungs waren auf Kompaniestärke reduziert, dennoch trugen sie triumphierend ihre Fahnen.”' Acht Kompanien mit einer Gesamtstärke von 373 Mann nahmen an dem Angriff teil, 240 wurden dabei getötet oder verwundet.
Als „Hawkins' Zouaves” den Befehl zum Rückzug erhielten, bemerkte Oberstleutnant Edgar Kimball:
„Die Männer zogen sich in guter Ordnung zurück. In ihren Augen standen Tränen angesichts der Notwendigkeit, die sie zwang, das Schlachtfeld zu verlassen,
das sie so teuer erkämpft hatten.”

Nach dem Treffen am Antietam nahm das Regiment an der Schlacht von Fredericksburg (13. Dezember 1862) teil.
Die Ausmusterung der Truppe fand am 20. Mai 1863 statt.

10th New York-Freiwilligenregiment (National Zouaves)

Der Kern des 10. New Yorker Freiwilligenregiments war ebenfalls eine militärische Organisation, die schon vor dem Krieg existierte. Sie entstand 1860 nach Aufrufen im „New York Herald“, die patriotische New Yorker Bürger drucken ließen, um bei einem möglichen Kriegsausbruch gerüstet zu sein. Den Posten des Ausbildungsleiters übernahm Waters W. McChesney, ein ehemaliger Angehöriger von Ellsworths „United States Zouave Cadets“, der schließlich Oberst des Regiments wurde.

Eine Zeit lang hieß die Einheit „McChesney's Zouaves“, doch der Regimentskommandeur war nicht besonders populär und trat auf Drängen seiner Offiziere vom Kommando zurück. Danach kam die Bezeichnung „National Zouaves“ auf. Von 1861 bis 1862 erhielt das Regiment nicht weniger als drei verschiedene Uniformen. Die erste, die aus dunkelblauem Flanell bestand, zerschliss rasch. Auch der zweiten, die aus stärkerem, braunem Stoff gefertigt war, ging es nicht besser. Die dritte Uniform widerstand dann den Strapazen im Feld.

Sie bestand aus einer braunen Jacke mit roter Einfassung und hellblauen Hosen. Unteroffiziere der „National Zouaves“ waren an hellblauen Winkeln zu erkennen. Als Kopfbedeckung diente ein weißer Turban, der um einen roten Fez mit dunkelblauer Troddel gewickelt war. Gelegentlich trugen einige der Zuaven vorn am Turban ein Regimentsabzeichen aus Messing. Bekannt war das Regiment vor allem wegen der Flinkheit seiner Männer. Die meisten Zuaven waren klein, aber gelenkig.

In der Regimentsgeschichte hieß es dazu:
„Das Durchschnittsalter der Angehörigen des Zehnten ist niemals geschätzt worden, doch vermutlich verließ kein Regiment New York mit mehr jugendlichen Soldaten. In der Regel waren sie klein gewachsen, dennoch gelenkig und rege, und sie handhabten Gewehre und Tornister mit einer elastischen Kraft, die oft Regimenter mit sechs Fuß großen Männern in Verlegenheit brachte.”

Das 10. New York-Freiwilligenregiment war zunächst in der Festung Monroe stationiert, bevor es zur Potomac-Armee kam, in der es zusammen mit „Duryee's Zouaves” eingesetzt wurde. Während der zweiten Schlacht am Bull Run kämpften die „National Zouaves” neben dem 5. Freiwilligenregiment aus New York und litten genauso unter dem furchtbaren Angriff von Longstreets Korps. Ihre Verluste beliefen sich auf 133 Gefallene und Verwundete.
Die Regimentsfahne wurde von Soldaten des 18. Georgia-Regiments erbeutet.

Nach der Schlacht am Antietam wurden die „National Zouaves” vom V. zum II. Korps verlegt, mit dem sie am hoffnungslosen Angriff auf die Marye's Heights bei Fredericksburg teilnahmen. Als die zweijährige Dienstzeit des Regiments abgelaufen war, wurden jene Zuaven, die sich länger verpflichtet hatten, in einem vier Kompanien starken Veteranenbataillon zusammengefasst, das bis Kriegsende kämpfte. 1864 übernahmen die Männer die reguläre Infanterieuniform, einige trugen aber bis zum Schluss den roten Fez oder die braune Jacke.
Offiziere hoben sich ihre roten Käppis, die einen goldenen Besatz hatten, für besondere Anlässe auf.

11th New York-Freiwilligenregiment  
Ellsworth's Fire Zouaves / 1st Fire Zouaves

Zu Beginn des Jahres 1861 erhielt Elmer E. Ellsworth, der die Zuaven in den USA populär gemacht hatte, den Rang eines Leutnants in der regulären Armee. Kurz nach der Beschießung von Fort Sumter im Hafen von Charleston verzichtete er jedoch auf sein Offizierspatent. Ellsworth eilte mit der Vorstellung nach New York, dass sein Heimatstaat die erste Zuaveneinheit für den Krieg ausrüsten sollte.
Um das 11. New Yorker Freiwilligenregiment zu rekrutieren, wandte er sich vor allem an die Feuerwehrleute der Stadt:
„Ich möchte die New Yorker Feuerwehrmänner, denn es gibt keine einsatzbereiteren Männer im Land und keine, mit denen ich so viel tun kann. Sie schlafen in Washington auf einem Vulkan und ich möchte Männer, die jetzt in den Kampf ziehen können.”
Die Angesprochenen erklärten sich bereit, und innerhalb von 48 Stunden war das Regiment aufgestellt.

Die Uniform bestand aus hellgrauen Jacken mit dunkelblauen Aufschlägen und hellgrauen Hosen. Das rote Käppi mit blauer Einfassung trug die Messingziffern „1 FZ”, die für „Ist Fire Zouaves” standen. Am 7. Mai 1861 trafen die „1st Fire Zouaves” in Washington ein. Viele der Männer hatten sich den Kopf rasieren oder patriotische Embleme wie Adler in die Stoppeln des Hinterkopfes schneiden lassen. Offenbar ging diese recht radikale Haartracht auf die französischen Zuaven zurück, die für ihre kahl geschorenen Köpfe bekannt waren. Vierzehn Tage später verließ das Regiment die Hauptstadt und rückte in Virginia ein, wo Oberst Ellsworths Zuaven sich an der Besetzung von Alexandria beteiligten, eine zuvor von den Konföderierten gehaltene Stadt.

 

 

 

 

 

Die Ermordung von Colonel Elmer E. Ellsworth am 24. Mai 1861 in Alexandria.

 

Als Ellsworth von einer Schenke eine Fahne der Südstaaten hängen sah, lief er in das Gebäude, eilte die Stufen hinauf und riss die Flagge herunter. Einige Augenblicke danach wurde Ellsworth von James Jackson, dem Eigentümer der Gaststätte, erschossen. Korporal Francis E. Brownell, der Ellsworth in das Gebäude gefolgt war, schoss Jackson sofort nieder. Die „1st Fire Zouaves” drohten Alexandria in ein Flammenmeer zu verwandeln und konnten nur mit Mühe von ihrem Vorhaben abgehalten werden.

In Washington löste die Nachricht von Ellsworths Tod große Bestürzung aus, und Hunderte von Trauergästen schritten an seinem Sarg vorbei. Lieder wurden zu seinem Andenken verfasst, und rasch wurde Ellsworth ein Märtyrer der Unionssache. Korporal Brownell erhielt ein Leutnantspatent in der regulären Armee und wurde später mit der Ehrenmedaille des Kongresses ausgezeichnet.


Nach Ellsworths Tod übernahm Oberstleutnant Noah L. Farnham das Kommando über das 11. New York-Freiwilligenregiment. Mittlerweile waren an die Männer neue dunkelblaue Zuavenjacken ausgegeben worden, da die ersten Uniformen wegen ihrer schlechten Qualität rasch aufgetragen worden waren, doch die „1st Fire Zouaves" zogen es vor, nur in ihren roten Hemden ins Feld zu ziehen. Farnham führte die Zuaven, die immer noch Ellsworths Ende beklagten, im Juli 1861 in die erste Schlacht am Bull Run. Zusammen mit einem Bataillon Marineinfanterie hatten sie zwei Batterien zu unterstützen, die auf dem Henry-House-Hügel in Stellung gehen sollten.
Die Zuaven und die Marineinfanteristen überquerten gerade den Hügelkamm, als die beiden Batterien unter starkes Feuer der Südstaatler gerieten. Fast alle Kanoniere fielen, und die entnervten Infanteristen flüchteten. Nur einige Zuaven hielten Stand und schossen über die Köpfe ihrer fliehenden Kameraden.
Farnham und sein Stab versuchten, das Regiment wieder zu sammeln, doch den Oberst streifte wenig später eine Gewehrkugel am Kopf.

Die 1. Virginia-Kavallerie unter dem Kommando von Oberst J.E.B. Stuart sah das Durcheinander und griff die „1st Fire Zouaves” an. Die Zuaven aus New York bemerkten die konföderierten Reiter erst, als diese schon fast heran waren. Erneut flüchteten sie, doch Stuarts Kavalleristen richteten nur wenig Schaden an. Einige der Angreifer wurden sogar durch Bajonettstöße aus dem Sattel geworfen. Oberst Farnham schien sich zunächst von seiner Verwundung zu erholen, erlag aber am 14. August seiner Verletzung. Als unerfahrene Truppe schlugen sich die „1st Fire Zouaves” nicht besser oder schlechter als viele andere Regimenter der Union am Bull Run, und hätte Ellsworth sie kommandiert, wäre vielleicht vieles anders gelaufen.

Oberst Orlando B. Willcox vom 1. Michigan-Regiment schrieb über sie:
„ Die Zuaven hatten sich zwar als Regiment aufgelöst, Abteilungen von ihnen schlossen sich jedoch im Kampf anderen Regimentern an.”
Nach der Schlacht am Bull Run hatten die„ Ist Fire Zouaves” nie mehr Gelegenheit, sich zu bewähren.
Das Regiment wurde einige Monate später aufgelöst.

 

44th New York-Freiwilligenregiment (Ellsworth's Avengers)

Nach dem Tod von Oberst Ellsworth erfolgte die Gründung einer „Ellsworth-Gesellschaft”, die es sich zum Ziel setzte, ein Regiment aufzustellen, um den Namen des ersten Kommandeurs der „1st Fire Zouaves” zu ehren. Die Gesellschaft stellte sich vor, dass jede Stadt und jeder Stadtbezirk im Bundesstaat New York Rekruten und Gelder zur Verfügung stellen sollten. Rasch fanden sich genügend Freiwillige, die die geforderten Voraussetzungen erfüllten, und traten in das 44. New Yorker Regiment ein, das unter der Bezeichnung „Ellsworth's Avengers” bekannt werden sollte.
Jeder „Rächer” durfte nicht älter als 30 Jahre sein, musste mindestens eine Größe von fünf Fuß und acht Zoll haben und einen guten Charakter besitzen. Die Uniform des Regiments bestand aus einer dunkelblauen Jacke und dunkelblauen Hosen mit roter Biese sowie einem roten Hemd mit hellblauem Besatz. Im Lauf der Jahre ersetzte bei vielen „Rächern” die reguläre Armeehose die alten Beinkleider.

Bald wurde das Regiment den Erwartungen der „Ellsworth-Gesellschaft” gerecht und beteiligte sich oft an schweren Gefechten. Zunächst diente die Truppe in Brigadegeneral Daniel Butterfields Brigade und wurde später Oberst Strong Vincents Brigade zugeteilt. Bei Malvern Hill (l. Juli 1862) führte das Regiment einen energischen Bajonettangriff aus, den Oberstleutnant James C. Rice schilderte:
„Das Vierundvierzigste marschierte in regulärer Schlachtlinie vorwärts, die Fahnen weit voraus, passierte eine Linie unserer Truppen nach der anderen, die laut unsere Fahne bejubelten, als wir beständig und unbeirrt vorrückten. Schließlich befanden wir uns jenseits der vordersten Linie unserer Truppen und 100 Yards vor dem Feind. Das Regiment erhielt den Befehl, mit dem Bajonett gegen seine Linie anzugreifen. Kaum hatte das Regiment 50 Yards in Richtung des Gegners angegriffen, lösten sich dessen Linien auf und er zog sich zurück.”

Vom Beginn seiner Aufstellung bis zur Schlacht von Fredericksburg verlor das 44. New York-Freiwilligenregiment zwölf Fahnenträger. Eine zerfetzte Fahne, die Mitte Dezember 1862 zurückgeschickt wurde, wies 84 Kugellöcher auf und hatte zusätzlich durch Granaten einigen Schaden genommen. Zweimal hatten Musketenkugeln in die Fahnenstange Kerben geschlagen.


Am härtesten kämpften die „Rächer” in der Schlacht von Gettysburg (1./3. Juli 1863), als sie mit anderen Regimentern der 3. Brigade aus dem V. Korps zum Little Round Top eilten, um zu verhindern, dass die Konföderierten die linke Flanke der Union aufrollten. Das 44. New York-Freiwilligenregiment trug dazu bei, den Vormarsch der Südstaatler aufzuhalten, bis das 20. Infanterieregiment aus Maine die Anhöhe herunterstürmte und den Gegner zurückschlug. Der Sieg am Little Round Top wurde teuer erkauft: Mehrere Offiziere hatten tödliche Verwundungen erlitten und in der 40 Mann starken Kompanie A waren 21 Männer gefallen. Doch auch die Konföderierten hatten starke Verluste hinnehmen müssen. Sergeant E. R. Goodrich von der Kompanie A der „Rächer ”schrieb:
„In der Nacht des 2. Juli versah unsere Kompanie am Fuß der Anhöhe Wachdienst. Der Boden war buchstäblich mit Toten und Verwundeten bedeckt. Es war der schlimmste Wachdienst, zu dem ich jemals eingeteilt war. Ich verbrachte die ganze Zeit damit, mich um die Verwundeten zu kümmern. Es war furchtbar einige schrieen, andere beteten, andere fluchten und alle wollten Hilfe.” An diesem Tag bei Gettysburg wurden „Ellsworth's Avengers” fraglos ihrem Namen gerecht, aber auch im weiteren Verlauf des Bürgerkrieges sollten sie sich tapfer schlagen.

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