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Die
Zuaven Seite 1
Das
"französische Original" Im 19. Jahrhundert hielten viele Europäer und Amerikaner Krieg für ein romantisches Abenteuer. Der Grund dafür waren die Künstler ihres Zeitalters, die in ihren Lithographien militärische Ereignisse meistens völlig unrealistisch darstellten. Krieg brachte man mit Ruhm, Patriotismus und Heldentum in Verbindung. Folglich musste auch der Soldat über diese Tugenden verfügen. Das harte Leben des einfachen Infanteristen oder Kavalleristen wurde dagegen ebenso ignoriert wie sein niedriger Status in der Gesellschaft. Nur die prächtigsten Soldaten hatten im 19. Jahrhundert einen hohen Stellenwert. In Großbritannien waren es die Garderegimenter und die Hochländer. Ähnlich großes Ansehen erlangten in Frankreich die Zuaven. Sie waren die Stereotypen für außergewöhnliche Tapferkeit, die aufgrund ihrer ausgefallenen Uniform eine besondere Identität besaßen. Die Zuaven der französischen Armee wurden ursprünglich unter Berbern rekrutiert. Die Bezeichnung Zuave leitet sich vom Stamm der Zouaoua ab, der Ende 1830 seine Dienste den Franzosen anbot, als diese Algier erobert hatten. Den Zouaoua ging ein guter Ruf als Hersteller von Gewehren voraus, zudem hatten sie im Dienst der Türken gestanden. Die exotische Uniformierung der neuen Truppe veranlasste zahlreiche Franzosen, in das Kontingent einzutreten, allerdings suchten auch entlaufene Lehrlinge und Strolche aus Paris in dem neuen Korps Unterschlupf. Die
Uniform der Zuaven glich im Wesentlichen der Kleidung der männlichen
afrikanischen Bevölkerung des nördlichen Algerien: weite Hosen
(serouel), eine kurze, offene Jacke, eine Weste (sedria)
und ein Fez (chechia), um den ein Turban gewunden war. Die
Jacke der Zuaven erhielt auf der linken und rechten Vorderseite eine
Verzierung, deren oberer Teil als Grabmal (tombeau) bezeichnet
wurde. Die von unten geschlitzten Ärmel schloss man zunächst
mit Haken, später mit so genannten Schellen-Knöpfen. Nur bei
Paraden wurde der Fez mit Turban getragen.
Nordstaaten
Noch
im gleichen Jahr stellte in Chicago ein junger Amerikaner namens Elmer
E. Ellsworth die erste amerikanische Zuaveneinheit auf,
die „United States Zouave Cadets”. Ellsworth kannte
einen ehemaligen Militärarzt der französischen Armee, der
während des Krimkrieges in einem Zuavenregiment gedient hatte,
und war regelrecht von der Vorstellung besessen, französische Zuavenuniformen
in den USA populär zu machen. Darin
hieß es über die Zuaven Frankreichs:
11th Indiana-Freiwilligenregiment (Wallace's Zouaves) Obgleich die Begeisterung für Zuaven, die die Vereinigten Staaten erfasste, 1859 in Chicago begann, kamen fast alle Unionsregimenter, die Zuavenuniformen trugen, aus Bundesstaaten östlich des Allegheny-Gebirges. In den westlichen, agrarischen Bundesstaaten schien es kein großes Verlangen gegeben zu haben, mit roten Pumphosen und weißen Turbanen in den Krieg zu ziehen. Die Ausnahme bildeten das 11. Indiana-Freiwilligenregiment, dessen Zuavenuniform allerdings nicht typisch für diesen Uniformstil war, und „Piatt's Zouaves” aus Ohio. Über
die erste Uniform des 11. Indiana-Regiments schrieb ihr Kommandeur Lew
Wallace, der später als Autor des Romans „Ben Hur" berühmt
werden sollte: Als
sich die Angehörigen des Regiments für eine dreijährige
Dienstzeit verpflichteten, versuchte Indianas Kriegsminister Thomas
A. Scott, die Standarduniform der Union durchzusetzen. Am 23. September
1861 schrieb er Gouverneur Oliver P. Morton:
Knapp
vier Wochen später teilte Lew Wallace, inzwischen zum Brigadegeneral
ernannt, dem Gouverneur in einem Brief mit: Wallace' Schreiben hatte zur Folge, dass im Dezember 1861 die neuen gewünschten Uniformen geliefert wurden. Die neue Uniform bestand aus einer sehr dunkelblauen Jacke mit hellblauer Einfassung und regulären Hosen. Die Beinkleider steckte man gewöhnlich in die weißen Gamaschen. Als Kopfbedeckung wurde die alte rote Mütze zunächst beibehalten und allmählich durch ein dunkelblaues Käppi ersetzt. Fotographien, die im Frühjahr 1865 gemacht wurden, zeigen, dass die Angehörigen des Regiments immer noch diese Uniform trugen. Das Regiment diente auf beiden großen Kriegsschauplätzen. Zunächst
im Westen, wo es im Feldzug gegen die Forts Henry und Donelson (Februar
1862), in der Schlacht bei Shiloh
Colonel
Lewis Wallace und seine grauuniformierten Zuaven
Am
26. Juli 1865 wurde das 11. Indiana Freiwilligenregiment ausgemustert.
33rd New Jersey-Freiwilligenregiment (Mindl's Zouaves) Als
es im Spätsommer 1863 immer schwieriger wurde, genügend Rekruten
für neue Regimenter zu finden, mussten für die Anwerbung neue
Maßnahmen ergriffen werden. Handgelder wurden angeboten, als Anreiz
diente aber auch eine besondere Uniform wie die des 33. und 35. New
Jersey-Freiwilligenregiments. Am
8. September 1863 verließ das 33. New Jersey-Freiwilligen-Regiment
Newark, New Jersey, und wurde der westlichen Cumberland-Armee zugeteilt.
Mehrere Monate lang bewachten die Zuaven hauptsächlich Brücken,
wobei ihre schmucken Uniformen bald zerschlissen. Als im Frühjahr
1864 die Vorbereitungen für den nächsten Feldzug getroffen
wurden, erhielten alle Regimentskommandeure die Anweisung, die nötige
Bekleidung anzufordern.
35th New Jersey-Freiwilligenregiment (Cladek's Zouaves)
Auch dieses Regiment wurde im Spätsommer 1863 aufgestellt. Das Kommando hatte Oberst John J. Cladek inne. Die Uniform des Regiments ähnelte dem des 33. New Jersey-Freiwilligenregiments, allerdings hatte die Verzierung der Jacke eine andere Form und anstatt des Käppis wurde ein dunkelblauer Fez mit gelber Troddel sowie eine hellblaue Schärpe getragen. Cladeks
Regiment gehörte ebenfalls zu Shermans Armee und zeichnete sich
im Mai 1864 in der Schlacht von Reseca aus, als es Brigadegeneral Morgan
L. Smiths Division unterstützte.
5th New York-Freiwilligenregiment (Duryee's Zouaves) Als es am 10. Juni 1861 zum ersten Gefecht zwischen Einheiten der Nord- und Südstaatler bei Big Bethel in Virginia kam, kämpfte auf Seiten der Union auch ein Zuavenregiment aus New York. Im Verlauf seiner zweijährigen Dienstzeit sollte das 5. New Yorker Freiwilligenregiment allen Anforderungen gerecht werden und den grimmigen Rekord halten, dass kein anderes Infanterieregiment der Union an einem einzigen Kampftag höhere Verluste erlitt. Das
5. New York-Freiwilligenregiment wurde am 22. April 1861 aufgestellt
und von Oberst Abram Duryee kommandiert, einem wohlhabenden Mahagoni-Händler,
der in seiner Freizeit das 7. New Yorker Milizregiment befehligt hatte.
Duryee hatte eine Vorführung von Ellsworths „United States
Zouave Cadets” gesehen und war zu dem Schluss gelangt, dass sein
neues Regiment aus Zuaven bestehen sollte. Die Uniformierung entsprach
fast völlig der der französischen Zuaven. Die Offiziere trugen
den Rock der regulären Infanterieoffiziere, ein Käppi mit
goldener Einfassung und normal geschnittene, rote Hosen. In mehreren Zuavenregimentern der Union dienten wie bei den französischen Zuaven auch Marketenderinnen (vivandieres), doch seltsamerweise niemals im 5. New York-Freiwilligenregiment. Einige interessierte Damen bewarben sich zwar bei Oberst Duryee, aber alle wurden abgelehnt. Eine gewisse Emma L. Thompson wollte unbedingt mit einer Freundin als Marketenderin dienen, und obgleich den beiden gute Charaktereigenschaften bestätigt wurden, ließ sich Duryde nicht erweichen. Am 23. Mai 1861 verließen „Duryee's Zouaves” in einer Stärke von 848 Mann New York. Zwei Jahre später kehrte das Regiment mit 300 Mann weniger in den Reihen zurück. Ihre
Feuertaufe erhielten die Zuaven am 10. Juni 1861 bei Big Bethel, als
Truppen der Union versuchten, ein konföderiertes Lager zu erstürmen.
Schon nach kurzer Zeit geriet das Regiment unter Artilleriefeuer der
Südstaatler, doch Oberst Duryee trieb seine Männer unentwegt
an, wobei er sich seine Uniform in dem dichten Gestrüpp des Terrains
zerfetzte. Captain Hugh J. Kilpatrick, der Kompaniechef der Kompanie
H, wurde am Oberschenkel von einer Kartätsche verwundet, schleppte
sich aber weiter vorwärts, bis er vor Schmerzen nicht mehr konnte.
Im späteren Verlauf des Krieges sollte sich Kilpatrick als Kavalleriegeneral
wegen seiner Leuteschinderei einen üblen Ruf erwerben. Trotz allen
Eifers verlief der erste Einsatz von „Duryee's Zouaves”
erfolglos, auch die anderen Unionssoldaten vermochten nicht, das Lager
der Konföderierten einzunehmen.
Die Duryee-Zuaves transportieren die Leiche von Lieutenant Greble vom Schlachtfeld bei Great Bethel. Im Juli 1861 wurden „Duryee's Zouaves” nach Baltimore, Maryland, verlegt, wo sie acht Monate lang Garnisonsdienst verrichteten. In Maryland sympathisierten zahlreiche Einwohner mit der Konföderation, aber Duryees Männer ließen sich nicht provozieren. Einige von ihnen heirateten sogar lokale Schönheiten, die im März 1862 zurückblieben, als das Regiment zusammen mit Einheiten unter dem Kommando von Brigadegeneral George Sykes auf der Halbinsel Virginias am Großangriff der Union auf Richmond teilnahm.
Am 27. Juni beteiligten sich „Duryee's Zouaves” in der Schlacht
von Gaines' Mill an mehreren verzweifelten Angriffen gegen zahlenmäßig
überlegene Truppen der Konföderierten. Während des Gefechts
standen die beiden Fahnenträger des Regiments 30 Schritte vor ihrer
Regimentslinie und forderten den Gegner zum Kampf heraus. Die Zuaven
ließen sich durch den Mut der Fahnenträger zur Attacke mit
dem Bajonett verleiten, doch die Südstaatler konnten ihre Stellung
behaupten. Erschöpft und nahezu ohne Munition wurden Duryees Männer
schließlich von den Reserven des 1. Pennsylvania-Regiments abgelöst.
Im
weiteren Verlauf des Krieges nahm das 5. New York Freiwilligenregiment
an den Schlachten von Antietam, Shepherdstown, Fredericksburg und Chancellorsville
teil. Die Verluste blieben glücklicherweise gering. Im Mai 1863
lief die Dienstzeit des Regiments aus, und die Veteranen von „Duryee's
Zouaves” kehrten nach New York zurück. Über ihre Parade
auf dem Broadway schrieb die „New York Times":
5th New York-Freiwilligen-Veteranenregiment Dieses Regiment war die Schöpfung von Oberst Cleveland Winslow, der „Duryee's Zouaves” während der zweiten Schlacht am Bull Run befehligt hatte. Da Winslow unbedingt wollte, dass das Ansehen von „Duryee's Zouaves” nicht in Vergessenheit geriet, nützte er seine politischen Beziehungen - seine Mutter Katherine war eine Cousine des New Yorker Politikers Hamilton Fish -, um ein Veteranenregiment aufzustellen. Da die Rekrutierung nur schleppend verlief, bat der Oberst den Kriegsminister, jene Soldaten des 5. Regiments, deren Dienstzeit noch nicht abgelaufen war, und die beim 146. Regiment dienten, seinem Regiment zu überstellen. Winslows Bitte wurde jedoch abgelehnt. Dem Oberst gelang es schließlich, ein 328 Mann starkes Bataillon aufzustellen. Vier Kompanien setzten sich aus Veteranen des alten 5. Regiments zusammen, die restlichen Kompanien wurden mit Soldaten des neu organisierten 31. und 37. New Yorker Regiments, Veteranen des 94. New York-Regiments und Männern des 12. New York-Regiments gebildet, die noch zu dienen hatten. Die
Uniform der Einheit ähnelte der des 5. Regiments, lediglich die
Jacke war mittelblau und hatte am Schulterteil und am Rücken rote
Nähte. Die Aussicht, eine Zuavenuniform tragen zu müssen,
begeisterte allerdings nicht gerade jeden Soldaten der neuen Truppe.
So schrieb ein Veteran des 12. New Yorker Regiments: Vermutlich gewöhnte sich der verärgerte Schreiber dieser Zeilen an die neue Uniform, denn das 5. New York-Freiwilligen- Veteranenregiment erhielt bis Kriegsende regelmäßig Ersatzstücke der vorgesehenen Zuavenuniform. Die neue Einheit wurde in den Verteidigungsanlagen von Washington stationiert, wo Winslow seine Zuaven hart ausbilden ließ. Dies hinderte seine Leute aber nicht, sich abends im nahen Alexandria zu vergnügen, und bald war Trunkenheit ein großes Problem in der Truppe. Winslow reagierte mit beispielloser Strenge: Betrunkene Zuaven wurden eingesperrt und alle 24 Stunden drei Mal mit kaltem Wasser überschüttet.
Im Mai 1864 wurde das 5. New York-Freiwilligen-Veteranenregiment der Potomac-Armee zugeteilt. Winslow bat sogleich, dass seine Männer unter das Kommando von Generalmajor Gouverneur Kemble Warren kamen, einem früheren Offizier des 5. Regiments. Außerdem forderte er einen Einsatz seiner Leute in vorderster Linie. Beide Gesuche wurden umgehend erfüllt. Die Armeeführung kommandierte die 5. Veteranen zu Brigadegeneral Romeyn B. Ayres' 1. Brigade am Pamunkey ab, die sie nach einem mühevollen Marsch von zwei Tagen erreichten. Sofort wurde das Bataillon um sechs Kompanien mit Männern des ausgemusterten 14. Brooklyn-Regiments und des 12. New York-Regiments verstärkt. Brigadegeneral
Ayres schlug Winslow eine längere Ruhepause für seine Soldaten
vor, doch der Oberst brannte auf einen Einsatz. Alsbald befanden sich
seine Leute im Kampf um die Kirche von Bethesda. Während sich seine
Männer durch dichtes Unterholz vorkämpften, blieb Winslow
auf seinem Pferd. Natürlich bot der Oberst ein hervorragendes Ziel
für die Konföderierten, und ein Schuss traf ihn in die linke
Schulter. Winslow konnte sich aber im Sattel halten und wurde zurückgeführt,
als die Südstaatler Ayres' Brigade in der Flanke angriffen, und
seine Truppen ungeordnet zurückwichen.
9th New York-Freiwilligenregiment (Hawkins' Zouaves) Elmer E. Ellsworth hatte den Wunsch gehegt, dass seine „Fire Zouaves” als erstes Zuavenregiment für den Krieg eingezogen würden, doch „Hawkins' Zouaves” kamen ihm zuvor. Am 23. April 1861 wurde das 9. New Yorker Freiwilligenregiment in den Dienst der Union übernommen. Ihren Ursprung hatte die Truppe in einem militärischen Klub, der 1860 in New York gegründet worden war. Der Kommandeur des Regiments war Rush C. Hawkins, ein vermögender Rechtsanwalt, der 1846-48 im Krieg gegen Mexiko als Dragoner gedient hatte, und eine umfangreiche Sammlung von Büchern und Handschriften aus dem 15. Jahrhundert besaß, die angeblich nur von den Beständen des Britischen Museums übertroffen wurde. Hinsichtlich der Uniformierung war die magentarote Einfassung der dunkelblauen Jacken auffallend, eine Farbe, die sonst von keiner Zuaveneinheit verwendet wurde. Dies galt auch für die türkisfarbene Schärpe. Der Fez war ebenfalls magentarot, manchmal trugen „Hawkins' Zouaves” auch ein dunkelblaues Käppi mit magentarotem Besatzstreifen. Höhere Offiziere hatten nicht die üblichen Schulterstücke, sondern schmückten sich mit geflochtenen Rangabzeichen. Das Motto von „Hawkins' Zouaves” lautete Toujours Pret - „Immer bereit” -, ein Leitspruch, den das acht Kompanien starke Regiment stets erfüllen sollte. Ihren ersten Einsatz erlebten Hawkins' Männer, deren Koppelschloss als Emblem eine brennende Granate hatte, im August 1861 bei der Einnahme der Forts Hatteras und Clark an der Küste North Carolinas. Auf der Insel Roanoke zeichneten sie sich 1862 durch einen ungestümen Bajonettangriff aus und steigerten ihren guten Ruf in dem mörderischen Ringen am Antietam (15./17. September 1862). Gegen hartnäckigen Widerstand der Konföderierten nahm das 9. New York-Freiwilligenregiment eine steile Anhöhe ein und kam so nahe an das Städtchen Sharpsburg heran wie keine andere Einheit der Union. Der
aus Schweden stammende Zuave Charles Johnson, der eine Geschichte seines
Regiments schrieb, berichtete:
10th New York-Freiwilligenregiment (National Zouaves) Der Kern des 10. New Yorker Freiwilligenregiments war ebenfalls eine militärische Organisation, die schon vor dem Krieg existierte. Sie entstand 1860 nach Aufrufen im „New York Herald“, die patriotische New Yorker Bürger drucken ließen, um bei einem möglichen Kriegsausbruch gerüstet zu sein. Den Posten des Ausbildungsleiters übernahm Waters W. McChesney, ein ehemaliger Angehöriger von Ellsworths „United States Zouave Cadets“, der schließlich Oberst des Regiments wurde. Eine Zeit lang hieß die Einheit „McChesney's Zouaves“, doch der Regimentskommandeur war nicht besonders populär und trat auf Drängen seiner Offiziere vom Kommando zurück. Danach kam die Bezeichnung „National Zouaves“ auf. Von 1861 bis 1862 erhielt das Regiment nicht weniger als drei verschiedene Uniformen. Die erste, die aus dunkelblauem Flanell bestand, zerschliss rasch. Auch der zweiten, die aus stärkerem, braunem Stoff gefertigt war, ging es nicht besser. Die dritte Uniform widerstand dann den Strapazen im Feld. Sie bestand aus einer braunen Jacke mit roter Einfassung und hellblauen Hosen. Unteroffiziere der „National Zouaves“ waren an hellblauen Winkeln zu erkennen. Als Kopfbedeckung diente ein weißer Turban, der um einen roten Fez mit dunkelblauer Troddel gewickelt war. Gelegentlich trugen einige der Zuaven vorn am Turban ein Regimentsabzeichen aus Messing. Bekannt war das Regiment vor allem wegen der Flinkheit seiner Männer. Die meisten Zuaven waren klein, aber gelenkig. In
der Regimentsgeschichte hieß es dazu: Das
10. New York-Freiwilligenregiment war zunächst in der Festung Monroe
stationiert, bevor es zur Potomac-Armee kam, in der es zusammen mit
„Duryee's Zouaves” eingesetzt wurde. Während der zweiten
Schlacht am Bull Run kämpften die „National Zouaves”
neben dem 5. Freiwilligenregiment aus New York und litten genauso unter
dem furchtbaren Angriff von Longstreets Korps. Ihre Verluste beliefen
sich auf 133 Gefallene und Verwundete. Nach
der Schlacht am Antietam wurden die „National Zouaves” vom
V. zum II. Korps verlegt, mit dem sie am hoffnungslosen Angriff auf
die Marye's Heights bei Fredericksburg teilnahmen. Als die zweijährige
Dienstzeit des Regiments abgelaufen war, wurden jene Zuaven, die sich
länger verpflichtet hatten, in einem vier Kompanien starken Veteranenbataillon
zusammengefasst, das bis Kriegsende kämpfte. 1864 übernahmen
die Männer die reguläre Infanterieuniform, einige trugen aber
bis zum Schluss den roten Fez oder die braune Jacke.
11th
New York-Freiwilligenregiment
Zu
Beginn des Jahres 1861 erhielt Elmer E. Ellsworth, der die Zuaven in
den USA populär gemacht hatte, den Rang eines Leutnants in der
regulären Armee. Kurz nach der Beschießung von Fort Sumter
im Hafen von Charleston verzichtete er jedoch auf sein Offizierspatent.
Ellsworth eilte mit der Vorstellung nach New York, dass sein Heimatstaat
die erste Zuaveneinheit für den Krieg ausrüsten sollte. Die Uniform bestand aus hellgrauen Jacken mit dunkelblauen Aufschlägen und hellgrauen Hosen. Das rote Käppi mit blauer Einfassung trug die Messingziffern „1 FZ”, die für „Ist Fire Zouaves” standen. Am 7. Mai 1861 trafen die „1st Fire Zouaves” in Washington ein. Viele der Männer hatten sich den Kopf rasieren oder patriotische Embleme wie Adler in die Stoppeln des Hinterkopfes schneiden lassen. Offenbar ging diese recht radikale Haartracht auf die französischen Zuaven zurück, die für ihre kahl geschorenen Köpfe bekannt waren. Vierzehn Tage später verließ das Regiment die Hauptstadt und rückte in Virginia ein, wo Oberst Ellsworths Zuaven sich an der Besetzung von Alexandria beteiligten, eine zuvor von den Konföderierten gehaltene Stadt.
Die Ermordung von Colonel Elmer E. Ellsworth am 24. Mai 1861 in Alexandria.
Als Ellsworth von einer Schenke eine Fahne der Südstaaten hängen sah, lief er in das Gebäude, eilte die Stufen hinauf und riss die Flagge herunter. Einige Augenblicke danach wurde Ellsworth von James Jackson, dem Eigentümer der Gaststätte, erschossen. Korporal Francis E. Brownell, der Ellsworth in das Gebäude gefolgt war, schoss Jackson sofort nieder. Die „1st Fire Zouaves” drohten Alexandria in ein Flammenmeer zu verwandeln und konnten nur mit Mühe von ihrem Vorhaben abgehalten werden. In Washington löste die Nachricht von Ellsworths Tod große Bestürzung aus, und Hunderte von Trauergästen schritten an seinem Sarg vorbei. Lieder wurden zu seinem Andenken verfasst, und rasch wurde Ellsworth ein Märtyrer der Unionssache. Korporal Brownell erhielt ein Leutnantspatent in der regulären Armee und wurde später mit der Ehrenmedaille des Kongresses ausgezeichnet.
Die 1. Virginia-Kavallerie unter dem Kommando von Oberst J.E.B. Stuart sah das Durcheinander und griff die „1st Fire Zouaves” an. Die Zuaven aus New York bemerkten die konföderierten Reiter erst, als diese schon fast heran waren. Erneut flüchteten sie, doch Stuarts Kavalleristen richteten nur wenig Schaden an. Einige der Angreifer wurden sogar durch Bajonettstöße aus dem Sattel geworfen. Oberst Farnham schien sich zunächst von seiner Verwundung zu erholen, erlag aber am 14. August seiner Verletzung. Als unerfahrene Truppe schlugen sich die „1st Fire Zouaves” nicht besser oder schlechter als viele andere Regimenter der Union am Bull Run, und hätte Ellsworth sie kommandiert, wäre vielleicht vieles anders gelaufen. Oberst
Orlando B. Willcox vom 1. Michigan-Regiment schrieb über sie:
44th New York-Freiwilligenregiment (Ellsworth's Avengers) Nach
dem Tod von Oberst Ellsworth erfolgte die Gründung einer „Ellsworth-Gesellschaft”,
die es sich zum Ziel setzte, ein Regiment aufzustellen, um den Namen
des ersten Kommandeurs der „1st Fire Zouaves” zu ehren.
Die Gesellschaft stellte sich vor, dass jede Stadt und jeder Stadtbezirk
im Bundesstaat New York Rekruten und Gelder zur Verfügung stellen
sollten. Rasch fanden sich genügend Freiwillige, die die geforderten
Voraussetzungen erfüllten, und traten in das 44. New Yorker Regiment
ein, das unter der Bezeichnung „Ellsworth's Avengers” bekannt
werden sollte. Bald
wurde das Regiment den Erwartungen der „Ellsworth-Gesellschaft”
gerecht und beteiligte sich oft an schweren Gefechten. Zunächst
diente die Truppe in Brigadegeneral Daniel Butterfields Brigade und
wurde später Oberst Strong Vincents Brigade zugeteilt. Bei Malvern
Hill (l. Juli 1862) führte das Regiment einen energischen Bajonettangriff
aus, den Oberstleutnant James C. Rice schilderte: Vom Beginn seiner Aufstellung bis zur Schlacht von Fredericksburg verlor das 44. New York-Freiwilligenregiment zwölf Fahnenträger. Eine zerfetzte Fahne, die Mitte Dezember 1862 zurückgeschickt wurde, wies 84 Kugellöcher auf und hatte zusätzlich durch Granaten einigen Schaden genommen. Zweimal hatten Musketenkugeln in die Fahnenstange Kerben geschlagen.
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