Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Dietmar KÜGLER •Die Armee der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865•
sowie Veröffentlichungen des Center of Military History der U. S. Army, der Kongreßbibliothek,
des US Nationalarchivs, des Signal Corps der U. S. Army und der Signal Corps Association
sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der U. S. Army



Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

 

Fernmeldetruppen imBürgerkrieg

 

 

Schon vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs machte man sich im amerikanischen Heer Gedanken darüber, wie man Meldungen und Befehle über größere Entfernungen hinweg übermitteln könnte, denn es war vorauszusehen, daß die Heere immer größer und die Entfernungen auf dem Schlachtfeld und den Kriegsschauplätzen immer weiter würden.

Ein Kommandeur war nun nicht mehr in der Lage, seine Truppen mit seiner Stimme oder Meldereitern zu führen. Trommelwirbel und Hornsignale blieben zwar für das engere Schlachtfeld in Gebrauch, doch auf weitere Entfernungen gab es Kommunikationslücken. Hier hinkte das amerikanische Heer einigen europäischen Heeren hinterher, aber bei der Einführung neuer Technologien taten sich die älteren Generale in allen Heeren schon immer schwer.

Natürlich gab es damals schon seit 20 Jahren im zivilen Bereich den elektromagnetischen Telegrafen von Samuel Morse, doch dieser hätte erst den militärischen Bedürfnissen angepaßt werden müssen. So entschied sich das amerikanische Kriegsministerium zunächst für ein System optischer Signale.

 

Die Nachrichtentruppe (Signal Corps) der US-Armee

 

Als Gründer des Signal Corps gilt Albert J. Myer (auch Meyer), der als ziviler Vertragsarzt von 1854 – 1857 im amerikanischen Heer in Texas gedient hatte. In dieser Zeit entwickelte er ein einfaches, leicht zu erlernendes Winkeralphabet, das im Gegensatz zu anderen Systemen nur mit einer Fahne auskam.
Nach seiner Rückkehr in den Osten erfuhr er von einem Ausschuß des Kriegsministeriums, der sich mit Plänen für ein Signalsystem befaßte. Er bewarb sich sofort und erhielt die Genehmigung, unter der Leitung des Kriegsministeriums sein System zusammen mit Oberleutnant Walworth Jenkins, 1. US-Artillerieregiment, und dem Pionier-Leutnant Edward P. Alexander zu testen und zu vervollkommnen.
Da die Versuche sehr erfolgreich verliefen, wurde Albert Myer im Juni 1860 mit dem Rang eines Majors der Kavallerie als Nachrichtenoffizier (Signal Officer) in die Armee übernommen. Sein System wurde während der Navajo-Strafexpedition 1860 - 1861 erstmals in der Truppe eingesetzt.
Im Mai 1861 erhielt er den Auftrag, unter seinem Kommando eine Nachrichtentruppe aufzustellen. Neben einigen Ausbildungslagern, gründete er die erste „Nachrichtenschule“ in Fort Monroe, Virginia. Ein größeres Ausbildungslager befand sich aber in Red Hill, Georgetown, D.C. Hier wurden zunächst 18 Offiziere und 45 Unteroffiziere und Mannschaften ausgebildet, die von den anderen Waffengattungen (Infanterie, Kavallerie und Artillerie) abkommandiert waren.

Das Ausbildungslager in Georgetown, D.C.

Am 15. Juni 1861 fand der erste Kriegseinsatz statt, als Nachrichtenoffiziere, darunter auch Major Myer, mit Winksignalen das Geschützfeuer auf die konföderierten Befestigungswerke von Sewell’ Point südlich der Hampton Roads in Virginia leiteten. Nach und nach erkannten die Kommandeure, wie wertvoll der Einsatz dieser Nachrichtentruppe war, und so bestand die Truppe im Januar 1862 bereits aus 105 Offizieren und 212 Unteroffizieren und Mannschaften.
Nachdem Major Myer ab 5. November seinen Sitz im Amt des Leitenden Nachrichtenoffiziers in Washington, D.C., hatte, konnte er sich schließlich 1863 im Kriegsministerium durchsetzen. Am 3. März 1863 stimmte der Kongreß einer regulären Nachrichtentruppe (Signal Corps) für die Dauer des Krieges zu, zu deren Kommandeur Oberst Myer ernannt wurde.

 

 

Das Winksystem (Wig-Wag)


Das von Major Myer eingeführte Winkeralphabet war recht einfach und relativ leicht zu erlernen und erforderte nur wenige Ausrüstungsgegenstände.
Das zu Beginn des Krieges eingeführte System soll hier kurz erläutert werden:

 



Jeder Buchstabe des Alphabets entsprach einer Zahlenkombination der Ziffern 1 – 3, die durch die Bewegungsrichtung der Fahne zu erkennen waren.

 

Buchstabenkombinationen:

A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
11
1221
212
111
21
1112
1122
221
2
2211
1212
112
2112
22
12
 P
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
&
tion
ing
ed
2121 
2122
122
121
1
221
2111
2212
1211
222
1111
2222
2221
1121
1222


Zahlenkombinationen:

1
2
3
4
5
6
7
8
9
0
12221
21112
11211
11121
11112
21111
22111
22221
22122
11111

 

Die Zahlen stellten außerdem einen Kode dar, so bedeutete:

 1Kurz warten  6Sende schneller
 2Bist du bereit ?  7Verstanden ?
 3Ich bin bereit  8Benutze weiße Fahne
 4Benutze kurzen Stock und kleine Fahne  9Benutze schwarze Fahne
 5Benutze langen Stock und große Fahne  0 Benutze rote Fahne

 

Eine Meldung begann mit einem kurzen, aber ständigen Schwenken der Fahne, das die Aufmerksamkeit der Gegenstation auf sich ziehen sollte. Dann begann das Buchstabieren. Nach jedem Buchstaben wurde die Fahne wieder in die 1. Position gebracht. Das Ende eines Wortes wurde mit einer „3“ (Schwenken nach vorn) angezeigt, das Ende eines Satzes mit „33“ und das Ende der Meldung mit „333“.

 

Um das Übermitteln zu beschleunigen, führte man noch zusätzlich eine ganze Anzahl von Abkürzungen ein, z.B.:

 

A  after (nach)
AQ  all quiet (alles ruhig)
Eny  enemy (Feind)
FLL  ire little to the left of last shot (Feuer etwas mehr links als der letzte Schuß)
Yest  yesterday (gestern)


Bei guten Wetterbedingungen konnte man die Fahnen (mit dem Fernglas) auf eine Entfernung von 16 – 24 km noch gut sehen,
die Übertragungsrate war durchschnittlich 3 Worte pro Minute.


 

Während der Nacht benutzte man Fackeln oder Laternen, die nach dem gleichen Schema geschwenkt wurden.

 

 

 

Übermittlung einer Meldung mit Fackeln während der Nacht

 

 

 

 

Da der ehemalige Mitarbeiter von Major Myer, der bereits erwähnte Pionier-Leutnant Edward P. Alexander bei Kriegsausbruch in die konföderierte Armee übertrat, war das System natürlich dem Feind bekannt. Deshalb war es notwendig, Meldungen von besonderer Bedeutung immer zu verschlüsseln.
Dazu benutzte man zwei übereinanderliegende Scheiben, die drehbar waren und die gleiche Anordnung von Buchstaben und Zahlen hatten. Sende- und Empfangsstation stellten die Scheiben auf die gleiche Weise ein, und so waren die Buchstaben und Zahlen verschoben.

Diese Art der Verschlüsselung war zwar noch recht einfach und konnte leicht „geknackt“ werden, doch die Zeit, die man dafür brauchte, war lange genug, um die Meldung für den Feind uninteressant zu machen; sie war dann nämlich schon veraltet. Zur Täuschung wurden aber auch „Falschmeldungen“ abgesetzt, die den Feind täuschen und ablenken sollten.


Die Ausrüstung eines Nachrichtentrupps bestand aus einer tragbaren, wasserfesten Rolle, in der alle benötigten Gegenstände platzsparend gepackt werden konnten. Dazu kam eine Kanne mit Terpentin und Signallaternen.


 

1 = Gepackte Tragerolle

2 = Fahnenstöcke (je 1,2 m lang, zusammensteckbar)

3 = Kanne mit 5 Gallonen (33 Ltr) Terpentin

4 = Behälter mit 1 Gallone (4,5 Ltr) Terpentin oder einer anderen brennbaren Flüssigkeit

5 = Tasche für Zubehör

6 = Fackeln mit Zubehör

 

Zur Ausrüstung des Nachrichtenoffiziers gehörte zusätzlich auch ein Fernrohr.

 

 

 


Signalfahnen

 

Während des Tages benutzte man eine weiße Fahne mit einem roten Quadrat, bei schlechter Sicht (Dämmerung, Nebel oder auf Gewässern) eine rote Fahne mit einem weißen Quadrat. Daneben war noch eine schwarze Fahne mit einem weißen Quadrat in Gebrauch, die bei Schnee oder sehr hellem Hintergrund benutzt wurde. Die Fahnen waren gewöhnlich in zwei Sätzen in den Größen 4,6 x 4,6 Fuß (1,4 x 1,4 m) und 2 x 2 Fuß (61 x 61 cm) vorhanden.

Spielten die Sichtverhältnisse keine Rolle so konnten von einer Stelle aus zwei Soldaten gleichzeitig mit unterschiedlichen Fahnen (z.B. eine rot, die andere weiß) Meldungen an zwei verschiedene Signalstationen senden, ohne daß diese verwechselt werden konnten.


Im März 1862 erlaubte ein Allgemeiner Befehl (general order) denjenigen Nachrichtenoffizieren, die in Gefechtsberichten lobend erwähnt wurden, eine eigene Fahne zu führen, die anstelle des Quadrats einen Stern hatte. In den Zacken durften die Gefechtsorte vermerkt sein.

 

 


Signalstationen

Als Signalstation wählte man zumeist Geländeerhebungen, Dächer oder Kirchentürme aus. Waren diese nicht vorhanden, mußten erhöhte Plattformen und Türme (vor allem bei festen Nachrichtenverbindungen) errichtet werden.

Bei den Stationen unterschied man Beobachtungs- und Meldestationen, die in einem bestimmten Gelände den Feind beobachteten und dessen Bewegungen meldeten sowie Stationen, die nur der Übermittlung von Meldungen und Befehlen dienten.

Signalstation auf dem Elk Mountain während des Antietam-Feldzugs von 1862                                    

 

 

Die Leuchtpatronen (Coston Flares)

 

Da die Laternen und Fackeln keine allzu große Reichweite hatten, entschlossen sich die Army und Navy, die von Martha Coston nach einem von ihr verbesserten Patent ihres verstorbenen Mannes hergestellten Leuchtpatronen einzuführen. Sie wurden mit einer speziellen Signalpistole verschossen und entwickelten ein helles, farbiges Licht, das weit zu sehen war.

Das Prinzip war ähnlich dem der Fahnen. So entsprach z.B. die Farbe Rot der „1“, Weiß der „2“ und Grün der „3“. Die Buchstaben wurden durch bestimmte Zahlenfolgen wie beim Winkeralphabet ausgedrückt. Zusätzlich gab es noch unterschiedliche Farbkombinationen, denen man zahlreiche bestimmte Bedeutungen geben konnte. Die Patrone „P“ war das Anrufsignal, die Patrone „A“ das Antwortsignal.

 

 

11
  Feind vor uns
31
  Über unsere Köpfe feuern
12
  Feind links von uns
32
  Feuer einstellen
13
  Feind rechts von uns
111
  Artillerie schießt zu kurz
21
  Brauchen links Verstärkung
112
  Artillerie schießt zu weit
22
  Brauchen links Verstärkung
usw.
  usw.

      

     Munitionskiste mit Leuchtpatronen                                                                                                                                                                                                                            Signalpistolen

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Signalraketen

 

Während des Krieges experimentierte man auch mit farbigen Signalraketen, mit und ohne Fallschirm. Dabei gab es zwei Methoden. Die eine funktionierte wie die der Leuchtpatronen, wobei den Farben wieder Zahlen zugewiesen wurden. Auf weitere Entfernungen konnte man aber die Farben nicht mehr so richtig erkennen.

So kam man auf die Idee, die Zeitabstände zwischen den Raketenabschüssen als Ziffern zu interpretieren, z.B.

  5 Sekunden Abstand = „1“
10 Sekunden Abstand = „2“
15 Sekunden Abstand = „3“, usw.

Die unterschiedliche Zündung erfolgte durch verschieden lange Zündschnüre. Die nachfolgende Grafik zeigt das sogenannte chronosemische Schema

 

 

Die im Beispiel gezeigte Zahl „135“ konnte einen Buchstaben oder einen Code bedeuten.
Da immer mit Zündversagern gerechnet werden mußte, hatte man stets eine Rakete in Reserve, die sofort gezündet werden konnte.

 

Der Beardslee-Telegraf

 

Doch Myer war auch ein weitsichtiger Mann, der die Nachteile seines Systems kannte, das eine Sichtlinie auf mehrere Kilometer voraussetze. Während seines Medizinstudiums hatte er in einem Telegrafenbüro gearbeitet und sich mit dieser Technik vertraut gemacht.

Als der Beardslee-Telegraf - er glich verdächtig dem Zeigertelegrafen von Siemens & Halske - auf den Markt kam, war Myer sofort begeistert und führte das Gerät ab September 1861 in der Truppe ein.
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Telegrafiegeräten brauchte dieser keine Batterien, sondern arbeitete mit Magneten, die für den nötigen Strom sorgten.
Außerdem war er leicht zu bedienen, denn das umständliche Erlernen des Morse-Kodes (Geben und Hören) entfiel.
Theoretisch brauchte der Bediener nur den an einer Scheibe angebrachten Hebel drehen bis ein Zeiger auf den gewünschten Buchstaben zeigte.
Das so veränderte Magnetfeld wurde mit einem Kabel an die Gegenstelle übertragen, wo sich der Zeiger dann auf den ausgewählten Buchstaben drehte.

                                

                         Der Beardslee-Telegraf  

 

 

 

Das Bedienfeld >>

 

 

 

 

 


Aus seiner Arztzeit kannte Myer die Ambulanzwagen, und so entwickelte er einen „Telegrafiezug“ (Telegraph Train). Hierbei handelte es sich um einen pferdebespannten Wagen, in dem alle benötigten Geräte, Kabel (8 km), Stangen und Ersatzteile untergebracht und transportiert werden konnten. Da dieser Wagen sehr schnell auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden konnte, nannte man Besatzung und Wagen bald „fliegender Telegraf“ (Flying Telegraph).

 

Ein Telegrafietrupp des Signal Corps beim Aufbau einer Verbindung, im Hintergrund ihr Fahrzeug.

 

So einfach, wie gehofft, war aber die Bedienung des Geräts doch nicht, denn es war noch nicht ausgereift und mußte häufig instandgesetzt werden.

Geübte Telegrafisten konnten außerdem mit einem Morseapparat wesentlich schneller senden und empfangen.

Als nachteilig erwies sich auch die geringe Reichweite von nur 8 – 13 Kilometern.
Auch die Vernetzung erwies sich als Schwierig.

Manche betrachteten den Beardslee-Telegrafen deshalb als teure Fehlentwicklung.

 


Oberst Myer hatte diese Nachteile erkannt und beabsichtigte, diese Telegrafiegeräte im August 1863 durch Morseapparate zu ersetzen. Zunächst wollte er aber das „U.S. Military Telegraph Corps“ (siehe weiter unten) in das Signal Corps zu integrieren, denn in seiner Tätigkeitsbeschreibung als Chief Signal Officer stand, daß er „für alle Angelegenheiten des Nachrichtenwesen und der dazugehörigen Geräte verantwortlich ist“.
Als er diese Forderung, die kommerzielle Interessen berührte, an das Kriegsministerium richtete, fiel er endgültig beim Kriegsminister in Ungnade, war er doch kein Absolvent der Militärakademie, sondern ein ehemaliger Zivilist – und dazu noch Mediziner.
So wurde er am 10. November 1863 seines Amtes enthoben und “in die Wüste geschickt”, d.h. er erhielt einen Posten in der Military Division of the West Mississippi in Memphis, Tennessee.
Da der Kongreß seinen Dienstvertrag nicht verlängerte, wurde Oberst Myer am 21. Juli 1864 aus der Armee entlassen. Als 1866 das Signal Corps endgültig als Truppengattung eingeführt wurde, holte man ihn am 21. August 1867 wieder als Oberst und Chief Signal Officer in die Nachrichtentruppe, die er bis zu seinem Tod am 24. August 1880 führte, zuletzt als Brigadegeneral.

Am 15. November 1863 übernahm Major William Nicodemus

den Posten des Chief Signal Officers. Auch er war, wie sein Vorgänger, ein Idealist und setzte sich sehr für seine Truppe ein. Ständig wurde er beim Kriegminister vorstellig, um dafür zu sorgen, daß seine Soldaten rechtzeitig befördert oder ihre Leistungen anderweitig belohnt wurden.
Zu seinem Leidwesen mußte er sämtliches Material, das mit Telegrafie zusammenhing, an das Military Telegraph Corps abgeben und damit den telegrafischen Dienst einstellen.


Nach der Anschaffung einer Druckerpresse war er in der Lage, Befehle, Rundschreiben und Briefe an seine Offiziere im Feld zu verteilen. Im Dezember 1864 druckte er ohne vorherige Genehmigung des Kriegministers seinen Jahresbericht, in dem er die Militärakademie wegen ihrer Haltung zur Nachrichtentruppe kritisierte und erneut verlangte, daß die Telegraphentruppe in das Signal Corps überführt werden sollte. Damit löste er ungewollt eine „Blitzaktion“ des Kriegsministeriums aus, die ihn zunächst „um Kopf und Kragen“ brachte.

 

Als nämlich der (umstrittene) Kriegsminister Edwin M. Stanton, der für sein Temperament bekannt war, von diesem Bericht erfuhr, ließ er umgehend eine Abteilung Soldaten zum Dienstsitz des Signal Corps marschieren, die das Amt besetzten und die Druckerpresse sowie den Originalentwurf und gedruckte Exemplare des Berichts beschlagnahmten. Auf Befehl des Kriegsministers wurde der inzwischen zum Oberstleutnant beförderte Nicodemus, dem man noch andere Dienstvergehen vorwarf, am 26. Dezember 1864 aus dem militärischen Dienst entlassen.

Er heiratete am nächsten Tag und zog sich ins Privatleben zurück, das nicht lange dauerte, denn am 31. März 1865 wurde er auf Anordnung des Präsidenten der Vereinigten Staaten wieder als Oberstleutnant in die Armee übernommen und erhielt seinen alten Posten.
Als die Nachrichtentruppe nach Kriegsende aufgelöst wurde, erhielt er einen ehrenvollen Abschied und trat als Hauptmann wieder in sein altes Infanterieregiment ein.

 

 

Die Gliederung und Uniformierung des Signal Corps

Im ersten Jahr des Krieges waren die wenigen Offiziere und Soldaten sehr unterschiedlich auf die Verbände verteilt worden. Nach der offiziellen Indienststellung der Nachrichtentruppe (Signal Corps) am 3. März 1863 galt folgendes Organisationsschema:

Im Stab einer Armee (zwei oder mehr Korps) befanden sich:

- 1 Hauptmann als Leitender Nachrichtenoffizier (Chief Signal Officer) der Armee
- 1 Leutnant als Adjutant des Hauptmanns
- 1 Leutnant (Nachschub- und Versorgungsoffizier sowie Waffenoffizier)
- 3 Feldwebel (m Stabsdienst)
- 2 Unteroffiziere (verantwortlich für das Gerätedepot und den Nachschub
- 4 Obergefreite (für das Gerätedepot und die Instandsetzung)
- 3 Gefreite pro Korps (zur Bewachung und Begleitung des Depots auf dem Marsch)


In jedem Korps befand sich eine Nachrichtenabteilung in Stärke von:

- 1 Hauptmann als Leitender Nachrichtenoffizier (Chief Signal Officer) des Korps
- 2 Leutnante pro Division
- 1 Feldwebel (Stabsdienst)
- 1 Feldwebel (als Nachschub- und Versorgungsfeldwebel)
- 5 Unteroffiziere
- 10 Obergefreite
- 34 Gefreite

 

 

Gegen Ende des Krieges hatte die Nachrichtentruppe eine Stärke von etwa 300 Offizieren und 2500 Unteroffiziere und Mannschaften.

Da in den ersten Kriegsjahren die Soldaten der Nachrichtentruppe von anderen Waffengattungen (Infanterie, Kavallerie und Artillerie) abkommandiert worden waren, behielten sie zunächst ihre Uniformen. Nach der offiziellen Bildung des Corps trugen die Unteroffiziere und Mannschaften dann die Uniform der Kavallerie mit gelben Dienstgradabzeichen und Hosenbiesen.

Major Nicodemus beantragte am 22. Juli 1864 eine eigene Uniform für das Signal Corps, doch dies wurde abgelehnt, aber ein eigenes Abzeichen genehmigt – die gekreuzten Fahnen für Ärmel und Kopfbedeckungen.

Dieses Abzeichen sollte als Stoffabzeichen von Unteroffizieren und Mannschaften ursprünglich nur auf dem linken Oberärmel getragen werden, doch bürgerte sich bald eine (inoffiziell geduldete) Trageweise auf beiden Ärmeln ein.


Mützenabzeichen

Offiziere trugen ebenfalls die Uniform ihrer ehemaligen Waffengattung oder die Uniform der Offiziere im Stabsdienst.

 


Die Unteroffiziere und Mannschaften waren zumeist mit dem Spencer Repetiergewehr ausgerüstet.

 

 


Die Militärische Telegrafietruppe
(U.S. Military Telegraph Corps) der Union

Nach der Erfindung des Telegrafenapparats von Samuel Morse (1844) breitete sich relativ schnell ein Netz von Telegrafenstationen über das ganze Land aus. Es entstanden Telegrafiegesellschaften, Nachrichtenagenturen und nicht zuletzt die Fernmeldenetze der privaten Eisenbahngesellschaften.

Schon bald nach Ausbruch der Feindseligkeiten erkannte man im Kriegsministerium die große Bedeutung der Telegrafie. So blieb es nicht aus, daß am 1. Mai 1861 die privaten Telegrafenbetreiber in den Nordstaaten - eigentlich nicht ganz rechtmäßig - der Kontrolle des Kriegsministeriums unterstellt und im U.S. Military Telegraph Corps (USMTC) (Militärische Telegrafietruppe) zusammengefaßt wurden. Doch, da damit ganz gut Geld zu verdienen war, sträubte sich keine der Gesellschaften.
Erst mit dem „Train and Telegraph Act“ (Eisenbahn- und Telegrafiegesetz) vom 4. Februar 1862 wurde dazu eine rechtliche Grundlage geschaffen.

Wie bereits geschildert, wollten die Leitenden Nachrichtenoffiziere der militärischen Nachrichtentruppe (Signal Corps) immer eine Verschmelzung der beiden Fernmeldedienste, doch dies scheiterte grundsätzlich an den unterschiedlichen (finanziellen) Interessen, die auch im Krieg eine große Rolle spielten. Wer - auch im Kriegsministerium - hatte welche Aktien? Als Beispiel sei hier nur das Rechnungsjahr 1865 genannt. In diesem Jahr hatte die Militärische Telegrafietruppe (USMTC) etwa 6, 5 Millionen Meldungen übermittelt, die die Regierung 2,65 Mill. $ kostete. Im Vergleich dazu beliefen sich die Kosten der militärischen Nachrichtentruppe (Signal Corps) im gleichen Zeitraum auf 1,59 Mill. $.

 

Feldtelegrafenstation mit Batteriewagen eines Telegrafentrupps
des Hauptquartiers der Army of the Potomac

 

Das Büro der USMTC wurde unter Leitung von Oberst Anson Stager dem Quartermaster’s Department (Quartiermeisterabteilung) im Kriegsministerium unterstellt, war aber nur dem Kriegsminister gegenüber verantwortlich. Den einzelnen Telegrafietrupps, die aus Zivilisten bestanden, wurde ein Offizier zugeteilt, der ebenfalls nur dem Kriegsministerium unterstand. Dies führte auf dem Gefechtsfeld häufig zu Reibereien mit den örtlichen Kommandeuren, die keine Befehlsgewalt über diese Trupps hatten und sie deshalb auch nicht ihren Bedürfnissen entsprechend einsetzen konnten. Sie kannten nicht einmal das komplizierte Verschlüsselungssystem für die Meldungen, dieses wurde vom Personal streng geheim gehalten.

Die Zusammenarbeit mit der Truppe bestand nur in der Übermittlung und – eine wichtige Aufgabe – der Ver- und Entschlüsselung von Meldungen für die Kommandeure der Verbände, während die Truppe die Verpflegung bereitstellte sowie beim Bau, der Instandsetzung und bei der Bewachung der Leitungen Unterstützung gewährleistete. Das Leben im Felde brachte es aber mit sich, daß sich die Soldaten des Signal Corps der Armee und ihre hervorragend ausgebildeten zivilen „Kameraden“ recht gut verstanden, Schwierigkeiten gab es nur auf höherer Ebene.

 

Ein Telegrafenbautrupp bei der Arbeit

 

Die Fernmeldeverbindungen dieser Telegrafietruppe wurden hauptsächlich für administrative, logistische und strategische Zwecke benutzt. Über das im Kriegsministerium eingerichtete Nachrichtenbüro konnte der Präsident der Vereinigten Staaten täglich mit seinen kommandierenden Generalen in Verbindung treten und einen guten Nachrichtenaustausch aufrechterhalten.

 

Feldtelegrafenstation

 

Zur Übermittlung wurden akustische und Schreibtelegrafen verwendet, die zwar einen großen Aufwand an Leitungen erforderten, dafür aber auch eine große Reichweite hatten. Zwischen dem 1. Mai 1861 und 30. Juni 1866 wurden etwa 24.761 km Leitungen neu verlegt.

 

 

 

Geber (Morsetaste) und Empfänger eines akustischen Telegrafen

                                                                                                                   

                                                                  

 

                                                                                                                                                                                                                                                                        Schreibtelegraf




 

 

 

 

 

 

 

Außer den sie begleitenden Offizieren, die die Uniformen der Offiziere des Stabsdienstes trugen, hatten die Telegrafisten ihre Zivilkleidung an. Um von den Konföderieren nicht für Spione gehalten zu werden, beschloß man ab 1864, ihnen himmelblaue Jacken und Hosen (mit silbernen Biesen) sowie Mützen mit silbernem Kinnriemen zur Verfügung zu stellen.

Nach Beendigung der Bürgerkrieges wurde die Militärische Telegrafentruppe aufgelöst. Da man sie als „Zivilisten“ betrachtete, mußten die in dem Kämpfen verwundeten und zu Behinderten gewordenen ehemaligen Angehörigen sehr lange um eine kleine Pension kämpfen.


 

Die Nachrichtentruppe (Signal Corps)
der Konföderierten


Auch im Süden hatte man die Bedeutung einer schnellen Nachrichtenübermittlung erkannt, doch ging man hier zunächst zwei unterschiedliche Wege.

Im Stab des Peninsular-Kommandos von General John B. Magruder diente Hauptmann William Norris, ein wissenschaftlich gebildeter Mann mit einigen seemännischen Kenntnissen. Er machte den General darauf aufmerksam, daß es sinnvoll wäre, mit einem System aus Signalen sein Hauptquartier, seine Außenposten und die Stadt Norfolk zu verbinden. Magruder machte daraufhin Norris zu seinem Nachrichtenoffizier und stattete ihn mit den nötigen Befugnissen aus.

Hauptmann Norris griff auf ein Signalsystem zurück, das er in der Seefahrt kennengelernt hatte. An einem Masten wurden verschiedenfarbige Fahnen und Bälle in unterschiedlichen Kombination hochgezogen, die in ein paar handkolorierten Signalbüchern erläutert waren. Von Zeit zu Zeit wurden die Symbole verbessert und, wenn nötig, erweitert.

Einen anderen Weg schlug man im Stab von General P.G.T. Beauregard ein. Als sich der Süden abspaltete, hatte der Pionier-Leutnant Edward Porter Alexander, der ehemalige Mitarbeiter von Major Dr. Myer, seinen Dienst quittiert und war in die Armee des Südens eingetreten. Er meldete sich am 1. Juni 1861 in Richmond und traf dort mit dem Präsidenten Jefferson Davis zusammen, der seine Experimente auf dem Gebiet der Nachrichtenübermittlung kannte. So wurde Alexander als Hauptmann der Pioniertruppe in den Stab von General P.G.T. Beauregard versetzt, um dort eine Nachrichtentruppe aufzustellen. Da er Myers Winksystem kannte, dauerte es nicht lange, bis er einige andere Offiziere ausgebildet hatte und Nachrichtentrupps einsetzen konnte.

E. P. Alexander, hier als General der Artillerie

Alexander erhielt außerdem den Auftrag, einen Geheimdienst (Feindaufklärung) aufzustellen, denn die Konföderierten brauchten dringend Informationen über die Stärke und die Truppenbewegungen der Unionsarmee. Er heuerte einige Leute an, darunter auch Frauen, bildete sie in der Übermittlung von Nachrichten aus und schuf so hinter den feindlichen Linien ein System von Spionen.
Alle diese Truppen unterstanden zunächst der Pioniertruppe (Engineer Corps), doch bewährten sie sich auf den Kriegsschauplätzen so gut, daß der Kongreß der Konföderierten am 19. April 1862 beschloß, eine eigenständige Waffengattung, die Nachrichtentruppe (Signal Corps), zu schaffen.
Mit Allgemeinem Befehl Nr. 40 vom 29. Mai 1882 wurde in Richmond ein Nachrichtenbüro (Signal Bureau) eingerichtet, das dem Adjutant and Inspector-General's Department unterstand. Da Hauptmann Alexander inzwischen zur Artillerie versetzt worden war und im Laufe des Krieges im Alter von 28 Jahren zum Brigadegeneral befördert wurde, übernahm Major William Norris den Posten eines Inspekteurs der Nachrichtentruppe. Im Gegensatz zum Norden waren ihm auch die zivilen Telegrafendienste unterstellt.

Im wesentlichen waren es im Süden vier große Telegrafengesellschaften, die die Kommunikation zwischen den konföderierten Staaten aufrecht erhielten:

Die Southern Telegraph Company
Die South-Western Telegraph Company
Die Arkansas State Telegraph Company
Die Texas Telegraph Company

Letztere Gesellschaft arbeitete relativ isoliert von den anderen und hatte fast keine Verbindungen zu weiten Teilen des Gebietes der Konföderation.
Bereits im Mai 1861 war das Telegrafenwesen der Regierung unterstellt worden. Präsident Davis ernannte Postminister Reagan zum Superintendenten der Telegrafie.
Dieser delegierte seine Aufgabe an William S. Norris, den Direktor der Southern Telegraph Company, der ein Jahr später zum Inspekteur der Nachrichtentruppe
(Signal Corps) ernannt wurde. Damit begannen jedoch ähnliche Kompetenzstreitigkeiten wie im Bereich des Eisenbahnwesens, zumal die Regierung für den
Telegrafendienst an die Gesellschaften bezahlen mußte und Norris natürlich alles tat, um in erster Linie seiner eigenen Gesellschaft zu nutzen.

 


Ein Telegrafiegerät mit Zubehör der Konföderierten.
Bei den Messingscheiben handelt es sich um Verschlüsselungsscheiben.



Mit dem stetigen Vordringen der Nordstaatentruppen wurde das Telegrafennetz mehr und mehr durchlöchert. Die Zerstörungen, die die blauuniformierten Soldaten anrichteten, konnten nicht mehr beseitigt werden. Das Material wurde knapper, und der südliche Telegrafendienst brach schließlich zusammen. Zeitweise gab es 1864 zwischen Mobile und Richmond, der Hauptstadt, keinerlei Telegrafenverbindungen mehr.
Allerdings erkannten ohnehin nur wenige militärische Führer des Südens, die sich der technischen Kriegsführung, die mehr und mehr Platz griff, nicht anpassen wollten oder konnten, den Wert des Telegrafen. General Beauregard war einer dieser wenigen, der die Möglichkeiten der Telegrafie für die Unterrichtung und Steuerung seiner Truppen voll ausschöpfte.
Die Kavallerieführer Forrest und Morgan bedienten sich mit Erfolg des Telegrafen, wobei Morgan es sogar verstand, ihn zur Desinformation der feindlichen Truppen einzusetzen und durch seinen Telegrafisten falsche Nachrichten in das Kommunikationsnetz der Nordstaatentruppen einspeisen ließ.
1864 gelang es einem Telegrafisten General Lees, wochenlang die Nachrichten der Nordstaatler aus dem Hauptquartier General Grants abzuhören und Informationen aufzufangen, die es den Konföderierten ermöglichten, Nachschubtransporte des Feindes zu erbeuten.

Die meisten Offiziere der Konföderierten aber trauten dem Telegrafen nicht und verließen sich lieber auf briefliche Botschaften, berittene Kuriere und die bereits erwähnten Flaggensignale. Dort, wo das Militär die Botendienste selbst unter Kontrolle hatte, funktionierte das System, wenn auch mit großen Zeitverlusten.
Wenn private Postdienste eingeschaltet werden mußten, war die Zuverlässigkeit nur selten gegeben. Wichtige Post ging verloren oder fiel dem Feind in die Hände.
Der konföderierte Postdienst erwies sich als wenig leistungsfähig.
Das Signal Corps der Konföderierten bestand zunächst aus einem Major, zehn Hauptleuten, 20 Oberleutnanten und Leutnanten und 20 Feldwebeln. Die benötigten Mannschaften, etwa 1500 Mann, wurden von den anderen Waffengattung zur Dienstleistung in das Signal Corps abkommandiert. Jede Kavalleriebrigade und Infanteriedivision hatte einen Nachrichtentrupp, der aus einem Leutnant oder Feldwebel und 3 – 5 Mannschaften bestand. Bemerkenswert dabei ist, daß aus dieser Truppe nie ein Mann desertiert oder zum Feind als Verräter von Geheiminformationen übergelaufen ist.
Neben ihren rein militärischen Aufgaben im Heer hatte die Nachrichtentruppe noch eine besondere Aufgabe. Da das Durchkommen von Schiffen als Blockadebrecher für den Süden besonders wichtig war, wurden in Zusammenarbeit mit der Marine an der Küste in der Nähe der Häfen Signalstellen eingerichtet, die den Schiffen bei Tag und Nacht Informationen über die Standorte und Bewegungen der Blockadeschiffe der Union übermittelten. Kam das Signal „Einlaufen“, dann dampften die Blockadebrecher mit höchster Fahrt durch die Blockade.



Die Offiziere trugen die Uniform der Offiziere im Stabsdienst, alle anderen die Uniform der Waffengattung, der sie vorher angehörten. Im Verlauf des Krieges erhielten sie alle die Uniform der Pioniertruppe mit einem besonderen Mützenabzeichen, den gekreuzten Fahnen, die dem Abzeichen des Nordens nachempfunden, aber aus Metall waren. Obwohl selbstgefertigte Ärmelabzeichen nicht in der Anzugordnung vorgesehen waren, wurden diese stillschweigend geduldet.

 

Die nebenstehende Abbildung zeigt ein solches Abzeichen auf einer „Butternut“-Uniform.

 

 

Schlußbemerkung

Die Nachrichtentrupps leisteten auf beiden Seiten einen wertvollen Beitrag im amerikanischen Bürgerkrieg. Der Dienst erforderte nicht nur ein gewisses Maß an Intelligenz, sondern auch viel Tapferkeit. Waren die Soldaten doch immer am höchsten Punkt und für alle gut sichtbar eingesetzt und bildeten damit auch ausgezeichnete Ziele für Scharfschützen und die Artillerie. So erlitt die Nachrichtentruppe überdurchschnittlich hohe Verluste während des Krieges.

 

 

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