Quellennachweis des Textes und der Abbildungen:
Atlas to Accompany the Official Records of the Union and Confederate Armies, 1891 – 1895
sowie Veröffentlichungen der Kongreßbibliothek (Library of Congress)
Die Fotos und Grafiken der Freiwilligenregimenter des Staates New York
werden mit freundlicher Genehmigung des New York State Military Museum veröffentlicht.
Zahlreiche Fahnenabbildungen werden mit freundlicher Genehmigung
der Internetseite FOTC Flags Of The Confederacy veröffentlicht

Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching

 

FLAGGEN, FAHNEN UND STANDARTEN IM BÜRGERKRIEG

Seite - 1 -

 

Die Bedeutung der Fahne

Schon die Heere in der Antike führten bei ihren Kriegszügen zahlreiche Fahnen als Feldzeichen mit. Ursprünglich als Erkennungs- und Richtungszeichen im Kampf benutzt, diente die Fahne auch als Sammelpunkt für die eigene Truppe.

Darüber hinaus entwickelte sich die Fahne als Erkennungszeichen und damit als Führungsmittel für den Feldherrn sowie als starkes Symbol für Standhaftigkeit und Treue. So legt in fast allen Staaten auch heute noch der Soldat seinen militärischen Treueid auf die Fahne ab, und man spricht von Fahnenflucht, wenn er desertiert. So entwickelten sich im Laufe der Zeit in allen Ländern zahlreiche militärische Bräuche um die Fahnen.

Der als Fahnenträger ausgewählte Soldat, meist ein Feldwebel, mußte von besonderer Tapferkeit sein, um im Gefecht die Sicherheit und den Schutz der Fahne zu gewährleisten, die oft schwer umkämpft war. Sie zu verteidigen und zu schützen war oberstes Gebot. Er trug damit einen großen Teil zur Moral und damit Standhaftigkeit der Truppe bei. Ein Regiment hatte für seine Fahnen zwei Fahnenträger mit sieben Unteroffizieren als Fahnenwache (color squad).

Der Verlust der Fahne im Gefecht oder durch den eigenen Kriegsherrn (bei Feigheit) galt für alle Soldaten als große Schande und Entehrung. So wurden Fahnen um den Leib gewickelt oder versteckt, nur um nicht in die Hände des Feindes zu fallen. Bei Siegesparaden mitgeführt, sollten sie die eigene Tapferkeit verdeutlichen und den (geschlagenen) Gegner erniedrigen.



 

 

General George A. Custer

übergibt am 17. Oktober 1864 mit einer feierlichen Zeremonie die von seinen Soldaten erbeuteten konföderierten Fahnen an das Kriegsministerium der Union.

 

 

 

 

Begriffsbestimmungen

Fahne
Unter Fahne wird ein ein- oder mehrfarbiges, leeres oder mit Symbolen oder heraldischen Figuren geschmücktes Stoffstück verstanden, das an einer Stange (Fahnenstange, -stock) einseitig und dauerhaft befestigt ist. Sie wird entweder getragen, geschwenkt oder aufgestellt und stellt als Ganzes ein Feldzeichen, Herrschafts- oder Lehnssymbol dar.

Flagge

Die Flagge ist ein ein- oder mehrfarbiges Stoffstück, das nicht am Flaggstock befestigt ist, sondern an einer Flaggenleine.
Die Flagge wird gezeigt, gedippt, geführt, gehißt, aber nicht getragen wie die Fahne. Es gibt Landes-, Kriegs- und Handelsflaggen sowie Signalflaggen.

Amerikanische Begriffe
Da die englische Sprache diese Unterscheidung nicht kennt und für „Flagge“ sowie „Fahne“ den Begriff „flag“ gebraucht, kann nur der Verwendungszweck zur Unterscheidung dienen.

Die Nationalflagge oder -fahne wird bei allen Waffengattungen als „national color“ bezeichnet. Während bei der Infanterie und Artillerie die Truppenfahne
„regimental color“ genannt wird, heißt sie bei der Kavallerie „standard“. Die Truppenfahne (Doppelstander mit dreieckigem Einschnitt an der Flugseite
= „Schwalbenschwanz“) für Einheiten unterhalb des Bataillons wird „guidon“ genannt. Brigaden benutzten Stander (dreieckige Fahnen),
die als „pennants“ bezeichnet werden.

Fahnen der US Army

Die Führung und das Aussehen der Fahnen war in der regulären U.S. Armee durch die militärische Dienstvorschrift von 1861 geregelt. Im Laufe des Krieges kamen dann noch einzelne Grundsatzbefehle (auch der Armeen) hinzu. Die in den einzelnen Staaten aufgestellten Freiwilligenregimenter hielten sich nicht immer an diese Vorschrift, so daß sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Fahnen hatten.

Nationalflagge

Als Standortflagge (garrison flag) diente die Nationalflagge. Das Flaggentuch hatte die Maße 36 x 20 ft (ca. 10,9 x 6,1 m) und bestand aus 13 roten und weißen waagrechten Streifen als Symbol für die Gründerstaaten. In der blauen Oberecke befanden je nach der Anzahl der Bundesstaaten silberne fünfzackige Sterne.

Die kleinere Sturmflagge (storm flag) hatte eine Größe von 20 x 10 ft (ca. 6,1 x 3,1 m) und die sogenannte Rekrutierflagge (recruiting flag), die bei Anwerbestellen gehißt wurde, maß 9 ft 3 in x 4 ft 4 in. (ca. 2,8 x 1,4 m).

1859 - 1861
1861 - 1863
1863 – 1865


Als 1861 der Bürgerkrieg ausbrach, hatte die Flagge der USA 33 Sterne, die die 33 Bundesstaaten repräsentierten. Obwohl die Südstaaten aus der Union austraten, wurde die Anzahl der Sterne beibehalten, denn die Union betrachtete die Südstaaten nicht als eigenen Nationalstaat, sondern als „Rebellen“ und „Abtrünnige“.

Nach dem Beitritt von Kansas in die Union im Januar 1861, erhielt die Flagge am 4. Juli 1861 den 34. Stern. Als sich 1863 einige Counties (Landkreise) in Virginia abspalteten und der Union als West-Virginia beitraten, wurde die Anzahl der Sterne am 4. Juli 1863 auf 35 erhöht.

Truppenfahnen der Infanterieregimenter

Jedes reguläre Infanterieregiment führte zwei Fahnen. Die erste, oder die Nationalfahne (national color), hatte die gleiche Form wie die Nationalflagge, doch war auf dem mittleren roten Streifen der Regimentsname in Silber eingestickt. Da das Silber im Laufe der Zeit verblaßte, verwendete man später einen goldfarbenen, manchmal auch blauen Namenszug. Die Breite des blauen Feldes und die Anordnung der Sterne war in der Vorschrift nicht geregelt, so daß es dabei große Unterschiede gab.

Da die Regimenter die Fahne bis zur Unbrauchbarkeit führten, konnte man während des Krieges solche mit 33, 34 oder 35 Sternen sehen.

Beispiele:    


v.l.n.r.
Fahne des 4. US Infanterieregiments („4TH REGT US INFANTRY“) mit 33 Sternen
Fahne des 6. Wisconsin Freiwilligenregiments („6TH WISCONSIN VOLS.“) mit 34 Sternen
Fahne des 3. US Infanterieregiments („THIRD US INF.“) mit 33 Sternen in einer Anordnung nach einer populären Variante der Nationalflagge




Viele Regimenter, wie hier das 6th Regiment Wisconsin Veterans Volunteer Infantry Regiment (6th Regt Wis.Vet.Vol.Infantry),
fügten auf den roten Streifen die Orte der Schlachten an, an denen sie teilgenommen hatten.
Hier:
Gainesville. Bulls Run. South Mountain. Antietam. Fredericksburg. Fitzhugh’s Crossing. Chancellorsville. Gettysburg. Mine Run.
und
Wilderness. Spottsylvania. Laurel Hill. North Anna. Cold Harbor. Petersburg. Weldon Railroad.
1st Thatcher’s Run. 2nd Thatcher’s Run.



 

Die zweite, oder Regimentsfahne (regimental color) war blau und hatte in der Mitte das Staats-wappen eingestickt, darunter in einem roten Schriftband den Namen des Regiments.

Reguläre Truppen benutzten meist Fahnen mit dem Wappen aus dem Vertragssiegel (Masi Treaty Seal) der USA, Freiwilligenregimenter häufig das Wappen in der Form, wie es auch an den Kopfbedeckungen zu sehen war.

Es besteht aus einem naturfarbenen amerikanischen Adler (Weißkopfseeadler) mit einem naturfarbenen Ölzweig und einem Bündel von 13 silbernen Pfeilen in den Fängen und einem goldenen Schild mit blauem Schildhaupt und abwechselnd roten und weißen Pfählen (insgesamt 13), im Schnabel ein Spruchband mit der Inschrift „E PLURIBUS UNUM“ (Aus Vielen Eines). Zwischen den Schwingen befindet sich ein blaues Feld mit 13 Sternen, darüber ein Bogen mit weißen Wolken und goldenen Strahlen.

Der Adler blickt auf einigen Fahnen in Richtung Fahnenstange, auf anderen zur Flugseite. Auch bei den Sternen gibt es Unterschiede, so kann man 13 bis 35 Sterne in unterschiedlichen Anordnungen sehen.

Der Ölzweig und die Pfeile stehen für die Macht des Kongresses, sich für Frieden oder Krieg zu entscheiden.


 

Beide Fahnen hatten eine Größe von 6 x 6 ft (ca. 1,8 x 1,8 m) und waren auf beiden Seiten gleich gestaltet.
Der Fransenbesatz war gelb, die Kordel und Quaste weiß-blau.
Der Fahnenstock hatte einschließlich der Spitze (Adler oder Speerspitze) eine Länge von 9 ft 10 in (ca. 3 m).

 

Beispiele:  
      Reguläres Infanterieregiment
      Freiwilliges Infanterieregiment

 

Truppenfahnen der Artillerieregimenter

Jedes reguläre Artillerieregiment führte zwei Fahnen. Die erste, oder die Nationalfahne (national color), hatte die gleiche Form wie die Nationalflagge, doch war auf dem mittleren roten Streifen der Regimentsname in Gold eingestickt. Die Breite des blauen Feldes und die Anordnung der Sterne war in der Vorschrift nicht geregelt, so daß es dabei wie bei den Infanteriefahnen große Unterschiede gab.

Da die Regimenter die Fahne bis zur Unbrauchbarkeit führten, konnte man während des Krieges solche mit 33, 34 oder 35 Sternen sehen.

Die zweite, oder Regimentsfahne (regimental color) war gelb und hatte in der Mitte zwei gekreuzte Kanonenrohre, darüber in einem roten Schriftband der Schriftzug „U.S.“ und darunter, ebenfalls in einem roten Schriftband, der Name des Regiments. Auch hier gab es, je nach Hersteller, unterschiedliche Versionen.

Beide Fahnen hatten eine Größe von 6 x 6 ft (ca. 1,8 x 1,8 m) und waren auf beiden Seiten gleich gestaltet. Der Fransenbesatz war gelb, die Kordel und Quaste rot-gelb. Der Fahnenstock hatte einschließlich der Spitze (Adler oder Speerspitze) eine Länge von 9 ft 10 in (ca. 3 m).


         Beispiel:

 


 

Fahne eines regulären Artillerieregiments.
Die Form der Kanonen und der Schriftbänder war häufig sehr unterschiedlich.

 

 

 

Jede Kompanie hatte einen roten Stander (guidon).
Darauf befanden sich zwei gekreuzte Kanonenrohre mit der Nummer des Regiments und dem Buchstaben der Kompanie.
Der Stander mit den Maßen 3 ft 5 in x 2 ft 3 in (ca. 1,04 x 0,68 m) war an einem 9 ft (ca. 2,74 m) langen Fahnenstock befestigt.
Kompanien der leichten Artillerie benutzen einen Stander (guidon), der dem der Kavallerie ähnelte.

 

Truppenfahnen der Kavallerieregimenter

Jedes reguläre Kavallerieregiment hatte eine Fahne, die Standarte (standard) genannt wurde. Sie war blau und hatte in der Mitte das Staatswappen eingestickt, darunter in einem roten Schriftband den Namen des Regiments. Wie bei der Infanterie gab es auch hier zahlreiche Varianten.

Da Fahnen in der Größe der Infanteriefahnen auf Pferden äußerst unpraktisch gewesen wären, hatten die mit gelben Fransen besetzten Standarten nur die Maße
2 ft 5 in x 2 ft 3 in (ca. 0,74 x 0,68 cm). Der Fransenbesatz war gelb, die Kordel und Quaste rot-weiß.
Der Fahnenstock einschließlich der Spitze hatte eine Länge von 9 ft (ca. 2,74 m) lang.


         Beispiel:


 

 

 

Standarte eines Kavallerieregiments

 

 

Jede Kompanie hatte zu Beginn des Krieges einen Stander (guidon) mit einer roten (oben) und einer weißen (unten) Hälfte.
Auf dem roten Feld befanden sich die weißen Buchstaben „U.S.“ und auf dem weißen der rote Buchstabe der Kompanie.

Der Stander mit den Maßen 3 ft 5 in x 2 ft 3 in (ca. 1,04 x 0,68 cm) war an einem 9 ft (ca. 2,74 m) langen Fahnenstock befestigt.

Mit dem Allgemeinen Befehl (General Order) Nr. 4 vom 18.01.1862 wurde der Stander geändert. Er bestand nun aus rot-weißen Streifen mit einem blauen Feld im Obereck. In den Ecken dieses blauen Feldes befanden sich goldene Sterne, die restlichen Sterne waren in zwei konzentrischen Ringen angeordnet, in deren Mitte sich der Buchstabe der Kompanie befand. Einige Einheiten fügten auf einem weißen Streifen die Regimentsbezeichnung hinzu.

Beispiele:  
bis 1862
ab 1862


Obwohl die Dienstvorschrift keine Nationalfahne vorsahen, gab es vereinzelt Regimenter, die eine solche in verkleinerter Form führten.

>>> Startseite <<< >>> Vorblättern <<<