Quellennachweis
des Textes und der Abbildungen: Bearbeitet von E. Liebe, RAG Militärgeschichte, 85077 Manching
FLAGGEN, FAHNEN UND STANDARTEN IM BÜRGERKRIEG Seite - 1 -
Die Bedeutung der Fahne Schon die Heere in der Antike führten bei ihren Kriegszügen zahlreiche Fahnen als Feldzeichen mit. Ursprünglich als Erkennungs- und Richtungszeichen im Kampf benutzt, diente die Fahne auch als Sammelpunkt für die eigene Truppe. Darüber hinaus entwickelte sich die Fahne als Erkennungszeichen und damit als Führungsmittel für den Feldherrn sowie als starkes Symbol für Standhaftigkeit und Treue. So legt in fast allen Staaten auch heute noch der Soldat seinen militärischen Treueid auf die Fahne ab, und man spricht von Fahnenflucht, wenn er desertiert. So entwickelten sich im Laufe der Zeit in allen Ländern zahlreiche militärische Bräuche um die Fahnen. Der als Fahnenträger ausgewählte Soldat, meist ein Feldwebel, mußte von besonderer Tapferkeit sein, um im Gefecht die Sicherheit und den Schutz der Fahne zu gewährleisten, die oft schwer umkämpft war. Sie zu verteidigen und zu schützen war oberstes Gebot. Er trug damit einen großen Teil zur Moral und damit Standhaftigkeit der Truppe bei. Ein Regiment hatte für seine Fahnen zwei Fahnenträger mit sieben Unteroffizieren als Fahnenwache (color squad). Der Verlust der Fahne im Gefecht oder durch den eigenen Kriegsherrn (bei Feigheit) galt für alle Soldaten als große Schande und Entehrung. So wurden Fahnen um den Leib gewickelt oder versteckt, nur um nicht in die Hände des Feindes zu fallen. Bei Siegesparaden mitgeführt, sollten sie die eigene Tapferkeit verdeutlichen und den (geschlagenen) Gegner erniedrigen.
General George A. Custer übergibt am 17. Oktober 1864 mit einer feierlichen Zeremonie die von seinen Soldaten erbeuteten konföderierten Fahnen an das Kriegsministerium der Union.
Begriffsbestimmungen Fahne Flagge Die
Flagge ist ein ein- oder mehrfarbiges Stoffstück, das nicht am
Flaggstock befestigt ist, sondern an einer Flaggenleine. Amerikanische
Begriffe Die
Nationalflagge oder -fahne wird bei allen Waffengattungen als „national
color“ bezeichnet. Während bei der Infanterie und Artillerie
die Truppenfahne Fahnen der US Army Die Führung und das Aussehen der Fahnen war in der regulären U.S. Armee durch die militärische Dienstvorschrift von 1861 geregelt. Im Laufe des Krieges kamen dann noch einzelne Grundsatzbefehle (auch der Armeen) hinzu. Die in den einzelnen Staaten aufgestellten Freiwilligenregimenter hielten sich nicht immer an diese Vorschrift, so daß sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Fahnen hatten. Nationalflagge Als Standortflagge (garrison flag) diente die Nationalflagge. Das Flaggentuch hatte die Maße 36 x 20 ft (ca. 10,9 x 6,1 m) und bestand aus 13 roten und weißen waagrechten Streifen als Symbol für die Gründerstaaten. In der blauen Oberecke befanden je nach der Anzahl der Bundesstaaten silberne fünfzackige Sterne. Die kleinere Sturmflagge (storm flag) hatte eine Größe von 20 x 10 ft (ca. 6,1 x 3,1 m) und die sogenannte Rekrutierflagge (recruiting flag), die bei Anwerbestellen gehißt wurde, maß 9 ft 3 in x 4 ft 4 in. (ca. 2,8 x 1,4 m).
Nach
dem Beitritt von Kansas in die Union im Januar 1861, erhielt die Flagge
am 4. Juli 1861 den 34. Stern. Als sich 1863 einige Counties (Landkreise)
in Virginia abspalteten und der Union als West-Virginia beitraten, wurde
die Anzahl der Sterne am 4. Juli 1863 auf 35 erhöht. Truppenfahnen der Infanterieregimenter Jedes reguläre Infanterieregiment führte zwei Fahnen. Die erste, oder die Nationalfahne (national color), hatte die gleiche Form wie die Nationalflagge, doch war auf dem mittleren roten Streifen der Regimentsname in Silber eingestickt. Da das Silber im Laufe der Zeit verblaßte, verwendete man später einen goldfarbenen, manchmal auch blauen Namenszug. Die Breite des blauen Feldes und die Anordnung der Sterne war in der Vorschrift nicht geregelt, so daß es dabei große Unterschiede gab. Da die Regimenter die Fahne bis zur Unbrauchbarkeit führten, konnte man während des Krieges solche mit 33, 34 oder 35 Sternen sehen.
Die zweite, oder Regimentsfahne (regimental color) war blau und hatte in der Mitte das Staats-wappen eingestickt, darunter in einem roten Schriftband den Namen des Regiments. Reguläre Truppen benutzten meist Fahnen mit dem Wappen aus dem Vertragssiegel (Masi Treaty Seal) der USA, Freiwilligenregimenter häufig das Wappen in der Form, wie es auch an den Kopfbedeckungen zu sehen war. Es besteht aus einem naturfarbenen amerikanischen Adler (Weißkopfseeadler) mit einem naturfarbenen Ölzweig und einem Bündel von 13 silbernen Pfeilen in den Fängen und einem goldenen Schild mit blauem Schildhaupt und abwechselnd roten und weißen Pfählen (insgesamt 13), im Schnabel ein Spruchband mit der Inschrift „E PLURIBUS UNUM“ (Aus Vielen Eines). Zwischen den Schwingen befindet sich ein blaues Feld mit 13 Sternen, darüber ein Bogen mit weißen Wolken und goldenen Strahlen. Der Adler blickt auf einigen Fahnen in Richtung Fahnenstange, auf anderen zur Flugseite. Auch bei den Sternen gibt es Unterschiede, so kann man 13 bis 35 Sterne in unterschiedlichen Anordnungen sehen. Der Ölzweig und die Pfeile stehen für die Macht des Kongresses, sich für Frieden oder Krieg zu entscheiden.
Beide
Fahnen hatten eine Größe von 6 x 6 ft (ca. 1,8 x 1,8 m) und
waren auf beiden Seiten gleich gestaltet.
Truppenfahnen der Artillerieregimenter Jedes reguläre Artillerieregiment führte zwei Fahnen. Die erste, oder die Nationalfahne (national color), hatte die gleiche Form wie die Nationalflagge, doch war auf dem mittleren roten Streifen der Regimentsname in Gold eingestickt. Die Breite des blauen Feldes und die Anordnung der Sterne war in der Vorschrift nicht geregelt, so daß es dabei wie bei den Infanteriefahnen große Unterschiede gab. Da die Regimenter die Fahne bis zur Unbrauchbarkeit führten, konnte man während des Krieges solche mit 33, 34 oder 35 Sternen sehen. Die zweite, oder Regimentsfahne (regimental color) war gelb und hatte in der Mitte zwei gekreuzte Kanonenrohre, darüber in einem roten Schriftband der Schriftzug „U.S.“ und darunter, ebenfalls in einem roten Schriftband, der Name des Regiments. Auch hier gab es, je nach Hersteller, unterschiedliche Versionen. Beide Fahnen hatten eine Größe von 6 x 6 ft (ca. 1,8 x 1,8 m) und waren auf beiden Seiten gleich gestaltet. Der Fransenbesatz war gelb, die Kordel und Quaste rot-gelb. Der Fahnenstock hatte einschließlich der Spitze (Adler oder Speerspitze) eine Länge von 9 ft 10 in (ca. 3 m).
Fahne
eines regulären Artillerieregiments.
Jede
Kompanie hatte einen roten Stander (guidon).
Truppenfahnen der Kavallerieregimenter Jedes reguläre Kavallerieregiment hatte eine Fahne, die Standarte (standard) genannt wurde. Sie war blau und hatte in der Mitte das Staatswappen eingestickt, darunter in einem roten Schriftband den Namen des Regiments. Wie bei der Infanterie gab es auch hier zahlreiche Varianten. Da
Fahnen in der Größe der Infanteriefahnen auf Pferden äußerst
unpraktisch gewesen wären, hatten die mit gelben Fransen besetzten
Standarten nur die Maße
Standarte eines Kavallerieregiments
Jede
Kompanie hatte zu Beginn des Krieges einen
Stander (guidon) mit einer roten (oben) und einer weißen (unten)
Hälfte. Der Stander mit den Maßen 3 ft 5 in x 2 ft 3 in (ca. 1,04 x 0,68 cm) war an einem 9 ft (ca. 2,74 m) langen Fahnenstock befestigt. Mit dem Allgemeinen Befehl (General Order) Nr. 4 vom 18.01.1862 wurde der Stander geändert. Er bestand nun aus rot-weißen Streifen mit einem blauen Feld im Obereck. In den Ecken dieses blauen Feldes befanden sich goldene Sterne, die restlichen Sterne waren in zwei konzentrischen Ringen angeordnet, in deren Mitte sich der Buchstabe der Kompanie befand. Einige Einheiten fügten auf einem weißen Streifen die Regimentsbezeichnung hinzu.
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