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J. E. B. Stuart - Der letzte Kavalier „Einer
seiner Feinde, der Unions-Korpskommandant John Sedgewick, nannte Stuart,
den größten Kavalleristen, der je in Amerika geboren wurde".
„Damit stellte er von Anfang an das südstaatliche Übergewicht sicher", bemerkte der kompetente Autor Dietmar Kuegler in seiner Abhandlung über die Südstaatenarmee, „und machte auch bei europäischen Kriegsbeobachtern von sich reden." Stuart war eine komplexe und faszinierende Gestalt, ein charismatischer und populärer Menschenführer, der nach seinem vorzeitigen Tod - er fiel mit 31 Jahren - schon innerhalb weniger Jahre zu einer der legendären Symbolfiguren des „Lost Cause" hochstilisiert wurde.
Er war ein frommer
und fatalistischer Mensch, der zeitlebens unter der Knute des Erfolges
stand und daher nichts mehr fürchtete als zu versagen. Nie schien
er imstande, einen Mißerfolg einzugestehen. Er entpuppte sich
als eine exhibitionistische Persönlichkeit, intelligent, jungenhaft
charmant, jovial und eitel, mit einer ausgeprägten Vorliebe für
militärischen Glanz und Pomp. Gleichsam egozentrisch wie selbstlos,
war er von einem unwiderstehlichen Drang zur Selbstverherrlichung besessen,
den er durch seine flamboyanten und oftmals phantasievollen Rapporte
dokumentierte. Andere Charaktermerkmale, die ihn auszeichneten, waren
Kreativität, Entschlossenheit, Draufgängertum, beispielhafte
Tapferkeit und eiserne Selbstbeherrschung. Das war der „Beau
Sabreur" der Konföderierten, wie die Welt ihn kannte, der
„unermüdlich daran arbeitete, eine Doppelrolle als Anhänger
und Hoherpriester am Altar südstaatlicher Ritterlichkeit zu spielen.
Er schien eifrig bemüht zu sein, als Kavalier oder als Kriegsmann
zu erscheinen, der fahrende Ritter in der Artustradition in den Der
junge Lieutenant J. E. B. Stuart vor dem Bürgerkrieg An der Spitze
von 350 Kavalleristen, dem Kernstück der späteren 1st Virginia
Cavalry, diente er zunächst im Shenandoah-Tal unter „Stonewall"
Jackson und Joe Johnston. Im Juli 1861 war es Stuart, der erfolgreich
Johnstons Abzug nach Manassas Junction deckte.
„Komm zur Kavallerie!" Bei Ausbruch
des Sezessionskrieges war das militärische Oberkommando der Union
davon überzeugt, der bewaffnete Konflikt würde nicht lange
genug dauern, um eine wirksame Aufrüstung und Ausstattung der Kavallerie
zu rechtfertigen. Eilfertig wies man darauf hin, daß die Aufstellung
und die Unterhaltung umfangreicher Reiterverbände zu kostspielig
wäre. Ferner glaubte man, es würde zu viel Zeit in Anspruch
nehmen, um einen unerfahrenen Zivilisten, der noch nie auf einem Pferd
gesessen oder ein Gewehr abgefeuert hatte, zu einem kämpferisch
und taktisch brauchbaren Kavalleristen heranzubilden. Diese unselige
Praxis verwehrte der Yankee-Kavallerie, die für Jahre in Rückstand
geriet, moralische und kämpferische Stärke, Zusammenhalt und
korporative Identität. Ihr Ansehen war bei den anderen Waffengattungen
auch dementsprechend gering. Das überlegene
Wahrnehmungsvermögen der Konföderierten für das Potential
von Pferdesoldaten beruhte auf kulturellen Entwicklungen und der Pflege
alter Traditionen. Denn das „martialisch" eingestellte Volk
der Südstaatler - d. h. vielmehr die Oberschicht der Pflanzeraristokratie
und deren Sprößlinge, aus denen sich die CSA-Kavallerie vorwiegend
rekrutierte -, das nach wie vor einer „ritterlichen" Auffassung
vom Soldatentum frönte, war von Kindesbeinen an den Umgang mit
Pferden und Waffen gewöhnt. Hinzu gesellte sich die stolze Tradition
der Pferdezucht, die sich über Generationen erhalten hatte und
dem Süden ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Vollblutpferden
schenkte, die für ihre Stärke, Ausdauer und Schnelligkeit
berühmt waren. Die Funktionen
der amerikanischen Kavallerie im „Krieg zwischen den Staaten"
waren vielfältig: Sie versorgte einen Feldkommandeur mit Schnelligkeit
und Mobilität, war also in der Lage, Stellungen gegen einen wenig
energischen Feind zu halten, bis Infanterie oder Artillerie aufgeschlossen
war, oder sie konnte versuchen, einen stärkeren Gegner aufzuhalten,
wobei sie sich von Position zu Position zurückfallen ließ,
um sich, wenn das Gelände es zuließ, wieder neu zu formieren.
Sie konnte ihr physisches
und psychologisches Gewicht als attakkierende „Schocktruppe"
in Kooperation mit der Infanterie und der Artillerie in die Waagschale
werfen, insbesondere bei der Verfolgung eines sich zurückziehenden
Gegners, um diesen daran zu hindern, sich neu zu gruppieren oder einen
Konterangriff zu führen. Hier
handelte es sich um schnelle berittene Vorstöße ins feindliche
Hinterland, entweder unabhängig oder im Rahmen einer größeren
Operation, wobei Nachschublinien und Basen, Depots für Kriegsmaterial,
Eisenbahnwaggons oder bestimmte Ortschaften usw. als Kriegsziele angesteuert
wurden. Blitzschnell und in der Regel mit dem Überraschungsmoment
auf ihrer Seite, verbrannten, zerstörten und konfiszierten die
„Raiders", bevor sie sich eiligst wieder absetzten, um möglichen
Verfolgern zu entgehen oder diese abzuhängen. Außerdem verrichteten
die Reiter unterwegs wertvolle Aufklärungsarbeit über den
Standort und die Stärke des Feindes.
„Raiding" war während des Bürgerkrieges auf beiden Seiten gang und gäbe, obgleich die Südstaatler diese „Waffe" öfter und auch mit größerem Erfolg einsetzten. Allerdings wäre es falsch und anmaßend zu behaupten, Stuart oder ein John Hunt Morgan hätten die neumodische Taktik des Kavallerie-Raids „erfunden" und „Raiders" der Nordstaaten hätten diese dann nachgeahmt, sprich kopiert. Denn nicht zuletzt war es ein Colonel der Yankee-Kavallerie, der Ende Mai 1862 den bekanntlich ersten „Raid" des Bürgerkrieges anführte. James E. B. Stuart und seine Generäle waren im traditionellen Sinn „echte" Kavalleristen. Sie bevorzugten die massierte Attacke zu Pferd, den „Choc", mit gezücktem Säbel und Revolver, entsprechend dem europäischen Vorbild. Dies entsprach ihrer „klassischen" Vorstellung berittener Kriegsführung mit all ihren moralischen und psychologischen Vorteilen.
„Der
Südstaaten-Kavallerist verabscheute es, zu Fuß zu kämpfen.
Er hatte das Gefühl, nur ein halber Mann zu sein, wenn er von seinem
Pferd getrennt war", schrieb ein konföderierter Reiter,
der damit Stuart und seinen Kavalieren aus der Seele sprach. Lediglich
dann, wenn die taktische Lage es unbedingt erforderte, focht die Kavallerie
der Army of Northern Virginia in der Ära Stuart abgesessen, also
„zu Fuß", wie berittene Infanterie. Im „traditionellen"
Reitergefecht, in dem sie sich „zu Hause" fühlte, behielt
Stuarts Kavallerie während der ersten beiden Kriegsjahre meist
die Oberhand. Die Gettysburg-Kampagne von 1863 brachte die eindeutige
Felddominanz der südlichen Reiterei schließlich ins Wanken.
Denn eine in ihrem Selbstbewußtsein gestärkte Yankee-Kavallerie
unter Pleasonton, Averell, Buford und D. McM. Gregg, die zunächst
nach gar keinem taktischen Modell gekämpft hatte, hatte nach zwei
Jahren wiederholter Demütigungen und Niederlagen ihren organisatorischen
und ausbildungsmäßigen Rückstand aufgeholt und trat
den Reitern in Grau als zumindest ebenbürtig entgegen. Stuarts Nachfolger
- Hampton, Fitz und „Rooney" Lee - sahen sich letztlich aus
primär ökonomischen Gründen genötigt, die von den
Yankees so erfolgreich demonstrierte Kombinierungstaktik, ein preußischer
Kriegsbeobachter sprach von „Doppelkämpfertum" (Scheibert),
ebenfalls anzuwenden. Und das öfter als ihnen lieb war, wenn auch
nicht mit solch durchschlagendem Erfolg.
Vom Chickahominy nach Yellow Tavern Der Chickahominy-Raid Es kam, wie Stuart
vorausgesagt hatte: Ende März 1862 landete McClellan, ein fähiger
Planer und Organisator, aber unzulänglicher Feldkommandeur, mit
105´000 Mann der Army of the Potomac bei Fort Monroe, auf der
Südspitze der Yorktown-Halbinsel. Im Gegenzug wurde das Gros der
konföderierten Truppen, einschließlich Stuarts Reiterei,
aus Nordvirginia abgezogen und unter General Joe Johnstons Kommando
zur Peninsula verlegt, um den Vormarsch der Yankees aufzuhalten. Lee ging sofort daran, eine Offensivstrategie zu entwerfen. Er wollte die ungeliebten Invasoren unter allen Umständen zurückschlagen, noch bevor diese ihre schwere Artillerie zum Einsatz bringen konnten: McClellans Hauptmacht (ca. 70´000 Mann) stand südlich vom Chickahominy River und ca. 30´000 Mann nördlich davon, in Erwartung umfassender Verstärkungen, die von Norden aus Fredericksburg erwartet wurden. Als Lee gemeldet wurde, daß die rechte Flanke und die Nachschublinie der Yankees gefährlich exponiert waren, beauftragte er Stuart, einen Aufklärungs-Raid durchzuführen, um 1. die eingegangenen Berichte zu bestätigen, 2. Truppendispositionen auszukundschaften und 3. McClellans Nachschublinie südlich vom Pamunkey River zu unterbrechen. Stuart unterbreitete den Vorschlag, einen Bogen um die gesamte Nordarmee zu schlagen und von Süden wieder zum Hauptheer zu stoßen. Lee erhob Einwände, „aber er räumte Stuart genügend Spielraum ein, so daß eine vollständige Umrundung der Unionsarmee nicht ausgeschlossen war". Stuart war enthusiastisch. Unermüdlich und rastlos begann er mit den Vorbereitungen für die bevorstehende Expedition, die so ganz nach seinem Geschmack war. Sein Kommando bestand aus ca. 1´200 Reitern der 1st Virginia (Col. Fitzhugh Lee), 9th Virginia (Col. W.H.F. Lee), jeweils zur Hälfte verstärkt durch die 4th Virginia Cavalry. Ebenso eingegliedert wurden zwei Schwadronen der Jeff Davis Legion (Lt. Col. W.T. Martin) und zwei Geschütze berittener Artillerie (Lt. James Breathed). Zu seinem Stab gehörten Redmond Burke, Will Farley, der Preuße Heros von Borcke und der später berühmt gewordene Guerilla-Führer John S. Mosby, der als Scout diente. Wann das Unternehmen startete und wohin der Weg führte, wußte allerdings nur Stuart, der sich zunächst in Schweigen hüllte. „Gentlemen,
in zehn Minuten muß sich jeder Mann im Sattel befinden!"
Mit diesen Worten weckte Stuart um 2.00 Uhr morgens am 12. Juni 1862
seinen Stab. Der Marsch war anstrengend, gelangte aber zügig voran.
Die Route führte von Richmond die Brook Turnpike entlang nordwärts
nach Ashland zum North Anna River. Am nächsten Morgen ging es weiter
in südöstlicher Richtung südlich vom Pamunkey River.
Die Südstaatler trafen auf keinen nennenswerten Widerstand seitens
der Yankees, als sie sich Hanover Courthouse und Haw's Shop näherten,
wo ein kurzes, aber heftiges Gefecht mit gegnerischer Kavallerie entbrannte. Stuart hatte
mittlerweile ausgekundschaftet, daß die rechte Flanke der Yankee-Armee
ungeschützt war. Die Hauptaufgabe seiner Mission hatte er somit
erfüllt. Statt aber umzukehren, beschloß er, seinen Marsch
um die Unionsarmee fortzusetzen, womit die Wahrscheinlichkeit, von etwaigen
Verfolgern eingeholt und gestellt zu werden, weitaus geringer schien.
Stuart kreuzte die York River Railroad bei Tunstall's Station.
Sich südwärts wendend, mit den Nordstaatlern auf den Fersen,
überquerte er bei Forge Bridge den Chickahominy, nachdem die Brücke
im Eiltempo repariert worden war. Unterwegs hatten die Rebellen wertvolles
Kriegsmaterial erbeutet oder vernichtet, über 170 Gefangene eingebracht
und McClellans Nachschublinie nach White House Landing unterbrochen. Die südliche
Presse und Öffentlichkeit bejubelten Stuarts brillantes Unternehmen,
was es zweifellos war, in den höchsten Tönen. Die Schlagzeilen
lauteten: UNVERGLEICHLICHES MANÖVER, EINE GROSSARTIGE LEISTUNG;
BRILLANTE REKOGNOSZIERUNG.
Die Kavallerie-Division, A.N.V.
Stuarts Senior-Brigadekommandeur war Brigadier General Wade Hampton
aus South Carolina (1818-1902), bei Ausbruch des Bürgerkrieges
einer der reichsten Pflanzer des Südens, der über keine militärischen
Erfahrungen verfügte, aber ein geborener Führer war und sich
zu einem der großartigsten „Amateurgeneräle"
der Konföderierten entwickelte. Professionell arbeiteten Stuart
und Hampton von Anfang an Hand in Hand, persönlich verband die
beiden jedoch nichts. Hampton befehligte die Jeff Davis, Hampton und
Cobb Legions sowie die 1st North Carolina und 10th Virginia Cavalry.
Der Catlett's Station-Raid Im Sommer 1862
ergab sich für die Südstaatler in Nord-Zentral-Virginia
eine ernstzunehmende Bedrohung, als die Lincoln-Administration südwestlich
von Washington, D. C. eine „Army of Virginia" unter dem
bombastischen Major General John Pope, einem „Import" aus
dem Westen, konzentrierte. Vier
Tage später erhielt Lee erste verläßliche Hinweise darüber,
daß McClellans Heer im Begriff war, allmählich vom James
River abgezogen zu werden. Nach Meinung des konföderierten Feldherrn
beabsichtigte das US-Oberkommando eine Verstärkung Popes in Nordvirginia.
Lee reagierte sofort. Er beschloß, gegen den schwächeren
Pope vorzurücken und diesen zu schlagen, während McClellan
mit der Evakuierung der „Peninsula" beschäftigt war.
Zu diesem Zweck vereinigte er am 15. August 1862 seine Armee bei Gordonsville.
Zehn Tage lang folgte eine Reihe inkonsequenter strategischer und taktischer
Manöver entlang der Rappahannock-River-Linie.
Am 22. August überquerte Stuart an der Spitze von 1´500 Mann (Lees und Robertsons Brigaden, je abzüglich eines Regiments), unterstützt durch zwei Geschütze, den Rappahannock bei Waterloo Bridge. Unbehelligt erreichten die „Raiders" am Nachmittag Warrenton, wo sie wie Befreier gefeiert wurden. Nach kurzer Rast marschierte Stuart weiter ostwärts über Auburn Mill's nach Catlett's Station. Ein stürmisches Unwetter setzte jedoch ein, das den Marsch verzögerte. Gegen Abend war man am Ziel. Die Yankeevorposten waren schnell ausgeschaltet. Von diesen erfuhr Stuart, daß Pope in Catlett's Station sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Stuart formierte
seine Truppen in Schlachtlinie und griff an. Die überraschten Unionssoldaten
waren schnell überwältigt. Stuart erbeutete binnen weniger
Minuten Hunderte von Pferden, Mulis und machte 200 Gefangene. General
Pope war zur Zeit abwesend, so daß Stuart lediglich ein Teil seiner
Uniformen und sein Depeschenbuch in die Hände fiel. Ferner erbeuteten
die Konföderierten neben anderen nützlichen Gegenständen
$ 350´000 Sold und $ 20´000 in Gold. Der Versuch, diverse
Eisenbahnwaggons und die Brücke über den Cedar Run zu demolieren,
erwies sich, bedingt durch die schlechte Witterung, nur als partiell
erfolgreich. Stuarts Aktivitäten in den Operationen vom 25. bis 30. August 1862 hatten mit Sicherheit einen gewissen Anteil am Sieg der Konföderierten. Unermüdlich in der Aufklärung, „schaffte er es, seine Reiter so hin und herzu detachieren, daß sie als Feldwache und Flankenschutz im Einsatz waren und er dennoch genug Trooper bei sich behalten konnte, um in voller Stärke zu operieren. Er erkannte klar, wie sich der Feldzug entwickeln würde, und sah die Notwendigkeit der Kommunikation zwischen den verstreuten Elementen der Armee voraus ... Trotz seiner persönlichen Flamboyance, schien sich Stuart außerordentlich gut in die Kommandoorganisation der Armee von Nord-Virginia einzufügen. Nach Lees Worten leistete er, höchst wichtige und wertvolle Dienste"'.
Der Chambersburg-Raid General Lees
Maryland-Feldzug im September 1862, die erste seiner beiden „Invasionen"
des Nordens, verfolgte drei strategische Ziele: 1. eine Entlastung Zentral-Virginias
während der Erntezeit, 2. die Anwerbung Tausender Rekruten im „Grenzstaat"
Maryland, 3. durch einen möglichen Sieg über die Union auf
deren eigenem Territorium eine Anerkennung der Konföderation durch
die Großmächte Europas zu erreichen. General Robertson, dessen Kompetenz Stuart stets angezweifelt hatte, war am 5. September 1862 seines Postens enthoben und nach North Carolina versetzt worden. Die temporäre Kommandogewalt seiner Brigade erhielt Colonel Thomas Taylor Munford (1831-1918), 2nd Virginia, der sich eine Beförderung verdient hatte. Doch gegen Stuarts Wunsch ging die vakante Brigadiers-Stelle am 3. Oktober 1862 an Colonel William Edmondson Jones (1824-1864, USMA 1848), 7th Virginia, wegen seiner Streitsucht „Grumble" Jones genannt, ein zuverlässiger Gefechtsoffizier und erbitterter Gegner Stuarts. Zusammen mit Jones war Colonel William Henry Fitzhugh „Rooney" Lee (1837-1891), 9th Virginia, zum Brigadier erhoben worden. Der hünenhafte Sohn des Armeebefehlshabers, ein kompetenter Reiteroffizier, der Harvard absolviert hatte, übernahm fürs erste das Kommando über die Brigade seines Cousins, der auf Krankenurlaub war. Stuart plante Anfang Oktober 1862 einen weiteren „Raid". Er hatte bereits mit General Lee ausführlich darüber gesprochen. Zu seiner Zufriedenheit erhielt er am 8. Oktober 1862 „grünes Licht": Bestimmungsort der kühnen Operation war die Stadt Chambersburg, Pennsylvania, mit dem militärischen Ziel, die unweit gelegene Eisenbahnbrücke über den Conococheague Creek, die für die Union von logistisch-strategischer Relevanz war, zu zerstören.
Am
Morgen des 11. Oktober brach Stuart wieder zum Rückmarsch auf.
Wie schon im Juni 1862 benutzte er nicht den Weg, den er gekommen
war - wo die Möglichkeit bestand, vom Feind abgeschnitten zu
werden -, sondern führte seine Truppen ostwärts nach Cashtown,
dann südlich nach Emmittsburg an Frederick vorbei und überquerte
am 12. Oktober 1862 bei White's Ferry den Potomac. Nur hier fand
ein Nachhutgefecht mit der feindlichen Kavallerie statt, die sich
und ihren
Oberbefehlshaber - McClellan - mit einer glanzlos organisierten Verfolgung
abermals bis auf die Knochen blamierte.
Am 10. November
1862 wurde der Kavallerie-Division der Army of Northern Virginia, die
über eine Effektivstärke von 9´100 Mann verfügte,
eine weitere Brigade einverleibt, die „Rooney" Lee als permanentem
Kommandeur unterstellt wurde, so daß die Organisationsstruktur
von Stuarts Kommando wie folgt aussah: Lee, der zunächst den Kontakt zum Feind verloren hatte, schätzte Burnsides Absichten korrekt ein. Er marschierte nach Fredericksburg und brachte seine Armee auf dem Südufer des Rappahannock in eine hervorragende defensiv-taktische Position. Erst am 12. Dezember
1862 setzte die Unionsarmee über den Fluß und griff am nächsten
Morgen auf einer Gefechtslinie von 7 Meilen frontal an. Über ein
Dutzend Angriffe der Union wurden abgewehrt. Nachdem er über 13´000
Mann an Verlusten erlitten hatte, gab sich Burnside geschlagen und trat
den Rückzug an. Die
Schlacht war hauptsächlich zwischen Infanterie und Artillerie ausgetragen
worden. Stuarts Kavallerie hatte die rechte Flanke der konföderierten
Armee bewacht, die bei Hamilton's Crossing abschloß. Wiederum
war es Pelhams berittene Artillerie, die durch ein effektives Flankenfeuer
ein Blutbad unter den Sturmkolonnen der Union anrichtete. Lee war von
Pelhams Leistungen beeindruckt: „Es ist glorios, solch einen
Mut bei einem so jungen Mann zu sehen!" Am 27. November
1862 führte General Wade Hampton eine der gefürchteten Raider-Trupps
der Konföderierten hinter die Linien der Union und kehrte mit über
100 Pferden und 92 Gefangenen zurück. Am 10. Dezember brach Hampton
erneut auf und überfiel an der Spitze von 500 Mann die Kleinstadt
Dumfries. Er erbeutete einen Wagenzug und brachte 50 Gefangene ein.
Vom 15. bis 18. Dezember stattete er den Yankees einen dritten Besuch
ab. Diesmal holte er sich 150 Gefangene und 20 Wagen. Dann war Jeb Stuart
an der Reihe. Stuart vereinigte
sein Kommando bei Cole's Store, neun Meilen nordwestlich von Occuquan.
Eines war klar. Der Raid hatte sich bis jetzt als ein ziemlicher Fehlschlag
herausgestellt. Man würde mit leeren Händen zu den eigenen
Linien zurückkehren müssen.
Ferner ließ Stuart die Telegraphenleitung anzapfen, um Konkretes über den augenblicklichen Verbleib und die Intentionen seiner Verfolger zu erfahren. In einem frechen Telegramm an den Quartermaster General der Union, M. C. Meigs, beschwerte er sich über die „schlechte Qualität der letztlich gelieferten Mulis"! Nachdem Fitz Lee die Brücke über den Accotink Creek zerstört hatte, ging der Marsch weiter nach Nordwesten in die Bull Run Mountains, ohne von den Yankees belästigt zu werden, und dann südwärts an Middleburg und Warrenton vorbei. Am 31. Dezember 1862 langte man in Culpeper Courthouse an. Am nächsten Tag war Stuart in seinem Hauptquartier bei Fredericksburg. Sein Raid war trotz einiger „Anfangsschwierigkeiten" ein durchschlagender Erfolg. Einer seiner Stabsoffiziere meinte euphorisch, der Dumfries Raid sei die „längste, gefährlichste und brillanteste Unternehmung (gewesen), die die Kavallerie bisher einer bewundernden Öffentlichkeit geboten hat".
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