Mit freundlicher
Unterstützung
Der große Raid 1863 Im Sommer 1863 standen die
Zeichen schlecht für die Konföderation.
Bei Gettysburg, Vicksburg und Tullahoma waren ihr entscheidende Schläge
zugefügt worden. General Bragg sah sich gezwungen, seine Position
in Mitteltennessee aufzugeben, und zog sich nach Chattanooga zurück. Dukes Brigade setzte sich aus dem 2. Kentucky-Regiment unter Major T. C. Webber, dem 5. Kentucky unter Colonel D. Howard Smith, dem 6. Kentucky unter Colonel J. W. Grigsby, dem 9. Kentucky unter Colonel W. C. P. Breckinridge und dem 9. Tennessee unter Colonel W. W. Ward zusammen. Ihm waren auch die Geschütze unter Captain Edward Byrnes unterstellt worden. Johnson befehligte das 7. Kentucky unter Lieutenant Colonel J. M. Huffman, das 8. Kentucky unter Colonel R. S. Cluke, sein eigenes 10. Kentucky und das 11. Kentucky unter Colonel D. W. Chenault. Zusätzlich hatte ihm Morgan noch das 14. Kentucky unter dem Kommando seines Bruders, Richard C. Morgan, angegliedert. General Morgans Truppe bestand aus allen Schichten von Patrioten aus dem Süden. Unter ihnen befanden sich reiche Pflanzer und Baumwollagenten, die mit ihren eigenen Sklaven und in maßgeschneiderten Uniformen in den Krieg gezogen waren, genauso wie einfache Farmer, die in ihrer Arbeitskleidung oder in den billigen grauen Uniformen aus den Depots kämpften. Sie alle aber waren hervorragende Reiter, was Sherman veranlaßte, sie als „die beste Kavallerie der Welt" zu bezeichnen. Über 1´000 Meilen ritten und kämpften die Rebellen, nach Indiana und Ohio, über Cincinnati hinaus bis fast nach Pennsylvania. Was von Bragg als Ablenkungs- und Schutzmanöver genehmigt worden war, weitete Morgan zu einem wagemutigen Feldzug auf eigene Verantwortung und gegen dessen ausdrücklichen Befehl aus, um „den Geschmack des Krieges auch in den ahnungslosen Norden zu tragen".
Außer Morgan wußten nur sein Schwager Basil Duke, Adam
R. Johnson und die Regimentsführer von seiner Absicht, bis nach
Ohio vorzustoßen. Er hatte seine Truppen bereits Anfang Juni
in Sparta zusammengezogen, war aber im letzten Moment von Bragg abkommandiert
worden, um eine feindliche Einheit in Osttennessee abzufangen. Die
Bedeutung dieser Verspätung sollte erst am Ende dieses Unternehmens
erkannt werden. Brigadegeneral
Henry M. Judah hatte seine 2. Brigade unter Brigadegeneral Edward
Hobson von Columbia nach Tompkinsville
abberufen, was den Rebellen
den Weg nach Norden ebnete, während er selbst nach Carthage zog,
um Morgan dort anzugreifen. Als Späher meldeten, Morgan habe sich
in Marsch gesetzt, verlangte Hobson von Judah die Erlaubnis, ihn aufhalten
zu dürfen, was dieser zornig ablehnte. Statt dessen befahl er
Hobson „alle militärischen Operationen zu unterlassen".
Als Folge dieses Befehls konnte Morgan ohne viel Widerstand den Fluß überqueren
und auf der Straße nach Columbia kampieren.
US-General Edward Henry Hobson „Der 4. Juli ist ein schlechter Tag für Übergaben, daher muß ich
ablehnen", erwiderte Moore, der sich in der stärkeren Position
wußte. Weder das 5. Kentucky, das auf Morgans Befehl zu Hilfe eilte, noch Byrnes Kanonen konnten eine Entscheidung herbeiführen, da die zahlreichen Bäume und das dichte Unterholz sowohl das Ausspielen einer numerischen Überlegenheit als auch einen effektiven Artillerieeinsatz verhinderten. „Alles
an der Schlacht, aus der Sicht der Rebellen, war falsch. Es war
nicht die Art von Auseinandersetzung, für die
Kavalleristen ausgebildet sind, nicht einmal Morgans Raiders. Sogar
erfahrene Infanteristen mit Artillerieunterstützung hätten
die Widrigkeiten zu schwer gefunden. Nachdem Chenault getötet
worden war, fielen ein Major, zwei Captains, drei Lieutenants und etliche
Unteroffiziere bei dem Versuch, ihre Männer zu sammeln. Gegen
Mittag schließlich
stellte Morgan das Feuer ein und tat, das, was er von Anfang an hätte
tun sollen: er ließ Moore
in seiner Stellung und setzte eine Meile flußaufwärts über
den Green River. Damit hatte er die Vorteile auf seiner Seite, denn
die Infanteristen von Moore konnten nur innerhalb ihrer Verteidigungsstellung
von Nutzen sein, eine ernsthafte Gefahr für Morgans Reiter stellten
sie aber nicht dar. Morgan
marschierte in einer langgezogenen Doppelreihe mit seiner Artillerie
im Zentrum auf die Stadt zu. Er wollte Hanson mit dieser
Demonstration
seiner Stärke - unter Vermeidung einer Schlacht - zur Übergabe
bewegen, da sich unter den Verteidigern viele Freunde und Verwandte
seiner eigenen Leute befanden. Nur
durch Basil Dukes Initiative konnte Lebanon schließlich
genommen werden. Morgan stimmte nämlich seinem Plan zu, der
vorsah, Smith mit seiner Kavallerie zu einem Überraschungsangriff
in die Flanke der Nordstaatler zu schicken, um das 2. Kentucky
unter der Deckung
dieser Attacke in die Straßen der Stadt zu schleusen. Als
Smith vorstürmte, fielen auch Clukes Männer mit in den
Angriff ein, während sich Webber im Schutz der Häuser
zum Depot vorarbeitete. Nach vierstündigem Kampf unter mörderischen
Temperaturen hatten die Rebellen das befestigte Gebäude endlich
umstellt und erzwangen die Übergabe. US-General Jeremiah Tilford Boyle In
Bardstown fing „Lightning" Ellsworth mehrere
Nachrichten aus Louisville an verschiedene Unionseinheiten
ab, aus denen zu ersehen war,
daß General Boyle einen bevorstehenden
Angriff der Südstaatler auf die Stadt befürchtete. Mit einer
Armee, deren Größe von Ellsworth ständig via Telegraph
erhöht wurde, nur 35 Meilen südlich von Louisville, bestand
für seine Einwohner ernsthafter Grund zu dieser Annahme.
Inzwischen
hatten die Nachrichten über John Morgans
Raid auch General Rosecrans in Tullahoma erreicht, der sich anschickte,
Bragg
aus Tennessee zu vertreiben. Dazu war er auf die Louisville-&-Nashville Eisenbahn
angewiesen. Sollte Morgan diese Linie unterbrechen, würde
die Cumberlandarmee in ernste Versorgungsschwierigkeiten geraten.
Bevor
dieser sich aber nach Tennessee zurückwandte, waren Rosecrans'
Hände gebunden. Einfall in Indiana
War es in Kentucky die fehlende Miliz gewesen, die es Morgan erlaubt hatte, quer durch den ganzen Staat bis an die Grenze vorzustoßen, lag es in Indiana an fehlender Koordination und Erfahrung der in genügender Anzahl bereitstehenden Ziviltruppen. Mangelnde Führungskräfte und widersprüchliche Befehle des Gouverneurs, General Burnsides und von General Lew Wallace, der eigens aus Washington abberufen worden war, führten immer wieder zur Aufsplitterung der Kräfte, die, effektiv organisiert, Morgan bereits in Salem hätten aufhalten können.
Morgan
hatte keine Minute zu verlieren, da sich Hobson stetig näherte,
die Truppen in Indiana alarmiert waren und er selbst den Geschützen
des Kanonenboots ohne Deckung ausgeliefert war. Byrnes ließ seine
vier Kanonen anspannen und auf einer Landzunge postieren, von wo er
das Kriegsschiff unter Beschuß nahm. Nun selbst beschossen und
heftig schwankend, mußte die „Springfield" abdrehen,
und Morgan konnte seine Männer über den Ohio bringen. Jetzt
befand sich John Morgan in Feindesland - mit 4´000 Unionssoldaten
im Rücken und Tausenden von Miliztruppen
vor sich, gegen die er seine Veteranen und vor allem den Überraschungseffekt
auf seiner Seite einsetzen mußte. Am 9. Juli erreichten die
Südstaatler
mit Dick Morgans Regiment an der Spitze Corydon, wo sich eine 500
Mann starke Bürgerwehr hinter einer hohen Barrikade verschanzt
hatte. Sie konnte dem 14. Kentucky kurze Zeit Widerstand leisten,
bis Colonel
Johnson das Schanzwerk mit den beiden Haubitzen zerschoß und
ein zweites Regiment von der Flanke her vorstieß, während
ein massiver Frontalangriff die Milizstellung überrannte.
Die Stadt wurde geplündert und das einzige Privathaus während
des ganzen Raids niedergebrannt, in dem die Konföderierten
Heckenschützen
vermuteten.
Indianapolis lag jetzt, nur von zwei Kompanien der 63. Indiana Infantry beschützt, nach Ansicht Mortons offen vor den Rebellen. Brigadegeneral Milo Hascall wurde mit der Verteidigung der Stadt beauftragt, und innerhalb von 48 Stunden befanden sich 65´000 teils bewaffnete Männer in Indianapolis, bereit, sich gegen die vermeintliche Invasion zu verteidigen. Kurze Zeit später fanden sich Colonel DeLands 1. Michigan Scharfschützen und die 12. Michigan Battery ein, und Morton forderte zusätzliche 17´000 Musketen aus Staatsarsenalen an, da er einen Aufstand der 6´000 konföderierten Kriegsgefangenen im nahegelegenen Camp Morton befürchtete. Auf seinem Weg nach Salem teilte Morgan seine Männer in zwei Kolonnen auf, die entlang der beiden parallelen Straßen so eine größere Fläche bedeckten und leichter nach links und rechts abschwenken konnten, um die umliegenden Farmen nach frischen Pferden abzusuchen. Am Abend des 9. Juli kampierten die Südstaatler 16 Meilen vor Salem, 25 Meilen nördlich des Ohio, den Hobson zur selben Zeit überquerte. Da er unter Zeitdruck stand, ließ er seinen Versorgungszug in Kentucky zurück und telegraphierte allen Städten und Dörfern in Südindiana, man solle ihm Verpflegung bereitstellen. Morgan, der sich wie kaum ein anderer auf die Taktik der Kavallerieraids verstand, teilte seine Truppe am nächsten Tag in drei Züge auf. Mit der Hauptkolonne zog er weiter nach Salem, während die beiden seitlichen Flügel jeweils nach links und rechts schwenkten. Er hatte genügend Erfahrung mit Milizen gesammelt, um zu wissen, daß er diese unerfahrenen Bürgerwehren leicht verwirren und einschüchtern konnte. In
der Annahme, sich drei anrückenden Armeen stellen zu müssen,
zerstreuten sich die Verteidiger, während gleichzeitig die Verfolgung
für Hobsons Kavallerie erschwert wurde. Dadurch, daß die
Rebellen die Telegraphenlinien hinter sich kappten und Ellsworth
die Stationen vor sich mit widersprüchlichen und falschen Informationen
versorgte, wußte niemand, wohin sich die Reiter bewegten, und
jede Stadt im südlichen Indiana rechnete mit ihrem Überfall. Gleichzeitig
beschloß General Wallace,
die Rebellen nicht aufzuhalten, sondern aus Indiana zu vertreiben.
Das würde durch den Umstand,
daß das Eisenbahnnetz des Staates zwar gut ausgebaut war, die
verschiedenen Gesellschaften aber unterschiedliche Spurweiten benutzen,
erheblich behindert. Theoretisch konnte Wallace seine Truppen von
Indianapolis aus rasch überallhin verteilen, in der Durchführung
aber mußte er an jedem Knotenpunkt auf Züge der jeweiligen
Linie warten, was effektive Truppenbewegungen fast verhinderte. US-General Lewis Wallace
Die Konföderierten hielten ein Tempo, das noch nie vorher ein Kavallerieverband vorgelegt hatte. Durchschnittlich 23 Stunden befanden sie sich am Tag im Sattel, was General Wallaces Verfolgung, die eigentlich als Jagd geplant war, zur Farce werden ließ. Als er seine Männer in Osgood konzentriert hatte, war Morgan bereits in Versailles. Dort hatten seine getrennt anrückenden Soldaten die 300 Verteidiger überrumpelt und gefangen. Danach ritten sie am Nachmittag des 12. Juli weiter nach Osten. Morgan konnte davon ausgehen, daß sich in Cincinnati, von dem er noch etwa 60 Meilen entfernt war, starke Truppenteile aus Louisville, das offensichtlich außer Gefahr war, gesammelt hatten. Die Stadt anzugreifen, schien also nicht ratsam, und so marschierte er, mit vier Kolonnen eine 25 Meilen weite Fläche bedeckend, gleichzeitig nach Pierceville, Aurora und Milan, um die Föderierten über seine Absichten im Dunkeln zu lassen. In Sunman, wo Morgan seine Truppen zur Überschreitung der Grenze nach Ohio wieder vereinte, brach er am Morgen des 13. Juli zum längsten Kavalleriemarsch der Geschichte auf.
Als Morgan bei Harrison
die Grenze nach Ohio überschritt, befanden
sich noch ungefähr 2´000 Mann unter seinem Kommando. Neben den
Toten und Verwundeten, die man zurückgelassen hatte, war auch
John Davis' Kompanie verloren. Sie hatte nach Abschluß ihrer
Mission den Ohio bei Twelve Mile Island überquert, war darauf
in einen Hinterhalt der 73. Indiana Volunteers geraten und hatte sich
ergeben. Morgan
hatte inzwischen Cincinnati unter großen Strapazen
nördlich
umgangen und ein Detachment nordöstlich nach Hamilton geschickt,
um einen Angriff auf diese Stadt vorzutäuschen. Burnside, der
von General Halleck bedrängt wurde, wußte nicht, wo er
seine Truppen konzentrieren sollte, und beschränkte sich auf
die Verteidigung Cincinnatis. US-General Henry Moses Judah Judah hatte Cincinnati nur zehn Stunden zu spät erreicht und war sofort weiter geeilt. Tods Ruf nach Miliz waren zu diesem Zeitpunkt bereits 50´000 Männer gefolgt, und Hobson hatte Colonel A. V. Kautz mit dem 2. und 7. Ohio vorausgeschickt, um Morgan zu überholen und aufzuhalten. Gleichzeitig teilte Morgan seine Männer auf. Während er selbst weiter durch Sardinia, Winchester und Locust Grove zog, schwenkte eine Abteilung unter Colonel Dick Morgan nach Ripley am Flußufer, um den Eindruck zu erwecken, die Südstaatler wollten den Ohio dort überqueren. Die Bürgerwehr in diesem Staat war besser organisiert als in Indiana, und sie behinderte die Reiter durch gefällte Bäume, verbarrikadierte Straßen und Hinterhalte. Neben den Opfern, die solche Heckenschützen forderten, kosteten diese Aktionen wertvolle Zeit. Immer wieder mußten kleinere Einheiten vorauseilen, um den Weg zu sichern und Miliz zu vertreiben. In Jackson dirigierte Ellsworth die örtlichen „Axtmänner" nach Chillicothe, indem er die Nachricht verbreitete, Morgan wolle dort die Marietta-Cincinnati-Railroad, die wichtigste Linie des südlichen Ohio, unterbrechen. Morgan marschierte südlich dieser Strecke weiter und wollte die Furt bei Buffington Island erreichen. Die Reiter konnten ihren Vorsprung nur infolge der hervorragenden Kriegslisten ihres Generals aufrechterhalten. So schickte er einige Männer in Zivil seinen Verfolgern entgegen, um sie vor einem angeblichen Hinterhalt der Rebellen zu warnen. Während Hobson seine Kavallerie und die Geschütze formierte, konnten die Südstaatler Zeit gewinnen. Auch auffällige Feuer, die sie nachts hinter sich brennen ließen, veranlaßten Hobson und Shackleford des öfteren, vermeintliche Lager anzugreifen, was jedesmal wertvolle Stunden kostete. Als
Morgan sich am 17. Juli Rutland näherte,
durchquerte er den Leading Creek bei einer Furt und schwenkte südlich
nach Middleport, wo die Soldaten von schwerem Sperrfeuer empfangen
wurden.
Da die Konföderierten nicht wußten, ob sie nicht schon
von Judahs Männern angegriffen wurden, vermieden sie eine
frontale Attacke und schlugen einen Bogen nach Osten. In
Chester hielt Morgan derweil eine Lagebesprechung und schickte
Scouts aus, die die beste Route zum Ohio erkunden sollten. Das
Gelände am Buffington Ford gleicht einem
an zwei Seiten von Hügeln eingeschlossenen Dreieck, durch
dessen Spitze sich die Straße von Chester dem Ohio nähert.
Zwei kleinere Straßen verlaufen am Fluß entlang
nach Norden und Süden. In den Morgenstunden des 19. stürmten
Smith und Grigsby die Anhöhe, über die man auf das
freie Gelände gelangte. Da die von Scouts am Abend zuvor
gesichtete Miliz jedoch über Nacht geflüchtet war,
marschierte Grigsby die Straße entlang zum Fluß weiter,
während sich Smiths Männer südlich hielten.
An der Uferstraße trafen sie auf Judahs Vorhut, das 8.
Indiana unter Colonel Butler, gefolgt von der 14. Illinois
Cavalry, mit dem 11. (US) Kentucky an Butlers rechter Flanke.
Die Rebellen griffen sofort an und schlugen die Föderierten
in die Flucht. Danach nahmen sie eine starke Verteidigungsposition
südlich der Furt ein. Gleichzeitig begann Morgan, die
Verwundeten in zwei Booten über den Fluß zu setzen.
Die Katastrophe zeichnete sich ab, als Johnsons Reitervorhuten meldeten, Kautz rücke über die Straße von Chester her an. Judah, dessen Hauptkolonne inzwischen aufgerückt war, brachte das 5. und 6. Kentucky jetzt in arge Bedrängnis. General Morgan erkannte, daß eine Flucht über den Ohio unmöglich sein würde, und versuchte, seine Männer, die sich unter dem schweren Feuer der Unionstruppen in zwei zueinander rechtwinkligen Linien formiert hatten, zu einem geordneten Rückzug zu sammeln. Während Johnsons Männer durch Wolfords heftige Attacken immer mehr zum Fluß abgedrängt wurden, begannen Artilleriegeschosse in den Reihen der Südstaatler einzuschlagen. Fitchs Kanonenboot, die „USS Moose", hatte Buffington erreicht und mit ihren 24-Pfündern in die Schlacht eingegriffen. Hinter ihr näherte sich der mit Bordgeschützen bestückte Liniendampfer „Allegheny Belle". Ein Zusammenbrechen der Front am Fluß konnte nur durch Major Bullits tollkühne Attacke mit einer Abteilung des 6. Kentucky in die Reihen des 5. Indiana unter Lieutenant O'Neil, die das ganze Regiment zurückwarf, verhindert werden.
Der Rebellengeneral sollte Ohio noch eine weitere Woche in Atem halten. Nachdem Burnside das Kommando über die Verfolger Shackleford und Wolford übertragen hatte, setzten sie ihm mit Detachments des 1. Kentucky, 2. Tennessee, des 2. und 45. Ohio und den 14. Illinois Volunteers nach. Bei Reedsville gelang es Johnson, mit 360 konföderierten Soldaten die Furt zu durchqueren, bevor das Kanonenboot „Moose", das Morgan gefolgt war, die restlichen Reiter zurückdrängte. Nachdem Morgan seine verbliebene, 740 Mann starke Truppe neu organisiert hatte, marschierte er mit Colonel Cluke an der Spitze der zweiten und Major Webber als neuem Kommandeur der ersten Brigade in einem Bogen südwärts nach Chesire, um den Ohio bei Eight Mile Island zu passieren. Er wurde jedoch von einem zweiten umgerüsteten Flußschiff, der „Condor", am Übersetzen gehindert und mußte sich in nordwestlicher Richtung zurückziehen. Westlich von Chesire stieß er auf Shackleford, dem sich 140 Verwundete und erschöpfte Männer ergaben. Währenddessen setzte sich die Hauptkolonne ab und erreichte am Abend des 20. Juli Nelsonville. Die
Rebellen verloren immer mehr an Vorsprung und auch
an Männern,
die entweder aus Erschöpfung zurückfielen und
gefangengenommen wurden oder in Scharmützel mit
Wolfords Vorhut verwickelt wurden. Zusätzlich
hatte Burnside eine weitere Truppe unter Major George
W. Rue
aufgestellt, die aus 375 rekonvaleszenten
Kavalleristen des 9. (US-)Kentucky, 11. (US-) Kentucky,
8. Michigan, 1. und 12. Kentucky und drei Geschützen
der 15. Indiana Battery unter Lieutenant Tarr bestand.
Sie sollte entscheidenden Anteil am Erfolg der Föderierten
haben, nachdem sie in drei Zügen von Covington über
Columbus nach Mingo Junction gefahren war. Bei
Salineville wurden sie von Major W. B. Way mit seiner
9. Michigan Cavalry angegriffen. Dieser hatte
bis dahin nur rund um Cincinnati operiert, war aber
von Burnside nach dem Gefecht bei Buffington den
Ohio hinaufgeschickt worden. Obwohl Way von Captain Ralph
Sheldon mit einer Kompanie des 2. Kentucky abgewehrt
wurde, verlor Morgan fast 300 Mann, unter ihnen über
200 Gefangene.
US-General James Murray Shackleford Er
ergab sich dem Milizhauptmann und ritt Major Rue entgegen, der seine
Kapitulation entgegennahm,
eine Ehre für den Unionsoffizier, die der nach
einer Stunde eintreffende Shackleford später
für sich beanspruchte. „wenigstens ihr Hauptziel erreichten, indem sie Burnsides
Marsch nach Süden zu einem früheren
Zeitpunkt, in Verbindung mit Rosecrans' Vormarsch
auf Tullahoma,
verhinderten, was Braggs Rückzug zu
einem weitaus schwierigeren Manöver
als das unbehelligte Zurückziehen,
das es schließlich war, gestaltet hätte."
Die
Theorie, seine Abwesenheit hätte zu Braggs
Niederlage bei Chickamauga beigetragen, kann allerdings
nicht widerlegt werden, ja, man muß sogar davon
ausgehen, daß 2´400 erfahrene Kavalleristen
den Verlauf der Schlacht entscheidend verändert
hätten.
Das Foto zeigt einige von Morgans „terrible Men”, nachdem sie in Gefangenschaft geraten und in Camp Douglas interniert waren.
Offiziell - und seinem abenteuerlichen Ruf entsprechend - hatten die Rebellen einen Tunnel aus ihrem Zellenblock gegraben und anschließend die Mauer überwunden. Am 8. Januar 1864 wurde dem gefeierten Helden in Richmond ein triumphaler Empfang bereitet, und dank seiner erfolgreichen Kampagnen 1862 erhielt Morgan bereits im Februar ein neues Kommando, das sich zum Teil aus seinen Veteranen zusammensetzte. Im
April wurde ihm das Department of Southwest Virginia unterstellt,
womit er General Beauregard
angegliedert
war, dem die Leitung des Departments of North Carolina and South
Virginia übertragen
worden war, um Richmond gegen die drohende Invasion unter General
Benjamin F. Butler von der Küste aus zu verteidigen. Ende
Mai brach er zu seinem letzten Raid nach Kentucky auf, wo er mit
Forrest Shermans Verbindungslinien
nach Georgia unterbrechen
wollte.
Am 1. Juni kämpfte er bei Pound Gap und nahm am 8. die föderierte
Garnison von Mt. Sterling gefangen. Danach marschierte er nach
Lexington. Nachdem er die Stadt am 10. Juni besetzt hatte, besiegte
er am nächsten
Tag Hobson bei Cynthiana. Am
12. Juni traf er dort auf 1´500 Unionssoldaten unter Brigadegeneral
Stephen Gano Burbridge, der
Anfang des Jahres Boyle als Kommandeur
des District of Kentucky abgelöst hatte. Dieser
schlug ihn vernichtend, wobei Morgan fast die Hälfte
seiner 1´300
Männer
verlor und nach Abingdon in Virginia floh, wo er am 20.
Juni eintraf.
Er wurde jedoch am nächsten Morgen von US-Kavallerie der Tennessee Volunteers unter Brigadegeneral Alvan Cullem Gillem überrascht, die seine Soldaten in ein schweres Gefecht verwickelten, wobei 100 seiner Leute starben und 75 in Gefangenschaft gerieten. John Morgan selbst wurde im Garten des Hauses, in dem er übernachtet hatte, getötet.
Romantischer Hoffnungsträger und Symbolfigur des „Lost Cause"
John Morgan war
bereits nach seinen ersten Raids zur Legende geworden. Seine Hochzeit
mit Mattie
Ready, einer glühenden Anhängerin
der Konföderation, Schon
bald galt es als Ehre für
jeden konföderierten Soldaten,
zu „Morgan's terrible men", wie sie im Norden genannt
wurden, gehören zu dürfen. Obwohl
oder gerade weil Morgan das Zusammenarbeiten mit anderen Offizieren
und die
korrekte Ausführung von Befehlen nie lernen wollte, stellte
er für die Südstaatler die Entsprechung dessen, was die
Konföderation
politisch gesehen war, als Mensch dar. Er widersetzte sich Vernunftgründen
und Vorschriften und wurde als der Prototyp des „gallant
soldier" zum
Idol in den durch schwere Niederlagen angeschlagenen und durch
die Blockade wirtschaftlich ruinierten Südstaaten. Im Norden wurde er als Mensch hoch geschätzt und als Raider gefürchtet, und General John McClernand äußerte sich im Januar 1863 besorgt über Einwohner von Illinois, die in Hurra-Rufe für Morgan, Davis und Stonewall Jackson ausgebrochen waren. Anekdoten
wie die folgende des romantischen Helden, der stets höflich
und zuvorkommend auftrat, kursierten bald bis nach Washington:
„Mein Name ist John Morgan", erwiderte er, „und meine Zeugen sind 1400 konföderierte Soldaten." John
Hunt Morgan ging als einer jener Kavaliere wie Turner Ashby, „Jeb" Stuart oder Earl
Van Dorn, die für die Südstaatler den „Lost
Cause" personifizierten
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