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Der große Raid 1863 Im Sommer 1863
standen die Zeichen schlecht für die Konföderation. Bei Gettysburg,
Vicksburg und Tullahoma waren ihr entscheidende Schläge zugefügt
worden. General Bragg sah sich gezwungen, seine Position in Mitteltennessee
aufzugeben, und zog sich nach Chattanooga zurück. Dukes Brigade setzte sich aus dem 2. Kentucky-Regiment unter Major T. C. Webber, dem 5. Kentucky unter Colonel D. Howard Smith, dem 6. Kentucky unter Colonel J. W. Grigsby, dem 9. Kentucky unter Colonel W. C. P. Breckinridge und dem 9. Tennessee unter Colonel W. W. Ward zusammen. Ihm waren auch die Geschütze unter Captain Edward Byrnes unterstellt worden. Johnson befehligte das 7. Kentucky unter Lieutenant Colonel J. M. Huffman, das 8. Kentucky unter Colonel R. S. Cluke, sein eigenes 10. Kentucky und das 11. Kentucky unter Colonel D. W. Chenault. Zusätzlich hatte ihm Morgan noch das 14. Kentucky unter dem Kommando seines Bruders, Richard C. Morgan, angegliedert. General Morgans Truppe bestand aus allen Schichten von Patrioten aus dem Süden. Unter ihnen befanden sich reiche Pflanzer und Baumwollagenten, die mit ihren eigenen Sklaven und in maßgeschneiderten Uniformen in den Krieg gezogen waren, genauso wie einfache Farmer, die in ihrer Arbeitskleidung oder in den billigen grauen Uniformen aus den Depots kämpften. Sie alle aber waren hervorragende Reiter, was Sherman veranlaßte, sie als „die beste Kavallerie der Welt" zu bezeichnen. Über 1´000 Meilen ritten und kämpften die Rebellen, nach Indiana und Ohio, über Cincinnati hinaus bis fast nach Pennsylvania. Was von Bragg als Ablenkungs- und Schutzmanöver genehmigt worden war, weitete Morgan zu einem wagemutigen Feldzug auf eigene Verantwortung und gegen dessen ausdrücklichen Befehl aus, um „den Geschmack des Krieges auch in den ahnungslosen Norden zu tragen".
Über den Cumberland nach Kentucky
Außer Morgan
wußten nur sein Schwager Basil Duke, Adam R. Johnson und die Regimentsführer
von seiner Absicht, bis nach Ohio vorzustoßen. Er hatte seine
Truppen bereits Anfang Juni in Sparta zusammengezogen, war aber im letzten
Moment von Bragg abkommandiert worden, um eine feindliche Einheit in
Osttennessee abzufangen. Die Bedeutung dieser Verspätung sollte
erst am Ende dieses Unternehmens erkannt werden. Brigadegeneral
Henry M. Judah hatte seine 2. Brigade unter Brigadegeneral Edward Hobson
von Columbia nach Tompkinsville abberufen, was den Rebellen den Weg
nach Norden ebnete, während er selbst nach Carthage zog, um Morgan
dort anzugreifen. Als Späher meldeten, Morgan habe sich in Marsch
gesetzt, verlangte Hobson von Judah die Erlaubnis, ihn aufhalten zu
dürfen, was dieser zornig ablehnte. Statt dessen befahl er Hobson
„alle militärischen Operationen zu unterlassen". Als
Folge dieses Befehls konnte Morgan ohne viel Widerstand den Fluß
überqueren und auf der Straße nach Columbia kampieren. US-General Edward Henry Hobson „Der 4. Juli ist ein schlechter Tag für Übergaben, daher muß ich
ablehnen", erwiderte Moore, der sich in der stärkeren Position
wußte. Weder das 5.
Kentucky, das auf Morgans Befehl zu Hilfe eilte, noch Byrnes Kanonen
konnten eine Entscheidung herbeiführen, da die zahlreichen Bäume
und das dichte Unterholz sowohl das Ausspielen einer numerischen Überlegenheit
als auch einen effektiven Artillerieeinsatz verhinderten. „Alles
an der Schlacht, aus der Sicht der Rebellen, war falsch. Es war nicht
die Art von Auseinandersetzung, für die Kavalleristen ausgebildet
sind, nicht einmal Morgans Raiders. Sogar erfahrene Infanteristen mit
Artillerieunterstützung hätten die Widrigkeiten zu schwer
gefunden. Nachdem Chenault getötet worden war, fielen ein Major,
zwei Captains, drei Lieutenants und etliche Unteroffiziere bei dem Versuch,
ihre Männer zu sammeln. Gegen Mittag
schließlich stellte Morgan das Feuer ein und tat, das, was er
von Anfang an hätte tun sollen: er ließ Moore in seiner Stellung
und setzte eine Meile flußaufwärts über den Green River.
Damit hatte er die Vorteile auf seiner Seite, denn die Infanteristen
von Moore konnten nur innerhalb ihrer Verteidigungsstellung von Nutzen
sein, eine ernsthafte Gefahr für Morgans Reiter stellten sie aber
nicht dar. Morgan marschierte
in einer langgezogenen Doppelreihe mit seiner Artillerie im Zentrum
auf die Stadt zu. Er wollte Hanson mit dieser Demonstration seiner Stärke
- unter Vermeidung einer Schlacht - zur Übergabe bewegen, da sich
unter den Verteidigern viele Freunde und Verwandte seiner eigenen Leute
befanden. Nur durch Basil
Dukes Initiative konnte Lebanon schließlich genommen werden. Morgan
stimmte nämlich seinem Plan zu, der vorsah, Smith mit seiner Kavallerie
zu einem Überraschungsangriff in die Flanke der Nordstaatler zu
schicken, um das 2. Kentucky unter der Deckung dieser Attacke in die
Straßen der Stadt zu schleusen. Als Smith vorstürmte, fielen
auch Clukes Männer mit in den Angriff ein, während sich Webber
im Schutz der Häuser zum Depot vorarbeitete. Nach vierstündigem
Kampf unter mörderischen Temperaturen hatten die Rebellen das befestigte
Gebäude endlich umstellt und erzwangen die Übergabe. US-General Jeremiah Tilford Boyle In Bardstown fing „Lightning" Ellsworth mehrere Nachrichten aus Louisville an verschiedene Unionseinheiten ab, aus denen zu ersehen war, daß General Boyle einen bevorstehenden Angriff der Südstaatler auf die Stadt befürchtete. Mit einer Armee, deren Größe von Ellsworth ständig via Telegraph erhöht wurde, nur 35 Meilen südlich von Louisville, bestand für seine Einwohner ernsthafter Grund zu dieser Annahme. „Sie
befanden sich dennoch in keiner wirklichen Gefahr. Morgan war zu klug,
als daß er eine so große Stadt wie Louisville angegriffen
hätte, und hatte schon lange vorher beschlossen, sie weit zu umgehen.
Aber die Gelegenheit, in der Stadt Schrecken zu verbreiten und gleichzeitig
so viele Truppen wie möglich dort zu immobilisieren, war zu günstig,
um sie nicht wahrzunehmen. Also beorderte der General Captain Davis,
als die Kolonne durch Shepherdsville ritt, mit der Kompanie D des 2.
Kentucky und der Kompanie A des 8. Kentucky zu einem Streifzug nahe
der südlichen Ausläufer der Stadt. Die Anweisungen waren ausführlich;
Davis sollte sein Detachment als die Hauptkolonne ausgeben. Während
dieses für ihn typischen Manövers marschierte er mit seiner
Armee weiter nach Bardstown Junction, um bei Brandenburg an den Fluß
zu gelangen. Er hatte die Captains Clay Merriwether und Sam Taylor mit
ihren Kompanien des 10. Kentucky direkt nach dorthin vorausgeschickt,
um Boote zum Überqueren des Ohio zu beschaffen. Mit A. R. Johnsons
Brigade an der Spitze setzten sie ihren Marsch Richtung Garnettsville,
wenige Meilen vor Brandenburg, fort. Inzwischen hatten
die Nachrichten über John Morgans Raid auch General Rosecrans in
Tullahoma erreicht, der sich anschickte, Bragg aus Tennessee zu vertreiben.
Dazu war er auf die Louisville-&-Nashville Eisenbahn angewiesen.
Sollte Morgan diese Linie unterbrechen, würde die Cumberlandarmee
in ernste Versorgungsschwierigkeiten geraten. Bevor dieser sich aber
nach Tennessee zurückwandte, waren Rosecrans' Hände gebunden.
Einfall in Indiana
War es in Kentucky die fehlende Miliz gewesen, die es Morgan erlaubt hatte, quer durch den ganzen Staat bis an die Grenze vorzustoßen, lag es in Indiana an fehlender Koordination und Erfahrung der in genügender Anzahl bereitstehenden Ziviltruppen. Mangelnde Führungskräfte und widersprüchliche Befehle des Gouverneurs, General Burnsides und von General Lew Wallace, der eigens aus Washington abberufen worden war, führten immer wieder zur Aufsplitterung der Kräfte, die, effektiv organisiert, Morgan bereits in Salem hätten aufhalten können. Merriwether und Taylor hatten zwei Flußschiffe, die „John B. McCombs" und die „Alice Dean", auf dem Ohio beschlagnahmt. Am Morgen des 8. Juli hatte Morgan seine gesamten Truppen in Brandenburg und war bereit zum Übersetzen, als man vom gegenüberliegenden Ufer Kanonendonner hörte. Am Anlegeplatz hatte sich eine Milizabteilung formiert, die die Rebellen am Überqueren hindern wollte. Byrnes brachte seine Parrotts in Stellung und feuerte einige Salven. Darauf setzten zwei von Dukes Regimentern, das 2. Kentucky und das 9. Tennessee, mit den Schiffen über und vertrieben die Miliz. Kurz danach tauchte hinter einer Flußbiegung ein föderiertes Kanonenboot auf, die „USS Springfield", unter dem Kommando von Lieutnant Commander LeRoy Fitch, USN. Nach der Meldung, daß zwei Flußschiffe gekapert worden seien, hatte er die „Springfield" von New Albany aus in Marsch gesetzt. Morgan
hatte keine Minute zu verlieren, da sich Hobson stetig näherte,
die Truppen in Indiana alarmiert waren und er selbst den Geschützen
des Kanonenboots ohne Deckung ausgeliefert war. Byrnes ließ seine
vier Kanonen anspannen und auf einer Landzunge postieren, von wo er
das Kriegsschiff unter Beschuß nahm. Nun selbst beschossen und
heftig schwankend, mußte die „Springfield"
abdrehen, und Morgan konnte seine Männer über den Ohio bringen. Jetzt befand
sich John Morgan in Feindesland - mit 4´000 Unionssoldaten im
Rücken und Tausenden von Miliztruppen vor sich, gegen die er seine
Veteranen und vor allem den Überraschungseffekt auf seiner Seite
einsetzen mußte. Am 9. Juli erreichten die Südstaatler mit
Dick Morgans Regiment an der Spitze Corydon, wo sich eine 500 Mann starke
Bürgerwehr hinter einer hohen Barrikade verschanzt hatte. Sie konnte
dem 14. Kentucky kurze Zeit Widerstand leisten, bis Colonel Johnson
das Schanzwerk mit den beiden Haubitzen zerschoß und ein zweites
Regiment von der Flanke her vorstieß, während ein massiver
Frontalangriff die Milizstellung überrannte. Die Stadt wurde geplündert
und das einzige Privathaus während des ganzen Raids niedergebrannt,
in dem die Konföderierten Heckenschützen vermuteten. US-General Milo Smith Hascall Indianapolis lag jetzt, nur von zwei Kompanien der 63. Indiana Infantry beschützt, nach Ansicht Mortons offen vor den Rebellen. Brigadegeneral Milo Hascall wurde mit der Verteidigung der Stadt beauftragt, und innerhalb von 48 Stunden befanden sich 65´000 teils bewaffnete Männer in Indianapolis, bereit, sich gegen die vermeintliche Invasion zu verteidigen. Kurze Zeit später fanden sich Colonel DeLands 1. Michigan Scharfschützen und die 12. Michigan Battery ein, und Morton forderte zusätzliche 17´000 Musketen aus Staatsarsenalen an, da er einen Aufstand der 6´000 konföderierten Kriegsgefangenen im nahegelegenen Camp Morton befürchtete. Auf seinem Weg nach Salem teilte Morgan seine Männer in zwei Kolonnen auf, die entlang der beiden parallelen Straßen so eine größere Fläche bedeckten und leichter nach links und rechts abschwenken konnten, um die umliegenden Farmen nach frischen Pferden abzusuchen. Am Abend des 9. Juli kampierten die Südstaatler 16 Meilen vor Salem, 25 Meilen nördlich des Ohio, den Hobson zur selben Zeit überquerte. Da er unter Zeitdruck stand, ließ er seinen Versorgungszug in Kentucky zurück und telegraphierte allen Städten und Dörfern in Südindiana, man solle ihm Verpflegung bereitstellen. Morgan, der sich wie kaum ein anderer auf die Taktik der Kavallerieraids verstand, teilte seine Truppe am nächsten Tag in drei Züge auf. Mit der Hauptkolonne zog er weiter nach Salem, während die beiden seitlichen Flügel jeweils nach links und rechts schwenkten. Er hatte genügend Erfahrung mit Milizen gesammelt, um zu wissen, daß er diese unerfahrenen Bürgerwehren leicht verwirren und einschüchtern konnte. In
der Annahme, sich drei anrückenden Armeen stellen zu müssen,
zerstreuten sich die Verteidiger, während gleichzeitig die Verfolgung
für Hobsons Kavallerie erschwert wurde. Dadurch, daß die
Rebellen die Telegraphenlinien hinter sich kappten und Ellsworth
die Stationen vor sich mit widersprüchlichen und falschen Informationen
versorgte, wußte niemand, wohin sich die Reiter bewegten, und
jede Stadt im südlichen Indiana rechnete mit ihrem Überfall. Gleichzeitig
beschloß General Wallace, die Rebellen nicht aufzuhalten, sondern
aus Indiana zu vertreiben. Das würde durch den Umstand, daß
das Eisenbahnnetz des Staates zwar gut ausgebaut war, die verschiedenen
Gesellschaften aber unterschiedliche Spurweiten benutzen, erheblich
behindert. Theoretisch konnte Wallace seine Truppen von Indianapolis
aus rasch überallhin verteilen, in der Durchführung aber mußte
er an jedem Knotenpunkt auf Züge der jeweiligen Linie warten, was
effektive Truppenbewegungen fast verhinderte. US-General Lewis Wallace Die Konföderierten hielten ein Tempo, das noch nie vorher ein Kavallerieverband vorgelegt hatte. Durchschnittlich 23 Stunden befanden sie sich am Tag im Sattel, was General Wallaces Verfolgung, die eigentlich als Jagd geplant war, zur Farce werden ließ. Als er seine Männer in Osgood konzentriert hatte, war Morgan bereits in Versailles. Dort hatten seine getrennt anrückenden Soldaten die 300 Verteidiger überrumpelt und gefangen. Danach ritten sie am Nachmittag des 12. Juli weiter nach Osten. Morgan konnte davon ausgehen, daß sich in Cincinnati, von dem er noch etwa 60 Meilen entfernt war, starke Truppenteile aus Louisville, das offensichtlich außer Gefahr war, gesammelt hatten. Die Stadt anzugreifen, schien also nicht ratsam, und so marschierte er, mit vier Kolonnen eine 25 Meilen weite Fläche bedeckend, gleichzeitig nach Pierceville, Aurora und Milan, um die Föderierten über seine Absichten im Dunkeln zu lassen. In Sunman, wo Morgan seine Truppen zur Überschreitung der Grenze nach Ohio wieder vereinte, brach er am Morgen des 13. Juli zum längsten Kavalleriemarsch der Geschichte auf.
Ende des Raids in Ohio Als Morgan bei
Harrison die Grenze nach Ohio überschritt, befanden sich noch ungefähr
2´000 Mann unter seinem Kommando. Neben den Toten und Verwundeten,
die man zurückgelassen hatte, war auch John Davis' Kompanie verloren.
Sie hatte nach Abschluß ihrer Mission den Ohio bei Twelve Mile
Island überquert, war darauf in einen Hinterhalt der 73. Indiana
Volunteers geraten und hatte sich ergeben. Morgan hatte
inzwischen Cincinnati unter großen Strapazen nördlich umgangen
und ein Detachment nordöstlich nach Hamilton geschickt, um einen
Angriff auf diese Stadt vorzutäuschen. Burnside, der von General
Halleck bedrängt wurde, wußte nicht, wo er seine Truppen
konzentrieren sollte, und beschränkte sich auf die Verteidigung
Cincinnatis. US-General Henry Moses Judah Judah hatte Cincinnati nur zehn Stunden zu spät erreicht und war sofort weiter geeilt. Tods Ruf nach Miliz waren zu diesem Zeitpunkt bereits 50´000 Männer gefolgt, und Hobson hatte Colonel A. V. Kautz mit dem 2. und 7. Ohio vorausgeschickt, um Morgan zu überholen und aufzuhalten. Gleichzeitig teilte Morgan seine Männer auf. Während er selbst weiter durch Sardinia, Winchester und Locust Grove zog, schwenkte eine Abteilung unter Colonel Dick Morgan nach Ripley am Flußufer, um den Eindruck zu erwecken, die Südstaatler wollten den Ohio dort überqueren. Die Bürgerwehr in diesem Staat war besser organisiert als in Indiana, und sie behinderte die Reiter durch gefällte Bäume, verbarrikadierte Straßen und Hinterhalte. Neben den Opfern, die solche Heckenschützen forderten, kosteten diese Aktionen wertvolle Zeit. Immer wieder mußten kleinere Einheiten vorauseilen, um den Weg zu sichern und Miliz zu vertreiben. In Jackson dirigierte Ellsworth die örtlichen „Axtmänner" nach Chillicothe, indem er die Nachricht verbreitete, Morgan wolle dort die Marietta-Cincinnati-Railroad, die wichtigste Linie des südlichen Ohio, unterbrechen. Morgan marschierte südlich dieser Strecke weiter und wollte die Furt bei Buffington Island erreichen. Die Reiter konnten ihren Vorsprung nur infolge der hervorragenden Kriegslisten ihres Generals aufrechterhalten. So schickte er einige Männer in Zivil seinen Verfolgern entgegen, um sie vor einem angeblichen Hinterhalt der Rebellen zu warnen. Während Hobson seine Kavallerie und die Geschütze formierte, konnten die Südstaatler Zeit gewinnen. Auch auffällige Feuer, die sie nachts hinter sich brennen ließen, veranlaßten Hobson und Shackleford des öfteren, vermeintliche Lager anzugreifen, was jedesmal wertvolle Stunden kostete. Als
Morgan sich am 17. Juli Rutland näherte, durchquerte er den Leading
Creek bei einer Furt und schwenkte südlich nach Middleport, wo
die Soldaten von schwerem Sperrfeuer empfangen wurden. Da die Konföderierten
nicht wußten, ob sie nicht schon von Judahs Männern angegriffen
wurden, vermieden sie eine frontale Attacke und schlugen einen Bogen
nach Osten. In
Chester hielt Morgan derweil eine Lagebesprechung und schickte
Scouts aus, die die beste Route zum Ohio erkunden sollten. Das Gelände
am Buffington Ford gleicht einem an zwei Seiten von Hügeln eingeschlossenen
Dreieck, durch dessen Spitze sich die Straße von Chester dem Ohio
nähert. Zwei kleinere Straßen verlaufen am Fluß entlang
nach Norden und Süden. In den Morgenstunden des 19. stürmten
Smith und Grigsby die Anhöhe, über die man auf das freie Gelände
gelangte. Da die von Scouts am Abend zuvor gesichtete Miliz jedoch über
Nacht geflüchtet war, marschierte Grigsby die Straße entlang
zum Fluß weiter, während sich Smiths Männer südlich
hielten. An der Uferstraße trafen sie auf Judahs Vorhut, das 8.
Indiana unter Colonel Butler, gefolgt von der 14. Illinois Cavalry,
mit dem 11. (US) Kentucky an Butlers rechter Flanke. Die Rebellen griffen
sofort an und schlugen die Föderierten in die Flucht. Danach nahmen
sie eine starke Verteidigungsposition südlich der Furt ein. Gleichzeitig
begann Morgan, die Verwundeten in zwei Booten über den Fluß
zu setzen. US-General August Valentine Kautz Die Katastrophe zeichnete sich ab, als Johnsons Reitervorhuten meldeten, Kautz rücke über die Straße von Chester her an. Judah, dessen Hauptkolonne inzwischen aufgerückt war, brachte das 5. und 6. Kentucky jetzt in arge Bedrängnis. General Morgan erkannte, daß eine Flucht über den Ohio unmöglich sein würde, und versuchte, seine Männer, die sich unter dem schweren Feuer der Unionstruppen in zwei zueinander rechtwinkligen Linien formiert hatten, zu einem geordneten Rückzug zu sammeln. Während Johnsons Männer durch Wolfords heftige Attacken immer mehr zum Fluß abgedrängt wurden, begannen Artilleriegeschosse in den Reihen der Südstaatler einzuschlagen. Fitchs Kanonenboot, die „USS Moose", hatte Buffington erreicht und mit ihren 24-Pfündern in die Schlacht eingegriffen. Hinter ihr näherte sich der mit Bordgeschützen bestückte Liniendampfer „Allegheny Belle". Ein Zusammenbrechen der Front am Fluß konnte nur durch Major Bullits tollkühne Attacke mit einer Abteilung des 6. Kentucky in die Reihen des 5. Indiana unter Lieutenant O'Neil, die das ganze Regiment zurückwarf, verhindert werden. Erst langsam konnten sich die Konföderierten zum Rückzug sammeln, während das 6. Kentucky Judah in Schach hielt. Unter dem Feuer der Kriegsschiffe verwandelte sich der Rückzug jedoch schnell in eine wilde Flucht, wobei einige versuchten, über den Ohio zu entkommen, andere in die Hügel flohen. Morgan hatte den Hohlweg, der zur Straße nach Portland führte, bereits erreicht und konnte sich mit 1´100 seiner Reiter retten, zu denen auch Johnson mit einigen Männern stieß. Duke ergab sich mit 700 Soldaten Hobson. Trotz der Heftigkeit des Gefechts hatten die Bundestruppen nur 25 Tote und Verletzte zu beklagen. Die Südstaatler verzeichneten 120 Verluste. Der Rebellengeneral sollte Ohio noch eine weitere Woche in Atem halten. Nachdem Burnside das Kommando über die Verfolger Shackleford und Wolford übertragen hatte, setzten sie ihm mit Detachments des 1. Kentucky, 2. Tennessee, des 2. und 45. Ohio und den 14. Illinois Volunteers nach. Bei Reedsville gelang es Johnson, mit 360 konföderierten Soldaten die Furt zu durchqueren, bevor das Kanonenboot „Moose", das Morgan gefolgt war, die restlichen Reiter zurückdrängte. Nachdem Morgan seine verbliebene, 740 Mann starke Truppe neu organisiert hatte, marschierte er mit Colonel Cluke an der Spitze der zweiten und Major Webber als neuem Kommandeur der ersten Brigade in einem Bogen südwärts nach Chesire, um den Ohio bei Eight Mile Island zu passieren. Er wurde jedoch von einem zweiten umgerüsteten Flußschiff, der „Condor", am Übersetzen gehindert und mußte sich in nordwestlicher Richtung zurückziehen. Westlich von Chesire stieß er auf Shackleford, dem sich 140 Verwundete und erschöpfte Männer ergaben. Währenddessen setzte sich die Hauptkolonne ab und erreichte am Abend des 20. Juli Nelsonville. Die Rebellen
verloren immer mehr an Vorsprung und auch an Männern, die entweder
aus Erschöpfung zurückfielen und gefangengenommen wurden oder
in Scharmützel mit Wolfords Vorhut verwickelt wurden. Zusätzlich
hatte Burnside eine weitere Truppe unter Major George W. Rue aufgestellt,
die aus 375 rekonvaleszenten Kavalleristen des 9. (US-)Kentucky, 11.
(US-) Kentucky, 8. Michigan, 1. und 12. Kentucky und drei Geschützen
der 15. Indiana Battery unter Lieutenant Tarr bestand. Sie sollte entscheidenden
Anteil am Erfolg der Föderierten haben, nachdem sie in drei Zügen
von Covington über Columbus nach Mingo Junction gefahren war. Bei Salineville
wurden sie von Major W. B. Way mit seiner 9. Michigan Cavalry angegriffen.
Dieser hatte bis dahin nur rund um Cincinnati operiert, war aber von
Burnside nach dem Gefecht bei Buffington den Ohio hinaufgeschickt worden.
Obwohl Way von Captain Ralph Sheldon mit einer Kompanie des 2. Kentucky
abgewehrt wurde, verlor Morgan fast 300 Mann, unter ihnen über
200 Gefangene. US-General James Murray Shackleford Er ergab sich
dem Milizhauptmann und ritt Major Rue entgegen, der seine Kapitulation
entgegennahm, eine Ehre für den Unionsoffizier, die der nach einer
Stunde eintreffende Shackleford später für sich beanspruchte.
Obwohl dieser Raid von vielen Historikern als nutzlos, ja sogar als
unnötiges Verheizen wertvoller Südstaatler angesehen wird,
kann nicht bestritten werden, daß Morgans Männer Die Theorie,
seine Abwesenheit hätte zu Braggs Niederlage bei Chickamauga beigetragen,
kann allerdings nicht widerlegt werden, ja, man muß sogar davon
ausgehen, daß 2´400 erfahrene Kavalleristen den Verlauf
der Schlacht entscheidend verändert hätten.
Gefangenschaft und Flucht
Das Foto zeigt einige von Morgans „terrible Men”, nachdem sie in Gefangenschaft geraten und in Camp Douglas interniert waren. Am 27. November
konnte John Morgan mit einigen seiner Offiziere aus dem Gefängnis
flüchten, und sich mit Hilfe konföderierter Sympathisanten
durch Kentucky nach Tennessee durchschlagen. Seine Berühmtheit
war inzwischen bis in weite Teile des Nordens vorgedrungen, und so ist
es kein Wunder, daß sich nach seiner Flucht Gerüchte über
bestochene Wärter und Militärs ausbreiteten. Im April wurde ihm das Department of Southwest Virginia unterstellt, womit er General Beauregard angegliedert war, dem die Leitung des Departments of North Carolina and South Virginia übertragen worden war, um Richmond gegen die drohende Invasion unter General Benjamin F. Butler von der Küste aus zu verteidigen. Morgan, dem es immer widerstrebt hatte, sich größeren Armeen unterzuordnen, begab sich nach Wytheville, wo die Unionsgeneräle Crook und Averell gegen die Virginia-&-Tennessee-Railroad und die dortigen Bleiminen und Salzwerke vorstießen. Brigadegeneral William W. Averell, der mit der 2. Kavalleriedivision den ersten nennenswerten Sieg über konföderierte Kavallerie bei Kelly's Ford im März 1863 errungen hatte, nahm das Dublin Depot und verbrannte die New River Bridge in Virginia. Am 10. Mai brachte ihn Morgan bei Crockett's Cove auf und besiegte ihn. Averell zog sich daraufhin zusammen mit Crook nach Westvirginia zurück. Ende Mai brach
er zu seinem letzten Raid nach Kentucky auf, wo er mit Forrest Shermans
Verbindungslinien nach Georgia unterbrechen wollte. Am 1. Juni kämpfte
er bei Pound Gap und nahm am 8. die föderierte Garnison von Mt.
Sterling gefangen. Danach marschierte er nach Lexington. Nachdem er
die Stadt am 10. Juni besetzt hatte, besiegte er am nächsten Tag
Hobson bei Cynthiana. Am 12. Juni traf er dort auf 1´500
Unionssoldaten unter Brigadegeneral Stephen Gano Burbridge, der Anfang
des Jahres Boyle als Kommandeur des District of Kentucky abgelöst
hatte. Dieser schlug ihn vernichtend, wobei Morgan fast die Hälfte
seiner 1´300 Männer verlor und nach Abingdon in Virginia
floh, wo er am 20. Juni eintraf.
Er wurde jedoch
am nächsten Morgen von US-Kavallerie der Tennessee Volunteers unter
Brigadegeneral Alvan Cullem Gillem überrascht, John Morgan selbst wurde im Garten des Hauses, in dem er übernachtet hatte, getötet.
Romantischer Hoffnungsträger und Symbolfigur des „Lost Cause"
John Morgan war
bereits nach seinen ersten Raids zur Legende geworden. Seine Hochzeit
mit Mattie Ready, einer glühenden Anhängerin der Konföderation,
Schon bald galt es als Ehre für jeden konföderierten Soldaten, zu „Morgan's terrible men", wie sie im Norden genannt wurden, gehören zu dürfen. Aus allen Staaten des Südens empfing er Bittschreiben von Offizieren und Partisanenführern, wie das von Major C. T. Goode vom 2.Georgia Battalion of Partisan Rangers. Ihm war von General Joseph E. Johnston kein Operationsgebiet zugeteilt worden, und so äußerte er den „einstimmigen Wunsch" des Bataillons, „ Ihrem Kommando angegliedert zu werden". Obwohl
oder gerade weil Morgan das Zusammenarbeiten mit anderen Offizieren
und die
korrekte Ausführung von Befehlen nie lernen wollte, stellte
er für die Südstaatler die Entsprechung dessen, was die
Konföderation
politisch gesehen war, als Mensch dar. Er widersetzte sich Vernunftgründen
und Vorschriften und wurde als der Prototyp des „gallant
soldier" zum
Idol in den durch schwere Niederlagen angeschlagenen und durch
die Blockade wirtschaftlich ruinierten Südstaaten. Im Norden wurde er als Mensch hoch geschätzt und als Raider gefürchtet, und General John McClernand äußerte sich im Januar 1863 besorgt über Einwohner von Illinois, die in Hurra-Rufe für Morgan, Davis und Stonewall Jackson ausgebrochen waren. Anekdoten wie
die folgende des romantischen Helden, der stets höflich und zuvorkommend
auftrat, kursierten bald bis nach Washington: „Mein Name ist John Morgan", erwiderte er, „und meine Zeugen sind 1´400 konföderierte Soldaten." John Hunt Morgan
ging als einer jener Kavaliere wie Turner Ashby, „Jeb"
Stuart oder Earl Van Dorn, die für die
Südstaatler den „Lost Cause" personifizierten
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