Mit freundlicher
Unterstützung
„Die Konföderation war ein verspäteter Versuch, das
Recht eines Staates, sich von den Vereinigten Staaten von Amerika abzuwenden,
auszuüben. Colonel Morgan Die Geschichte
der amerikanischen Kavallerie während des Bürgerkrieges
erhält ihre eigene Prägung, wenn man den Blick auf die sogenannten „Raids",
vor allem der konföderierten Reiterei, richtet. Während des
ganzen Krieges existierten viele Einheiten irregulärer Kavalleristen,
die mit ihren Blitzattacken in Rücken und Flanken der Unionsarmeen
oder Nachtangriffen auf Züge des Nordens, Vorposten und Eisenbahneskorten
beständig in Alarmbereitschaft hielten. Da die Verpflegung der
Armeen des Südens zu einem großen Teil aus erbeuteten Vorräten
der Nordstaatler beruhte, lieferten diese Kommandos neben taktischen
Informationen, geraubten Pferden und nicht zuletzt notwendiger moralischer
Unterstützung oft genug auch lebenswichtigen Nachschub aus Unionsbeständen. „Während der Jahre 1862 und 1863 operirte John H. Morgan, ein Guerrilla-Offizier
ohne militärische Bildung, aber im Besitz von Muth und Ausdauer,
Hunt,
der am 1. Juni 1825 in Huntsville, Alabama, geboren war, zog mit
seiner Familie in jungen Jahren nach Kentucky, wo er
im Transylvania
College in Lexington, der Heimat seiner Mutter, erzogen wurde.
Seine erste militärische Erfahrung sammelte er wie zahlreiche andere
spätere Bürgerkriegsoffiziere im Krieg mit Mexiko, wo er
sich bei Buena Vista durch seine Tapferkeit auszeichnete. Nach seiner
Ausmusterung 1847 im Rang eines Lieutenants übernahm er das
Textilgeschäft
seines Vaters, das sein Großvater in Lexington gegründet
hatte. CSA-General Simon B. Buckner
Wheeler,
den Lee später als einen „der beiden fähigsten
Kavallerieoffiziere, die der Krieg hervorgebracht hat" bezeichnete,
hatte zu dieser Zeit bereits ein bedeutendes Buch über
Kavallerietaktik verfaßt. Darin legte er dar, daß leichte
Kavallerie oder berittene Infanterie die Bedürfnisse
des Südens
weit besser erfüllen könne als schwere Kavallerie.
Diese Tatsache war auch Morgan klar, und er wußte stets
alle Vorteile aus einer Einheit zu ziehen, die zu Fuß ebenso
gewandt und effektiv zuschlagen konnte wie zu Pferd. Darauf
beruhte der Erfolg
seiner späteren Raids, die ihm den Dank und die Anerkennung
des konföderierten Kongresses für „verschiedenartige,
heldenhafte und unschätzbare Dienste in Tennessee und
Kentucky, die den Schlachten vor Murfreesboro unmittelbar
vorausgingen",
einbringen sollten. „Morgan's Raids" und die Stones River Kampagne
Positionskarte der Stones River Kampagne Im Juni 1862 kam neue Hoffnung für den Süden auf. Jackson war im Shenandoahtal siegreich gewesen und hatte den Grundstein für eine Legende gelegt. Lee hatte auf der Virginia-Halbinsel angegriffen und McClellans Invasion zurückgeworfen, gleichzeitig hatte „Jeb" Stuart die Schlagkraft konföderierter Kavallerieraids mit seinem Ritt um McClellans gesamte Armee eindrucksvoll vorgeführt. Farragut hatte Vicksburg nicht eingenommen, Halleck hatte sich nicht weit von Corinth entfernt, und Buell, der von Halleck zur Eroberung Chattanoogas geschickt worden war, hatte dieses Ziel auch nicht erreicht. John Hunt Morgan, der nach Shiloh 15000 Dollar zur Aufstellung einer Brigade erhalten hatte, brach am 4. Juli mit zwei Regimentern von Knoxville zu seinem ersten Raid auf, um Buells Vorrücken zu erschweren. Unterstützt wurde er dabei von Operationen des draufgängerischen Brigadegenerals Nathan Bedford Forrest. Forrest, „mehr als sechs Fuß groß, von kraftvoller Gestalt und im Besitz von großartigem Einsatzwillen und Wagemut", fiel am 13. Juli in Murfreesboro ein und nahm die ganze Unionsgarnison gefangen. Morgan war gleich nach Kentucky geritten und hatte am 9. Juli in Tompkinsville vier Kavalleriekompanien überwältigt. Am nächsten Tag nahm er ein Depot bei Glasgow ein und rief in einer Proklamation die Bürger von Kentucky auf, sich „zu erheben und zu bewaffnen und die Hessischen Eindringlinge von ihrem Boden zu vertreiben". Zwei Tage später besetzte er Lebanon und bewegte sich weiter nordöstlich über Harrodsburg, Lawrenceburg, Versailles und Georgetown nach Cynthiana, wo er den nördlichsten Punkt seiner Expedition erreichte. Erst hier stellte sich ihm ein Milizaufgebot entgegen, das ihn in ein heftiges Gefecht verwickelte. Dieses
Vordringen in vom Norden kontrolliertes Gebiet, rief größte
Aufregung in Louisville, dem ungeschützten Lexington und sogar
in Cincinnati in Ohio hervor. Die Stärke seiner Truppe sowie die
Unsicherheit über Morgans jeweiligen Standort veranlaßten
Lincoln, die Garnison in Louisville zu verstärken. Am 13. Juli
telegraphierte er General Boyle: „Sie sollten Gen. Halleck aufsuchen.
Telegraphieren Sie ihm sofort. Ich habe ihm telegraphiert, daß Sie
in Schwierigkeiten sind." In drei Wochen hatte er mit seinen Soldaten über 1´000 Meilen zurückgelegt und die Garnisonen des Nordens in Bowling Green, Louisville und Cincinnati in Alarmbereitschaft versetzt. Dabei hatte er 1200 Gefangene gemacht und selbst nur 100 Männer verloren, was der Moral des Gegners einen erheblichen Schlag versetzte. Buell, der sich nicht zu einer Verfolgung hatte entschließen können, wurde heftig kritisiert: er hätte sich aufhalten und verunsichern lassen. Unter
Morgans Männern befand sich ein hervorragender Telegraphist
aus Kanada namens George „Lightning" Ellsworth. Während
dieser und der folgenden Kampagnen hatte er die Aufgabe, die Rebellen
durch abgefangene feindliche Befehle zu warnen und die Föderierten
mit gefälschten Depeschen auf falsche Fährten zu führen
und zu verwirren. Er beherrschte sein Handwerk so ausgezeichnet, daß er
sogar fingierte Befehle im Namen von General Boyle nach Lexington und
in andere Garnisonen schicken und Nachrichten über frei erfundene
konföderierte Truppen durchgeben konnte, um die Nordstaatler zu
verwirren. Der
Telegraph, die vielgepriesene Erfindung, wurde so von Ellsworth für seine Zwecke umfunktioniert. Dies war die Kehrseite
einer der technischen Neuerungen, die dazu beitrugen, den „ersten
modernen Krieg" zu führen. CSA-General Braxton Bragg Unterdessen
war auch Bragg, der unter einer bedauerlichen Konfusion seiner
Pläne und Ziele
litt, nach Kentucky aufgebrochen, um den Staat zur Abkehr von der
Union zu bewegen. Buell war ihm daraufhin
gefolgt, da er die Stützpunkte in Louisville und Cincinnati
gefährdet
sah. Am 3. September traf John Morgan ein, und Smith teilte seine Armee, um einerseits Covington, nur wenige Meilen südlich von Cincinnati gelegen, einzunehmen, andererseits gleichzeitig G. W. Morgan aufzuhalten. Dieser hatte am 17. September die Cumberland Gap verlassen, nachdem Smith ihn von seinem Nachschub abgeschnitten hatte. Obwohl John Morgan mit seiner Brigade sofort aufbrach, um den Nordstaatlern den Weg zu versperren, konnten sie dennoch nach Greenup im Nordosten Kentuckys entkommen. Smith selbst nahm auf seinem Marsch nach Norden zwar Maysville ein, mußte sich aber vor Covington zurückziehen und konnte keinen Druck auf Cincinnati ausüben. Er begab sich nach Frankfort, wo er auf Bragg wartete. Zu
seinem zweiten Raid brach John Hunt Morgan im Oktober auf, nachdem
er Smith bei seinem Rückzug aus Lexington auf die Niederlage
bei Perryville hin begleitet hatte. Von Crab Orchard aus hatte
er die Genehmigung
erhalten, ostwärts einen Bogen zu schlagen und Lexington
mit seiner 1´800 Mann starken Brigade anzugreifen. Am 18.
Oktober besiegte er föderierte Kavallerie nahe der Stadt,
marschierte ein, überwältigte die dortige Garnison
mit Leichtigkeit und bewegte sich in westlicher Richtung über
Versailles und Lawrenceburg nach Elizabethtown. Dort zerstörte
er eine Eisenbahnbrücke der Memphis-Ohio-Linie und schädigte
damit Buells Nachschub ganz erheblich. Auf seinem weiteren Weg über
Leitchville, Morganville und Hopkinsville, von wo er über
Springfield nach Gallatin zurückkehrte, nahm er noch eine
Anzahl kleinerer Posten und Depots ein. Sein erbittertster Gegner
auf diesem wie auf den nächsten Raids sollte Brigadegeneral
Edward H. Hobson werden, auf den er schon in Shiloh gestoßen
war. Forrest
erreichte mit seiner Operation Grants Aufgabe des Plans, Vicksburg über
Land einzunehmen, während Morgan, der
am 7. Dezember mit Braggs zögernder Erlaubnis von Lebanon
aus die 2´000 Mann starke Garnison in Hartsville überwältigt
hatte, am 21. zum Schlag gegen General Rosecrans' Kommunikationslinien
zwischen Nashville und Louisville aufbrach. Er war am 11. Dezember
zum Brigadegeneral befördert worden und befehligte nun eine
Division, bestehend aus Basil Dukes und A. R. Johnsons Brigaden.
General William Starke Rosecrans hatte die Federal Army of the
Cumberland aus Kentucky nach Nashville geführt, und eine
Konfrontation mit Braggs Army of Tennessee stand unmittelbar
bevor. Unterdessen
hatte Rosecrans, veranlaßt durch Forrests und
Morgans Abwesenheit, am 26. Dezember beschlossen, Bragg anzugreifen
und Nashville verlassen. Die Army of Tennessee, die durch
Davis' Befehl, General C. L. Stevensons Division Pemberton zu Hilfe
zu schicken, auf 37´700 Effektive geschrumpft war,
wurde von Bragg bei Murfreesboro zusammengezogen. Rosecrans'
drei Corps
unter Crittenden, Thomas und McCook (47´000) näherten
sich auf drei Straßen Murfreesboro, wo sich ihnen Polks
und Hardees Corps entgegenstellten. Crittenden traf auf Breckinridges
Division östlich des Flusses. US-General August Willich Kirks und Willichs Brigaden an McCooks äußerster Rechten wurden von Rains', Ectors und McNairs Brigaden überrumpelt, da Willichs Männer beim Frühstück überrascht wurden. Cleburne kam mit seinen 7´000 Soldaten an McCowns rechter Flanke zu Hilfe, wurde jedoch von Davis' und Phil Sheridans Divisionen abgewehrt. Auch ein zweiter Angriff, unterstützt von Cheathams Division aus Polks Corps, wurde dank Sheridans Standhaftigkeit zurückgeschmettert. Der nächste Ansturm aber, an dem Withers' Division teilnahm, rollte Davis' rechte Flanke auf, und auch Sheridan mußte sich zurückziehen. General Negleys 4´700 Mann starke Division im Zentrum der Unionslinie wurde nun von Patton Andersons Brigade angegriffen, doch erst die zweite Attacke mit A. P. Stewards Brigade war erfolgreich. Die
konföderierten Attacken erfolgten so heftig und rasch
aufeinander, daß sich bis zehn Uhr vormittags McCooks
gesamtes Corps auf dem Rückzug befand. Nur der zähe
Widerstand von Palmers linker Flanke des föderierten
Corps unter Thomas bei einem Eichenwäldchen an der Bahnstrecke,
verhinderte ein Zusammenbrechen der Front.
Rosecrans' Armee konnte sich gegen Mittag im rechten Winkel
zu ihrer ursprünglichen
Position entlang der Bahn neu ordnen. Stellvertretend
sei die 8. Tennessee genannt, die von 425 eingesetzten Soldaten 306,
einschließlich ihres Kommandeurs, Colonel W. L. Moore, verlor. Währenddessen
hatte John Morgan am 29. Dezember bei Boston, östlich
von Elizabethtown, ein Versorgungslager geplündert und zog sich
daraufhin unter zunehmendem Druck über Bardstown und Springfield
nach Campbellsville zurück. Am
Neujahrstag 1863 gab es keine nennenswerten Aktionen, nur Polk besetzte
das in der Nacht von den
Unionssoldaten aufgegebene, am
Vortag noch
so blutig umkämpfte „Hell's Half Acre". An diesem
Tag verspielte Bragg seine Chance, die schwer angeschlagene Unionsarmee
vernichtend zu schlagen und damit die Nordstaatler aus Tennessee
zu
vertreiben.
Konföderiertes Kentucky-Regiment im Camp nahe Corinth, Mississippi
So ging Murfreesboro als eine der „Soldiers' Battles", das heißt, Schlachten, die mehr durch den Einsatz und die Tapferkeit der kämpfenden Truppen als die taktischen Züge der Heerführer entschieden wurden, in die Geschichte des Bürgerkriegs ein. In diesen beiden Tagen heldenhaften Kämpfens hatte der Norden 12´906 seiner Soldaten verloren, darunter 1´677 Tote und 7´543 Verwundete. Die Verluste des Südens lagen ähnlich hoch: 1´294 Tote, 7´945 Verletzte und 2´500 Vermißte ergaben 11´739. Lediglich
Morgan, der am 2. Januar über den Cumberland nach Tennessee
zurückgekehrt war, vermochte die Stimmung der Konföderierten
zu heben. Er hatte mehr Waffen und Pferde als zuvor, und er hatte
die „Louisville-&-Nashville-Eisenbahn" auf über
60 Meilen Länge zerstört, wodurch er zusammen mit dem
Sieg bei Murfreesboro den weiteren Vormarsch von Rosecrans auf
Monate zum
Erliegen brachte. Auf seinem Raid hatte er 1´900 Gefangene gemacht,
wobei von seinen eigenen Leuten nur zwei getötet und 24
verletzt wurden, 64 wurden vermißt.
Kentucky gehörte zu jenen Grenzstaaten wie auch Maryland, Virginia
oder Missouri, in denen sich die Symphatien bei Ausbruch des Krieges
nicht einstimmig einer der beiden Seiten zuwandten. Auch wenn es seit
den Virginia and Kentucky Resolves von 1798 immer wieder für die
Souveränität der Einzelstaaten plädiert und so den Konflikt über
die Ausbreitung der Sklaverei mit ins Rollen gebracht hatte, konnte
das Parlament keine Stellung beziehen, und so wurde Neutralität
ausgerufen. Damit wollte man dem Schicksal Virginias entgehen, das
sich 1863 aufgrund innerstaatlicher Differenzen spalten sollte, sowie
demjenigen von Missouri, das während des gesamten Krieges praktisch
unter Doppelherrschaft stand und von einem ständigen Guerillakrieg
heimgesucht wurde. Der
Bluegrass-Staat besaß alles, was ihn für einen Feldherrn
interessant erscheinen ließ, im Überfluß: Soldaten,
Nachschub, Pferde und eine wegen seiner topographischen Gegebenheiten
und geographischen
Lage als Grenzstaat hervorragende Funktion als Bollwerk. Im
Osten übernahmen
diese Aufgabe die Appalachen, die sich von Tennessee in nordöstlicher
Richtung entlang der Grenze zu North Carolina bis nach Virginia
erstreckten und nur an der strategisch wichtigen Cumberland
Gap an der Grenze zwischen
Kentucky, Virginia und Tennessee von größeren Truppenverbänden
durchquert werden konnten. Im
Norden bildeten die Bluegrass Hills am Ohio eine Barriere gegen plötzliche
Einfälle, und entlang
der Westgrenze floß der Mississippi mit seinen schwer
zugänglichen
Steilufern. Zudem wachten hier die Forts Henry und Donelson
an der Nordgrenze Tennessees über den Westen von Kentucky. Daß Kentucky
nicht kampflos einer Seite zufallen würde,
war ebenso klar wie die Unmöglichkeit der Neutralität überhaupt,
als sich Truppen beider Seiten im Sommer 1861 dort festzusetzen
begannen. General Grant besetzte am 6. September Paducah und zog
weiter nach
Smithland, während gleichzeitig US-Truppen aus Cincinnati
in Louisville und Covington einmarschierten. Die Rebellen bildeten
ihre
Verteidigungslinie
von Columbus über den Eisenbahnknotenpunkt Bowling Green bis
zur Gegend um die Cumberland Gap, die von Brigadegeneral Felix
K. Zollicoffer
am 19. September mit 4´000 Mann besetzt wurde. Hier, bei
Mill Springs, fand am 19. Februar 1862 die erste Schlacht im Streit
um Kentucky
statt, als vorrückende US-Abteilungen unter Brigadegeneral
George Henry Thomas die von Zollicoffer leichtsinnig nördlich
des Cumberland-Flusses postierten Konföderierten in die Flucht
schlugen. Thomas
war am 17. Februar von Lebanon her mit Mansons 2. Brigade, zwei Regimentern
von R.
L. McCooks 3. Brigade, 1 Bataillon von
Wolfords 1. Kentucky Kavallerie und Kinneys 1. Ohio Artillerie
nach achttägigem
Marsch über miserable Straßen in Logan Cross Roads
angelangt. Dort befanden sie sich zehn Meilen nördlich der
Konföderierten.
In der Nacht zum 19. beschloß Crittenden, die Initiative
zu ergreifen, und berührte um 5.30 Uhr Wolfords Kavallerie-Vorposten.
Manson schickte das 10. Indiana und Speed Fry's 4. Kentucky entgegen,
die
von Zollicoffer mit seiner 1. Brigade zurückgedrängt wurden.
An einem Waldrand stabilisierte sich die Front, bis Verstärkung
eintreffen sollte. Während des Kampfes tauchte
plötzlich ein konföderierter Reiter hinter Fry's Linie auf
und schoß auf sein Pferd. Daraufhin eröffneten die Unionssoldaten
das Feuer und erschossen den Mann, der niemand anderes war als Brigadegeneral
Felix Zollicoffer, der sich aus unbekanntem Grund hinter die feindlichen
Linien verirrt hatte. Zeitgenössische
Darstellung des Todes von CSA-General Felix Zollicoffer, Obwohl seine beiden Brigaden infolge dieses Unglücks in Panik geraten waren, schaffte es Crittenden, sie noch einmal zu sammeln. Er brachte die Männer unter größten Schwierigkeiten zurück über den Fluß. Am nächsten Morgen machten die Nordstaatler reiche Beute in dem verlassenen Lager: Die Konföderierten hatten ihre zwölf Kanonen samt Lafetten, 150 Wagen, über 1000 Pferde und Maultiere sowie ihre sonstige Ausrüstung verloren. Von den 2´500 der 4´000 Bundessoldaten, die tatsächlich an der Schlacht teilgenommen hatten, waren 39 gefallen, 207 verwundet und 15 wurden vermißt oder als gefangen gemeldet. Auf der Seite der Konföderierten waren 125 Tote, 309 Verletzte und 99 Vermißte, also über doppelt so viele Verluste bei gleicher Truppenstärke, zu verzeichnen. Die Moral der zum größten Teil unerfahrenen Soldaten nach dieser fehlgeschlagenen Bewährungsprobe befand sich auf dem Tiefstpunkt. Viele desertierten aufgrund der Niederlage, und Crittenden mußte sich ungerechtfertigte Kritik gefallen lassen, da sich die Truppen nicht in der von ihm befohlenen Stellung befunden hatten. Unter Historikern wird dieses Gefecht unterschiedlich bewertet. Während es von E. B. Long als „eine- der zwei entscheidenden Schlachten im Kampf um Kentucky" bezeichnet wird, sehen es andere nur als Vorspiel zu den Kämpfen in Ost-Kentucky. Tatsache
ist, daß sich
hier die Schwäche der konföderierten Verteidigungslinie
offenbarte und der Weg zur Cumberland Gap für die Union geöffnet
wurde, die von der 7. Division der Federal Army of the Ohio unter
Brigadegeneral
George W. Morgan am 18. 6. 1862 besetzt wurde. Nachdem
Brigadegeneral Lloyd Tilgham Fort Henry am 6. Februar 1862 mit 80
Artilleriesoldaten kampflos übergeben hatte
und sich Footes Kanonenboote gleichzeitig mit Grant auf Fort Donelson
zu bewegten,
erkannte Johnston, daß seine Kentucky-Linie zerstört war.
Er beschloß, die Army of Kentucky südlich über den
Cumberland zurückzuziehen und sandte zum Schutz seiner Operation
die Divisionen der Generäle S. B. Buckner und J. B. Floyd nach
Fort Donelson, um die Unionssoldaten solange aufzuhalten, bis die
restliche Armee den Fluß überquert hatte. Der Rückzug
gelang, während Fort Donelson nicht zuletzt aufgrund eines mißlungenen
Ausfallversuchs des unentschlossenen Generals Floyd unter schwersten
Verlusten, die mit bis zu 16´000 Mann angegeben werden, an die Union
fiel. Um
einer derartigen Gefährdung der Konföderation vorzubeugen
und gleichzeitig die Unionsarmeen nach den vielversprechenden Siegen
Jacksons und Lees in Virginia auf breiter Front zurückzuwerfen,
befahl Davis im Sommer 1862 zwei Operationen. Diese sollten eine
Wende des Krieges herbeiführen und die Anerkennung der konföderierten
Staaten erzwingen.
Der von John Morgan im Juli ausmanövrierte Brigadegeneral Buell war an die Spitze des am 12. Juli von General Halleck wiederhergestellten Departments of the Ohio gestellt worden. Auf Drängen Lincolns marschierte er von Corinth aus nach Chattanooga, um Tennessee endgültig zu sichern. Gleichzeitig bereitete Bragg dort seine Invasion vor. Bragg, ein Veteran des Mexikanischen Krieges, hatte das 2. Corps unter A. S. Johnston in Shiloh geführt und war daraufhin zum Full General ernannt worden. Er wird oft als inkompetent und flatterhaft in der Durchführung seiner Pläne beschrieben, und seine Unbeliebtheit bei fast allen Offizieren wurde durch seine Freundschaft zu Davis nur verstärkt. Unbestritten
jedoch waren sein tadelloser Charakter, sein ergebener Patriotismus
und seine Beliebtheit bei den Mannschaften.
Als Taktiker war er Davis weit unterlegen und versäumte, klare
Ziele und Strategien für den Kentuckyfeldzug auszuarbeiten.
Nachdem
Kirby am 13. August von Knoxville aufgebrochen war, beschloß Bragg,
sich zwischen ihn und Buell zu stellen, um ihn zu schützen.
Er schickte am 28. August die Corps von Polk und Hardee bei Walden's
Ridge über
den Tennessee nach Glasgow, das sie am 13. September erreichten.
Am 14. wurde ein Vorstoß von J. R. Chalmers' Brigade nach
Munfordville blutig zurückgeschlagen. Während Braggs
Armee nachrückte,
verstärkten die Nordstaatler unter Colonel J. T. Wilder
die Befestigungen der Stadt. Am 16. hatten die Rebellen die Stadt
umzingelt,
und Wilder
ergab sich unter den wohl amüsantesten Umständen des
Krieges: Nachdem er zur Kapitulation aufgefordert worden war,
erkannte er seine
Machtlosigkeit und begab sich als Parlamentär zu General
Buckner, um ihn um Rat zu fragen. Dieser ließ ihn die grauen
Truppen besichtigen, worauf er mit seiner 4´133 Mann starken Garnison
kapitulierte. Braxton
Bragg hatte inzwischen in dem 35 Meilen südöstlich
gelegenen Bardstown seine gesamte Army of the Tennessee mit 22´500
Mann Stärke zusammengezogen, während Kirby Smith mit seinen
10´000
Soldaten ungefähr 50 Meilen östlich stand. Kleinere Attacken
auf Städte am Ohio wurden von den Nordstaatlern erfolgreich abgewehrt. US-General William „Bull" Nelson
Die Hauptarmee, die aus Alexander McCooks erstem, Crittendens zweitem und Gilberts drittem Corps bestand, sollte die Konföderation in die Zange nehmen, und Sill und Dumont marschierten mit ihren beiden Divisionen ostwärts nach Frankfort, um Cleburnes und Humphreys Divisionen anzugreifen. Dort befand sich auch Bragg selbst, wo er am 4. Oktober Richard Hawes als vorläufigen Gouverneur von Kentucky einsetzte. Am selben Tag noch erfuhr Buell, daß die erhoffte Verstärkung aus Mississippi durch (CS-) General Van Dorns schwere Angriffe in Corinth gebunden war. Sills
Truppen wurden von Bragg für Buells Hauptarmee gehalten,
deshalb schickte er Polk in dessen Flanke und befahl Smith, frontal
anzugreifen. Polk wich nach Erkennen der tatsächlichen Lage
jedoch nach Harrodsburg aus, und Hardees Corps marschierte zu dem
zehn Meilen
südwestlich gelegenen Perryville. Bragg zog sich ebenfalls nach
Harrodsburg zurück und schickte sofort eine von Polks Divisionen
unter Withers zu dem bei Frankfort schwer bedrängten Smith.
Polk führte die zweite Division unter Cheatham nach Perryville,
um Hardee zu verstärken und Gilberts Corps mit Phil Sheridans
11. Divison an der Spitze anzugreifen. In der Nacht auf den B. Oktober
zog Buell in Erwartung eines konföderierten Angriffs McCooks
und Crittendens Corps rechts und links von Gilbert zusammen. Er selbst
wollte nicht angreifen, bevor seine restlichen Truppen eingetroffen
waren. Morgans unmittelbarer Vorgesetzter:
Gegen 14 Uhr warf auch Cheatham seine Division auf die nördliche Flanke und rieb Terrills unerfahrene 33. Brigade des 1. Corps auf, wurde aber von der 28. unter Starkweather abgewehrt. Jackson und Terrill waren bei diesem Angriff getötet worden. Daraufhin griff Simon Bolivar Buckner an, verstärkt durch einige von Andersons Brigaden, und schlug eine Bresche in Rousseaus rechte Flanke, die unter dem Druck zurückwich. Während Crittenden, der vormittags auf dem Schlachtfeld eingetroffen war, sich drei Meilen entfernt an der rechten Flanke der Nordstaatler postierte und nicht eingriff, füllten Gooding mit der 30. Brigade der 9. Division und Steedman mit seiner 3./1 von Gilberts Corps die entstandene Lücke.
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