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NORD & SÜD, Martin Öfele, General John H. Morgan - Militärische Biographie -
Veröffentlichungen: United States Army Center of Military History
sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der United States Army


CSA - General
John Hunt Morgan

Militärische Biographie


General John Hunt Morgan

 

„Die Konföderation war ein verspäteter Versuch, das Recht eines Staates, sich von den Vereinigten Staaten von Amerika abzuwenden, auszuüben.
Ihr kurzes Leben wurde im Krieg verbracht - es war Krieg, mit allem, was Krieg an Verwüstung und Zerstörung, an Elend und Qual bedeuten kann, aber auch mit allem, was er an glänzender Galanterie und standhafter Hingabe hervorbringen kann."

(Robert Selph Henry, The Story of the Confederacy, 1931)

Colonel Morgan

Die Geschichte der amerikanischen Kavallerie während des Bürgerkrieges erhält ihre eigene Prägung, wenn man den Blick auf die sogenannten „Raids", vor allem der konföderierten Reiterei, richtet. Während des ganzen Krieges existierten viele Einheiten irregulärer Kavalleristen, die mit ihren Blitzattacken in Rücken und Flanken der Unionsarmeen oder Nachtangriffen auf Züge des Nordens, Vorposten und Eisenbahneskorten beständig in Alarmbereitschaft hielten. Da die Verpflegung der Armeen des Südens zu einem großen Teil aus erbeuteten Vorräten der Nordstaatler beruhte, lieferten diese Kommandos neben taktischen Informationen, geraubten Pferden und nicht zuletzt notwendiger moralischer Unterstützung oft genug auch lebenswichtigen Nachschub aus Unionsbeständen.
Diese Partisanentruppen waren jedoch alles andere als blutrünstige Guerrillas wie einige wenige vom Schlag eines William Clark Quantrill, der im August 1863 den Ort Lawrence in Kansas im Verlauf eines privaten Rachefeldzuges dem Erdboden gleichmachte und die Bevölkerung bis auf Frauen und Kleinkinder ermordete. Die Führer der besten dieser nichtregulären Truppen waren Männer, deren Persönlichkeit viel mit ihrem Erfolg zu tun hatte, zumal sie es fertigbrachten, ganze Unionsverbände nur mit ihrer Verfolgung monatelang aufzuhalten.
Einer dieser brillanten und doch in ihrer militärstrategischen Bedeutung für den Kriegsverlauf in neuerer Zeit nicht unumstrittenen Draufgänger der Südstaaten war General John Hunt Morgan.

„Während der Jahre 1862 und 1863 operirte John H. Morgan, ein Guerrilla-Offizier ohne militärische Bildung, aber im Besitz von Muth und Ausdauer,
im Rücken der Ohio-Armee in Kentucky und Tennessee. Er brauchte keine Verpflegungsbasis zu schützen, sondern war überall, wohin er kam, zu Hause.
Die gegen den Süden operirende Armee hatte dagegen ihre Verbindungslinien mit dem Norden zu decken, von wo alle Zufuhren nach der Front herangebracht werden mußten. Jeder Fußbreit Straße mußte von in geeigneten Abständen voneinander stationirten Truppen bewacht werden. Diese Wachen konnten über die Punkte hinaus, wo sie stationirt waren, keine Hülfe leisten. Morgan war leicht zu Fuß und konnte dort operiren, wo er nach seinen stets correcten Informationen glaubte, daß er
den größten Schaden anzurichten vermöchte. Während er in dieser Weise operirte, tödtete, verwundete und fing er mehrere mal so viel Leute, wie er je zur selben
Zeit unter seinem Befehle hatte. Er vernichtete außerdem viele Millionen an Eigenthum. Die Orte, welche er nicht angriff, mußten ebenso bewacht werden,
wie wenn er sie bedrohte."
(Memoiren des Generals U. S. Grant, 1886)

Hunt, der am 1. Juni 1825 in Huntsville, Alabama, geboren war, zog mit seiner Familie in jungen Jahren nach Kentucky, wo er im Transylvania College in Lexington, der Heimat seiner Mutter, erzogen wurde. Seine erste militärische Erfahrung sammelte er wie zahlreiche andere spätere Bürgerkriegsoffiziere im Krieg mit Mexiko, wo er sich bei Buena Vista durch seine Tapferkeit auszeichnete. Nach seiner Ausmusterung 1847 im Rang eines Lieutenants übernahm er das Textilgeschäft seines Vaters, das sein Großvater in Lexington gegründet hatte.
CSA-General Simon B. Buckner

CSA-General Simon B. Buckner


Zehn Jahre später, im Jahr 1857, organisierte er im Zuge der wachsenden Spannungen eine Miliztruppe, die Kentucky Rifles, und bat den Kentuckyaner General Simon Bolivar Buckner, sich ihm anschließen zu dürfen. Dieser holte ihn zur Army of Central Kentucky nach Bowling Green, wo er eine Kavallerieschwadron zur Aufklärung erhielt und im September 1861 zum Captain befördert wurde. Mit diesem relativ selbständigen Kommando verfügte Morgan genau über das Instrument, das er am besten einzusetzen vermochte, wie sich bald zeigte, als er mit nur dreizehn Männern einen Ritt um die feindliche Armee unter Don Carlos Buell unternahm und dabei 33 Unionssoldaten gefangennahm. Im Jahr darauf versetzte er am 8. März die Umgebung von Nashville durch plötzliche Attacken in Unruhe und lenkte so die Aufmerksamkeit der Nordstaatler in Westtennessee von den konföderierten Bewegungen im Osten und der Einnahme von Chattanooga ab. Danach hielt er sich noch bis Mitte des Monats in Tennessee auf und operierte in der Gegend um Gallatin.
Am 3. April brach er mit General A. S. Johnston von Corinth in Mississippi nach Shiloh auf und kommandierte dort die 2nd Kentucky Squadron of Cavalry, nachdem er am 4. April zum Colonel ernannt worden war. Während dieser Kampagne traf Morgan auf seinen späteren Vorgesetzten, Colonel Joseph „Fightin' Joe" Wheeler, der in Shiloh eine Infanteriebrigade führte, später im Jahr dann aber zur Kavallerie wechselte. Er war ein ruhiger, gesetzter Mann, der, auch wenn ihm der Genius eines „Jeb" Stuart fehlte, doch seinen Mut und vor allem sein taktisches Geschick im Alter von 26 Jahren als Major General und Kommandeur von Braggs Kavallerie unter Beweis stellen konnte.

Wheeler, den Lee später als einen „der beiden fähigsten Kavallerieoffiziere, die der Krieg hervorgebracht hat" bezeichnete, hatte zu dieser Zeit bereits ein bedeutendes Buch über Kavallerietaktik verfaßt. Darin legte er dar, daß leichte Kavallerie oder berittene Infanterie die Bedürfnisse des Südens weit besser erfüllen könne als schwere Kavallerie. Diese Tatsache war auch Morgan klar, und er wußte stets alle Vorteile aus einer Einheit zu ziehen, die zu Fuß ebenso gewandt und effektiv zuschlagen konnte wie zu Pferd. Darauf beruhte der Erfolg seiner späteren Raids, die ihm den Dank und die Anerkennung des konföderierten Kongresses für „verschiedenartige, heldenhafte und unschätzbare Dienste in Tennessee und Kentucky, die den Schlachten vor Murfreesboro unmittelbar vorausgingen", einbringen sollten.

„Morgan's Raids" und die Stones River Kampagne


Positionskarte der Stones River Kampagne

 

Positionskarte der Stones River Kampagne

Im Juni 1862 kam neue Hoffnung für den Süden auf. Jackson war im Shenandoahtal siegreich gewesen und hatte den Grundstein für eine Legende gelegt. Lee hatte auf der Virginia-Halbinsel angegriffen und McClellans Invasion zurückgeworfen, gleichzeitig hatte „Jeb" Stuart die Schlagkraft konföderierter Kavallerieraids mit seinem Ritt um McClellans gesamte Armee eindrucksvoll vorgeführt. Farragut hatte Vicksburg nicht eingenommen, Halleck hatte sich nicht weit von Corinth entfernt, und Buell, der von Halleck zur Eroberung Chattanoogas geschickt worden war, hatte dieses Ziel auch nicht erreicht.

John Hunt Morgan, der nach Shiloh 15000 Dollar zur Aufstellung einer Brigade erhalten hatte, brach am 4. Juli mit zwei Regimentern von Knoxville zu seinem ersten Raid auf, um Buells Vorrücken zu erschweren. Unterstützt wurde er dabei von Operationen des draufgängerischen Brigadegenerals Nathan Bedford Forrest. Forrest, „mehr als sechs Fuß groß, von kraftvoller Gestalt und im Besitz von großartigem Einsatzwillen und Wagemut", fiel am 13. Juli in Murfreesboro ein und nahm die ganze Unionsgarnison gefangen.

Morgan war gleich nach Kentucky geritten und hatte am 9. Juli in Tompkinsville vier Kavalleriekompanien überwältigt. Am nächsten Tag nahm er ein Depot bei Glasgow ein und rief in einer Proklamation die Bürger von Kentucky auf, sich „zu erheben und zu bewaffnen und die Hessischen Eindringlinge von ihrem Boden zu vertreiben". Zwei Tage später besetzte er Lebanon und bewegte sich weiter nordöstlich über Harrodsburg, Lawrenceburg, Versailles und Georgetown nach Cynthiana, wo er den nördlichsten Punkt seiner Expedition erreichte. Erst hier stellte sich ihm ein Milizaufgebot entgegen, das ihn in ein heftiges Gefecht verwickelte.

Dieses Vordringen in vom Norden kontrolliertes Gebiet, rief größte Aufregung in Louisville, dem ungeschützten Lexington und sogar in Cincinnati in Ohio hervor. Die Stärke seiner Truppe sowie die Unsicherheit über Morgans jeweiligen Standort veranlaßten Lincoln, die Garnison in Louisville zu verstärken. Am 13. Juli telegraphierte er General Boyle: „Sie sollten Gen. Halleck aufsuchen. Telegraphieren Sie ihm sofort. Ich habe ihm telegraphiert, daß Sie in Schwierigkeiten sind."
Nachdem er in Georgetown am 15. Juli noch einmal einen Aufruf an die Kentuckyaner gerichtet hatte, zog sich Morgan, nur zaghaft von Miliz verfolgt, nach Tennessee zurück. Nach kleineren Scharmützeln in Paris und Richmond, wo er von der Bevölkerung überall jubelnd begrüßt wurde, zerstörte er in Crab Orchard ein Versorgungsdepot der Cumberland Gap. Über Somerset und Monticello erreichte er am 22. Juli Livingston in Tennessee.

In drei Wochen hatte er mit seinen Soldaten über 1´000 Meilen zurückgelegt und die Garnisonen des Nordens in Bowling Green, Louisville und Cincinnati in Alarmbereitschaft versetzt. Dabei hatte er 1200 Gefangene gemacht und selbst nur 100 Männer verloren, was der Moral des Gegners einen erheblichen Schlag versetzte. Buell, der sich nicht zu einer Verfolgung hatte entschließen können, wurde heftig kritisiert: er hätte sich aufhalten und verunsichern lassen.

Unter Morgans Männern befand sich ein hervorragender Telegraphist aus Kanada namens George „Lightning" Ellsworth. Während dieser und der folgenden Kampagnen hatte er die Aufgabe, die Rebellen durch abgefangene feindliche Befehle zu warnen und die Föderierten mit gefälschten Depeschen auf falsche Fährten zu führen und zu verwirren. Er beherrschte sein Handwerk so ausgezeichnet, daß er sogar fingierte Befehle im Namen von General Boyle nach Lexington und in andere Garnisonen schicken und Nachrichten über frei erfundene konföderierte Truppen durchgeben konnte, um die Nordstaatler zu verwirren. Der Telegraph, die vielgepriesene Erfindung, wurde so von Ellsworth für seine Zwecke umfunktioniert. Dies war die Kehrseite einer der technischen Neuerungen, die dazu beitrugen, den „ersten modernen Krieg" zu führen.
Im August wollte General Braxton Bragg, der Beauregard als Kommandeur der Army of Tennessee abgelöst hatte, eine Offensive gegen Buell starten und schickte deshalb Major General Edmund Kirby Smith mit der Confederate Army of Kentucky mit Heths, Cleburnes und T. J. Churchills Divisionen, 9´000 Mann gesamt, zur Cumberland Gap, um die Unionstruppen unter G. W. Morgan, die sich dort verschanzt hatten, zu vertreiben.
Zuvor war am 12. August Colonel John H. Morgan nach Gallatin aufgebrochen, hatte die dortige Garnison unter Colonel Boone überrumpelt und die Stadt am 21. besetzt, wodurch er die Bundestruppen in Nashville band. Der konföderierte Colonel J. S. Scott drang gleichzeitig nach Kentucky vor, nahm mit seiner Brigade am 17. August London und schlug am 23. zwei föderierte Regimenter, die 7. Kentucky Kavallerie und die 3. Tennessee, bei Richmond.
Für Smith war der Weg zur Cumberland Gap frei, er ließ C. L. Stevenson mit 3´000 Mann am Eingang der Schlucht, um auf die 8´000 Unionssoldaten Druck auszuüben, und begab sich selbst nach Barboursville in Morgans Rücken. Da ihm jedoch ein Angriff zu riskant schien, rückte er weiter nach Norden vor und brachte am 27. August 6´500 frische Truppen in Richmond auf, welche er am 30. unter schwersten Verlusten für die unerfahrenen Nordstaatler schlug. Während Smith 78 Tote, 372 Verwundete und einen Vermißten zu beklagen hatte, starben 206 feindliche Soldaten, 844 wurden verletzt und 4´144 gefangen oder vermißt gemeldet.
CSA-General Braxton Bragg

CSA-General Braxton Bragg

Unterdessen war auch Bragg, der unter einer bedauerlichen Konfusion seiner Pläne und Ziele litt, nach Kentucky aufgebrochen, um den Staat zur Abkehr von der Union zu bewegen. Buell war ihm daraufhin gefolgt, da er die Stützpunkte in Louisville und Cincinnati gefährdet sah.
Da Smith in Richmond die einzigen organisierten Bundestruppen ausgeschaltet hatte, konnte er am 1. September ohne Widerstand, ja sogar unter dem Jubel der Bevölkerung, in Lexington einziehen, was erneut Bestürzung und den Ruf nach Verstärkung in Louisville und Cincinnati auslöste.

Am 3. September traf John Morgan ein, und Smith teilte seine Armee, um einerseits Covington, nur wenige Meilen südlich von Cincinnati gelegen, einzunehmen, andererseits gleichzeitig G. W. Morgan aufzuhalten. Dieser hatte am 17. September die Cumberland Gap verlassen, nachdem Smith ihn von seinem Nachschub abgeschnitten hatte.

Obwohl John Morgan mit seiner Brigade sofort aufbrach, um den Nordstaatlern den Weg zu versperren, konnten sie dennoch nach Greenup im Nordosten Kentuckys entkommen. Smith selbst nahm auf seinem Marsch nach Norden zwar Maysville ein, mußte sich aber vor Covington zurückziehen und konnte keinen Druck auf Cincinnati ausüben. Er begab sich nach Frankfort, wo er auf Bragg wartete.

Zu seinem zweiten Raid brach John Hunt Morgan im Oktober auf, nachdem er Smith bei seinem Rückzug aus Lexington auf die Niederlage bei Perryville hin begleitet hatte. Von Crab Orchard aus hatte er die Genehmigung erhalten, ostwärts einen Bogen zu schlagen und Lexington mit seiner 1´800 Mann starken Brigade anzugreifen. Am 18. Oktober besiegte er föderierte Kavallerie nahe der Stadt, marschierte ein, überwältigte die dortige Garnison mit Leichtigkeit und bewegte sich in westlicher Richtung über Versailles und Lawrenceburg nach Elizabethtown. Dort zerstörte er eine Eisenbahnbrücke der Memphis-Ohio-Linie und schädigte damit Buells Nachschub ganz erheblich. Auf seinem weiteren Weg über Leitchville, Morganville und Hopkinsville, von wo er über Springfield nach Gallatin zurückkehrte, nahm er noch eine Anzahl kleinerer Posten und Depots ein. Sein erbittertster Gegner auf diesem wie auf den nächsten Raids sollte Brigadegeneral Edward H. Hobson werden, auf den er schon in Shiloh gestoßen war.
Diese Operation, obwohl bis auf die überraschende Rückeroberung Lexingtons nicht so spektakulär wie Morgans erster Raid, zeigte doch wieder die Schnelligkeit und Effektivität der überlegenen Kavallerie unter Männern wie Morgan, Forrest und Stuart. Sie muß ebenso wie Forrests Unternehmung in Westtennessee, wo er im Dezember Grants Versorgung störte und wichtige Truppenteile der Potomac-Armee band, und Morgans drittem („Weihnachts-") Raid im Zusammenhang mit der Stones-River-Kampagne vom 30. Dezember 1862 bis 3. Januar 1863 gesehen werden.

Forrest erreichte mit seiner Operation Grants Aufgabe des Plans, Vicksburg über Land einzunehmen, während Morgan, der am 7. Dezember mit Braggs zögernder Erlaubnis von Lebanon aus die 2´000 Mann starke Garnison in Hartsville überwältigt hatte, am 21. zum Schlag gegen General Rosecrans' Kommunikationslinien zwischen Nashville und Louisville aufbrach. Er war am 11. Dezember zum Brigadegeneral befördert worden und befehligte nun eine Division, bestehend aus Basil Dukes und A. R. Johnsons Brigaden. General William Starke Rosecrans hatte die Federal Army of the Cumberland aus Kentucky nach Nashville geführt, und eine Konfrontation mit Braggs Army of Tennessee stand unmittelbar bevor.
Morgan war mit seinen 4´000 Mann, die von sieben leichten Geschützen unterstützt wurden, aus Alexandria aufgebrochen und hatte in drei Tagen die 90 Meilen nach Glasgow, das er ohne nennenswerten Widerstand einnahm, zurückgelegt. Am 25. Dezember erreichte er Upton Station an der „Louisville-&-Nashville-Railroad", welcher er bis Rolling Fork nördlich von Elizabethtown folgte. Unterwegs verbrannte er zwei Brücken, und am 27. nahm er dort acht Kompanien eines Illinois-Regiments gefangen. Nachdem er am Tag darauf an derselben Linie bei Muldraugh's Hill zwei große befestigte Brücken beschossen und zerstört und die Wachgarnison, ein 700 Mann zählendes Infanterieregiment aus Indiana, überwältigt hatte, wandte er sich nach Osten.

Unterdessen hatte Rosecrans, veranlaßt durch Forrests und Morgans Abwesenheit, am 26. Dezember beschlossen, Bragg anzugreifen und Nashville verlassen. Die Army of Tennessee, die durch Davis' Befehl, General C. L. Stevensons Division Pemberton zu Hilfe zu schicken, auf 37´700 Effektive geschrumpft war, wurde von Bragg bei Murfreesboro zusammengezogen. Rosecrans' drei Corps unter Crittenden, Thomas und McCook (47´000) näherten sich auf drei Straßen Murfreesboro, wo sich ihnen Polks und Hardees Corps entgegenstellten. Crittenden traf auf Breckinridges Division östlich des Flusses.
Kurioserweise faßten beide Kommandeure den Entschluß, den Feind an seiner rechten Flanke anzugreifen. Bragg war lediglich schneller, und so eröffnete McCowns Division am Morgen des 31. Dezember die Schlacht bei Murfreesboro. Das fast völlig ebene Schlachtfeld hatte keine Hügel oder Wald, wo sich eine Armee hätte tarnen oder absichern können. Es bestand aus abgeernteten Baumwollfeldern, deren Furchen nur dürftige Deckung boten.
US-General August Willich

US-General August Willich

Kirks und Willichs Brigaden an McCooks äußerster Rechten wurden von Rains', Ectors und McNairs Brigaden überrumpelt, da Willichs Männer beim Frühstück überrascht wurden. Cleburne kam mit seinen 7´000 Soldaten an McCowns rechter Flanke zu Hilfe, wurde jedoch von Davis' und Phil Sheridans Divisionen abgewehrt. Auch ein zweiter Angriff, unterstützt von Cheathams Division aus Polks Corps, wurde dank Sheridans Standhaftigkeit zurückgeschmettert. Der nächste Ansturm aber, an dem Withers' Division teilnahm, rollte Davis' rechte Flanke auf, und auch Sheridan mußte sich zurückziehen. General Negleys 4´700 Mann starke Division im Zentrum der Unionslinie wurde nun von Patton Andersons Brigade angegriffen, doch erst die zweite Attacke mit A. P. Stewards Brigade war erfolgreich.

Die konföderierten Attacken erfolgten so heftig und rasch aufeinander, daß sich bis zehn Uhr vormittags McCooks gesamtes Corps auf dem Rückzug befand. Nur der zähe Widerstand von Palmers linker Flanke des föderierten Corps unter Thomas bei einem Eichenwäldchen an der Bahnstrecke, verhinderte ein Zusammenbrechen der Front. Rosecrans' Armee konnte sich gegen Mittag im rechten Winkel zu ihrer ursprünglichen Position entlang der Bahn neu ordnen.
Jetzt begann sich aber Braggs Mangel an Reserven bemerkbar zu machen, und da der vorsichtige Breckinridge nur eine Brigade entbehren zu können glaubte, verursachten die folgenden konföderierten Angriffe keine größeren Einbrüche in der starken Front der Nordstaatler. Es folgten verzweifelte Attacken von Chalmers und Donelsons Brigaden, die blutig und verlustreich zum Erliegen gebracht wurden.

Stellvertretend sei die 8. Tennessee genannt, die von 425 eingesetzten Soldaten 306, einschließlich ihres Kommandeurs, Colonel W. L. Moore, verlor.
Außerordentliche Tapferkeit zeigte hierbei Hazens (Unions-) Brigade, die den Angelpunkt der Verteidigungslinie, das „Hell's Half Acre" genannte Eichenwäldchen, verteidigte. Sie mußte sich nach dem Rückzug von Cruft und Negley ständig gegen heftige Attacken von zwei Seiten behaupten. Erst am späten Nachmittag rückte Verstärkung auf, und Wagner trieb die Rebellen entlang des Flusses mit einer Konterattacke zurück.

Währenddessen hatte John Morgan am 29. Dezember bei Boston, östlich von Elizabethtown, ein Versorgungslager geplündert und zog sich daraufhin unter zunehmendem Druck über Bardstown und Springfield nach Campbellsville zurück. Am Neujahrstag 1863 gab es keine nennenswerten Aktionen, nur Polk besetzte das in der Nacht von den Unionssoldaten aufgegebene, am Vortag noch so blutig umkämpfte „Hell's Half Acre". An diesem Tag verspielte Bragg seine Chance, die schwer angeschlagene Unionsarmee vernichtend zu schlagen und damit die Nordstaatler aus Tennessee zu vertreiben.
Statt dessen faßte er am 2. Januar einen übereilten und wie bereits während seiner Kampagne in Kentucky verhängnisvollen Entschluß: Breckinridge sollte die von Crittendens Corps besetzte Höhe jenseits des Stones River nehmen, um dort eine Artilleriestellung einzurichten. General Bragg ließ weder Breckinridges noch General Polks Einwände, ein solches Unternehmen sei aufgrund der überlegen postierten Artillerie der Cumberlandarmee undurchführbar, gelten. Nach einem erfolgreichen ersten Vorstoß, wurden die Konföderierten jedoch von Rosecrans' 58 Geschützen unter vernichtendes Feuer genommen. Von 4´500 eingesetzten Soldaten verlor Breckinridge 1´700. Am Abend des 2. Januar überbrachten Cheatham und Withers Bragg eine Botschaft, in der sie ihre Überzeugung ausdrückten, daß

„ diese Armee sofort zurückgezogen werden sollte. ... Sie verfügen nur noch über drei Divisionen, die verläßlich sind, einige Brigaden sind mehr oder weniger demoralisiert, da sie ein paar Brigadekommandanten haben, die nicht das Vertrauen ihrer Kommandos besitzen."
(Stanley F. Horn, The Army of Tennessee, 1941)

Konföderiertes Kentucky-Regiment

 

Konföderiertes Kentucky-Regiment im Camp nahe Corinth, Mississippi


Am 3. Januar zog sich General Braxton Bragg zurück. Seine Soldaten waren demotiviert, halberfroren und verstört. Zwar hatten sie gesiegt, doch hatte es Bragg wie schon früher, an Entscheidungskraft gemangelt.

So ging Murfreesboro als eine der „Soldiers' Battles", das heißt, Schlachten, die mehr durch den Einsatz und die Tapferkeit der kämpfenden Truppen als die taktischen Züge der Heerführer entschieden wurden, in die Geschichte des Bürgerkriegs ein.

In diesen beiden Tagen heldenhaften Kämpfens hatte der Norden 12´906 seiner Soldaten verloren, darunter 1´677 Tote und 7´543 Verwundete. Die Verluste des Südens lagen ähnlich hoch: 1´294 Tote, 7´945 Verletzte und 2´500 Vermißte ergaben 11´739.

Lediglich Morgan, der am 2. Januar über den Cumberland nach Tennessee zurückgekehrt war, vermochte die Stimmung der Konföderierten zu heben. Er hatte mehr Waffen und Pferde als zuvor, und er hatte die „Louisville-&-Nashville-Eisenbahn" auf über 60 Meilen Länge zerstört, wodurch er zusammen mit dem Sieg bei Murfreesboro den weiteren Vormarsch von Rosecrans auf Monate zum Erliegen brachte. Auf seinem Raid hatte er 1´900 Gefangene gemacht, wobei von seinen eigenen Leuten nur zwei getötet und 24 verletzt wurden, 64 wurden vermißt.
Bis zum Sommer hielt sich John Morgan, der jetzt offiziell General Wheelers Kavallerie der Army of Tennessee unterstellt war, bei Bragg auf. Lediglich Basil Duke brach im März mit seiner Brigade nach Kentucky auf, nahm am 22. Mt. Sterling und kehrte nach weiteren Kämpfen am 24. bei Danville zu ihm zurück.


Bragg und der Traum von Kentucky

Kentucky gehörte zu jenen Grenzstaaten wie auch Maryland, Virginia oder Missouri, in denen sich die Symphatien bei Ausbruch des Krieges nicht einstimmig einer der beiden Seiten zuwandten. Auch wenn es seit den Virginia and Kentucky Resolves von 1798 immer wieder für die Souveränität der Einzelstaaten plädiert und so den Konflikt über die Ausbreitung der Sklaverei mit ins Rollen gebracht hatte, konnte das Parlament keine Stellung beziehen, und so wurde Neutralität ausgerufen. Damit wollte man dem Schicksal Virginias entgehen, das sich 1863 aufgrund innerstaatlicher Differenzen spalten sollte, sowie demjenigen von Missouri, das während des gesamten Krieges praktisch unter Doppelherrschaft stand und von einem ständigen Guerillakrieg heimgesucht wurde.
Dieser Wunsch war jedoch von vornherein zur Utopie verurteilt, denn gerade Kentucky war ein zu wichtiger Staat, als daß sich nicht die Augen beider Präsidenten auf ihn gerichtet hätten. Lincoln selbst war der Ansicht, er könne den Krieg nicht gewinnen, wenn er Kentucky nicht für sich gewann.
Kentucky auf ihre Seite zu ziehen, würde für jede der beiden Regierungen unschätzbare Vorteile bringen.

Der Bluegrass-Staat besaß alles, was ihn für einen Feldherrn interessant erscheinen ließ, im Überfluß: Soldaten, Nachschub, Pferde und eine wegen seiner topographischen Gegebenheiten und geographischen Lage als Grenzstaat hervorragende Funktion als Bollwerk. Im Osten übernahmen diese Aufgabe die Appalachen, die sich von Tennessee in nordöstlicher Richtung entlang der Grenze zu North Carolina bis nach Virginia erstreckten und nur an der strategisch wichtigen Cumberland Gap an der Grenze zwischen Kentucky, Virginia und Tennessee von größeren Truppenverbänden durchquert werden konnten. Im Norden bildeten die Bluegrass Hills am Ohio eine Barriere gegen plötzliche Einfälle, und entlang der Westgrenze floß der Mississippi mit seinen schwer zugänglichen Steilufern. Zudem wachten hier die Forts Henry und Donelson an der Nordgrenze Tennessees über den Westen von Kentucky.
Da man Lincolns Ruf nach Freiwilligen hier ignoriert hatte, befand sich die Miliz noch im Staat, und zusätzliche Truppenaushebungen konnten einer Armee immense Vorteile bringen. Es gab hier wenig große Sklavenhalter, so daß sich der Staat aus der Diskussion um die Ausbreitung der Sklaverei größtenteils herausgehalten hatte. Allerdings war nach 1850 vor allem in den nördlichen Bergregionen ein ausgeprägtes abolitionistisches Sentiment aufgekommen. Auch wenn sich allgemein die Sympathien eher dem agrarischen Süden zuwandten als dem zunehmend industrialisierten Norden, hatte der Staat im Zuge der Neutralitätsbemühungen 1861 der konföderierten Armee verboten, auf seinem Gebiet Garnisonen zu errichten.

Daß Kentucky nicht kampflos einer Seite zufallen würde, war ebenso klar wie die Unmöglichkeit der Neutralität überhaupt, als sich Truppen beider Seiten im Sommer 1861 dort festzusetzen begannen. General Grant besetzte am 6. September Paducah und zog weiter nach Smithland, während gleichzeitig US-Truppen aus Cincinnati in Louisville und Covington einmarschierten. Die Rebellen bildeten ihre Verteidigungslinie von Columbus über den Eisenbahnknotenpunkt Bowling Green bis zur Gegend um die Cumberland Gap, die von Brigadegeneral Felix K. Zollicoffer am 19. September mit 4´000 Mann besetzt wurde. Hier, bei Mill Springs, fand am 19. Februar 1862 die erste Schlacht im Streit um Kentucky statt, als vorrückende US-Abteilungen unter Brigadegeneral George Henry Thomas die von Zollicoffer leichtsinnig nördlich des Cumberland-Flusses postierten Konföderierten in die Flucht schlugen.
Zollicoffer hatte seine Männer bereits am 16. Februar, von Süden kommend, übersetzen lassen, obwohl er Meldungen über Thomas' Nahen erhalten hatte. Den Befehl des neuen Kommandeurs, Brigadegeneral George B. Crittenden, sich sofort wieder zurückzuziehen, mißachtete er, worauf Crittenden, der inzwischen selbst eingetroffen war, entschied, dem kleineren Übel in Form des überfluteten Cumberland den Rücken zu kehren und die Stellung zu verteidigen.

Thomas war am 17. Februar von Lebanon her mit Mansons 2. Brigade, zwei Regimentern von R. L. McCooks 3. Brigade, 1 Bataillon von Wolfords 1. Kentucky Kavallerie und Kinneys 1. Ohio Artillerie nach achttägigem Marsch über miserable Straßen in Logan Cross Roads angelangt. Dort befanden sie sich zehn Meilen nördlich der Konföderierten. In der Nacht zum 19. beschloß Crittenden, die Initiative zu ergreifen, und berührte um 5.30 Uhr Wolfords Kavallerie-Vorposten. Manson schickte das 10. Indiana und Speed Fry's 4. Kentucky entgegen, die von Zollicoffer mit seiner 1. Brigade zurückgedrängt wurden. An einem Waldrand stabilisierte sich die Front, bis Verstärkung eintreffen sollte. Während des Kampfes tauchte plötzlich ein konföderierter Reiter hinter Fry's Linie auf und schoß auf sein Pferd. Daraufhin eröffneten die Unionssoldaten das Feuer und erschossen den Mann, der niemand anderes war als Brigadegeneral Felix Zollicoffer, der sich aus unbekanntem Grund hinter die feindlichen Linien verirrt hatte.
Zeitgenössische Darstellung des Todes von CSA-General Felix Zollicoffer

Zeitgenössische Darstellung des Todes von CSA-General Felix Zollicoffer,
in der Schlacht von Mill Spring, Kentucky, im Januar 1862

Obwohl seine beiden Brigaden infolge dieses Unglücks in Panik geraten waren, schaffte es Crittenden, sie noch einmal zu sammeln. Er brachte die Männer unter größten Schwierigkeiten zurück über den Fluß. Am nächsten Morgen machten die Nordstaatler reiche Beute in dem verlassenen Lager: Die Konföderierten hatten ihre zwölf Kanonen samt Lafetten, 150 Wagen, über 1000 Pferde und Maultiere sowie ihre sonstige Ausrüstung verloren. Von den 2´500 der 4´000 Bundessoldaten, die tatsächlich an der Schlacht teilgenommen hatten, waren 39 gefallen, 207 verwundet und 15 wurden vermißt oder als gefangen gemeldet. Auf der Seite der Konföderierten waren 125 Tote, 309 Verletzte und 99 Vermißte, also über doppelt so viele Verluste bei gleicher Truppenstärke, zu verzeichnen.

Die Moral der zum größten Teil unerfahrenen Soldaten nach dieser fehlgeschlagenen Bewährungsprobe befand sich auf dem Tiefstpunkt. Viele desertierten aufgrund der Niederlage, und Crittenden mußte sich ungerechtfertigte Kritik gefallen lassen, da sich die Truppen nicht in der von ihm befohlenen Stellung befunden hatten.

Unter Historikern wird dieses Gefecht unterschiedlich bewertet. Während es von E. B. Long als „eine- der zwei entscheidenden Schlachten im Kampf um Kentucky" bezeichnet wird, sehen es andere nur als Vorspiel zu den Kämpfen in Ost-Kentucky.

Tatsache ist, daß sich hier die Schwäche der konföderierten Verteidigungslinie offenbarte und der Weg zur Cumberland Gap für die Union geöffnet wurde, die von der 7. Division der Federal Army of the Ohio unter Brigadegeneral George W. Morgan am 18. 6. 1862 besetzt wurde.
Entscheidend für das Schicksal Kentuckys waren aber andere Kampagnen, die sich für die Südstaatler völlig unerwartet an aus einem vermeintlichen Sicherheitsgefühl heraus noch nicht ausgebauten Festungen abspielten. U. S. Grant hatte zusammen mit Admiral A. Hull Foote, einem altgedienten Seeoffizier, der für seine Frömmigkeit in der ganzen Armee bekannt und angesehen war, die Möglichkeiten kombinierter Heer-Marine-Aktionen erkannt, und James B. Eads aus St. Louis hatte darauf im Auftrag Präsident Lincolns acht speziell für solche Operationen entworfene eisengepanzerte, dampfgetriebene Kanonenboote hergestellt, die unter Footes Kommando gestellt wurden. Grant hatte es auf die Forts Henry und Donelson in Tennessee abgesehen. Deren Einnahme würde den Cumberland und den Tennessee als Invasionsrouten öffnen, die Memphis-Ohio-Eisenbahn unterbrechen und das konföderierte Hauptquartier der Army of Central Kentucky in Bowling Green unter General A. S. Johnston bedrängen, wenn nicht sogar nach Tennessee vertreiben.

Nachdem Brigadegeneral Lloyd Tilgham Fort Henry am 6. Februar 1862 mit 80 Artilleriesoldaten kampflos übergeben hatte und sich Footes Kanonenboote gleichzeitig mit Grant auf Fort Donelson zu bewegten, erkannte Johnston, daß seine Kentucky-Linie zerstört war. Er beschloß, die Army of Kentucky südlich über den Cumberland zurückzuziehen und sandte zum Schutz seiner Operation die Divisionen der Generäle S. B. Buckner und J. B. Floyd nach Fort Donelson, um die Unionssoldaten solange aufzuhalten, bis die restliche Armee den Fluß überquert hatte. Der Rückzug gelang, während Fort Donelson nicht zuletzt aufgrund eines mißlungenen Ausfallversuchs des unentschlossenen Generals Floyd unter schwersten Verlusten, die mit bis zu 16´000 Mann angegeben werden, an die Union fiel.
Mit dieser Operation war die Nordarmee zum erstenmal auf konföderiertes Gebiet vorgedrungen und hatte gleich mehrere Ziele erreicht. Der bis dahin nicht gerade vom Sieg verwöhnte Norden hatte nicht nur eine Invasionsroute gesichert, sondern die Rebellen aus Nashville und West-Tennessee vertrieben und Johnston zum Rückzug bis zum Eisenbahnzentrum Corinth in Mississippi gezwungen. Nashville wurde am 24. Februar von Brigadegeneral Don Carlos Buell eingenommen, nachdem er zehn Tage zuvor Bowling Green besetzt hatte.
Der Verlust der konföderierten Militärpräsenz in Kentucky und West-Tennessee und der weitere feindliche Vormarsch über 200 Meilen, stellte für Präsident Davis zwei neue, ungeheure Probleme dar. Zum einen bestand nun keine Hoffnung mehr, Kentucky über die Nachschublinien entlang des Cumberland und Tennessee und der Eisenbahn von Memphis aus zu besetzen, wie er es geplant hatte. Was aber noch schwerer wog, war die Gefahr einer Spaltung der Konföde-
ration. Sollte es der Union gelingen, einen Keil entlang des Mississippi nach Vicksburg zu treiben, wären sowohl Truppen als auch Versorgungswege westlich des Flusses völlig abgeschnitten.

Um einer derartigen Gefährdung der Konföderation vorzubeugen und gleichzeitig die Unionsarmeen nach den vielversprechenden Siegen Jacksons und Lees in Virginia auf breiter Front zurückzuwerfen, befahl Davis im Sommer 1862 zwei Operationen. Diese sollten eine Wende des Krieges herbeiführen und die Anerkennung der konföderierten Staaten erzwingen.
„(Davis) befahl eine Generaloffensive, indem er Lee nordwärts nach Maryland und die Generäle Kirby Smith und Braxton Bragg nach Kentucky schickte. Der Süden würde die Defensive aufgeben und den Krieg nach Norden tragen. Davis und seine Kommandeure veröffentlichten eine Proklamation an die Bevölkerung von Maryland und Kentucky, in der versichert wurde, daß die Konföderierten lediglich das Recht der Selbstverwaltung anstrebten. Lincolns Weigerung, ihnen Unabhängigkeit zu gewähren, zwinge sie, jene, die auf ihrer Weigerung, Frieden zu schließen, beharrten, anzugreifen. Davis drängte besetzte Staaten zu einem separaten Friedensschluß mit seiner Regierung und ermunterte den Nordwesten, dessen Handel über den Mississippi nach New Orleans lief, die Union zu verlassen."
(Mary B. Norton, A People And A Nation, 1986)
US-General Don Carlos Buell


US-General Don Carlos Buell

Der von John Morgan im Juli ausmanövrierte Brigadegeneral Buell war an die Spitze des am 12. Juli von General Halleck wiederhergestellten Departments of the Ohio gestellt worden. Auf Drängen Lincolns marschierte er von Corinth aus nach Chattanooga, um Tennessee endgültig zu sichern.

Gleichzeitig bereitete Bragg dort seine Invasion vor. Bragg, ein Veteran des Mexikanischen Krieges, hatte das 2. Corps unter A. S. Johnston in Shiloh geführt und war daraufhin zum Full General ernannt worden. Er wird oft als inkompetent und flatterhaft in der Durchführung seiner Pläne beschrieben, und seine Unbeliebtheit bei fast allen Offizieren wurde durch seine Freundschaft zu Davis nur verstärkt.

Unbestritten jedoch waren sein tadelloser Charakter, sein ergebener Patriotismus und seine Beliebtheit bei den Mannschaften. Als Taktiker war er Davis weit unterlegen und versäumte, klare Ziele und Strategien für den Kentuckyfeldzug auszuarbeiten.


„ Bragg und Smith waren optimistisch. Sie respektierten einander, sie waren sich wohl bewußt, daß ihre Feinde für die nächste Zeit aus dem Gleichgewicht waren, und sie glaubten, wenn sie erst nach Kentucky kämen, würden sie einen Befreiungskrieg führen, mit enthusiastischer Unterstützung der Bevölkerung, welche den fast einjährigen Vorteil der Föderierten bei weitem überträfe. Leider hatte Mr. Davis ihnen zwar eine gute Idee, aber keine Blaupause der eigentlichen Kampagne gegeben. Niemand hatte absolute Befehlsgewalt außer dem Präsidenten, der viel zu weit entfernt war, um mehr als allgemeine Aufgaben zu erteilen. Bragg konnte Smith keine bindenden Befehle geben und Smith konnte Bragg keine erteilen."
(Bruce Catton, Terrible Swift Sword, 1963)

Nachdem Kirby am 13. August von Knoxville aufgebrochen war, beschloß Bragg, sich zwischen ihn und Buell zu stellen, um ihn zu schützen. Er schickte am 28. August die Corps von Polk und Hardee bei Walden's Ridge über den Tennessee nach Glasgow, das sie am 13. September erreichten. Am 14. wurde ein Vorstoß von J. R. Chalmers' Brigade nach Munfordville blutig zurückgeschlagen. Während Braggs Armee nachrückte, verstärkten die Nordstaatler unter Colonel J. T. Wilder die Befestigungen der Stadt. Am 16. hatten die Rebellen die Stadt umzingelt, und Wilder ergab sich unter den wohl amüsantesten Umständen des Krieges: Nachdem er zur Kapitulation aufgefordert worden war, erkannte er seine Machtlosigkeit und begab sich als Parlamentär zu General Buckner, um ihn um Rat zu fragen. Dieser ließ ihn die grauen Truppen besichtigen, worauf er mit seiner 4´133 Mann starken Garnison kapitulierte.
Buell, der sich in Eilmärschen nach Louisville und Cincinnati bewegte, hatte am 14. August Bowling Green erreicht und wurde von einem im Dunkeln tappenden Lincoln bedrängt, der zur Tatenlosigkeit verurteilt war, da niemand wußte, wo sich Bragg genau befand. „Was haben sie für eine Gewähr, daß Bragg sich nicht jetzt in der Shenandoah-Senke aufhält?" lautete sein Telegramm an Buell und andere. Er drohte bereits damit, Buell von seinem Kommando zu entheben, da Bragg an seiner Armee vorbeigeschlüpft war, die eigens dazu hingestellt worden war, um dies zu verhindern. Glücklicherweise verkannte Bragg seine Chance, bei Munfordville einen vernichtenden Schlag gegen Buells Verbindungslinien zu führen und marschierte nordwärts nach Bardstown, wo er mit Smith zusammentreffen und zugleich Nachschub sowie neue Rekruten aufnehmen wollte. Diese
Bewegung hielt Buell den Weg nach Louisville frei. Am 21. August eroberte er Munfordville zurück und wandte sich ebenfalls nach Norden, bis er am 25. August Louisville vor Braggs Vorhut erreichte.

Braxton Bragg hatte inzwischen in dem 35 Meilen südöstlich gelegenen Bardstown seine gesamte Army of the Tennessee mit 22´500 Mann Stärke zusammengezogen, während Kirby Smith mit seinen 10´000 Soldaten ungefähr 50 Meilen östlich stand. Kleinere Attacken auf Städte am Ohio wurden von den Nordstaatlern erfolgreich abgewehrt.US-General William „Bull" Nelson

US-General William „Bull" Nelson


Am 1. Oktober marschierte Buell, dessen Army of the Ohio verstärkt durch J. C. Davis' Division der Army of the Mississippi in Louisville um 39´721 frisch ausgehobene Truppen unter William „Bull" Nelson auf über 60´000 angewachsen war, nach Bardstown los, um Bragg zu einer Entscheidung zu zwingen.

Die Hauptarmee, die aus Alexander McCooks erstem, Crittendens zweitem und Gilberts drittem Corps bestand, sollte die Konföderation in die Zange nehmen, und Sill und Dumont marschierten mit ihren beiden Divisionen ostwärts nach Frankfort, um Cleburnes und Humphreys Divisionen anzugreifen.

Dort befand sich auch Bragg selbst, wo er am 4. Oktober Richard Hawes als vorläufigen Gouverneur von Kentucky einsetzte. Am selben Tag noch erfuhr Buell, daß die erhoffte Verstärkung aus Mississippi durch (CS-) General Van Dorns schwere Angriffe in Corinth gebunden war.

Sills Truppen wurden von Bragg für Buells Hauptarmee gehalten, deshalb schickte er Polk in dessen Flanke und befahl Smith, frontal anzugreifen. Polk wich nach Erkennen der tatsächlichen Lage jedoch nach Harrodsburg aus, und Hardees Corps marschierte zu dem zehn Meilen südwestlich gelegenen Perryville. Bragg zog sich ebenfalls nach Harrodsburg zurück und schickte sofort eine von Polks Divisionen unter Withers zu dem bei Frankfort schwer bedrängten Smith. Polk führte die zweite Division unter Cheatham nach Perryville, um Hardee zu verstärken und Gilberts Corps mit Phil Sheridans 11. Divison an der Spitze anzugreifen. In der Nacht auf den B. Oktober zog Buell in Erwartung eines konföderierten Angriffs McCooks und Crittendens Corps rechts und links von Gilbert zusammen. Er selbst wollte nicht angreifen, bevor seine restlichen Truppen eingetroffen waren.CSA-General Joseph Wheeler

Morgans unmittelbarer Vorgesetzter:
CSA-General Joseph Wheeler


Die Kampfhandlungen begannen am nächsten Morgen, als konföderierte Kavallerie unter Wheeler und Liddells Infanteriebrigade J. S. Jackson und Rousseau, die zwei von McCooks Divisionen in die rechte Flanke im Norden der Unionsarmee eingliedern wollten, angriffen.

Gegen 14 Uhr warf auch Cheatham seine Division auf die nördliche Flanke und rieb Terrills unerfahrene 33. Brigade des 1. Corps auf, wurde aber von der 28. unter Starkweather abgewehrt. Jackson und Terrill waren bei diesem Angriff getötet worden. Daraufhin griff Simon Bolivar Buckner an, verstärkt durch einige von Andersons Brigaden, und schlug eine Bresche in Rousseaus rechte Flanke, die unter dem Druck zurückwich.

Während Crittenden, der vormittags auf dem Schlachtfeld eingetroffen war, sich drei Meilen entfernt an der rechten Flanke der Nordstaatler postierte und nicht eingriff, füllten Gooding mit der 30. Brigade der 9. Division und Steedman mit seiner 3./1 von Gilberts Corps die entstandene Lücke.


Sheridan, von Carlins 35./9 unterstützt, warf Polks Angriff auf seine Position zurück, worauf die Rebellen von Carlin nach Perryville abgedrängt wurden. Gleichzeitig wurde die Landungsspitze der Südstaatler von Steedman und Gooding aus Doctor's Creek vertrieben.
Keine der beiden Armeen konnte indes einen entscheidenden Vorteil gewinnen, da Buell aufgrund eines atmosphärischen Phänomens den Schlachtlärm in seinem zwei Meilen entfernten Lager nicht hören konnte, deshalb 15 Brigaden nicht einsetzte und bis 16 Uhr gar nichts von einem größeren Gefecht wußte. Bragg seinerseits hatte zu viele Truppen nach Frankfort beordert, wo er die Hauptschlacht erwartet hatte, so daß auch er nur einen Teil seiner Männer in den Kampf schickte.
Als gegen 16 Uhr die konföderierten Attacken abgewehrt waren, zog sich Bragg fluchtartig nach Südosten zurück und beendete seine Invasion mit der Besetzung von Cumberland Gap am 19. Oktober.
Er hatte 3´396 Verluste in seiner 16´000 Mann starken Armee zu verzeichnen, darunter 510 Tote und 2´635 Verletzte. Buell, der wenigstens einen Teilsieg errungen hatte, dabei aber von 36´940 eingesetzten Soldaten 845 Tote, 2´851 Verwundete und 515 Vermißte melden mußte, gab Washington erneuten Anlaß zu Kritik, indem er Bragg entkommen ließ. Am 24. Oktober wurde er von Major General W. S. Rosecrans in Kentucky und Tennessee abgelöst.
Kentucky war für die Union gesichert. „Wir müssen den Garten von Kentucky seiner Gier überlassen", damit sprach Bragg aus, was
der Süden erst jetzt realisierte, was aber seit Beginn seiner fehlorganisierten Kampagne bereits festgestanden hatte. Der Traum von Kentucky war zum Alptraum geworden, und nach Perryville konnte sich das Department of Tennessee nur noch auf die Rettung Südtennessees konzentrieren.

 

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