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Mit freundlicher Unterstützung
„Die
Konföderation war ein verspäteter Versuch, das Recht eines
Staates, sich von den Vereinigten Staaten von Amerika abzuwenden, auszuüben.
Colonel Morgan Die Geschichte
der amerikanischen Kavallerie während des Bürgerkrieges erhält
ihre eigene Prägung, wenn man den Blick auf die sogenannten „Raids",
vor allem der konföderierten Reiterei, richtet. Während des
ganzen Krieges existierten viele Einheiten irregulärer Kavalleristen,
die mit ihren Blitzattacken in Rücken und Flanken der Unionsarmeen
oder Nachtangriffen auf Züge des Nordens, Vorposten und Eisenbahneskorten
beständig in Alarmbereitschaft hielten. Da die Verpflegung der
Armeen des Südens zu einem großen Teil aus erbeuteten Vorräten
der Nordstaatler beruhte, lieferten diese Kommandos neben taktischen
Informationen, geraubten Pferden und nicht zuletzt notwendiger moralischer
Unterstützung oft genug auch lebenswichtigen Nachschub aus Unionsbeständen. „Während
der Jahre 1862 und 1863 operirte John H. Morgan, ein Guerrilla-Offizier
ohne militärische Bildung, aber im Besitz von Muth und Ausdauer,
Hunt, der am
1. Juni 1825 in Huntsville, Alabama, geboren war, zog mit seiner Familie
in jungen Jahren nach Kentucky, wo er im Transylvania College in Lexington,
der Heimat seiner Mutter, erzogen wurde. Seine erste militärische
Erfahrung sammelte er wie zahlreiche andere spätere Bürgerkriegsoffiziere
im Krieg mit Mexiko, wo er sich bei Buena Vista durch seine Tapferkeit
auszeichnete. Nach seiner Ausmusterung 1847 im Rang eines Lieutenants
übernahm er das Textilgeschäft seines Vaters, das sein Großvater
in Lexington gegründet hatte. CSA-General Simon B. Buckner Zehn Jahre später,
im Jahr 1857, organisierte er im Zuge der wachsenden Spannungen eine
Miliztruppe, die Kentucky Rifles, und bat den Kentuckyaner General Simon
Bolivar Buckner, sich ihm anschließen zu dürfen. Dieser holte
ihn zur Army of Central Kentucky nach Bowling Green, wo er eine Kavallerieschwadron
zur Aufklärung erhielt und im September 1861 zum Captain befördert
wurde. Mit diesem relativ selbständigen Kommando verfügte
Morgan genau über das Instrument, das er am besten einzusetzen
vermochte, wie sich bald zeigte, als er mit nur dreizehn Männern
einen Ritt um die feindliche Armee unter Don Carlos Buell unternahm
und dabei 33 Unionssoldaten gefangennahm. Im Jahr darauf versetzte er
am 8. März die Umgebung von Nashville durch plötzliche Attacken
in Unruhe und lenkte so die Aufmerksamkeit der Nordstaatler in Westtennessee
von den konföderierten Bewegungen im Osten und der Einnahme von
Chattanooga ab. Danach hielt er sich noch bis Mitte des Monats in Tennessee
auf und operierte in der Gegend um Gallatin. Wheeler, den
Lee später als einen „der beiden fähigsten Kavallerieoffiziere,
die der Krieg hervorgebracht hat" bezeichnete, hatte zu dieser
Zeit bereits ein bedeutendes Buch über Kavallerietaktik verfaßt.
Darin legte er dar, daß leichte Kavallerie oder berittene Infanterie
die Bedürfnisse des Südens weit besser erfüllen könne
als schwere Kavallerie. Diese Tatsache war auch Morgan klar, und er
wußte stets alle Vorteile aus einer Einheit zu ziehen, die zu
Fuß ebenso gewandt und effektiv zuschlagen konnte wie zu Pferd.
Darauf beruhte der Erfolg seiner späteren Raids, die ihm den Dank
und die Anerkennung des konföderierten Kongresses für „verschiedenartige,
heldenhafte und unschätzbare Dienste in Tennessee und Kentucky,
die den Schlachten vor Murfreesboro unmittelbar vorausgingen",
einbringen sollten.
„Morgan's Raids" und die Stones River Kampagne
Positionskarte der Stones River Kampagne Im Juni 1862 kam neue Hoffnung für den Süden auf. Jackson war im Shenandoahtal siegreich gewesen und hatte den Grundstein für eine Legende gelegt. Lee hatte auf der Virginia-Halbinsel angegriffen und McClellans Invasion zurückgeworfen, gleichzeitig hatte „Jeb" Stuart die Schlagkraft konföderierter Kavallerieraids mit seinem Ritt um McClellans gesamte Armee eindrucksvoll vorgeführt. Farragut hatte Vicksburg nicht eingenommen, Halleck hatte sich nicht weit von Corinth entfernt, und Buell, der von Halleck zur Eroberung Chattanoogas geschickt worden war, hatte dieses Ziel auch nicht erreicht. John Hunt Morgan, der nach Shiloh 15000 Dollar zur Aufstellung einer Brigade erhalten hatte, brach am 4. Juli mit zwei Regimentern von Knoxville zu seinem ersten Raid auf, um Buells Vorrücken zu erschweren. Unterstützt wurde er dabei von Operationen des draufgängerischen Brigadegenerals Nathan Bedford Forrest. Forrest, „mehr als sechs Fuß groß, von kraftvoller Gestalt und im Besitz von großartigem Einsatzwillen und Wagemut", fiel am 13. Juli in Murfreesboro ein und nahm die ganze Unionsgarnison gefangen. Morgan war gleich nach Kentucky geritten und hatte am 9. Juli in Tompkinsville vier Kavalleriekompanien überwältigt. Am nächsten Tag nahm er ein Depot bei Glasgow ein und rief in einer Proklamation die Bürger von Kentucky auf, sich „zu erheben und zu bewaffnen und die Hessischen Eindringlinge von ihrem Boden zu vertreiben". Zwei Tage später besetzte er Lebanon und bewegte sich weiter nordöstlich über Harrodsburg, Lawrenceburg, Versailles und Georgetown nach Cynthiana, wo er den nördlichsten Punkt seiner Expedition erreichte. Erst hier stellte sich ihm ein Milizaufgebot entgegen, das ihn in ein heftiges Gefecht verwickelte. Dieses Vordringen
in vom Norden kontrolliertes Gebiet, rief größte Aufregung
in Louisville, dem ungeschützten Lexington und sogar in Cincinnati
in Ohio hervor. Die Stärke seiner Truppe sowie die Unsicherheit
über Morgans jeweiligen Standort veranlaßten Lincoln, die
Garnison in Louisville zu verstärken. Am 13. Juli telegraphierte
er General Boyle: „Sie sollten Gen. Halleck aufsuchen. Telegraphieren
Sie ihm sofort. Ich habe ihm telegraphiert, daß Sie in Schwierigkeiten
sind."
Unter Morgans
Männern befand sich ein hervorragender Telegraphist aus Kanada
namens George „Lightning" Ellsworth. Während dieser
und der folgenden Kampagnen hatte er die Aufgabe, die Rebellen durch
abgefangene feindliche Befehle zu warnen und die Föderierten mit
gefälschten Depeschen auf falsche Fährten zu führen und
zu verwirren. Er beherrschte sein Handwerk so ausgezeichnet, daß
er sogar fingierte Befehle im Namen von General Boyle nach Lexington
und in andere Garnisonen schicken und Nachrichten über frei erfundene
konföderierte Truppen durchgeben konnte, um die Nordstaatler zu
verwirren. Der Telegraph, die vielgepriesene Erfindung, wurde so von
Ellsworth für seine Zwecke umfunktioniert. Dies war die Kehrseite
einer der technischen Neuerungen, die dazu beitrugen, den „ersten
modernen Krieg" zu führen. CSA-General Braxton Bragg Unterdessen war
auch Bragg, der unter einer bedauerlichen Konfusion seiner Pläne
und Ziele litt, nach Kentucky aufgebrochen, um den Staat zur Abkehr
von der Union zu bewegen. Buell war ihm daraufhin gefolgt, da er die
Stützpunkte in Louisville und Cincinnati gefährdet sah.
Zu seinem zweiten Raid brach John Hunt Morgan im Oktober auf, nachdem er Smith bei seinem Rückzug aus Lexington auf die Niederlage bei Perryville hin begleitet hatte. Von Crab Orchard aus hatte er die Genehmigung erhalten, ostwärts einen Bogen zu schlagen und Lexington mit seiner 1´800 Mann starken Brigade anzugreifen. Am 18. Oktober besiegte er föderierte Kavallerie nahe der Stadt, marschierte ein, überwältigte die dortige Garnison mit Leichtigkeit und bewegte sich in westlicher Richtung über Versailles und Lawrenceburg nach Elizabethtown. Dort zerstörte er eine Eisenbahnbrücke der Memphis-Ohio-Linie und schädigte damit Buells Nachschub ganz erheblich. Auf seinem weiteren Weg über Leitchville, Morganville und Hopkinsville, von wo er über Springfield nach Gallatin zurückkehrte, nahm er noch eine Anzahl kleinerer Posten und Depots ein. Sein erbittertster Gegner auf diesem wie auf den nächsten Raids sollte Brigadegeneral Edward H. Hobson werden, auf den er schon in Shiloh gestoßen war. Diese Operation, obwohl bis auf die überraschende Rückeroberung Lexingtons nicht so spektakulär wie Morgans erster Raid, zeigte doch wieder die Schnelligkeit und Effektivität der überlegenen Kavallerie unter Männern wie Morgan, Forrest und Stuart. Sie muß ebenso wie Forrests Unternehmung in Westtennessee, wo er im Dezember Grants Versorgung störte und wichtige Truppenteile der Potomac-Armee band, und Morgans drittem („Weihnachts-") Raid im Zusammenhang mit der Stones-River-Kampagne vom 30. Dezember 1862 bis 3. Januar 1863 gesehen werden. Forrest
erreichte mit seiner Operation Grants Aufgabe des Plans, Vicksburg über
Land einzunehmen, während Morgan, der
am 7. Dezember mit Braggs zögernder Erlaubnis von Lebanon
aus die 2´000 Mann starke Garnison in Hartsville überwältigt
hatte, am 21. zum Schlag gegen General Rosecrans' Kommunikationslinien
zwischen Nashville und Louisville aufbrach. Er war am 11. Dezember
zum Brigadegeneral befördert worden und befehligte nun eine
Division, bestehend aus Basil Dukes und A. R. Johnsons Brigaden.
General William Starke Rosecrans hatte die Federal Army of the
Cumberland aus Kentucky nach Nashville geführt, und eine
Konfrontation mit Braggs Army of Tennessee stand unmittelbar
bevor. Unterdessen hatte
Rosecrans, veranlaßt durch Forrests und Morgans Abwesenheit, am
26. Dezember beschlossen, Bragg anzugreifen und Nashville verlassen.
Die Army of Tennessee, die durch Davis' Befehl, General C. L. Stevensons
Division Pemberton zu Hilfe zu schicken, auf 37´700 Effektive
geschrumpft war, wurde von Bragg bei Murfreesboro zusammengezogen. Rosecrans'
drei Corps unter Crittenden, Thomas und McCook (47´000) näherten
sich auf drei Straßen Murfreesboro, wo sich ihnen Polks und Hardees
Corps entgegenstellten. Crittenden traf auf Breckinridges Division östlich
des Flusses. US-General August Willich Kirks und Willichs Brigaden an McCooks äußerster Rechten wurden von Rains', Ectors und McNairs Brigaden überrumpelt, da Willichs Männer beim Frühstück überrascht wurden. Cleburne kam mit seinen 7´000 Soldaten an McCowns rechter Flanke zu Hilfe, wurde jedoch von Davis' und Phil Sheridans Divisionen abgewehrt. Auch ein zweiter Angriff, unterstützt von Cheathams Division aus Polks Corps, wurde dank Sheridans Standhaftigkeit zurückgeschmettert. Der nächste Ansturm aber, an dem Withers' Division teilnahm, rollte Davis' rechte Flanke auf, und auch Sheridan mußte sich zurückziehen. General Negleys 4´700 Mann starke Division im Zentrum der Unionslinie wurde nun von Patton Andersons Brigade angegriffen, doch erst die zweite Attacke mit A. P. Stewards Brigade war erfolgreich. Die konföderierten
Attacken erfolgten so heftig und rasch aufeinander, daß sich bis
zehn Uhr vormittags McCooks gesamtes Corps auf dem Rückzug befand.
Nur der zähe Widerstand von Palmers linker Flanke des föderierten
Corps unter Thomas bei einem Eichenwäldchen an der Bahnstrecke,
verhinderte ein Zusammenbrechen der Front. Rosecrans' Armee konnte sich
gegen Mittag im rechten Winkel zu ihrer ursprünglichen Position
entlang der Bahn neu ordnen. Stellvertretend
sei die 8. Tennessee genannt, die von 425 eingesetzten Soldaten 306,
einschließlich ihres Kommandeurs, Colonel W. L. Moore, verlor. Währenddessen
hatte John Morgan am 29. Dezember bei Boston, östlich von Elizabethtown,
ein Versorgungslager geplündert und zog sich daraufhin unter zunehmendem
Druck über Bardstown und Springfield nach Campbellsville zurück.
Am Neujahrstag 1863 gab es keine nennenswerten Aktionen, nur Polk besetzte
das in der Nacht von den Unionssoldaten aufgegebene, am Vortag noch
so blutig umkämpfte „Hell's Half Acre". An diesem Tag
verspielte Bragg seine Chance, die schwer angeschlagene Unionsarmee
vernichtend zu schlagen und damit die Nordstaatler aus Tennessee zu
vertreiben.
Konföderiertes Kentucky-Regiment im Camp nahe Corinth, Mississippi
Am 3. Januar zog sich General Braxton Bragg zurück. Seine Soldaten waren demotiviert, halberfroren und verstört. Zwar hatten sie gesiegt, doch hatte es Bragg wie schon früher, an Entscheidungskraft gemangelt. So ging Murfreesboro als eine der „Soldiers' Battles", das heißt, Schlachten, die mehr durch den Einsatz und die Tapferkeit der kämpfenden Truppen als die taktischen Züge der Heerführer entschieden wurden, in die Geschichte des Bürgerkriegs ein. In diesen beiden Tagen heldenhaften Kämpfens hatte der Norden 12´906 seiner Soldaten verloren, darunter 1´677 Tote und 7´543 Verwundete. Die Verluste des Südens lagen ähnlich hoch: 1´294 Tote, 7´945 Verletzte und 2´500 Vermißte ergaben 11´739. Lediglich Morgan,
der am 2. Januar über den Cumberland nach Tennessee zurückgekehrt
war, vermochte die Stimmung der Konföderierten zu heben. Er hatte
mehr Waffen und Pferde als zuvor, und er hatte die „Louisville-&-Nashville-Eisenbahn"
auf über 60 Meilen Länge zerstört, wodurch er zusammen
mit dem Sieg bei Murfreesboro den weiteren Vormarsch von Rosecrans auf
Monate zum Erliegen brachte. Auf seinem Raid hatte er 1´900 Gefangene
gemacht, wobei von seinen eigenen Leuten nur zwei getötet und 24
verletzt wurden, 64 wurden vermißt.
Bragg und der Traum von Kentucky Kentucky gehörte zu jenen Grenzstaaten wie auch Maryland, Virginia
oder Missouri, in denen sich die Symphatien bei Ausbruch des Krieges
nicht einstimmig einer der beiden Seiten zuwandten. Auch wenn es seit
den Virginia and Kentucky Resolves von 1798 immer wieder für die
Souveränität der Einzelstaaten plädiert und so den Konflikt über
die Ausbreitung der Sklaverei mit ins Rollen gebracht hatte, konnte
das Parlament keine Stellung beziehen, und so wurde Neutralität
ausgerufen. Damit wollte man dem Schicksal Virginias entgehen, das
sich 1863 aufgrund innerstaatlicher Differenzen spalten sollte, sowie
demjenigen von Missouri, das während des gesamten Krieges praktisch
unter Doppelherrschaft stand und von einem ständigen Guerillakrieg
heimgesucht wurde. Der
Bluegrass-Staat besaß alles, was ihn für einen Feldherrn
interessant erscheinen ließ, im Überfluß: Soldaten,
Nachschub, Pferde und eine wegen seiner topographischen Gegebenheiten
und geographischen
Lage als Grenzstaat hervorragende Funktion als Bollwerk. Im
Osten übernahmen
diese Aufgabe die Appalachen, die sich von Tennessee in nordöstlicher
Richtung entlang der Grenze zu North Carolina bis nach Virginia
erstreckten und nur an der strategisch wichtigen Cumberland
Gap an der Grenze zwischen
Kentucky, Virginia und Tennessee von größeren Truppenverbänden
durchquert werden konnten. Im
Norden bildeten die Bluegrass Hills am Ohio eine Barriere gegen plötzliche
Einfälle, und entlang
der Westgrenze floß der Mississippi mit seinen schwer
zugänglichen
Steilufern. Zudem wachten hier die Forts Henry und Donelson
an der Nordgrenze Tennessees über den Westen von Kentucky. Daß Kentucky
nicht kampflos einer Seite zufallen würde,
war ebenso klar wie die Unmöglichkeit der Neutralität überhaupt,
als sich Truppen beider Seiten im Sommer 1861 dort festzusetzen
begannen. General Grant besetzte am 6. September Paducah und zog
weiter nach
Smithland, während gleichzeitig US-Truppen aus Cincinnati
in Louisville und Covington einmarschierten. Die Rebellen bildeten
ihre
Verteidigungslinie
von Columbus über den Eisenbahnknotenpunkt Bowling Green bis
zur Gegend um die Cumberland Gap, die von Brigadegeneral Felix
K. Zollicoffer
am 19. September mit 4´000 Mann besetzt wurde. Hier, bei
Mill Springs, fand am 19. Februar 1862 die erste Schlacht im Streit
um Kentucky
statt, als vorrückende US-Abteilungen unter Brigadegeneral
George Henry Thomas die von Zollicoffer leichtsinnig nördlich
des Cumberland-Flusses postierten Konföderierten in die Flucht
schlugen. Thomas
war am 17. Februar von Lebanon her mit Mansons 2. Brigade, zwei Regimentern
von R.
L. McCooks 3. Brigade, 1 Bataillon von
Wolfords 1. Kentucky Kavallerie und Kinneys 1. Ohio Artillerie
nach achttägigem
Marsch über miserable Straßen in Logan Cross Roads
angelangt. Dort befanden sie sich zehn Meilen nördlich der
Konföderierten.
In der Nacht zum 19. beschloß Crittenden, die Initiative
zu ergreifen, und berührte um 5.30 Uhr Wolfords Kavallerie-Vorposten.
Manson schickte das 10. Indiana und Speed Fry's 4. Kentucky entgegen,
die
von Zollicoffer mit seiner 1. Brigade zurückgedrängt wurden.
An einem Waldrand stabilisierte sich die Front, bis Verstärkung
eintreffen sollte. Während des Kampfes tauchte
plötzlich ein konföderierter Reiter hinter Fry's Linie auf
und schoß auf sein Pferd. Daraufhin eröffneten die Unionssoldaten
das Feuer und erschossen den Mann, der niemand anderes war als Brigadegeneral
Felix Zollicoffer, der sich aus unbekanntem Grund hinter die feindlichen
Linien verirrt hatte. Zeitgenössische
Darstellung des Todes von CSA-General Felix Zollicoffer, Obwohl seine beiden Brigaden infolge dieses Unglücks in Panik geraten waren, schaffte es Crittenden, sie noch einmal zu sammeln. Er brachte die Männer unter größten Schwierigkeiten zurück über den Fluß. Am nächsten Morgen machten die Nordstaatler reiche Beute in dem verlassenen Lager: Die Konföderierten hatten ihre zwölf Kanonen samt Lafetten, 150 Wagen, über 1000 Pferde und Maultiere sowie ihre sonstige Ausrüstung verloren. Von den 2´500 der 4´000 Bundessoldaten, die tatsächlich an der Schlacht teilgenommen hatten, waren 39 gefallen, 207 verwundet und 15 wurden vermißt oder als gefangen gemeldet. Auf der Seite der Konföderierten waren 125 Tote, 309 Verletzte und 99 Vermißte, also über doppelt so viele Verluste bei gleicher Truppenstärke, zu verzeichnen. Die Moral der zum größten Teil unerfahrenen Soldaten nach dieser fehlgeschlagenen Bewährungsprobe befand sich auf dem Tiefstpunkt. Viele desertierten aufgrund der Niederlage, und Crittenden mußte sich ungerechtfertigte Kritik gefallen lassen, da sich die Truppen nicht in der von ihm befohlenen Stellung befunden hatten. Unter Historikern wird dieses Gefecht unterschiedlich bewertet. Während es von E. B. Long als „eine- der zwei entscheidenden Schlachten im Kampf um Kentucky" bezeichnet wird, sehen es andere nur als Vorspiel zu den Kämpfen in Ost-Kentucky. Tatsache
ist, daß sich
hier die Schwäche der konföderierten Verteidigungslinie
offenbarte und der Weg zur Cumberland Gap für die Union geöffnet
wurde, die von der 7. Division der Federal Army of the Ohio unter
Brigadegeneral
George W. Morgan am 18. 6. 1862 besetzt wurde. Nachdem Brigadegeneral
Lloyd Tilgham Fort Henry am 6. Februar 1862 mit 80 Artilleriesoldaten
kampflos übergeben hatte und sich Footes Kanonenboote gleichzeitig
mit Grant auf Fort Donelson zu bewegten, erkannte Johnston, daß
seine Kentucky-Linie zerstört war. Er beschloß, die Army
of Kentucky südlich über den Cumberland zurückzuziehen
und sandte zum Schutz seiner Operation die Divisionen der Generäle
S. B. Buckner und J. B. Floyd nach Fort Donelson, um die Unionssoldaten
solange aufzuhalten, bis die restliche Armee den Fluß überquert
hatte. Der Rückzug gelang, während Fort Donelson nicht zuletzt
aufgrund eines mißlungenen Ausfallversuchs des unentschlossenen
Generals Floyd unter schwersten Verlusten, die mit bis zu 16´000
Mann angegeben werden, an die Union fiel. Um einer derartigen
Gefährdung der Konföderation vorzubeugen und gleichzeitig
die Unionsarmeen nach den vielversprechenden Siegen Jacksons und Lees
in Virginia auf breiter Front zurückzuwerfen, befahl Davis im Sommer
1862 zwei Operationen. Diese sollten eine Wende des Krieges herbeiführen
und die Anerkennung der konföderierten Staaten erzwingen. US-General Don Carlos Buell Der von John Morgan im Juli ausmanövrierte Brigadegeneral Buell war an die Spitze des am 12. Juli von General Halleck wiederhergestellten Departments of the Ohio gestellt worden. Auf Drängen Lincolns marschierte er von Corinth aus nach Chattanooga, um Tennessee endgültig zu sichern. Gleichzeitig bereitete Bragg dort seine Invasion vor. Bragg, ein Veteran des Mexikanischen Krieges, hatte das 2. Corps unter A. S. Johnston in Shiloh geführt und war daraufhin zum Full General ernannt worden. Er wird oft als inkompetent und flatterhaft in der Durchführung seiner Pläne beschrieben, und seine Unbeliebtheit bei fast allen Offizieren wurde durch seine Freundschaft zu Davis nur verstärkt. Unbestritten jedoch waren sein tadelloser Charakter, sein ergebener Patriotismus und seine Beliebtheit bei den Mannschaften. Als Taktiker war er Davis weit unterlegen und versäumte, klare Ziele und Strategien für den Kentuckyfeldzug auszuarbeiten. „Bragg und Smith waren optimistisch. Sie respektierten einander, sie waren sich wohl bewußt, daß ihre Feinde für die nächste Zeit aus dem Gleichgewicht waren, und sie glaubten, wenn sie erst nach Kentucky kämen, würden sie einen Befreiungskrieg führen, mit enthusiastischer Unterstützung der Bevölkerung, welche den fast einjährigen Vorteil der Föderierten bei weitem überträfe. Leider hatte Mr. Davis ihnen zwar eine gute Idee, aber keine Blaupause der eigentlichen Kampagne gegeben. Niemand hatte absolute Befehlsgewalt außer dem Präsidenten, der viel zu weit entfernt war, um mehr als allgemeine Aufgaben zu erteilen. Bragg konnte Smith keine bindenden Befehle geben und Smith konnte Bragg keine erteilen." (Bruce Catton, Terrible Swift Sword, 1963) Nachdem Kirby
am 13. August von Knoxville aufgebrochen war, beschloß Bragg,
sich zwischen ihn und Buell zu stellen, um ihn zu schützen. Er
schickte am 28. August die Corps von Polk und Hardee bei Walden's Ridge
über den Tennessee nach Glasgow, das sie am 13. September erreichten.
Am 14. wurde ein Vorstoß von J. R. Chalmers' Brigade nach Munfordville
blutig zurückgeschlagen. Während Braggs Armee nachrückte,
verstärkten die Nordstaatler unter Colonel J. T. Wilder die Befestigungen
der Stadt. Am 16. hatten die Rebellen die Stadt umzingelt, und Wilder
ergab sich unter den wohl amüsantesten Umständen des Krieges:
Nachdem er zur Kapitulation aufgefordert worden war, erkannte er seine
Machtlosigkeit und begab sich als Parlamentär zu General Buckner,
um ihn um Rat zu fragen. Dieser ließ ihn die grauen Truppen besichtigen,
worauf er mit seiner 4´133 Mann starken Garnison kapitulierte. Braxton Bragg
hatte inzwischen in dem 35 Meilen südöstlich gelegenen Bardstown
seine gesamte Army of the Tennessee mit 22´500 Mann Stärke
zusammengezogen, während Kirby Smith mit seinen 10´000 Soldaten
ungefähr 50 Meilen östlich stand. Kleinere Attacken auf Städte
am Ohio wurden von den Nordstaatlern erfolgreich abgewehrt. US-General William „Bull" Nelson
Morgans unmittelbarer Vorgesetzter: CSA-General Joseph Wheeler
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