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© 1989 by VERLAG FÜR AMERIKANISTIK D. KUEGLER, 25931 Wyk auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
© NORD & SÜD, Stefan Papp, jr., General Joseph E. Johnston - Militärische Biographie -


CSA - General Joseph E. Johnston
Militärische Biographie


General Joseph E. Johnston

 

 

 

 

Der Soldat und sein Image

 

„Johnston war von aufrechter Gestalt, schmucker Figur und mittlerer Größe. Sein Kopf war wohlgeformt, sein Haargrau, ebenso sein kurzer Backenbart, was seine blühende Gesichtsfarbe unterstrich. Sein Blick war mehr fragend als mißtrauisch. Graue Augen, die oft schnell un willig aufflammten, konnten mit einer Freundlichkeit leuchten, die scheinbar nicht zu seinem disziplinierten, ruhigen Gesichtsausdruck paßte; seine dünnen Lippen waren zum Lächeln wie zum Hohn fähig...

Seine wichtigsten, nicht gleich erkennbaren Qualitäten waren gegensätzlich. Hätte er im Mittelalter gelebt und Ansehen errungen, hätten ihn die Ärzte wohl als Beweis dafür genannt, daß der Mensch die Schöpfung wankender, ständig wechselnder Gemütszustände sei. Jene seiner Untergebenen, die ihm Treue gezeigt und sein Vertrauen gewonnen hatten, fanden ihn warmherzig, liebenswürdig, loyal, stets ein Gentleman und bereit, für sie einzustehen. Im Umgang mit seinen militärischen Vorgesetzten war Johnston unberechenbar: Heute ausgeglichen und vernünftig, morgen empfindlich und eifersüchtig über seine Befugnisse wachend. In einem Brief war er der chevalareske Gentleman-Soldat, im nächsten konnte er sich über jede Kleinigkeit ereifern und auf Machtansprüche pochen, die durch die Armeeregulationen gegeben waren. Jefferson Davis entdeckte bald, daß jeder Brief von Joe Johnston vor Zorn rauchte, wenn er auf seinem Arbeitstisch lag.
Hatte er Zuneigung gefaßt, war sie nicht leicht in seinem Herzen zu zerstören. Haß, einmal entfacht, wurde gepflegt."

Douglas S. Freeman, LEES LIEUTENANT, Volume 1, 1942

Joseph E. Johnston zählte bei Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges zu den großen militärischen Hoffnungen des Südens. Trotz offenkundiger Charakterschwächen, besaß er Charisma und stand im Ruf eines kompetenten und entschlossenen Soldaten, dessen angebliche strategische Fähigkeiten und enorme persönliche Tapferkeit in aller Munde waren.
Zweifellos verfügte Johnston über solide soldatische Qualitäten. General Richard Taylor bezeichnete ihn einmal als den „idealen Soldaten": Doch nüchtern und kritisch betrachtet, sind seine militärischen Kapazitäten wohl überschätzt worden.
Seine essentiell spekulative Reputation als bedeutender, aber auffallend gehandicapter Feldherr des Bürgerkrieges, beruht auf einer seltsamen Mystik, genährt von Johnstons Freunden während des Krieges, seinen eigenen Memoiren und ihm wohlgesonnenen Biographen.
(So der US-Historiker Thomas L. Connelly in seinem Klassiker AUTUMN OF GLORY, 1971).
Das heißt, sein Ansehen basiert mehr auf dem, was er angeblich hätte leisten können - wenn er nur die Möglichkeit dazu gehabt hätte - als auf dem, was er tatsächlich vollbrachte.
Die von Johnston und seinen Anhängern dabei verfolgte Argumentation lautete in etwa so: Wäre der General in der Schlacht von Seven Pines (Fair Oaks) nicht verwundet worden, hätte er McClellan vernichtet. Er hätte Vicksburg retten können, wenn Präsident Jefferson Finis Davis ihm freie Hand gelassen hätte. Der Fall Atlantas wäre verhindert worden, hätte Davis ihn nicht kurz vor der „Entscheidungsschlacht" des Postens enthoben.

„Die Unterstützung Johnstons als eines fähigen Generals geriet in engen Zusammenhang mit dem Anti-Davis-Block, eine Tatsache, die es vernünftig erscheinen läßt, anzunehmen, daß sie begünstigend auf Johnstons Image als das eines erfolgreichen militärischen Führers wirkte - wenn er nur, so die Argumentation, nicht immer wieder von Davis behindert worden wäre.
Tatsächlich waren einige Leute nicht so sehr mit der Frage beschäftigt, ob Johnston ein guter oder schlechter General war, als vielmehr damit, Davis zu vernichten. Johnston selbst bemerkte einmal, daß der Anti-Davis-Block der Kongreßabgeordneten vielleicht weniger seine Freunde waren, sondern viel mehr Davis' Feinde. Wahrscheinlich ist Johnston während des Krieges und besonders danach nicht so sorgfältig beurteilt worden, wie es der Fall gewesen wäre, wenn er nicht in gewissem Sinn wegen seiner Zusammenstöße mit Jefferson Davis automatisch ein Held der Konföderation gewesen wäre. In der Niederlage wurde Davis viel mehr verurteilt als er es verdient hatte. Weil Johnston ein Feind von Davis und Davis als „Verlierer- gebrandmarkt war, war es eine leichte und selbstverständliche Vereinfachung zu behaupten, daß General Johnston ein „Gewinner" gewesen sein mußte." J. L. McDonough/J. P. Jones, WAR SO TERRIBLE, 1987

Hier handelt es sich um einen bis dato relativ einseitig dargestellten Konflikt, dessen auslösendes Moment persönlicher Natur war, der Johnstons populäres Heldenimage ganz wesentlich beeinflußt hat.
Joe Johnston wurde schon zu seinen Lebzeiten mit Fabius „Cunctator" (lat. „der Zauderer") verglichen; einem römischen Feldherrn, der sich dann zum Rückzug entschied, wenn jeder andere gekämpft hätte. Der vorsichtige Virginier, der nie das Letzte zu wagen schien, hegte eine symptomatische Vorliebe für die militärische Defensive, ein Charakteristikum, das sich allmählich zur Manie entwickelt haben mag.
Doch sollte gerechterweise dazu bemerkt werden, daß er in seinem Vermögen als Defensivtaktiker einem Robert E. Lee zumindest ebenbürtig war. Seine Qualitäten als Offensivtaktiker sind zu Recht umstritten. Mutmaßlich mangelte es ihm an dem erforderlichen aggressiven Temperament - dem sprichwörtlichen „Killerinstinkt" - zur Führung durchschlagender Offensivoperationen. Um es kurz zu fassen: Johnston kämpfte zu wenig, und wenn, dann zu spät.


Die Jahre vor dem Krieg

Familie und Ausbildung

Joseph E. Johnston war der Sproß einer distinguierten und prominenten Familie, deren Stammvater, Peter Johnston, Sr., im Jahre 1727 von Schottland nach Nordamerika emigriert war und sich in Virginia als erfolgreicher Kaufmann Wohlstand und Ansehen erworben hatte. Sein Sohn, Peter Johnston, Jr., kämpfte im Unabhängigkeitskrieg unter dem legendären „Light Horse Harry" Lee - dem Vater des späteren General Robert E. Lee. Die beiden Männer verband eine innige Freundschaft, die sich auf ihre Söhne Robert und Joseph übertragen sollte.
Peter Johnston, Jr. - jahrelang Angehöriger des Virginia-Parlaments und ab 1811 Richter am Virginia General Court - ehelichte 1788 Miss Mary Wood, eine Nichte des berühmten Patrioten Patrick Henry. Auf dem Familienbesitz zu „Cherry Grove", bei Farmville, im Prince Edward County gelegen, wurde den Eheleuten am 3. Februar 1807 ihr 8. Sohn geboren, dem sie den Namen Joseph Eggleston gaben.
Der Knabe verlebte die typische Kindheit eines Südstaatlers und verbrachte einen Großteil seiner Zeit mit Fischen, Reiten und Jagen. Seine frühe Ausbildung erhielt er durch seine gebildeten und kultivierten Eltern, wobei Mary Johnston durch besonderes Engagement auffiel. Für einige Jahre besuchte Joe die Abingdon Academy, zu deren Mitbegründern auch sein Vater zählte.
Schon in früher Jugend entwickelte Joseph einen Hang zum Martialischen. Angeregt durch die abenteuerlichen Geschichten seines Vaters aus dem Unabhängigkeitskrieg, entschied er sich für eine militärische Laufbahn. Peter Johnston begrüßte den Entschluß seines Sohnes. Unter der Mithilfe eines politischen Freundes erhielt er am 25. Februar 1825 von Präsident John Quincy Adams eine Nominierung zur US Military Academy in West Point.
West Point, das Oxford der amerikanischen Militärschulen, das eine kostenlose Hochschulbildung bot, bereitete die Kadetten bestens auf den Beruf des Soldaten vor.
Französisch, Astronomie und Militärgeschichte gehörten zu Johnstons bevorzugten Studienfächern. Er graduierte am 1. Juli 1829 als 13. in einer Klasse von 46 Absolventen.

Joseph E. Johnston als junger US-OffizierRobert E. Lee

Joseph E. Johnston als junger US-Offizier

 

Zweitbester seines Jahrgangs war sein Freund Robert E. Lee.

 

Andere, mehr oder weniger obskure Figuren seiner Klasse, die im „Krieg zwischen den Staaten" zu Generälen avancierten, waren:
Theophilus H. Holmes, Albert G. Blanchard (CSA),
O. M. Mitchel, James Barnes, C. P. Buckingham und Thomas A. Davies (USA).


 

 

In der US Army

Als Second Lieutenant zur 4th Artillery nach Fort Columbus, New York, abkommandiert, diente Johnston in den nächsten sieben Jahren vornehmlich in verschiedenen Militärposten an der Atlantikküste. 1832 nahm er am Black-Hawk-Krieg teil und war 1833/34 für kurze Zeit in der Creek-Nation stationiert. Dem Stab von Brigadier General Winfield Scott zugeteilt, kämpfte er 1836 in den Sümpfen Floridas gegen die Seminolen.
General Scotts Operationen gegen die gewieften Guerilla-Kämpfer erwiesen sich als ebenso fruchtlos, wie die seiner Vorgänger. Resultat war seine baldige Ablösung durch Brigadier General Thomas S. Jesup, dem es gelang, die Kapitulation einiger einflußreicher Häuptlinge zu erzwingen. Der Krieg schien so gut wie vorbei.
Trotz seiner Beförderung zum First Lieutenant am 31. Juli 1836, beschloß Johnston die Armee zu verlassen, um sich als Zivil-Ingenieur zu betätigen. Das Kriegsministerium akzeptierte seine Resignation zum 31. Mai 1837.
Im September desselben Jahres brachen in Florida erneut Feindseligkeiten aus. Johnston bot ohne zu zögern der Regierung seine Dienste an. Kriegsminister Joel R. Poinsett ernannte ihn, allerdings ohne militärischen Rang, zum Adjutanten und Topographical Engineer einer gemischten Truppe von Zivilisten, Angehörigen der Armee und Marine, unter dem Kommando von Lieutenant L. M. Powell, einem Navy-Offizier. Aufgabe von Powells Expedition war die Erkundung des Küsten und Flußgebiets in Süd-Florida; hier wurde die Errichtung neuer Militärstandorte erwogen.

Am 15. Januar 1838 wurde bei Jupiter Inlet, am Indian River, ein Detachment der Expedition, dem auch Johnston angehörte, von den Seminolen angegriffen. Sämtliche Offiziere wurden im Verlauf des Kampfes außer Gefecht gesetzt. Kühlen Kopf bewahrend, übernahm Johnston das Kommando, organisierte den Widerstand der Soldaten und deckte den Rückzug durch ein geschicktes Nachhutgefecht. Ein Augenzeuge berichtete:
„ ... die Kaltblütigkeit, der Mut und die Urteilsfähigkeit, die er in der kritischsten Phase und in höchster Not zeigte, wurden von jedem gepriesen, der ihn sah."

Diese Aktion, in der er eine leichte Verletzung an der Stirn davontrug, war ausschlaggebend für seine Reaktivierung als First Lieutenant der elitären Topographical Engineers mit Rang vom 7. Juli 1838. Gleichzeitig wurde er „wegen besonderer Tapferkeit im Kampf gegen die Florida-Indianer" zum Brevet Captain befördert.

„Das Korps der Topographical Engineers hatte durch Anordnung des kommandierenden Generals der Armee von 1813 die Aufgabe, Pläne von allen militärischen Stellungen anzufertigen, die von der Armee besetzt werden konnten, sowie von deren Umgebung, eingeschlossen die Topographie, alle Rekognoszierungsgruppen zu begleiten, um Auskünfte über den Feind und seine Stellungen zu sammeln und Skizzen von seinen Wegen anzufertigen, ergänzt durch Notizen über alles, was der Beobachtung wert war, ein Journal über die Bewegungen jedes Tages zu führen, wenn die Armee auf dem Marsch war, topographische Merkmale, Bauten, Entfernungen, Straßenzustand zwischen Aufbruch- und Zielpunkt eines Tagesmarsches niederzuschreiben und zuletzt die Stellungen dergegnerischen Armeen auf den Schlachtfeldern aufzuzeigen, entweder für den Angriff oder für die Verteidigung."
Henry H. Humphreys, ANDREW ATKINSON HUMPHREY, 1924

Bis zum Ausbruch des Mexikanischen Krieges im Jahre 1846 befaßte sich Johnston mit Fragen des Küstenschutzes. In diese Zeit fällt seine Heirat mit Lydia McLane, einer Tochter des einflußreichen Eisenbahnpräsidenten Louis McLane, der als ehemaliger Kongreßabgeordneter, Botschafter in England und Mitglied im Kabinett Andrew Jacksons auf eine beeindruckende politische Karriere zurückblicken konnte. Das Paar, das sich am 10. Juli 1845 in Baltimore, Maryland, das Ja-Wort gab, führte eine überaus harmonische Ehe, der allerdings der Kindersegen versagt blieb.
Der von der US-Regierung provozierte Krieg mit Mexiko begann am 25. April 1846. Johnston, der sich sofort zum aktiven Felddienst meldete, wurde als Offizier des Topographical Corps of Engineers dem Stab von General Scott beigegeben und nahm an der Invasion entlang der mexikanischen Küste teil.

Scott nahm am 29. März 1847 Vera Cruz ein. Am 9. April, einen Tag nach Beginn des beschwerlichen Vormarsches nach Mexiko-City, erfuhr Johnston von seiner Ernennung zum Lieutenant Colonel eines Freiwilligenregiments, sogenannter „Voltigeurs".
Die Voltigeurs waren eine grauuniformierte (!) Elitetruppe, die traditionsgemäß in vorderster Linie kämpfte. Die Hälfte des Regiments sollte originär mit Pferden versehen werden, um zur schnelleren Beförderung an die Front einen zweiten Mann aufnehmen zu können. Dieser Plan wurde schließlich fallengelassen, und die Voltigeurs fungierten primär als ein irregulärer Schützenverband.
In der Schlacht von Cerro Gordo (18. 4. 1847) erlitt Johnston während einer kühnen Rekognoszierung zwei schwere Verwundungen. Nach seiner raschen Genesung folgten weitere heroische Einsätze bei Contreras (20. B. 1847), Molino del Rey (8. 9. 1847) und Chapultepec (13. 9. 1847), in denen sich der 2. Offizier der Voltigeurs durch ungewöhnliche Tapferkeit auszeichnete. In dem letzten Gefecht zog er sich abermals drei leichte Schußwunden zu, was General Scott zu dem ironischen Ausspruch veranlaßte:
„ Johnston ist ein großer Soldat, aber er hat die unselige Geschicklichkeit, daß es ihm beinahe in jedem Einsatz gelingt, angeschossen zu werden."

„1848 endete der Krieg mit enormen territorialen Gewinnen der Amerikaner, die den USA in etwa die heutige geographische Form gaben. Gleichzeitig brachen die Gegensätze zwischen Norden und Süden, die durch den nationalen Konflikt verdeckt worden waren, erneut auf. Die Fragen der politischen und wirtschaftlichen Macht wurden drängender. Es konnte kein Zweifel bestehen, daß die Besiedlung der neuen Gebiete im Westen nur eine Frage der Zeit war. Die Planung einer transkontinentalen Eisenbahnlinie wurde diskutiert. Das Feudalsystem im Süden und die beginnende industrielle Revolution im Norden, verbunden mit dem einsetzenden, vom Norden gewünschten und beeinflußten Nationalismus konkurrierten um die Einflußsphäre im Westen."
Dietmar Kuegler, GENERAL ROBERT E. LEE, 1988                   
                                                                                                                                     

Das Arsenal von Harper´s Ferry

Das Arsenal von Harper´s Ferry, hier war Johnston teilweise stationiert

Johnstons Regiment war im August 1848 ausgemustert worden. Am 19. Juli 1848 hatte ihn der Kongreß - analog zur Beförderung vom 21. September 1846 - in seinem Dienstgrad als Captain der Topographical Engineers bestätigt. Außerdem führte er jetzt den Brevet-Rang eines Colonel, in Anerkennung seiner Verdienste in Mexiko, effektiv vom 12. April 1847.

Bedingt durch die expansive Westwanderung, die eine verstärkte militärische Präsenz an der „Frontier" erforderlich machte, genehmigte das amerikanische Parlament am 3. März 1855 die Aufstockung der regulären Armee durch je zwei Regimenter Infanterie und Kavallerie. Johnston bewarb sich um eine der höheren Kommandostellen. Im Hinblick auf seine 25 Dienstjahre, die mit ausgezeichneten Meriten angefüllt waren, war es kaum verwunderlich,      daß er am 26. März 1855 zum Lieutenant Colonel der Ist Cavalry erhoben wurde. Zum Colonel des Regiments berief man den alten Kämpen Edwin Vose Sumner,    einen erfahrenen Berufssoldaten, der seit 1819 in der Armee diente und im Bürgerkrieg zum Major General und Korps-Kommandeur der Union aufstieg.

 

Am 10. Juni 1860 starb Quartermaster General Thomas S. Jesup, der seine Position seit 1818 innegehabt hatte. General-in-Chief Winfield Scott legte dem Senat die Namen von vier Offizieren vor, die seiner Meinung nach für Jesups Nachfolge in Frage kamen: Colonel A. Sidney Johnston (nicht mit Joe Johnston verwandt), 2nd Cavalry; Lieutenant Colonel Robert E. Lee, 2nd Cavalry; Lieutenant Colonel Charles F. Smith, l0th Infantry und Lieutenant Colonel Joseph E. Johnston, Ist Cavalry. Die Wahl fiel am 28. Juni 1860 auf Joe Johnston, dessen Berufung mit einem Ergebnis von 31 gegen 3 Stimmen von Senat und Präsident bestätigt wurde. Damit erhielt Johnston, der in den Stabsrang eines Brigadier General avancierte, eine der höchsten Positionen in der kleinen Vorkriegsarmee der Vereinigten Staaten.

Die Aufgaben des Quartermaster-General-Department waren der Transport von Truppen und sämtlichen Kriegsmaterials, ob zu Land oder zu Wasser; die Beschaffung, Verwaltung und Verteilung allen Materials für Marsch oder Lager (z. B. Kleidung, Zelte, Wagen, Ambulanzen etc.). Es übernahm das Remontierungsgeschäft und die Lieferung von Zugtieren aller Art, leitete den Bau von Baracken, Hospitälern und Magazinen, von Ladungswerften, Docks und Brücken, selbst die Konstruktion und Wartung von Militärbahnen.

 

Sezession

Zwischenzeitlich braute sich am politischen Himmel Amerikas ein gefährliches Unwetter zusammen, das gleich einem Damokles-Schwert über der jungen Republik schwebte.
Abraham Lincoln, ein leidenschaftlicher Nationalist und ein Gegner der Sklaverei, schlechthin die Inkarnation jener Kräfte, in denen der Süden eine tödliche Bedrohung sah, wurde am 6. November 1860 zum ersten republikanischen Präsidenten der USA gewählt.
Am 20. Dezember 1860 trat South Carolina als 1. Südstaat aus der Union aus. Es folgten die Staaten Mississippi (9. 1. 1861), Florida (10. 1. 1861), Alabama (11. 1. 1861), Georgia (19. 1. 1861), Louisiana (26. 1. 1861), Texas (1. 2. 1861), Arkansas (6. 5. 1861), North Carolina (20. 5. 1861) und Tennessee (8. 6. 1861), die sich zu den Konföderierten Staaten von Amerika zusammenschlossen.
Virginia vollzog seinen Bruch mit der Union am 17. April 1861, drei Tage nach der Übergabe von Fort Sumter vor der südcarolinischen Küste.

CS-General P. T. G. Beauregard

CS-General P. T. G. Beauregard

General Scott versuchte vergeblich, Johnston im Norden zu halten; auch auf Mrs. Johnston redete er ein, wie es die Augenzeugin Mary B. Chesnut in ihrem Tagebuch festhielt: „ Bringen Sie ihn dazu, bei uns zu bleiben. Wir werden ihn niemals in irgendeiner Weise behindern." -
„ Mein Mann kann nicht in einer Armee bleiben, die sein Geburtsland angreifen will." - „ Dann lassen Sie ihn unsere Armee verlassen,
aber lassen Sie ihn nicht in deren Armee eintreten."
Sie antwortete: „ Das ist alles schön und gut, aber von was soll Joe Johnston leben?
Er hat kein privates Vermögen und keinen anderen Beruf als den des Soldaten."

Johnston gehörte in die Kategorie von professionellen Soldaten, die nie aktiv in das politische Geschehen involviert gewesen waren, aber die maßgeblichen Entwicklungen aufmerksam verfolgt hatten. Wann und warum er sich dafür entschied, in den Süden zu gehen, beschrieb er in seinen Memoiren, NARRATIVE OF MILITARY OPERATIONS DIRECTED DURING THE LATE WAR BETWEEN THE STATES, 1874:

 

 

„Die Annahme der Verordnungen der Sezession am 17. April war bis zum 19. in Washington bekannt ... Ich glaubte, wie viele andere, daß die Teilung des Landes dauerhaft sein würde und das, unabhängig von irgendeinem Recht auf Sezession, die begonnene Revolution durch die Maximen, die so oft durch Amerikaner wiederholt wurden, gerechtfertigt sei, daß nämlich eine freie Regierung gegründet ist  auf der Zustimmung der Regierten und daß jede Gesellschaft, die stark genug ist, ihre Unabhängigkeit zu etablieren und zu behaupten, das Recht hat, diese zu erklären.
Erzogen mit diesen Ansichten, entschied ich mich natürlich, in den Staat zurückzukehren, aus dem ich stammte, mich dem Volk anzuschließen, unter dem ich geboren worden war und mitmeinen Angehörigen zu leben und, wenn nötig, zu ihrer Verteidigung zu kämpfen. Demzufolge wurde mein Abschiedsgesuch, geschrieben am Sonnabend, dem Kriegsminister am Montagmorgen übergeben. Dieser Gentleman wurde gleichzeitig gebeten, den Adjutant General, der mich freundlich begleitet hatte, zu instruieren, daß er den Befehl zur Bekanntmachung der Annahme meiner Resignation sofort schreiben sollte. "

Johnstons Schreiben vom 20. April 1861, akzeptiert am 22. April, lautete:

 

„Sir: Mit Gefühlen tiefen Bedauerns übergebe ich respektvoll die Resignation von meinem Posten in der Armee der Vereinigten Staaten. Die Gefühle, die mich zu diesem Schritt zwingen, werden, wie ich glaube, durch den ehrenwerten Kriegsminister verstanden. Ich hoffe, daß der lange Dienst, der mit einiger Arbeit, mit Entbehrungen, Gefahr und Verlust von Blut mir das Recht geben, um eine baldige Entscheidung über diese Mitteilung zu bitten. Mit höchstem Respekt, Ihr gehorsamer Diener. J. E. Johnston, Quartermaster General."


Konföderiertes Grau

Shenandoah

Am Morgen des 23. April 1861 verließen die Johnstons Washington, D. C. in Richtung Richmond, Virginia, das am 29. Mai neuer Regierungssitz des jungen Staatenbundes wurde. Auf Empfehlung von Major General Robert E. Lee, jüngst ernannter Oberbefehlshaber der Virginia-Streitkräfte, bestallte Gouverneur John Letcher Johnston am 26. April 1861 zum Major General der Staats-Miliz. Lee betraute seinen alten West-Point-Kameraden mit der Organisation und Ausbildung der in und um Richmond versammelten Milizeinheiten. Kurz darauf in den Rang eines Brigadier General zurückgestuft, wurde Johnston am 14. Mai 1861 mit demselben Dienstgrad in die reguläre Konföderierte Armee (C. S. A.) übernommen. (Die parlamentarische Ratifizierung eines entsprechenden Amendments, welches die regulären Brigadiers in den vollen Generalsrang erhob, war nur noch eine Frage der Zeit.)
Der Adjutant General der Armee, Samuel Cooper, beorderte Johnston am 15. Mai 1861 nach Harper's Ferry, wo er am 23. Mai Colonel Thomas J. Jackson
(der berühmte „Stonewall") im Kommando ablöste.

Konföderierte Artilleriestellung

Konföderierte Artilleriestellung

Harper's Ferry, das am Zusammenfluß von Potomac- und Shenandoah-River liegt, war in den Kriegsjahren von einiger strategischer Bedeutung. Es lag genau an der Grenze zu Maryland, einem der „Borderstates", der durch Waffengewalt in der Union gehalten werden konnte. Zum anderen war Harper's Ferry die Eingangspforte zum fruchtbaren Shenandoah-Tal, in dem beide Seiten gleichermaßen eine geeignete Heerstraße erblickten. Weiterhin gab es hier noch das bekannte Waffenarsenal, samt seiner maschinellen Anlagen zur Herstellung von Kleinkalibergewehren, die der Zerstörung durch abziehende Unionstruppen entgangen waren.
Johnston, der die militärische Verantwortung für das Shenandoah-Tal trug, konnte im Ernstfall auf eine bunt zusammengewürfelte Truppe von ca. 10´000 Mann zurückgreifen.

Wie in Richmond, begab er sich sofort an die Einführung eines Trainingsprogramms, bei dessen Durchführung er von vielversprechenden jungen Offizieren unterstützt wurde, die sich im Verlaufe des Konflikts einen Namen machten, z. B.:
J. E. B. Stuart, A. Powell Hill, Jackson, William H. C. Whiting und E. Kirby Smith,
den er zu seinem Assistant Adjutant General ernannte.

Neben Johnstons Army of the Shenandoah, die Anfang Juni 1861 offiziell in die Provisorische Konföderierte Armee (P.A.C.S.) integriert wurde, hatte die politische Führung in Richmond noch eine weitere Armee in Nordvirginia konzentriert. Diese Armee, ca. 22´000 Mann stark, befehligt von dem flamboyanten Brigadier General Gustave T. Beauregard, stand bei Manassas, Meilen von der Unionshauptstadt Washington entfernt.
Nach der Demütigung von Fort Sumter empfand der Norden die bedrohliche Nähe der „Insurgenten" als Provokation und Beleidigung. Offensivmaßnahmen waren die Forderungen der Politiker und der mächtigen Presse, denen die militärische Führung (d. h. General-inchief Winfield Scott) nach berechtigten Vorbehalten gegenüber unausgebildeten Milizen, die mehr einem bewaffneten Mob als einer Armee ähnelten, schließlich nachgaben.
Während der kommandierende General der Unionstruppen vor Washington, Brigadier General Irvin McDowell, einen Schlachtplan entwarf, führte sein Waffenbruder Major General Robert Patterson an der Spitze von ca. 15´000 Mann einen Vorstoß ins Shenandoah-Tal an.

Wegen seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit forderte Johnston von der Regierung die Erlaubnis, Harper's Ferry räumen zu dürfen.
Von Anfang an hatte Johnston die Behörden in Richmond davon zu überzeugen versucht, daß Harper's Ferry aufgrund seiner Anfälligkeit für eine strategische Flankierung und eine mögliche Belagerung, selbst von einer gleichstarken Armee auf Dauer nicht zu halten wäre. Die Rettung der Truppen und die Erhaltung der Mobilität waren ihm wichtiger als das Behaupten geographischer Punkte. Das zeigte sich auch später im Halbinselfeldzug und im Kampf um Vicksburg.
Ein markanter Aspekt fällt hier ins Auge, der sich wie ein roter Faden durch Johnstons Bürgerkriegskarriere zieht: Seine persönliche Geringschätzung für den negativen Effekt eines vermeintlichen Rückzugs auf die öffentliche Moral, die im Krieg eine mitunter entscheidende Rolle spielt.
Nach dem Erhalt einer Nachricht des Kriegsministeriums, die Johnston falsch interpretierte, räumte er Harper's Ferry am 15. Juni 1861 und ging nach Winchester zurück. Wegen der überhasteten Evakuierung wurden große Mengen an Vorräten und Kriegsmaterial vernichtet. Patterson besetzte die verlassene Stadt, zog sich wenig später allerdings wieder über den Potomac-River zurück, da ihn alarmierende Telegramme von General Scott erreichten, der einen Angriff auf Washington durch Beauregard befürchtete.
US - Mörserbatterie

US - Mörserbatterie

Am 2. Juli 1861 überschritt Patterson abermals den Potomac, denn in Kooperation mit der von McDowell vorbereiteten Offensive - die wegen organisatorischer Schwierigkeiten nicht rechtzeitig starten konnte -, war es von Bedeutung, Johnstons Armee im „Valley" zu binden, um eine Vereinigung mit Beauregards Armee zu vereiteln, deren Zerschlagung McDowells Operationsziel zur letztendlichen Einnahme Richmonds darstellte.
Doch der 69jährige Patterson war seiner Aufgabe nicht gewachsen. Seine Bewegungen waren unentschlossen und zaghaft. Zwar manövrierte er bei Falling Waters ein Detachement unter Brigadier General T. J. Jackson aus und drängte es in Richtung Winchester zurück, war allerdings nicht dazu in der Lage, die von Scott erhaltene Direktive, Johnston hinhaltend zu beschäftigen, operativ in die Tat umzusetzen.

Stattdessen marschierte Johnston auf Anordnung des Kriegsministeriums, am 18. Juli 1861, von Jeb Stuarts Kavallerie ausreichend abgeschirmt, zur Eisenbahnlinie bei Piedmont, verlud seine Männer auf Waggons und bewerkstelligte erstmals in den Annalen der Militärgeschichte eine Konzentrierung von Truppen - unter Ausnutzung der inneren Linien - durch den Einsatz der Eisenbahn als Transportmittel. Ziel der Reise war Mansassas Junction. Dort konnte General Beauregard Verstärkungen gut gebrauchen, denn McDowells Unionsarmee hatte sich zwischenzeitlich am 16. Juli, wenn auch verspätet, in Marsch gesetzt.
Ein irritierter General Patterson erfuhr erst am 20. Juli von Johnstons strategischem Husarenstück. Kurz darauf wurde er von einem erzürnten Scott des Postens enthoben und am 27. Juli 1861 aus dem Freiwilligen-Dienst ausgemustert. Zu dieser Zeit war die große Schlacht, in der McDowell auf sich alleine gestellt war, bereits geschlagen.


First Manassas

Die Army of the Shenandoah stieß am 20. Juli zur Front. Johnston, der seit Ratifizierung des besagten Amendments den Dienstgrad eines Full General bekleidete, übernahm als Senior-Offizier das Kommando über die vereinigte konföderierte Armee. Die von Beauregard getroffenen Dispositionen billigte er nach einer obligatorischen Lagebesprechung.
General Beauregard hatte die Südstaatenarmee, die ca. 34´000 Effektive zählte, hinter dem Flüßchen Bull Run in Stellung gebracht.
General Irvin McDowells Armee war ebenfalls ca. 34´000 Mann stark. Wie Beauregard hatte dieser die Flankierung des feindlichen linken Flügels im Sinn.

.........die große Schlacht fand am 21. Juli 1861 statt. Das war der Tag, an dem Beauregard seinen Flankenangriff unternahm, der - wie er stolz bemerkte - dem Schlachtplan Napoleons bei Austerlitz entsprach . . . Sein Zug war trotzdem ein vollständiges Fiasko. Wie McDowell hatte er keinen Stab, der diesen Namen verdiente, daher wurde niemals routinemäßige Stabsarbeit geleistet. Befehle gingen verloren, jene, die tatsächlich ihr Ziel erreichten, wurden nicht verstanden oder nicht befolgt, und das Vorrücken der konföderierten Rechten bildete nicht viel mehr als eine Reihe von konvulsischen Zuckungen weniger Brigaden.

Alles in allem hatten die Konföderierten Glück. Die Rebellenarmee am Bull Run war in keinem besseren Zustand als die Bundesarmee, aber als die Entscheidung fiel, war sie im Stande, aus der Defensive zu kämpfen - was, wie viele Schlachten dieses Krieges zeigen sollten, für ungeübte Truppen definitiv leichter war. Da McDowells Flankenbewegung tatsächlich ausgeführt wurde - obwohl außerordentlich langsam und konfus - und schließlich einen erheblichen Teil der Unions-Armee über den Bull Run zu einem Platz namens Sudley Church brachte, war die Bundesarmee in der Position, um hinunterzumarschieren und die linke Flanke der Konföderierten zuschlagen. Ein tapferer konföderierter Brigadier, der die Truppen an der Steinbrücke kommandierte, wo die Hauptstraße nach Washington den Bull Run kreuzte, sah die Yankees kommen und focht einen beherzten, hinhaltenden Kampf aus, der sie aufhielt, bis Johnston und Beauregard auf dem bewaldeten Plateau nahe dem Henry House eine neue Linie formen konnten, um den Angriff zu empfangen. McDowell schickte zwei ausgezeichnete Batterien nach vorn, und die Schlacht begann."
Bruce Catton, PICTURE HISTORY OF THE CIVIL WAR, 1960

(von links nach rechts): "Stonewall" Jackson, J.E. Johnston, Robert E. Lee
Die militärischen Hoffnungen der Südstaaten am Anfang des Krieges (von links nach rechts): 
"Stonewall" Jackson, J. E. Johnston, Robert E. Lee

Durch zwei Brigaden verstärkt, hielten die zahlenmäßig unterlegenen Konföderierten ihre Linie bis zum frühen Mittag gegen die unkoordinierten Angriffe der Unionstruppen. Schließlich kollabierte die Verteidigungslinie, die Südstaatler wurden über Young's Branch und die Warrenton Road zurückgetrieben. Weitere Verstärkungen trafen auf seiten der Union ein. Auch Johnston und Beauregard brachten frische Truppen in den Kampf, noch gerade rechtzeitig, denn der linke Flügel der Konföderierten schien dem Zusammenbruch nahe. Es war General Thomas Jacksons Virginia-Brigade, die entlang des Henry House Hill, dem Sammelpunkt der flüchtenden Truppen unter den Generalen Evans und Bee, eine Defensivposition bezog. Bee, der in der Schlacht fiel, war von der Standhaftigkeit der Brigade Jacksons so beeindruckt, daß er als vorbildliches Beispiel für seine Männer zu dessen Kampflinie deutete und ausrief: „Schaut, da steht Jackson wie ein Steinwall!"
Während die Konföderierten ihre Position stabilisierten, war McDowell im Begriff, seine desorganisierte Armee umzugruppieren. Gegen zwei Uhr nachmittags griffen McDowells Sturmkolonnen erneut Henry Hill an. Gegen 16.00 Uhr gewannen die Südstaatler auf ihrem linken Flügel immer mehr an Boden, und zu guter Letzt gelang es ihnen, die rechte Flanke von McDowells Armee aufzureißen.
Die erschöpften Nordstaatler mußten weichen, und der anfangs in verhältnismäßig guter Ordnung durchgeführte Rückzug über den Bull Run artete in eine panikartige Flucht aus, verursacht durch einen Verkehrsstau auf der Rückzugsstraße inmitten feindlichen Artilleriefeuers. Die siegreichen Konföderierten erlitten Verluste in Höhe von 1´982 Mann, die geschlagenen Nordstaatler 2´896 Mann.

Johnstons Biographen, Govan & Livingood, bewerteten seine Rolle in der Schlacht als „unspektakulär". Aber Tatsache ist, daß Johnston derjenige war, der die brenzlige Situation auf dem linken Flügel der Südstaatler zuerst erkannte und durch das Hinzuführen und geschickte Postieren eintreffender Verstärkungen die entsprechenden Gegenmaßnahmen einleitete.
Die Diskussion über die verbummelte Verfolgung der geschlagenen Unionstruppen und die versäumte Einnahme Washingtons, lag erst in der Zukunft. Zunächst ließen sich die Beteiligten in ihren Schriften selbst darüber aus; dann stellten nachfolgende Historikergenerationen weitere Spekulationen über die kontroverse Thematik an.
Im Juli 1861 jedenfalls waren sich die Verantwortlichen (d. h. Davis, Johnston und Beauregard) darüber einig, daß eine geordnete Verfolgung aufgrund der Desorganisation der Armee und der schlechten Witterungsverhältnisse - am 22. Juli setzte ein sturzbachartiger Regen ein - unmöglich gewesen wäre.

Intermezzo

Nach der Niederlage von Manassas brachte die Union ihre Rüstungsindustrie auf Hochtouren. Ernüchterung war an die Stelle von Euphorie getreten. Auch war man sich jetzt darüber im klaren, daß dieser Krieg nicht nur durch eine einzige große Schlacht entschieden wurde. Nach einer kurzen Periode der Depression war der Norden um so entschlossener, die „Rebellion" der Südstaaten niederzuschlagen.
Präsident Abraham Lincoln holte Major General George B. McClellan nach Washington und setzte ihn an die Position des glücklos agierenden McDowell. McClellan, von dem große Dinge erwartet wurden, begann unverzüglich mit der Organisation und Ausbildung einer schlagkräftigen Armee, deren Kopfstärke bereits Ende 1861 über 100´000 Mann betrug.
Der Süden wiederum, der sich in einem wahren Siegesrausch befand, gab sich der trügerischen Illusion hin, die Yankees nun überall und zu jeder Zeit schlagen zu können. Der Richmond Whig schrieb:
„ Der Zusammenbruch der Yankee-Rasse, ihre Unfähigkeit zu regieren, zwingt den Süden, die Herrschaft zu übernehmen. Wir sind genötigt, das Szepter der Macht zu ergreifen. Wir müssen uns auf unsere neue Bestimmung einstellen!"

Aber es gab Leute, die besser Bescheid wußten und daher zu einer realistischen Lageeinschätzung imstande waren. Dazu gehörten auch Präsident jefferson Davis und General Joe Johnston.
Das persönliche Verhältnis zwischen dem Commander-in-Chief und seinem General war in den vorangegangenen Wochen und Monaten formal korrekt, der Ton ihrer offiziellen Korrespondenz schon fast freundschaftlich gewesen. Tatsächlich hegten beide aber eine gegenseitige Abneigung, die vermutlich in der Vergangenheit wurzelte und im Sommer 1861 schließlich in offener Feindschaft eskalierte.
Am 31. August 1861 benannte Präsident Davis fünf Offiziere zum Full General der regulären konföderierten Armee. Joe Johnston war vierter auf der Rangliste vor Beauregard und hinter Samuel Cooper, A. Sidney Johnston und R. E. Lee. Seine Nominierung war auf den 4. Juli datiert.

„Die Reihenfolge der Nominierungen, die sofort vom Senat bestätigt wurden, erboste Joseph E. Johnston. Von diesem Tag an war er nicht mehr derselbe Mann im Umgang mit dem Präsidenten. Vehement, als sei der Rang der wichtigste Faktor in seinem Dienst für den Süden, brachte Johnston Einwände in seinem Fall vor. Er behauptete, der Senior-Offizier der US-Armee gewesen zu sein, als er resigniert und sich den Konföderierten angeschlossen hatte, daß ihm seine hohe Stellung unter konföderiertem Recht garantiert worden sei, und daß das Gesetz zur Ernennung derFull Rank Generals einfach eine Maßnahme sei, um den Rang derjenigen zu erhöhen, die schon Brigadegeneräle in der regulären konföderierten Armee gewesen waren, und kein Gesetz, unter dem der Präsident das jeweilige höhere Dienstalter derer, die bereits zu Brigadegenerälen C. S. A. ernannt worden waren, ändern konnte. Nach Johnstons Ansichthätte die korrekte Reihenfolge lauten müssen: Er selbst, Cooper, Albert Sidne_yJohnston, R. E. Lee und P. G. T. Beauregard." Douglas S. Freeman, LEE'S LIEUTENANTS, Volume 1, 1942

In einem mehrseitigen Brief warf Johnston dem Präsidenten vor, er habe eine „Verletzung meiner Rechte als Offizier" begangen, „meinen guten Namen als Soldat und Mann beschmutzt ... Sie haben jemanden degradiert, der von Beginn des Krieges an unter Mühseligkeiten gedient hat zugunsten ... von jemandem, der soeben einen Schlag für die Konföderation geführt hat.", wobei die letzte Bemerkung als Spitze gegen Sidney Johnston und Lee (!) gerichtet war.
Jefferson Davis, „bereit zu jedem Streit, mit jedem und allen, zu jeder Zeit und immer", war ebenso empfindlich in Fragen, die die persönliche Ehre betrafen wie johnston. Er fühlte sich beleidigt und antwortete in einem kühlen Ton:

„Sir: Soeben habe ich Ihren Brief vom 12. des Monats erhalten und gelesen. Seine Sprache ist, wie Sie selbst sagen, ungewöhnlich, seine Argumente und Darstellungsweise vollständig einseitig und seine Andeutungen so unbegründet wie unziemlich."

So begann ein jahrelanger Konflikt, der nie beigelegt werden konnte. Aufgrund ihrer persönlichen Differenzen, ergänzt durch divergierende Ansichten über die Führung des Krieges und der damit verbundenen Strategien, war Johnston bald im Lager der sich bildenden Anti-Davis-Fraktion zu finden, die sein Märtyrer-Image vom „abgeschobenen General" maßgeblich initiiert hat. Johnston erhielt hilfreiche Unterstützung aus den Reihen der Anti-Davis-Männer (Senatoren und Kongreßabgeordnete), die sich, nach der Meinung eines Zeitgenossen, hinter Johnston als „schützendem Schild versammelten und giftige Pfeile auf Präsident Davis abschossen."
Am 22. Oktober 1861 wurde Johnston zum Befehlshaber des neugebildeten Department of Northern Virginia ernannt. Es umfaßte die Potomac-, Aquia- und Valley-Distrikte. Hauptquartier des Departments war Manassas Junction, wo die Confederate Army of the Potomac (!) (im Juni 1862 von Lee in Army of Northern Virginia umbenannt) in einer Stärke von ca. 45´000 Mann konzentriert war. Zu Beginn des Halbinselfeldzuges fielen am 12. April 1862 auch das Department of Norfolk und das Department of the Peninsula in Johnstons Zuständigkeitsbereich.
Bis zum Frühjahr 1862 herrschte an der virginischen Nordfront eine Periode der allgemeinen Inaktivität. Die beiden verfeindeten Landesteile waren hauptsächlich mit dem Aufbau ihrer Armeen beschäftigt. Hier und da fanden zwar mehr oder weniger heftige Gefechte statt, wie z. B. bei Leesburg (21. 10. 1861)
und Dranesville (20. 12. 1861), doch waren diese Aktionen von keinem militärisch entscheidenden Charakter.

 

Militärische Übersichtskarte aus dem Frühjahr 1862

 

 

 

 

Für die Konföderierten sah die allgemeinmilitärische Lage im Februar 1862 nicht besonders gut aus. Roanoke Island, an der Küste von North Carolina gelegen, war kürzlich gefallen und öffnete der Union einen direkten Weg zur südlichen Basis in Norfolk, Virginia.

In Tennessee befand sich General Albert Sidney Johnston nach dem Fall der Forts Henry und Donelson auf dem Rückzug. Die Blockade der Seehäfen durch die Union machte sich bemerkbar.

Auch an Johnstons Front begannen die Nordstaatler aktiv zu werden. Um einer etwaigen Flankierung durch General McClellan zuvorzukommen, gab Johnston nach der Zerstörung riesiger Mengen an Vorräten, die nicht abtransportiert werden konnten, Anfang März 1862 seine Stellungen bei Manassas auf und ging in eine wesentlich besser zu verteidigende Defensivposition zurück, die er auf dem Südufer des Rappahannock-River (bei Fredericksburg) bezog.

 

 

 

 

Auf der Halbinsel

Es war tatsächlich General McClellans Plan gewesen, Johnstons Position bei Manassas zu flankieren.

Doch Johnstons Rückzug hatte die wohldurchdachte Strategie McClellans zunichte gemacht.
Ende März 1862 landete McClellans Union Army of the Potomac, ca. 105´000 Effektive, auf der südlichsten Spitze der Halbinsel bei Yorktown.
Vom James und York River tlankiert, war die Halbinsel ca. 50 Meilen lang und an der Stelle ihrer weitesten Ausdehnung ca. 15 Meilen breit. Das Land war flach, spärlich besiedelt, aber reich an Baumbestanden, durchfurcht von Flüssen.


Am 2. April 1862 begann McClellans Vormarsch, dem sich die Konföderierten unter Major General John B. Magruder entgegenstellten. Magruder hielt eine ca. 13 Meilen lange Defensivlinie, die mit rund 11´000 Soldaten bemannt war. Sie erstreckte sich von Yorktown im Nordosten bis zum Warwick-River im Südwesten.
Magruder, der einen Hang zum Theatralischen besaß, gaukelte McClellan durch das Auf- und Abmarschieren seiner Truppen vor, über mehr Soldaten zu verfügen als dies in Wirklichkeit der Fall war. McClellan fiel auf den Bluff herein und entschied sich, nach einem abgeschlagenen Angriff auf das konföderierte Zentrum, zu einer langsamen und methodischen Belagerung. Die Alternative einer strategischen Flankierung durch Nutzung der Wasserrouten schied für McClellan aus, denn starke Küstenbatterien bei Cloucester Point versperrten ihm den Zugang zum York River, während der James von dem Panzerschiff CSS Virginia bewacht wurde.
Joe Johnston war an einer Verteidigung der Halbinsel nicht interessiert. Die Yorktown-Warwick-Linie, die er für zu schwach und lang hielt, sei auf die Dauer gesehen unhaltbar, unterrichtete er die Regierung nach einer persönlichen Inspizierung. Johnston fürchtete die schwere Artillerie der Union und die Möglichkeit eines Flankenangriffs. Deshalb schlug er eine Evakuierung der Halbinsel vor und die Konzentrierung der Streitkräfte vor Richmond.

Jefferson Davis, Kriegsminister George W. Randolph und General Robert Lee, den Davis als eine Art Generalstabschef installiert hatte, brachten diesem Vorschlag keinerlei Sympathie entgegen. Sie argumentierten, die Halbinsel sei genauso gut wie jeder andere Platz, um dem Vordringen McClellans zu begegnen.

Von seinen Vorgesetzten überstimmt, wurde die am Rappahannock River liegende Armee zur Yorktown-Warwick-Linie transferiert. Johnston übernahm am 17. April 1862 in Yorktown das Kommando. Seine Armee zählte etwa 56´000 Mann.
Anfang Mai hatte General McClellan seine Vorbereitungen für das Bombardement der konföderierten Stellungen abgeschlossen. Am 6. Mai wollte er losschlagen. Johnstons Vorahnung ließ ihn auch diesmal nicht im Stich: In der Nacht zum 4. Mai ordnete er den Rückzug an. McClellans Truppen besetzten am folgenden Tag die Befestigungsanlagen und nahmen die Verfolgung auf.
Am 5. Mai 1862 holte die Vorhut der Union die Nachhut der Konföderierten bei Williamsburg ein, es entbrannte ein harter, aber unentschiedener Kampf.
McClellan entsandte zwischenzeitlich 12´000 Mann auf Transportschiffen den York River hinauf. Er hoffte Johnston den Rückzug abzuschneiden. Am 7. Mai gingen die Unionstruppen bei West Point an Land. McClellans Falle schnappte nicht zu, denn die Konföderierten erwarteten die Nordstaatler bei Barhamsville (Etham's Landing).
Norfolk wurde am 9. Mai von CS-Major General Benjamin Huger geräumt. Die CSS Virginia, die nicht zu retten war, wurde von ihrer Crew in die Luft gesprengt. Die US-Navy fühlte sich nach dem ruhmlosen Ende des Ironclad sicher genug, einen Vorstoß den James River hinauf zu wagen, der am 15. Mai hei Drewry's Bluff zum Erliegen kam.


Seven Pines (Fair Oaks)

 

US-General McClellan

US-General McClellan

Sich Richmond nähernd, begann McClellan im Hinblick auf eine bevorstehende Vereinigung mit dem McDowell'schen Korps, das aus Fredericksburg erwartet wurde, seine Front nach Norden auszudehnen. Dies bedeutete eine Postierung seiner Armee sowohl auf dem Südufer, als auch auf dem Nordufer des Chickahominy River.
Am 30. Mai 1862 setzte ein fürchterliches Unwetter ein, das den Chickahominy in einen reißenden Strom verwandelte, der die Brücken wegspülte und dadurch die Korps von Heintzelman und Keyes auf der Südseite des Flusses vorn Gros der Armee vorübergehend abschnitt.
Joe Johnston blieb die prekäre Situation der Unionsarmee nicht verborgen. Er beschloß, die Gunst der Stunde zu nutzen und die zwei isolierten US-Korps mit 4 seiner Divisionen anzugreifen.

„Für einen direkten Angriff war Johnstons Plan gut. Er scheiterte in der Ausführung, weil seine Untergebenen nicht strikt seinen Befehlen folgten und bei ihrem Zug zum Schlachtfeld nicht jeweils die Straße nahmen, die jedem zugewiesen war. Das Ergebnis war, daß sie es nicht gleichzeitig erreichten. Statt einer einheitlichen Attacke, gab es eine Reihe von heroischen Gefechten, die in der Mitte zunächst erfolgreich waren und dazu führten, daß die furchteinflößenden Schanzwerke, die die Unionisten bei Seven Pines errichtet hatten, zunächst genommen wurden.
Aber da keine Unterstützung durch Bewegungen an der Rechten und der Linken erfolgte, wurde dieser Angriff durch die Konzentrierung einer überlegenen Truppe des Feindes abgewiesen, gefolgt durch Angriffe und ein Zurückwerfen auf den Flügeln und wieder in der Mitte. Die Union wurde von der Südseite der York-River-Eisenbahn vertrieben, ging aber entlang der Nordseite in Stellung. Die konföderierte Linie war annähernd in Ost-West-Richtung ausgedehnt, um ihr zu begegnen. Sie hielt noch ihre Rechte in Fair Oaks Station, ausgedehnt in Richtung auf den Chickahominy, und so endete der 31. ohne entscheidende Ergebnisse ...
McClellan schickte Verstärkungen von seiner Rechten zur Linken.
Beide Armeen verbrachten diese Nacht so gut es eben ging in ihren von Wasser und Schlamm durchtränkten Biwaks. Johnston befahl seinen Männern urn 7 Uhr abends, sich in ihren Linien zur Ruhe zu begeben und für neue Operationen am Morgen bereit zu sein.
Eine halbe Stunde später wurde er von einer Gewehrkugel getroffen und gleich danach durch den Splitter einer Granate schwer verwundet und vom Pferd geworfen. Unfähig, das Kommando weiterzuführen, wurde er nach hinten getragen, und Generalmajor G. W. Smith wurde zunächst Kommandant im Feld."

Jedediah Hotchkiss, CONFEDERATE MILITARY HISTORY, Vol. 4, 1987

Am 1. Juni führten die Konföderierten einen schwachen Angriff gegen den linken Flügel der Union, der zurückgewiesen werden konnte. Bald darauf wurden die nutzlosen Kämpfe eingestellt, und die konföderierte Armee erhielt einen neuen Kommandeur: Robert E. Lee.
Die Verlustzahlen: Union 5´041, Konföderierte 6´134, wobei beide Parteien ca. 42´000 Mann ins Kampfgeschehen brachten.
Wie Hotchkiss es bereits andeutete, wurde Johnstons Schlachtplan von seinen Untergebenen verpatzt. Aber auch bei Johnston muß der Rotstift angesetzt werden. Dazu der Historiker Jeffrv D. Wert:
„Der Mann, der hauptsächlich für diesen „militärischen Alptraum" die Verantwortung trug, war nicht Joseph Johnston, aber der Kornmandant der Armee kann sich dem Tadel nicht entziehen. Er entwarf einen guten Plan, bereitete dann aber nachlässige Befehle vor und versäumte es, sie ordnungsgemäß' weiterzugeben. Johnston war, den Worten des konföderierten Colonels E. P. Alexander zufolge, „gegenüber kleinen Details ungeduldig und sorglos." Bei Seven Pines bezahlte er teuer dafür. "
(J. D. Wert, „The Battle of Seven Pines", Part II, Civil War Times lllustrated, Vol. 27, No. 7, November 1988)

Noch in jüngster Zeit ist der Waffengang von Seven Pines zu einem Sieg der Südstaatler erklärt worden. Doch war es die Unionsarmee, die unter dem Vorteil der taktischen Defensive die wütenden Angriffe der Konföderierten parierte und deshalb einen taktischen Sieg für sich in Anspruch nehmen konnte.


Department of the West

Seine schmerzvolle und langwierige Rekonvaleszenz verbrachte Johnston in Richmond. Am 13. November 1862 meldete er sich zum aktiven Dienst zurück. Er hatte gehofft, sein altes Kommando wieder übernehmen zu dürfen. Doch nachdem Robert E. Lee der Union in gleich mehreren Schlachten hintereinander empfindliche Niederlagen zugefügt hatte, sah Präsident Davis keine Veranlassung, im Kommando der Army of Northern Virginia eine personelle Veränderung vorzunehmen. Davis verfolgte andere Pläne.
CS-General John C. Pemberton

CS-General John C. Pemberton

 

Per Generalorder Nr. 235 vom 24. November 1862 ernannte er Johnston zum Befehlshaber des neugeschaffenen Department of the West, konstituiert aus General Braxton Braggs Department of Tennessee und Lieutenant General John C. Pembertons Department of Mississippi and East Louisiana.
Johnston wurde de facto Oberkommandierender sämtlicher konföderierter Streitkräfte östlich des Mississippi-River und westlich der Appalachen. Seine primäre Aufgabe war die Koordinierung und Kontrolle der militärischen Operationen innerhalb dieser Departments zur Verteidigung von Tennessee und Mississippi.

 

 

„Das Konzept für das Kommando eines solchen Gebiets schien höchst vielversprechend - aber Joseph Johnston war nicht der Mann für diesen Job. Von Beginn an erwiesen sich seine schlechten Beziehungen zu Präsident Davis als Hindernis und erklären wahrscheinlich, teilweise, warum er anscheinend niemals grundlegend die Natur seines neuen Kommandos verstand.
Johnston empfand, vermutlich richtig, daß er nur zum Kommandanten des neuen Militärbereichs ernannt worden war, weil nur drei zur Verfügung stehende Offiziere Bragg im Rang übertrafen, dazu gehörte auch Johnston. Manchmal hatte Johnston auch den Verdacht, daß ihm nur ein nominelles Kommando mit wenig wirklicher Macht aber mit schweren Verantwortlichkeiten gegeben worden war, um ihn schlecht aussehen zu lassen.
Wiederholte Versicherungen des Gegenteils - daß er tatsächlich Autorität habe - durch den Kriegsminister, konnten den General niemals überzeugen, und Johnston gelang es nicht, die persönliche Kontrolle über eine oder beide Hauptarmeen, die unter seinem Befehl standen, auszuüben.
Stattdessen protestierte Johnston vom ersten Tag seiner Ernennung an gegen die Unmöglichkeiten seiner Bestallung.
Nie widmete er der gestellten Aufgabe die größtmögliche Mühe, um zu sehen, ob die Departmentskonzeption funktionieren würde oder nicht.
Indem er mit Davis über die verschiedensten Dinge, größerer und kleinerer Art, stritt, nahm Johnston eine defätistische Haltung ein, wurde verbittert,
und sein großes Department entglitt ihm ... und Davis wurde in seiner negativen Beurteilung des virginischen Generals bestätigt."
J. L. McDonough/J. P. Jones, WAR SO TERRIBLE, 1987

In einem gewissen Maß kann man für Johnstons widerspenstiges Verhalten sogar Verständnis aufbringen. Die Regierung übertrug ihm zwar offiziell alle Vollmachten, auf der anderen Seite erteilte sie widersprüchliche Befehle, ohne den Departmentkommandeur vorher zu konsultieren oder ihn über bestimmte Aktionen in Kenntnis zu setzen. Zudem gestattete man den Feldkommandeuren, direkt mit Richmond in Verbindung zu treten, so daß Johnston manche Entscheidungen einfach vorenthalten wurden.

Vicksburg

Ende April 1863 überschritt Major General U. S. Grants Union Army of the Tennessee südlich von Vicksburg den Mississippi River. Mehrere Versuche Grants, das „Gibraltar des Mississippi" einzunehmen, waren fehlgeschlagen. In seinem nunmehr fünften Anlauf beabsichtigte Grant - in General Pembertons Rücken operierend-, die Verbindungslinien zwischen Vicksburg und dem Eisenbahnknotenpunkt Jackson zu unterbrechen. Falls Grants klassische Offensiv-Defensiv-Strategie autgehen sollte, war Pemberton zur Wiedergewinnung seiner Kommunikationslinien genötigt; er mußte in die Offensive übergehen. Grant hatte dann den Vorteil der taktischen Defensive auf seiner Seite. Doch bevor Pemberton den Nordstaatlern überhaupt Paroli bieten konnte, mußte er zunächst einmal seine weit verstreute Armee konzentrieren.
Am 1. Mai 1863 erfuhr Johnston in Tullahoma, Tennessee, von Grants Aktivitäten. Erst acht Tage später erreichten ihn weitere besorgniserregende Nachrichten über die in Mississippi sich verschlechternde militärische Lage. (Grant stand bereits tief im konföderierten Hinterland.) Eine vom Kriegsministerium erlassene Order übertrug Johnston den Oberbefehl im Kampf gegen die Invasoren und zitierte ihn nach Jackson, wo er am 13. Mai 1863 mit seinem Stab eintraf. Hier standen ihm nur 6´000 Mann zur unmittelbaren Verfügung.
General Grant hatte sich mittlerweile unter Ausnutzung der inneren Linien wie ein Keil zwischen die beiden konföderierten Truppenkontingente geschoben, die ihn konfrontierten. Er konzentrierte zwei seiner Korps gegen Johnston; ein drittes Korps spielte den Aufpasser für Pembertons Streitmacht (ca. 21´000 Mann), die von Westen anrückte.
„ Ich bin zu spät", drahtete Johnston am 14. Mai 1863 um 15.00 Uhr nach Richmond. Typisch für Johnston: „Er schien zu glauben, daß eine Katastrophe unvermeidbar war und wünschte sich im voraus von jeder Verantwortung dafür reinzuwaschen, anstatt seine ganze Kraft darauf zu verwenden, sie zu vermeiden."
Edwin C. Bearss, THE CAMPAIGN FOR VICKSBURG, Volume 2, 1986

Noch am selben Tag leitete Johnston die Evakuierung von Jackson ein, die in einem erbitterten Rückzugsgefecht mit den Unionstruppen unter Major General Sherman ein blutiges Ende nahm. Die kleine Südstaatenarmee wurde buchstäblich in alle vier Winde zerstreut.
Die voreilige Aufgabe Jacksons war strategisch gesehen ein kapitaler Fehler. Rund 6´000 Mann Verstärkungen hätte Johnston innerhalb von nur 12 Stunden heranführen können, womit er - in der Defensive ausharrend - eine gute Aussicht auf die Abwehr von etwa 20´000 Yankees gehabt hätte. Statt dessen konnte Sherman einen Großteil des Industrie- und Kommunikationszentrums in Schutt und Asche legen und durch die Zerstörung der Bahnlinien die „Festung" Vicksburg weiter von der Außenwelt isolieren.

„ In der Zwischenzeit drängte Johnston Pemberton, seine Truppen mit Johnstons 6´000 Überlebenden (eigentlich 11´000, Anm. d. Verf.) nördlich von Jackson zu vereinigen, wo sie, zusammen mit erwarteten Verstärkungen stark genug sein würden, Grant anzugreifen.
Dies würde Vicksburg ohne Schutz lassen, aber das kümmerte Johnston wenig. Seine Strategie war, eine überlegene Anzahl von Truppen gegen Grant zu konzentrieren und ihn zu schlagen. Danach konnten die Konföderierten Vicksburg neu besetzen, wann es ihnen paßte. Pemberton war anderer Meinung.

Er hatte Befehl (Eine Direktive von Präsident Davis. Anm. d. Verf.), Vicksburg zu halten, und er beabsichtigte dies zu tun, indem er die Stadt mit seiner Armee schützte. Bevor sich die beiden Südstaatengeneräle auf einen Plan einigen konnten, machten die Yankees die Angelegenheit überflüssig, indem sie Pembertons bewegliche Streitkräfte bei Champions Hill, auf halbem Weg zwischen Jackson und Vicksburg, am 16. Mai abschnitten."

James M. McPherson, BA TTLE CRYFOR FREEDOM, 1988
US-General Grant

US-General Grant, unaufhaltsam auf dem Vormarsch

Der Niederlage von Champions Hill folgte eine weitere tags darauf am Big Black River. Pembertons Armee zog sich in die Befestigungsanlagen von Vicksburg zurück, wo sie von den erfolgreichen Unionstruppen eingeschlossen wurde. Nach zwei abgeschlagenen Sturmangriffen, begann Grant mit einer systematischen Belagerung der Stadt.
Bald darauf begannen beide Seiten ihre Armeen zu verstärken. Mitte Juni 1863 musterte Grants Belagerungsarmee rund 70´000 Mann, Johnstons sogenannte Entsatzarmee rund 32´000 Mann. Der ewige Pessimist Johnston sah keine reelle Chance, den Ring der mächtigen Belagerer zu durchbrechen. „1 consider saving Vicksburg hopeless", informierte er das Kriegsministerium am 15. Juni 1863. Der entsetzte Kriegsminister, James A. Seddon, reagierte auf emphatische Weise: „Vicksburg darf nicht ohne einen verzweifelten Kampf verlorengehen. Die Interessen und die Ehre der Konföderation verbieten es . . . Sie müssen einen Angriff wagen ... Die Augen und die Hoffnungen der gesamten Konföderation ruhen auf Ihnen."
Johnston fiel unter den gegebenen Umständen nichts besseres ein, als Pemberton einen Ausfall oder die Flucht über den von US-Kanonenbooten bewachten Mississippi vorzuschlagen (!).

Am 1. Juli 1863 endlich begann Johnston mit schwachen Demonstrationen entlang des Big Black River. Doch da war bereits alles zu spät. Vicksburg kapitulierte drei Tage später. Die Präsenz von Johnstons Armee störte den siegreichen Grant. Es war Shermans Aufgabe, diese Bedrohung auszuschalten. Johnston wich am 5. Juli vor der Truppenmacht Shermans zurück und besetzte die alten Verteidigungsstellungen in Jackson. Doch anstatt die Gräben im Sturm zu nehmen, was Johnston insgeheim gehofft hatte, entschied sich Sherman für eine Belagerung, die vom 10. bis 16. Juli 1863 dauerte. Als Johnston gewahr wurde, daß ihm der Unionsgeneral den Rückzug abschneiden wollte, entwischte er der Todesfalle, in dem er den Pearl River überquerte.
Der demoralisierende Verlust von Vicksburg und Port Hudson (das am 7. Juli 1863 kapitulierte) war ein schwerer Schlag für den Süden. Die Union besaß nun wieder die Kontrolle über den „Vater der Ströme". Die Konföderation war praktisch in zwei Hälften gespalten.
Präsident Jefferson Davis stempelte Johnston unfairerweise zum verantwortlichen Sündenbock. Aber war es nicht Davis gewesen, der Pemberton angewiesen hatte, Vicksburg unter allen Umständen zu halten und der durch seine Handlungsweise Johnstons Autorität als kommandierender General unterminiert hatte.
Eines Tages meinte ein Angehöriger des Kriegsministeriums, Vicksburg habe aus Mangel an Vorräten die Fahne streichen müssen, worauf Davis verbittert entgegnete: „Ja, wegen des Bedarfs an Lebensmitteln in der Stadt und einem General außerhalb der Stadt, der nicht kämpfen wollte. "


Army of Tennessee

General Braxton Bragg wurde am 23., 24. und 25. November 1863 in den Schlachten von Chattanooga, Tennessee, von US-Major General Ulysses S. Grant entscheidend geschlagen.
Das strategisch bedeutsame Chattanooga, das Einfalltor zum konföderierten Hinterland, befand sich somit in den Händen der Union. Die hart geprüfte Army of Tennessee fiel nach Dalton in Nord-Georgia zurück und bezog dort eine Defensivposition. Der unpopuläre Bragg, ein persönlicher Freund und Günstling des konföderierten Präsidenten, zog seine Konsequenzen aus denn Debakel und reichte am 28. November 1863 seinen Rücktritt ein. Die temporäre Befehlsgewalt ging an den Senior-Korps-Kommandeur, Lieutenant General William J. Hardee, der das permanente Kommando am 30. November ablehnte.
Davis brauchte einen Nachfolger für Bragg. Der Präsident fragte General Robert E. Lee, ob er an der Position interessiert sei. Doch dieser wollte lieber in Virginia bleiben und überzeugte Davis von seiner Unabkömmlichkeit. Am Ende blieben nur zwei potentielle Kandidaten übrig: Johnston und Gustave T. Beauregard-des „Chief Executive" erbittertste Feinde innerhalb der konföderierten Generalität.

Konföderierte Schanzen bei Chattanooga

Konföderierte Schanzwerke bei Chattanooga

 

Davis stand unter beträchtlichem politischen und öffentlichen Druck. Man wollte eine Entscheidung. Daß sich Davis schließlich für Johnston entschied, lag wohl daran, daß er in dessen Ernennung das kleinere Übel sah. Außerdem war der Virginier der rangältere von beiden. Für Davis mag es dem demütigenden Gang Heinrichs IV. nach Canossa gleichgekommen sein, als er am 16. Dezember 1863 Johnston offiziell zum fünften Befehlshaber der Army of Tennessee bestimmte.
Unter dem allgemeinen Beifall der Öffentlichkeit und der politischen Opposition, die maßgeblich für seine Nominierung agitiert hatte, begab sich Johnston nach Dalton, wo er am 27. Dezember 1863 formal das Kommando übernahm. Mit Johnstons Kommandoübernahme erlosch das Department of the West.
Sofort konzentrierte er seine Energien darauf, die Armee effektiv zu reorganisieren und die arg gebeutelte Moral wieder aufzurichten. Hardee hatte in der Zwischenzeit gute Vorarbeit geleistet, dennoch blieb viel zu tun. Johnston packte es an.



„Der General begann sofort, durch ein rigoroses Ausbildungsprogramm die Armee zu einer effektiv kämpfenden Truppe zu formen. Er veröffentlichte Instruktionen für „Die Verwaltung der Truppen", die, wie er anordnete, jede Woche jeder Kompanie vorgelesen werden sollten. Er ermahnte die Offiziere, das „ständige Aufmerksamkeit" selbst für die geringste Aufgabe, eine „heilige Pflicht ist, die ihnen auferlegt ist" und daß der „Beweis für ihre Treue"die Disziplin und Leistungsfähigkeit ihrer Truppen sei. Ein Versagen würde sie in „Konflikt mit ihrem eigenen Gewissen" und mit dem ihrer Landsleute bringen, und das nicht nur während der Dauer des Krieges, sondern „bis zum Ende ihres Lebens". Bei dein Versuch, die Zahl der Männer ebenso zu erhöhen wie die Leistungsfähigkeit und Moral, erließ Johnston eine allgemeine Amnestie für alle Männer, die ohne Erlaubnis abwesend waren, wenn sie zu ihrem Dienst zurückkehrten.  Außerdem führte er ein Urlaubssvstem ein, das es jedem Mann in der Armee erlaubte, für einen Besuch nach Hause zu gehen.

Täglich beobachteten die Truppen Old Joe, wie er mit seinem Pferd durch das Lager galoppierte, anhielt und mit einzelnen Personen oder Gruppen sprach. „Er bewegte sich unter den gemeinen Soldaten und schüttelte die Hand von jedem, der ihm begegnete", schrieb Sann Watkins, selbst ein einfacher Soldat.
„ Er wurde geliebt, respektiert und bewundert, ja beinahe angebetet von seinen Truppen. Diese Zuneigung war gegenseitig. "

Johnston betonte nachdrücklich gegenüber dem Präsidenten, daß, was immer auch die Mängel in der Army of Tennessee, was Zahl, Ausrüstung und Material anging, sein mochten, er„keinen Zweifel am Geist der Soldaten " hegte und, volles Vertrauen in ihren Mut" habe.
G. E. Govan/J. W. Livingood, A DIFFERENT VALOR, 1956

Den Winter 1863/1864 brachte die konföderierte Führung damit zu, die Strategie für das kommende Frühjahr zu diskutieren. Die Regierung, allen voran Präsident Davis und General Braxton Bragg - letzterer wurde am 24. Februar 1864 zum militärischen Chefberater berufen -forderten von Johnston energische Offensivmaßnahmen zur Vertreibung der Nordstaatler aus Tennessee, um die territoriale Rückgewinnung verlorener Gebiete zu erreichen und durch den eventuellen Abzug von Unionstruppen Lees Front in Virginia zu entlasten. Johnston lehnte jedoch die verschiedenen Entwürfe Richmonds kategorisch ah, mit der Begründung, seine Armee sei zu schwach für einen Vormarsch. Er wollte lieber eine Schlacht in der taktischen Defensive ausfechten und im Falle eines Erfolges dem geschlagenen Feind nachsetzen. Das konföderierte Oberkommando gelangte in seinem Meinungsstreit zu keiner Einigung. Das notorisch schlechte Verhältnis zwischen Davis und Johnston erreichte einen neuen Tiefpunkt.
Als dann Anfang Mai 1864 Shermans „Marsch durch Georgia" Realität zu werden begann, besann sich Johnston, weitab von Richmond, auf eine konstante Defensivstrategie. Es war wohl von jeher seine Absicht gewesen, Sherman langsam ins Innere Georgias zu locken, die dadurch länger werdenden Nachschublinien der Unionsarmee zu exponieren und hinter starken Befestigungen zu kämpfen, gegen welche die Yankees anzurennen hätten, um dann im richtigen Moment - sollte Sherman einen Fehler begehen - den entscheidenden Schlag zu führen. Doch dieser Moment sollte für Joe Johnston nie kommen.


Der Rückzug

Major General W. T. Sherman


„Kein Offizier oder Soldat, der jemals unter mir gedient hat, wird die Feldherrnfähigkeit von Joseph E. Johnston in Frage stellen.
Seine Rückzüge erfolgten zeitgerecht, geordnet, und er ließ nichts zurück. "
Major General W. T. Sherman

Zum Auftakt des Atlanta-Feldzuges setzte sich die Army of Tennessee aus 2, ab dem 14. Mai 1864 aus 3 Infanterie-Korps zusammen, befehligt von den Lieutenant Generals William J. Hardee, John B. Hood und Leonidas Polk. Die 3 Korps wiederum zerfielen in 10 Divisionen, 36 Brigaden und 215 Regimenter. Die Kavallerie unter Major General Joseph Wheeler umfaßte 4 Divisionen, unterteilt in 11 Brigaden und 49 Regimenter. Die Artillerie bestand aus 47 Batterien mit 188 Geschützen. Alles in allem ca. 62´000 Effektive.
Major General William T. Shermans in und um Chattanooga konzentrierte „Armeegruppe", rund 100´000 Mann stark, bestand aus drei Hauptkomponenten; der Army of the Cumberland (Major General G. H. Thomas), Army of the Tennessee (Major General J. B. McPherson) und Army of the Ohio (Major General J. M. Schofield).
Shermans Hauptziel war die Einnahme von Atlanta, der wohl bedeutendsten südlichen Metropole, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen und sozialen Strukturierung auch gleichzeitig einen hohen militärischen und psychologischen Stellenwert einnahm.

Die Sherman-Johnston-Konfrontation sah den Unionsgeneral permanent in der Offensive, d. h. er agierte, während sich Johnston defensiv verhielt, folglich nur reagierte.
Die topographische Beschaffenheit des Gebiets zwischen Chattanooga und Atlanta, unwegsames, gebirgiges Gelände, durchzogen von unzähligen Flüssen, begünstigte Johnstons Defensivstrategie.
Johnstons Armee hielt eine stark befestigte Verteidigungsstellung entlang der Rocky Face Ridge unweit von Dalton, als Shermans Vormarsch am 7. Mai 1864 begann. (Zur gleichen Zeit eröffnete Grant seine Offensive gegen Lee in Virginia.) Am 9. Mai hatte Sherman ersten heftigen Feindkontakt. Er beschloß, den linken Flügel des Virginiers zu flankieren. Während Thomas und Schofield die Konföderierten entlang der Buzzard Roost-Rocky Face Gap-Linie beschäftigten, entsandte er McPhersons mobile Streitmacht in einem Blitzvorstoß durch die unbesetzten Gebirgspässe nach Resaca, um die dortige Bahnlinie zu zerstören und den Südstaatlern den Rückzug abzuschneiden. Als sich McPherson am 12. Mai dem schwach besetzten Snake Creek Gap näherte, traf er auf größeren Widerstand als erwartet und blies nach einigen Scharmützeln zum Rückzug, ohne die Eisenbahn erreicht zu haben. Johnston, der schließlich die Gefahr in seinem Rücken bemerkte, schickte starke Truppenkontingente nach Resaca und zog sich in der Nacht vom 12./13. Mai mit seiner gesamten Armee dorthin zurück.

Ein enttäuschter Sherman nahm eine schnelle Verfolgung auf, die am 14./15. Mai 1864 in der Schlacht von Resaca kulminierte. Am 14. Mai parierte Johnston eine Attacke gegen sein Zentrum. Hood, der den rechten Flügel bildete, griff im Gegenzug Shermans Linke an, wurde jedoch abgewehrt. Sherman brach am 15. Mai die nutzlosen Kampfhandlungen ab und versuchte abermals, Johnstons Kommunikationslinien zu bedrohen, indem er die linke Flanke der Konföderierten unterhalb des Oostenaula River umging. Hier ließ sich Johnston am 16. Mai eine günstige Gelegenheit entgehen, die auseinandergezogene Unionsarmee empfindlich zu treffen. Stattdessen wich er am folgenden Tag in den Raum von Calhoun und Adairsville zurück. Sherman folgte ihm auf dem Fuß. Rekonzentriert übte Thomas' Cumberland-Armee vehementen Druck auf Johnstons Zentrum aus; McPherson und Schofield versuchten die Südstaatler zu umklammern.
Abermals sah sich Johnston zum Rückzug genötigt; diesmal in das Cassville-Kingston-Areal.
Unter der Ankündigung, „Soldaten, ich führe euch in die Schlacht", mißlang Johnston am 19. Mai 1864 der Versuch, einen Teil von Shermans Armee aufzureiben. Der Plan war an sich vielversprechend gewesen, doch taktische Fehler und die uncharakteristische Zurückhaltung General Hoods retteten die Nordstaatler vor schweren Verlusten. Wieder war eine Chance vertan. Johnston ordnete auf Anraten seiner Generäle einen Rückzug über den Etowah River an, da die Position hei Cassville ziemlich verwundbar für feindliches Artilleriefeuer war. Die Konföderierten bezogen eine solide Stellung längs des Allatoona-Passes.
Dieser unerwartete, letzte Rückzug erschütterte die ohnedies bereits angeschlagene Moral innerhalb wie außerhalb der Armee. Die Unzufriedenheit wuchs.

„Gegenseitige Beschuldigungen zwischen Johnston und seinen Korps-Kommandanten begannen die Armee zu quälen und führten zu derselben Fraktionsbildung, die sie unter Bragg nahezu vernichtet hatte. Die Meinungen in Regierung und Presse waren ebenfalls geteilt: Die Anhänger von Davis kritisierten Johnston, während die Anti-Davis-Fraktion die Regierung tadelte, sie begünstige ein Ränkespiel gegen den General. "
James M. McPherson, BATTLE CRY OF FREEDOM, 1988

Südstaatensoldaten der 5th. Georgia-Infanterie

Südstaatensoldaten der 5th. Georgia-Infanterie. Sie kämpften unter Johnston in der Atlanta-Kampagne.

Während die öffentliche Diskussion hohe Wellen schlug, manövrierte Sherman die Konföderierten aus ihren Stellungen. Er überquerte am 23. Mai 1864 den Etowah River westlich von Allatoona und steuerte als nächstes Etappenziel den Ort Dallas an. Als er dort eintraf, hatte sich Johnston ihm bereits vorgelegt.
Vom 25. bis 27. Mai kam es zur Schlacht von New Hope Church. Sherman, der die feindliche Linie für relativ schwach hielt, holte sich am 25. Mai eine blutige Abfuhr. Zwei Tage später wurde ein Angriff auf Johnstons rechten Flügel ebenfalls mit Leichtigkeit abgeschlagen.

Anfang Juni 1864 wandte sich Sherman nach Nordosten, um die Eisenbahnlinie bei Acworth zu erreichen. Johnston versuchte zwar, ihn festzunageln, wurde allerdings wieder einmal flankiert und mußte am 4. Juni auf Marietta zurückgehen, wo er entlang der Lost, Pine und Brush Mountains neue Befestigungen aufwerfen ließ. In den anhaltenden Infanterie- und Artillerieduellen wurde hier am 14. Juni 1864 Lieutenant General Leonidas Polk durch eine Granate getötet.
Auf seiner Rechten umgangen, sah sich Johnston erneut gezwungen, zurückzuweichen. Er wählte als neue und bislang beste Defensivposition die felsigen Höhen des Kennesaw Mountain. Dort lieferte Sherman am 27. Juni 1864, der ewigen Umgehungsmanöver überdrüssig, eine äußerst verlustreiche Frontalattacke, die mühelos abgewehrt werden konnte. In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 1864 bezog Johnston 4 Meilen südlich bei Smyrna Stellung. Eine Bedrohung seiner linken Flanke durch McPherson veranlaßte ihn am 4. Juli, weitere 6 Meilen Boden preiszugeben. Seine Armee hielt jetzt eine starke Position auf dem Nordufer des Chattahoochee River, der letzten natürlichen Barriere kurz vor Atlanta.
Sherman, der sich nicht auf einen Frontalangriff einlassen wollte, umging am 8. und 9. Juli 1864 Johnstons rechte Flanke, indem er den Fluß nördlich davon überquerte und auf dem Südufer einen Brückenkopf errichtete. Johnston evakuierte die Chattahoochee-River-Linie in der Nacht zurn 9. Juli und formierte seine 3 Korps südlich vom Peachtree Creek. Atlantas Außenbezirke waren nur noch 4 Meilen entfernt.

„Johnston, dessen Stellung durch seine eigenen Korps-Kommandanten und durch seine übliche Heimlichtuerei, seine Pläne betreffend, geschwächt war, gelang es nicht, die grundlegende Furcht in Richmond zu beseitigen, daß er sich weiterhin unbeschränkt zurückziehen würde. Wie Grant, der siegen mußte, weil die Öffentlichkeit Siege erwartete und brauchte, benötigte auch Johnston Siege. Die Regierung in Richmond war überzeugt, daß erfolgreiche Schlachten es den eigenen Truppen erlaubten, vorzurücken und feindliche Truppen zum Rückzug zu zwingen. Die konföderierten Armeen hatten noch immer viel Kraft, und trotz allem wurde Johnston als einer der besten Generäle der Konföderation angesehen, gleich hinter Lee ...
Weil Johnston sich immer zurückzuziehen schien, was keine gute Voraussetzung für einen Sieg ist, drängten viele einflußreiche Südstaatler auf seine Ablösung. Als Johnston sich weigerte, Davis vollständig über seine Pläne zu unterrichten, nicht einmal andeutete, wann und wo erSherman vielleicht angreifen würde, hatte Davis dasGefühl, der Schritt sei nötig. "

R. E. Beringer/H. Hattawav/A. Jones/W. N. Still, jr., WHY THE SOUTH LOST THE C1 VIL WAR, 1986

Am Abend des 17. Juli 1864 erhielt General Joseph E. Johnston folgendes Telegramm:
„ Da es Ihnen nicht gelungen ist, den Vormarsch des Feindes in die Nähe von Atlanta, tief ins Innere von Georgia, aufzuhalten und Ihnen nicht zugetraut wird, ihn schlagen oder zurückwerfen zu können, sind Sie hiermit von Ihrem Kommando der Armee und des Department von Tennessee abgelöst, das Sie sofort an General Hood zu übergeben haben."
Das Kabinett und die Pro-Davis-Elemente im Kongreß sanktionierten die Entscheidung des Präsidenten. Im Lager der Opposition reagierte man auf die Hiobsbotschaft mit Konsternierung. So auch die Army of Tennessee, wobei hauptsächlich die Mannschaften die Köpfe hängen ließen, denn Johnston war nach wie vor höchst populär. Desertionen waren an der Tagesordnung. Andere wiederum, wie ein Lieutenant der Artillerie, beurteilten die Sachlage realistischer:
„Niemand hätte sich jemals träumen lassen, daß Johnston so weit zurückfallen würde ... Ich glaube nicht, daß Johnston jemals gekämpft hat oder kämpfen wird."
„ Die meisten Historiker haben Davis kritisiert, aber ihre Kritikgründet sich mehr auf ihr Wissen über das, was passierte, nachdem Johnston entfernt worden war (Hoods erfolglose Offensivanstrengungen und der Verlust Atlantas. Anrn. d. Verf.) als aus der Einschätzung der Entscheidung selbst.
... Alle Zeugnisse, die dem Präsidenten zur Verfügung standen, wiesen darauf hin, daß Johnston den Feldzug schlecht geführt hatte und er keine echte Anstrengung unternehmen würde, um Atlanta zu halten. Johnston schien kein Verständnis für die logistische, wirtschaftliche, politische oder psychologische Bedeutung der Stadt zu haben. Sollte die Konföderation überleben, mußte Atlanta gehalten und Sherman aus dem südlichen Kornland vertrieben werden. Nichts deutete darauf hin, daß Johnston den Willen, die Fähigkeit oder auch nur die Absicht hatte, das zu versuchen. "

Richard M. McMurry, „The Atlanta Campaign", aus W. C. Davis (ed.) THE IMAGE OF WAR, 1861 - 1865, Volume 5, 1983

US-Soldaten haben eine konföderierte Stellung vor Atlanta eingenommmen

 

US-Soldaten haben eine konföderierte Stellung vor Atlanta eingenommmen.

Johnstons Rückzug nach Atlanta ist als taktisch brillant bezeichnet worden. Zugegeben, er hatte nur ein Drittel der Verluste seines Kontrahenten und hielt seine Armee in gutem Zustand. Er mußte auch keine entscheidenden taktischen Niederlagen hinnehmen; aber er verzeichnete auch keine spektakulären Erfolge, die in der Öffentlichkeit propagandistisch hätten ausgenutzt werden können.
Im Nachhinein schien General John Bell Hoods tragisches Scheitern in einer bedingungslosen Offensive, Johnstons Defensivstrategie weitgehend zu rechtfertigen und setzte seine Kritiker (allen voran Jefferson Davis) zwangsläufig ins Unrecht. Davon hat Johnstons Reputation zusätzlich profitiert.

Ein abschließender Aspekt zum Atlanta-Rückzug war die Unfähigkeit der südlichen Führung, die über weite Strecken leicht verwundbaren Nachschublinien Shermans zu unterbrechen. Pläne in dieser Richtung existierten, jedoch scheiterte ihre Realisierung an dem eklatanten Fehl-, bzw. Nichteinsatz der Kavallerieverbände und der mangelhaften Kooperation zwischen den verantwortlichen Militärs (darunter auch Johnston) und der Regierung. Hinzu kam, daß Sherman es verstand, einen Teil dieser Kavallerie, insbesondere die Reiter des gefürchteten Nathan Bedford Forrest, durch eine strategische Offensive in Mississippi von seinen Verbindungslinien fernzuhalten.


Kapitulation

General Robert E. Lee wurde am 6. Februar 1865 zum Oberbefehlshaber sämtlicher konföderierten Streitkräfte ernannt. Da war der Krieg bereits so gut wie verloren.
Kongreß und Senat hatten einen Monat zuvor dem Präsidenten eine Resolution vorgelegt, in der die Wiedereinsetzung Joe Johnstons in ein aktives Feldkommando -
d. h. die Army of Tennessee - gefordert wurde. Davis ignorierte die Resolution, der sich eine weitere Petition anschloß. Der Gedanke, Johnston zu reaktivieren,
war ihm einfach zuwider.
Wie nach der Katastrophe von Chattanooga, stürmten die Opposition und Johnston-Anhänger von allen Seiten auf Davis ein und übten Druck aus. Selbst Lee, der ein Meister darin war, zu ahnen, was der Präsident wollte und was nicht, hegte persönliches Interesse an der Ernennung seines alten Freundes.
„ General J. E. Johnston ist der einzige mir bekannte Offizier, der das Vertrauen der Armee und des Volkes hat, und sollte ich über ihn zu entscheiden haben, würde ich ihm ein Kommando geben. Es ist notwendig, all unsere Kräfte einzusetzen", telegraphierte er an Kriegsminister John C. Breckinridge.
Davis lenkte zähneknirschend ein: „ ... in der Hoffnung, daß General Johnstons soldatische Qualitäten, wenn er unter General Lees Befehl eingesetzt wird, für sein Land dienstbar gemacht werden können und daß in seiner neuen Stellung solche Defekte, wie ich sie bei ihm festgestellt habe, als er als unabhängiger Befehlshaber diente, durch die Kontrolle des Oberbefehlshabers nicht mehr auftreten."

Am 23. Februar 1865 erhielt Johnston die entsprechenden Befehle, die ihm den Oberbefehl über die konföderierten Truppen in North Carolina übertrugen, zum Zweck, alle verfügbaren Streitkräfte zu konzentrieren und Shermans Armee zurückzutreiben.
Sherman, ein ausgesprochener Exponent der „totalen Kriegsführung", hatte im Frühjahr 1864 an seinen Freund und Vorgesetzten, Lieutenant General Grant, folgende Zeile gerichtet: „Wir können die Gefühle des Volkes im Süden nicht ändern, (aber) wir können den Krieg so furchtbar machen, daß der Süden die Nutzlosigkeit begreift, wie tapfer, kühn und hingebungsvoll sie ihrem Land auch dienen."
In Georgia ist er dann dementsprechend vorgegangen. Auch in den beiden Carolina-Staaten machte er den Krieg zur Hölle. Alle wichtigen Städte Georgias und South Carolinas, Savannah, Charleston und Columbia fielen bis Ende Februar 1865 in die Hände der Unionstruppen und wurden zum Teil das Opfer der Flammen.
Derweil Shermans Armee, die in zwei Kolonnen marschierte, wie eine unaufhaltsame, alles verschlingende Feuerwalze nach North Carolina vorstieß, sammelte Johnston seine Truppen.

„Beauregard hatte in Charlotte die Überreste von Hoods Armee und die Garnison von Augusta versammelt. General Hardee mit acht- oder zehntausend Mann war der Unionsarmee nach Nord-Carolina vorausgeeilt, um sich mit jenem zu vereinigen. General Hoke ... und General Bragg mit dem Rest der Nord-Carolina-Truppen erstrebten denselben Zweck ... Allein in offenem Felde konnte selbst ein Johnston mit allen Truppen vereinigt der Unionsarmee nicht mehr standhalten. Sherman kam mit siebzigtausend Mann heran, Schofield rückte von der Küste mit dreißigtausend herauf - Johnston konnte ihnen kaum fünfundzwanzigtausend Mann entgegenstellen, die Bruchstücke einer Armee, deren militärische Organisation gelockert, deren Mut bereits im Schwinden war."
E. R. Schmidt, DER AMERIKANISCHE BÜRGERKRIEG, Band 2, 1869

Konföderierte Befestigung bei New Hope Church

Konföderierte Befestigung bei New Hope Church.

Shermans nächstes Operationsziel war die Einnahme von Goldsboro. Hier wollte er sich mit der Armee unter Major General John M. Schofield vereinigen. Johnston, der diesen Schachzug voraussah, blieb konsequenterweise nichts anderes übrig, als eine Verschmelzung der beiden Unionsarmeen zu verhindern, soweit es in seinen Kräften stand.
Er entsandte General Hardee nach Averesborough, um dem Vordringen von Shermans rechtem Flügel Major-General Henry W. Slocums Army of Georgia - Einheit zu gebieten. Am 16. März 1865 kam es zu einem lebhaften Treffen, das damit endete, daß sich Hardee zur Umgruppierung nach Smithfield zurückziehen mußte, während Slocum nach Osten in Richtung Bentonville abschwenkte.
Johnston zog nun alle verfügbaren Truppen zusammen (ca. 21´000 Mann), vom festen Entschluß beseelt, der Army of Georgia - solange sie vom linken Flügel (Major General O. O. Howards Army of the Tennessee) getrennt war-, ein zweites Mal die Stirn zu bieten.
Das Ergebnis war die Schlacht von Bentonville vom 19. bis 21. März 1865, eine der besten taktischen Operationen, die der Virginier in seiner Karriere ausführte.


Am Morgen des 19. März kam es zu ersten Gefechten zwischen Lieutenant General Wade Hamptons Kavallerie und der Vorhut von Slocums Armee. Ein halbherziger Angriff auf Johnstons Linke, wo General Bragg das Kommando führte, wurde zurückgewiesen. Kurioserweise verlangte Bragg vom Armeehauptquartier Verstärkungen, die er dann auch erhielt, was allerdings Johnstons Aussichten auf eine erfolgreiche Flankierung von Slocums Linker schmälerte. Nach beträchtlichen Verzögerungen, die durch taktische Fehler verursacht worden waren, kam die geplante Flankenbewegung erst gegen 15.00 Uhr ins Rollen.
Der Feind hatte die Zeit genutzt und zwei seiner Divisionen in Schlachtordnung gebracht. Zwar gelang es den Konföderierten unter Hardee, eine der Divisionen regelrecht in die Flucht zu schlagen, jedoch besaß man nicht die erforderlichen Kräfte, um den erzielten Vorteil effektiv verwerten zu können. Außerdem trafen auf seiten der Nordstaatler Verstärkungen ein, welche einen Zusammenbruch des linken Flügels verhinderten. Es waren Vorausabteilungen von Schofields Armee, die sich bereits mit Shermans linkem Flügel, Howards Tennessee-Armee, vereinigt hatten.

Am 20. März fanden so gut wie keine Kämpfe statt. Sherman führte weitere Truppen heran. Am folgenden Tag versuchte der Unionsgeneral durch Umgehung von Johnstons linker Flanke, den Südstaatlern den Rückzug abzuschneiden. Johnston konnte Shermans Umgehungsmanöver abblocken und seine Position stabilisieren.
Noch am selben Abend gab er seine Stellungen auf und zog sich nach Smithfield zurück. Die Verluste der Konföderierten beliefen sich auf 2606, die der Union auf 1645 Mann.
Noch am 2. April 1865 mußte General Lee nach einer fast einjährigen Belagerung die Petersburg-Richmond-Linie aufgeben. Von Grants übermächtiger Armee verfolgt, war eine Vereinigung mit Johnstons Truppen in North Carolina seine einzige Hoffnung. In Flanke und Rükken bedroht, sah Lee schließlich keine Chance mehr, zu Johnston durchzukommen, nachdem ihm Grant den Weg versperrt hatte. Am Palmsonntag, dem 9. April, kapitulierte er in Appomattox Courthouse.
Auch Johnston hatte sich an den Strohhalm einer eventuellen Vereinigung seiner Armee mit der von Lee geklammert. Pflichtgetreu folgte er nach der Schlacht von Bentonville Shermans Armee in einem sicheren Abstand in nördlicher Richtung. Unterwegs erhielt er dann die Nachricht von Lees Übergabe. Auch Johnston war jetzt klar, daß er seinerseits Übergabeverhandlungen mit dem Feind aufzunehmen hatte.
Am 12. und 13. April 1865 konferierte Johnston in Raleigh mit Präsident Jefferson Davis, der sich auf der Flucht befand. Davis wollte zunächst nichts von Kapitulation wissen, denn er war der illusorischen Meinung, „unsere letzten Niederlagen sind furchtbar, aber ich denke nicht, daß wir sie als fatal ansehen sollten. Ich denke, wir können den Feind noch besiegen, wenn unsere Leute ausrücken." Trotz aller Skepsis hatte er ein Einsehen und autorisierte Johnston, mit dem nördlichen Militär in Kontakt zu treten. Sherman war für Übergabeverhandlungen sehr empfänglich, so daß bereits am 17. April 1865 in Durham Station ein erstes Treffen zwischen den beiden Generälen stattfand, die einander respektierten.
Unterstände der konföderierten Casement-Batterie, südlich von Atlanta

Unterstände der konföderierten Casement-Batterie, südlich von Atlanta

Das Aushandeln der Übergabebedingungen zog sich über mehrere Tage hin, da die Behörden in Washington den von Sherman eingeräumten Konzessionen nicht zustimmten. Der General hatte Punkte angeschnitten (z. B. die Anerkennung der augenblicklich amtierenden Regierungen der Einzelstaaten), die laut Washington nicht in der Kompetenz des Militärs lagen. Am 26. April 1865 schlußendlich konnte man sich auf strikt militärische Bedingungen einigen, die dann von beiden Regierungen anerkannt wurden. Am 3. Mai 1865 legte Johnstons einst so stolze Armee ihre Waffen nieder.
„Unsere Arbeit ist getan, und bewaffnete Feinde fordern uns nicht länger heraus", begann Johnstons Abschiedsadresse und schloß mit der väterlichen Mahnung:  „Euer General entbietet euch ein Lebewohl mit dem festen Glauben, daß ihr, so wie ihr im Krieg gute Soldaten wart, im Frieden gute Bürger sein werdet."
Am 4. Mai 1865 kapitulierte Lieutenant General Richard Taylor für Alabama und Mississippi und am 26. Mai General E. Kirby Smith für die Truppen im Trans-Mississippi-Gebiet. Am 27. Juni 1865 erklärte Präsident Andrew Johnson (Lincoln war einem Attentat zum Opfer gefallen) die Feindseligkeiten offiziell für beendet.

 

Die Jahre nach dem Krieg

Wie für viele ehemalige konföderierte Generäle, stellte sich auch für Johnston - der sein ganzes Leben lang Soldat gewesen war -
die entscheidende Frage nach dem „Was nun?".
Zunächst trug er sich mit dem Gedanken, nach Kanada zu gehen. Die Bundesregierung erteilte ihre Zustimmung, doch gab Johnston sein Vorhaben bald auf,
da seine Frau krank war und er befürchtete, nach Verlassen des Landes sobald keine Einreiseerlaubnis mehr zu erhalten.
Zusammen mit anderen Ex-Offizieren der Südstaatenarmee gründete Johnston Ende 1865 die „National Express & Tansportation Company",
die ihren Geschäftssitz in Richmond hatte und deren Präsidentschaft er übernahm.
Seine Bemühungen um Pardon durch Präsident Andrew Johnson waren erfolglos geblieben.
„ Ich bedauere, nicht imstande zu sein, irgendwelche Ansprüche vorbringen zu können", schrieb er in seiner Petition. „Vielleicht mag Eure Exzellenz es aber für wert halten,
zu bedenken, daß ich, während ich Offizier der Armee der Vereinigten Staaten war, für viele Jahre treu gedient, mein Blut gegeben und mein Leben viele Male in diesem Dienst eingesetzt habe."

Nachdem das Geschäft nicht so recht florieren wollte, kündigte Johnston im Sommer 1866 seine Stellung und wurde Präsident der „Alabama & Tennessee River Railroad Company" in Selma, Alabama. Dieser Tätigkeit, die er im folgenden Jahr wieder aufgab, schloß sich eine Reise durch Europa an. Zurückgekehrt,
organisierte er die Firma „Joseph E. Johnston & Company", als Generalvertreter der „Liverpool & London & Globe lnsurance Co.", sowie der „New York Life Insurance Co.". Neuer Wohnsitz der Johnstons war jetzt Savannah in Georgia.
Hier begrüßte er im Frühjahr 1870 Robert Edward Lee auf seiner letzten Reise durch den Süden. Am 12. Oktober 1870 starb der vom Krieg gezeichnete Lee im Alter von nur 63 Jahren. Johnston war über den Tod seines alten Freundes und Waffengefährten bestürzt. Dringende Geschäfte hinderten ihn daran, an der Trauerfeier teilzunehmen, jedoch richtete er ein Kondolenzschreiben an Mrs. Lee, in dem er seinen Schmerz über den großen Verlust zum Ausdruck brachte. Er erwog sogar die Einrichtung eines Fonds für die hinterbliebene Witwe; indes blieb das ritterliche Unterfangen bereits im Planungsstadium stecken.

Joseph E. Johnston und Robert E. Lee
Als alte Männer, Jahre nach dem Krieg, trafen sich die Freunde wieder: Joseph E. Johnston und Robert E. Lee.

1874 erschienen Johnstons Memoiren, NARRATIVE OF MILITARY OPERATIONS DIRECTED DURING THE LATE WAR BETWEEN THE STATES. Johnston hielt diesen Band für notwendig, da er der Ansicht war, daß die von ihm geführten militärischen Operationen bislang falsch interpretiert worden waren. Der Historiker Douglas S. Freeman bezeichnete Johnstons Buch als „zurückhaltend und enttäuschend". Tatsächlich war das Buch das maßgeblich zur Entstehung des Johnston-Mythos beitrug - in einem auffallend defensiven Geist geschrieben und suggerierte dem Leser das Bild vom großen, aber unverstandenen General, dessen Rat zum Nachteil seines Vaterlandes von Jefferson Davis & Co. ignoriert worden war.

Im Jahre 1877 zog es Joe und Mary Johnston wieder ins „Old Dominion" nach Richmond. Dort drängten ihn alte Freunde, eine Kandidatur für den Kongress zu übernehmen. Johnston, der nie besonderes Interesse für die Politik gezeigt hatte, verhielt sich zunächst abwartend. Am 23. Februar 1877 verfügte der Kongreß die Aufhebung von Johnstons politischer Ächtung als ehemaliger Generaloffizier der Konföderierten Armee. Der designierte Präsident Rutherford B. Hayes hätte Johnston gerne in seinem Kabinett gesehen, mutmaßlich als Kriegsminister; Männer wie General Sherman rieten von einer Berufung ab, nicht aus persönlichen Gründen, sondern aus Rücksicht auf die Veteranen der Unionsarmee und die breite Öffentlichkeit, die eine derartige Ernennung mit einiger Sicherheit verärgert hätte.
Am 4. März 1879 schließlich zog Johnston in den 46. US-Kongreß ein.
„Als Mitglied des Parlaments diente Johnston im Ausschuß für militärische Angelegenheiten und im Ausschuß für die Eindeichung und Verbesserung des Mississippi River, Stellungen, für die er dank seiner Erfahrungen besonders geeignet war. Er wurde zum Leiter des Smithsonian Instituts ernannt und Inspektor der Militärakademie von West Point. In der Wahrnehmung seiner Ausschuß-Pflichten war er gewissenhaft, aber seine begrenzten Fähigkeiten als Redner waren der Grund, daß er nur wenig Anteil an Debatten nahm. Seine hauptsächlichen Interessen schienen lokale virginische Angelegenheiten zu betreffen oder die Verwaltung und Leistungsfähigkeit der Armee. " G. E. Govan/J. W. Livingood, A DIFFERENT VALOR, 1956
                                                                                                                                   

Johnston schied zum Ablauf seiner Amtsperiode im Jahre 1881 aus dem Kongreß aus. 1885 ernannte ihn der demokratische Präsident S. Grover Cleveland zum Kommissar für das amerikanische Eisenbahnwesen. Zwei Jahre darauf, am 22. Februar 1887, erlitt der alternde General einen schweren Schock, von dem er sich nie mehr erholte:
Seine Frau starb im gemeinsamen Heim in Washington, D. C., eines plötzlichen Todes. Johnstons eigenes Ende kam ebenso unerwartet und ist eine Geschichte für sich:
Am 14. Februar 1891 starb General William Tecumseh Sherman in New York City. Sherman und Johnston hatten nach Ende des Bürgerkrieges Freundschaft geschlossen.
Die Familie des Verstorbenen vergaß dies nicht und lud den nunmehr 84jährigen als Ehrengast zur bevorstehenden Beisetzung ein.
Es war ein kalter und regnerischer Wintertag, und Johnston stand barhäuptig in der Reihe prominenter Trauergäste.
Ein Zuschauer, der um Johnstons Gesundheit besorgt war, wandte sich an ihn und sagte:
„ Bitte setzen Sie ihren Hut auf, General, sonst werden Sie möglicherweise noch krank."
Ohne Zögern antwortete der Angesprochene:
„Wenn ich an seiner Stelle (Shermans) wäre und er hier an meiner, würde er seinen Hut nicht aufsetzen."
Durch eine schwere Erkältung geschwächt, die sein Herz angriff, verließ Johnston New York und ging nach Washington zurück, wo er an einem Sonntag,
dem 21. März 1891, an den Folgen einer einsetzenden Lungenentzündung verstarb. In aller Stille, und nur im engsten Familienkreis,
wurde er in Baltimore, Maryland, auf dem Greenmount Cemetery neben seiner Frau bestattet. Dort ruht er noch heute.

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