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Unterstützung
Copyright © 1988 by VERLAG FÜR AMERIKANISTIK D. KUEGLER, 25931 Wyk
auf Foehr
Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
NORD & SÜD, Dietmar Kuegler, General Robert E. Lee - Militärische
Biographie
-
Veröffentlichungen:
United
States Army Center of Military History
sowie zeitgenössische
Dienstvorschriften der United
States Army
General
Robert E. Lee
Militärische Biographie

Seite 2
Robert
E. Lee berufen zum „General der Südstaaten”
„Herr Präsident!
Meine Herren Abgeordneten!
Zutiefst beeindruckt von dieser feierlichen Versammlung, auf die
ich, wie ich sagen muß, nicht vorbereitet war, akzeptiere ich die
Stellung, in die Sie mich durch Ihre Liebenswürdigkeit berufen
haben.
Ich hätte es vorgezogen, daß Ihre Wahl auf einen
fähigeren Mann gefallen wäre.
Im Vertrauen auf den allmächtigen
Gott, ein reines Gewissen und die Unterstützung meiner Mitbürger
werde ich mich dem Dienst des Staates meiner Geburt widmen, für
den allein ich jemals wieder mein Schwert ziehen will."
ROBERT E. LEE vor dem Konvent von Virginia am 23. April 1861
Lees erste Maßnahmen als Generalmajor der Virginia-Miliz betrafen
die Sicherung der Staatsgrenzen, wobei er die eigene Plantage, Arlington
Heights, die der Hauptstadt Washington gegenüber lag, zeitweise
zum Heerlager machte und von 5´000 Virginia-Soldaten besetzen ließ.
Seine Hauptaufgabe aber bestand darin, die Truppen, die tagtäglich
aus dem tiefen Süden in Richmond eintrafen, zu organisieren, auszubilden
und auszurüsten, was angesichts der allgemeinen Materialknappheit
eine unglaubliche Leistung darstellte. Am 3. Mai 1861 standen bereits
48´000 Mann unter Waffen. Das Quartermaster- und Verwaltungsdepartment
des Staates wurde zu einer effektiven Behörde geformt.
Am 6. Mai 1861 wurde Virginia Mitglied der Konföderierten Staaten.
Seine Truppen wurden damit Teil der vereinigten Südstaatenarmee
und dem Kriegsministerium der Konföderation unterstellt. Die Konföderierte
Regierung, die bis dahin in Montgomery, Alabama, amtiert hatte, verlegte
ihren Sitz nach Richmond, wo Präsident Jefferson Davis am 29.
Mai eintraf. Schon am 14. Mai war Lee zum Brigadegeneral der Konföderierten
Armee ernannt worden. Am 14. Juni folgte die Beförderung in den
vollen Generalsrang.
Er wurde an die Grenze im Westen und Norden Virginias geschickt, wo
inzwischen Unionstruppen einmarschiert waren und sich verschanzt hatten.

US-General Reynolds
Am
10. August erreichte Lee den Cheat Mountain, auf dem 10-12´000
US-Soldaten unter General Reynolds standen. Lees Plan, die Befestigungen
des Feindes
zu umzingeln und auszuheben, später als mustergültig
und überzeugend
beurteilt, scheiterte an seinen unerfahrenen, zum Teil aus militärischen
Laien bestehenden untergebenen Milizoffizieren, die seine Befehle
nicht weitergaben.
In
den bunt zusammengewürfelten Milizen
kannten und vertrauten die Soldaten vorwiegend den von ihnen selbst
gewählten Offizieren
aus ihren Heimatbezirken und waren nicht bereit, den Kommandeuren
der Brigaden, Divisionen und Korps, die sie meist gar nicht kannten,
ohne
weiteres zu folgen. Größere Kampagnen, Truppenbewegungen,
Pläne mußten diskutiert, die Kompetenz der militärischen
Führung mußte erst glaubhaft gemacht werden.
Im
September sorgte Lee für entscheidende Verbesserungen der
Befestigungen an der Westgrenze Virginias, wo sich 20´000
Konföderierte mit US-Truppen
unter General Rosecrans praktisch Auge in Auge gegenüberlagen.
Kurz vor einem Angriff, zogen die Nordstaatler sich überraschend über
Nacht zurück. Dafür griff die Unionsarmee vom Cheat Mountain
am 3. Oktober an und wurde zurückgeschlagen.
Bei Beginn des Winters erhielt Robert E. Lee das Kommando über
den Küstenschutz von South Carolina und Georgia. Er sorgte für
einen Ausbau der Verteidigungsanlagen an der Atlantikküste.
Im Februar 1862 schlugen mehrere Kongreßabgeordnete Lees Ernennung
zum Kriegsminister vor. Der Antrag fand keine Mehrheit, obwohl Lee
in der Praxis längst ministerielle Aufgaben übernommen
und ein enormes administratives und organisatorisches Talent entfaltet
hatte. Er hinterließ die Truppen seines Kommandobereichs in
hervorragendem Zustand, als er im März als Berater des Präsidenten
nach Richmond zurückkehrte. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich
der Staat Virginia und die Hauptstadt unter wachsendem Druck. Der
Krieg hatte
sich wie ein Flächenbrand ausgeweitet. Nach der Übernahme
von Fort Sumter durch Südstaatentruppen und der für den
Süden
siegreichen Schlacht am Bull Run am 21. Juli 1861, hatte sich im
Süden
die leichtsinnige Zuversicht verbreitet, den Norden in Schach halten,
ja ihn militärisch in die Knie zwingen zu können. Inzwischen
aber waren die Nordstaaten mit all ihrer industriellen Macht zur
Gegenoffensive angetreten. Der Oberkommandierende, George Brinton
McClellan, hatte
eine schlagkräftige, zahlenmäßig riesige Armee
organisiert.
Die Blockade der Seehäfen der Konföderation durch die Nordstaatenmarine
zeigte Wirkung und brachte die Südstaaten, die über kaum
eigene Industrie verfügten und vom Außenhandel abhängig
waren, zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Westen
drangen Unionstruppen unter dem noch unbekannten General U. S.
Grant siegreich
in Tennessee ein und eroberten die Forts Henry und Donelson.
Die
Eroberung von
New Orleans durch Unionstruppen stand bevor. Auf der virginischen
Halbinsel
standen Teile der Potomac-Armee McClellans. Am 6. und 7. April
1862 schlug Grant die konföderierten Generäle Beauregard und
J. E. Johnston in der Schlacht von Shiloh, und im Mai besetzten Unionstruppen
die Städte Winchester in Virginia und Corinth in Mississippi.
Lees Prophezeiungen von einem langen und schweren Waffengang begannen
sich zu bewahrheiten.
Im Mai 1862 bewegte sich die große Armee McClellans auf Richmond
zu. Die Truppen des Südens konzentrierten sich unter J. E. Johnston
rings um die Hauptstadt.
Während schwere Frühjahrsunwetter mit Regen- und Gewitterstürmen über
der virginischen Halbinsel tobten und die Gaslaternen in den Straßen
von Richmond erloschen, griffen die konföderierten Truppen,
die sich durch das Sumpfland den Stellungen der Union genähert
hatten, US-Truppen unter General Casey bei Seven Pines an. Die
Unions-Soldaten
wurden zurückgetrieben. Als McClellan frische Truppen nach
vorn warf, kam der Vormarsch der Südstaatler zum Stehen. General
Johnston wurde schwer verwundet. Unter Stephen Longstreets Führung
mußten
die Konföderierten sich am 1. Juni zurückziehen.
Am 3. Juni ernannte Präsident Davis General Robert Lee zum Kommandanten
der Nordvirginia-Armee. Lee richtete sofort eine Botschaft an die erschöpften,
ratlosen Truppen. Sie endete mit der Aufforderung: „Sieg
oder Tod!"
Schlacht
der 7 Tage

Positionskarte
der „Schlacht der 7 Tage”
Shenandoah
Valley vor den Toren Washingtons: Ein konföderiertes
Armeekorps unter „Stonewall" Jackson war, einem Plan Robert
E. Lees folgend, hier eingefallen und hatte, unermüdlich marschierend
und kämpfend, der Unionsarmee unter McDowell und Fremont mehrere
schwere Niederlagen zugefügt und dafür gesorgt, daß Teile
der Potomac-Armee vor Richmond hatten nach Norden zurückverlegt
werden müssen, um Washington zu schützen.
Kuriere
Lees riefen Jackson nun nach Richmond zurück. In einer strategischen Meisterleistung
umging Jackson die Stellungen seiner Unionsgegner und verschwand in
Eilmärschen mit seinem grauen Heer, gespenstergleich, nach Süden.
Mitte Juni
brach die Virginia-Kavallerie unter J. E. B. Stuart zu ihrem ersten
tollkühnen Kommandounternehmen, einem „Raid",
hinter die Linien der Union auf, vernichtete Nachschubgüter, erbeutete
Ausrüstungen und Lebensmittel und brachte Lee exakte Informationen über
die tatsächlichen Stellungen McClellans. Lee entwarf unverzüglich
einen Offensivplan, um den Ring der US-Truppen um Richmond zu sprengen.
Am 25. Juni traf „Stonewall" Jackson nach einer unglaublichen
Marschleistung in Ashland ein. Am nächsten Tag griff er die Vorhut
der Union am linken Ufer des Chickahominy an, trieb sie in die Flucht
und eroberte nach erbittertem Kampf die starke Unionsstellung in Mechanicsville.
Nur 1 Meile entfernt, bei Ellison's Mill, sammelten sich die Unionstruppen
erneut in einer Artilleriestellung mit 16 Kanonen. Gleichzeitig hatten
rings um Richmond Scharmützel und Gefechte eingesetzt. Das dichte
Wald- und Sumpfland hallte vom Donner der Geschütze und den Schreien
der Verletzten wider. Die Ambulanzen rollten Tag und Nacht in die Stadt.
Privathäuser, Lagerhallen, Wirtshäuser füllten sich
mit Verwundeten. Gefangene wurden abtransportiert, Truppen neu in Stellung
gebracht, Beutegut eingesammelt. Nachts waren Suchtrupps mit Fackeln
unterwegs, um Verwundete zwischen Brook Church und Mechanicsville aufzuspüren.
Wieder
begann ein neuer Tag, an dem die Konföderierten, erschöpft, übernächtigt,
aber von unglaublicher Entschlossenheit dem Feind in Richtung Gaines
Mill entgegenmarschierten. Lee hatte sein Hauptquartier in Hogan's
House, 6,5 Meilen nordöstlich von Richmond, aufgeschlagen. Von
hier dirigierte er seine Armee, deren Zentrum unter D. P. Hill, Anderson
und Whiting sich auf Coal Harbor zuschob. Jackson, Ambrose Hill und
Longstreet bildeten mit ihren Truppen den linken Flügel, der den
Fluß hinuntermarschierte. General Magruder stand auf dem rechten
Flügel im Sumpfland. Fort Darling am James River wurde von General
Wise gehalten.
Am frühen Nachmittag des 27. Juni griff Longstreet Gaines Mill
an. Eine entsetzliche Schlacht. Die Konföderierten siegten unter
furchtbaren Opfern. Tote lagen dicht an dicht im Gras. 28. Juni: McClellans
Soldaten wurden weiter auf den Chickahominy zugedrängt. „Stonewall" Jackson
zerstörte die Verbindungslinien McClellans, der in der folgenden
Nacht sein Hauptquartier bei Savage Station räumte und mehr und
mehr die Kontrolle über seine Truppen verlor.
29. Juni: Nach schweren Gefechten nahmen die Südstaatler Peach
Orchard und Savage Station. Es wurde bis tief in die Nacht gekämpft.
Immer und immer wieder warf Lee seine zahlenmäßig unterlegene
Armee nach vorn und trieb McClellan zunehmend in die Enge. Sein eiserner
Wille beherrschte
die Schlacht. Am 30. Juni setzten Jacksons Einheiten über den
Chickahominy und verfolgten die in Panik fliehenden Unionstruppen entlang
der Straße nach Williamsburg, wo ein letztes großes Artillerieduell
schwere Opfer forderte. Auf breiter Front wich die Potomac-Armee zum
James River nach Harrison's Landing zurück.
Am
1. Juli hatten sich die Truppen Lees erneut gesammelt und stießen
bis Malvern Hill vor, wo sie die Unionsarmee zum letzten Gefecht stellten,
bis beide Seiten erschöpft voneinander ließen. Die Geschützsalven
verhallten. Die „Schlacht der 7 Tage" war vorbei. Die Union
war schwer geschlagen. Die Konföderierten zählten 20´000 Opfer
- Tote, Verwundete, Vermißte-, die Union 16´000.

US-General
McClellan
Nach
der Schlacht wurde Kritik an Lee laut, weil er versäumt hatte,
den Erfolg zu nutzen und McClellans Armee zu vernichten oder zumindest
endgültig von der virginischen Halbinsel zu vertreiben. Aber
- wie schon nach der ersten Schlacht am Bull Run - die konföderierten
Truppen waren total erschöpft, überwältigt von den
furchtbaren Opfern, die die Kämpfe gefordert hatten und ausgelaugt
von den Tagen und Nächten der ständigen Nähe des Todes,
des ununterbrochenen Marschierens und des Geschützlärms.
Auf
der anderen Seite hatte Lee sich als überlegener Stratege gezeigt,
der
seine Armee zu motivieren verstand. Aber auch für ihn war die Entwicklung
des Krieges neu: Armeen derartiger Größe hatte kein amerikanischer
Offizier vordem auch nur gesehen, geschweige denn kommandiert, und noch immer
war der Ausbildungsstand nicht übermäßig hoch. Beide Seiten hatten
noch zu lernen.
Bull
Run II.

Positionskarte
der 2. Schlacht am Bull Run während der Tage der Schlacht. Die
Schwarz gekennzeichneten Blöcke zeigen die Stellungen der Konföderierten,
die hellen jene der Union.
Die mit „A” gezeichneten
Pfeile markieren „Stonewall” Jacksons Marsch.
Die
Regierung Lincoln setzte nach McClellans Scheitern vor
Richmond auf den soliden Karriereoffiziere
John Pope, der im Juni begonnen hatte,
eine „Federal Army of Virginia" zu bilden.
Robert
E. Lee ließ nicht viel Zeit verstreichen. Mitte
August ließ er die Nord-Virginia-Armee nach Norden
vorrücken.
Am 9. August 1862 wurde „Stonewall" Jacksons
Korps in einen heftigen Kampf mit Unionstruppen unter
General Banks bei Cedar Mountains
verwickelt. Beide Seiten erlitten schwere Verluste. Am
folgenden Tag gelang es Jackson, Popes Armee rechts zu
umgehen und in seinen Rücken
zu gelangen.
Am
17. August wurde General J. E. B. Stuart zum Kavalleriekommandanten
der Nord-Virginia-Armee eingesetzt.
Am selben Tag ließ Lee seine
Hauptarmee massiv gegen Popes Truppen vorrücken.
Am 18. August wurde die Union zurück zum Nordufer
des Rappahannock gedrängt.
Die Konföderierten zogen beständig vorwärts.
Am 27., 28. und 29. August kam es zu heftigen Gefechten
zwischen der Union
unter Pope und den Südstaatlern unter Jackson und
Longstreet bei Bristow und Manassas Station. Als Lee
erfuhr, daß Pope Verstärkung
durch McClellan erwartete, beschloß er, mit seiner
ganzen Armee sofort anzugreifen.
Am
30. August rückte die Armee Lees auf demselben Schlachtfeld
am Bull Run, auf dem die Nordstaaten 13 Monate zuvor bereits geschlagen
worden waren, gegen die Unionstruppen vor. Die Nacht zuvor hatten
die Südstaatler auf ihren Waffen geschlafen. Noch vor Sonnenaufgang
hatten sie sich in gut 5 Meilen ausgedehnter, nach vorn gewölbter
halbmondförmiger Linie postiert. Das Zentrum wurde von Lee selbst
geführt. Hier waren 8 Artilleriebatterien postiert, deren Stellung
von erdrückender Überlegenheit war.
Die
Unionsarmee war ähnlich
formiert. Ihr vorgeschobenes Zentrum befand
sich bei Groveton.
Heftiges Artilleriefeuer eröffnete die Schlacht. Am Nachmittag gelang es
Jacksons Truppen, die Unionslinien mehrfach zu durchbrechen. Nordstaatensoldaten
wandten sich zur Flucht, sammelten sich immer wieder, mußten aber schließlich
den Rückzug nach Manassas antreten. Lee jedoch hatte es verstanden, der
Union den Fluchtweg abzuschneiden. Popes Truppen wurden eingeschlossen und versuchten,
sich mit verzweifelten Angriffen auf die geschlossenen Südstaatenlinien
zu befreien. Sie wurden unter schweren Verlusten zurückgewiesen. Von rechts
trieb Jackson, von links Longstreet die Unionsflügel auf die Mitte zu, wo
sich ein ungeordneter Pulk bildete, in den die südliche Artillerie mörderisch
hineinhämmerte. Unter
Popes Soldaten brach Panik aus.
Ein Kriegsberichterstatter aus dem
Norden schrieb: „Die Konföderierten stiegen wie Dämonen
aus der Erde!"
Pope
wurde über den Bull Run zurückgetrieben.
Zwischen Groveton und
der Steinbrücke, die von fliehenden Yankees zerstört wurde, um die
Verfolger aufzuhalten, bedeckten Tote in blauen Uniformen das Land. Die
Union war abermals geschlagen. Während im Norden verzweifelt
noch einmal nach McClellan als Retter gerufen wurde, befanden sich
Lees graue und erdbraune Kolonnen
bereits auf dem Marsch nach Maryland. Am
4. September 1862 überquerten
sie den Potomac.
Antietam

Die
Truppenpositionen in der Schlacht von Antietam
Am
14. September kam es bei Bonnesboro zu Geplänkeln zwischen
Südstaatlern unter General D. H. Hill und McClellans Truppen.
Die Konföderierten zeigten sich überlegen, aber als
der virginische General Garland fiel, gerieten seine Einheiten
in Konfusion und wichen
zurück.
Von
Hagerstown kommend, erreichte General Longstreet das Schlachtfeld
am Nachmittag. Gegen 5 Uhr war Lee mit fast
der gesamten Armee
eingetroffen und stützte den rechten Flügel Hills,
der zu wanken begonnen hatte.
Am
14. und 15. September nahm „Stonewall" Jackson
Harpers Ferry ein und erbeutete große Mengen Artillerie,
Infanteriewaffen und Munition. Zu dieser Zeit zog Lee seine
Truppen auf Sharpsburg zurück
und brachte sie hier in besserer strategischer Position,
10 Meilen nördlich von Harpers Ferry, in Stellung.
„Die
Stadt liegt in einem tiefen Tal. Das Land ringsum ist zerklüftet.
Von einem Hügel am äußeren Rand der Stadt, in Richtung
auf die Blue Ridge Kette, überblickt man das Schlachtfeld.
Zur
Rechten und Linken befinden sich Hügelketten, die von Konföderierten
besetzt wurden. Davor liegt das wunderschöne Tal des Antietam,
der Länge nach vom Fluß geteilt, rechts in den Potomac
mündend.
Zwei Meilen entfernt sind die steilen, schattigen Hänge der
Blue Ridge. Am Morgen des 17. September befand sich General Lee in
einer
starken Position, als die Schlacht begann.
Die Unionstruppen, von
McClellan persönlich kommandiert, bildeten eine Schlachtlinie
zwischen 4 und 5 Meilen Länge, links über die Sharpsburg
Road reichend. Ganz links geführt von General Burnside, rechts
von General Hooker."
William
Parker Snow, SOUTHERN GENERALS, 1866
Am
16. September hatte McClellan den Artilleriebeschuß eröffnet.
Am Morgen des 17. war die Schlacht in vollem Gang, eine der erbittertsten
des Krieges. McClellan, der Zauderer, wußte, daß es auch
um seinen Kopf ging. Er warf seine weitgehend unausgebildeten Truppen
wieder und wieder nach vorn. Die Veteranen Lees am linken Flügel
wurden aber nur zeitweise erschüttert. Ein verbissener Stellungskampf
brachte keiner Seite Vorteile. Am Nachmittag stießen Nordstaatler
auf Lees rechter Flanke vorwärts. Burnsides Einheiten überquerten
den Antietam.
Als die Nacht hereinbrach, schwiegen die Waffen. Zu Tode erschöpft
verharrten die Truppen in ihren jeweiligen Stellungen. Keiner begriff
es so richtig: Die Schlacht war vorbei. Sie hatte furchtbare Opfer
gefordert: Etwa 75´000 Unionssoldaten hatten im Gefecht gestanden.
Davon waren über 2´000 gefallen und 9´416 verwundet
worden. Über
1´000 wurden vermißt. Die Konföderierten hatten ungefähr
40´000 Mann ins Feld gestellt. 2´700 Tote, über 9´000
Verwundete und 2´000 Vermißte waren ihr Preis dafür,
daß sie dem übermächtigen
Gegner standgehalten hatten.
Ein
Pennsylvania-Infanterist schritt am nächsten Morgen über
das Schlachtfeld und schrieb:
„Kein
Mund kann erzählen, kein Kopf je begreifen, kein Maler zeichnen,
was ich für schreckliche Dinge an diesem Morgen sah.
Gott möge
bald ein Ende machen und der Frieden möge wieder hergestellt werden.
Ich bin an diesem Krieg von Herzen krank und müde."

Konföderierte
Kavallerie in der Schlacht am Antietam Creek
Keine
der Armeen befand sich noch in einem Zustand, um das Gefecht
mit Erfolg wieder aufnehmen zu können. Am Morgen des 18. September
entdeckte Lee, daß McClellan seine Truppen von der Front abgezogen
hatte. Da Lee erwartete, daß die zahlenmäßig stärkere
Feindarmee sich sammeln und erneut vorstoßen würde, zog
er seine ausgemergelten Soldaten ohne Verzögerung über den
Potomac zurück bis Shepherdstown.
Allgemein wird noch heute gesagt, daß McClellan die Schlacht
von Antietam gewonnen habe. Tatsächlich aber war es ein Kampf
bis zur gegenseitigen Erschöpfung gewesen, der weder Sieger noch
Verlierer sah. Beide Armeen mußten am Tag danach das Schlachtfeld
räumen, keine hätte einem erneuten Angriff standgehalten.
Lee verlegte sein Hauptquartier im Oktober nach Winchester, was
es McClellan unmöglich machte, das Shenandoah Valley zu besetzen.
Er unternahm nicht einmal einen Versuch. Im November wurde er endgültig
seines Kommandos enthoben. Dies verdeutlichte die tiefe Krise der militärischen
Führung im Norden.
Fredericksburg
Der neue Kommandant der
Potomac-Armee war General Ambrose Burnside, ein tüchtiger Offizier mit wenig Felderfahrung. Nach Abstimmung
mit Generalstabschef Halleck ließ er die Unionstruppen am 18.
November 1862 in Richtung Fredericksburg marschieren. Er beabsichtigte,
hier die relativ schwachen Stellungen des Südens zu nehmen und
sich freien Durchgang zur südlichen Hauptstadt Richmond zu schaffen.
Lees Hauptarmee wurde in Winchester vermutet, angeschlagen und ausgelaugt
vom schweren Kampf am Antietam. Ein Irrtum: Lee hatte sofort von den
Bewegungen der Unionsarmee erfahren. Als Burnsides Truppen den Rappahannock
erreichten, hatten die Konföderierten ihre Stellungen um Fredericksburg
bereits verstärkt und blockierten die Flußübergänge.
Lees Soldaten hatten die strategisch entscheidenden Höhen hinter
Fredericksburg besetzt und waren auf den Kampf vorbereitet, als Burnside
in der Nacht des 10. Dezember 1862 die Überquerung des Rappahannock
in die Wege leitete. Der Verlauf der Schlacht wurde von Robert E. Lee
selbst in seinem Bericht an Jefferson Davis vom 14. Dezember 1862 geschildert,
den er noch auf dem Schlachtfeld diktierte:
„In der Nacht des 10. Dezember begann der Feind drei Brücken über
den Rappahannock zu schlagen - zwei bei Fredericksburg, eine dritte
ungefähr 1 %a Meilen unterhalb nahe der Mündung des Deep
Run
... Die Brücken waren am 11. gegen Mittag fertig. Am Nachmittag
dieses Tages eröffneten die feindlichen Batterien ihr Feuer auf
die Stadt, und am Abend waren die Häuser am Ufer so zerstört,
daß sie unseren Scharfschützen keine Deckung mehr boten.
Unter dem Feuer der Kanonen gelang es dem Feind, sich in der Stadt
festzusetzen . . . Unter dem Schutz der Dunkelheit und dichtem Nebel
passierte am 12. ein großer feindlicher Trupp den Fluß.
Am Morgen des 13. hatte der Feind seine Vorbereitungen zum Angriff
abgeschlossen
... General Jacksons Korps bildete unseren rechten Flügel, der
an der Eisenbahnlinie lag. General Longstreet stand links, seine Truppen
dehnten sich entlang der Höhen des Rappahannock über Fredericksburg
aus. General Stuart war mit 2 Brigaden Kavallerie in der weiten Ebene
extrem rechts von uns postiert. Sowie die vorrückenden Feinde
im Nebel entdeckt wurden, setzte General Stuart mit der ihm eigenen
Entschlossenheit einen Teil seiner reitenden Artillerie gegen die feindlichen
Flanken in Bewegung. Zur selben Zeit wurde der Feind durch General
A. P. Hills Division stürmisch angegriffen. General Early wurde
mit einem Teil seiner Division zu Hills Unterstützung kommandiert
und trieb den Feind aus einem Waldstück, das dieser besetzt hatte,
zurück. Er jagte den Feind in die Ebene, bis er von dessen Artillerie
aufgehalten wurde.
Die Rechte der feindlichen Kolonnen, die über Hills Front hinaus
reichte, griff die rechte Flanke General Hoods aus Longstreets Korps
an. Der Feind eroberte ein kleines Wäldchen vor Hoods Stellungen,
wurde aber sehr schnell mit Verlusten vertrieben ... Bald darauf, nachdem
er auf unserer Rechten zurückgeschlagen war, begann er auf unserer
Linken mit einer Serie von Angriffen ... Diese wurden in heldenhafter
Weise durch die Washington-Artillerie unter Colonel Walton und einen
Teil von McLaws Division zurückgeschlagen."
Fredericksburg,
Virginia
Am
15. Dezember zog sich Burnside besiegt über den Fluß zurück.
Die Ponton-Brücken wurden abgebrochen. Erneut war eine blutige
Schlacht zu Ende, die wieder die militärische Kapazität Lees,
der mehr und mehr zur führenden Figur des Krieges wurde, und die
ungebrochene Kampfkraft der konföderierten Truppen bewiesen
hatte.
Gleichwohl war die Lage der Südstaaten angespannt. Die Blockade
des Nordens zeigte Wirkung. Die wirtschaftlichen Probleme wuchsen.
Europa erklärte seine Neutralität. Die Materialsituation
der Armee wurde zunehmend schwieriger, die Ernährungslage war
kaum lösbar.
Lees überzeugende Siege brachten Hoffnung. Er selbst ließ sich
kaum anmerken, wie sehr er persönlich unter den Opfern litt, die
der Krieg forderte. Nur gegenüber Freunden äußerte
er gelegentlich sein Entsetzen über die Dimensionen, die der Bruderkampf
angenommen hatte. Auch ihn selbst traf ein schwerer Schicksalsschlag,
als 1863 seine Tochter Annie Carter Lee in Jones Spring, North Carolina,
starb.
Mit stoischer Disziplin ertrug er das persönliche
Leid.
Chancellorsville
Trotz beträchtlichen Materialeinsatzes gelang es der Union nicht,
die Rebellion zu unterdrücken. Das Herz der Konföderation,
die Armee Robert E. Lees, schlug mit unverminderter Kraft. Der ständige
Wechsel im Oberkommando der nördlichen Hauptarmee zeigte die Ratlosigkeit,
die in der Regierungsbürokratie Washingtons herrschte. Entgegen
dem Rat von Kriegsminister Stanton hatte Präsident Lincoln den
dynamischen Artillerieoffiziere Joseph Hooker („Fighting Joe")
an die Spitze der Potomac-Armee gestellt. Er unterteilte sie in eine
größere Zahl kleinerer, beweglicherer Korps und rückte
im März 1863 zum Rappahannock-Fluß vor. Am 28. April stieß Nordstaatenkavallerie
unter General Stoneman in weitem Bogen über die linke Flanke in
den Rücken von Lees Armee vor, um dessen Verbindungslinien nach
Richmond abzuschneiden.
Wenige Tage später befanden die blauen Reiter sich in der Nähe
von Richmond, wo sie dem Druck der konföderierten Reiterei unter
Wade Hampton weichen mußten. General Hooker hatte zur selben
Zeit seine Armee über den Rappahannock gebracht und sein Hauptquartier
an dem Überlandkreuzungspunkt Chancellorsville aufgeschlagen.
Hooker standen 134´668 Mann zur Verfügung. Lees Armee bestand aus
60´892 Mann. Lee allerdings kannte das Terrain, während Hooker
von der Wilderness nicht einmal aktuelle Landkarten zur Verfügung
standen.
Dschungelartige Wälder, Sumpfgebiet, zahllose Höhen und Täler
verhinderten geschlossene Bewegungen der großen Potomac-Armee
und führten dazu, daß immer wieder die Kommunikation zwischen
den Truppenteilen abriß.
Als die Unionstruppen an der Straße nach Gordonsville eine Front
gebildet hatten, hatte General Lee bereits die Schwachpunkte der großen
Armee, die im Bereich des rechten Flügels lagen, analysiert, wie
die gesamte Frontlinie Hookers überhaupt zu dünn und unkonzentriert
war. Am 2. Mai brach das Armeekorps „Stonewall" Jacksons,
20´000 Mann stark, zum rechten Flügel der Union auf. Lee
ließ Hookers
Aufmerksamkeit durch Scheinbewegungen vor der Front des Nordens fesseln.
Hooker fühlte sich ungemein sicher. Nachrichten, die er vom rechten
Flügel über starke südliche Truppenbewegungen erhielt,
tat er als unglaubwürdig ab, wie General Carl Schurz es in seinen
Memoiren beschrieb. Längst hatte er sich von Lee das Gesetz des
Handelns aufzwingen lassen.
Die
Truppenpositionen am Tag vor der Schlacht von Chancellorsville
Am
Abend des 2. Mai stürzte Jacksons
Korps aus den Wäldern
auf den schwachen rechten Flügel der Unionsarmee und rollte ihn
förmlich
auf. Binnen weniger Minuten befanden sich die Unionstruppen in heilloser
Flucht. Eine sofortige Entscheidung der Schlacht unterblieb an diesem
Tag, da bei Einbruch der Dunkelheit„ Stonewall" Jackson
bei einer Inspizierung der Vorposten von eigenen Leuten versehentlich
aus dem Sattel geschossen wurde.
Er starb am 10. Mai - ein unersetzlicher
Verlust für den Süden.
Am
3. Mai war es Hooker nicht gelungen, die Konfusion in seiner Armee,
die durch die Niederlage
an der rechten Flanke
entstanden
war, zu überwinden.
Mit wuchtigen Schlägen ließ Lee 40´000 Mann
gegen die dünne
Front Hookers anrennen. Durch die Zerschlagung der Verbindungen
zu den einzelnen Flügeln verlor Hooker die Kontrolle über
seine Armee.
Auch die Telegraphenverbindungen nach Washington
rissen ab. Über
eine Stunde war Hooker gar nicht einsatzfähig, da
eine Granate sein Hauptquartier, das Chancellor House,
zerstört
hatte und er unter den Trümmern verschüttet gewesen
war.
Am
4. Mai setzte heftiger Regen ein. Der Rappahannock schwoll stark
an. Unter diesen Bedingungen und unter der
hämmernden Artillerie
des Südens wurde die Errichtung von Ponton-Brücken
zur Tortur. Am 5. Mai war die geschlagene Unionsarmee wieder
auf der anderen Seite
des Rappahannock. Ihre Verluste beliefen sich auf mehr
als 17´000
Mann Gefallene, Verwundete und Gefangene. Ratlosigkeit,
ja Panik verbreiteten
sich im Norden.
Der Militärhistoriker E. J. Stackpole schrieb
in seinem Buch „CHANCELLORSVILLE", 1958:
„In Chancellorsville focht Lee seine größte Schlacht.
Er erkämpfte einen gloriosen Sieg gegen einen schwereren Gegner
als er ihn je zuvor gehabt hatte. Nicht allein die Potomac-Armee, in
erster Linie General Hooker wurde bei Chancellorsville geschlagen."
Mit
einer unglaublich motivierten und kampfbereiten Armee, deren Ausrüstung
in einem krassen Mißverhältnis zu ihren Leistungen stand,
die sich von der souveränen Gewißheit ihres Kommandeurs
anstecken und leiten ließ, ging Robert E. Lee planvoll und entschieden
vor. Seine Überlegenheit wurde um so deutlicher, als Hooker sich
grobe Fehlentscheidungen und Mißinterpretationen leistete. Bevor
er begriff, was Lee beabsichtigte, standen Teile der Nord-Virginia-Armee
bereits tief im nördlichen Hinterland. Lees Vorhut unter Ewell
marschierte so rasch, daß die Hauptarmee des Südens kaum
folgen konnte. Über die staubigen Überlandstraßen drangen
die grauen Truppen in Pennsylvania ein.
Am 27. Juni legte Hooker sein Kommando nieder und wurde am Tag danach
durch den Chef des 5. Korps, General Meade, ersetzt, einen braven,
biederen Stabsoffizier, der zumindest Ruhe und Festigkeit in der Führung
versprach.
Gettysburg
Am 29. Juni trafen
Kavallerieeinheiten des Nordens und des Südens
in der Nähe der kleinen Siedlung Gettysburg aufeinander. Meade
hatte das Glück, den Ort mit seinen Truppen früher zu erreichen
als Lee, so daß er einige der strategisch bedeutenden Punkte
besetzen konnte. Im entscheidenden Moment fehlten Lee exakte Informationen über
die Bewegungen seines Gegners. Bis zuletzt hatte er geglaubt, sich
parallel zur Potomac-Armee zu bewegen. Zu spät erkannte er, daß sie
sich ihm in den Weg geschoben hatte. Trotz offensichtlicher Probleme
- etwa ohne intakten Nachschub -, wollte er dem Kampf nicht ausweichen,
zumal Gettysburg als Knotenpunkt wichtiger Überlandstraßen
hohe strategische Bedeutung hatte.
Zu dieser Zeit war Lee nicht nur im Süden der vielleicht angesehenste
Offizier des Krieges. Auch Zeitungen im Norden priesen seine Ehrenhaftigkeit.
Man erkannte an, daß der Virginier nicht nur auf eine glänzende
Karriere in Washington verzichtet, sondern auch seinen herrlichen Besitz
nahe der Unionshauptstadt geopfert hatte, um zu verteidigen, was er
für richtig hielt. Die Wertschätzung seiner Person war allgemein.
Ein ausländischer Korrespondent schrieb über ihn: „Ich
sah ihn niemals Waffen tragen. Das einzige Zeichen seines militärischen
Rangs waren 3 Sterne auf seinem Kragen. Er ritt ein schönes Pferd,
das außerordentlich gepflegt war, und während der härtesten
Märsche sah er immer elegant und sauber aus."
Am 1. Juli gab es den ersten ernsthaften Zusammenstoß von Südstaatlern
unter General Hill mit Unionstruppen. Die Nordstaatler konnten sich
hinter der Hügelkette vor der Stadt, wo bereits weitere Einheiten
Meades standen, verschanzen. Sehr schnell erwiesen sich diese Höhen
als nahezu uneinnehmbar. Die Konföderierten gingen
entlang der westlich gelegenen Hänge in Stellung.
Die
Schlacht von Gettysburg: Der konföderierte Sturm des Gemetery Hill
am 2. Juli 1863
Am
Nachmittag des 1. Juli begannen die Kampfhandlungen erneut.
Lee schickte Truppen
unter Longstreet vor. Die Konföderierten wurden
zwar mit großen Verlusten abgewiesen. Als der Tag zu
Ende ging, hatte der Süden jedoch eindeutig die Präferenz.
Lee
saß die
meiste Zeit mit unbewegter Miene auf einem Baumstumpf und
beobachtete das Schlachtengeschehen. Dazwischen gab er seine
Anweisungen
an die drei Korpsführer.
Am
2. Juli vertrieben Longstreets Truppen die Union aus ihren Positionen
und nahmen mehrere
Artilleriebatterien. Im Verlauf
des Tages wurden
sie allerdings wieder zurückgedrängt. Der Tag
war verlustreich für den Süden.
Am
3. Juli war Lee um 6 Uhr früh im Sattel und formierte seine
Truppen für einen neuen Angriff. Die Schlacht war
in ein entscheidendes Stadium getreten.
Ein
konföderierter Reporter schrieb:
„Die Luft war erfüllt mit scheußlichem, dissonantem
Lärm. Die Erde erbebte unter unseren Füßen, und die
Hügel und Felsen schienen zu schwanken wie ein betrunkener Mann.
Für anderthalb Stunden wurde dieses gewaltige Feuer fortgesetzt.
Granaten heulten, das Krachen der fallenden Bäume war zu hören.
Splitter von Felsblöcken flogen durch die Luft, wenn Volltreffer
in die Klippen einschlugen. Schweres Grollen klang aus dem Tal zwischen
den kämpfenden Armeen. Das Klatschen der berstenden Schrappnells,
das durchdringende Wiehern der verwundeten Artilleriepferde ließen
ein Bild von großer, erhabener Schrecklichkeit entstehen."
Der Süden rannte auch an diesem Tag vergeblich gegen die Schanzen
der Union an. Meade hatte instinktiv die Vorteile erfaßt, die
das Terrain um Gettysburg für denjenigen bot, der konsequent in
der Defensive verharrte. Er mußte seine Stellungen nicht verlassen.
Er mußte Lee nicht angreifen. L e e mußte i h n überwinden,
um seinen Marsch auf die großen Städte des Nordens fortsetzen
zu können.
Mit dem Mut der Verzweiflung stürmten die Virginier General Picketts
unter furchtbarem Unionsfeuer vorwärts. Hunderte fielen. Die Lebenden
stiegen über die Gefallenen hinweg. Lee selbst ritt, ungeachtet
der Gefahr, aus dem Wald, in dem sein Hauptquartier lag, um seine nahezu
demoralisierten Truppen zu ermutigen. Am Ende
des 3. Juli notierte er in seinen Berichten, daß seine Artillerie
fast alle Munition verschossen hatte. Kühl registrierte er, daß seine
Männer nicht mehr geben konnten als sie bereits gegeben hatten.
Er hätte mehr Material und mehr Soldaten gebraucht. Das Ergebnis
wäre auch dann noch zweifelhaft gewesen. Er befahl den Rückzug. Am
4. Juli schleppten sich die erschöpften grauen Truppen in sturzbachartigem
Regen davon. Die Wagen mit den Verwundeten blieben fast im Morast stecken.
Erst am 5. Juli verließ Lees Nachhut Gettysburg. Ungehindert überschritten
die Konföderierten den Potomac..jpg)
Das
Torhaus zum Evergreen Friedhof auf dem Cemetery Hill.
Gettysburg
war eine der furchtbarsten Schlachten des Krieges gewesen.
Die Verluste waren entsetzlich: Von
90´000 Unionssoldaten, waren über
23´000 gefallen, verwundet worden oder vermißt. 85´000
Konföderierte waren an der Schlacht beteiligt. Über
20´000 waren am Ende tot, verwundet oder in Gefangenschaft
geraten.
Am 19. November sprach Präsident Lincoln auf dem Friedhof
der Gefallenen von Gettysburg.
Er sagte: „Niemals
wird die Welt vergessen, was hier geschehen ist."
Beiden
Parteien war nicht bewußt, daß sie die Wende des
Krieges erlebt hatten. Erstmals war eine Entscheidungsschlacht
für
Robert E. Lee verlorengegangen, weil er mit den Material- und
Menschenreserven des Nordens nicht hatte Schritt halten können.
Bisher war es ihm gelungen, durch überlegene Strategie
und mit gut motivierten Truppen dem besser ausgerüsteten
Gegner zu widerstehen. Aber der Süden
näherte sich dem Stadium der Erschöpfung.
Am
9. Sepember hielt Lee eine große Inspektion seiner Armee ab. Vermutlich
ahnte er zu diesem Zeitpunkt schon, daß zu Optimismus
kein Anlaß mehr
war.
Es folgte eine Periode der Inaktivität. Im Norden bahnte sich
eine entscheidende Wende an: Lincoln setzte sich über Einwände
von Politikern und Stabsoffizieren hinweg und ernannte den als trunksüchtig
und ungebildet verschrienen U. S. Grant zum Oberkommandierenden der
US-Armee.
Ein Mann, der bis auf den heutigen Tag vielfach unterschätzt
wird, mit einer schlichten, gleichwohl gradlinigen und
konsequenten militärischen Weitsicht.
Ein Mann, der sich die Gegebenheiten
des Bürgerkrieges schneller als andere zu eigen gemacht hatte
und der genau wußte, wie er den Süden in die Knie zwingen
konnte, nämlich durch forcierte, fortgesetzte Ausnutzung der
Stärken
des Nordens: Industrie und Menschenmassen. Er bereitete
seine Armee darauf vor.
Wilderness
Robert E. Lee hatte
Offensivvorbereitungen der Nordstaaten mehrfach erlebt, ohne sich
sonderlich davon beeindrucken
zu lassen. Im Frühjahr
1864 aber waren nahezu sämtliche Reserven der Südarmee erschöpft.
Die Wehrpflicht im Süden erfaßte längst auch die kaum
Einsatzfähigen, halbe Kinder und Greise. Keine konföderierte
Einheit wies einheitliche Bewaffnung auf. Die wenigsten Truppen erreichten
noch die vorgesehene Sollstärke. Aufgrund der Anhänglichkeit
der meisten Südstaatler an ihre Heimatstaaten, wurden auch Regimenter,
die in den zurückliegenden Schlachten fast ausgelöscht worden
waren, unter ihrem alten Namen im Dienst behalten. Viele Soldaten trugen
statt Uniformen nur noch Lumpen. Sie zogen barfuß ins Feld, weil
es keine Stiefel mehr gab. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten
wurde ständig schlechter.
Im April 1864 begann U. S. Grant von Culpepper aus mit Täuschungsmanövern
an Lees linker Flanke, ließ am 4. Mai aber den Hauptteil seiner
Armee über den Rapidan setzen. Lee hatte Grants Pläne durchschaut
und stand bereit. Am 5. Mai begann eine Kette von erbitterten Kämpfen
in der sogenannten „Wilderness", dort, wo General Hooker
im Jahr zuvor so furchtbar gescheitert war. Am 6. Mai drohte die Front
des Südens zu fallen. General Lee selbst ritt nach vorn und setzte
sich an die Spitze der texanischen Brigade des Generals Gregg, um die
Soldaten zu motivieren.
Ein
Teil des Wilderness-Geländes im Jahre 1864.
Die freien Felder und das offene Gelände zeigen nicht mehr viel vom Dickicht,
das für die Grauen und Blauen gleichermaßen zur Hölle wurde.
Der
verwundete General Longstreet protestierte. Die rauhen
Texaner weigerten sich, weiterzumarschieren, solange sich
ihr verehrter Oberkommandierender
nicht in Sicherheit gebracht hatte. Mit seinem Vorgehen
hatte Lee aber ein Aufbäumen aller Kräfte seiner Armee
erreicht. Die Front hielt.
Am
7. Mai erreichten Grants Truppen eine Straße nach Richmond
bei Spottsylvania Courthouse. Lees Männer waren
schon da, hatten sich verschanzt und trieben die Union
am Sonntag, dem 8. Mai zurück.
Am 10. Mai warf Grant erneut alle Kräfte nach
vorn. Er mußte
erkennen, daß die Südstaatler sich in ihren
Stellungen festgekrallt hatten. Im Gegensatz zu seinen
Vorgängern aber, denen Lee immer
wieder seine Strategie hatte aufzwingen können,
besann Grant sich in jeder Situation darauf, daß er
die überlegenen
Kräfte anführte. Er gab nicht auf, ordnete
keinen Rückzug
an, versuchte statt dessen, Lees Flanken zu umgehen
und gönnte
seinem Gegner, aber auch seinen eigenen Truppen, keine
Minute Ruhe.
Einen
vollen Monat dauerten die Kämpfe.
Tag für Tag mußte
die Südarmee sich den Angriffen Grants stellen.
Die Verluste beider Seiten waren immens - mit dem Unterschied,
daß Grant
seine Truppen immer wieder auffüllen konnte. Er
war der erste Nordstaaten-General, der diese simple
Tatsache nicht
nur erkannt
hatte, sondern auch die Konsequenzen daraus ableitete.
Viele
prominente Generäle des Südens kamen in der Wilderness
um. Am 11. Mai fiel der überragende Kavallerieführer
Lees, General J. E. B. Stuart, nach Jacksons Tod der zweite entscheidende
Verlust der Nord-Virginia-Armee. Im Juni hatte Lee etwa 110´000
Mann unter seinem Kommando. Grant standen etwa 200´000 zur Verfügung.
Lee drängte zu dieser Zeit in Richmond darauf, Schwarzen den
Eintritt in die Armee zu ermöglichen und ihnen dafür
Befreiung aus der Sklaverei zuzusichern. Doch die Regierung Davis
zögerte,
einen so weitgehenden Schritt zu tun, der die ideologische Grundlage
der Südstaatenkonföderation berührte. Aber die Situation
wurde immer kritischer.
Die Front der Nord-Virginia-Armee reichte von Atlett's Station
an der linken Flanke bis Gaines Mill, als am 31. Mai die Unions-Kavallerie
unter Sheridan bei Cold Harbor eine schwere Attacke ritt. Am 1.
Juni
prallten die Armeen des Nordens und des Südens wieder aufeinander.
Abermals war es Lee gelungen, rechtzeitig die besseren Positionen
zu besetzen. Er konnte Grants Truppen zurückweisen.
Am 2. Juni hatte Grant eine erneute Umgehungsbewegung eingeleitet.
Lee ließ seine Virginier parallel dazu marschieren und durch
Ewell einen Flankenangriff durchführen, der den Norden. viele
Opfer kostete. In der folgenden Nacht ließ Lee Brustwehren
aufwerfen. Am 3. Juni griff die Potomac-Armee auf einer Front an,
die bis zum Tolopatomony Creek über die Straße von Cold
Harbor zum Chickahominy ausgedehnt war. 5 Stunden ließ Grant
seine Soldaten gegen Lees Befestigungen anrennen. Dann mußte
er aufgeben. Auch in den folgenden zwei Tagen blieben die Attacken
der Union erfolglos.
Am
5. Juni zog der rechte Flügel Grants
sich zurück. Doch
auch Lees Armee war so erschöpft, daß sie Grant
nicht bei einer Neuformierung seiner Truppen stören konnte.
Lee mußte
statt dessen Truppen abziehen, um Petersburg und Richmond zu schützen.
Dafür gelang es ihm, einen Teil seiner Armee nach Maryland
zu schicken und Grant damit nicht unbeträchtlich zu schrecken.
Grant mußte zudem Einheiten nach Baltimore schicken, um die
erregte Bevölkerung, die mit Gewalt gegen Rekrutierungsbüros
vorgegangen war und nach einem Ende der Kriegshandlungen verlangte,
durch Militärpräsenz zu beruhigen.
Das gab Lee eine Atempause.
Lees
persönliche Situation war zu diesem
Zeitpunkt wenig erfreulich. Mitte Juli hatte sein beschlagnahmter Besitz,
die Plantage Arlington
und alle dazu gehörenden Ländereien, versteigert
werden sollen. Nur die unklaren Besitzverhältnisse
- Lees Schwiegervater Custis hatte das Anwesen seinen
Enkeln vermacht, so daß Robert
E. Lee faktisch nur Verwalter von Arlington war - verhinderten
den Zwangsverkauf.
Gleichwohl wurde die Plantage von der US-Regierung
für militärische Zwecke genutzt.
Nur wenige Familien im Süden haben während des
Krieges so viel verloren wie die Lees. Den Entschluß,
sich der Konföderation
anzuschließen, mußten sie teuer bezahlen.
Wenn Robert E. Lee davon bedrückt wurde, zeigte
er es jedenfalls nicht.
Im
Gegenteil ermahnte er seine Söhne, die alle hohe Offiziersränge
in der Konföderierten Armee, einnahmen, immer wieder zu
Standhaftigkeit und Pflichterfüllung, zur Hintanstellung
von persönlichen
Interessen. Er ging in seiner Aufgabe, die Armee zu führen,
vollständig auf. An das, was er und seine Familie möglicherweise
für Folgen zu erwarten hatten, verschwendete er keinen Gedanken.
Sein Vertrauen in die Fügungen des Schicksals war unerschütterlich,
und Nachteile und Einschränkungen, die ihm drohten, schreckten
ihn nicht. Er sah nie den eigenen Vorteil, sondern immer nur
die Verantwortung, die eine so traditionsbeladene Familie wie
die seine
und die seiner Frau für ihren Heimatstaat Virginia übernehmen
mußte. Dieser Verantwortung stellte er sich ohne Wenn und
Aber.
Sie bestimmte die Prämissen, nach denen er die Armee
führte. Dafür gelang es ihm, einen Teil seiner Armee nach Maryland zu
schicken und Grant damit nicht unbeträchtlich zu schrecken.
Grant mußte zudem Einheiten nach Baltimore schicken, um die
erregte Bevölkerung, die mit Gewalt gegen Rekrutierungsbüros
vorgegangen war und nach einem Ende der Kriegshandlungen verlangte,
durch Militärpräsenz zu beruhigen. Das gab Lee eine Atempause.
Ende
Juli 1864 stand Grant mit 20´000 Mann und 22 Kanonen vor
Petersburg. Doch obwohl er Tunnel von 150 m Länge bis unter
die Stadtbefestigungen treiben und mit 12´000 Pfund Pulver
füllen ließ,
gelang ihm kein Durchbruch: Die gewaltigen Sprengungen forderten
auch auf
der Unionsseite Opfer, aber die Stadt hielt stand.
Zu dieser Zeit hatte bereits eines der erregendsten Unternehmen
des Krieges begonnen: Der Unions-General Sherman war mit einem
Armeekorps aufgebrochen, quer durch Georgia, unter Abbruch aller
Kommunikationslinien, tief in das Herz des Feindes zu ziehen, gewissermaßen
einen Keil durch die Konföderation zu treiben und die letzten
Reserven des Südens zu vernichten.
Der „Marsch zum Meer" wurde
zu einem Musterbeispiel des „totalen Krieges":
Brennende
Felder, vernichtete Farmen und Plantagen, Karawanen von flüchtenden,
heimatlos gewordenen Menschen - das war die Spur, die Sherman auf
seinem Weg zurückließ. Während Grant und Lee sich
Stellungskämpfe lieferten, drang Shermans Armee wie eine Todeswalze
im Hinterland der Konföderation vor.
Am
2. September besetzte Sherman Atlanta. Als er die Stadt am 16. November
verließ,
stand sie in Flammen.
Am 13. Dezember fiel Fort McAllister am Atlantik
in die Hände des Nordens,
am 21. Dezember marschierten die
Unionstruppen in der strategisch so wichtigen Hafenstadt Savannah
ein.
Der Todeskampf
des Südens hatte begonnen.
Der Oberkommandierende
Als das Jahr 1865
begann, standen die konföderierten Staaten
vor dem Zusammenbruch. Die Bevölkerung hatte aufgegeben. Sie wollte
nur noch Frieden. Es gab kaum eine Familie, die nicht schwere Opfer
gebracht hatte. Die Angst vor der Rache der Yankees wuchs - und sie
war berechtigt. Die Moral der Armee, die bis jetzt eisern gehalten
hatte, zerbrach. Desertionen nahmen in beängstigender Weise zu.
Präsident Davis schlug dem Parlament vor, Robert E. Lee zum Oberkommandierenden
aller konföderierten Streitkräfte zu ernennen. Ein Verzweiflungsschritt,
der zu spät kam. Am 6. Februar 1865 erfolgte die offizielle Ernennung.
Lee antwortete:
„Zutiefst
bedrückt von der schweren Verantwortung dieser
Position und demütig die Führung des allmächtigen Gottes
erbittend, vertraue ich auf den Mut und die Tapferkeit der Armee, unterstützt
vom Patriotismus und der Standhaftigkeit des Volkes, zuversichtlich,
daß die gemeinsame Anstrengung mit dem Segen des Himmels den
Frieden und die Unabhängigkeit sichern wird. Robert E. Lee, General."
Im persönlichen Kreis aber äußerte er keine Hoffnung
mehr. Er wußte, daß der Süden kriegsmüde war,
zermürbt von einem Gegner, dem immer wieder schwere Niederlagen
zugefügt worden waren, und der gleichwohl immer stärker geworden
war. Da, wo Lee selbst führte, war der Einsatzwille ungebrochen.
Aber in anderen Armeeteilen ließ die Bereitschaft, Angriffsbefehlen
zu folgen, nach. Lee wußte das alles. Ihm ging es nur noch darum,
noch einmal eine Position zu erkämpfen, von der aus ehrenhafte
Friedensverhandlungen möglich waren. Er wußte, daß er
nun faktisch das Haupt der Konföderation war, nicht mehr die Regierung.
In Robert E. Lee vereinigten sich alle Hoffnungen, die die Menschen
im Süden noch hatten.
Das Ende
Am 1. April fand bei Five
Forks die letzte wichtige Schlacht des Krieges statt: Die US-Kavallerie
unter General Sheridan fügte den zahlenmäßig
unterlegenen Konföderierten erneut eine schwere Niederlage zu.
Zu diesem Zeitpunkt war Robert E. Lee in Petersburg. Er sah, daß nichts
mehr zu retten war. Petersburg fiel am nächsten Tag. Richmond
stand vor dem Zusammenbruch. Die Regierung Davis hatte auf Lees Rat
die Hauptstadt verlassen. Zahllose Zivilisten auf der Flucht verstopften
die Ausfallstraßen.
Mit seiner ausgemergelten, nur noch mit Lumpen bekleideten Armee marschierte
Lee Richtung Lynchburg, kreuzte den Appomattox und befand sich am 4.
April in der Nähe von Amelia Courthouse. Danville war bereits
abgeschnitten.
Am 6. April griff Sheridans Kavallerie die grauen Kolonnen erneut an
und machte 13´000 Gefangene, darunter General Ewell, General Anderson
und General Custis Lee - Robert E. Lees Sohn. Am Tag darauf kam es
zu einem ersten Briefwechsel zwischen Grant und Lee, in dem Grant zur
Kapitulation aufforderte.
Lee antwortete hinhaltend. Er wollte seine Armee, keine 10´000 Mann
mehr stark aber nach wie vor bereit, für ihn ins Feuer zu gehen,
noch nicht aufgeben. Am Morgen des 9. April aber waren die Reste der
Armee von Nord-Virginia eingeschlossen. Die Südstaatler unternahmen
einen letzten Versuch, aus der Umklammerung zu entrinnen. Sie wurden
abgewiesen. Die weiße Fahne wurde gehißt. Wenig später
hielt General Grant einen Brief Robert E. Lees in den Händen,
in dem er um ein Treffen bat, um über die Übergabe der Armee
zu verhandeln.

General
Lee unterzeichnet die Kapitulationsbedingungen

Das
McLean-Haus
Das
Treffen fand im Haus von Richter Wilmer
McClean statt. Lee hatte seinen Adjutanten, Colonel Marshall,
mitgebracht. Er erschien in seiner besten Uniform, würdevoll und noch tief betroffen von
dem Willen seiner längst geschlagenen Armee, unter seiner Führung
bis zum letzten Mann weiterzukämpfen.
Grant trat in staubiger Felduniform
ein, noch gezeichnet von heftigen Kopfschmerzen,
unter
denen er seit
Stunden litt: Ein
kleiner, breitschultriger
Mann, der Bescheidenheit
aber auch unüberwindliche Energie ausstrahlte und der sich jeden Triumph,
daß er den angesehensten Offizier des Krieges
zur Kapitulation empfing, versagte.
In
seinen Memoiren spricht Grant mit größter
Hochachtung von Lee. Nach seinen Worten empfand er sogar Bedauern,
daß die Begegnung zwischen ihnen nicht unter anderen
Bedingungen stattfinden konnte. Lee selbst durchbrach die
Befangenheit des
Augenblicks und bat um Fixierung der Kapitulationsbedingungen.
„Herr
General! Ich empfing Ihr Schreiben vom heutigen Datum mit den Bedingungen
für die Übergabe der Nord-Virginia-Armee,
wie Sie dieselben vorgeschlagen haben. Da sie im wesentlichen dieselben
sind, welche Sie in Ihrem Schreiben vom 8. April ausgesprochen haben,
so nehme ich sie an. Ich werde die geeigneten Offiziere ernennen, um
die Vereinbarungen zur Ausführung zu bringen. R. E. Lee, General."
Lee brauchte, entgegen
der Legende, seinen Säbel nicht abzuliefern.
Er kehrte zu seinen Soldaten zurück, die sich verzweifelt um ihn
scharten, und sprach zu ihnen:
„Ich
habe für euch alles getan, was in meiner Macht stand.
Ihr alle habt eure Pflicht getan. Legt das Schicksal in Gottes Hand.
Geht nach Hause und nehmt eure Arbeit wieder auf. Achtet das Recht
und werdet ebenso gute Bürger, wie ihr Soldaten wart."
Barhäuptig, den Blick starr nach vorn gerichtet, ritt Lee durch
die Reihen seiner Armee. Keiner, dessen Augen sich nicht mit Tränen
gefüllt hatten. Einige Männer weinten laut. Die konföderierten
Fahnen wurden gestrichen, die Waffen niedergelegt.
Grants außerordentlich großzügige Kapitulationsbedingungen,
die später im Norden erhebliche Kritik auslösen sollten,
sahen vor, daß die Angehörigen der Nord-Virginia-Armee auf
Ehrenwort entlassen wurden. Wenn sie eigene Pferde besaßen, durften
sie diese mit heim nehmen.
Am
26. April ergab sich auch die Südstaatenarmee
unter General Johnston in Nord-Carolina.
Noch immer gab es kleinere Geplänkel im Hinterland, wo die Nachrichten
von der Kapitulation der Hauptarmee des Südens nur spärlich
und mit Verspätung eintrafen. Für das südstaatliche
Department von Alabama, Mississippi und Ost-Louisiana kapitulierte
General Richard Taylor am 4. May 1865 in Citronelle, Alabama.
Am
11. Mai übergab Brigadegeneral M. Jeff Thompson in Chalk Bluff,
Arkansas, die Reste seiner Brigade.
Am 12. Mai fand am Rio Grande in Texas, bei Palmito Ranch, unweit
von Brownsville, das letzte Gefecht des Krieges statt.
Ironie des Schicksals:
Es war ein Sieg der Konföderierten unter dem ehemaligen Texas
Ranger Colonel John S. „Rip" Ford.
Am 26. Mai strich auch die konföderierte Armee des Trans-Mississippi
Department in New Orleans unter Kirby Smith und Simon B. Buckner die
Fahnen.
Damit hatte der letzte maßgebliche Teil der Armee der
Südstaaten aufgegeben.
Der
Krieg war zu Ende.
Die letzten Jahre
Einige Tage nach der Kapitulation,
nach Treffen mit verschiedenen Unionskommandeuren, mit denen ihn
teilweise Erinnerungen an gemeinsame
West-Point-Zeiten und an den mexikanischen Krieg verbanden, kehrte
Robert E. Lee nach Richmond zurück, wo er am 15. April eintraf.
Als er durch die Straßen zu seinem Haus in der Franklin Street
ritt, öffneten sich Türen und Fenster. Frauen, Kinder und
alte Männer eilten auf die Straßen.
Sie winkten ihm zu.
Hochrufe wurden laut. Es war, als kehre ein Sieger heim, nicht ein
Mann, der das Ende eines Kampfes, den Untergang einer Armee besiegelt
hatte.
Vor seinem Haus sammelte sich binnen kurzer Zeit eine riesige
Menschenmenge; weinende Männer und Frauen. Immer wieder wurde
Lee aufgefordert, zu sprechen.
Aber er verabschiedete sich nur noch
von seinen Adjutanten, verbeugte sich barhäuptig vor der Menge
und betrat schweigend sein Haus.
Robert
E. Lee auf „Traveller", seinem Lieblingspferd, fotografiert
in Lexington, Virginia, 1866,
auf dem Gelände des „Washington
College". Einer der Studenten, die die Aufnahme beobachteten,
schrieb später darüber:
„Er
war jeder Zoll ein König. Es
dauerte nur eine kurze Zeit, doch der Eindruck, den dieser Anblick
auf mich machte, wird ein Leben lang nicht vergehen."
Mit
tiefer Betroffenheit nahm er die Nachricht zur Kenntnis,
daß in
den Morgenstunden eben dieses 15. April Präsident Abraham Lincoln
verschieden war, nachdem am Abend zuvor im Ford Theater in Washington
ein Attentat auf ihn verübt worden war. Lee wußte, daß dies
die Lage des Südens entscheidend verschlechtern würde.
Lincoln hatte versöhnen wollen, gegen den Willen der Führer
seiner Republikanischen Partei. Lincolns Vizepräsident, Andrew
Johnson, der nun ins Weiße Haus zog, hatte zwar dieselben Absichten,
wurde aber als gebürtiger Südstaatler von einflußreichen
Republikanern in Parlament und Partei mißtrauisch belauert
und energisch bekämpft. Er hatte nicht die Kraft, sich gegen
die Forderungen nach Rache für die Rebellion, die aus den Reihen
der Radikalrepublikaner immer stärker wurden, gefördert
von einflußreichen
Industriekreisen der Nordstaaten, durchzusetzen.
Der Süden wurde
nach der militärischen Niederlage nun auch ökonomisch
in den Staub geworfen und ausgebeutet.
Das
Schicksal Robert E. Lees blieb längere Zeit im Unklaren. Manchen
führenden Politikern im Norden galt er als einer der Hauptverantwortlichen
für die Spaltung des Landes. Sie wollten seine Verurteilung.
Sein hohes Ansehen im ganzen Land verhinderte, daß die Siegerjustiz
sich an ihm vergriff.
Jedoch blieb ihm für den Rest seines
Lebens die Amnestierung und Wiedereingliederung als Staatsbürger
der USA versagt, obwohl er am 2. Oktober 1865,
nach langen Gesprächen
mit U. S. Grant und anderen Offizieren der Unionsarmee, den Treueeid
auf die Union ablegte. Er gab damit ein Vorbild für seine
Mitbürger
im Süden, sich mit dem ungeliebten Norden auszusöhnen
und ging nun auch im Frieden voran, so wie er im Krieg als erster
den
Weg gegangen war,
den er für den besten für sein Land
gehalten hatte. An seine Person knüpften sich noch immer die
Hoffnungen der Bürger des Südens,
die unter der Willkür
der Besatzungsverwaltung litten. Daß es trotz massiver Ungerechtigkeiten
und Übergriffe
durch die Besatzer nicht zu Unruhen kam,
war sicher auch seinem
Beispiel zu verdanken: Obwohl er sich der Niederlage bewußt
war, der Vergeblichkeit der südlichen Unabhängigkeit,
demonstrierte er seinen Mitbürgern,
wie sie mit Würde wieder zu guten und gleichberechtigten Bürgern
im gemeinsamen Staatswesen werden konnten.
Was
nur wenige wußten
war, daß dieser scheinbar unermüdliche
und energiegeladene Mann seine Gesundheit im Dienst für
die Konföderation
aufgerieben hatte.
Seine Konstitution war schon stark angegriffen,
als er im August 1865 zum Präsidenten des Washington College
in Lexington, Virginia, berufen wurde.
In Bescheidenheit und
mit dem ernsten
Willen, junge Südstaatler zu verantwortungsbewußten
amerikanischen Bürgern zu erziehen, lebte Robert E. Lee
die letzten Jahre. Nur 63 Jahre alt, starb er am 12. Oktober
1870.

Robert
E. Lee als Leiter des „Washington College" in seinem
Arbeitszimmer.
Auf
dem Totenbett rief er nach dem früheren General A. P. Hill.
Seine letzten Worte waren: „Brecht die Zelte ab!"
Sein
Grab befindet sich in Lexington. Ihm zu Ehren wurde die
Schule, die er leitete, in „Washington
and Lee University" umbenannt.
Sie
existiert unter diesem Namen noch heute. Der heutige Leiter
amtiert in denselben Räumen, in denen Robert
E. Lee seine letzte Wirkungsstätte
hatte.
Sein Besitz „Arlington" ist heute Teil des „Arlington
National-Friedhofs".
Einer
seiner Söhne, William Henry
Fitzhugh Lee, Generalmajor in der Konföderierten Armee,
wurde 1875 in den Senat von Virginia gewählt.
1887
zog er als Abgeordneter in den Kongreß in
Washington ein, wo er, wie sein Vater, die Interessen Virginias
vertrat und am Wiederaufbau des Südens mitwirkte.
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