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Copyright © 1991 by VERLAG FÜR AMERIKANISTIK D. KUEGLER, 25931 Wyk
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Quellennachweis des Textes: Quellennachweis der Abbildungen:
NORD & SÜD, Stefan Papp, jr., General Thomas J. Jackson - Militärische
Biographie
-
Veröffentlichungen: United
States Army Center of Military History
sowie zeitgenössische
Dienstvorschriften der United
States Army
CSA - General
Thomas J. „Stonewall” Jackson
Militärische Biographie
Seite 2
Stonewall Jackson - Der Weg nach Chancellorsville
First Manassas
Am 22. April 1861
traf Jackson an der Spitze des V. M. I-Kadetten-Korps in Richmond ein.
Drei Tage
später wurde er zum Major im „Corps
of Engineers" ernannt, gefolgt von seiner Beförderung zum
Full Colonel der Virginia Militia mit Rang vom 27. April 1861.
Auf Befehl von Major General R. E. Lee, Kommandeur der Staats-Miliz,
wurde Jackson noch am 27. April nach Harper's Ferry abkommandiert,
um die dortigen Milizangehörigen und Freiwilligen in Regimenter
und Bataillone zu organisieren sowie den Ort selbst zu befestigen und
das Waffenarsenal samt Inventar und anderweitigem technischem Gerät
sicherzustellen.
Jackson übernahm am 29. April das Kommando und ging mit Feuereifer
daran, so weit es in seinen Kräften stand, die erhaltenen Befehle
in die Tat umzusetzen. Er leistete gute Vorarbeit für Brigadier
General J. E. Johnston, der ihn am 23. Mai 1861 im Kommando ablöste.
Jackson erhielt den Befehl über die 1. Brigade der Army of the
Shenandoah, die aus dem 2., 4., 5., 27. und 33. Virginia-Infanterieregiment
bestand und als die „Stonewall Brigade" in die Geschichte
eingehen sollte.
Als Anfang Juni 1861 eine größere Unionsstreitmacht (ca.
15´000 Mann) unter Major General Robert Patterson ins Shenandoah-Tal
vorstieß, bat Johnston das Kriegministerium um die Erlaubnis,
Harper's Ferry räumen zu dürfen, da er fürchtete, eingeschlossen
zu werden. Ohne einwandfreie Genehmigung evakuierte Johnston die Stadt
und fiel am 15. Juni 1861 mit seinen 12´000 Mann nach Winchester
zurück.
Patterson besetzte daraufhin Harper's Ferry, kehrte aber bald wieder
um und zog sich über den Potomac River zurück.
Am
2. Juli 1861 kreuzte Patterson erneut den Potomac. Denn er hatte
in Verbindung
mit der von Brigadier General Irvin McDowell ausgearbeiteten
Offensive zur Einnahme der südlichen Hauptstadt Weisung erhalten,
Johnston im „Valley" festzunageln, damit dieser keine Verstärkungen
an Brigadier General P. G. T. Beauregard abgeben konnte, der Richmond
deckte.
Bei Falling Waters kam es zu einem heftigen Scharmützel zwischen
Pattersons Vorhut und einem konföderierten Detachment unter
Colonel Jackson. Zahlenmäßig unterlegen und hart bedrängt,
löste sich Jackson gemäß Direktive vom Feind und
ging zwei Meilen südlich von Martinsburg ins Biwak. Es war sein
erstes selbständig geführtes Civil-War-Gefecht.
Am 3. Juli erhielt Jackson gute Nachrichten. Seine Ernennung zum
Brigadier General der Provisional Army, C. S., war erfolgt mit Patent
vom 17. Juni 1861, wobei er sich „politischer" Protektion
bedient hatte: In einem Brief an seine Frau bedankte er sich beim „himmlischen
Vater" für seine Beförderung, die ein ahnungsloser
General Johnston am 4. Juli wärmstens befürwortet hatte.

"Stonewall"
Jackson dirigiert seine Truppen am Bull Run
Am
18. Juli 1861 wurde Johnstons Army of the Shenandoah nach Manassas
Junction beordert, um sich mit Beauregard, der nur über 21´000
Mann verfügte, zu vereinigen, denn McDowells Armee war auf dem
Vormarsch. Patterson, der nicht so recht wußte, was er tun
sollte, konnte Johnston nicht aufhalten.
Durch Kavallerieverbände
abgeschirmt, brachte letzterer seine Truppen zur Eisenbahn nach Piedmont
und von dort aus nach Manassas, wo die Army of the Shenandoah am
20. Juli noch gerade rechtzeitig eintraf, um an der bevorstehenden
Schlacht teilzunehmen. Johnston übernahm als rangältester
Offizier das Kommando, billigte jedoch die von Beauregard getroffenen
Dispositionen.
Beide,
Beauregard und McDowell, hatten geplant, dem Gegner in die linke
Flanke zu fallen. Der Vormarsch der Konföderierten,
die hinter dem Flüßchen Bull Run Stellungen bezogen hatten,
verzögerte sich, während McDowell am Morgen des 21. Juli
1861 zur Schlacht bereit war. Sein Plan war gut, aber zu anspruchsvoll
für seine unerfahrenen Offiziere und Mannschaften.
Gegen 5 Uhr morgens eröffnete die US-Artillerie nördlich
vom Bull Run das Feuer. Mit ziemlicher Verspätung überschritt
McDowells Flankenkolonne die Furt bei Sudley's Springs, wo ihr
ein schwacher südlicher Verband unter Colonel N. G. Evans
entgegentrat. Evans forderte Verstärkungen an, die von der
Rechten kommend, in rhapsodischer Manier zu ihm stießen.
Bis
gegen Mittag konnten die zahlenmäßig unterlegenen
Rebellen die unkoordinierten Angriffe der Union parieren, bis sie über
Young's Branch und die Warrenton Road zurückgetrieben wurden.
McDowell reagierte sofort und schleuste weitere Truppen über
den Bull Run. Auch Beauregard und Johnston, die ihre eigene Schwenkbewegung
des rechten
Flügels abgebrochen hatten, führten der angeschlagenen
Linken Verstärkungen
zu.
Jacksons Brigade hatte am 20. Juli bei McLean's und Blackburn's
Ford gelagert. Am 21. Juli erhielt Jackson mehrere Befehle, die
ihn dem
Kampfgeschehen immer näher brachten. Noch während die
Rebellentruppen, die am Morgen die Linke gehalten hatten, über
Henry House Hill, einer maßgeblichen Erhöhung, zurückfluteten,
formierte Jackson seine Regimenter in einer konkaven Gefechtslinie
am Fuße
des Hügels, aber so, daß sie vor feindlichem Artilleriefeuer
geschützt waren.
Auch
Brigadier General B. E. Bees Brigade gehörte zu jenen Einheiten,
die am Mittag von den Yankees zurückgeworfen worden waren.
Er gesellte sich zu Jackson und meinte: „General, sie schlagen
uns zurück." Jackson entgegnete trocken: „Sir,
wir werden ihnen die Bajonette geben!" Als Bee, der wenig
später
getötet wurde, das hörte, ritt er zu seinen entmutigten
Soldaten zurück und rief:
"
Formiert euch! Formiert euch!
Da steht Jackson wie ein Steinwall! Sammelt euch hinter den Virginiern!")
So wurde aus dem unscheinbaren Professor Jackson der unvergleichliche „Stonewall" Jackson,
der im weiteren Schlachtverlauf nicht ganz ohne Kratzer davonkam.
Seine Uniform wurde von feindlichen Kugeln perforiert. Ein weiteres
Geschoß zerschmetterte ihm den Mittelfinger der linken Hand.
Mittlerweile hatte McDowell seine desorganisierte Armee umgruppiert.
Um 14 Uhr griff er schwungvoll, aber zusammenhanglos Jacksons
Position an. Vernichtende Infanterie- und Artillerie-Salven empfingen
die
heranstürmenden Yankees. Zwei Stunden lang wogte der verbissene
Kampf hin und her. Gegen 16 Uhr gewannen die Südstaatler,
denen kontinuierlich Verstärkungen zugeflossen waren, immer
mehr die Oberhand. Schließlich schafften sie es, die rechte
Flanke von McDowells Armee aufzureißen. Die
ausgepumpten Yankees mußten weichen, und der anfänglich
in verhältnismäßig guter Ordnung durchgeführte
Rückzug über den Bull Run entwickelte sich zu einer
panikartigen Flucht, verursacht durch einen Verkehrsstau inmitten
gegnerischen Artilleriefeuers.

Jacksons
Infanteriekorps, Rauhe Männer, die von ihm zu Höchstleistungen angespornt
wurden und wegen ihrer Schnelligkeit als " Fußkavallerie" bekannt
waren.
Eine
wirksame Verfolgung der geschlagenen Yankees und eine Einnahme
Washingtons erwies sich aufgrund der Desorganisation
der eigenen Armee und der schlechten Witterungsverhältnisse
als unrealistisch.
Die erste große Feldschlacht des Bürgerkrieges hatte
im Norden wie im Süden entscheidende Auswirkungen. Die
Rebellen wurden übermütig und waren überzeugt,
die Yankees überall und jederzeit schlagen zu können.
Im anderen Lager war man um so entschlossener, den Krieg, der
weder romantisch noch kurz sein würde, weiterzuführen.
Der erste Schritt Präsident Lincolns war, den glücklosen
McDowell durch Major General G. B. McClellan zu ersetzen, von
dem man hoffte, er werde die Union zum Sieg führen.
Romney und Kernstown
Am
14. Oktober 1861 erfuhr Thomas Jackson von seiner Beförderung
zum Major General der Provisional Army C. S. mit Patent vom 7. Oktober
1861, in Würdigung seiner ausgezeichneten Dienste, die er in der
First-Manassas-Kampagne geleistet hatte. An seine Frau schrieb er:
„ Ich
danke Gott, der mir keine guten Dinge vorenthält (obwohl ich so
ganz und gar unwürdig und undankbar bin), daß er mich zum
Major General gemacht hat."
Es sollte noch besser kommen. Am 22. Oktober 1861 schuf das Kriegsministerium
in Richmond das Department of Northern Virginia, das von General Joseph
E. Johnston befehligt wurde und in drei Military Districts zerfiel:
Aquia, Potomac und Valley. Jackson wurde zum Kommandeur des Valley
District ernannt,
„nicht allein wegen einer gerechten Würdigung
Ihrer Qualitäten als Kommandeur, sondern . . . aufgrund Ihrer
intimen Kenntnis des Landes, der Bevölkerung und der Ressourcen,
die Sie besonders geeignet zur Übernahme dieses Kommandos erscheinen
lassen".)
Jackson
sagte seiner alten Brigade Lebewohl, die gegen Johnstons Widerstand
bald zu ihm verlegt wurde, und übernahm
am 5. November 1861 in Winchester offiziell die Führung des neugebildeten
Districts. Sofort begann er die Moral und den Ausbildungsstand seiner
spärlichen
Truppen zu heben und legte innerhalb von fünfzehn Tagen voller
Energie und Tatendrang dem Kriegsministerium einen Operationsplan
vor.
Er beabsichtigte ein Vorgehen gegen die Baltimore & Ohio Railroad
sowie die Zerstörung der Dämme am Cheasapeake and Ohio
Canal. Richmond gab seine Zustimmung, und Ende Dezember 1861 gelang
es Jackson, einen der Dämme zu demolieren. Am 1. Januar 1862
marschierte er von Winchester nach Norden und verwickelte die Yankees
bei Bath
in ein Gefecht. Im Angesicht von Jacksons Anmarsch wurde die kleine
Stadt Romney kampflos aufgegeben. „Old Jack" bezog Ende
Januar mit der „Stonewall Brigade" (Brig. Gen. Richard
B. Garnett) südöstlich von Winchester Winterquartier, während
er eine Brigade unter Brigadier General W. W. Loring in Romney zurückließ,
optimaler Ausgangspunkt für weitere Operationen im Frühjahr.
CSA-General
William W. Loring
Loring,
ein eigenwilliger Zeitgenosse, und seine Offiziere waren mit
Jackson und der zugewiesenen Position, die sie für gefährlich
exponiert hielten, derart unzufrieden, daß sie das „War
Department" unter Ignorierung des üblichen Dienstweges
um eine Rückverlegung nach Winchester baten.
Tatsächlich
erhielt ein überraschter Jackson am 30. Januar 1861 von Kriegsminister
Benjamin Weisung, Lorings Truppen, die in Romney angeblich in Gefahr
waren, nach Winchester zurückzubeordern.
Jackson war empört. Er befolgte natürlich Benjamins Befehl,
betrachtete die Angelegenheit aber nicht nur als einen Verstoß gegen
die militärische Etikette, sondern sah sich ebenso um die Früchte
seiner Romney-Kampagne gebracht.
Am 31. Januar schrieb er unter anderem
nach Richmond ,,. .. mit solcher Einmischung in mein Kommando
kann ich nicht erwarten, im Feld von großem Nutzen zu sein",
und bat um seine Rückversetzung zum VMI, oder - falls man
dies nicht gewährte - seinen Abschied anzunehmen.
Dank
der glücklichen und tatkräftigen Intervention von General
Johnston und Virginia-Governor John Letcher konnte Jackson davon überzeugt
werden, sein Rücktrittsgesuch zurückzuziehen (6. Februar
1862).
Um Haaresbreite hätte die Konföderation einen
ihrer besten Generäle verloren.
Etwa
einen Monat nach diesem unerfreulichen Zwischenfall begannen die
Nordstaatler nach einer
Periode allgemeiner Inaktivität, im nordvirginischen
Harper's Ferry-Charlestown-Areal aktiv zu werden. Alarmiert,
evakuierte General Johnston, der eine strategische Flankierung
durch McClellan
befürchtete, in einer überhasteten Rückwärtsbewegung
seine Stellungen bei Manassas und ging auf den Rappahannock River
zurück,
wo er einem möglichen Überlandvormarsch der Union,
den er über
Manassas und Fredericksburg erwartete, entgegentreten wollte.
Westlich der „Blauen
Berge", im Shenandoah-Tal,
war es Major General Jacksons Aufgabe, der mit seiner kleinen Streitmacht
(ca. 4´500 Mann in 3 Brigaden) nach wie vor bei Winchester lag,
die kritischen Pässe durch das Blue-Ridge-Gebirge zu decken, um
zu verhindern, daß McClellan aus dem „Valley" umfangreiche
Verstärkung erhielt (ca. 25´000 Mann unter Major General
N. P. Banks), die Johnston frontal angreifen, oder gar schlimmer, in
die
linke Flanke fallen konnten.
Simultan
zu Johnstons Bewegung leitete Jackson am 11. März 1862
seinen Rückzug entlang der „Valley Pike" ein, wobei
ihn der Weg über Strasburg, Woodstock und schließlich
nach Mt. Jackson führte, wo er am 20. März eintraf. Banks
folgte auf dem Fuße und steuerte die Gebirgspässe an,
in Richtung Centreville/Manassas. Zurück blieben 11´000
Mann unter Brigadier General James Shields, der bei Kernstown, zwei
Meilen
südlich
von Winchester, in einer verdeckten, starken Position stand und die
Bewegungen Jacksons observieren sollte.
Jackson, der ein Abschwenken der Yankees durch die Pässe nicht
hatte verhindern können, wurde am 21. März von seinem Kavallerieführer,
dem schillernden Colonel Turner Ashby, über den nahezu völligen
Abzug der Nordstaatler aus dem Winchester-Areal unterrichtet. Aufgrund
dieser Information beschloß „Stonewall", die Initiative
zu ergreifen und die in Kernstown stehenden Yankeetruppen in der
Flanke und im Rücken anzugreifen. Er glaubte, irregeführt
durch Ashbys nachlässige Aufklärungsarbeit, lediglich mit
einem schwachen „Nachhutkontingent" konfrontiert zu werden,
handelte es sich doch um Shields volle Division. In einem aufreibenden
Eilmarsch
begab sich Jackson mit 3´500 Effektiven nach Kernstown, wo
er am 23. März 1862 die numerisch weit überlegenen Nordstaatler
angriff.
Diese
brachten ihm in einem auf und ab wogenden, wütenden
Gefecht, das von Verwirrung geprägt war, eine bittere taktische
Niederlage bei. Auf der Rechten und am Zentrum hart bedrängt,
sah sich Jackson unter Rücklassung mehrerer Wagen und Geschütze
zum Rückzug
gezwungen. Freeman:
„ Die Schuld lag nicht bei seinen (Jacksons)
Truppen oder seiner Taktik, sondern an seinen Informationen und
Rekognoszierungen.
Es war Jacksons einzige Niederlage.
„Sogar in der Niederlage wurden bestimmte strategische Vorteile für
die konföderierte Sache gewonnen. Shields ... überschätzte
die feindlichen Truppen in Kernstown stark. Er glaubte, daß eine
so bösartige Attacke nicht von weniger als 11 000 Konföderierten
geführt werden konnte. Als so aufgeblasene Zahlen Washington
erreichten, wurden neue Entscheidungen im Hinblick auf das Shenandoah-Tal
getroffen.
Banks wurde zurückgerufen, und bald wurde ein vollständiger
Truppenwechsel eingeleitet, der Zehntausende von Männern von
McClellan abzog, die dieser glaubte, bei der Einnahme Richmonds
zu benötigen
...
Unbeeindruckt von seinem taktischen Desaster in Kernstown,
blickte Jackson in die Zukunft. Seine Armee war geschlagen, aber
unbesiegt
in ihrem Geist."
Shenandoah 1862 - Jacksons
strategisches Meisterstück
Die
großangelegte Überlandoffensive der Föderierten,
die Johnston vermutet hatte, blieb aus. Der brillante McClellan hatte
einen Alternativplan entworfen, „großartig in der Konzeption",
am Ende „aber bedeutungslos in der Ausführung-`), dem die
Lincoln-Administration nur zögerlich zugestimmt hatte.Ende
März 1862 landete der US-General mit 105´000 Mann der Army
of the Potomac bei Fort Monroe, auf der südlichsten Spitze der
Yorktown-Halbinsel, was McClellan, der zudem über eine sichere
Nachschublinie über Wasser verfügte, durch Nutzung des James
und York Rivers die Möglichkeit eines doppelten strategischen
Flankenangriffs eröffnete.
"Stonewall"
Jackson, gemalt von einem seiner Soldaten während der Shenandoah
- Kampagne
Allerdings
hatte McClellan versäumt, der Regierung in Washington,
die um den Schutz der Hauptstadt besorgt war - nicht zuletzt wegen
Jacksons auffälliger Aktivitäten-ausführlich darzulegen,
warum nur wenige CSA-Generäle, und schon gar nicht der übervorsichtige
Joe Johnston, eine vorübergehende Besetzung Washingtons für
den permanenten Verlust Richmonds eintauschen würden. Resultat
war, daß rund 35´000 Mann unter Major General Irvin McDowell
südwestlich von Washington bis auf weiteres zurückbehalten
wurden.
Weiterhin verfügte die Union im Shenandoah-Tal und in West Virginia über
noch weitere ca. 30´000 Mann, die Banks und Major General
John C. Fremont unterstellt waren. Letzterer war mit der Vorbereitung
einer Invasion
von East-Tennessee betraut worden.
Gegen
Johnstons Einwände, der
auf eine strategische Flankierung hinwies,
wurde die Confederate Army of the Potomac auf Anordnung der Regierung
zur Halbinsel transferiert, um McClellans Vormarsch aufzuhalten.
Anfang Mai 1862 jedoch leitete Johnston ziemlich eigenmächtig
den Rückzug ein, mit der Absicht, seine Streitkräfte (ca.
55´000 Mann) in und um Richmond zu konzentrieren. Wie vor Yorktown
bereits, rechnete er mit langwierigen Belagerungsoperationen der
Union, weniger glaubte er an einen direkten Angriff McClellans. Dieser
stand Ende Mai 1862 nur noch 6 Meilen vor der südlichen Hauptstadt.
Es
war kein geringerer als General Robert E. Lee, Präsident
Davis' militärischer Berater, der das Konzept einer strategischen
Diversion im Shenandoah-Tal entwarf, mit dem agilen „Stonewall" Jackson
als dem durchführenden Offizier. In wenigen Worten ausgedrückt,
bestand Jacksons Mission darin, umfassende Streitkräfte der
Union im „Valley" zu binden, das heißt, zu „neutralisieren" und
den Aufbau einer zweiten Front gegen Richmond möglichst zu verhindern.
Eine äußerst schwierige Aufgabe.
Am 30. April 1862 wurde Jackson, der bei Swift Run Gap lagerte,
durch die Division von Major General R. S. Ewell verstärkt, was seine
Effektivstärke auf ca. 17´000 Mann brachte. Jackson ergriff
sofort die Initiative. Seine Bewegungen waren schnell und derart „geheim",
daß selbst ein irritierter Ewell einmal explodierte:
„ Ich
sage Ihnen, Sir, er (Jackson) ist verrückt wie ein März-Hase!")
Am
3. Mai 1862 verlud Jackson seine Truppen in Charlottesville auf
Eisenbahnwaggons und brachte sie westwärts nach Staunton und
von dort aus weiter nach McDowell, Richtung Allegheny Mountains,
wo Fremonts „Army of the Mountain" lokalisiert war. Bei
McDowell schlug er einen Teil von Fremonts Truppen und drängte
sie nach Westen ab, kehrte um und marschierte nordöstlich ins „Valley" nach
Harrisonburg zurück, wo er General Banks „aufs Korn nehmen" wollte,
der jüngst Weisung erhalten hatte, zu McClellan zu stoßen.
Dieser Schachzug mußte unbedingt vereitelt werden.
Jackson entsandte den kompetenten Ewell mit seiner Division nach
Norden ins Luray Valley, während er sich weiter auf der Westseite
der Massanutten Mountains vorwärtsbewegte, parallel zu Banks
Unionstruppen, die sich in Strasburg eingegraben hatten. Banks glaubte,
Jacksons Hauptstoß würde südlich von Strasburg, entlang
der „Valley Pike" erfolgen. Doch dies war nur eine Finte.
Denn bei New Market
schwenkte Jackson plötzlich durch einen Gebirgspass nach Nordosten
ab, überquerte die Massanutten Range und vereinigte sich erneut
mit Ewells Einheiten. Am 23. Mai 1862 überwältigte die „Army
of the Valley" ein schwaches Detachment von Banks Armee bei
Front Royal.
Mit
dem tüchtigen Jackson zwischen ihm und Washington
begann ein ängstlich gewordener Banks sich nach Norden zurückzuziehen.
Jackson beschloß, dem Yankee-General den Weg abzuschneiden.
Den ganzen 24. Mai, Tag und Nacht, trieb Jackson seine „Fußkavallerie" an
und griff Banks, der bei Winchester mit 6´000 Mann Stellung bezogen
hatte, am Morgen des 25. Mai 1862 südlich und westlich der
Stadt an. Die Unionstruppen kämpften hinhaltend und konnten
einige Angriffe der Rebellen abwehren.
US-General Nathaniel Prentiss Banks
Am
Ende zerbrachen Banks Formationen, und die Nordstaatler flüchteten
heillos nach Maryland, nachdem sie bei Williamsport den Potomac
River überquert
hatten. Eine wirksame Verfolgung der Yankees war unter den gegebenen
Umständen kaum möglich, da die Infanterie erschöpft
war und die undisziplinierte Kavallerie Ashbys es vorzog, zu
plündern.
Tatsächlich fiel Jackson eine dicke Beute in die Hände.
Neben Verpflegungen und anderem Kriegsmaterial erbeuteten die
Konföderierten
9´000 Gewehre und machten 2´000 Gefangene.
Banks erschreckende Niederlage rief im Norden Panikstimmung
hervor und alarmierte die Regierung in Washington. Präsident Lincoln
forderte von seinen Generälen die „Einkesselung" und
Ausschaltung von Jacksons Truppen. Er befahl Fremont, von Süden
gegen Jackson vorzurücken. Banks sollte seine Armee kurzfristig
reorganisieren und dem Rebellengeneral in den Rücken fallen,
während General McDowell - der nach langwierigen Diskussionen
nun doch den Befehl erhalten hatte, eine Vereinigung mit McClellans
Armee vor Richmond herbeizuführen - seinen Vormarsch über
Fredericksburg einstellen mußte, um 20´´000 Mann seiner „Army
of the Rappahannock" freizustellen, die Jackson von
Osten in die Flanke fallen sollten.
Lincolns Plan war wohldurchdacht. Der Erfolg seiner Strategie
hing jedoch entscheidend von der Kooperationsbereitschaft der
verantwortlichen
Kommandeure und der Schnelligkeit ihrer Bewegungen ab. Es mangelte
an beidem, wie sich im Endeffekt herausstellte.
Nach
einer Demonstration gegen Harper's Ferry marschierte Jackson in Eilmärschen
nach Süden, um den konvergierenden feindlichen Kolonnen
und der eminenten Gefahr, durch Flankenangriffe aufgerieben zu werden,
zu entkommen. Vom 30. Mai bis zum 8. Juni 1862 verfolgte Fremont
den Rebellengeneral entlang der „Valley-Pike" und General
Shields, McDowells Untergebener, jagte östlich der Massanutten-Kette
den Konföderierten hinterher. Unterwegs fanden erbitterte Nachhutgefechte
statt. Brigadier General Turner Ashby wurde am 6. Juni 1862 bei Harrisonburg
getötet.
Jackson gewann das Rennen und erreichte als erster bei Port Republic
die einzige passierbare Brücke über den Shenandoah River,
die er sofort besetzen ließ. Allerdings waren die beiden Yankee-Armeen
schließlich nur noch durch den Fluß voneinander getrennt,
mit den Südstaatlern dazwischen.
Von Jackson vom Gros der Armee detachiert, hatte Ewell am 8. Juni
mit dem numerisch überlegenen, aber wenig energischen Fremont
nördlich von Port Republic bei Cross Keys ein heftiges Gefecht
zu bestehen. Ewell konnte wiederholte Angriffe Fremonts abwehren
und diesen mehrere Meilen zurückwerfen. Fremonts schwache Anstrengungen
brachten Jackson auf einen kühnen Plan. Er beließ ein
schwaches Kontingent von Ewells Division in Fremonts Front, um seine
restlichen Kräfte gegen Shields zu konzentrieren. Nach dessen Überwältigung
beabsichtigte er, sich erneut auf den „Pfadfinder" zu
stürzen.
Jackson
und Ewell gemeinsam vermochten zwar, Shields zäh ringende
Truppe in der Schlacht von Port Republic zurückzutreiben,
doch der geplante Angriff auf Fremont, der sich nicht gerührt
hatte, erwies sich für die erschöpfte Südarmee als
zu anstrengend. Beide Seiten zogen ihre Einheiten zurück und
gruppierten sich um. Noch in der Nacht zum 10. Juni 1862 passierte
Jackson Brown's
Gap und verschwand mit seinen „Unbesiegbaren" in die
Blue Ridge Mountains. Sein strategisch brillanter Feldzug, der
ohne die
großartigen taktischen Erfolge nicht so erfolgreich ausgefallen
wäre, war damit praktisch beendet.
General R. E. Lee, „geistiger Vater" der Shenandoah-Diversion,
erkannte, was die Stunde geschlagen hatte. Erfüllt von Dankbarkeit
und Bewunderung drahtete er an den siegreichen „Stonewall": „Ihr
Erfolg begründet die lebhafteste Freude in dieser Armee ebenso
wie im Land."
Auch General Ewell meinte anerkennend: „Ich nehme alles zurück und
werde nie mehr einen anderen Mann vorverurteilen. Old Jack ist kein
Narr. Er weiß seine Gedanken für sich zu behalten,
und er unternimmt merkwürdige Sachen, aber sein Wahnsinn hat
Methode."
„
Jacksons Valley-Kampagne wurde berühmt und wird noch immer an
Militärschulen als ein Beispiel studiert, wie mit Schnelligkeit
und Nutzung des Terrains eine zahlenmäßige Unterlegenheit
kompensiert werden kann.
CSA
- General „Stonewall” Jackson
Jacksons
Armee von 17´000 Mann manövrierte
drei separate feindliche Truppen mit einer Gesamtstärke
von 33´000 Mann aus und gewann fünf Schlachten.
In allen bis auf eine (Cross Keys) war Jackson imstande,
eine überlegene
Zahl in den Kampf zu werfen. Am Wichtigsten aber: Jacksons
Feldzug hielt
60´000 Unionssoldaten von anderen Aufgaben
ab und unterbrach zwei hauptstrategische Bewegungen - Fremonts
Ost-Tennessee-Kampagne und McDowells Plan, sich mit McClellans
rechtem Flügel vor
Richmond zu verbinden.
Jacksons
Siege im Valley schufen eine Aura von Unbesiegbarkeit um ihn und
seine Fußkavallerie.
Sie setzten die südliche
Tradition des Sieges auf dem virginischen Kriegstheater
fort, die in Manassas begonnen hatte ... Stonewall wurde überlebensgroß in
den Augen vieler Nordstaatler. Er hatte sie psychologisch
in Schach gehalten, und das blieb so bis zu seinem Tod
ein Jahr
später."
Die 7-Tage-Schlacht
Noch
während Jackson im „Valley" mit seinen zweitklassigen
Gegnern „Katz und Maus" spielte, war es am 31. Mai und 1.
Juni 1862 vor den Toren Richmonds zum ersten größeren Waffengang
gekommen, als Joe Johnston versuchte, zwei exponierte Korps von McClellans
Army of the Potomac bei Seven Pines auszulöschen.
Johnston und seine Generäle verpfuschten jedoch, was ein Kritiker
einen „militärischen
Alptraum nannte, eine hervorragend ausgeklügelte Offensivschlacht.
Die Yankees, die unter dem Vorteil der taktischen Defensive kämpften,
konnten die unkoordinierten Angriffe des Feindes parieren und einen
taktischen Sieg verbuchen.
Zu alledem, wurde Johnston schwer verwundet. Präsident Davis übergab
daraufhin am 1. Juni General Robert E. Lee das Kommando über die
Truppen, die in einer Generalorder von ihrem neuen Chef erstmals als „Army
of Northern Virginia" bezeichnet wurden.
Der aggressive und entscheidungsfreudige Lee, der aber als Kommandeur
einer Armee im Felde relativ unerfahren war, beschloß, obgleich
zahlenmäßig unterlegen, in die Offensive zu gehen, bevor
McClellan seine schwere Artillerie zum Einsatz bringen konnte. Ein
spektakulärer Aufklärungs-Raid um die Yankee-Armee herum
(12. bis 16. Juni 1862), angeführt von dem brillanten Reiterführer „Jeb" Stuart,
bestätigte Lees Vermutung, daß der rechte Flügel der
Unionsarmee „in der Luft hing" und daher verwundbar für
eine strategische Flankenbewegung war. Tatsächlich stand das Gros
von McClellans Streitmacht - ca. 70´000 Mann südlich vom
Chickahominy River und ca. 30´000 Mann nördlich davon -
in Erwartung einer bevorstehenden Vereinigung mit McDowell, die aber,
aus den bereits
genannten Gründen, nicht zustande kam.
Lees
kühne Strategie
sah so aus: 25´000 Mann wollte er vor Richmond, südlich
vom Chickahominy, stehen lassen - diese sollten durch Finten und
Demonstrationen die
Yankees in ihrer Front binden -, während
er mit seiner Hauptmacht (ca. 47´000 Mann) nördlich davon
gegen McClellans schwächere Rechte vorging. Zusätzlich
sollte eine Division ins „Valley" detachiert werden, um
den Yankees eine Verstärkung Jacksons zu suggerieren. Gleichzeitig
aber gab Lee dem siegreichen „Stonewall" Order, mit seiner
18´000 Mann starken „Fußkavallerie" in Eilmärschen
(120 Meilen!) zu ihm zu stoßen, da er Jackson die Schlüsselrolle
in seinem riskanten Spiel zugedacht hatte: Jackson sollte nämlich
McClellans ungedeckte rechte Flanke umgehen und die rückwärtigen
Verbindungslinien bedrohen, um den Gegner aus seinen befestigten
Stellungen zu manövrieren, so daß er gezwungen war, im
offenen Feld zu kämpfen.
Jackson brach am 17. Juni 1862 von Weyers Cave auf, nachdem er, ein „Meister
der Propaganda", auf Lees Vorschlag hin alles Erdenkliche getan
hatte, um den Nordstaatlern vorzugaukeln, er beabsichtige weiterhin
im Tal zu bleiben. Banks und Fremont fielen prompt auf die Täuschung
herein und drahteten unter anderem nach Washington: „Jackson
ist mächtig verstärkt worden und auf dem Vormarsch",
oder „Jackson plant einen Angriff im Valley".
Das hatte
den erwünschten Effekt, denn sämtliche US-Einheiten blieben „regungslos" im
Tal zurück. McClellan war auf sich allein gestellt.
CSA-General
Arnold Elzey aus Jacksons Korps. In der 7-Tage-Schlacht wurde er
schwer verwundet.
Ein
erschöpfter
Jackson, der seinen Truppen vorausritten war, die über Hanover
Courthouse und Ashland marschierten, konferierte am 23. Juni 1862
mit Lee und seinen führenden Generälen
in Richmond. „Stichtag" für die Großoffensive,
die bei Morgengrauen von Jackson eingeleitet werden sollte,
war der 26. Juni 1862.
Lees originärer Plan gelangte aber nicht zur Ausführung,
da Jackson zum einen den verabredeten Zeitplan nicht einhalten konnte,
und zum anderen den Unternehmungsgeist eines „Schlaftrunkenen" an
den Tag legte. Denn während sich die Divisionen von A. P. Hill,
Longstreet und D. H. Hill bei Mechanicsville, Ellison's Mill und Beaver
Dam Creek in furchtlosen Frontalvorstößen „blutige
Köpfe" holten, lagerte Jacksons „Army of the Valley" bei
Hundley's Corner, in Hörweite des Geschützdonners, nur drei
Meilen nördlich von Mechanicsville. Trotz der erklärbaren
Verzögerung hätte Jackson noch immer die Möglichkeit
gehabt, die rechte Flanke des Feindes zu umgehen, so wie es Lees Strategie
vorgesehen hatte. Statt dessen schickte er seine Männer
ins Biwak. Was war los mit Jackson?
Jacksons enttäuschendes Abschneiden im Sieben-Tage-Feldzug, das
gekennzeichnet war durch eine schwer erklärbare Passivität,
markierte wohl einen Tiefpunkt in seiner glänzenden militärischen
Laufbahn. Kurioserweise gab es eine Legion von Zeitgenossen, die
in dem Glauben befangen waren, gefördert durch irreführende
Presseberichte, Jackson gebühre das Hauptverdienst für
den schließlich erfolgreichen Ausgang der Kampagne, und
nicht Lee.
Erst
in der Nachkriegs-Ära haben Jacksons lethargische
Bewegungen allgemein kritische Würdigungen erhalten. Aber
auf was waren diese denn nun zurückzuführen?
„
Keine einzige Erklärung für Jacksons Lethargie ist befriedigend.
Unions-Kavallerie hatte seinen Vormarsch gestört. Nordstaaten-Holzfäller
hatten Bäume geschlagen und über die Straße gelegt
und Brücken über Bächen verbrannt.
Aber Jacksons Fußkavallerie
hatte solche Dinge im Valley beiseite gefegt,• warum behinderten
sie sie jetzt? Die beste Antwort scheint Erschöpfung zu sein,
die Müdigkeit der Männer, die die knochenschüttelnde „Start-und-Stop"-Reise
auf südstaatlichen Eisenbahnen ausgehalten hatten, gefolgt von
Märschen in ungewohnter Hitze des Tieflandes, bevor sie sich von
den Anstrengungen ihrer Valley-Kampagne hatten erholen können,
und am bedeutsamsten die Müdigkeit Jacksons (!!).
Er schien mehr
als eine durchschnittliche Menge Schlaf zu brauchen und hatte
dennoch in den vergangenen Tagen nach sechs Wochen Anspannung im Valley
nur wenige Stunden ruhen können. Jackson litt wahrscheinlich daran,
was wir heute Streß und Übermüdung nennen würden.
Intolerant gegenüber den Schwächen anderer, weigerte er sich,
sie an sich selbst zu erkennen oder etwas dagegen zu tun - bis er kollabierte
und in einer kritischen Zeit während der Sieben-Tage-Kämpfe
in einen unplanmäßigen Schlaf fiel."
Ein
Zeitgenosse Jacksons kommentierte mokant:
„
Meine eigene Erklärung
dieser Angelegenheit ist, daß' er (Jackson) dachte, daß Gott
seine eigenen kleinen Irrtümer leicht wieder ausgleichen und
uns den Sieg ohnehin geben würde."
Brigadier General F. J. Porter, McClellans Flügelkommandeur auf
der Rechten, der die Gefahr einer Umgehungsbewegung erkannt hatte,
brachte in der Nacht zum 27. Juni seine Einheiten in eine vorzügliche,
halbkreisförmige Defensivposition hinter Boatswain Swamp bei Gaines'
Mill. Diese ging Lee am nächsten Tag frontal an. Die Angriffe
waren erneut zusammenhanglos. Auch Jackson, der sich schließlich
auf dem linken Flügel einfand, fiel wiederum durch Trägheit
auf. Erst gegen Abend gelang Lee eine Koordination seiner Streitkräfte.
Es kam zum Durchbruch und Porter mußte seine Stellungen aufgeben.
Der im Felddienst unfähige George B. McClellan - „wenn
er in den Krieg zog (war er) ... besessen von Dämonen und Wahnvorstellungen", hielt
den Feind wie gewöhnlich für doppelt so stark und
verlor im Angesicht von Lees Angriffslustigkeit den Mut zum Kämpfen.
Er befahl einen „strategischen Rückzug" nach Harrison's
Landing am James River, wo er seine neue Operationsbasis zu errichten
gedachte.
CSA-General
William Taliaferro (links sitzend) mit Virginia-Offizieren. Jackson
mochte ihn nicht und beklagte,
daß sein "höchst effizientes Korps
durch einen Ineffizienten Offizier Schaden" litt.
Während
McClellan sich zurückzog, versuchte Lee,
ihn in den Flanken zu fassen. Lee verstand gekonnt zu improvisieren,
aber seine
komplizierten Schlachtpläne waren für seinen primitiven
Stab und seine zum Teil überforderten Generäle einfach
zu anspruchsvoll. Hinzu kamen unzuverlässiges Kartenmaterial
und geographische Hindernisse.
Seine
Versuche, koordinierter konzentrischer Bewegungen, die in den
Gefechten von Savage's Station (29. Juni) und White Oak
Swamp (30. Juni) kulminierten, waren nur partiell erfolgreich. An
letzterem
Gefecht hatte Jackson, der nach wie vor glanzlos agierte,
keinen Anteil. Denn
als US-Artillerie den Bau einer Brücke über den White
Oak Swamp behinderte, legte er sich schlafen, die Hinweise seiner
Offiziere ignorierend, die eine für Infanterie passierbare
Furt entdeckt hatten.
Clifford Dowdey beurteilte Jacksons
Versagen als „vollständig, katastrophal
und unabwendbar". Jackson
war nicht er selbst.
Die
Schlacht der 7 Tage endete am 1. Juli 1862, als Lees Sturmkolonnen
bei Malvern Hill in einem
sinnlosen Angriff
von der Yankee-Artillerie
in Stücke geschossen wurden. General D. H. Hill: „Das
hatte nichts mehr mit Krieg zu tun - es war Mord!
Zwar
befürworteten
einige seiner Generäle einen Gegenangriff,
doch McClellan, völlig entnervt, ordnete einen endgültigen
Rückzug nach Harrison's Landing an. Die noch intakte Unionsarmee,
aber in erster Linie McClellan, war geschlagen.
Aufgrund Jacksons schwacher Leistungen, schlechter Stabsarbeit
und dem Versagen anderer Generäle, verschlimmert durch die Unkenntnis
der topographischen Gegebenheiten, hatte sich Lees brillanter Operationsplan
einer strategischen Flankierung, ergänzt durch andere vielversprechende
Entwürfe, zu einer Folge schlecht koordinierter, kostspieliger
Frontalangriffe (ca. 26 000 Mann = 30 %) entwickelt, die allesamt in
taktischen Niederlagen endeten - den Durchbruch bei Gaines' Mill ausgenommen.
Trotz allem war Lees verlustreiche Offensive ein großer Sieg
für den Süden und, strategisch gewertet, ein überragender
Erfolg. Er veränderte den Verlauf des Krieges entscheidend.
In
seinem offiziellen Bericht lamentierte der „Retter der Konföderation": „Unter
normalen Umständen hätte die Unionsarmee vernichtet sein
müssen!"
Cedar Mountain
Es gibt keine Aufzeichnungen,
aus denen hervorgeht, daß Lee,
die Toleranz in Person, Jackson wegen seiner tadelnswerten Vorstellung
Vorwürfe bereitet hätte. Sollte Lee am Ende des Feldzuges
irgendwelche Bedenken gehabt haben, mögen diese vielleicht in
die Richtung gegangen sein, ob Jackson auch dazu in der Lage war, seine
soldatischen Kapazitäten in einer subordinierten Position voll
zu entfalten.
Jackson selbst hat seine saumseligen Taktiken nie als „Versagen" angesehen,
niemals auch nur angedeutet, weder verbal noch schriftlich. In seinem
offiziellen Bericht über den 26. und 27. Juni 1862 tat er so,
als sei alles nach Plan verlaufen, sprach stolz von der heroischen
Teilnahme seiner Truppen am Gaines'-Mill-Gefecht und war auch sonst
um keine Erklärungen verlegen, als es darum ging, sein dubioses
Verhalten zu rechtfertigen.
Jeff
Shields, "Stonewall" Jacksons treuer Koch. Er machte alle Feldzüge
mit.
Nach
den „Seven Days" reorganisierte Lee die Army of Northern
Virginia. Unbrauchbare Generäle wurden versetzt und die Armee
inoffiziell in zwei „Korps" eingeteilt, um eine effektivere
Führung und eine straffere Kontrolle und Koordinierung der Truppenbewegungen
zu erreichen. Aus staatenrechtlichen Gründen war die Formierung
von Divisionen zu Korps zwar verboten, aber Lee umging dieses Gesetz,
indem er seine „informellen Korps" offiziell als „Kommandos" oder „Flügel" bezeichnete.
Jacksons „Kommando" bestand
zunächst aus den Divisionen
von R. S. Ewell und C. S. Winder, später ergänzt durch
A. P. Hills Division; Major General James Longstreets Kommando bildete
sich aus 5 Divisionen: R. H. Anderson, D. R. Jones, C. M. Wilcox,
J.
B. Hood und J. L. Kemper. Die Kavallerie unterstand General Stuart.
Ende
Juni 1862 hatte die Lincoln-Administration eine „Army of
Virginia" (ca. 55´000 Mann) unter dem großmäuligen
Major General John Pope südwestlich von Washington konzentriert.
McClellan, in einer starken Defensivposition, geschützt von
den Kanonenbooten der Navy, lag weiterhin bewegungslos am James
River.
General
Lee sah aus strategischen und logistischen Gründen
in Pope eine Bedrohung für seine Verbindung mit dem wirtschaftlich
ertragreichen Shenandoah-Tal. Er beschloß daher, in einer
begrenzten Offensive gegen den schwächeren Pope vorzugehen,
zumal dieser im offenen Feld leichter zu überwältigen
war.
Am
13. Juli 1862 entsandte Lee „Stonewall" mit
13´000
Mann nach Gordonsville - am 27. Juli durch 12 000 Mann unter
A. P. Hill
verstärkt -, mit der Mission, den dortigen Eisenbahnknotenpunkt
zu decken und die Bewegungen des Feindes zu observieren. Nach
forcierten Märschen erreichte Jackson am 19. Juli Gordonsville.
Am 7. August ging es weiter, über den Rapidan River nordwärts
nach Orange Courthouse. Drei Meilen südlich von Culpeper
stieß Jackson
am 9. August am Cedar Mountain auf die Vorhut von Popes Armee,
ca. 8´000 Mann aus dem II. Korps von Major General N.
P. Banks, „Old
Jacks" altem Shenandoah-Widersacher.
Obgleich
Jackson seine Kräfte
noch nicht konzentriert hatte und er über die Dispositionen des Feindes nicht eindeutig im Bilde war, griff
er gegen 16 Uhr voreilig an. Ewell und Winder, der fiel, gelangten
gut voran und drängten den Feind zurück. Banks, der Verstärkungen
erwartete, organisierte einen vehementen Gegenangriff auf den,
durch taktische Fehler bedingt, exponierten linken Flügel
der Rebellen, der eingedrückt und aufgerissen wurde. Ewell
konnte seine Stellungen halten.
In diesem kritischen Augenblick preschte Jackson, was uncharakteristisch
für ihn war, auf seinem Pferd „Little Sorrel" nach
vorn, eine „Battle Flag" und später seinen Säbel
schwingend, eine „Jacksonsche Rarität", und rief:
„ Sammeln,
tapfere Männer, und dringt vorwärts! Euer General wird euch
führen! Jackson wird euch führen! Folgt mir!"
Ein
Soldat berichtete: „Jackson ist üblicherweise ein
mittelmäßig und schlaff aussehender Mann, aber seine ganze
Person änderte sich. Sein Gesicht war erleuchtet von der Inspiration
des Heroismus!"Jackson erschien nach seinen enttäuschenden
Leistungen im Sieben-Tage-Feldzug wieder zu neuem Leben erwacht
US-General
John C. Frèmont, bekannt als Entdecker, als General glücklos. Er
war "Stonewall" Jackson nicht gewachsen.
„Stonewall" reformierte
seine desorganisierten Linien auf der Linken, und unterstützt
von A. P. Hills Division, die sich im Anmarsch befand, konnten die
hinhaltend kämpfenden Yankees, denen dank
Banks' Nachlässigkeit die Verstärkungen ausblieben,
gegen Abend zurückgeworfen werden. Von Hill anfänglich
verfolgt, trat Banks den Rückzug an.
Unter
einem Verlust von 1´350 Mann konnte Jackson den Sieg
für
sich in Anspruch nehmen, da er im Besitz des Schlachtfeldes
blieb. Daß er seine Truppen fehlerhaft aufgestellt,
die Gefahr auf der Linken nicht sofort erkannt und die
Aggressivität
des zahlenmäßig
weit unterlegenen Feindes unterschätzt hatte, rangierte
am Ende der Second-Manassas-Kampagne nur noch als unbedeutendes
Postskriptum.
Second Manassas
Am
13. August 1862 gingen in Lees Hauptquartier erste stichhaltige Informationen
darüber ein, daß McClellans Armee im Begriff
war, teils oder gar völlig von der Halbinsel abgezogen zu werden.
Wenn sich McClellan mit Pope in Nordvirginia vereinte, würde das
bedeuten, Lee hätte es mit 130´000 Yankees zu tun, die von
Norden auf Richmond
marschieren würden. Lee dachte zunächst an ein Täuschungsmanöver,
doch erwies sich seine Einschätzung der Absichten des US-Oberkommandos,
das um die Sicherheit von Popes Armee fürchtete, letztlich als
korrekt.
Da
er nach wie vor um seine „Versorgungsbasis" südlich
vom Rappahannock River besorgt war, die von Pope bedroht wurde, entschied
Lee, seine Armee in schnellen Schüben unter Ausnutzung des Vorteils
der inneren Linien gegen Pope zu konzentrieren, während McClellan
mit der Evakuierung der „Peninsula" beschäftigt war.
Unter Rücklassung von ca. 25´000 Mann zum Schutz der Hauptstadt
marschierte Lee mit Longstreets Kommando (ca. 30´000 Mann) nach
Gordonsville, wo er sich am 15. August 1862 mit Jackson vereinigte.
Als Lee erfuhr,
daß Pope, der nördlich vom Rappahannock River stand, Verstärkungen
erhalten hatte und weitere von der Potomac-Armee erwartete, sah er
den Augenblick des Handelns gekommen.
Wie
im Sieben-Tage-Feldzug sah Lees Plan eine strategische Umgehungsbewegung
vor, mit der Popes rückwärtige
Kommunikationslinien in Gefahr gebracht und der verhaßte Unions-General
zum Rückzug gezwungen
werden sollte. In diesem Fall jedoch wollte Lee ursprünglich eine
allgemeine Schlacht vermeiden. Ihm ging es vordergründig darum,
den Feind durch bloßes Manövrieren zur Aufgabe Nordvirginias
zu zwingen.
Nach einer Reihe inkonsequenter strategischer und taktischer Manöver
schritten Lee und seine Offiziere am 25. August 1862 zur Durchführung
des tollkühnen strategischen Konzepts, das eine Teilung der Armee
vorsah - nach militärischen Lehrbüchern eine eklatante Verletzung
des Prinzips der Konzentration.
„
Aber Lee glaubte, daß der Süden niemals durch das Befolgen
von Maximen gewinnen konnte. Sein ... Benehmen verbarg die Dreistigkeit
eines geschickten Spielers, der bereit war, alles auf eine Karte zu
setzen. Der sture Presbyterianer, der gleichermaßen das Herz
eines Spielers in sich trug, war der Mann, der Lees Strategie ausführte
..., weil Jackson sich von der Trägheit am Chickahominy wieder
zum „Gladiator des Valley" gewandelt hatte."
In einem der großartigsten Märsche des Bürgerkrieges
bewältigten Jacksons Männer fünfzig Meilen in nur zwei
Tagen, als sie Popes rechte Flanke in einer weit ausholenden Bewegung
umgingen.
Am 27.
August 1862 fielen die hungrigen und erschöpften Konföderierten über
die exponierte Hauptnachschubbasis der Yankees bei Manassas Junction
her und erbeuteten oder vernichteten riesige Mengen an Munition,
Verpflegung und sonstigen Kriegsgütern.
Noch in der Nacht gab Jackson den Befehl zum Weitermarsch und bezog
eine Defensivpostition entlang einer bewaldeten Hügelkette nördlich
der Warrenton Turnpike. General Pope war mittlerweile vollauf damit
beschäftigt, herauszufinden, wo sich der schlüpfrige Jackson
aufhielt. Den ganzen 28. August waren Popes Generäle auf der Suche,
zunächst ohne Erfolg, verschlimmert durch verwirrende und widersprüchliche
Befehle ihres Oberkommandierenden. Erst gegen Abend kreuzte die legendäre „Eiserne
Brigade" Jacksons Weg, und es entbrannte ein wütender „Stand-up-Fight",
die Schlacht von Groveton, in der beide Seiten hohe Verluste erlitten.
John Pope besann sich darauf, seine Streitkräfte gegen Jackson
zu konzentrieren. Dabei übersah er jedoch Longstreets Kommando,
das Jackson gefolgt war und von Westen her das strategisch wichtige,
vom US-Oberkommando vernachlässigte Thoroughfare Gap passiert
hatte. Am 29. August warf der von der Army of the Potomac verstärkte
Pope seine Divisionen in taktisch zusammenhanglosen Einzelangriffen
gegen Jacksons Veteranen, die sich hinter der Böschung einer unfertigen
Eisenbahnlinie verschanzt hatten.
US-General
Fitz John Porter
Sechs
Angriffe wurden abgewehrt. Auf der Unionslinken weigerte sich
General F. J. Porter anzugreifen,
auf die Präsenz von Longstreets Truppen hinweisend, die sich rechts
von Jackson eingefunden hatten, so daß die konföderierte
Schlachtlinie eine Art rechten Winkel bildete.
In der Nacht zog Lee diverse Einheiten zurück, um seine Linien
zu kürzen. Pope mißdeutete diesen Schritt und glaubte an
einen „Rückzug" der Südstaatler. Am Morgen des
30. August nahm er die „Verfolgung" auf und ging erneut „Stonewalls" Kommando
an, das wie am Vortag dem Ansturm der Yankees wacker standhielt. Schließlich
griff auch Longstreet ins Kampfgeschehen ein und fiel der Unionsarmee
mit aller Wucht in die linke Flanke. Popes Linien zerbrachen. Er zog
sich in verhältnismäßig guter Ordnung nach Centreville
zurück, wo er seine Armee am 31. August umgruppierte. Lees Versuch,
Popes rechte Flanke zu umgehen, eine von Jackson durchgeführte
Bewegung, mißlang und endete in dem taktisch unentschiedenen
Gefecht von Chantilly (Ox Hill).
Ein
Kritiker schrieb verächtlich:
„Pope
wurde getreten, gestoßen, getrieben, niedergeschlagen, überrannt.
Er wurde zertrampelt wie es selten in der Geschichte des Krieges geschehen
ist."
Und Jackson hatte maßgeblichen Anteil daran gehabt.
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