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© 1991 by VERLAG FÜR AMERIKANISTIK D. KUEGLER, 25931 Wyk auf Foehr
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© NORD & SÜD, Stefan Papp, jr., General Thomas J. Jackson - Militärische Biographie -
Veröffentlichungen: United States Army Center of Military History
sowie zeitgenössische Dienstvorschriften der United States Army

CSA - General  Thomas J. „Stonewall” Jackson
Militärische Biographie


CSA - General „Stonewall” Jackson


Seite 3

 

 

Der Maryland-Feldzug

„Wir können es uns nicht leisten, untätig zu sein", hatte Lee kurz nach Second Manassas an Präsident Jefferson Davis geschrieben, „und obwohl wir schwächer als unsere Gegner sind ... müssen wir bemüht sein, sie fortwährend zu beunruhigen, wenn wir sie nicht zerstören können."
Lees heranreifende Strategie war dreifach: Von einer Invasion des Nordens versprach er sich, das vom Krieg gezeichnete Zentral-Virginia in der Erntezeit zu entlasten, Tausende von Rekruten im Grenzstaat Maryland für die Sache des Südens anzuwerben und durch einen eventuellen Sieg über die Union auf deren eigenem Boden eine Anerkennung der Konföderation durch die europäischen Mächte zu erreichen.
Colonel Bradly T. Johnson

Colonel Bradly T. Johnson, Kommandeur des I. Maryland-Regiments. Ausgezeichnet bei Front Royal.

Bereits am 7. September 1862 hatte Lee seine siegreiche Army of Northern Virginia in Frederick, Maryland, konzentriert. Wiederum beabsichtigte er eine Teilung seiner Kräfte: Gedeckt durch die South Mountain-Kette, wollte er seine Truppen nach Pennsylvania führen. Um eine Nachschubverbindung mit dem fruchtbaren ShenandoahTal herzustellen, entsandte er Jackson nach Harper's Ferry, die strategisch bedeutsame Eingangspforte ins „Valley", die offen gehalten werden mußte. Dies bedeutete, Jackson mußte die dort stationierte Garnison ausschalten, um somit Lee den Rücken freizuhalten und einer Bedrohung der konföderierten Nachschublinie vorzubeugen. Nach der Einnahme von Harper's Ferry sollte sich Jackson für den geplanten Marsch nach Norden mit Longstreet wiedervereinigen.

Lee glaubte, sein gewagtes Konzept realisieren zu können, das heißt, eine Rekonzentration zu schaffen, bevor seine Streitkolonnen von der Army of the Potomac eingeholt werden konnten.

Seit dem 2. September 1862 stand der diskreditierte General McClellan wieder an der Spitze der US-Streitmacht in Virginia. Pope war versetzt worden. Von Natur aus übervorsichtig, bewegte McClellan, der über den Verbleib der Konföderierten unwissend war, seine reorganisierte Armee in nordwestliche Richtung, Washington und Baltimore deckend.

 

Am 13. September 1862 fiel McClellan unter mysteriösen Umständen Lees „Spezialbefehl Nr. 191" in die Hände, der ihm sämtliche feindliche Truppenbewegungen offenbarte. McClellan ließ sich allerdings durch einen zu umständlichen und zu langsamen Aufbau seiner Kräfte die einmalige Chance entgehen, Lees Armee vereinzelt zu schlagen.

Lee erfuhr innerhalb von 24 Stunden von dem Mißgeschick, das seiner Armee zugestoßen war. Zunächst beschloß er, über den Potomac zurückzugehen, da seine zerstreute Armee nicht zur Schlacht bereit war: Longstreet stand mit 2 Divisionen bei Hagerstown, 20 Meilen südlich von Frederick, Jackson befand sich auf dem Weg nach Harper's Ferry, unterstützt von 2 weiteren CS-Divisionen, während D. H. Hills Division und Stuarts Kavallerie die strategisch vitalen Pässe am South Mountain besetzt hielten, die am 14. September 1862 heiß umkämpft wurden.
Bei Crampton's Gap gelang der Union zwar der Durchbruch, aber der kommandierende US-Abschnittskommandeur blieb unbegreiflicherweise dort stehen, obwohl McClellan ihm befohlen hatte, die bedrohte Festung Harper's Ferry zu entsetzen.
Lee sah seinen Plan wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Ein Rückzug nach Virginia schien unvermeidbar. Aber dann beschloß er, sich doch zur Schlacht zu stellen: Denn Jackson hatte Harper's Ferry genommen.
Die Südstaatler hatten sich auf drei verschiedenen Routen Harper's Ferry genähert. Am Abend des 13. September befand sich Major General Lafayette McLaws Division auf den Maryland Heights, einer Anhöhe direkt gegenüber der kleinen Stadt, und Brigadier General John G. Walkers Division hatte sich östlich der Stadt auf den Loudon Heights postiert. „Stonewall", der den Oberbefehl über die Operation führte, schloß die Falle mit seiner dritten Kolonne, die aus Martinsburg anmarschiert war.
Die Nordstaatler, befehligt von Colonel Dixon S. Miles, befanden sich in einer ausweglosen Situation. Von den Rebellen eingeschlossen, die die umliegenden Höhen besetzt hatten, war die tieferliegende Position der Yankees unhaltbar. Harper's Ferry wurde nahezu kampflos aufgegeben. Lediglich 1´300 US-Kavalleristen vermochten am 14. September auszubrechen und über den Potomac zu entkommen.

Jackson ordnete für den 15. September einen Sturmangriff an. Doch noch bevor das einleitende Artillerie-Bombardement beendet war, in dem Colonel Miles getötet wurde, hißten die Verteidiger die weiße Flagge. 12´000 Mann ergaben sich. Ferner wurden 13´000 Gewehre, 73 Geschütze und weiteres wertvolles Kriegsmaterial erbeutet. Lee, der nach Jacksons leicht erzieltem Erfolg nun doch zu einem „Show-down-fight" mit McClellan bereit war - die Prestigefrage spielte hierbei eine entscheidende Rolle sowie auch diplomatische und öffentliche Notwendigkeiten -, begann seine Armee in fieberhafter Eile westlich des Antietam Creek, östlich von Sharpsburg, Maryland, am 15. und 16. September zusammenzuziehen, unbelästigt von McClellan, der wiederum die Gunst der Stunde nicht nutzte und die Zeit in gewohnter Manier vertrödelte.
Jackson war nach einem 15-Meilen-Marsch unter Rücklassung von A. P. Hills Division - Hill war für die Parolisierung der Yankees zuständig - am 16. September am Antietam eingetroffen und bildete mit Stuarts Kavallerie den konföderierten linken Flügel.
Am Morgen des 17. September 1862 führte McClellan seinen ersten Schlag, der gegen Jackson gerichtet war. Die Yankees erschienen aus den „North Woods" und bei „Millers Farm Buildings" und stürmten in ein 40 Acre großes Kornfeld, das sie von Rebellen säuberten, die bis hinter die Hagerstown Turnpike zurückgedrängt wurden. Bei „Dunker's Church" konnten sich die Konföderierten neu formieren, und unterstützt von Brigadier General J. B. Hoods Division wurden die Yankees wieder zurückgejagt
.


Gefallene CSA-Artilleristen bei "Dunker´s Church" nach der Schlacht von Antietam 

Ein erneuter Angriff der Nordstaatler, die aus den „East Woods" kamen, führte sie abermals durch das Kornfeld in die sogenannten „West Woods", wo Jacksons Männer kein Stück Boden preisgaben. Eine dritte Offensive auf diesem Kampfabschnitt wurde blutig abgewiesen.
Von Jacksons Veteranen und 2 Divisionen aus Longstreets Kommando von drei Seiten bedrängt, erlitten die Unionstruppen innerhalb von 20 Minuten über 2´000 Mann Verluste. Die Blaujacken gingen über das blutgetränkte Kornfeld zurück, verfolgt von den Rebellen, die aber ebenfalls gleich reihenweise niedergemäht wurden.
Das Schlachtgeschehen verlagerte sich dann auf das Zentrum („Bloody Lane") und den rechten Flügel („Burnside's Bridge"). McClellans Angriffe waren alles in allem miserabel koordiniert, so daß Lee unter Ausnutzung der inneren Linien seine Truppen an die Stellen verlegen konnte, wo sie am nötigsten gebraucht wurden.
Es war dann A. P. Hills Division, die gegen Ende des „Blutigsten Tages" noch rechtzeitig aus Harper's Ferry eintraf, um die schwer bedrängte Rechte der Rebellen zu entlasten und das Blatt zu wenden.

 

Die beiden erschöpften Armeen ruhten sich am nächsten Tag aus. McClellan ließ die Konföderierten entkommen, die in der Nacht zum 19. September den Rückzug antraten. Trotz eines taktischen konföderierten Sieges, „kann die Geschichte Antietam zumindest als strategischen Unionserfolg registrieren ... Die Schlacht enttäuschte die konföderierten Hoffnungen auf britische Anerkennung und beschleunigte die Sklavenemanzipations-Proklamation. Die Schlacht von Sharpsburg bewies daher, daß es sich um einen der großen Wendepunkte des Krieges handelte.
Thomas Jacksons Leistungen vom 25. August bis 19. September 1862 bewertete D. S. Freeman als „exzellent". Er hatte die wesentlichen Anforderungen, die an einen subalternen „Exekutiv-Offizier" gestellt wurden, gemeistert und sämtliche ihm aufgetragenen Missionen zu einem erfolgreichen Ende geführt.


Fredericksburg

Am 18. September 1862 hatte das konföderierte Parlament ein Gesetz verabschiedet, das die Konsolidierung von Divisionen zu Korps legalisierte und gleichzeitig den korrespondierenden Dienstgrad eines Lieutenant General einführte.
Im Zuge einer erneuten Reorganisation wurde die Army of Northern Virginia durch Generalorder Nr. 234 vom 6. November 1862 in zwei Infanterie-Korps aufgeteilt und diese den frisch beförderten Lieutenant Generals James Longstreet und Thomas J. Jackson unterstellt, die am 11. Oktober 1862 auf General Lees Vorschlag von Präsident Davis nominiert und umgehend in ihrem neuen Rang vom Senat bestätigt worden waren. Jacksons Patent war auf den 10. Oktober datiert, während das von Longstreet, Lees Stellvertreter, auf den 9. Oktober fixiert war.
In seinem Empfehlungsschreiben an den Präsidenten hatte sich Lee wie folgt über Jackson geäußert:
„ Meine Meinung über die Verdienste von General Jackson hat sich während dieser Expedition (AntietamKampagne) stark gesteigert. Er ist treu, ehrenhaft und tapfer, hat einen sicheren, ausschließlichen Blick dafür, was gut für die Armee ist und scheut keine Anstrengung, sein Ziel zu erreichen."
Eine Batterie leichte Artillerie

 

Eine Batterie leichte Artillerie (Field Artillerie) bei Fredericksburg

Jacksons II. Korps bestand aus den Divisionen der Major Generals R. S. Ewell, D. H. Hill, A. P. Hill und Brigadier General W. B. Taliaferros Division, in 18 Brigaden zerfallend mit 23 Batterien und 98 Geschützen. Effektive Stärke: ca. 32´000 Mann.

Als der Befehlshaber der Potomac-Armee (ca. 110´000 Mann), US-Major-General A. E. Burnside, ein deplazierter Mann von bescheidenen Fähigkeiten - seit dem 7. November 1862 Nachfolger des abgehalfterten McClellan -, das Kommando übernahm, standen seine Truppen nördlich vom Rappahannock River bei Warrenton, konfrontiert von Longstreets 1. Korps. Jacksons Korps lag im Shenandoah-Tal bei Winchester.
Statt die voneinander getrennten Flügel von Lees Armee (ca. 75´000 Mann) vereinzelt zu schlagen, bewegte sich Burnside ostwärts nach Fredericksburg, wo er den Rappahannock kreuzen und Lee zwischen der Stadt und Richmond zum Kampf stellen wollte.

 

Am 17. November 1862 erreichte Burnside das Nordufer des Rappahannock bei Fredericksburg. Doch die Ponton-Brücken, die Burnside zum Überqueren des Flusses angefordert hatte, waren aufgrund von „bürokratischen Schwierigkeiten" und Mißverständnissen im US-Oberkommando nicht bis zum 25. November verfügbar. So konnte der zunächst überraschte Lee, der vorübergehend den Kontakt zum Feind verloren hatte, die Intentionen des Feindes richtig deuten und in aller Ruhe seine Armee etwa zwei Meilen vom südlichen Flußufer entfernt auf gut befestigten Hügeln für defensivtaktische Maßnahmen aufbauen.
Longstreets Truppen bildeten den linken Flügel auf „Mary's Heights" und Jacksons Männer den rechten Flügel. Seine Hauptkampflinie führte der Böschung einer Eisenbahnlinie auf „Prospect Hill" entlang und schloß rechts bei Hamilton's Crossing ab.
Nach einem Bombardement der Stadt und erbitterten Vorhutgefechten setzte die Unionsarmee erst am 12. Dezember 1862 über den Fluß und das Drama konnte seinen Lauf nehmen. Im Morgengrauen des 13. Dezember griff Burnside die Konföderierten auf einer Gefechtslinie von 7 Meilen frontal an. Es war eine grauenhafte Schlächterei. Über ein Dutzend Angriffe der Union wurden blutig abgewehrt.

50´000 Mann unter US-Major-General W. B. Franklin gingen gegen Jacksons Stellungen vor. Nur auf diesem Abschnitt vermochten die Nordstaatler eine Lücke in der Rebellen-Linie auszunutzen, die durch fehlerhafte Dispositionen A. P. Hills entstanden war. Doch heraneilende Verstärkungen konnten den Feind, dem die notwendige Unterstützung versagt blieb, zurückschlagen. Auf „Mary's Heights" hatte die Union, bedingt durch die noch schlechteren Geländeverhältnisse, nicht einmal den blassen Schimmer einer Chance, Longstreets Veteranen ernsthaft zu gefährden. Burnside erlitt ca. 13´000 Mann Verluste, Lee ca. 5´000. Die Zahlen sprechen für sich.Gefallene Konföderierte nach dem Sturm auf „Mary's Heights"

Gefallene Konföderierte nach dem Sturm auf „Mary's Heights" 

Am 14. Dezember wollte Burnside die Schlacht wieder aufnehmen und die Angriffskolonnen persönlich anführen. Seine Generäle konnten ihn davon abbringen. Im südlichen Lager plädierte Jackson für einen Gegenangriff, doch Lee, der auf die gefährliche Bedrohung durch US-Artillerie hinwies, die das freie Terrain in „Stonewalls" Front beherrschte, lehnte ab.
In der Nacht zum 15. Dezember 1862 zogen sich die Nordstaatler zurück.
Jackson war mit seinem „Part" in der Schlacht, das heißt, mit der Anwendung einer Defensivtaktik, unzufrieden. Bitter meinte er:
„Ich dachte nicht, daß ein wenig blutige Erde sie (die Yankees) erschrecken würde.
Es tut mir leid, daß sie gegangen sind. Ich bedauere, daß ich befestigt war."

Lee hatte für seine Korps-Kommandeure höchstes Lob übrig:
„Die Generale Longstreet und Jackson verdienen großes Lob für die Aufstellung und Führung ihrer jeweiligen Korps."


 

Chancellorsville - Der letzte Marsch

General Lee, stets um seine Verbindung mit dem ertragreichen Shenandoah-Tal besorgt, beschloß, den Rappahannock River als „permanente Defensivlinie" zu behaupten - das Gros seiner Armee stand in und um Fredericksburg -, um die strategisch bedeutsame „Virginia Central Railroad" zu schützen und das Versorgungs-Areal nördlich von Richmond zu decken. Auch ein politischer Aspekt spielte in Lees Strategie eine Rolle: Er wollte so viel konföderiertes Territorium wie nur möglich besetzt halten, um somit die Öffentlichkeit im Norden zu entmutigen, zwecks Stärkung der dortigen „Friedensbewegung".
„ Stonewall" Jackson verbrachte den Winter 1862/63 in „Moss Neck". Es war eine angenehme und geruhsame Zeit, zumindest für „Jacksonsche Verhältnisse". Neben der Erledigung alltäglicher administrativer Aufgaben lag seine Hauptbeschäftigung im Gebet und der Meditation. Willkommene Abwechslung, wenn auch ungewohnt,
brachten gesellschaftliche Anläße. Am 20. April 1863 besuchte ihn seine Frau, die er seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatte. Auch sah Jackson seine kleine Tochter Julia zum erstenmal. Neun Tage später wurde die Idylle jedoch jäh gestört. Jackson: „Es sieht aus, als würde Hooker über den Fluß kommen!"
US-General Joseph Hooker


US-General Joseph Hooker von General Robert E. Lee und "Stonewall" Jackson bei Chancellorsville geschlagen

Am 25. Januar 1863 hatte Präsident Lincoln den energischen und ruhmredigen Major General Joseph Hooker an die Spitze der Potomac-Armee berufen. Ein durchaus talentierter Offizier, gelang Hooker eine meisterhafte Reorganisation der Primadonna-Armee der Union.
Seine wahre Prüfung würde auf dem Schlachtfeld stattfinden.
Ende April 1863 ergriff Hooker die Offensive. Grob skizziert, sah sein vielversprechender Plan so aus: Lees Linke in einer strategischen Flankenbewegung umgehen, ihm in den Rücken fallen und ihn somit zur Rückgewinnung seiner Kommunikationslinien zwingen.
Um Lee von seinem Hauptstoß abzulenken, sollte Major General John Sedgwick gegen die Höhen von Fredericksburg demonstrieren.

Begünstigt wurde Hooker von dem Umstand, daß Lee zwei Divisionen vom 1. Korps unter Longstreets Kommando nach Südost-Virginia verlegt hatte, um die kritische Versorgungslage entlang des Rappahannock zu entlasten. Hooker standen ca. 135´000 Mann zur Verfügung, Lee nur ca. 60´000 Mann. Am 30. April 1863 überschritten Hookers Veteranen die Rappahannock-Rapidan-Linie und marschierten in ein undurchsichtiges, dschungelartiges Gebiet, das als „Wilderness" bekannt war, zehn Meilen westlich von Fredericksburg. Gegen Abend hatte Hooker ca. 75´000 Mann bei Chancellorsville, einem wichtigen Straßenknotenpunkt, konzentriert, während Sedgwick Fredericksburg bedrohte.
Mit Hooker auf seiner linken Flanke war Lees gesamte Armee in größter Gefahr. Als Stuarts Kavallerie Lee von der Präsenz Hookers bei Chancellorsville unterrichtete, besann sich der konföderierte Feldherr auf einen riskanten, tollkühnen Plan. 10´000 Mann ließ er in Fredericksburg zurück, um Sedgwick zu binden, und die restlichen 50´000 Mann führte er Hookers Hauptmacht entgegen.



Am 1. Mai 1863 den Vormarsch aufnehmend, erreichten die Vorhutelemente von Hookers Streitmacht offenes Gelände, wo sie auf Lees Truppen stießen, die hartnäckigen Widerstand leisteten. Von Lees Aggressivität erschreckt, verlor Hooker im kritischen Augenblick die Nerven und ging gegen die Proteste seiner Generäle auf Chancellorsville zurück. Mit seiner fatalen Entscheidung, den Feind in der „Wilderness" zu erwarten, hatte Hooker den Vorteil seiner Überlegenheit an Fußtruppen und Artillerie kläglich verspielt.
Am Abend des 1. Mai 1863 trafen sich Lee und Jackson auf der "Plank Road", südlich von Chancellorsville, um Kriegsrat zu halten. Jackson war über Hookers Zurückhaltung verwundert und rechnete mit einem Rückzug des US-Generals. Lee war anderer Meinung. Schließlich gesellte sich Jeb Stuart zu den beiden und berichtete von der Verwundbarkeit von Hookers rechter Flanke, die ungeschützt war, also „in der Luft hing". Lee beschloß dies auszunutzen und Hooker in die Flanke zu fallen. Er betraute Jackson mit der Ausarbeitung der Einzelheiten dieser wagemutigen Operation, die so ganz „Leelike" konventionelle taktische und strategische Grundsätze ad absurdum führte. Gegen 4 Uhr morgens hatten Lee und Jackson eine weitere Zusammenkunft. Jackson schlug vor, mit seinem gesamten Korps Hookers Front zu passieren, wobei er eine verborgene Route benutzte, die einer seiner Stabsoffiziere entdeckt hatte, um den geplanten Angriff auf die Rechte der Union durchzuführen. „Well, go an", entgegnete Lee ohne Zögern.
"Stonewall" Jackson in der Schlacht von Chancellorsville 

"Stonewall" Jackson in der Schlacht von Chancellorsville

Für die Konföderierten konnte sich die Taktik des Marschierens in einer sechs Meilen langen Kolonne von Infanterie, Artillerie und Versorgungs-Trains über die Front eines eingegrabenen Feindes von überlegener Stärke entweder als ein großartiges Meisterstück der Militärkunst herausstellen oder als Katastrophe ...
Lee wollte mit nur 32 Kanonen und 2 müden Divisionen eine Streitmacht, die nahezu sechsmal so groß war wie die seine, stören und fesseln, während Jackson mit 50 Regimentern und 23 Batterien - weniger als 25´000 Mann im Ganzen - um die Unionsarmee herummarschierte, dabei hoffend, daß sie unbeweglich blieb, um sie scharf in der Flanke zu schlagen.

Nach einem allerletzten Zusammentreffen mit Lee setzte Jackson seine Kolonnen gegen 8 Uhr morgens in Bewegung. Der beschwerliche Flankenmarsch - wahrscheinlich markantester Glanzpunkt in Jacksons Karriere, der viel mehr vom „psychologischen" als vom gesamttaktischen Standpunkt aus gesehen entscheidend zu Lees Erfolg beisteuerte - erstreckte sich über 14 Meilen und nahm fast den gesamten 2. Mai in Anspruch, derweilen Lee mit dem Feind bei Catherine's Furnace scharmützelte. Gegen 15 Uhr schließlich erspähte Jackson die offene Flanke der Yankee-Armee. Er formierte eine zwei Meilen lange Schlachtlinie, 3 Divisionen tief, quer über die Orange Plank Road, waagerecht zu Hookers rechtem Flügel, der vom XI. Korps gebildet wurde.

Warnungen über feindliche Bewegungen hatte das US-Oberkommando in den Wind geschlagen, da man die konföderierten Aktivitäten für ein Täuschungsmanöver hielt. Erst gegen 17.15 Uhr, es würde bald dunkel werden, stürmten Jacksons Angriffskolonnen aus dem Walddickicht hervor und stürzten sich auf die verdutzten Yankees. Innerhalb einer Viertelstunde befand sich das XI. Korps in Auflösung, das zwei Meilen weit getrieben wurde, verfolgt von den jubelnden Rebellen, deren Linien durch die widrigen topographischen Gegebenheiten durcheinandergerieten, was der Union die erforderliche Zeit gab, wenngleich unter immensen Anstrengungen, westlich von Chancellorsville bei Hazel Grove umzugruppieren und eine neue Defensivlinie aufzubauen.
„ Stonewall ... hatte die Nerven nicht verloren. Trotz der späten Stunde und des verwirrten Zustands seines Korps gab ihm die Helligkeit des Mondes Hoffnung für einen Nachtangriff, mit dem er die Potomac-Armee erledigen konnte. Indem er seinen Linien mit mehreren Mitgliedern seines Stabes vorausritt, erspähte Jackson die neuen Unions-Stellungen.

"Stonewall" Jackson

"Stonewall" Jackson ist in der Schlacht von Chancellorsville schwer verletzt worden

Als er zurück auf seine eigenen Männer zuritt, eröffnete eine Gruppe North-Carolina-Infanterie, die nach Unions-Reitern Ausschau hielt, das Feuer auf seine Abteilung. A. P. Hill schrie, das Feuer einzustellen, aber eine zweite Salve prasselte in sie hinein und verwundete Jackson dreimal. Obwohl die Infanterie schnell ihren Irtum erkannte, zog das Feuer die Aufmerksamkeit einer Unionsbatterie auf sich. Jackson wurde gerade vom Feld getragen, als Kartätschen und Granaten der feindlichen Artillerie den Boden aufwühlten und Hill und die Krankenträger verwundeten.

Die verletzten Generäle wurden zur Wilderness Tavern gebracht, wo Dr. Hunter McGuire sie behandelte. Jacksons Wunden waren schwer, aber nicht tödlich. Obwohl sein linker Arm amputiert werden mußte, wurde erwartet, daß ein so stark gebauter Mann wie er bald genesen würde.
Nach Jacksons und Hills Verwundung übernahm Jeb Stuart das Kommando über das II. Korps. Am 3. Mai 1863 setzten die Rebellen, von Jacksons aggressivem Geist beseelt, mit vereinten Kräften ihre Hammerschläge gegen Hooker fort, der weiter zurückwich. Die mehr oder minder heftigen Kämpfe tobten bis zum 4. Mai. Zwei Tage später leitete Hooker, der offensichtlich das Opfer eines „mentalen Kollaps" geworden war, den endgültigen Rückzug ein.

Taktisch kein eindeutiger Sieg, wird Chancellorsville mit einiger Berechtigung als Lees „größte Schlacht" bezeichnet - ein freches Meisterstück der Kriegskunst, das geschicktes Manövrieren und den gekonnten Einsatz „psychologischer Kriegsführung" implizierte. Kühl strategisch gewertet muß man allerdings von einem „leeren Sieg" sprechen, da Lee es nicht gelungen war, den Feind zu „vernichten".

 

Er hatte mit seiner fehlerlosen Gegenoffensive lediglich ein Halten seiner „permanenten Defensivlinie" bewirkt. Der Preis dafür war hoch gewesen, vielleicht zu hoch:
13´000 Südstaatler waren tot, verwundet oder vermißt. Der schmerzlichste Verlust, den der Süden niemals ausgleichen konnte, stand jedoch noch aus.


Tod eines Soldaten

Am Morgen des 5. Mai wurde Jackson in ein Feldhospital nach Guiney's Station, zehn Meilen südlich von Fredericksburg, gebracht. Er schien sich von der Amputation seines Armes zu erholen. Jedoch hatte er sich eine schwere Erkältung zugezogen. Am 7. Mai klagte er über Übelkeit und Unterleibsschmerzen.
Dr. McGuire diagnostizierte Pneumonie im rechten Lungenflügel, eine Krankheit, gegen die es keine Heilung gab. Langsam, aber sicher ging es dem Ende zu.
In diesem Haus starb "Stonewall" Jackson

In diesem Haus starb "Stonewall" Jackson


 
An einem Sonntag, dem 10. Mai 1863, Jackson war im „Chandler House" untergebracht worden, waren es seine Frau und Dr. McGuire, die ihm sagten, er werde den Tag wohl nicht überstehen.

Als Fatalist entgegnete Jackson: „Sehr gut. Es ist alles in Ordnung. Es ist der Tag des Herrn.
Mein Wunsch ist erfüllt. Ich habe stets gewünscht, an einem Sonntag zu sterben."

In seinen letzten Stunden befand er sich im Delirium, abwechselnd betend und Befehle ausrufend.

Gegen 15.15 Uhr starb Lieutenant-General Thomas J. Jackson, der „Mighty Stonewall" der Konföderierten Staaten von Amerika.

 

 

Seine letzten Worte, verewigt in der Folklore der Südstaaten, waren:
„ Laßt uns den Fluß überqueren und unter dem Schatten der Bäume ausruhen."

Erschüttert über den schweren Verlust, verlautbarte Lee in Generalorder Nr. 61:
„ Laßt seinen Namen zur Losung seines Korps werden, daß ihm auf so vielen Feldern zum Sieg gefolgt ist.
Laßt seine Offiziere und Soldaten seiner unbezwingbaren Entschlossenheit nacheifern,
um alles für die Verteidigung unseres geliebten Landes zu tun."

Major Henry K. Douglas, einer von Jacksons Stabsoffizieren, schrieb:
„ Ein großes Aufschluchzen durchlief die Armee von Nord-Virginia.
Es war das Brechen des Herzes der Konföderation."

Die sterblichen Überreste Jacksons wurden nach Richmond gebracht und im Kapitol aufgebahrt. 20´000 Menschen kamen, um ihn zu sehen.
Seinem Wunsch entsprechend wurde er nach Lexington überführt, wo er am 16. Mai 1863 seine letzte Ruhestätte fand.
Jahre später wurde über dem Grab ein Monument errichtet, auf dem geschrieben steht:
„ Für Jahrhunderte werden Männer nach Lexington kommen als einem Mekka und zu diesem Grab als einem Schrein
und staunend sprechen von diesem Mann und seinen mächtigen Taten.
Die Zeit wird seinen großen Ruhm nur noch mehren - sein Name wird geehrt und verehrt werden für immer."


  

 

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