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CSA
- General Thomas J. „Stonewall” Jackson
Thomas J. Jackson - Der Mensch und Soldat „Krieg
war für ihn ein inneres Feuer, ein geheimes Stimulans, ein innerer
Kraftgenerator, der, obwohl die Physis dieses Mannes größtenteils
gelassen und normal wirkte, tatsächlich seine mentalen Aktivitäten
und all seine gedanklichen Prozesse steigerte und ihm neue Energien
verlieh. Krieg regte seine Vorstellungskraft an, und Ideen strömten
geradezu aus seinem Gehirn. Er wurde aufmerksamer. Seine Urteilskraft
verstärkte sich. Entscheidungen waren nicht neu für ihn, weil
er immer ein Mann gewesen war, der seine Entschlüsse schnell faßte
und zur Tat schritt ..." „Er
lebte nach dem Neuen Testament und kämpfte nach dem AIten”. Von
seinem äußeren Erscheinungsbild und Auftreten her war Thomas
Jackson wohl kaum das, was sich eine Vielzahl historischer Betrachter
- romantisch verklärt - unter einem großen Kriegsmann oder
bedeutenden Feldherrn vorstellen. Ähnlich wie seine Kollegen, U.
S. Grant, Braxton Bragg oder Phil Sheridan, war er eine unmilitärische,
nahezu grobschlächtige Erscheinung: etwa 6 Fuß groß
und 175 Pfund schwer, war sein Körper kompakt und kantig gebaut,
aber ohne überflüssige Fülle. Sein Haar, das leicht gelockt
war, und sein Bart, von Natur aus braun, nahmen im Sonnenschein einen
rötlichbraunen Ton an.
„ In seinen
persönlichen Gewohnheiten war Jackson ein seltsamer Mann. Er vermittelte
vielen Menschen den Eindruck, zum Lachen unfähig zu sein; Scherze
schienen für ihn ein Mysterium. Er saß aufrecht und steif
an seinem Tisch, und niemals berührte er die Lehne seines Stuhls.
Wenn er nachdachte, starrte Jackson stur geradeaus, total von seinem
Geschäft in Anspruch genommen. Er ritt oft an der Seite seiner
marschierenden Kolonnen, abwechselnd den einen und dann den anderen
Arm zum Himmel gereckt. Einige sagten, Jackson betete, andere behaupteten,
daß Jackson mit diesem seltsamen Tun vermutlich das Gewicht der
Hände verlagerte, um das Blut zurück zum Herzen fließen
zu lassen. Solche Eigenarten seines Benehmens, vereinigt mit seinem
religiösen Eifer, gaben den Erzählungen Nachdruck, das Jackson
verrückt sei."
Seit seinem Aufmerksamkeit erregenden „Fighting Stand" bei First Manassas in der Öffentlichkeit als „Stonewall" berühmt und berüchtigt, war er für seine Männer, die ihn liebten und fürchteten, „Old Blue Light" - in Anspielung auf seine stahlblauen Augen, die in der Hitze der Schlacht „aufblitzten". Aber meistens nannten sie ihn „Old Jack". Ein strenger
Disziplinarvorgesetzter (Jackson: „Sie müssen dazu gebracht
werden, ihre Pflicht zu tun!"), rauher Drillmeister und gnadenloser
Antreiber (,Vorwärts, Leute, aufschließen, vorwärts!"),
der sich als kleinlicher Pedant erwies und sich in der Regel peinlich
genau an die Armeeregulationen hielt, gehörte der Virginier wohl
zu den fordernsten und anspruchsvollsten Bürgerkriegsgenerälen.
Er verlangte seinen Offizieren und Mannschaften ungeheure Strapazen
und Marschleistungen ab - nicht umsonst sprach man von Jacksons „Fußkavallerie"
-, Strapazen, die er aber auch bereit war, selbst durchzustehen. Eine
Tatsache, die auch denjenigen Respekt und Bewunderung abnötigte,
die weniger für ihn übrig hatten. Übersteigert
pflichtbewußt und ein notorischer Geheimniskrämer, seine
eigenen Pläne oder die Befehle seiner Vorgesetzten betreffend -
womit er einige seiner Generäle fast zur Verzeiflung brachte -,
war der unprätentiöse Jackson ungeduldig und intolerant gegenüber
Insubordination, Inkompetenz, Unpünktlichkeit, überflüssigen
Fragen und physischen und moralischen Schwächen, was ihn häufiger
in Konflikt mit Untergebenen in höheren Führungschargen brachte
- ein Umstand, der ihn als einen kompromißlosen und undiplomatischen,
schon leidlichen Armee-Administrator auswies. Am bekanntesten
sind Jacksons Auseinandersetzungen mit Brigadier General R. B. Garnett,
den er nach der taktischen Niederlage von Kernstown wegen „Pflichtvernachlässigung"
in 7 Punkten unter Anklage stellte, oder die Dauerfehde mit dem sensitiven
und stolzen Major General A. P. Hill Ebenso hatte
er ein geschultes Auge für das Gelände, in dem er operierte.
Ihm zugetragene Nachrichten und Informationen über feindliche Bewegungen
etc. wußte er gekonnt zu beurteilen und auszuwerten; nur selten
irrte er sich. Das Verhältnis
zwischen Jackson und seinem grandiosen Armeebefehlshaber, General Robert
E. Lee, war getragen von gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Bewunderung.
„So groß war mein Vertrauen in General Lee, daß ich
gewillt bin, ihm mit verbundenen Augen zu folgen", soll Jackson
einmal gesagt haben, während Lee meinte: „Gerade wie
eine Kompaßnadel zum Pol ging er vorwärts, um meine Absichten
auszuführen." „Beinahe
ohne sich darüber im klaren zu sein, zeichnen einige Civil-War-Enthusiasten
ein Bild von Jackson als das eines hellseherischen Untergebenen, der
nach nur wenigen Worten von Lee seine Rolle perfekt verstand. In der
Tat verstanden sich Lee und Jackson sehr gut - aber aufgrund intensiver
Kommunikation, nicht ohne sie. Die beiden Krieger führten einen
offenen Dialog mit freiem Austausch der Ideen, der bei Gelegenheit Uneinigkeit
hervorrief. Konträr zum populären Glauben jedoch entwickelten Lee und der calvinistische Jackson, obgleich sie sich in ihren Ansichten über Selbstbeherrschung, göttliche Vorsehung und sittlichen Anstand so ähnlich waren, keine besonders enge, persönlich-freundschaftliche Beziehung wie zum Beispiel Lee und sein methodischer und unspektakulärer Senior-Lieutenant James Longstreet (!) Nach Jacksons tragischem Ende manifestierte sich schon bald, und zwar im monumentalen Gettysburg-Feldzug, daß der Süden einen irreparablen Verlust erlitten hatte. Bereits in einer frühen „Yankee-Geschichte" des Bürgerkrieges, denn auch im Norden hatte Jackson den Status eines Helden, kann man mit gewissem Pathos nachlesen: „Die Konföderierten hätten besser eine Schlacht verloren als diesen einen Mann”. Insbesondere
Lee spürte Jacksons Abwesenheit bei Gettysburg: „Niemals
hat die Sonne je solch einen stellvertretenden Kommandeur beschienen!"
Familie Sein
Name war John Jackson, und er war noch nicht geboren, als sich seine
Familie, die aus Schottland stammte, in der Umgebung von Coleraine entlang
des Bann River, im nördlichen Irland, ansiedelte. Als 33jähriger
wanderte er 1748 nach Nordamerika aus und ließ sich in Cecil County,
Nord-Maryland, nieder. Im Juli 1755 heiratete er Elisabeth Cummins,
eine starke, resolute Frau, die über hundert Jahre alt wurde. Mit
ihr zusammen begründete er den starken amerikanischen Zweig des
Jackson-Klans, einer durchweg distinguierten Linie von Geschäftsleuten,
Juristen, Politikern und Soldaten, die, wie man heute sagen würde,
der „gehobenen Mittelschicht" des Südens angehörte.
1810 war er als
Rechtsanwalt zugelassen worden. Seit 1813 bekleidete er nebenberuflich
über Jahre das Amt eines Steuereinehmers. Seine Anwaltspraxis lief
zunächst gut, doch Jonathan Jackson war ein schwacher, zu vertrauensseliger
Mensch, der gutgläubig Schuldverschreibungen von Klienten auf sich
nahm, die in vielen Fällen ultimativ auf ihn zurückfielen.
Es folgte eine Reihe von Prozessen. Julia Jackson
brachte die verarmte Familie, die in eine Pension umgezogen war, mit
Näharbeiten zunächst über die Runden. Dann eröffnete
sie eine Schule und unterrichtete. Doch auch sie war bald am Ende ihrer
physischen Kräfte angelangt. Obwohl sie, erneut guter Hoffnung,
1830 wieder geheiratet hatte, wandte sie sich hilfesuchend an ihre eigene
und an die Familie ihres ersten Mannes. Ihren ältesten, Warren,
gab sie in die Obhut eines Onkels, Laura und Tom vertraute sie schweren
Herzens einem Schwager an, Cummins E. Jackson. Krank und desillusioniert,
starb sie Ende 1831, nur 33 Jahre alt.
Seine früheste
Schulbildung erhielt Tom Jackson von seiner Mutter. Die erste reguläre
Schule scheint er Anfang der 1830er Jahre in der Nähe von „Jackson's
Mill" besucht zu haben, geleitet von einem gewissen Robert P. Ray.
Später erhielt er Unterricht in McCunn's Run, dann in Westfield,
bei „Mr. Mills". 1839 besuchte er für zwei Monate in
Weston die Privatschule eines vornehmen Gentleman, namens Colonel Alexander
S. Withers. Am 8. Juni 1841
schließlich wurde Jackson mit Einverständnis seines Onkels
und durch die Mithilfe von Colonel Withers und der eines Major Bailey,
beide Friedensrichter am Bezirksgericht, zum Konstabler des „Dictrict
2, West Fork", auch bekannt als „Freeman's Creek Dictrict",
ernannt, eine Position, die er in charakteristischer Manier energisch,
beflissen und gewissenhaft ausfüllte. Zu seinen Aufgaben als „Agent
der Friedensrichter" zählten unter anderem das Zustellen von
Dokumenten und das Eintreiben gerichtlicher Forderungen. Diese verantwortungsvolle
Tätigkeit endete abrupt im Frühjahr 1842: United States Military Academy (West Point) Denn Tom Jackson erhielt einen Studienplatz an der elitären US-Militärakademie in West Point. Jacksons Motive, nach West Point zu gehen, rührten weniger von seinem Wunsch her, als Armeeoffizier Karriere zu machen, sondern es reizte ihn vielmehr die Aussicht auf eine kostenlose Hochschulausbildung und die Möglichkeit, seine körperliche Konstitution, um die er zeitlebens besorgt war, zu stählen. Nachdem einer
von Jacksons Jugendfreunden, Gibson J. Butcher, nach gut einem Monat
Aufenthalt in West Point Anfang Juni 1842 aufgegeben hatte, sah Tom
seine Chance gekommen: Trotz berechtigter Zweifel über seine Qualifikationen
im Hinblick auf seine holprige, sporadische Schulbildung, Zweifel, die
Jackson mit seiner Familie teilte, beschloß er, sich um die vakante
Stelle zu bewerben: Ausgestattet
mit einer Flut von Empfehlungsschreiben, die die Unterschriften von
mehr als einem Dutzend ehrenhafter und einflußreicher Persönlichkeiten
aufwiesen, darunter Colonel Withers und der Kongreßabgeordnete
Samuel L. Hays, begab sich Jackson umgehend, wobei er sich zu Pferd,
mit der Postkutsche und der Eisenbahn fortbewegte, in die Bundeshauptstadt,
wo er beim Kriegsminister vorstellig wurde. Seine
besten Noten erzielte er in den Fächern Mathematik, Chemie, Philosophie,
Artillerie-Einsatz, Mineralogie und Geologie. Am schlechtesten schnitt
er in Zeichnen, Französisch und englischer Grammatik ab. Im Umgang
mit seinen Kameraden zeigte sich der scheue und mißtrauische Jackson
anfangs reserviert und wenig zugänglich. Doch im Laufe der Jahre
„schmolz das Eis" und Jackson gewann den Respekt und die
Freundschaft vieler Kameraden, auch solcher, die sozial höher gestellt
waren. Jackson graduierte am 30. Juni 1846 als 17. in einer Gemeinschaft
von 59 Absolventen. Seine Gesamtleistungen hatten sich kontinuierlich
verbessert - im vorletzten Jahr führte er sogar den Rang eines
Cadet-Sergeant -, dabei stets geleitet von dem persönlichen Motto,
das ihn ein Leben lang begleitete:
Mit
Wirkung vom 1. Juli 1846 wurde Jackson zum Brevet Second Lieutenant
der Ist Artillery ernannt. Nach kurzem Urlaub im heimatlichen West Fork
Valley erhielt er am 21. Juli Marschbefehl nach Fort Columbus (Governor's
Island), New York, wo er Captain Francis Taylors Kompanie K zugeteilt
wurde, die zur selben Zeit nach Fort Hamilton und dann nach Point Isabel,
Texas, an der Mündung des Rio Grande verlegt wurde, um am Krieg
mit Mexiko teilzunehmen, der nach provokativen Maßnahmen des US-Militärs
entlang der Grenze am 25. April 1846 ausgebrochen war.
Nach Annektierung
der Republik Texas am 1. März 1845 durch die USA begann der mexikanische
Diktator, General Antonio Lopez de Santa Anna, Truppen am Rio Grande
zu massieren, mit der Drohung, Texas zurückzuerobern. Die Amerikaner
zogen nach und verlegten ebenfalls umfangreiche Streitkräfte nach
Texas und zwar unter dem Kommando von Major General Zachary Taylor. Aufgrund politischer
Intrigen in Washington wurde dem siegreichen General Taylor, der im
Februar 1847 bei Buena Vista erneut erfolgreich gewesen war, ein Großteil
seiner Truppenmacht entzogen und seinem Rivalen, Major General Winfield
Scott, „Old Fuss and Feathers", unterstellt, der beabsichtigte,
von der Seeseite her in Mexiko einzudringen. Auch Jacksons Kompanie,
die am 7. Januar 1847 von Saltillo aufbrach, mußte sich Scotts
Invasionsheer anschließen. Jackson war froh, der augenblicklichen
Inaktivität in Nord-Mexiko entfliehen zu können, denn mit
Scotts Armee zu marschieren, betrachtete er „als das Beste, insofern
ich jetzt bei dem wichtigsten Teil der Armee und an der wichtigsten
Operationslinie bin." Beförderungen
ließen auch nicht lange auf sich warten. Mit Rang vom 20. August
1847 wurde Jackson zum First Lieutenant ernannt und erhielt gleichzeitig
„für tapferen und verdienstvollen Einsatz in den Schlachten
von Contreras und Churrubusco" den Brevet- Rang eines Captains.
Am 13. September 1847 schloß sich der Brevet eines Majors an,
„für tapferes und verdienstvolles Benehmen", das er
bei der Erstürmung von Chapultepec unter Beweis gestellt hatte.
Mit Evakuierung von Mexiko City im Juni 1848 wurde Kompanie K der Ist Artillery an die Atlantik-Küste nach Fort Hamilton, New York, zurückverlegt. Hier war Jackson bis Oktober 1850 stationiert, mittlerweile zur E-Kompanie versetzt, und versah routinemäßigen Garnisonsdienst, den er als „eher stumpfsinnig" betrachtete. Nächste Station war Fort Meade, ein in der Wildnis Floridas abgelegener, primitiver Grenzposten.
Die Trostlosigkeit
und Monotonie des Dienstes wirkten sich auch auf Jacksons Moral negativ
aus. Nach einer erbitterten und schon peinlichen Kontroverse mit seinem
Vorgesetzten und Fortkommandanten, Captain William H. French, akzeptierte
er Ende April 1851 den Professorstuhl für „Natural and Experimental
Philosophy" am Virginia Military Institute in Lexington, Virginia.
Seinen endgültigen Abschied aus der US-Army nahm er am 29. Februar
1852. Tom Jackson war ein mittelmäßiger Professor, nicht
einmal ein guter Lehrer, obwohl er sich die größte Mühe
gab. Seine Unterrichtsmethoden zeichneten sich durch Unflexibilität
und Phantasielosigkeit aus. Der Superintendent der Anstalt, Colonel
Francis H. Smith, gestand Jahre später zurückblickend: Ob im Klassenraum
oder auf dem Exerzierplatz, für viele seiner Schützlinge war
Jackson, die ihn wegen seiner exzentrischen Züge, seines steifen
militärischen Auftretens und seiner manisch-pedantischen Beflissenheit
gerne „auf die Schippe" nahmen, aber dennoch respektierten,
eine nicht unwillkommene „Witzfigur". Belustigt gaben sie
ihm den Spitznamen „Tom Fool". Am 17. April 1861, drei Tage nach der Übergabe von Fort Sumter, fiel Virginia von der Union ab. Der Kriegsfall war gegeben. Der obskure, schrullige Professor vom VMI war bereit, seine Pflicht zu tun. Als er nur zwei Jahre später auf dem Sterbebett lag, waren er und seine Taten bereits Gegenstand einer unsterblichen Legende.
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