Mit freundlicher
Unterstützung
„Krieg war für ihn ein inneres Feuer, ein geheimes Stimulans,
ein innerer Kraftgenerator, der, obwohl die Physis dieses Mannes größtenteils
gelassen und normal wirkte, tatsächlich seine mentalen Aktivitäten
und all seine gedanklichen Prozesse steigerte und ihm neue Energien
verlieh. Krieg regte seine Vorstellungskraft an, „Er
lebte nach dem Neuen Testament und kämpfte nach dem
AIten”.
„
In seinen persönlichen Gewohnheiten war Jackson ein seltsamer
Mann. Er vermittelte vielen Menschen den Eindruck, zum Lachen unfähig
zu sein; Scherze schienen für ihn ein Mysterium. Er saß aufrecht
und steif an seinem Tisch, und niemals berührte er die Lehne
seines Stuhls. Wenn er nachdachte, starrte Jackson stur geradeaus,
total von
seinem Geschäft in Anspruch genommen. Er ritt oft an der Seite
seiner marschierenden Kolonnen, abwechselnd den einen und dann den
anderen Arm zum Himmel gereckt. Einige sagten, Jackson betete, andere
behaupteten, daß Jackson mit diesem seltsamen Tun vermutlich
das Gewicht der Hände verlagerte, um das Blut zurück zum
Herzen fließen zu lassen. Solche Eigenarten seines Benehmens,
vereinigt mit seinem religiösen Eifer, gaben den Erzählungen
Nachdruck, das Jackson verrückt sei." Seit seinem Aufmerksamkeit erregenden „Fighting Stand" bei First Manassas in der Öffentlichkeit als „Stonewall" berühmt und berüchtigt, war er für seine Männer, die ihn liebten und fürchteten, „Old Blue Light" - in Anspielung auf seine stahlblauen Augen, die in der Hitze der Schlacht „aufblitzten". Aber meistens nannten sie ihn „Old Jack". Ein
strenger Disziplinarvorgesetzter (Jackson: „Sie müssen
dazu gebracht werden, ihre Pflicht zu tun!"), rauher Drillmeister
und gnadenloser Antreiber (,Vorwärts, Leute, aufschließen,
vorwärts!"), der sich als kleinlicher Pedant erwies
und sich in der Regel peinlich genau an die Armeeregulationen
hielt,
gehörte der Virginier wohl zu den fordernsten und anspruchsvollsten
Bürgerkriegsgenerälen. Er verlangte seinen Offizieren
und Mannschaften ungeheure Strapazen und Marschleistungen ab
- nicht
umsonst sprach man von Jacksons „Fußkavallerie" -,
Strapazen, die er aber auch bereit war, selbst durchzustehen.
Eine Tatsache, die auch denjenigen Respekt und Bewunderung
abnötigte,
die weniger für ihn übrig hatten. Ebenso
hatte er ein geschultes Auge für
das Gelände, in
dem er operierte. Ihm zugetragene Nachrichten und Informationen über
feindliche Bewegungen etc. wußte er gekonnt zu beurteilen
und auszuwerten; nur selten irrte er sich. Das
Verhältnis zwischen Jackson und seinem grandiosen
Armeebefehlshaber, General Robert E. Lee, war getragen von
gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Bewunderung. „So
groß war mein Vertrauen in General Lee, daß ich
gewillt bin, ihm mit verbundenen Augen zu folgen", soll
Jackson einmal gesagt haben, während Lee meinte: „Gerade
wie eine Kompaßnadel zum Pol ging er vorwärts, um
meine Absichten auszuführen." „Beinahe
ohne sich darüber im klaren zu sein, zeichnen
einige Civil-War-Enthusiasten ein Bild von Jackson als das
eines hellseherischen Untergebenen, der nach nur wenigen
Worten von Lee seine Rolle perfekt verstand. In der Tat verstanden
sich Lee und Jackson sehr gut - aber aufgrund intensiver
Kommunikation,
nicht ohne sie. Die beiden Krieger führten einen offenen
Dialog mit freiem Austausch der Ideen, der bei Gelegenheit
Uneinigkeit hervorrief. Konträr zum populären Glauben jedoch entwickelten Lee und der calvinistische Jackson, obgleich sie sich in ihren Ansichten über Selbstbeherrschung, göttliche Vorsehung und sittlichen Anstand so ähnlich waren, keine besonders enge, persönlich-freundschaftliche Beziehung wie zum Beispiel Lee und sein methodischer und unspektakulärer Senior-Lieutenant James Longstreet (!) Nach Jacksons tragischem Ende manifestierte sich schon bald, und zwar im monumentalen Gettysburg-Feldzug, daß der Süden einen irreparablen Verlust erlitten hatte. Bereits in einer frühen „Yankee-Geschichte" des Bürgerkrieges, denn auch im Norden hatte Jackson den Status eines Helden, kann man mit gewissem Pathos nachlesen: „Die Konföderierten hätten besser eine Schlacht verloren als diesen einen Mann”. Insbesondere
Lee spürte Jacksons Abwesenheit
bei Gettysburg: „Niemals
hat die Sonne je solch einen stellvertretenden Kommandeur
beschienen!"
Familie Sein Name war John
Jackson, und er war noch nicht geboren, als sich seine Familie, die
aus Schottland
stammte, in der Umgebung von Coleraine
entlang des Bann River, im nördlichen Irland, ansiedelte. Als
33jähriger wanderte er 1748 nach Nordamerika aus und ließ sich
in Cecil County, Nord-Maryland, nieder. Im Juli 1755 heiratete er Elisabeth
Cummins, eine starke, resolute Frau, die über hundert Jahre alt
wurde. Mit ihr zusammen begründete er den starken amerikanischen
Zweig des Jackson-Klans, einer durchweg distinguierten Linie von Geschäftsleuten,
Juristen, Politikern und Soldaten, die, wie man heute sagen würde,
der „gehobenen Mittelschicht" des Südens angehörte. "Stonewall"-Jackson-Haus 1810
war er als Rechtsanwalt zugelassen worden. Seit 1813 bekleidete
er nebenberuflich über
Jahre das Amt eines Steuereinehmers. Seine Anwaltspraxis lief
zunächst
gut, doch Jonathan Jackson war ein schwacher, zu vertrauensseliger
Mensch, der gutgläubig Schuldverschreibungen von Klienten
auf sich nahm, die in vielen Fällen ultimativ auf ihn zurückfielen.
Es folgte eine Reihe von Prozessen. 1826 kam es dann zur Familientragödie: Töchterchen Elisabeth erkrankte an Typhus. Jonathan, von schwächlicher körperlicher Natur, der sein Kind aufopfernd pflegte, steckte sich an: Elisabeth starb am 6. März 1826, ihr Vater folgte ihr zwanzig Tage später, im Alter von 36 Jahren. Tags darauf gebar Jonathans Witwe eine weitere Tochter: Laura Ann. Jonathan Jackson hinterließ seiner Frau nichts, außer dem Haus, in dem sie lebten, doch selbst das mußte bald verkauft werden. Julia Jackson brachte die verarmte Familie, die in eine Pension umgezogen war, mit Näharbeiten zunächst über die Runden. Dann eröffnete sie eine Schule und unterrichtete. Doch auch sie war bald am Ende ihrer physischen Kräfte angelangt. Obwohl sie, erneut guter Hoffnung, 1830 wieder geheiratet hatte, wandte sie sich hilfesuchend an ihre eigene und an die Familie ihres ersten Mannes. Ihren ältesten, Warren, gab sie in die Obhut eines Onkels, Laura und Tom vertraute sie schweren Herzens einem Schwager an, Cummins E. Jackson. Krank und desillusioniert, starb sie Ende 1831, nur 33 Jahre alt. Thomas Jackson hat seine Mutter - „der erste kraftvolle Einfluß in seinem Leben" - sehr geliebt, was zweifellos auf Gegenseitigkeit beruhte. Tom war Julias Liebling gewesen. Jackson bewahrte stets das Andenken an seine attraktive und charmante Mutter, „seine erste Erinnerung, seine liebste Erinnerung und die Erinnerung, die am längsten währte". „Jacksons
Mühle", ein großes und eindrucksvolles Anwesen,
das im West Fork Valley West-Virginias gelegen war - sozialer
und geschäftlicher Treff- und Sammelpunkt der näheren
Umgebung, inmitten kultivierten Farmlandes, bestellter Äcker,
saftiger Wiesen, Hügel und Wälder -, war jetzt Toms
neues Heim, wo er im Schoße einer Großfamilie, die
fest zusammenhielt, unbeschwert und sorgenfrei aufwachsen konnte.
Insbesondere Onkel
Cummins, der in die Rolle eines Ersatzvaters schlüpfte,
erwies sich als guter Freund und enger Vertrauter des Vollwaisen
und
Seine
früheste Schulbildung erhielt Tom Jackson von seiner Mutter.
Die erste reguläre Schule scheint er Anfang der 1830er Jahre
in der Nähe von „Jackson's Mill" besucht zu haben,
geleitet von einem gewissen Robert P. Ray. Später erhielt er
Unterricht in McCunn's Run, dann in Westfield, bei „Mr. Mills".
1839 besuchte er für zwei Monate in Weston die Privatschule
eines vornehmen Gentleman, namens Colonel Alexander S. Withers. Am
8. Juni 1841 schließlich wurde Jackson
mit Einverständnis
seines Onkels und durch die Mithilfe von Colonel Withers und der
eines Major Bailey, beide Friedensrichter am Bezirksgericht, zum
Konstabler
des „Dictrict 2, West Fork", auch bekannt als „Freeman's
Creek Dictrict", ernannt, eine Position, die er in charakteristischer
Manier energisch, beflissen und gewissenhaft ausfüllte. Zu
seinen Aufgaben als „Agent der Friedensrichter" zählten
unter anderem das Zustellen von Dokumenten und das Eintreiben gerichtlicher
Forderungen. Diese verantwortungsvolle Tätigkeit endete abrupt
im Frühjahr 1842: United States Military Academy (West Point) Denn Tom Jackson erhielt einen Studienplatz an der elitären US-Militärakademie in West Point. Jacksons Motive, nach West Point zu gehen, rührten weniger von seinem Wunsch her, als Armeeoffizier Karriere zu machen, sondern es reizte ihn vielmehr die Aussicht auf eine kostenlose Hochschulausbildung und die Möglichkeit, seine körperliche Konstitution, um die er zeitlebens besorgt war, zu stählen. Nachdem
einer von Jacksons Jugendfreunden, Gibson J. Butcher, nach gut einem
Monat Aufenthalt in West Point Anfang Juni 1842
aufgegeben
hatte, sah Tom seine Chance gekommen: Trotz berechtigter Zweifel über
seine Qualifikationen im Hinblick auf seine holprige, sporadische
Schulbildung, Zweifel, die Jackson mit seiner Familie teilte,
beschloß er,
sich um die vakante Stelle zu bewerben: Ausgestattet
mit einer Flut von Empfehlungsschreiben, die die Unterschriften
von mehr als einem Dutzend ehrenhafter und einflußreicher
Persönlichkeiten
aufwiesen, darunter Colonel Withers und der Kongreßabgeordnete
Samuel L. Hays, begab sich Jackson umgehend, wobei er sich
zu Pferd, mit der Postkutsche und der Eisenbahn fortbewegte,
in die Bundeshauptstadt,
wo er beim Kriegsminister vorstellig wurde. Seine
besten Noten erzielte er in den Fächern Mathematik, Chemie,
Philosophie, Artillerie-Einsatz, Mineralogie und Geologie. Am schlechtesten
schnitt er in Zeichnen, Französisch und englischer Grammatik
ab. Im Umgang mit seinen Kameraden zeigte sich der scheue und mißtrauische
Jackson anfangs reserviert und wenig zugänglich. Doch im Laufe
der Jahre „schmolz das Eis" und Jackson gewann den
Respekt und die Freundschaft vieler Kameraden, auch solcher, die
sozial höher gestellt waren. Jackson graduierte am 30. Juni
1846 als 17. in einer Gemeinschaft von 59 Absolventen. Seine Gesamtleistungen
hatten sich kontinuierlich
verbessert
- im vorletzten Jahr führte er sogar den Rang eines Cadet-Sergeant
-, dabei stets geleitet von dem persönlichen Motto, das ihn
ein Leben lang begleitete:
Mit
Wirkung vom 1. Juli 1846 wurde Jackson zum Brevet Second Lieutenant
der Ist Artillery
ernannt. Nach kurzem Urlaub im heimatlichen West
Fork Valley erhielt er am 21. Juli Marschbefehl nach Fort Columbus
(Governor's Island), New York, wo er Captain Francis Taylors Kompanie
K zugeteilt wurde, die zur selben Zeit nach Fort Hamilton und dann
nach Point Isabel, Texas, an der Mündung des Rio Grande verlegt
wurde, um am Krieg mit Mexiko teilzunehmen, der nach provokativen Maßnahmen
des US-Militärs entlang der Grenze am 25. April 1846 ausgebrochen
war. Thomas Jonathan („Stonewall”) Jackson als junger Offizier im mexikanischen Krieg Nach
Annektierung der Republik Texas am 1. März 1845
durch die USA begann der mexikanische Diktator, General Antonio Lopez
de Santa
Anna, Truppen am Rio Grande zu massieren, mit der Drohung, Texas
zurückzuerobern.
Die Amerikaner zogen nach und verlegten ebenfalls umfangreiche Streitkräfte
nach Texas und zwar unter dem Kommando von Major General
Zachary Taylor.
Beförderungen ließen auch nicht
lange auf sich warten. Mit Rang vom 20. August 1847 wurde Jackson zum
First Lieutenant ernannt
und erhielt gleichzeitig „für tapferen und verdienstvollen
Einsatz in den Schlachten von Contreras und Churrubusco" den
Brevet- Rang eines Captains. Am 13. September 1847 schloß sich
der Brevet eines Majors an, „für tapferes und verdienstvolles
Benehmen",
das er bei der Erstürmung von Chapultepec unter Beweis
gestellt hatte.
Mit Evakuierung
von Mexiko City im Juni 1848 wurde Kompanie K der Ist Artillery an
die Atlantik-Küste nach Fort Hamilton, New York,
zurückverlegt. Hier war Jackson bis Oktober 1850 stationiert,
mittlerweile zur E-Kompanie versetzt, und versah routinemäßigen
Garnisonsdienst, den er als „eher stumpfsinnig" betrachtete.
Nächste Station war Fort Meade, ein in der Wildnis Floridas abgelegener,
primitiver Grenzposten. Die
Trostlosigkeit und Monotonie des Dienstes wirkten sich auch auf Jacksons
Moral negativ aus. Nach einer erbitterten und schon peinlichen
Kontroverse mit seinem Vorgesetzten und Fortkommandanten, Captain
William H. French, akzeptierte er Ende April 1851 den Professorstuhl
für „Natural
and Experimental Philosophy" am Virginia Military Institute in
Lexington, Virginia. Seinen endgültigen Abschied aus der US-Army
nahm er am 29. Februar 1852. Ob
im Klassenraum oder auf dem Exerzierplatz, für viele seiner
Schützlinge war Jackson, die ihn wegen seiner exzentrischen Züge,
seines steifen militärischen Auftretens und seiner manisch-pedantischen
Beflissenheit gerne „auf die Schippe" nahmen, aber dennoch
respektierten, eine nicht unwillkommene „Witzfigur". Belustigt
gaben sie ihm den Spitznamen „Tom Fool". Am 17. April 1861, drei Tage nach der Übergabe von Fort Sumter, fiel Virginia von der Union ab. Der Kriegsfall war gegeben. Der obskure, schrullige Professor vom VMI war bereit, seine Pflicht zu tun. Als er nur zwei Jahre später auf dem Sterbebett lag, waren er und seine Taten bereits Gegenstand einer unsterblichen Legende.
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