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General
Ulysses Simpson GRANT
Vorwort „In
den Augen der Öffentlichkeit des Nordens verherrlicht, war Major
General Ulysses S. Grant persönlich ein scheuer, zurückhaltender
Mann, so schlicht wie hausbacken, er wurde in der populären Meinung
als ein Mann dargestellt, der im Stil eines lärmenden Draufgängers
in einem Melodram auftritt', schrieb ein Unionsoffizier, viele von
uns waren daher nicht wenig überrascht, in ihm einen Mann von
bescheidenem Auftreten und liebenswürdigem Benehmen zu finden,
das den Anschein gab, er hätte besser in eine vornehme Gesellschaft
als in ein Feldlager gepaßt´”. Ein
Mann tritt an die Spitze der größten Armee seiner Zeit.
Er führt diese Armee zum Sieg in einem Krieg, der über Bestand
oder Untergang seiner Nation entscheidet; mehr noch: der den militärischen
Komplex der Weltgeschichte tiefgreifend verändert. Der Mann wird
zweimal zum Präsidenten seines Landes gewählt, das bereits
auf dem Weg zur Weltmacht ist. Und doch ist er heute in Europa so
gut wie vergessen, und in Amerika verblaßt die Erinnerung an
ihn, während sein einstiger Gegner, den er zur Kapitulation zwang,
der Südstaatengeneral Robert E. Lee, nach wie vor eine feste
Größe bei allen ist, die amerikanische Geschichte auch
nur in Ansätzen kennen. Seine
ungeschnörkelte Sichtweise der Dinge rührte von einer sehr
kontrollierten Emotionalität her. Überschäumendes Temperament
war ihm fremd. Alle schriftlichen Zeugnisse, die er hinterließ,
zeigen einen Mann, der stets sachlich, an Fakten orientiert und persönlich
uneitel war. Allein insofern war er eine Ausnahmeerscheinung inmitten
von Großsprecherei, gespreizter Selbstdarstellung und rücksichtslosem
Ehrgeiz. Zeitweise verkannt, nennen ihn heute Militärhistoriker übereinstimmend den „ersten modernen General". Warum? Der Sezessionskrieg veränderte die überkommene Art der Kriegsführung. Armeen traten auf, deren Zusammensetzung und Größe die bekannten Dimensionen sprengte. Die strategischen, taktischen, personellen und technischen Herausforderungen waren für die führenden Offiziere in den ersten Jahren des Amerikanischen Bürgerkrieges zunächst weder praktisch noch intellektuell zu bewältigen. Grant begriff die organisatorischen und psychologischen Mechanismen bei der Führung eines „Volkskrieges" mit industriellen Mitteln schneller als andere. Mochte Lee, den Grant hoch schätzte, ihm auch strategisch überlegen sein - er vollzog mit seiner immer kleiner werdenden, schlecht gerüsteten Armee das, was im klassischen Sinn „Kriegskunst" genannt wurde. Grant war dagegen ein kühler Rechner. Im Gegensatz zu den meisten anderen Generälen der Nordstaaten wußte er, daß Mannschafts- und Materialüberlegenheit allein gegen einen besser motivierten Gegner nicht ausreichend war. Er war aber auch derjenige, der beide Elemente am konsequentesten einzusetzen vermochte. Im Unterschied
zu Lee nahm er bei weitem nicht soviel Rücksicht auf Generäle,
die sich als ungeeignet oder widerspenstig erwiesen hatten als Lee
das tat, der für alle Fehler seiner Untergebenen als echter Südstaatengentlemen
seinen Kopf hinhielt. Während Lee nach dem Tode seiner beiden
besten Generäle, Jackson und Stuart, sich einerseits mit Mittelmaß,
andererseits mit sehr eigenwilligen Männern in seinem Stab umgeben
mußte, die in entscheidenden Momenten - wie etwa Longstreet
in der Schlacht von Gettysburg - die Koordination des Oberbefehlshabers
einfach ignorierten, gelang es Grant besser, seinen Generalstab zu
einem Instrument zu schmieden, das aus schließlich und buchstabengetreu
seinen Plänen Folge leistete. Er schaffte es auch, sich gegen
die militärische Inkompetenz und die zahlreichen politischen
Intrigen in der. Bundeshauptstadt Washington durchzusetzen. Sein Bild als
Soldat blieb ungetrübt. Daß er sich später in die
Politik verirrte, sogar ins höchste Staatsamt aufstieg, war typisch
für das Parteiensystem Amerikas. Für ihn selbst war es ein
Unglück. Er war so wenig ein politischer Führer wie er geschäftlich
zu denken vermochte. Die Krämermentalität der Ostküstenoberklasse
war ihm fremd, sein Vertrauen in die Ehrenhaftigkeit anderer Menschen
geradezu naiv. Wäre er Soldat geblieben, er hätte ein makelloseres
Bild hinterlassen. Zeitweise war er einer der populärsten Männer
der Welt. Heute ist er nur noch im militärischen Bereich bekannt
und unumstritten, wobei seine nüchterne, unprätentiöse,
unpathetische, ja schroffe Art bei weitem nicht die Emotion auslöst,
die noch immer die Person Robert E. Lees umgeben, dessen Leben eine
tragische Dramatik kennzeichnet. Zu seiner Zeit
war er den Launen der öffentlichen Medien ausgesetzt, die ihn
- von seinen Gegnern in der Generalität munitioniert - teils
unglaublich verleumdeten, bis eine Kette von unanfechtbaren Erfolgen
ihn unangreifbar machte.
Hannah Simpson Grant, die Mutter Die Grants gehörten
zum Bodensatz der Bevölkerung der Vereinigten Staaten, eine Durchschnittsfamilie,
die vom Schicksal nicht gerade verwöhnt wurde. Immer wieder galt
es,
Den ältesten Sohn aus zweiter Ehe, Jesse Root, gab Noah Grant zur Pflege in das Haus des Ohio-Bundesrichters Tod. Jesse Grant, 1794 geboren, empfing bei seinen Pflegeeltern Fürsorge und eine durch die allgemeinen Umstände in einem Pionierland begrenzte Ausbildung. Obwohl er sein Leben lang mit Dankbarkeit an die Familie Tod dachte, muß er sich wohl als Fremdkörper in ihrem Haus gefühlt haben; denn bereits mit sechzehn Jahren zog er aus, um auf eigenen Beinen zu stehen. Trotz seiner Jugend war ihm eine bemerkenswerte Zielstrebigkeit eigen. 1810 trat er in
die Gerberei seines Halbbruders Peter Grant ein, wo er fünf Jahre
lang arbeitete, das Gerberhandwerk erlernte und jede freie Minute
nutzte, sich lesend weiterzubilden.
Jesse Grant, belesen
in den Werken des klassischen Altertums, gab ihm den Namen des griechischen
Generals, der die Stadt Troja eingenommen hatte: Ulysses. Als zweiter
Name wurde „Hiram" festgelegt - ein Name, der später
nie mehr verwendet wurde. 1823 war es der jungen Familie gelungen,
alle alten Schulden Jesse Grants zu bezahlen und bescheidene Ersparnisse
anzulegen, die ausreichten, um in die aufstrebende Kleinstadt Georgetown
zu ziehen und dort eine eigene Gerberei zu eröffnen. Jesse Grant arbeitete
hart und baute seine Gerberei zu einem florierenden Betrieb aus. Gleichzeitig
beteiligte er sich ambitioniert am öffentlichen Leben der Gemeinde.
Als guter Redner äußerte er sich immer wieder zu allen
Fragen der Gesellschaft und Politik. Er wurde Vorsitzender der örtlichen
Freimaurerloge, nahm in politischen Versammlungen von Georgetown,
in der die Bevölkerungs-mehrheit südstaatliche Auffassungen
vertrat, einen strikten Unionsstandpunkt ein, veröffentlichte
Briefe in der lokalen Zeitung. Derweil sorgte Hannah Grant in vorbildlicher
Weise für Haushalt und Familie. Sie war eine strenge, von methodistischen
Grundsätzen geprägte Frau, die selten ihre Gefühle
zeigte, ihren Kindern aber Stetigkeit und Ehrenhaftigkeit vorlebte.
Im Brown County,
Ohio, gab es nur eine Schule, in der die jährlich wechselnden
Lehrer für jeden Schüler für eine Saison von jeweils
13 Wochen bezahlt wurden - manchmal in Naturalien. Es gab keine Klasseneinteilungen,
Ulysses S. Grant als junger 2nd Lieutenant „Ich war
gewöhnlich nicht fleißig", schrieb er später.
Aber er hatte das Pflichtbewußtsein seiner Mutter geerbt und
absolvierte die verschiedenen Schulen mit größtmöglicher
Anstrengung. Er wußte nicht, daß sein Vater sich um einen
Platz in der Militärakademie West Point für ihn bemühte,
eine der besten Ausbildungsstätten für junge Männer
in den USA in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ulysses
Grant zeigte keine militärischen Interessen. Allerdings hatte
er auch deutlich gemacht, daß er das Geschäft seines Vaters
nicht übernehmen wollte. Mehrfach äußerte er den Wunsch,
Farmer zu werden, doch dafür gab es vorerst keine reale Möglichkeit. Im Herbst 1838
wurde durch Zufall für den 5. Kongreß-Distrikt von Ohio
eine West-Point-Nominierung frei, da ein Kadett aus diesem Bezirk
von der Akademie verwiesen worden war. Jesse Grant wandte sich daher
an den Abgeordneten Thomas Hamer, einen Demokraten, mit dem er sich
Jahre zuvor politisch zerstritten hatte. Hamer war ein sachlicher
Mann, der sich nicht durch persönlichpolitische Gegensätze
beeinflussen ließ, wenn es um die Zukunft eines jungen Mannes
ging. Er erklärte sich bereit, für Ulysses zu bürgen,
setzte den 17-jährigen auf die Empfehlungsliste für das
Kriegsministerium und machte dabei einen folgenreichen Fehler: In
dem Glauben, daß der junge Grant als zweiten Namen den Familiennamen
seiner Mutter trüge, schrieb er: Ulysses Simpson Grant. Die Vornamensinitialen
„U. S." , die er nun für den Rest seines Lebens behalten
sollte, sorgten unter seinen Kameraden für Spott: Man nannte
ihn „United States" oder „Uncle Sam", und schließlich
wurde er von den anderen Kadetten „Sam" gerufen. Grant
erwies sich, wie schon in den zurückliegenden Jahren, als pflichtbewußter,
bescheidener, ausgeglichener junger Mann, der sich nicht anmerken
ließ, ob die straffe Disziplin, das spartanische Leben in der
Militärakademie ihm behagten. Körperliche Disziplinen wie
Reiten und Fechten bereiteten ihm Freude. Blick auf die Militärakademie West Point
Diese Haltung
änderte sich, nachdem er die notwendigen Prüfungen wider
Erwarten mit Erfolg absolviert hatte. Seine Gesamtleistungen waren mittelmäßig. Nach zwei Jahren erhielt er den ersten Urlaub. Daheim erwartete ihn als Geschenk seines Vaters, der inzwischen als Partner einer großen Gerberei nach Bethel, Ohio, übergesiedelt war, ein junges Pferd. Die Abschlußprüfungen zwei Jahre darauf zeigten ihn als durchschnittlichen Schüler: Die besten Leistungen erbrachte er im Fach Ingenieurwesen.
Nichts deutete darauf hin, daß er eines Tages zu außergewöhnlichen militärischen Leistungen fähig sein würde.
Krieg und Frieden Im September 1843
trat Ulysses S. Grant im Rang eines Brevet Second Lieutenant (effektiv
seit 1. Juli 1843) in den Jefferson Barracks bei St. Louis seinen
Dienst bei der 4. US-Infanterie an. Wegen seiner durchschnittlichen
Allgemeinleistungen, gab es für den besten Reiter von West Point
keinen Platz in einem Kavallerieregiment, wie er es sich gewünscht
hatte. Das Geschick wollte es, daß Grant, mit soliden Ansichten der nordstaatlichen Whigs versehen, durch die alten West-Point-Verbindungen eines Tages den Weg zur DentPlantage fand. Der Anblick der Stallungen und Felder ließ seinen Wunsch, Farmer zu werden, wieder lebendig werden. Er hielt sich nun öfter auf der Plantage auf, obwohl er und Colonel Dent immer wieder kontrovers politisch diskutierten. Dabei hinterließ Ulysses Grant mit seiner bescheidenen, gleichwohl nachdrücklichen und ruhigen Art vor allem bei Mrs. Dent den besten Eindruck. Im Februar 1844 traf Grant erstmals Dents Tochter Julia, die in den Wintermonaten die Mädchenschule von Professor Moreau in St. Louis besucht hatte. Grant verliebte sich auf den ersten Blick in das Mädchen, aber sein phlegmatisches Temperament und seine gesellschaftliche Unbeholfenheit hinderten ihn lange daran, seine Gefühle zu zeigen. Es dauerte eine Weile, bis Julia Dent begriff, was Ulysses Grant für sie empfand. Sie ritten zusammen aus. Er lud sie zu Garnisonsfestlichkeiten ein, obwohl er nicht tanzen konnte - sie tanzte gern - und die Musik der Regimentskapelle mit Gleichgültigkeit ertrug, da er schlecht hörte, während sie Musik liebte. Ihre Zuneigung zu dem jungen Lieutenant, der sich von ihrem jähzornigen Vater nicht einschüchtern ließ, wuchs. Die 1840er Jahre
waren eine spannungsreiche Zeit: In lautstarken Parlamentsdebatten
traten die Konflikte zwischen den Nord- und den Südstaaten offen
zutage, wurden letztendlich aber immer wieder durch gemeinsame nationale
Interessen überdeckt: Im Fernen Osten erhob England von Kanada
aus Ansprüche auf das riesige OregonTerritorium. Im Südwesten
stand die junge Republik Texas, die erst 1836 ihre Unabhängigkeit
von Mexiko erkämpft hatte, unter mexikanischem Druck und strebte
die Aufnahme in die USA an. Die Südstaaten unterstützten
dieses Begehren, während es im Norden Bedenken gab, einen weiteren
sklavenhaltenden Staat in die Union aufzunehmen. Zugleich wurde übereinstimmend
die Notwendigkeit gesehen, der schnell wachsenden Nation Raum im Westen
zu schaffen. Die unbesiedelten westlichen Gebiete befanden sich aber
größtenteils nominell in mexikanischem Besitz. Anfang 1845 spitzte
sich die Lage dramatisch zu. Der mexikanische Staatspräsident
Santa Ana beabsichtigte, das Gebiet von Texas zurückzuerobern.
Er warnte die USA,
Im Frühjahr
1845 erhielt Grant einen kurzen Urlaub, den er nutzte, um die Dents
aufzusuchen und förmlich um die Hand von Julia anzuhalten. Grant war ein Gegner des sich abzeichnenden Konflikts. Er schrieb: „Was mich anbetraf, so war ich ein erbitterter Gegner der Maßregel und betrachte den daraus entstandenen Krieg bis auf den heutigen Tag als einen der ungerechtesten, die je von einer stärkeren Nation gegen eine schwächere geführt worden sind."
Second Lieutenant
Grant stand mit der 4. Infanterie bei Corpus Christi nahe der Nueces-Mündung.
Er registrierte sehr genau, daß dieses Gebiet, Grant war fasziniert
von Taylor, einem Mann, dessen Naturell er nicht unähnlich war:
Fest in seinen Ansichten, sachlich und unpathetisch, kümmerte
er sich nicht um Äußerlichkeiten. „Old Rough and
Ready" wußte mit seinen Soldaten umzugehen und genoß
hohe Popularität in der Armee. Fast nie sah man ihn in vorschriftsmäßiger
Uniform. Er teilte die spartanischen Feldlager mit seinen Männern.
Als er vom 22. bis 24. Februar 1847 erneut gegen eine zahlenmäßig
überlegene mexikanische Armee die Schlacht von Buena Vista gewann,
wurde seine Beliebtheit in den Vereinigten Staaten so groß,
daß die Whig-Partei ihn als ihren Präsidentschaftskandidaten
für die nächsten Wahlen auf den Schild hob. Auch Grants Regiment
mußte sich Scotts Invasionsarmee anschließen. Mit fast
200 Schiffen und 12.000 Mann landete Scott am 29. März 1847 in
Vera Cruz und kämpfte sich durch das zerklüftete mexikanische
Bergland 250 Meilen weit bis nach Mexico City. Der Wechsel vom
Kriegsschauplatz im fernen Mexiko zum monotonen Dienst im amerikanischen
Osten war abrupt. Ihm blieb mehr Zeit für private Angelegenheiten.
Seine Frau richtete unweit der Garnison ein kleines Haus ein. Sturm auf Monterey, Mexico. Hier zeichnete Grant sich aus Der alte Jesse
Grant hatte es als Teilhaber von zwei Gerbereien zu ansehnlichem Wohlstand
gebracht und war zum Bürgermeister von Bethel gewählt worden.
Er nahm die Familie seines Sohnes mit offenen Armen auf. Es begann eine schwierige Zeit für ihn. Das Regiment lebte isoliert. Sechs Monate im Jahr regnete es fast ununterbrochen, so daß die Wege fast unpassierbar wurden. Die täglichen Pflichten füllten ihn nicht aus. Er litt unter der Trennung von seiner Familie. Zusammen mit anderen vertrieb er sich die Zeit mit endlosen Kartenspielen. Alkoholprobleme traten auf. Angesichts der Situation, unter der er lebte, war diese Entwicklung kaum verwunderlich. Sie entsprach fast der Regel. Grants Schwierigkeiten waren aber nie so groß, wie seine Gegner es später darstellten. Am 5. August 1853
erhielt er den vollen Rang eines Captains und wurde in Fort Humboldt,
gut 200 Meilen von San Francisco entfernt, stationiert. Hier waren
die Verhältnisse womöglich noch trostloser. Fast alle hier
stationierten Offiziere sprachen reichlich dem Alkohol zu. Grant vertrug
nie sehr viel. Sein dienstliches Interesse sank. Er beteiligte sich
wenig erfolgreich an privaten Nebengeschäften und verlor dabei
Geld.
Farmer und Händler Ulysses S. Grant
war 32 Jahre alt, Vater von zwei Söhnen, aber ohne Arbeit und
Einkommen. Er hatte nur gelernt, Soldat zu sein. Doch obwohl er im
mexikanischen Krieg als Offizier ausgezeichnet worden war, 1857 konnte er
die Farm seines Schwiegervaters, der sich nach St. Louis zurückzog,
hinzupachten. Die Aussichten verbessern sich. Die Weizenpreise stiegen.
Da brach im Juni eine Kältewelle über das Farmland herein.
Der größte Teil des halbreifen Korns erfror auf den Feldern.
Als nächstes suchte eine Typhusepidemie die Gegend heim. Zunächst
wurde Freddy Grant sterbenskrank, dann warf die Seuche die 7 Negersklaven
nieder, und schließlich wurden auch Julia und Ulysses Grant
befallen. Im Oktober waren die Grants gezwungen, ihren Viehbestand
zu verkaufen. Grant und Frederick Dent verpachteten das Land, da Ulysses
Grant nach wie vor unter Fieberanfällen litt und auf absehbare
Zeit nicht imstande war, die schwere Farmarbeit zu leisten. Frederick
Dent überredete seinen Neffen Harry Boggs, der ein Landmaklerbüro
in St. Louis unterhielt, Grant als Partner aufzunehmen.
Immer wieder von
Fieberanfällen geschüttelt, entwickelte er zudem keinerlei
geschäftlichen Ehrgeiz, so daß Boggs sich schließlich
wieder von ihm trennte. Erfolglos bewarb Grant sich um den Posten
eines Superintendenten für die Bezirksstraßen. Schließlich
wurde er als Buchhalter im Zollhaus von St. Louis angestellt, aber
schon nach zwei Monaten wieder entlassen, weil der Zolleinnehmer verstarb
und sein Nachfolger die verschiedenen Positionen neu besetzte. Erneut wandte er sich an seinen Vater, der seine Gerbereien inzwischen auf seine beiden anderen Söhne Simpson und Orvil übertragen hatte, und bat um Hilfe. Schon bald konnten die Grants nach Galena übersiedeln, wo Ulysses in die Lederhandlung seiner Brüder eintreten sollte. Er erhielt ein Monatssalär von 50 Dollar. Ende des Jahres sollte über eine Teilhaberschaft entschieden werden. Im April 1860 trat Grant seine Stellung an. Die Arbeit schien wie für ihn geschaffen: Als ehemaliger Quartermaster der Armee war er es gewöhnt, zu organisieren, Bücher zu führen, ein Lager zu verwalten, einzukaufen. Er reiste durch Wisconsin und Iowa, kaufte Rohhäute ein und sorgte für deren Transport nach Galena, wo sie eingeschifft und zu den Gerbereien gebracht wurden. Die gegerbten Häute wurden dann zur weiteren Verarbeitung und zum Verkauf zurück nach Galena verschifft. Die Stadt war
ein ausgezeichneter Standort für dieses Geschäft: Die umliegenden
Bleiminen sorgten für einen stetigen wirtschaftlichen Aufschwung.
Das Problem Ulysses Grants war, daß er als Quartermaster der
Armee nicht gezwungen gewesen war, wie ein Geschäftsmann zu denken.
Dazu fehlte ihm jedes Talent. Obwohl er sich redlich Mühe gab,
wurde er immer wieder von anderen Händlern übervorteilt.
Seine Brüder waren nicht sonderlich glücklich über
seine Arbeit.
Über Grants
privates Leben in dieser Zeit gibt es kaum Unterlagen. Sicher ist
nur, daß er seit seiner Rückkehr aus Fort Humboldt keine
Alkoholprobleme mehr hatte. Frühere Armee-Kameraden bezeugten,
daß er bei Treffen mit ihnen keinen Tropfen Alkohol anrührte.
Die einzigen Vergnügen, die er sich gönnte, waren ein gelegentliches
Karten- oder Schachspiel, seine Pfeife oder eine Zigarre. Er beteiligte
sich nur wenig an öffentlichen Debatten, dann aber vertrat er
stets entschieden einen unionistischen Standpunkt. Die Diskussionen
über eine Spaltung der USA wurden in jener Zeit heftig geführt,
doch als der Bruch zwischen Nord und Süd schließlich eintrat,
löste er auch in Galena Überraschung und Aufregung aus. Ulysses
Grant lehnte es ab, sich zum Kommandanten wählen zu lassen, bot
aber an, in jeder anderen Funktion in der Kompanie zu dienen.
Wieder Soldat Die zweite militärische
Karriere des Ulysses S. Grant begann mit Hindernissen: In Camp Yates
bei Springfield zeigte der Gouverneur nur wenig Interesse an seinen
Diensten. Zunächst mit Verwaltungsarbeiten betraut, Die Antwort ließ
auf sich warten. Auch eine Bewerbung bei General McClellan, dem „kommenden
Mann", der Unionsarmee, der gerade die Ohio-Freiwilligen organisierte,
wurde brüsk zurückgewiesen. Am 15. Juni aber erreichte ihn
ein Telegramm des Gouverneurs von Illinois, der Grant das Kommando
über das 7. District Regiment im Rang eines Colonels anbot. Kurz
darauf wurde ihm das Kommando der 12. Ohio-Freiwilligen angetragen. Das Regiment wurde
gegen konföderierte Maraudeure eingesetzt, und Grant nutzte diese
erste frustrierende Felderfahrung der ungeschliffenen Rekruten, denen
der lange Marsch über verdreckte Feldwege bei Trockenheit und
ausdörrender Hitze an die Substanz ging, um die Einheit fest
in den Griff zu bekommen. Die Truppe stieß auf ein in aller
Hast verlassenes Feldlager der Konföderierten, marschierte weiter
nach Mexico, Missouri, und schlug dort Mitte August ein Camp auf.
Das erste Foto von U. S. Grant als Brigadier-General Hier erreichte
Grant die völlig überraschende Nachricht, daß er zum
Brigadegeneral der Freiwilligen befördert worden war. Frost schrieb:
Anfang November
wurden die konföderierten Truppen in Columbus, Kentucky, verstärkt.
Am 7. November gingen Grants Truppen bei Hunters Point, unweit des
Mississippi-Hafens Belmont, gegenüber von Columbus, an Land und
griffen die Südstaatler an, die sie in gleicher Stärke (ca.
2700 Mann) erwarteten. Sie trieben die überraschten Konföderierten
in die Flucht. Der Sieg ließ Grants Männer leichtsinnig
werden. Sie begannen zu plündern und ließen sich nur schwer
unter Kontrolle halten. Als die konföderierte Artillerie in Columbus
das Feuer auf die Angreifer eröffnete, gelang es den CSA-Offizieren,
ihre Soldaten wieder zu sammeln. Der Zeitungskorrespondent Eugene
Lawrence schrieb:
Bis zum Februar
1862 bemühte Grant sich, die schlimmsten Ausbildungsmängel
seiner Truppen zu beseitigen. Gleichzeitig beschäftigte ihn die
Frage, wie die beiden großen Ströme Cumberland und Tennessee
unter die Kontrolle der Nordstaaten zu bringen waren. Er gelangte
zu dem Schluß, daß dazu eine Eroberung der Forts Henry
und D6nelson unausweichlich war und entwickelte einen Plan für
einen Feldzug den Tennessee River aufwärts, Grant ließ
seine Regimenter sofort nachstoßen. Dabei war ihm klar, daß
der kommende Kampf nicht so leicht werden würde: Ihm standen
21000 Konföderierte unter den Generälen Floyd (vormals Kriegsminister
der Konföderierten Staaten), Pillow und Simon Buckner gegenüber
- letzterer ein früherer Freund Grants. Am 14. Februar scheiterte
ein Angriff der Flußboote, wobei Foote verletzt wurde. Grant
erfuhr, daß sich die konföderierten Truppen an seiner rechten
Flanke sammelten, um die Unionslinien zu durchbrechen und nach Nashville
zu gelangen. Er ritt selbst zum rechten Flügel und traf gerade
ein, als die Konföderierten mit Macht angegriffen. Grants Soldaten
(unter dem Kommando von General McClernand) hatten nur noch wenig
Munition. Der Durchbruch der Südstaatler schien unaufhaltsam.
Grant entschied sich sofort zu einem energischen Angriff auf dem linken
Flügel, um seine rechte Flanke zu entlasten. Die Entscheidung
fiel in der Nacht des 15. Februar. Der konföderierte General
Floyd übergab sein Kommando an General Pillow, der die Verantwortung
wiederum an Simon Buckner weiterreichte, dem die undankbare Pflicht
blieb, am Morgen des 16. Februar bei Grant um die Kapitulationsbedingungen
zu bitten.
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