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© Peter Kircher, Die Hüte und Mützen der US-Armee von 1825-1872

Hüte und Mützen der US-Armee
von 1825-1872

 

Ein Wort zuvor
Die Grundlage dieser Ausarbeitung bildete unter anderem der United-States-Army-Headgear-Katalog von Edgar M. Howell,
herausgegeben vom Smithsonian-Institut in Washington. Damit liegt eine Auswertung nach neuesten Erkenntnissen vor.

 

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Gesticktes Hutabzeichen eines Offiziers

 


Historische Grundlagen

Die militärische Kopfbedeckung ist der markanteste Teil einer Armeeuniform. Auf sie richtet sich das Hauptaugenmerk, will man den Zeitpunkt einer Uniformepoche möglichst präzise bestimmen. In der Tat hat sich daran bis heute nichts geändert. Selbst wenn die übrigen Uniformteile unverändert bleiben, vermittelt der Wechsel der Kopfbedeckung ein verändertes Aussehen und erweckt meist den Eindruck einer neuen Uniformierung. Beispielsweise der Wechsel der Feldmütze im Jahre 1839 und das Ersetzen der Uniformkappe durch das Armeehutmodell 1858 lassen dies deutlich werden.

Der Einfluß der Zivilmode auf die Uniformierung war groß, dies galt besonders für die Kopfbedeckung. Die zylinderförmigen, schnallenbesetzten Hüte des Biedermeier lassen sich durch die einzelnen Tschakomodelle auch bei den Uniformen nachweisen. Diese Feststellung gilt für Europa wie für die USA. Die Friedenszeit zwischen 1825 und 1845 spiegelt sich in der Verspieltheit der Tschakodekorationen in Form von Kordelbesatz, Fangschnüren und Federbüschen wider.

 

Hutabzeichen für ein Kavallerie-Regiment von 1851

 

Bezeichnend für die USA war hierbei, daß diese Art der Dekorationen, die während des Bürgerkrieges von 1861 bis 1865 fast gänzlich verschwanden, nach dem Kriege wieder vereinzelt Verwendung fanden und begeistert angenommen wurden. Besondere Bedeutung gewann die Entscheidung des amerikanischen Kriegsministeriums im Jahre 1855, für zwei neuaufgestellte Kavallerie-Regimenter statt der bisher gebräuchlichen Uniformkappe französischen Ursprungs, einen schwarzen Filzhut zu genehmigen, der dann mit kleinen Abänderungen 1858 für die gesamte US-Armee vorgeschrieben wurde. Diese Hutform, die man von Belgien übernommen hatte, war nicht unumstritten.

Eine politische Motivierung ist nicht ganz von der Hand zu weisen, auch wenn andere Gründe angeführt wurden. Allein die Tatsache, daß ein solcher Filzhut in die Uniformierung der US-Armee einbezogen wurde, deren Aussehen französischen Charakter angenommen hatte, war zumindest ungewöhnlich.

 

Hutabzeichen für ein Kavallerie-Regiment von 1858

 

Um diesen Umstand näher zu erläutern, soll eine Übersicht über die Entwicklung der Hutform und ihre politische Bedeutung in Europa und den USA aus dem Buch von Tillmann Roeder, VON KOPF BIS HUT (1984), folgen:" Der Zylinder war schon im 18. Jahrhundert bekannt und nahm als Puritaner- und Quäkerhut seinen Weg von England nach Amerika, um dann nach Europa zurückzufinden. Auf dem europäischen Festland blieb er bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bedeutungslos.
Doch die Begeisterung liberaler Kreise für den Freiheitskampf in Nordamerika, bescherte ihm in diesen Gruppierungen eine neue Popularität.

Unausgesprochen gab durch ihn sein Träger einen klaren Ausdruck seiner Einstellung zum amerikanischen Freiheitskampf. Als amerikanischer Hut wurde er so zu einem Symbol freiheitlicher Gedanken und ebenfalls zum Revolutionärshut. Als die Mode von ihm Besitz ergriff, wurde er dann gesellschaftsfähig. In der Auseinandersetzung des Liberalismus gegen Absolutismus und Restauration, wurde dann 1848 ein anderes Modell politisch bedeutsam.

 

Artillerie-Abzeichen

 

Es war ein grauer, schwarzer oder brauner Filzhut in weicher Form, den man Carbonari oder Demokratenhut, sowie Heckerhut und auch Kalabreser nannte.
Ursprünglich wurde diese Hutform von den kalabresischen Republikanern getragen. Diese Bezeichnung wurde dann auch international für dieses Modell verwendet.
Diese Hüte wurden mit Federn und Kokarden dekoriert. (In Deutschland im Jahre 1848 mit den Revolutionsfarben Schwarz, Rot, Gold.)

Sie erhielten nun die Bezeichnung "Barrikadenhut" oder "Stürmer". Diese Revolutionshüte galten sehr bald als Verschwörerhüte, da die breite Krempe das Gesicht verbergen konnte. Als Kennzeichen der Volksverführer und Aufwiegler, erzeugten sie bei der kultivierten Gesellschaft den Wunsch nach Ruhe und Ordnung.
Als Symbol des politischen Widerstandes wurden sie daher von der Polizei verfolgt.

 

Messingabzeichen für Mannschaften der Kavallerie

 

Als die USA in den 1850er Jahren den Filzhut einführten, wurde er häufig auch Kossuth-Hut genannt, nach dem ungarischen Freiheitskämpfer von 1848.
Unter seiner Präsidentschaft wurde am 13. April 1849 die Republik Ungarn ausgerufen. Dieser Kossuth-Hut der US-Armee wurde mit einer besonderen Dekoration ausgestattet: Eine oder mehrere schwarze Straußenfedern, je nach Dienstrang, und an der rechten Seite ein Adlerornament statt einer Landeskokarde.

Da es sich um eine militärische Kopfbedeckung von regulären Einheiten handelte, wurde noch zusätzlich ein besonderer Kordelbesatz hinzugefügt.
Es steht somit außer Zweifel, daß die Wahl dieses Hutmodells und seine inoffizielle Bezeichnung zumindest den Anschein einer politischen Deutung zuläßt.

 

Messingbzeichen für Offiziere der Kavallerie

 

Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges trat dann plötzlich der Kalabreser wieder in Erscheinung. Da Nord- und Südstaaten für sich in Anspruch nahmen,
die Freiheit zu verteidigen und das Recht auf ihrer Seite wähnten, ist es nicht verwunderlich, daß beide Seiten zunehmend von diesem Modell Gebrauch machten.
Diese Ausführungen waren nicht nur sehr praktisch und populär, sondern sie vermittelten auch eine gewisse Aussage, über die schon ausführlich berichtet wurde.

Bei der Union war dieser weiche Filzhut meist schwarz. Braune und graue Ausführungen waren zwar seltener, sind aber ebenso bekannt. In der Krone hatten diese Hüte meist einen gedrückten Mittelkniff. Dekoriert waren diese inoffiziellen Armeehüte der Union, wenn überhaupt, nur mit einer Hutkordel in der jeweiligen Waffenfarbe oder mit einer Offiziersschnur und gelegentlich auch mit einem entsprechenden Waffenemblem. Hutfedern dagegen waren bei diesen nichtregulären Ausführungen der Unions-Armee nicht so populär und wurden daher nur selten angetroffen.

 

Inoffizielles Abzeichen des Kavallerie-Korps der Potomac-Armee aus Messing

 

Bei den Konföderierten war diese Art der Hüte ebenso beliebt und meistens braun, grau und beige, allerdings auch schwarz. Am Anfang des Bürgerkrieges bestand deren Dekoration aus schwarzen, weißen oder bräunlichen Straußenfedern. Hutkordeln und Waffenzeichen waren im Süden in den Uniformvorschriftenvon 1862 nicht enthalten und daher im Falle ihrer Verwendung auf Beutestücke oder aber auf einen Rest der Vorkriegsbestände zurückzuführen.

Im Verlauf des Krieges wurden diese Hüte zum populärsten Uniformteil in der Konföderierten Armee. An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß auch dem verwendeten Armee-Kepi französischen Ursprungs die gleiche politische Bedeutung zukam. Daher ist es nicht verwunderlich, daß dieser Mützenstil von Nord- und Südstaaten gleichermaßen bevorzugt wurde.

 

Messingabzeichen für Mannschaften der Infanterie

 

Stand doch dieses französische Kepi im Gegensatz zur preußischen Pickelhaube für Demokratie, republikanische und föderalistische Gesinnung.
Dies hielt die Konföderierten aber nicht davon ab, auch diese Pickelhelme der 1860er Jahre preußischer Herkunft vereinzelt bei ihren Truppeneinheiten zu verwenden.
Was den Kalabreser angeht, ist nun wohl offensichtlich, daß diese Hutform als Vorlage des späteren US-Feldhutes gedient haben mag.
Fotografierte Modelle und vorhandene Originalstücke lassen den Schluß zu, daß schon ab 1861 diese Hüte von Offizieren und Mannschaften der US-Armee verwendet wurden, auch wenn diese Modelle nicht dem offiziellen Reglement entsprachen.

Noch ein weiterer Hinweis spricht dafür. Eine Zeichnung aus "Frank Leslie's Illustrated" vom 10. August des Jahres 1861 hielt jenen Moment fest,
in dem der Unions-General Nathaniel Lyon tödlich getroffen von seinem Pferd fiel. Auf dieser Skizze tragen alle abgebildeten Unions-Infanteristen nichtreguläre,
weiche Schlapphüte. Der Hut von General Lyon selbst ist im oberen Bildteil mit allen Details zusätzlich dargestellt.

 

Messingabzeichen eines Infanterie-Offiziers

 

Ab ca. 1866 wurden diese Hutmodelle sogar als Paradehüte erst für Offiziere, später dann auch für die Mannschaften bis einschließlich 1872 zugelassen.
Mit der Dekoration von Hutfedern und Adlerornament war die Ähnlichkeit mit den Revolutionshüten der 48er Jahre verblüffend. Was den politischen Einfluß auf die amerikanische Uniformmode unterstreicht ist folgende Tatsache: Nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges im Jahre 1871 wurde Europa ein neues Kaiserreich beschert. Die französische Souveränität auf militärischem Sektor war damit in Europa zumindest in Frage gestellt.

Genau zu diesem Zeitpunkt, im Juli 1871, wurden in den Vereinigten Staaten Überlegungen angestellt, die Uniformierung der US-Armee neu zu gestalten. Das Ergebnis führte 1872 zu einem gewissen Kompromiß, der in den General-Ordern No. 76 vom 29. Juli 1872 und No. 92 vom 26. Oktober 1872 vom Kriegsministerium festgelegt wurde.

 

Pionierabzeichen

 

Während man bei der Felduniformierung die gewonnenen Erfahrungen aus dem Bürgerkrieg sowie den Indianerfeldzügen zu Grunde legte
und diese an sich nur geringfügig veränderte, wurde die Paradeuniform radikal neu gestaltet. Der Paradehut wurde durch diese neue Regelung gänzlich abgeschafft.
Die Fußtruppen erhielten nun wieder eine Uniformkappe mit Pompon, die entfernt an die Vorkriegsmodelle von 1854-58 erinnerte.
Den Offiziersdienstgraden wurde statt eines farbigen Pompon, ein Hahnenfederbusch zugestanden.

Für die Infanterie waren Pompon und Federbusch in Weiß, für die schwere Artillerie in Rot gehalten. Den berittenen Einheiten wurde ein schwarzer Filzhelm zugewiesen,
der sehr große Ähnlichkeit mit der preußischen Pickelhaube jener Epoche aufwies, jedoch wurde statt einer Helmspitze, ein Helmbusch in der Waffenfarbe verordnet.

 

links: Messingzeichen für Mannschaften der Artillerie
rechts:
Messingabzeichen eines Artillerie-Offiziers


Weiterhin wurden diese Helme mit einer geknoteten Kordel in der Waffenfarbe und einem großen Messingadler dekoriert. Der neue Uniformrock für die Paradeuniform basierte auf seinem Vorgängermodell von der Infanterie und hatte nun für alle Waffengattungen bei den Mannschaften den gleichen Schnitt.
Für die berittenen Einheiten fiel er aber etwas kürzer aus. Statt der Messingepauletten wurden farbige Schulterstücke vorgeschrieben.
Die Regimentsnummer wurde wieder auf dem vorderen, in der Waffenfarbe ausgelegten Kragenteil angebracht.

Zur Dienstuniform wurde weiterhin für Offiziere und Mannschaften ein dunkelblaues Kepi nach französischem Vorbild bis 1895 vorgeschrieben. Diese Betrachtungen sind als Begründung dafür anzusehen, daß der militärischen Kopfbedeckung der US-Armee besondere Bedeutung eingeräumt werden sollte.

 

 

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