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Hüte und Mützen der US-Armee
Ein
Wort zuvor
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Gesticktes Hutabzeichen eines
Offiziers
Die militärische Kopfbedeckung ist der markanteste Teil einer Armeeuniform. Auf sie richtet sich das Hauptaugenmerk, will man den Zeitpunkt einer Uniformepoche möglichst präzise bestimmen. In der Tat hat sich daran bis heute nichts geändert. Selbst wenn die übrigen Uniformteile unverändert bleiben, vermittelt der Wechsel der Kopfbedeckung ein verändertes Aussehen und erweckt meist den Eindruck einer neuen Uniformierung. Beispielsweise der Wechsel der Feldmütze im Jahre 1839 und das Ersetzen der Uniformkappe durch das Armeehutmodell 1858 lassen dies deutlich werden. Der Einfluß der Zivilmode auf die Uniformierung war groß, dies galt besonders für die Kopfbedeckung. Die zylinderförmigen, schnallenbesetzten Hüte des Biedermeier lassen sich durch die einzelnen Tschakomodelle auch bei den Uniformen nachweisen. Diese Feststellung gilt für Europa wie für die USA. Die Friedenszeit zwischen 1825 und 1845 spiegelt sich in der Verspieltheit der Tschakodekorationen in Form von Kordelbesatz, Fangschnüren und Federbüschen wider.
Hutabzeichen
für ein Kavallerie-Regiment von 1851
Bezeichnend für die USA war hierbei, daß diese Art der Dekorationen, die während des Bürgerkrieges von 1861 bis 1865 fast gänzlich verschwanden, nach dem Kriege wieder vereinzelt Verwendung fanden und begeistert angenommen wurden. Besondere Bedeutung gewann die Entscheidung des amerikanischen Kriegsministeriums im Jahre 1855, für zwei neuaufgestellte Kavallerie-Regimenter statt der bisher gebräuchlichen Uniformkappe französischen Ursprungs, einen schwarzen Filzhut zu genehmigen, der dann mit kleinen Abänderungen 1858 für die gesamte US-Armee vorgeschrieben wurde. Diese Hutform, die man von Belgien übernommen hatte, war nicht unumstritten. Eine politische Motivierung ist nicht ganz von der Hand zu weisen, auch wenn andere Gründe angeführt wurden. Allein die Tatsache, daß ein solcher Filzhut in die Uniformierung der US-Armee einbezogen wurde, deren Aussehen französischen Charakter angenommen hatte, war zumindest ungewöhnlich.
Hutabzeichen
für ein Kavallerie-Regiment von 1858
Um diesen Umstand
näher zu erläutern, soll eine Übersicht über die Entwicklung der Hutform
und ihre politische Bedeutung in Europa und den USA aus dem Buch von Tillmann
Roeder, VON KOPF BIS HUT (1984), folgen:" Der Zylinder war schon im 18.
Jahrhundert bekannt und nahm als Puritaner- und Quäkerhut seinen Weg von
England nach Amerika, um dann nach Europa zurückzufinden. Auf dem europäischen
Festland blieb er bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bedeutungslos. Unausgesprochen gab durch ihn sein Träger einen klaren Ausdruck seiner Einstellung zum amerikanischen Freiheitskampf. Als amerikanischer Hut wurde er so zu einem Symbol freiheitlicher Gedanken und ebenfalls zum Revolutionärshut. Als die Mode von ihm Besitz ergriff, wurde er dann gesellschaftsfähig. In der Auseinandersetzung des Liberalismus gegen Absolutismus und Restauration, wurde dann 1848 ein anderes Modell politisch bedeutsam.
Artillerie-Abzeichen
Es war ein grauer,
schwarzer oder brauner Filzhut in weicher Form, den man Carbonari oder
Demokratenhut, sowie Heckerhut und auch Kalabreser nannte. Sie erhielten nun
die Bezeichnung "Barrikadenhut" oder "Stürmer". Diese Revolutionshüte
galten sehr bald als Verschwörerhüte, da die breite Krempe das Gesicht
verbergen konnte. Als Kennzeichen der Volksverführer und Aufwiegler, erzeugten
sie bei der kultivierten Gesellschaft den Wunsch nach Ruhe und Ordnung.
Messingabzeichen
für Mannschaften der Kavallerie
Als die USA in den
1850er Jahren den Filzhut einführten, wurde er häufig auch Kossuth-Hut
genannt, nach dem ungarischen Freiheitskämpfer von 1848. Da es sich um eine
militärische Kopfbedeckung von regulären Einheiten handelte, wurde noch
zusätzlich ein besonderer Kordelbesatz hinzugefügt.
Messingbzeichen
für Offiziere der Kavallerie
Zu Beginn des amerikanischen
Bürgerkrieges trat dann plötzlich der Kalabreser wieder in Erscheinung.
Da Nord- und Südstaaten für sich in Anspruch nahmen, Bei der Union war dieser weiche Filzhut meist schwarz. Braune und graue Ausführungen waren zwar seltener, sind aber ebenso bekannt. In der Krone hatten diese Hüte meist einen gedrückten Mittelkniff. Dekoriert waren diese inoffiziellen Armeehüte der Union, wenn überhaupt, nur mit einer Hutkordel in der jeweiligen Waffenfarbe oder mit einer Offiziersschnur und gelegentlich auch mit einem entsprechenden Waffenemblem. Hutfedern dagegen waren bei diesen nichtregulären Ausführungen der Unions-Armee nicht so populär und wurden daher nur selten angetroffen.
Inoffizielles
Abzeichen des Kavallerie-Korps der Potomac-Armee aus Messing
Bei den Konföderierten war diese Art der Hüte ebenso beliebt und meistens braun, grau und beige, allerdings auch schwarz. Am Anfang des Bürgerkrieges bestand deren Dekoration aus schwarzen, weißen oder bräunlichen Straußenfedern. Hutkordeln und Waffenzeichen waren im Süden in den Uniformvorschriftenvon 1862 nicht enthalten und daher im Falle ihrer Verwendung auf Beutestücke oder aber auf einen Rest der Vorkriegsbestände zurückzuführen. Im Verlauf des Krieges wurden diese Hüte zum populärsten Uniformteil in der Konföderierten Armee. An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß auch dem verwendeten Armee-Kepi französischen Ursprungs die gleiche politische Bedeutung zukam. Daher ist es nicht verwunderlich, daß dieser Mützenstil von Nord- und Südstaaten gleichermaßen bevorzugt wurde.
Messingabzeichen
für Mannschaften der Infanterie
Stand doch dieses
französische Kepi im Gegensatz zur preußischen Pickelhaube für Demokratie,
republikanische und föderalistische Gesinnung. Noch ein weiterer
Hinweis spricht dafür. Eine Zeichnung aus "Frank Leslie's Illustrated"
vom 10. August des Jahres 1861 hielt jenen Moment fest,
Messingabzeichen
eines Infanterie-Offiziers
Ab ca. 1866 wurden
diese Hutmodelle sogar als Paradehüte erst für Offiziere, später dann
auch für die Mannschaften bis einschließlich 1872 zugelassen. Genau zu diesem Zeitpunkt, im Juli 1871, wurden in den Vereinigten Staaten Überlegungen angestellt, die Uniformierung der US-Armee neu zu gestalten. Das Ergebnis führte 1872 zu einem gewissen Kompromiß, der in den General-Ordern No. 76 vom 29. Juli 1872 und No. 92 vom 26. Oktober 1872 vom Kriegsministerium festgelegt wurde.
Pionierabzeichen
Während man bei
der Felduniformierung die gewonnenen Erfahrungen aus dem Bürgerkrieg
sowie den Indianerfeldzügen zu Grunde legte Für die Infanterie
waren Pompon und Federbusch in Weiß, für die schwere Artillerie in Rot
gehalten. Den berittenen Einheiten wurde ein schwarzer Filzhelm zugewiesen,
links:
Messingzeichen für Mannschaften der Artillerie Weiterhin
wurden diese Helme mit einer geknoteten Kordel in der Waffenfarbe und
einem großen Messingadler dekoriert. Der neue Uniformrock für die Paradeuniform
basierte auf seinem Vorgängermodell von der Infanterie und hatte nun
für alle Waffengattungen bei den Mannschaften den gleichen Schnitt.
Zur Dienstuniform wurde weiterhin für Offiziere und Mannschaften ein dunkelblaues Kepi nach französischem Vorbild bis 1895 vorgeschrieben. Diese Betrachtungen sind als Begründung dafür anzusehen, daß der militärischen Kopfbedeckung der US-Armee besondere Bedeutung eingeräumt werden sollte.
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