
Mit freundlicher
Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Heros v. Borcke, ZWEI JAHRE IM SATTEL UND AM FEINDE, 1898
© Dietmar Kügler, DIE U.S.-KAVALLERIE, 1979
Die
Kavallerie
im
amerikanischenBürgerkrieg
1861 - 1865
Seite
1
Akustische-Signale:
(Hörbeispiele) |
|
|
|
|
»Die Kriegsgeschichte
ist eine eindringliche Lehrerin.
Sie wirft die glänzendsten Theorien über den Haufen und beweist unwiderleglich
durch die Beweismittel der Tat ihre Lehren. Nach den (europäischen) Kriegen
1854 und 1859 war die Kavallerie in Mißkredit gekommen; die Präzisionswaffen
hatten ihrem glänzenden Dasein ein Ende gemacht, und nur noch als historische
Überlieferung wurden Kavallerie-Regimenter in den Heeren geduldet. Für
jeden Säbel, welcher ins Gefecht kommt, können zehn Infanteristen gehalten
werden,
welche unendlich mehr leisten als ebenso viele Reiter, so lautete das
theoretische Verdikt, welches man in vielen militärischen und fast allen
politischen Tagblättern lesen konnte ... Da brach der amerikanische
Krieg aus.
Wenn auch die
Anfänge dieses Krieges wenig Anlaß boten, demselben eine militärische
Bedeutung zuzuerkennen, so heftete doch der Fortgang allmählich die Augen
der europäischen Heere immer mehr auf einzelne eigentümliche Erscheinungen.
Vor allem war es die Reiterei, die sich zugleich mit dem Aufschwung der
Militärtechnik
bemerkbar machte und die durch ihre Leistungen und Taten bald das Herz
jedes Kavalleristen höher schlagen ließ; denn nun sah man,
daß auch die europäische Kavallerie wieder eine Zukunft haben würde.«
Major Justus Scheibert, 1874
Der wertvollste
Besitz des Kavalleristen war sein Pferd
Captain
der US-Kavallerie,
wie er nach den Idealvorstellungen der Armeeführung aussehen sollte.
Im Jahre 1860 gab
es im stehenden U.S.-Heer insgesamt 5 berittene Regimenter:
Das 1. Regiment U.S.-Dragoons, das 2. Regiment U.S.Dragoons und das Regiment
der »Mounted Riflemen«. Im Jahre 1855 waren 2 weitere Regimenter aufgestellt
worden, die die Bezeichnung1. Regiment U.S.-Kavallerie und 2. Regiment
U.S.-Kavallerie trugen. Im Jahre 1861 wurde im Zuge einer Anhebung der
Mannschaftsstärke für das gesamte stehende Heer ein 3. Regiment U.S.-Kavallerie
aufgestellt. Wenig später, am 3. August, wurde eine Neuorganisation der
Truppenverbände durchgeführt.
Die berittenen Verbände wurden nun allgemein als »Kavallerie«
bezeichnet und bestanden aus:
| 1. U.S.-Kavallerieregiment |
(davor 1.
U.S.-Dragoons, aufgestellt 1833) |
| 2. U.S.-Kavallerieregiment
|
(davor 2. U.S.-Dragoons,
aufgestellt 1836) |
| 3. U.S.-Kavallerieregiment |
(davor Mounted Riflemen,
aufgestellt 1846) |
| 4. U.S.-Kavallerieregiment |
(davor 1. U.S.-Kavallerie,
aufgestellt 1855) |
| 5. U.S.-Kavallerieregiment |
(davor 2. U.S.-Kavallerie,
aufgestellt 1855) |
| 6. U.S.-Kavallerieregiment |
(davor 3. U.S.-Kavallerie,
aufgestellt 1861) |
Die Organisation
der Kavallerieregimenter
Zu Beginn des
Krieges bestanden die regulären Kavallerieregimenter der Union aus
12 Kompanien (Companies oder Troops) die in drei Bataillone zusammengefaßt
waren.
Je zwei Kompanien bildeten eine Schwadron (Squadron).

Eine
Kompanie bestand aus:
Captain (Hauptmann und Kompaniechef)
First Lieutenant (Oberleutnant)
Second Lieutenant (Leutnant)
First Sergeant (etwa Hauptfeldwebel als Kompaniefeldwebel)
Quartermaster Sergeant (Feldwebel der Quartiermeistertruppe)
4 Sergeants (etwa Feldwebel)
8 Corporals (etwa Unteroffizier)
2 Farriers (Beschlagmeister, Hufschmiede)
2 Musicians (Trompeter)
Wagoner (Fahrer)
Saddler (Sattler)
72 Privates (Mannschaften)
Der Bataillonsstab
setzte sich zusammen aus:
Battalion Commander (Major und Bataillonskommandeur)
Battalion Adjutant (Oberleutnant oder Leutnant, Adjutant)
Battalion Quartermaster (Oberleutnant oder Leutnant, Regimentsquartiermeister)
Sergeant Major (etwa Oberstabsfeldwebel, mit ähnlichen Aufgaben wie
der Kompaniefeldwebel):
Quartermaster Sergeant (etwa Stabs- oder Oberstabsfeldwebel der Quartiermeistertruppe)
Commissary Steward (Verpflegungsfeldwebel)
Hospital Stewart (etwa Sanitätsfeldwebel)
Saddler Sergeant (Sattlermeister)
Veterinary Sergeant (Veterinärfeldwebel)
Als man ab 1862 die Bataillonsebene auflöste,
wurden einige Dienstposten in den Regimentsstab übernommen.
Der Regimentsstab bestand
ursprünglich aus:
Colonel (Oberst und Regimentskommandeur)
Lieutenant-Colonel (Oberstleutnant und stellv. Regimentskommandeur)
Regimental Adjutant (Oberleutnant, Adjutant des Regimentskommandeurs)
Regimental Quartermaster (Oberleutnant oder Leutnant, Regimentsquartiermeister)
2 Musicians (Trompeter)
Die
Freiwilligenregimenter setzten sich sich in der Regel aus 8 – 12
Kompanien zusammen, wobei häufig die Bataillonsebene fehlte.
Ein Regiment hatte eine Sollstärke von 800 – 1200 Mann.
Der
Stab eines Freiwilligenregiments setzte sich zusammen aus:
Colonel (Oberst und Regimentskommandeur)
Lieutenant-Colonel (Oberstleutnant und stellv. Regimentskommandeur)
Major
Regimental Adjutant (Oberleutnant, Adjutant des Regimentskommandeurs)
Regimental Quartermaster (Oberleutnant oder Leutnant, Regimentsquartiermeister)
Assistant Surgeon (Oberleutnant, Regimentsarzt)
Chaplain (Feldgeistlicher)
Regimental Sergeant Major (etwa Oberstabsfeldwebel, mit ähnlichen
Aufgaben wie der Kompaniefeldwebel):
Regimental Quartermaster Sergeant (etwa Stabs- oder Oberstabsfeldwebel
der Quartiermeistertruppe)
Regimental Commissary Sergeant (Verpflegungsfeldwebel)
Hospital Stewart (etwa Sanitätsfeldwebel)
2 Principal Musicians (Stabstrompeter)
16 Musicians (Trompeter)
Die regulären und freiwilligen Kavallerieregimenter der Konföderierten
waren ähnlich gegliedert,
ein Regiment bestand aber in der Regel nur aus 10 Kompanien.
Ursprünglich
war ein Kavallerieregiment der Union einer Infanteriedivision unterstellt.
Die Konföderierten faßten zuerst 2 - 5 Regimenter zu einer
Kavalleriebrigade
(Stärke etwa 1200-3800 Mann) zusammen. Die Union folgte diesem Beispiel,
und im Verlauf des Krieges entstanden Kavalleriedivisionen (Stärke
etwa 2,400-11,000 Mann) mit je 2 – 3 Kavalleriebrigaden (im Süden
bis zu 6 Brigaden) und Kavalleriekorps mit 2 - 3 Kavalleriedivisionen.
Wenn vorhanden, kamen noch Reserveeinheiten hinzu.
Ausrüstung
und Bewaffnung
Ein Kavalleriepferd hatte es nicht leicht, mußte es doch neben Reiter
und Sattel auch noch alle Ausrüstungsgegenstände und Waffen
tragen,
die für den Soldaten unentbehrlich waren.
Kavalleriepferd
mit McClellan-Sattel und Satteltaschen ohne zusätzliche Ausrüstung


Zu Beginn des Krieges
waren die Kavalleristen auf beiden Seiten noch mit dem Kavalleriesäbel
und Pistolen bewaffnet. Doch die Soldaten kämpften ungern mit dem
Säbel.
So zeigt eine Statistik, daß während der ersten vier Kriegsjahre
weniger als 1’000 Säbelwunden in den Feldlazaretten der Union
behandelt werden mußten.
Der Säbel hatte
ursprünglich eine stumpfe Klinge. Das Ziel war, den Gegner mit der
Spitze zu treffen oder ihn mit einem Säbelhieb vom Pferd zu hauen.
Erst 1862 begann man, die Säbelklingen zu schärfen, doch die
Zeit der Kämpfe mit Blankwaffen ging allmählich zu Ende. Der
Säbel blieb nur noch als Statussymbol erhalten. So soll Oberst Mosby
einmal gesagt haben: „Ein Säbel eignet sich am besten dazu,
ein Stück Fleisch über ein Feuer zu halten, um es zu braten.“
Seine Männer hatten dafür bis zu vier Revolver am Mann.
Die Kavalleristen
erhielten nach und nach Karabiner, die mit ihren kurzen Läufen auf-
und abgesessen gut zu handhaben waren, so daß ein geübter Schütze
bis zu 12 Schuß pro Minute abgeben konnte. Dies führte aber
auch zu einer neuen Taktik. Die Kavalleristen ritten nun nicht mehr im
gestreckten Galopp in die feindlichen Reihen hinein, sondern benutzten
ihre Pferde nur noch dazu, schnell an den Gegner zu kommen, um dann abgesessen
zu kämpfen.
Als im Norden die Henry-Gewehre eingeführt wurden, empörte sich
ein Südstaatensoldat folgendermaßen:
„Die laden ihre Gewehre am Sonntag und schießen dann die ganze
Woche lang damit!“
Illustrationen
aus einem Taktiklehrbuch der Kavallerie von 1862


Eine etwas exotische
Truppe waren die Ulanen (Lancers), die mit ihren Lanzen („lances“
oder „pikes“) in den Krieg zogen.
Besonders bekannt wurde das 6. Kavallerieregiment aus Pennsylvania, die
„Rush’s Lancers“,
in der viele Angehörige angesehener Familien aus Philadelphia dienten.
Es wurde mehrmals wegen seiner tapferen Einsätze gerühmt.
Im Mai 1863 gaben die Soldaten ihre Lanzen ab und erhielten als neue Waffe
den Karabiner.
Doch gab es im Norden
und besonders im Süden noch weitere Freiwilligenregimenter, die mit
Lanzen bewaffnet waren.
Die Lanzen waren billig und leicht herzustellen. So rief der Gouverneur
von Georgia, Joseph E. Brown, im Februar 1862
die Werkstätten in seinem Staat auf, 10.000 Lanzen herzustellen,
denn er hatte nicht genügend Feuerwaffen, um seine Soldaten zu bewaffnen.
Er war außerdem der Meinung, daß „diese Waffe nie versagt
und auch keine Munition verschwendet.“
Die Lanzen waren etwa 2,13 m lang und hatten unterschiedliche Spitzen.


Nähere Beschreibungen
der Uniformen und Dienstgradabzeichen der Kavallerie der Nord- und Südstaaten
sind unter „Uniformen“
zu finden.
Startseite
›
Weiter
|