Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Heros v. Borcke, ZWEI JAHRE IM SATTEL UND AM FEINDE, 1898
© Dietmar Kügler, DIE U.S.-KAVALLERIE, 1979




Die Kavallerie
im amerikanischen
Bürgerkrieg 1861 - 1865

Seite 1.1

 

 


Zu Beginn des Krieges setzten die Reiter aus Nord und Süd noch ganz auf die traditionellen Kavalleriewaffen Säbel und Lanze.
Dieser Reiter aus Pennsylvanien posiert hier mit gezogenem Säbel voller Stolz für ein Erinnerungsfoto.

 

 

Das 6. Kavallerieregiment aus Pennsylvanien nannte sich auch »Rush’s Lancers«, obwohl die Reiter ihre Lanzen im Mai 1863 ablegtenund gegen Karabiner eintauschten.
Die Abteilung zeigt einige Lanzenreiter während einer Rast irgendwo in Virginia. In der linken Bildhälfte sind die zusammengestellten Lanzen zu sehen.

 

 

Reiter wie diese entschlossen dreinschauenden Soldaten aus Ohio prägten das Erscheinungsbild der Unionskavallerie aus dem Westen.
Die meisten von ihnen waren im Sattel aufgewachsen.

 

 

Die Waffenvielfalt bei der Kavallerie belegt diese Gruppenaufnahme von Reitern der 1. Schwadron der 5. Ohio-Kavallerie.
Neben den Säbeln und Sharps-Karabinern erkennt man verschiedene Revolvermodelle.

 

 

Oft mußte die Kavallerie Patrouillendienste entlang der verwundbaren Bahnlinien leisten. Hier eine gemischte Gruppe von Kavalleristen und Infanteristen
neben einem Blockhaus bei der Orange & Alexandria-Eisenbahn im Jahr 1864

 

 

Unionskavallerie vor Baton Rouge, Louisiana, in der Nähe des Mississippi. Ihre Zelte und Lagerfeuer erstrecken sich fast bis zum Horizont.


 

Hunderte von Unionsreitern stehen bei ihren Pferden und machen sich fertig zum Aufsatteln. Es ist wahrscheinlich ein ganzes Kavallerieregiment abgebildet.

 

 

 

Dieser bocksbärtige Reiter stellt nochmals die typischen Waffen des Bürgerkriegs-Kavalleristen zur Schau:
Säbel, Colt Army-Revolver M 1860, sowie den (Sharps-) Karabiner am Schultergurt eingehakt.




Sporen eines Kavallerieoffiziers der Union.



General Phil Sheridan (1831/1888),
der bedeutendste Kavallerieoffizier der Nordstaaten mit seinen jungen Kommandeuren, die die US-Kavallerie reformierten.
Von links nach rechts: Sheridan, Forsyth, Merritt, Devin und Georg Armstrong Custer.

 

»Der anfangs [von der Union] begangene Fehler, die Formierung neuer Kavallerieregimenter gänzlich zu unterlassen, hatte sich sehr bald empfindlich fühlbar gemacht,
und man war infolgedessen [nachdem George McClellan im August das Kommando über die Unionstruppen übernommen hatte] bereits im Winter 1861 eifrigst bestrebt,
das Versäumte nachzuholen. Ende des Jahres 1862 waren 116 freiwillige Reiter-Regimenter und 6 reguläre Kavallerieregimenter vorhanden. Fast die Hälfte der ersteren hatten die Staaten New York, Pennsylvania, Kentucky, Ohio, Illinois und Missouri gestellt. Regimenter sollten 1.000 bis 1.200 Mann stark sein, der Pferdebestand sank aber sehr bald auf 400 bis 500 Pferde herab.

Die neuformierte Kavallerie war lange Zeit hindurch von sehr geringer Qualität und zog, bis tief in das Jahr 1863 hinein,
in allen Gefechten mit der weit vorzüglicheren Kavallerie der Konföderierten den Kürzeren. Namentlich beeinträchtigte die Brauchbarkeit der Kavallerie die äußerst mangelhafte Pflege der Pferde. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so würden die meistens mit sehr guten Pferden ausgestatteten Regimenter um so mehr haben leisten können, als die angeborene Verwegenheit der Amerikaner sie ganz besonders für die Zwecke der leichten Kavallerie geeignet macht. Zu Fouragirungen, Streifzügen und Rekognoszierungen waren sie am besten zu gebrauchen, weniger brauchbar zeigten sie sich in rangierten Gefechten und bei geschlossener Formation.«
Constantin Sander, Geschichte des vierjährigen Bürgerkrieges in den Vereinigten Staaten von Amerika, 1865


Gerade in Bezug auf die berittenen Truppenverbände waren die Südstaaten erheblich im Vorteil. Der Dienst in der Kavallerie war in den Südstaaten Tradition,
da die Kavallerie als Elite angesehen wurde, zu der sich vor allem die stolzen Pflanzersöhne drängten. Vier Colonels, Regimentskommandeure, der U.S.-Kavallerie waren Südstaatler. Sofort nach Lösung ihrer Heimatstaaten von der Union nahmen sie ihren Abschied, gingen in den Süden und stellten sich der konföderierten Regierung zur Verfügung. Kommandeure anderer Truppenverbände handelten ähnlich. Sie wurden im Süden meist sehr rasch zu Generälen befördert und mit der Organisation einer eigenen südlichen Armee betraut, wie Joseph E. Johnston von der 1. U.S.-Kavallerie, Robert E. Lee von der 2. U.S.-Kavallerie und J. E. B. Stuart von den Mounted Riflemen, der den Oberbefehl über die Reiterverbände von Virginia übernahm, brillanter Haudegen und zweifelsohne der begabteste, tapferste und überragendste Kavallerieführer im Bürgerkrieg.

Die meisten Südstaatler waren »geborene Reiter«. Der Umgang mit Pferden gehörte von Kindesbeinen an zu ihrem Alltag. Sie waren es gewöhnt, ausdauernd und viel zu reiten und konnten sich, aufgrund ihrer Erfahrungen, auch kämpfend zu Pferde bewegen. Sie brachten zumeist ihre eigenen Pferde mit, als sie sich für den Dienst in der konföderierten Armee meldeten, einer Armee, die geradezu über Nacht aus dem Boden gestampft wurde. Zweifellos eine organisatorische Meisterleistung.
Die Kavallerie des Nordens, vor allem die berittenen Milizen, waren dagegen unerfahren und meist schlecht ausgebildet. Man maß zu jener Zeit in Amerika den Kavallerieeinheiten in einem »konventionellen Krieg« keinen besonderen Wert bei.

Diese Haltung orientierte sich im wesentlichen an europäischen Erfahrungen. Nur für die westliche Grenzsicherung und die Auseinandersetzungen mit den Indianern
hatten die berittenen Truppen Gewicht. Es erschien den meisten Militärtheoretikern unwahrscheinlich, daß die Kavallerie im Krieg zwischen Nord und Süd eine wesentliche Rolle spielen würde. Der voraussichtliche Kriegsschauplatz, vor allem die südlichen Staaten, schien kein sonderlich geeignetes Terrain für Reitereinsätze zu sein.
Die Staaten der Konföderation waren von dichten Wäldern und Sümpfen durchzogen. Es gab zahllose Flüsse, Gräben, Felder und Zäune, die einem großflächigen Einsatz
von Reiterverbänden entgegenzustehen schienen. Dabei sollte sich gerade für den Süden die Kavallerie als besondere Stärke erweisen und lange Zeit der überlegene Faktor der konföderierten Armee gegenüber der Nordarmee in der kämpferischen Dominante sein.

Der preußische Major Justus Scheibert, der auf seiten der Südstaaten den amerikanischen Bürgerkrieg miterlebte, schrieb zu diesem Problem:

»Mit sympathischem Gefühle sah man den echten Reitergeist ohne Furcht und Tadel entstehen, eine Genialität der Führung sich entwickeln und Leistungen zu Tage treten,
die die schönsten Früchte verhießen. Vor allem erblühte eine Taktik, welche nichts mit dem theoretisch als Muster hingestellten Fußreiterwesen gemein hatte,
sondern welche voll und frisch in die altpreußische Kampfweise griff und mit Choc und Säbel den Erfolg zu erzwingen wußte, den das Fußgefecht nur bedächtig und vorsichtig einleitete ... Gleich der Infanterie mußte natürlich auch die Kavallerie bei den improvisierten Heeren eine Entwicklungsepoche durchmachen,
ehe sie zu einer beachtenswerten Truppe emporstieg.«

 


DIE KAVALLERIE J. E. B. STUARTS -
DAS AUGE DER ARMEE

 


Stuarts Kavallerie bricht im Morgengrauen zu einem Raid auf.

 

Die Kavallerieeinheiten im Süden besaßen von Beginn des Krieges an erheblich mehr Gewicht als die Reiterverbände des Nordens. Die militärischen Führer der Konföderation räumten ihnen einen unerhört wichtigen Rang ein. Daher muß dem Einsatz der konföderierten Kavallerie mehr Aufmerksamkeit geschenkt und breiterer Raum gewidmet werden, zumal sie auch militärhistorisch bedeutsamer war. Gleiches gilt auch für den Kommandanten der südlichen Reiterei,
der ohne übertreibung als einer der bedeutendsten Kavallerieführer der Militärgeschichte bezeichnet werden darf.

J. E. B. Stuart, ein Mann mit Witz, gewinnendem Charme und messerscharfer Intelligenz, war von ausgeglichenem, ruhigem, freundlichem Temperament.
Ihm war schon in jungen Jahren jenes Charisma eigen, das jeder gute militärische Führer benötigt, um seine Mannschaft zu engagiertem Einsatz zu bewegen.
Er besaß Begeisterungsfähigkeit und eine durch hohe persönliche Tapferkeit gewachsene Autorität. Vor dem Krieg war er Offizier der Mounted Riflemen
und später der 1. U. S. - Kavallerie. Nach dem Auseinanderbrechen des Nordens und des Südens hatte sich der Virginier spontan der Konföderation angeschlossen
und wurde nach Ausbruch des Krieges, erst achtundzwanzig Jahre alt, zum General befördert.
Allein seiner Persönlichkeit war die Stärke und Geschlossenheit der südlichen Kavallerie zuzuschreiben, die wie die gesamte Südarmee mit ständigen erheblichen,
die Existenz bedrohenden Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Um so höher sind ihre imponierenden Erfolge zu bewerten. Ein beeindruckender Mann, der jeden,
der ihm gegenübertrat, sofort in seinen Bann zog.

 

Nach einem erfolgreichen Raid Stuarts,
schleppen US-Reparaturkolonnen zerstörte Lokomotiven ab.



»Die hervorragende Aufgabe der Kavallerie war, Auge und Fühlhorn der Armee zu sein und zugleich den Schleier zu bilden, durch welchen die eigenen Bewegungen denen des Feindes entzogen wurden«,
schrieb der preußische Militärbeobachter Major Justus Scheibert.


Der Oberkommandierende des Südens, General Lee, erwartete von den berittenen Truppen, daß sie stets über die Absichten, Stellungen und Truppenstärken des Gegners orientiert waren. Auf diesen Informationen basierte seine eigene Planung. Dies war um so wichtiger, als die Südarmee den Unions-Streitkräften zahlenmäßig immer erheblich unterlegen war und daher ihre Offensiven schwerpunktmäßig durchführen mußte. Das Überraschungsmoment spielte eine große Rolle.
Angriffe mußten den schwächsten Punkt des Feindes treffen und ihm gleichzeitig die größtmöglichen Schäden zufügen. Daß diese, durch die bescheidenen Verhältnisse der Südarmee bedingte Taktik so lange erfolgreich durchgeführt werden konnte, spricht für die immense Leistung der Reiterei. Die reguläre Kavallerie der Südstaaten war ähnlich organisiert wie die Reiterverbände europäischer Armeen.

Sie war in Divisionen, Brigaden, Regimenter, Schwadronen und Kompanien eingeteilt. Die Sollstärke von wenigstens 100 Mann für jede Schwadron war so gut wie nie gegeben. Die meisten Truppenteile waren niemals vollzählig, wenn sie an die Front zogen. Sei es durch zuwenig Freiwillige, sei es durch den Ausfall von Soldaten durch Krankheit, Verletzungen und Urlaub, oder durch Verluste auf dem Schlachtfeld. Selbst erhebliche Verluste, die Regimenter bis auf 30% oder 40% ihrer Sollstärke reduzierten, führten nicht zur Auflösung der Verbände. Die Kavallerie des Südens war ähnlich bewaffnet wie die berittenen Truppen der Union.
Allerdings war die Vollständigkeit der Bewaffnung nur in begrenztem Maße gegeben, und vielfach waren Feuerwaffen der unterschiedlichsten Hersteller und Kaliber in einem einzigen Regiment anzutreffen. Der Säbel war die durchgehende Standardbewaffnung, auch wenn viele Kavalleristen - sowohl im Süden, als auch im Norden - sich im Umgang damit nicht sonderlich begabt zeigten.

 

US-Kavallerieschule in den Carlisle Barracks, Pennsylvania.
Stuart überfiel diesen Posten 1863 während des Gettysburg Raids.

 

So kam es vor, daß im Falle von Verfolgungen nach einer Attacke viele Reiter ihre Säbel wegsteckten, mit Revolver oder Pistole weiterkämpften oder gar flüchtende feindliche Reiter mit der bloßen Faust aus dem Sattel schlugen. Faustfeuerwaffen waren nicht die Regel. Die Revolverproduktion der Südstaaten hielt sich in bescheidenen Grenzen, und die Produkte dieser Fabrikation erreichten nicht die Qualität der im Norden produzierten Revolver der Firmen Remington und Colt. Revolver verschiedenster Kaliber, verschiedenster Zündungssysteme, auch europäische, wurden verwendet, gleiches galt für die Karabiner, wobei die Ausstattung mit Sattelgewehren besser war als mit Revolvern.
Auch die Zahl der aus den Arsenalen des Nordens oder auf Schlachtfeldern erbeuteten Waffen war nicht zu unterschätzen. Die Taktik der konföderierten Kavallerie bildete sich empirisch (auf Erfahrung gründend). Die Reiter des Südens nutzten ihre Beweglichkeit zu Pferde und ihre Überlegenheit in der überraschenden, improvisierten Attacke gegenüber der Kavallerie des Nordens voll aus. Hierbei war auch die Qualität des Pferdematerials eine gute Hilfe und die Tatsache, daß die Pferdezucht im Süden eine größere, erfolgreichere Tradition hatte als im Norden.
Die Pferde gehörten der »Hunter-Rasse« an und waren beweglicher, zäher und ausdauernder als die Pferde der nördlichen Kavallerie (»Trotter«). Die Kavallerie agierte selbständig, wenn auch in enger Verbindung mit den Artilleriebatterien und der Infanterie. Die hauptsächliche Taktik der Reiterei des Südens war der überfallartige Überraschungsangriff, der den Feind unvorbereitet traf, aus seinen Stellungen vertrieb und in die Defensive zwang.

»Man leitete das Gefecht ein, indem man sich möglichst unbemerkt dem Feind zu nähern suchte. War keine vollständige Überraschung angänglich so eröffnete gewöhnlich die Artillerie das Gefecht, um einesteils den Feind zur Entwicklung zu zwingen, und andererseits, um den Regimentern Zeit zu verschaffen, zur Attacke aufzumarschieren; denn die Südländer evolutionierten ungern im Feuer selbst. Hatte die Kavallerie gedeckte Infanterie gegen sich stehen, oder war man über die Stellung des Feindes nicht genau orientiert, so stießen einige Scharfschützenschwadrone ab und suchten den Feind durch geschütztes Manövrieren zum Entfalten seiner Kräfte zu bewegen. Die Entscheidung wurde durch die Attacken herbeigeführt, welche in 2 Gliedern ausgeführt wurden, wobei das 2. Glied eine Pferdelänge abblieb.
Die Chocs wurden sehr schneidig, aber nicht übermäßig geschlossen geritten, und im Moment des Einhauens wurde ein markdurchdringendes hohes Gellen ausgestoßen, welches auch die Infanterie beim Bajonettangriff erschallen ließ. Das vielfach durchschnittene Terrain machte das Manövrieren eines größeren Kavallerie-Korps als taktisches Ganzes unmöglich. Die größte, taktisch geschlossen zu handhabende Abteilung war die Brigade. Wenngleich Stuart sein Kavallerie-Korps bis auf 12 000 Säbel brachte,
so arbeiteten zwar die Brigaden nach der Einheit eines allgemeinen Planes auf ein gemeinsames Ziel los, jedoch jede in sich taktisch geschlossen ...
Ein beharrliches Streben hatte die Kavallerie, die Flügel des Feindes zu suchen, während man gegen die feindlichen Flankenangriffe entweder eine kleine Reserve in der Hand behielt, oder wie es einige Male ausgeführt wurde, einen Trupp mitten aus der attackierenden Masse schnell rallierte,
mit dem man sich dem drohenden Flügelangriff entgegenwarf.«

Major J. Scheibert, DER BÜRGERKRIEG IN DEN NORDAMERIKANISCHEN STAATEN, 1874

Ein besonders wichtiger Grundsatz für den erfolgreichen Einsatz der Kavallerie war ein enger persönlicher und geistiger Zusammenhalt der militärischen Führer, etwas was heute als Teamgeist bezeichnet werden würde. In den Südstaaten war dieses Element in reichem Maße vorhanden, während dieser notwendige Faktor im Norden häufig aus Eitelkeit, Konkurrenzdenken oder schlichter Unfähigkeit fehlte. Die Stabsoffiziere J.E.B. Stuarts vertrauten einander blind und ordneten sich willig dem General unter.
Stuart verstand es stets, sowohl seine Mannschaften, als auch seine Offiziere zu motivieren. Der Führungsstab der konföderierten Kavallerie bildete ein organisches Ganzes, ohne zerstörerische Rivalitäten. Dabei waren die führenden Offiziere der einzelnen Truppenteile dermaßen aufeinander eingespielt, daß umständliche Koordinationen entfielen. Auf Handzeichen, auf Stichwort funktionierte das glänzende Zusammenspiel der Einheiten.
Gerade diese Geschlossenheit, die Stuart bei allen Einsätzen das Manövrieren unerhört erleichterte, brachte die Kavallerie des Nordens immer wieder in Bedrängnis.
Es war eine Geschlossenheit, die nicht auf sturem Kadavergehorsam beruhte, sondern die auf einem gemeinsamen Wollen und einer von dieser Grundlage ausgehenden taktischen und strategischen Parallelität basierte. Es bedurfte keiner minutiösen Planung.

Die Fixierung des gemeinsamen Ziels und eine grobe taktische Grundlage genügten, um die einzelnen, getrennt voneinander operierenden Teile von Stuarts Korps so handeln zu lassen, daß im richtigen Moment an der richtigen Stelle das Richtige geschah. Spektakulär fiel das Interesse auf die Kavallerie des Südens, als J. E. B. Stuart begann, die Beweglichkeit seiner Truppe und die Schwerfälligkeit der gegnerischen Armee, diesem von General McClellan mit Material überfrachteten Koloß
(Potomac-Armee), auszunutzen, indem er zu schnellen, kühnen Vorstößen überging, die ihn mitten in das vom Norden beherrschte Terrain führten.

 

Kommandeur des Transportwesens der Nordstaaten im Bürgerkrieg wurde der deutsche Eisenbahningenieur General Hermann Haupt, rechts im Bild, nach dem auch eine Lokomotive benannt wurde. Die Eisenbahnlinien des Nordens waren als wichtige Nachschubwege immer wieder Angriffspunkte von Stuarts Virginia-Kavallerie.

 


Mit Mannschaften in einer Stärke von 1.000 bis 2.000 Reitern, einer überschaubaren Zahl, stieß er blitzschnell zwischen den Unionstruppen hindurch, umging deren Stellungen, griff Depots und Transportwege an und zog sich zurück, bevor der Gegner sich überhaupt auf ihn einstellen konnte. Als Stuart 1862 die feindlichen Linien überfallartig durchschritt und die Potomac-Armee McClellans umging und im Rücken angriff, wurde klar, daß die Kavallerieeinheiten bis dahin unterschätzt worden waren.

»Unsere Unternehmung war von größtem Erfolg gewesen. Wir hatten einen weiten Rundmarsch durch die ausgedehnten Lager des Feindes gemacht, hatten uns,
was der Hauptzweck war, genau über seine Stellungen unterrichtet, seine Verbindungen zerstört, ihm Vorräte, Millionen an Wert, vernichtet, Hunderte von Gefangenen gemacht, ebensoviele Pferde und Maultiere erbeutet und das ganze Heer der Unionisten in Furcht und Bestürzung versetzt.
Bei unserer Rückkehr wurden wir überall auf das Wärmste begrüßt. Stuarts Name wurde auf alle erdenkliche Weise gefeiert, und die ihm dargebrachten Ehrenbezeugungen fielen auch auf die Offiziere und Mannschaften seiner Truppe zurück. Überall, wo sich einer von denen sehen ließ, die an dieser ruhmvollen Unternehmung teilgenommen hatten, wurde er mit Fragen bestürmt, wie ein Halbgott angestaunt und dringend gebeten, seine eigenen Erlebnisse sowie den Verlauf des ganzen Rittes zu erzählen.
Die Presse Richmonds war voll des Lobes über General Stuart und seine Gefährten, ja, selbst die Zeitungen von New York konnten nicht umhin, der Anlage und Durchführung dieses kühnen Unternehmens ihre Bewunderung zu zollen.«

Heros von Borcke, ZWEI JAHRE IM SATTEL UND AM FEINDE, 1898

 

 

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