|
Mit freundlicher
Unterstützung Seite 3
U. S. - Kavallerie bei einer Attacke Der Kampf von Brandy Station steht bis heute im Schatten anderer großer Gefechte dieses blutigen Bruderkrieges. Drei Wochen vor Gettysburg schenkte er den Südstaaten einen überzeugenden Sieg und erhöhte die gute Stimmung in der ganzen Nord-Virginia-Armee. Er bewies, daß die Kavallerie noch nicht überholt war. Trotz des südlichen Sieges zeigte diese Schlacht die gewachsene Leistungsfähigkeit der nördlichen Reiterei. Insofern kündigte sich auch hier bereits eine Art Wende an, die in Gettysburg schließlich blutig vollzogen wurde.
Zeitgenössische Darstellung einer Szene des Reitergefechts von Brandy Station Auf
der Ebene bei Brandy Station, wo schon im Jahre zuvor
die Reiter des Nordens und des Südens aufeinandergeprallt waren,
fand ein zweiter Zusammenstoß statt, der als das größte
Reitergefecht des Bürgerkrieges in die Geschichte eingehen sollte.
Daß es zu dieser Begegnung kam, beruhte auf einem Irrtum des
US-Generals Hooker, der die zögernden Bewegungen von Lees Armee
im Verlauf des Monats Mai falsch interpretierte und an eine Schwächung
und Zersplitterung der Virginia-Armee glaubte, während sie im Gegenteil
verstärkt wurde. Hooker nahm an, daß das Kavalleriekorps unter General
Stuart, das in der Nähe von Brandy Station zusammengezogen wurde,
dazu ausersehen war, in einem schnellen Vorstoß den Potomac zu überschreiten,
während die Masse der Südarmee bei Fredericksburg zurückbleiben werde.
Während am 6. und
7. Juni 1863 die Kavalleriedivisionen Buford und Gregg
zusammen mit 3.000 Mann Infanterie, insgesamt 11.000 Soldaten, den
Rappahannock überquerten, hielten die südlichen Truppen bei Brandy
Station eine glanzvolle Parade ab, zu der am 8. Juni auch General
Lee anwesend war. Kurz nach dem Abschluß des Vorbeimarsches der Virginia-Kavallerie
meldeten Kuriere das Auftauchen blauuniformierter Reiter auf der anderen
Seite des Rappahannock. Stuarts Kavallerie ging in Abwehrstellung,
ohne daß sich etwas ereignete. Der Tag ging ohne weitere Zwischenfälle
zu Ende.
Soldaten der 6. Virginia-Kavallerie Major Heros von
Borcke, der Chef von Stuarts Stab, berichtete: Es war ein
Glück, daß die Scharfschützen dieser Brigade, unterstützt von einer
Abteilung unserer reitenden Artillerie durch ein wirksames Feuer das
Vorgehen des Feindes so lange aufzuhalten vermochten, bis unsere Regimenter
Zeit gewannen, sich zu formieren und ein wenig rückwärts Stellung
zu nehmen. - Es war uns beiden, General Stuart und mir, durchaus klar,
daß die Bewegungen der Föderierten (Nordstaatler) einen ernsten Charakter
trugen und daß sie weiter vorzudringen entschlossen waren. Der General
wollte mit seiner ganzen Stärke dem Feinde entgegengehen und sich
mit ihm schlagen, wo er ihn träfe. Mein Vorschlag war, den größten
Teil des Korps und auch unsere 24 Geschütze auf den Höhen aufzustellen
und dort abzuwarten, bis Zahl und Absichten der Yankees, die noch
durch die Waldungen verdeckt waren, sich deutlicher enthüllt hatten,
ihnen dann durch einige von unseren Brigaden eine Finte zu machen
und sie so auf uns zu ziehen.
U. S. - Kavallerie
im Angriff. Da nunmehr unsere sämtlichen Brigaden auch aus den entfernteren Lagern eingetroffen waren, konnte unsere Schlachtlinie fast drei Meilen lang regelrecht gebildet werden, und die Wälder entlang, welche sich an dem Rappahannock hinziehen, schallte das Feuern unserer abgesessenen Scharfschützen wie das Knattern des kleinen Gewehrfeuers in einer regelrechten Schlacht. Wir behaupteten das Feld einige Zeit hindurch so leidlich, bis es sich zeigte, daß der Feind sehr überlegen und durch Infanterie unterstützt sei, von der William Lee starke Kolonnen meldete, die er von seiner Stellung auf unserer äußersten Linken aus den Fluß überschreiten sah. Dorthin sendete
General Stuart mich, um die Bewegungen des Feindes zu überwachen und
ihm jede Viertelstunde durch einen Kurier Meldung zu schicken ...
Von einigen Versprengten, die an mir vorüberkamen, als ich mich der
Station näherte, und durch deren verworrene Berichte erfuhr ich, daß
die Föderierten (Nordstaatler) sich in unserem Rücken befänden. Ich
konnte und wollte dies nicht glauben. Als ich jedoch aus dem Walde
herauskam, fand ich, daß sie nur zu wahr gesprochen hatten, denn dort
wartete meiner ein Anblick, der mir das Blut in den Adern gerinnen
machte. Auf
den Höhen der Brandy Station, wo sich bisher das Hauptquartier befunden
hatte, wimmelte es von Yankees, während die Mannschaften von einer
unserer Brigaden über die ganze Hochebene versprengt waren und nach
allen Richtungen vom Feinde gejagt wurden. Da ich eines unserer Regimenter
noch in geschlossener Haltung bemerkte, das aber auch bereits zu wanken
begann und auf dem Punkte schien, sich zur Flucht zu wenden, ritt
ich zu dem Obersten heran, der seine Besinnung gänzlich verloren hatte,
und drohte, ihn augenblicklich arretieren zu lassen und eine Klage
wegen Feigheit gegen ihn anzustrengen, wenn er nicht seine Leute auf
der Stelle gegen den Feind führe. Dies hatte den gewünschten Erfolg,
und mit einem matten Schlachtrufe galoppierte das Regiment auf den
Feind zu. Aber zwei feindliche Regimenter ritten an, und unsere entmutigten
Soldaten machten kehrt und flohen in schmachvoller Verwirrung.
U.S.-Kavallerie bei der Gefechtsausbildung Ich zwang mein Pferd zur höchsten Schnelligkeit, wendete rückwärts, übersprang den Zaun an einer Stelle, wo er für meine Verfolger zu hoch war und ließ sie weit hinter mir. Ich war noch nicht viele hundert Yards geritten, als ich Hauptmann White von unserem Stabe traf, der einen Schuß in den Hals erhalten hatte. Da ich meinen verwundeten Kameraden stützen mußte, den zu retten ich fest entschlossen war, konnte ich nicht so scharf reiten, und mehrere Male ertönte das Geschrei und Geheul der Yankees so dicht hinter mir, daß ich an unserem Entkommen fast verzweifelte. Doch plötzlich gaben die Yankees die Verfolgung auf, und ich konnte nach dem aufregenden Rennen wieder die Zügel anziehen. Zufällig kam ein Kurier vorüber, in dessen Obhut ich Hauptmann White ließ, um wieder nach vorn zu eilen ... Als ich die Hochebene von Brandy Station erreichte, fand ich, daß die Sachlage sich wesentlich geändert hatte. An Stelle der drohenden Massen des Feindes bedeckten seine Toten und Verwundeten den Boden. Eine seiner Batterien, der sämtliche Pferde getötet waren, stand völlig verlassen da, und zur Rechten, in weiter Ferne, gewahrte man verworrene Haufen Flüchtiger, von unseren Leuten verfolgt. Nicht lange darauf traf ich General Stuart, der von dem höchsten Punkt der Hochebene aus die Bewegungen leitete. Von ihm hörte ich, daß die Abteilung der föderierten Reiterei, welche uns in eine so kritische Lage gebracht hatte, aus zwei Brigaden unter General Perry Windham, einem Engländer im Dienste der Yankees, bestanden hätte, der - einen unbeobachteten Reitpfad benutzend - uns umgangen und so all die Verwirrung und den Schrecken verursacht hatte, die beinahe die Entscheidung des Tages herbeigeführt hätten.
General Sheridan
führt eine Attacke der Nordstaaten-Kavallerie bei Winchester
an
Aber gerade als die Gefahr am höchsten und die Flucht in vollem Flusse war, erschienen das Georgia-Regiment unter seinem Kommandeur, dem tapferen Obersten Young, und das II. Virginia-Regiment unter Oberst Lomax, warfen sich in unwiderstehlichem Angriffe auf den zeitweiligen Sieger und warfen ihn seinerseits in die Flucht ... Der größte Teil unseres Korps war nunmehr auf dem Höhenzuge aufgestellt, genauso wie ich dies am Morgen vorgeschlagen hatte, während weiter unten in der Ebene mehrere Tausend föderierte Reiter in Schlachtlinie aufmarschiert waren, unterstützt durch zwei ihrer Infanterie-Divisionen, die man an ihren glänzenden Bajonetten genau unterscheiden konnte, als sie sich aus den fernen Wäldern entwickelten.
Unterdessen war unser Oberbefehlshaber auf dem Schauplatz der Ereignisse erschienen, und eine zu unserer Unterstützung vorgeschobene Infanterie-Division befand sich in den etwa eine Viertelmeile rückwärts gelegenen Wäldern, bereit, wenn es Not tat, einzugreifen. Es war etwa 4 Uhr am Nachmittag, und das Feuer vor uns hatte allmählich nachgelassen bis auf ein lässig geführtes Geplänkel unserer abgesessenen Scharfschützen, begleitet von einer regelmäßigen Kanonade, die nach unserem linken Flügel hin mehr und mehr zunahm.
Colt
Army, Modell 1860, Kaliber .44, Lauflänge 7,5 und 8 Zoll.
Hier hatte William Lee, bald nachdem ich ihn verließ, seine erste Stellung aufgegeben, und war langsam vor dem Feinde zurückgegangen, stets wieder Front machend, wenn seine Verfolger zu dicht aufdrängten. Diese prächtige Division trat eben aus den Wäldern zu unserer Linken, wo die Brigade Jones zu ihrer Aufnahme bereitstand, als Stuart den Zeitpunkt für einen allgemeinen Angriff gekommen glaubte und mich zu den beiden genannten Abteilungen schickte mit dem Befehle, den verfolgenden Feind gemeinsam zu attackieren ... Die Leute von Lee und Jones empfingen den Befehl zum Angriffe mit lautem Jubel, und erstere gingen in so wundervoller Haltung zum Angriffe vor, daß ein enthusiastischer Beifallsruf unserer Linie auf den Höhen entlanglief, von denen aus man das Gefecht deutlich übersehen konnte. Der Feind
empfing uns mit einem Hagel von Geschossen. General William Lee fiel,
in dem Schenkel verwundet. Oberst Williams wurde an der Spitze seines
Regiments erschossen, und mancher andere Offizier fiel tot oder verwundet.
Aber nichts konnte den ungestümen Angriff der tapferen Virginier aufhalten,
und in wenigen Minuten waren die Linien der Föderierten durchbrochen
und in aufgelöster Flucht dem Flusse zugetrieben, wo das Feuer einiger
auf der anderen Seite aufgestellten Reserve-Batterien der Verfolgung
ein Ziel setzte. Die Schlacht von
Brandy Station selbst hätte bei realistischer Betrachtung einige Rückschlüsse
auf den Zustand und die Absichten der Konföderierten Armee zugelassen,
Diese Erfolge
hatten Stuart zum Leichtsinn verführt, Trotz seiner bedeutenden Fähigkeiten
neigte er, wie die meisten Kavalleristen, zu einer gewissen Eitelkeit,
die er in tollkühnen Aktionen, die ihm große volkstümliche Bewunderung
eintrugen, zu befriedigen suchte. Bei Brandy Station wäre ihm diese
Eigenschaft fast zum Verhängnis geworden. Die sträfliche Unterschätzung
des Gegners hatte die erfolgreiche Überrumpelung am Morgen des 9.
Juni ermöglicht. Auch nach Erkennen der Gefahr, Brandy Station
war in gewisser Weise die Wende für die Kavallerie.
|