Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Dietmar Kügler, DIE U. S.-KAVALLERIE, 1979
Die
U.S.-Kavallerie
im Unabhängigkeitskrieg
Die Staaten Nordamerikas während des Unabhängigkeitskrieges

Independence Hall, Philadelphia,
4. Juli 1776. Bei einer Tagung des Zweiten Kontinentalkongresses überreichen
Thomas Jefferson (mit Dokument),
Benjamin Franklin (rechts daneben) und drei weitere Abgeordnete dem
Vorsitzenden John Hancock den Text der Unabhängigkeitserklärung.
nach einem Gemälde von John Trumbull (um1790).
(darunter Faksimile der Unterschriften)

George
Washington (1732-1799) 1. Präsident der USA
Berittene Einheiten
waren nicht neu. Die Milizen der einzelnen Staaten besaßen durchweg
alle seit der frühen Kolonialzeit berittene Truppen, wenn diese auch
fast nie in geschlossenen Verbänden aufgetreten waren. So besaß die
Stadt Philadelphia eine Einheit leichte Kavallerie in einer Stärke
von 20 Mann, die zur Ernennung von George Washington zum Oberbefehlshaber
der Kontinentalarmee am 2. Juli 1775 paradiert hatte.
Sergeant
der Philadelphia City Kavallerie, 1. Kompanie
Der Staat Connecticut
besaß 5 berittene Milizregimenter, von denen 1776 drei als Leibgarde
Washingtons nach New York geschickt wurden.
Der Einsatz von
Kavallerie aber hatte sich bislang nicht als besonders entscheidend
erwiesen, so daß Washington die Kavalleristen schon nach kurzer Zeit
wieder nach Connecticut zurückschickte.
Dabei mochte eine
Rolle spielen, daß Washington eine lebhafte Abneigung gegen das elitäre
Auftreten der berittenen Truppen hegte.
Unteroffizier
der Philadelphia City Kavallerie, 2. Kompanie
Im Verlauf des
Krieges sah er jedoch ein, daß er auf die berittenen Truppen nicht
verzichten konnte. Je weiter sich der Krieg in die südlichen Staaten
verlagerte, um so nötiger wurden berittene Truppen zur Überwindung
der großen Distanzen,
für blitzschnelle, schockartige Vorstöße und bewegliche, die starren
Fronten aufreißende Einsätze.
DIE
AMERIKANISCHEN DRAGONER
Im Jahre 1776 beschloß der
Kongreß, der Continental Army 4 Dragonerregimenter anzugliedern (Continental
Dragoons).
Das 1. und das
3. Regiment wurden in Virginia rekrutiert, das 2. in Connecticut,
das 4. in Pennsylvania. Die Regimenter wurden rasch unter den Namen
ihrer Kommandeure bekannt. So erhielt das 1. Regiment unter Colonel
Theodorick Bland den Beinamen »Bland's Horses«, das 2. Regiment unter
Colonel Sheldon wurde »Sheldon's Horses«,
das 3. Regiment unter Colonel Baylor »Baylor's Horses« genannt, und
das 4. Regiment mit Colonel Stephen Moylan an der Spitze hatte den
Beinamen »Moylan's Horses«.
Die Geburtsstunde der U.S.-Kavallerie hatte geschlagen.
Schon im April
1777 schifften sich in Spanien mehrere junge französische Adelige
unter Führung des
Marquis de Lafayette
nach Amerika ein.
Persönlicher Idealismus war ihr Motiv, mit dem sie sich und ihre militärischen
Kenntnisse George Washington zur Verfügung stellten. Einige von ihnen
waren lediglich Abenteurer, die meisten aber, wie der junge Lafayette,
waren ernstzunehmende Militärfachleute,
deren Engagement eine erhebliche Bereicherung für den Stab der amerikanischen
Milizen darstellte.
Unter ihnen befand sich auch ein polnischer Adeliger, der
für die Koordinierung und Organisation der Kavallerieeinheiten den
Amerikanern unschätzbare Dienste leisten sollte:

Graf Casimir
Pulaski
Der am 6. März
1745 in Masowien/Polen geborene Pulaski hatte sich als Kavallerieoffizier
bereits in Polen einen Namen gemacht.
Doch er war 1772 im polnischen Freiheitskampf gegen Rußland
unterlegen und nach Frankreich geflohen. Hier schloß er sich
nach Gesprächen mit Benjamin Franklin dem Marquis de Lafayette
an und wurde in Amerika, auf Empfehlung Franklins und Washingtons
am 15. September 1777 vom Kongreß zum „General der Kavallerie“
(„Commander of Horse“) im Rang eines Brigadegenerals ernannt.
Er begann sofort
mit der Ausbildung der Kavallerie und gründete eine Kavallerieschule,
doch da er sich mit seinen „europäischen“ Ideen nicht
gegen die Meinung der Amerikaner durchsetzen konnte, bat er um seine
Ablösung und um die Genehmigung, eine spezielle Einheit aufzustellen,
die relativ unabhängig operieren konnte.
Mit Unterstützung
Washingtons erhielt er am 28. März 1778 die Zustimmung des Kongresses,
ein unabhängiges leichtes Kavalleriekorps aufzustellen, das als
„Pulaski Legion“ bekannt werden sollte. In seinem Hauptquartier
Baltimore rekrutierte der „Vater der amerikanischen Kavallerie“
nun fünf Monate lang Amerikaner, Franzosen, Polen, Iren und besonders
Deutsche, die aus den hessischen Regimentern in britischen Diensten
desertiert waren.
Doch die amerikanischen
Militärs fanden immer noch keine sinnvolle Verwendung für
seine Legion, und so reichte er erneut ein Gesuch für eine andere
Verwendung ein. Endlich, am 2. Februar 1779, erhielt er den Befehl,
mit seiner 600 Mann starken Truppe nach South Carolina zu verlegen,
um dort die amerikanischen Truppen gegen britische Angriffe zu verstärken.
Er traf im Mai 1779 gerade noch rechtzeitig in Charleston ein, um
einen wertvollen Beitrag zur Verteidigung der Stadt gegen überlegene
britische Truppen zu leisten. Dieser Sieg stärkte die Moral der
Amerikaner und die Bereitschaft, von den Briten eingenommenen Gebiete
zurückzuerobern.
Er fiel am 9. Oktober 1779 vor Savannah.

Stephen
Moylan
Der ehemalige
Sekretär Washingtons und später glücklose Generalquartiermeister
Moylan erhielt am 5. Januar 1777 als Oberst das Kommando über
das 4. Regiment der U.S.-Continental Dragoons, genannt »Moylan’s
Horses«, das in den eigenen Reihen zunächst für Angst
und Schrecken sorgte, denn es erhielt bei seiner Aufstellung rote
Röcke mit blauen Aufschlägen. - Doch die feindlichen Briten
kämpften auch in roten Uniformen! So erhielten sie umgehend grüne
Röcke mit roten Aufschlägen.
Als Pulaski im
März 1778 aus dem Amt des Generals der Kavallerie schied, ernannte
man Moylan, der sich mit ihm überhaupt nicht verstanden hatte,
zu seinem Nachfolger. Er erhielt aus gesundheitlichen Gründen
am 3. November 1783 seinen Abschied und wurde am gleichen Tag zum
Brevet Brigadier General ernannt.

Dragoner
des 4. Dragonerregiments in neuer Uniform
Colonel Francis
Marion
genannt der »Sumpf-Fuchs«,
einer der frühen populären amerikanischen Kavallerieführer. Er kommandierte
3 berittene Milizregimenter aus Süd-Carolina, deren Regimentsmotto
lautete: »Freiheit oder Tod«. 1781 stürmten seine Reiter
Georgetown in South Carolina und halfen entscheidend mit, die Stadt
für Washingtons Armee zu erobern.
Empfehlungsbrief
von Benjamin Franklin
an den Oberkommandierenden George Washington 4. September 1777
»Der
Herr, der sich die Ehre geben wird, Ihnen mit diesem Schreiben aufzuwarten,
ist Baron von Steuben, Generalleutnant in der Armee des Königs von
Preußen, den er in allen seinen Feldzügen als Adjutant, Generalquartiermeister
usw. begleitet hat.
Er begibt sich in ehrlicher Begeisterung für unsere Sache nach Amerika
und hat die Absicht,
sich ihr zu verschreiben und ihr nach allen seinen Kräften zu dienen.
Er ist uns von zwei der besten Beurteiler militärischer Leistungen
in diesem Lande empfohlen worden,
von dem Herrn Grafen de Vergennes und dem Herrn Grafen de St. Germain,
die seit langer Zeit mit ihm persönlich bekannt sind und an der Förderung
seiner Reise großes Interesse nehmen.
Sie sind durchaus überzeugt, daß die Sachkunde und die Erfahrung,
die er sich durch ein zwanzigjähriges Studium und durch die Praxis
in der Schule Preußens erworben hat, für unsere Armeen von großem
Nutzen sein werden.
Ich kann ihn daher Eurer Exzellenz nur wärmstens empfehlen und zugleich
wünschen,
daß er in unserem Heeresdienst eine ihm zusagende Beschäftigung finden
möge.«

Baron Friedrich
Wilhelm von Steuben
Der ehemalige
preußische Offizier wurde der erste Generalinspekteur der amerikanischen
Armee.
Er organisierte Washingtons Truppen neu und bildete die ungeschlachten
Milizen aus,
so daß sie den Briten schließlich gewachsen waren.
Steuben reorganisierte
auch die U. S. - Kavallerie und setzte sie effektiver ein.
DER
BITTERE WEG ZUM SIEG -
DIE REFORMIERTE KAVALLERIE IM EINSATZ
Washington war
von Steubens Arbeit, seinem Scharfblick und seiner Art, Probleme anzupacken
und zu lösen, beeindruckt. Steuben war stets bei Sonnenaufgang der
erste Mann auf dem Exerzierplatz und der letzte, der ihn am Abend
verließ. Er arbeitete unermüdlich mit den Männern, gewann ihren Respekt
und ihr Vertrauen, war ein Vorbild für die höchsten Offiziere, die
Kompanieführer und jeden einzelnen Rekruten, mutete niemandem etwas
zu, was er nicht zuvor selbst ausgeführt hatte und sorgte mit seiner
großherzigen Menschlichkeit und seinem lauteren Charakter für die
Stärkung der Moral unter den Mannschaften.
Standesdünkel waren ihm fremd. Er kümmerte sich persönlich um jeden
einzelnen Soldaten und dessen kleinste Probleme und eröffnete damit
den amerikanischen Offizieren ganz neue Aspekte ihrer Pflichten, die
sie bisher sträflich vernachlässigt hatten. Die Ernennung Steubens
zum Generalinspekteur der amerikanischen Kontinentalarmee war nur
die folgerichtige Anerkennung seiner Leistungen. Steuben setzte seine
Arbeit kontinuierlich fort, brachte nicht nur Ordnung in das herrschende
Chaos der Armeeverwaltung, sondern schrieb auch das erste amerikanische
Exerzierreglement, die »Regulations for the Order and Discipline of
the Troops of the United States«. Dieses Buch wurde zur Pflichtlektüre
für das gesamte Offizierskorps der Milizarmee.
Nachdem Steuben binnen kürzester Frist Organisation und Schlagkraft
der Truppen auf den höchsten nur möglichen Stand gebracht hatte, regelte
er die Formierung der Einheiten neu, um die Milizen zu einem effizienten
Kampfverband aufzubauen. Dabei maß er den Kavallerieeinheiten einen
größeren Wert zu als dies bis dahin geschehen war. Zwar hatte sich
der Einsatz berittener Truppen in den dichten Wäldern Virginias als
wenig wirksam erwiesen, aber Steuben erkannte, daß trotz dieser zutage
getretenen Handikaps schlagkräftige Reiterregimenter durch die besonderen
geographischen Verhältnisse, die großen, schnell zu überwindenden
Distanzen gerade in den südlichen Staaten unabdingbar waren.
Für den Militärtaktiker Steuben spielte die Kavallerie
traditionell die Rolle des Flankenschutzes der Infanterie. Sie war
für ihn die Waffengattung, deren Attacken von erheblicher Schockwirkung
waren und zur Demoralisierung des angreifenden Feindes beitrugen.
Er erweiterte die Aufgabenstellung der Kavallerie, die bis dahin vor
allem Kurierdienste versehen hatte, in der traditionellen Weise, wie
sie in Europa gang und gäbe war. Dies erschien um so notwendiger,
als auch Großbritannien sich anschickte, seine kleinen Kavallerieeinheiten
in Amerika zu verstärken.
Steubens Plan sah folgende Organisation vor:
Ein Regiment "Continental Dragoons" bestand aus 6 Kompanien
und setzte sich zusammen aus:

Die Instruktionen
des deutschen Barons zeigten ihre Wirkung. Erstmals begegneten die
amerikanischen Milizen ihren Gegnern mit gleichen Mitteln.
Oberkommandierender der Regimenter der Continental Dragoons wurde
im März 1778 Stephen Moylan, bislang Kommandant
des 4. Regiments der amerikanischen Kavallerie.
Graf Casimir Pulaski hatte vor den organisatorischen Schwierigkeiten,
dem schwerfälligen Verwaltungsapparat des Parlaments kapituliert und
sich von seinem Posten zurückgezogen. Er hatte statt dessen eine 300
Reiter starke eigene Legion berittener Soldaten aufgestellt und aus
eigener Tasche finanziert.
Die sehr unterschiedlich uniformierten Reiter waren auch sonst ein
bunt zusammengewürfelter Haufen, dem sowohl französische Husaren,
berittene amerikanische Milizsoldaten, einige Polen - darunter Pulaskis
Vetter und desertierte hessische Söldner angehörten.
DER TOD DES GRAFEN CASIMIR PULASKI
Savannah
war von den Engländern besetzt
Noch immer war der Fall Savannahs bei einem sofortigen Angriff wahrscheinlich.
Am 23. September 1779 wurden erste Schützengräben vor der Stadt ausgehoben.
Artillerie wurde in Stellung gebracht. Am 3. Oktober 1779 schließlich
begannen die Kanonen der drei amerikanischen Kriegsschiffe von der
See und fast 50 Kanonen von der Landseite aus Savannah zu beschießen.
Da traf die Nachricht ein, die britische Flotte unter dem Admiral
Byron sei auf dem Weg nach Savannah.
Die Franzosen begannen um ihre Schiffe zu fürchten. Überstürzt
wurde der Entschluß gefaßt, Savannah unverzüglich zu stürmen. Unglücklicherweise
wurden den Engländern die Pläne der Belagerer bekannt (durch den Verrat
von General Arnold). Als am frühen Morgen des 9. Oktober 1779 der
Sturm auf die Stadt begann,
war General Prevost vorbereitet und konnte die technische und ausrüstungsmäßige
Überlegenheit seiner Truppen gegenüber dem an Zahl stärkeren Gegner
voll ausspielen.
Graf Pulaski sah das Fiasko, das sich anbahnte. Der polnische Adelige,
der erst wenige Wochen zuvor in der Hafenstadt Egg Harbor, New Jersey,
landende britische Marineinfanterie attackiert und teilweise geschlagen
hatte, versuchte mit seiner Legion einen verzweifelten Sturmangriff
auf die Schanzen von Savannah,
um das sich zu Gunsten der Briten neigende Blatt noch einmal herumzuwerfen.
Pulaskis Reiter sprengten auf die von Toten und Verletzten bedeckte
Ebene
vor Savannah hinaus und ritten eine glänzende Attacke gegen die Befestigungen
der Stadt. Gnadenloses Sperrfeuer der britischen Artillerie ließ den
Kavallerieangriff
genauso wie den Sturm der Infanterie zuvor zerbrechen.
Der Splitter eines Schrapnells tötete den ersten Kommandeur der U.
S. - Kavallerie, den tapferen Grafen Casimir Pulaski, der an der Spitze
seiner Legion geritten war.
Generalmajor
aus Washingtons Stab und Kompanieoffiziere.
Nur selten waren die amerikanischen Soldaten so gut uniformiert.
Eroberung
der Stadt Charleston durch die Engländer -
und die verheerende Niederlage der U. S. -Kavallerie im Mai 1780
Während die
Engländer Charleston mit schwerer Artillerie bombardierten, sicherte
die Kavallerie des ebenso brillanten wie brutalen Oberstleutnant Banastre
Tarleton den Rücken gegen Angriffe der amerikanischen Miliz aus
dem Hinterland. Ein Regiment U.S.-Kavallerie unter Colonel Abraham
Buford war bereits auf dem Weg nach Süden, um den Briten in den
Rücken zu fallen. Colonel Bufords Kavallerieregiment kam zur
Rettung von Charleston aber zu spät. Statt dessen ritt es in
eine Falle der Kavallerie des Oberstleutnant Tarletons.
Die Reiter des Oberstleutnant Banastre Tarleton rekrutierten sich
vorwiegend aus amerikanischen Königsanhängern, die einen tiefverwurzelten
Haß gegen die Freiheitsarmee Washingtons hegten. Am Oberlauf des Cooper
Creek stießen die beiden Regimenter zusammen. Abraham Buford erkannte
zwar, daß der Gegner ihm zahlenmäßig überlegen war, trotzdem schwärmte
die amerikanische Kavallerie aus. Die Reiter zückten die Säbel und
gingen zum Angriff über. Sie wurden von Tarletons Männern, die teilweise
mit Lanzen bewaffnet waren, entschlossen empfangen. Säbelklingen blitzten
wie Silber in der Sonne. Staub wirbelte unter den trommelnden Hufen
der Pferde auf.
Sattelleder barst mit häßlichem Knarren, Pferde wieherten schrill.
Schwere, langläufige Reiterpistolen krachten, Verwundete und Sterbende
schrien. Schon beim ersten Zusammenprall der Gegner verlor Buford
einen Teil seines Regiments und mußte zurückweichen, gnadenlos von
Tarletons Reitern verfolgt, die die Amerikaner schließlich in die
Enge trieben und ihnen keinen Ausweg mehr ließen.
Colonel Buford ließ seine Leute absitzen und hißte die weiße Flagge.
Auf Geheiß Tarletons legten die amerikanischen Kavalleristen ihre
Waffen nieder.
Da gab der britische Oberstleutnant seinen Reitern den Befehl zum
Angriff. Wie rasend fielen seine Royalisten mit Säbeln, Lanzen und
Bajonetten über die wehrlosen Kavalleristen her, metzelten sie nieder
und richteten ein grauenvolles Blutbad an.
Diese verheerende Niederlage der amerikanischen Kavallerie ging als
»Tarletons Pardon« in die Geschichte des Unabhängigkeitskrieges ein,
eine Bezeichnung,
die gleichzeitig zum Beiwort für die Abschlachtung wehrloser, bereits
zur Kapitulation entschlossener Truppen wurde.

Gefangennahme
hessischer Söldner bei Trenton am 26.12.1776.
Gemälde von John Trumbull 1795
Derweil war nach
dem Massaker, das die Royalisten des Südens unter der Kavallerie Washingtons
angerichtet hatten,
in den südlichen Kolonien ein erbitterter Guerillakrieg zwischen Teilen
der Bevölkerung ausgebrochen. In den großen Wäldern sammelten sich
die Anhänger des Unabhängigkeitsgedankens und stellten schwarze Listen
mit den Namen ihrer königstreuen Nachbarn auf. Bei Nacht und Nebel
fielen Rebellen über Englandanhänger, fielen Royalisten über Aufständische
her, metzelten sich gegenseitig nieder, brannten und sengten. Königstreue
wurden allerorten nachts aus ihren Häusern geholt, ausgezogen, blutig
gepeitscht, geteert und gefedert. Überall zogen britische Truppen
durch das Land, plünderten und zerstörten die amerikanischen Vorratslager.
Aber mit der Continental Army ging es wieder aufwärts. Im Januar 1781
rüstete Washington erneut für einen Feldzug zur Rückeroberung der
südlichen Staaten.
Am 17. Januar 1781 gelang es dem amerikanischen General David Morgan
zusammen mit einem Regiment Kavallerie unter Colonel Henry Lee, den
verhaßten Colonel Tarleton und seine Reiterlegion in der Nähe des
kleinen Städtchens Cowpens, fast 200 Meilen nördlich von Savannah,
in eine Falle zu locken. Die englischen Kavalleristen setzten sich
verzweifelt zur Wehr, für die U. S. - Kavallerie aber war die Stunde
der Abrechnung gekommen.
Blecherne Trompetensignale
übertönten die donnernden Hufgeräusche und das Krachen der Gewehrsalven.
Eisiger Wind strich über das Schlachtfeld,
auf dem die Reiterregimenter aufeinander zusprengten und zusammenprallten.
Säbelklingen klirrten aneinander, Männer stürzten ineinanderverkrallt
aus den Sätteln. Penetrant stinkende Wolken von Staub und Pulverrauch
erhoben sich über dem Schlachtfeld. Nach einem erbitterten Kampf brach
Tarletons Truppe auseinander und flüchtete, verfolgt von der amerikanischen
Kavallerie unter Henry Lee, der Tarletons Reiter zu Paaren trieb.
Die Engländer verloren mehr als 300 Mann, über 500 gingen in Gefangenschaft.

Oberstleutnant
Henry Lee, genannt »Light Horse Harry«
der Vater des berühmten Bürgerkriegsgenerals Robert E. Lee war einer
von Washingtons erfolgreichsten Kavallerieoffizieren.

Da es damals noch
keine militärischen Orden und Auszeichnungen gab, erhielt Major
Henry Lee am
24. September 1779 für seine Tapferkeit beim Angriff auf das
feindliche Fort Powles Hook
die Goldmedaille des Kongresses verliehen, die auf der Vorderseite
sein Portrait zeigt.
Zusätzlich
erhielt er $ 15.000, die er an seine Soldaten verteilen sollte.
DIE
ENTSCHEIDUNG
Von allen Seiten
von der amerikanischen Kontinentalarmee und französischen Einheiten
bedrängt, mußte Lord Cornwallis den Rückzug antreten
und verschanzte sich schließlich an der Küste in der Hafenstadt Yorktown.
In dieser Zeit ritt die U.S.-Kavallerie unter Henry Lee durch das
Land, zerschlug überall die Nachschublinien der Engländer und ihre
Nachrichtenverbindungen. Die Kavallerie nahm binnen zwei Monaten 5
englische Stützpunkte und machte mehr als 1000 Gefangene.
Beim letzten Sturm auf Yorktown ritten etwa 100 amerikanische Kavalleristen
unter Oberstleutnant Lee Seite an Seite mit französischen Husaren
gegen die Stadt.
Am 19. Oktober 1781 kapitulierte Lord Cornwallis und übergab die Stadt
an Washington.
Als Lord
Charles Cornwallis am 19. Oktober 1781 die geschlagenen Briten zwischen
den Franzosen (li.)
und Amerikanern (re.) aus Yorktown führt, ist der Krieg entschieden.
SOUVERÄNITÄTSSTREIT UND DIE FATALEN FOLGEN
Das Ende des Krieges
brachte dem neuen Staatenbund keinesfalls die erhoffte Einheit. Der
Souveränitätsstreit zwischen den Einzelstaaten brach heftiger aus
als je zuvor. Fast sechs Jahre sollten nach dem Friedensschluß vergehen,
bis die amerikanischen Staaten ihre gemeinsame Verfassung ratifiziert
und sich auf eine Zentralregierung geeinigt hatten, deren erster Präsident
George Washington hieß. Besonders in militärischen Fragen waren die
Staaten Amerikas vom Geist echter Gemeinschaft weit entfernt.
Stärke, Aufbau und Organisation einer zukünftigen U.S.-Armee waren
jahrelang Themen heftigsten politischen Streites. Während Washington
und einige andere weitsichtige Männer sich für die Schaffung eines
kleinen, gründlich ausgebildeten stehenden Heeres einsetzten, lehnten
die Einzelstaaten jegliche Bestrebungen in dieser Richtung rigoros
ab und verharrten in der Meinung, die zivilen Milizen seien für die
Sicherung des Staatenbundes ausreichend.
Die Unterhaltskosten für dauernde militärische Einrichtungen wurden
gescheut, zudem herrschte die Ansicht vor, daß »stehende Heere mit
den Prinzipien republikanischer Regierungen nicht vereinbar« seien.
Die Gouverneure der Einzelstaaten pochten auf die Oberhoheit über
die Milizen. Die Continental Army wurde aufgelöst.
Schon während der letzten beiden Kriegsjahre hatte ein Verfall der
Armee und ein Wiedererstarken der hinterwäldlerisch-naiven militärischen
Vorstellungen in der Bevölkerung und auch unter Teilen der politischen
Führung eingesetzt, mit all den unausbleiblichen, verheerenden Folgen.
Steubens Musterorganisation, die er trotz größter Schwierigkeiten
aufgebaut hatte, zerfiel. Schon ein Jahr nach dem Ende des Krieges
waren von der Continental Army nicht einmal mehr 1000 Soldaten übriggeblieben,
die als Wachbataillone für Arsenale eingesetzt wurden. Die kleine,
mühsam aufgebaute Flotte war verkauft worden.
Die Regimenter der U.S.-Kavallerie hatten bereits nach der Schlacht
von Yorktown praktisch aufgehört zu existieren. Der ständige Mangel
an guten Pferden,
an Futter für die Tiere und besonders an Waffen und Ausrüstung - Karabiner
waren während des Krieges geradezu mit Gold aufgewogen worden
- hatte es richtig erscheinen lassen, nach Abschluß der Kampfhandlungen
auf berittene Truppen zu verzichten.
Eine kleine Kompanie berittener Miliz war in der Folge der rigorosen
Auflösung der Freiheitsarmee von den 4 Regimentern U. S. - Dragoons
übriggeblieben.
Als im Jahre 1798 die Gefahr eines Krieges mit Frankreich bestand,
beschloß der Kongreß, diese kleine Kompanie auf die Stärke eines Regiments
zu vergrößern.
Die Kriegsfurcht war jedoch schnell wieder verflogen, und die Kavallerie
wurde wieder auf 2 Kompanien reduziert, deren Mannschaftsstärke jedoch
so gering war,
daß die Bezeichnung Kompanie im Grunde für die wenigen Reiter viel
zu hoch angesetzt war.
Während des zweiten Krieges gegen England, 1812 bis 1815, wurden erneut
2 Regimenter U. S. - Dragoons organisiert, deren Einsätze allerdings
so unerheblich waren,
daß sie nicht registriert wurden.
Dann, im Jahre 1821, beschloß der Kongreß die völlige Auflösung der
Kavallerie. Was blieb, waren einige kleine, irreguläre berittene Milizen,
die als »Mounted Rangers« (Berittene Rangers) in einzelnen Staaten
Dienst taten und die kleinen Siedlungen, die sich weiter westlich
gebildet hatten, gegen Indianerüberfälle sicherten.
Ihr Einsatzfeld war klein, ihre Aufgabenstellung gering. Die U. S.
- Kavallerie hatte vorerst aufgehört zu existieren.
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