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Die Auseinandersetzungen
zwischen der U.S.-Armee und den Indianern waren nur sehr entfernt
mit dem Begriff »Krieg« zu umschreiben. Schon in den frühen
Indianerkriegen während des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts hatten
sich berittene Milizen als wichtiger und effektiver erwiesen als Fußsoldaten.
Nach dem Bürgerkrieg
setzte mit Vehemenz die Eroberung des Westens ein. Hier aber wehrten
sich die indianischen Stämme gegen den Raub ihrer Heimatgebiete.
Die zahlenmäßig
schwache U.S.-Armee war bei größeren Indianerfeldzügen häufig darauf
angewiesen,
Mit Plakaten wie diesem, mit dem für eine berittene Kompanie im Jahre 1867 geworben wurde, wurden Indianerkämpfer gesucht. Veteranen bevorzugt. Den Milizsoldaten winkten Prämien für Indianerskalps.
Fertig zum Erkundungsritt Das Bild
zeigt einen Kavalleriesoldaten mit seinem Pferd und der gesamten Ausrüstung
Im Vordergrund
überprüft ein Waffenmeister (Ordnance Sergeant) die Ausrüstung,
(Mit freundlicher
Genehmigung des Center of Military History der U.S. Army)
Anfang der 70er
Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es - nach einer weiteren Reorganisation
von 1869 - 10 Regimenter Kavallerie, 5 Regimenter Artillerie und 25
Regimenter Infanterie, die sich in nur noch 3 Militärdivisionen aufteilten,
die des Atlantiks, des Pazifik und des Missouri. Die U.S.-Kavallerie
hatte zu diesem Zeitpunkt eine Gesamtstärke von 8.450 Mann sowie 432
Offiziere.
Fort Rice im Dakota-Territorium Die Indianerkriege, die sich in diesen Regionen abspielten, waren sich ständig wiederholende Tragödien in mehreren Akten: Verhandlungen, Vertragsbrüche, Feldzüge, Unterwerfungen. Erneute Verhandlungen, erneute Vertragsbrüche, erneute Feldzüge ... Das Schema war überall gleich. Die Zielsetzung
aber war ihnen allen gleich: Verdrängung der roten Stämme, »Befriedung«
in Reservationen, Befreiung des guten und fruchtbaren Landes für die
nachdrängenden weißen Pioniere und Abschiebung der Indianer in die
kärgsten Gebiete. Stellte sich aber später heraus, daß es dort Bodenschätze
gab, konnten sich die Reste der einst stolzen Stämme nicht einmal
der unfruchtbarsten Landstriche mehr sicher sein.
Kompanie A der 5. U.S.-Kavallerie in Fort Wingate, New Mexico Die 10 Kavallerie-Regimenter der U.S.-Armee standen in den Auseinandersetzungen mit den Indianern in der vorgeschobensten Linie. Ihre Beweglichkeit, ihre gute Manövrierfähigkeit, prädestinierte sie für den Einsatz in den weiten Prärien und Ebenen, in denen die rasche Überwindung von Entfernungen entscheidend sein konnte. Ihre Aufgaben und ihr Einsatzfeld waren an allen Fronten ähnlich. Dabei erlangten nur wenige der Kavallerie-Regimenter und deren Kommandeure geschichtlichen Nachruhm.
Verletzte
Kavalleristen wurden während der Feldzüge gegen die Indianer
mit Schleppbahnen transportiert, Der Dienst der U.S.-Kavallerie war so gefahrvoll wie eintönig. Die schillernden Klischees der Unterhaltungsindustrie unserer Tage haben mit der Wirklichkeit nicht einmal das Kostüm gemein. Abgeschieden von der Zivilisation, isoliert in kleinen, dreckigen Forts, in menschenunwürdigen Mannschaftsquartieren mit mangelhaften hygienischen Verhältnissen hausend taten die Kavalleristen einen undankbaren, lebensgefährlichen Dienst. Schlecht bezahlt und unterversorgt, von Regierung und Parlament immer wieder im Stich gelassen, der Öffentlichkeit nur durch eine sensationshungrige Presse nahegebracht, aber im Grunde unverstanden und mißtrauisch beobachtet, fristete der Soldat der amerikanischen Pionierzeit ein glanzloses Dasein.
U.S.-Kavalleristen
vor einem getöteten und skalpierten weißen Farmer. Der schmutzige
Krieg mit den Indianern sah keine Helden - erst Tote wurden zu Helden
hochstilisiert, Der Soldat hatte die Aufgabe, diese anonymen Entscheidungen zu vollstrecken. Er war nicht weniger Opfer als der rote Mann, er hatte nur - wenn am Ende die Toten gezählt wurden - das Glück, die »richtige Hautfarbe« zu besitzen. Der Standpunkt der Soldaten bleibt meist unerwähnt, wenn die Schlachten der Indianerkriege beschrieben werden.
Während sich Kavalleriesoldaten für eine Parade formieren, spricht ein Hauptmann der Kavallerie mit einem Sergeant der Nachrichtentruppe. Die
Paradeuniformen dieser Zeit ähnelten sehr der deutschen Uniform.
(Mit
freundlicher Genehmigung des Center of Military History der U.S.
Army)
Eine
Kompanie der U.S.-Kavallerie in Fort Maginnis, Montana, formiert
sich in voller Paradeuniform, 1885. Bemerkenswert die Korkhelme,
die Pickelhauben nachempfunden waren.
Eine Gesamtdarstellung aller Einsätze der U.S.-Kavallerie ist Utopie, aber die Darstellung der Geschichte der berühmtesten Reiterregimenter dieses Abschnitts der Pionierzeit zeigt charakteristisch und repräsentativ die Aufgabenstellung, die Einsätze, die Organisation und das Leben des einfachen Kavalleristen auf. Jene Hintergründe, die angesichts der historisch-publizistischen Wiedergutmachung am indianischen Volk in den Schatten gedrängt und fast vergessen worden sind. Amerikanische Historiker arbeiten heute die Sünden ihrer Väter auf. »Da waren
(1865) über 200.000 Indianer, die Sioux, die nördlichen Cheyennes
und Arapahos im Norden, die Comanchen, die südlichen Cheyennes, die
Kiowas und Apachen im Süden. Überwiegend unvergleichliche Reiter,
exzellente Kämpfer, harte und tapfere Krieger, die manche als »die
beste leichte Kavallerie der Geschichte« bezeichneten. Hätten sie
einen Dschingis Khan gehabt, der sie organisiert hätte, so hätten
sie die amerikanische Expansion nach Westen blockieren, zumindest
aber hinauszögern können. Aber zur Zeit ihrer Kriege mit den Amerikanern
verfügten sie nur über taktisch begabte Häuptlinge, nicht aber über
einen einigenden Anführer, einen visionären Häuptling wie Tecumseh.«
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