Mit freundlicher Unterstützung
VERLAG FÜR AMERIKANISTIK, 25931 Wyk auf Foehr
Unter Verwendung von Textauszügen und Abbildungen aus:
© Dietmar Kügler, Die U. S. - KAVALLERIE, 1979




Die U. S. - Kavallerie
in den Indianerkriegen

Seite 1

 


Die Auseinandersetzungen zwischen der U.S.-Armee und den Indianern waren nur sehr entfernt mit dem Begriff »Krieg« zu umschreiben.
Sie waren kein Krieg im konventionellen Sinn. Es handelte sich vielmehr um permanent andauernde Kämpfe, an denen die Armee nicht als geschlossener Kampfverband beteiligt war.
Es waren aneinandergereihte Scharmützel, kleinere und größere Schlachten, Gefechte und Feldzüge,
an denen verschiedene Truppenteile auf die verschiedenste Weise teilnahmen.

Schon in den frühen Indianerkriegen während des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts hatten sich berittene Milizen als wichtiger und effektiver erwiesen als Fußsoldaten.
Die Stämme, mit denen nach dem Bürgerkrieg Konflikte drohten, waren durchweg gut beritten und erfahrene Kämpfer, so daß von vornherein klar war, daß der U.S.-Kavallerie der wichtigste Part in den künftigen Auseinandersetzungen zufallen würde. Es galt, die Taktik der Indianer anzunehmen und mit gleichen Mitteln zu erwidern. Der Reiter war gefordert.

Nach dem Bürgerkrieg setzte mit Vehemenz die Eroberung des Westens ein. Hier aber wehrten sich die indianischen Stämme gegen den Raub ihrer Heimatgebiete.
Die U.S.-Kavallerie kämpfte den Siedlertrecks den Weg frei.

 

 



»Indianerkämpfer gesucht!« Der Gouverneur von Colorado suchte 1864 für einen auf 100 Tage angesetzten Feldzug Freiwillige
für eine Kompanie Kavallerie.

Die zahlenmäßig schwache U.S.-Armee war bei größeren Indianerfeldzügen häufig darauf angewiesen,
von den Freiwilligenmilizen der einzelnen Staaten und Territorien unterstützt zu werden.

 

 

 

Mit Plakaten wie diesem, mit dem für eine berittene Kompanie im Jahre 1867 geworben wurde, wurden Indianerkämpfer gesucht. Veteranen bevorzugt.

Den Milizsoldaten winkten Prämien für Indianerskalps.

 

 

 

 

 

 

 

Fertig zum Erkundungsritt

Das Bild zeigt einen Kavalleriesoldaten mit seinem Pferd und der gesamten Ausrüstung
für eine längere Aufklärungspatrouille.

Im Vordergrund überprüft ein Waffenmeister (Ordnance Sergeant) die Ausrüstung,
während ein Hufschmied (Farrier) und ein Sattler (Saddler) hinter dem Pferd stehen.

 

(Mit freundlicher Genehmigung des Center of Military History der U.S. Army)

 

 

 

Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es - nach einer weiteren Reorganisation von 1869 - 10 Regimenter Kavallerie, 5 Regimenter Artillerie und 25 Regimenter Infanterie, die sich in nur noch 3 Militärdivisionen aufteilten, die des Atlantiks, des Pazifik und des Missouri. Die U.S.-Kavallerie hatte zu diesem Zeitpunkt eine Gesamtstärke von 8.450 Mann sowie 432 Offiziere.
Die Einheiten waren verteilt auf 255 Militärposten im ganzen Land (im Jahre 1869), wobei mancher dieser Stützpunkte mit nicht mehr als einer Kompanie ausgestattet war, die meistens nicht einmal die Sollstärke erreichte. Die meisten dieser Posten nannten sich »Fort«, obwohl sie häufig nur aus ein paar Holzhütten ohne weitere militärische Anlagen bestanden. Einige Quartiergebäude aus rohen Baumstämmen und eine militärische Handelsstation am Rande einer Overlandstraße ohne Festungscharakter, ohne Palisade, ohne Schutzwall waren beinahe die Regel. Lediglich die U.S.-Flagge dokumentierte den militärischen Charakter.

Fort Rice im Dakota-Territorium

Die Indianerkriege, die sich in diesen Regionen abspielten, waren sich ständig wiederholende Tragödien in mehreren Akten: Verhandlungen, Vertragsbrüche, Feldzüge, Unterwerfungen. Erneute Verhandlungen, erneute Vertragsbrüche, erneute Feldzüge ... Das Schema war überall gleich.

Die Zielsetzung aber war ihnen allen gleich: Verdrängung der roten Stämme, »Befriedung« in Reservationen, Befreiung des guten und fruchtbaren Landes für die nachdrängenden weißen Pioniere und Abschiebung der Indianer in die kärgsten Gebiete. Stellte sich aber später heraus, daß es dort Bodenschätze gab, konnten sich die Reste der einst stolzen Stämme nicht einmal der unfruchtbarsten Landstriche mehr sicher sein.
Sie waren Gejagte, Vertriebene im eigenen Land, heimatlos, rechtlos, ein Volk von Verlorenen.

Die leidvolle Geschichte des indianischen Kampfes um Land und Recht füllt Bände. Sie ist das dunkelste Kapitel der amerikanischen Pionierzeit und auch der amerikanischen Militärgeschichte. Gerade aber die militärgeschichtlichen Aspekte dieser Zeit sind im Vergleich zur indianischen Geschichte publizistisch so gut wie nie berücksichtigt worden und daher weitgehend unbekannt.

Kompanie A der 5. U.S.-Kavallerie in Fort Wingate, New Mexico

Die 10 Kavallerie-Regimenter der U.S.-Armee standen in den Auseinandersetzungen mit den Indianern in der vorgeschobensten Linie. Ihre Beweglichkeit, ihre gute Manövrierfähigkeit, prädestinierte sie für den Einsatz in den weiten Prärien und Ebenen, in denen die rasche Überwindung von Entfernungen entscheidend sein konnte.

Ihre Aufgaben und ihr Einsatzfeld waren an allen Fronten ähnlich. Dabei erlangten nur wenige der Kavallerie-Regimenter und deren Kommandeure geschichtlichen Nachruhm.

 

 


 

Verletzte Kavalleristen wurden während der Feldzüge gegen die Indianer mit Schleppbahnen transportiert,
die die Armee den roten Stämmen abgeschaut hatte.

Der Dienst der U.S.-Kavallerie war so gefahrvoll wie eintönig. Die schillernden Klischees der Unterhaltungsindustrie unserer Tage haben mit der Wirklichkeit nicht einmal das Kostüm gemein. Abgeschieden von der Zivilisation, isoliert in kleinen, dreckigen Forts, in menschenunwürdigen Mannschaftsquartieren mit mangelhaften hygienischen Verhältnissen hausend taten die Kavalleristen einen undankbaren, lebensgefährlichen Dienst.

Schlecht bezahlt und unterversorgt, von Regierung und Parlament immer wieder im Stich gelassen, der Öffentlichkeit nur durch eine sensationshungrige Presse nahegebracht, aber im Grunde unverstanden und mißtrauisch beobachtet, fristete der Soldat der amerikanischen Pionierzeit ein glanzloses Dasein.

 

 

 

U.S.-Kavalleristen vor einem getöteten und skalpierten weißen Farmer.
Ein gleiches Schicksal erlitten viele Kavalleristen in den Indianerkriegen.

Der schmutzige Krieg mit den Indianern sah keine Helden - erst Tote wurden zu Helden hochstilisiert,
die sie im Leben nicht waren. Es war eine Auseinandersetzung zwischen Getriebenen und Verzweifelten.
Der indianische Krieger, der kämpfend unterging, hatte seinen Stolz. Der einfache Soldat hatte häufig nicht einmal das. Fast nichts an der Legende stimmt: Die Indianer waren keine mordlüsternen Wilden, die U.S.-Soldaten in ihrer Gesamtheit keine indianerhassenden Schlächter. Extreme prägten die falschen Bilder.
Die Männer in gedeckten Maßanzügen in den gepflegten Salons und Regierungsbehörden Washingtons,
in den prächtigen Villen der Industriekapitäne, der Eisenbahnfürsten, der Landspekulanten an der Ostküste fällten die Entscheidungen. Sie gaben die Parole aus »Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer!«

Der Soldat hatte die Aufgabe, diese anonymen Entscheidungen zu vollstrecken. Er war nicht weniger Opfer als der rote Mann, er hatte nur - wenn am Ende die Toten gezählt wurden - das Glück, die »richtige Hautfarbe« zu besitzen. Der Standpunkt der Soldaten bleibt meist unerwähnt, wenn die Schlachten der Indianerkriege beschrieben werden.

 



Antreten zur Parade

Während sich Kavalleriesoldaten für eine Parade formieren, spricht ein Hauptmann der Kavallerie mit einem Sergeant der Nachrichtentruppe.

Die Paradeuniformen dieser Zeit ähnelten sehr der deutschen Uniform.
So wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870-71) der amerikanische Militärattaché
1876 in Paris von der Bevölkerung angepöbelt, die ihn für einen deutschen Offizier gehalten hatte.

 

 

 

(Mit freundlicher Genehmigung des Center of Military History der U.S. Army)

 

 

Eine Kompanie der U.S.-Kavallerie in Fort Maginnis, Montana, formiert sich in voller Paradeuniform, 1885. Bemerkenswert die Korkhelme, die Pickelhauben nachempfunden waren.
(
Montana Historical Society)

 

Eine Gesamtdarstellung aller Einsätze der U.S.-Kavallerie ist Utopie, aber die Darstellung der Geschichte der berühmtesten Reiterregimenter dieses Abschnitts der Pionierzeit zeigt charakteristisch und repräsentativ die Aufgabenstellung, die Einsätze, die Organisation und das Leben des einfachen Kavalleristen auf. Jene Hintergründe, die angesichts der historisch-publizistischen Wiedergutmachung am indianischen Volk in den Schatten gedrängt und fast vergessen worden sind. Amerikanische Historiker arbeiten heute die Sünden ihrer Väter auf.

»Da waren (1865) über 200.000 Indianer, die Sioux, die nördlichen Cheyennes und Arapahos im Norden, die Comanchen, die südlichen Cheyennes, die Kiowas und Apachen im Süden. Überwiegend unvergleichliche Reiter, exzellente Kämpfer, harte und tapfere Krieger, die manche als »die beste leichte Kavallerie der Geschichte« bezeichneten. Hätten sie einen Dschingis Khan gehabt, der sie organisiert hätte, so hätten sie die amerikanische Expansion nach Westen blockieren, zumindest aber hinauszögern können. Aber zur Zeit ihrer Kriege mit den Amerikanern verfügten sie nur über taktisch begabte Häuptlinge, nicht aber über einen einigenden Anführer, einen visionären Häuptling wie Tecumseh.«
Robert Leckie, THE WARS OF AMERICA, 1968
»Die Indianer wurden als blutdürstige, mörderische und hinterhältige Teufel, ständig auf der Jagd nach Skalps von Weißen befindlich geschildert, nicht vertrauenswürdig und nur als Tote gut. Aber die Indianer verhielten sich nicht anders, als die weißen Amerikaner es sie gelehrt hatten. Fast nichts wird darüber gesagt, wie die politischen Parasiten in Washington den roten Mann beraubten, betrogen, austricksten, beschwindelten und übervorteilten, wann immer sie Gelegenheit dazu hatten... Es gab zu viele unehrenhafte, betrügerische Indianeragenten, die durch ihr Verhalten das Leben der Siedler und der regulären Soldaten aufs Spiel setzten, als die amerikanische Öffentlichkeit jener Tage es wahrnahm.«
E. A. Briningstool, TROOPERS WITH CUSTER, 1952

 

 

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